Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Streikentschädigung: sind wir wieder gut …

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pfeiferl

Selbst für eine Zwischenbilanz, ist das bisher Erreichte mickrig!

Wir erinnern uns. Zum ersten mal in diesem Staat ging eine Berufsgruppe gegen den Willen des ÖGB und unter enormem internen Druck auf die Straße und demonstrierte gegen den Vertragsbruch seitens ihrer Arbeitgeberin.

Es gibt einen (Ärzte-)Streik und das ist etwas ganz Besonderes https://medicus58.wordpress.com/2016/09/10/es-gibt-einen-aerzte-streik-und-das-ist-etwas-ganz-besonderes/
Ärztestreik: Neue Besen schießen scharf aber fürsorglich https://medicus58.wordpress.com/2016/09/02/aerztestreik-neue-besen-schiessen-scharf-aber-fuersorglich/

Neben den ohne interne Koordination angeordneten Streichungen von 40 Nachtdiensten ging es natürlich auch um Arbeitsverdichtung und ein unerträgliches Arbeitsklima.
Bei der Versammlung am Stephansplatz wurde schließlich von den früheren und jetzigen Verhandlern der Personalvertretung und der Ärztekammer auch ausgesprochen, worum es wirklich geht, wenn die öffentliche Gesundheitsversorgung Wien wieder ihren Namen verdient:

Den Rücktritt von Wehsely und den von ihr entgegen allen Warnungen eingesetzten Generaldirektor und seiner Beraterschaften.

Im einem nach zähen, konstruktiven Verhandlungen präsentierten Zwischenergebnis (Zurück in die Zukunft des KAV https://medicus58.wordpress.com/2016/09/22/zurueck-in-die-zukunft-des-kav/ ), das medial von der Rathauspropaganda natürlich als Endergebnis verkauft wurde,
stand außer einer Neudiskussion der Nachtdienststreichungen und einige Gesprächsrunden nichts drinnen, das einen euphorisch machte.
Interessenszertretung https://medicus58.wordpress.com/2016/09/23/interessenszertretung/

Jetzt liest man, dass die Nachverhandlung ergeben haben, dass 17 der 20 Nachtdienste gestrichen bleiben (http://derstandard.at/2000045554238/Wiener-Aerztestreit-17-von-20-Nachtdiensten-bleiben-vorerst-gestrichen).

Nach hektischem Mailverkehr, in dem immer neue Versuche seitens des KAV gestartet wurden, die durch den Streik aufgetretenen Fehlzeiten in das völlig veraltete EDV System einzupflegen und der sicherheitshalber parallelen Anordnung an die Sekretariate ein Excel-Sheet mit den Namen der Streikenden auszufüllen,
wurde jedem klar, was Kennern der EDV Struktur des KAV ohnehin klar war, dass eine exakte Abrechnung der Fehlzeiten bestenfalls per Hand und somit nie zeitgerecht möglich wäre.

Wenn nun die Ärztekammer den Streikenden den entgangenen Lohn ersetzen möchte (http://diepresse.com/home/panorama/wien/5097683/Kammer-will-streikende-Aerzte-entschaedigen) freut das den Zyniker:
Für Arbeitnehmer ist es völlig einerlei, ob ihnen der Verdienstentgang (bei den Stundenlöhnen im KAV sind diese 5 Stunden ohnehin kein Haus) von einer Gewerkschaft oder von einer Kammer ersetzt wird, letztendlich haben sie sich das mit den Umlagen in beiden Fällen ohnehin selbst bezahlt!

Zur Brüskierung der Younion ist die Aktion vielleicht OK, in der Sache aber sinnlos.

Man kann nur hoffen, schließlich ist ja Stillschweigen über die Verhandlungen vereinbart worden (warum eigentlich?), dass da noch mehr raus kommt als drei vorerst gerettete Nachtdienste und ein paar Balint-Gruppen als Beschäftigungstherapie für frustrierte Mitarbeiter.
Janßen und Co. fahren unbeirrt den Deutschen Weg des Durchtauchens fort, an dessen ende zwar einige Kündigungen, aber plötzlich wieder ein sich fügendes Personal steht, so wie das vor Jahren im Rathaus am Beispiel der Berliner Charité gezeigt wurde…..

Bis jetzt beweist der erste Streik gegen Arbeitgeberin und ÖGB, dass sich niemand in diesem Lande vor einer derartigen Zivilcourage fürchten muss …. noch haben die üblichen Verdächtigen (Casablanca) die Lage bestens im Griff.

Übrigens, zum Nachhören wie das Spitalskonzept 2030 im Jahre 2011 noch klang:

 

 

 

 

Written by medicus58

8. Oktober 2016 um 19:07

5 Antworten

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  1. Der Bericht im Standard stimmt nicht, es wurden mehr Dienstreduktionen zurückgenommen. Wir werden das genau nachprüfen und dann berichten, trotzdem wurde der Streikbeschluß nicht zurückgenommen, wir sind sehr vorsichtig. Es gibt auch keine Gespräche hinter verschlossenen Türen Ich habe offen via Medien kommuniziert. lg Thomas Szekeres

    Anonymous

    8. Oktober 2016 at 20:29

    • Dann hätten Weissmüller und Leitner längst entgegnen müssen!
      Aussagen aus der GD lassen aber die Zahl NICHT unwahrscheinlich erscheinen!
      Ihre Kommunikation ist offen, nur sitzenn Sie nicht am Verhandlungstisch….

      medicus58

      8. Oktober 2016 at 20:48

    • Zwar nicht genau zum Thema, aber aktuell:
      Ich hatte gestern fast zufällig ein kurzes Gespräch mit Sektion 3 und hab darauf hingewiesen, dass immer mehr Spitalsambulanzen zusperren – was für Betreuung von „Seltenen“ ein besonderes Gschiß ist. Ich weiß bis jetzt nicht, wie ich die Antwort einschätzen soll: „Aber das müssen sie doch der Wehsely sagen … “
      Ich werd nochmal nachfragen, wie ich das interpretieren soll – eventuell brauch ich ja auch ein Hörgerät oder eine recht starke rosa Brille.

      Hansi

      9. Oktober 2016 at 07:48

      • Schwerpunktbildung, die sich natürlich immer auf die häufigen Diagnosen konzentriert, ist für die Diagnostik/Therapie der „Seltenen“ natürlich schlecht. Wenn ich die Mentalität von McDonalds (viel PR, dann merkt niemand, dass es immer Fleischlaberln sind) in die Medizin trage, dann kann ich kein Chateaubriand erwarten😉
        Vielleicht vertsteht sie das, die Stadträtin, die sich früher doch so für Minderheiten interessiert haben will und nun ihre Partei zu solch einer macht.

        medicus58

        9. Oktober 2016 at 08:59

  2. Was unsere Ärzte leisten (zwölfstündige Operation!): http://ooe.orf.at/news/stories/2802041/

    Christine Kainz

    9. Oktober 2016 at 12:02


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