Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Hans Jörg, geh voran

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Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die Machtübergabe Jörg Haiders an seine Nachfolgerin (Susanne, geh voran) im damaligen Bienenzüchterverein BZÖ, jetzt könnte man den Sager umdrehen.

Hans Jörg Schelling, der als Haupverbandvorsitzender für eine Aufwandsentschädigung von monatilch 3000 € schon einmal die Lösung aller Probleme unseres Gesundheitssystems im Helpdesk gefunden hat (Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind) krönt sein Karriere in dem er mit PRAEVENIRE, dem Gesundheitsforum Seitenstetten erneut uns allen voraus geht und:

den Patient im Mittelpunkt des Miteinander aller Interessensgruppen
stellt und mit Structure follows strategy zum Schluss kommt
PRAEVENIRE ist, dass es um Menschen und nicht Systeme geht.

Im Schlagschatten des Stifts Seitenstetten klingt der Ansatz auf Latein noch humanistischer und zukunftsforscher:

prae-veniō <venīre, vēnī, ventum>

praevenio(m. Akk.)zuvorkommen, überholen

Angesichts des Vorsitzenden und seiner Vita, vom XXXLutz-Steuerschoner und -Millionär zum Wirtschaftskämmerer und Finanzminister, mögen Zweifel aufkommen, ob es im bei seinen Aktivitäten nur um unser aller Gesundheit geht, aber auch dafür würde sich der Name seines Vereins eignen, gibt doch das Wörterbuch als weitere Übersetzungunsmöglichkeit auch Folgendes an:

praeveniovereiteln, verhindern

Aber schließlich findet man unter den Unterstützern auch die ÖÄK und die Wiener Ärztekammer, neben den üblichen Verdächtigen….

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Written by medicus58

19. März 2019 at 17:11

Das Zeitalter des Clitoris-Neids ist angebrochen, nur ändern wird es nix

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https://amp.theguardian.com/commentisfree/2019/feb/20/clitoris-gift-ingrained-fear-fgm-tackle-outdated-mysogynistic-views-sex?

Ich bin ja prinzipiell der Meinung, dass man zwar nicht alles tun sollte, was einem in den Sinn kommt, aber sehr wohl über wirklich alles sprechen kann und soll; wenn sich was ändern soll.

Immer öfter befällt mich aber das Gefühl, dass immer mehr Tabus angesprochen werden, um sich einen Dialog über wirklich brennende Probleme zu ersparen, also die wirklichen Tabus zu schützen.

Kaum jemand wird in Abrede stellen, dass es trotz 100 Jahre Frauenwahlrecht und über 100 Jahre nachdem Freud den clitoraler Orgasmus als unreif und potentiell krank klassifizierte, auch in unserer Gesellschaft noch geschlechtsspezifische Benachteiligungen gibt.

Auch wenn der Gender Pay Gap einmal jährlich aufpoppt, viel mehr mediale Coverage bekamen zuletzt die „Enttabuisierung der Monatsblutung„, „Ovarkühltruhen zur Verschiebung der Reproduktionsphase“ und jetzt im Guardian die Ablöse von Freuds Penisneid durch das Geschenk Clitoris.

Das alles mag einem zwar das Gefühl vermitteln es würde sich was bewegen in der Wertschätzung von Frauen, nur ändert das alles halt weder etwas an der ökonomischen Stellung der Frau noch an (auch von Frauen) tradierten Klischees oder bringt es mehr Transparenz in der Bezahlung gleichwertiger Arbeit,… oder Kinderbetreuungsplätze, oder Papa-Monate,… oder um einmal über den Tellerrand zu schauen eine Lösung für Millionen Frauen, die sich keine moderne Monatshygiene leisten können.

Written by medicus58

21. Februar 2019 at 19:30

Veröffentlicht in Generationen

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René der Retter meiner Matratze

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Vom HAK-Abbrecher zum Milliardär, der in „seinem“ Unternehmen nach einer Verurteilung keine Funktion mehr hat, aber von allen als Retter in der Not gesehen wird, weil „er“ Unternehmen wie Karstadt wieder flott bekommen hat und nun „KIKA/Leiner rettet„.  Auch Ihr Medicus zählt zur großen Zahl an Kunden, die nach seit Wochen nach eine Anzahlung auf ihr Produkt warten. Also eigentlich muss ich dem René nun auch dankbar sein und da beginnt man sich erstmals zu fragen, wer denn dieser Robin Hood aus Tirol denn eigentlich ist.

Für seine Projekte fand er regelhaft Partner die viel Geld anzulegen hatten. Wenn die Herkunft dieses Geldes (bisweilen rechtskräftig) hinterfragt wurde, zahlte er die Partner aus und trennte sich wieder von ihnen. Daneben umgibt er sich mit auch politisch gut vernetzten Leuten, die nicht nur Geld einbringen, sondern auch ihr Netzwerk und die er auch gleich indie Aufsichtsräte seines Firmengeflechts setzte. Kein rundweg neues Vorgehen, aber wohl sehr wirksam, um „unter cih zu bleiben“.
Wenn man es auf eine dürre Formel bringen möchte, dann beruht sein Erfolg auf der Erkenntnis,die schon McDonald’s groß und seine Franchise-Nehmer arm gemacht hat:
Geld macht man nicht nicht mit dem Backen von Brötchen, sondern mit den Immobilien, in denen sie gebacken werden.

Auch wenn die aktuellen Schlagzeilen Beno als Retter von tausenden Arbeitsplätzen bejubeln, hat er beim KIKA/Leiner Deal mit 80% seines Investments Immobilien erstanden und nur den Rest in das „Möbelgeschäft“ investiert. Obwohl er dieses Know-how gewinnbringend in der Möbelsparte seines Karstadt-Imperiums integrieren wird, ist es ihm weniger Wert als das Betongold. Die in Deutschland breit diskutierten Risiken der Karstadt hat SIGNA auch mit der erstaunlich offenherzigen Antowrt gekontert, auch wenn Karstadt scheitert, finden wir für die Verkaufslokale rasch Nachmieter, so dass unser Risiko gering ist.
Wenig überraschend handelt es sich bei Benkos Geschäftsmodell einmal sicher nicht um ein humanistisches Projekt zu Rettung von Arbeitsplätzen, auch wenn er seit 2011 zum Tiroler des Jahres und 2012 von Trend zum Mann des Jahres gekürt wurde. Ihm vorzuwerfen, dass er halt einfach Geld- und Macht-gierig ist, wäre aber gerade heutzutage kein wirkliches Alleinstellungsmerkmal. Darüber lächelt der der verstorbene Billa/Merkur Gründer Karl Wlaschek nur wissend aus seinem Mausoleum im Palais Kinsky auf der Freyung.

Liest man sich nun durch die im Netz liegenden Informationen, so ist man zwischen der huldigenden Euphorie derer, die hier ein Naturtalent mit dem richtigen Riecher sehen wollen, und den anderen, die in Benko nur den Strohmann gewaltiger Geldwäschereien sehen.

Was auffällt, ist aber seine seit Jugendtagen ausgeprägte Fähigkeit

Geldgeber an Bord zu holen, die offenbar sehr viel ungebundenes Geld haben, bzw. Geld, das schleunigst irgendwo angelegt werden muss.
Eine weitere bemerkenswerte Fähigkeit scheint aber zu sein, dass er
sich, wenn diese Geldgeber größere Schwierigkeiten mit den Behörden haben, rasch von den Geldgebern trennt.

Bislang gelang es Benko bis auf einmal (siehe Verurteilung (2012-2014), sich selbst aus all dem rauszuhalten. Auch wenn ihm das zukünftig vielleicht nicht mehr gelingen sollte, scheint er mir nicht das wesentliche Objekt allfälliger Fragen zu sein.

Die (gesellschafts-)politische relevanteren Fragen wären:

Wieso ist denn so viel volatiles (ungebundenes) Kapital verfügbar, dass innerhalb von weniger als zwei Jahrzehnten daraus ein persönliches Vermögen in Millionen (oder siehe unten Milliardenhöhe) abfällt.
Hat die Gesellschaft von diesen Werten annähernd ebenso viel abgeschöpft, wie von meinem Gehalt (also sicher irgendwas um die 50% in Form von Einkommenssteuer, Umsatzsteuer, Verbrauchssteuer)?
Und wenn, was ich vermute, das nicht so war, weshalb interessiert sich die Politik mehr für Mindestsicherung und Krankenstände, als für die hier entgangenen Gelder.

Eine Materialiensammlung für alle, die sich so wie ich wundern, aber vorab eine Warnung, vieles bleibt unklar:

Kein Erbe, seine Eltern waren ein Gemeindebediensteter und eine Erzieherin. Mit 17 sanierte gemeinsam mit einem Freund und Baumeister Hans Zittera managte er gewinnbringend Dachbödenausbauten in der (auch aus dem DKT bekannten) Innsbrucker Maria-Theresien Straße.

1999

gründet er das Zweipersonenunternehmen Immofina Holding GmbH
Zum Schilling-Millionär wird er, in dem er günstig das Gesundheitshotel Lanserhof nahe Innsbruck kauft und es an den Kitzbüheler Hotelier Christian Harisch weiter gibt.
Viele Kommentatoren berichten auch, dass die Signa Holding GmBh 1999 gegündet wurde, auf der Signa HP liest man jedoch, dass erst 2006 Immofina in die SIGNA Holding GmbH umbennant wurde. 

2000
ging er, geschieden und Vater eine vierjährigen Tochter, nach Wien. Sein erstes Projekt war ein Dachbodenausbau am Naschmarkt und ein Ärztezentrum bei Baden
Karl Kovarik
, der die geerbten Stroh Tankstellen an die ÖMV verkauft hat, überantwortet dem erfolgreichen Jungunternehmer Benko sein Erbe (ca. 25 Millionen Euro (damals 350 Mill Ösis))  und wird danach auch Gesellschafter bei Signa Holding GmbH. Im Zuge eines Scheidungsverfahren 2010 kommt es zu bemerkenswerten APA Aussendungen, Fortsetzung, 2012 starb Kovarik übrigens.
In Berlin werden damals noch günstige Zinshäuser eingesammelt. In Düsseldorf wird ein Fondhaus gegründet.

2004
kauft Benko ein Kaufhaus in Innsbruck und eröffnet 2010 ein Einkaufszentrum. Seither scheint im seine Heimatstadt sehr dankbar.
Nun entstehen neben nationalen Projekten auch internationale Projekte (Prag, Luxemburg, Gardasee, Mailand, Frankfurt) aus selbst errichteten oder zugekauften Objekten, die über Fonds finanziert werden, die viele Investoren anlocken..

2006
aus Immofina Holding GmbH wird Signa Holding GmbH
wobei die Projekte immer größer werden. Wie 2009 beim Kauf von zwölf Bank-Austria Immobilien (Meinl am Graben) und  2012 beim Kauf der BAWAG Immobilien (Otto-Wagner PostsparkasseGoldenes Quartier)

2010
Den immer größer werdenden Kapitalbedarf deckte zwischen 2012 und 2015 der griechische Reeder George Economou ab.  Die Forbes-Liste der reichsten Unternehmer weltweit führte ihn 2008 auf Platz 707. 2015 bekommt er

2012
Am 2. November wird Benko am LG WIen gemeinsam mit seinem Steuerberater wegen „versuchter verbotener Intervention“ zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, weil Michael Passer im Auftrag von Benko den früheren kroatischen Premierminister Ivo Sanader 150.000 Euro angeboten hat, um ein in Italien anhängiges Verfahren zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Das Urteil wurde am 11. August 2014 vom OGHbestätigt
Signa kauft KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München

2013
Am 18. Juni zieht sich Benko aus der operativen Führung der Signa Holding GmbH zurück und übernimmt Vorsitz des Beirates der Signa-Gruppe

2013
übernimmt Benko das deutsche Warenhaus-Imperium Karstadt. Jetzt kommt das Kapital vom israelische Minen- und Diamanten Milliardär Beny Steinmetz  der zuletzt 2017 gemeinsam mit dem auch hier wohlbekannten Tal Silberstein in unseren Medien genannt wurde, weil er wegen des Verdachts auf Geldwäsche, Urkundenfälschung und Bestechung in Israel verhaftet wurde. Benko hatte schon 2015 nach FBI Ermittlungen seinen neuen Geschäftspartner mit 15 Karstadt-Warenhausimmobilien in verschiedenen Städten ausgekauft.

In diesem Jahr stieg auch Roland Berger Strategy Consultants, einer der weltweit führenden Unternehmensberatungsgruppen, bei Signa ein, nachdem sie sich selbst (!) von den Gesellschaftsrechtsexperten von Dorda Brugger Jordis beraten haben lassen.

2016

erhielten laut TT die Signa-Eigner insgesamt 72 Millionen Euro an DividendenDer Großteil davon, insgesamt knapp 41 Millionen Euro, gingen an mehrere Signa-Gesellschaften, die mehrheitlich im Eigentum der Familie Benko stehen, sowie direkt an die Familie Benko Privatstiftung. Knapp 8,7 Millionen Euro erhielt die Falcon Private Bank des Scheichtums Abu Dhabi, die nach einer Geldwäsche-Affäre in der Schweiz inzwischen nicht mehr an Signa beteiligt ist. An die Privatstiftung von Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner flossen 3,6 Millionen Euro. Insgesamt 15 Aktionäre werden aufgelistet, darunter etwa die Privatstiftung von Airliner Niki Lauda, die Icarus Invest Anstalt von Harti Weirather, die Novo Invest von Novomatic-Gründer Johann Graf oder der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster aus dem deutschen Nordrhein-Westfalen.

2017
Laut Trend betrug Benkos Vermögen 2017 3,73 Milliarden, andere sprechen noch immer vom Millionär, vermutlich weil die wahren Besitzverhältnisse des Firmenimperiums nicht leicht zu durchschauen sind.

SignaHolding GmbH hat laut eigenen Angaben ein Immobilienvermögen von rund EUR 7,5 Mrd. und ein Umsatzvolumen in Retailbeteiligungen von rund EUR 3,8 Mrd., in 17 Jahren geschaffen und hat ein ziemlich unübersichtliches Beteiligungsnetz.

Mit Hilfe der genannten, inzwischen verstorbenen oder ausbezahlten  Geldgebern wurde ein Imperium geschaffen, dessen Spitze nun zum überwiegenden Teil der Benko Privatstiftung gehört. Dahinter kommt offenbar Ernst Tanner, Verwaltungsratspräsident von Lindt & Sprüngli, der sich über einen 10% Anteil freut und seit 2017 „Fressnapf-Gründer“ Torsten Töller mit 5 % an der Signa Holding.
Wie schon in früheren Jahren, hat man sich von Investoren, denen die Justiz zu nahe gekommen ist, wie der Falcon Private Bank aus Abu Dhabi rechtzeitig getrennt. Angeblich ist sie noch in zwei Töchtern drinnen. Ob die  Investmentgesellschaft Aabar aus Abu Dhabi noch dabei ist, der besagte Bank gehört, könnte man Niki Lauda fragen, der seit 2011 Markenbotschafter von Aabar ist und das Unternehmenslogo auf seinem Kapperl trägt.

Ende des Jahres übernimmt Signa (u.a. auf Intervention von BK Kurz) die Immobilie des Stammhauses von Möbel Leiner in Mariahilf.

2018 kauft Signa Holding Kika/Leiner von der insolventen Steinhoff-Gruppe und ich hoffe meine Matratze noch doch bald zu bekommen.

Neben finanzkräftigen Freunden umgibt er sich Benko gern mit Fachleuten, die auch eigenes Geld mitbringen:

„Ich habe mir immer Topleute geholt, weil mir als junger Unternehmer die Berufserfahrung und die Netzwerke fehlten“
Benko nahm in den Jahren 2015, 2016 sowie 2017 an der Bilderberg-Konferenz teil.

Ex-Bundeskanzler Gusenbauer, dessen Verbindungen in den Osten ja medienbekannt sind, sitzt auch gleich in „befreundeten Aufsichtsräten“
Ex-Porsche Chef Wendelin Wiedeking, dessen Signa Engagement in der Wikipedia verschwiegen wird
Ex-Generaldirektor der Casinos Austria AG Karl Stoss, der 2017 mit dem Komturkreuz mit dem Stern des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordens ausgezeichnet wurde (?!?)
Ex Chef der bundeseigenen österreichischen Immobiliengesellschaft, Christoph Stadlhuber wurde CEO der Signa Holding
Ex-Vizekanzlerin und Wüstenrot-Generaldirektorin Susanne Riess sitzt im Beirat
Ex-Rewe/Migros Manager Ernst Dieter Berninghaus ist Chairman der Signa Holding
Ex Rewe-Manager Stephan Fanderl wurde zum Chef von Karstadt, aber dann von
Immobilien- und Investitions-und Sanierungs Spezialisten Wolfram Keil abgelöst
Ex-Geschäftsführer der Bundesimmobilien Gesellschaft DI Christoph Stadlhuber sitzt in der Geschäftsführung von Signa Holding GmbH

Die Liste und Netzwerke ist erwartungsgemäß sehr lang, die drei Premiumwarenhäuser z.B. führen die italienisch-thailändische La-Rinascente-Gruppe und mit ihr Vittorio Radice („Mr. Selfridge“).
Signa interessiert eben weiterhin das Betongold und nicht so sehr das darin ablaufende Geschäft, wobei das auf der Homepage auch ganz offen gesagt wird:

SIGNA wurde in nur 17 Jahren von einem Zwei-Mann-Unternehmen zu einem internationalen Player im Immobilienbusiness. SIGNA Real Estate ist mittlerweile einer der größten privaten Immobiliendeveloper in Europa. Mit rund 20.000 Mitarbeitern an 125 Standorten zählt auch SIGNA Retail zu den Großen in Deutschland

Allen, die sich nun über den Retter René freuen, oder in ihm die Spitze eines gewaltigen Geldwäsche-Kartells vermuten, sei gesagt, dass es nicht so sehr um die Person geht, sondern um ein hoch vernetztes und sich dadurch selbst politisch und rechtlich absicherndes System, das (scheinbar?) enorme Werte ans Licht bringt.

Ganz sollten wir Honoré de Balzac nicht aus den Augen verlieren, der schon vor über zwei Jahrhunderten argwöhnte:  Hinter jedem großen Vermögen steht ein Verbrechen.
So sehr ich im Prinzip Oskar Lafontaines Überlegungen aus 2015 folgen könnte (siehe unten) zeigt uns gerade das Beispiel SIGNA, dass „die Linke“ lernen muss neue Fragen, eben solche die ich oben gestellt habe, zu fragen, denn das „alte Modell, dass Kapital überwiegend aus gestohlener Arbeit gebildet“ wird, erklärt uns das Phänomen René Benko sicher nicht:

Die 55 reichsten Deutschen“ nennt und feiert heute die Bildzeitung. Mit kleineren Buchstaben erklärt das Blatt: „Milliarden mit Lebensmitteln, Autos, Kosmetik.“ Das ist beschönigend oder besser gelogen. Es müsste da stehen: „Milliarden durch die Arbeit von Millionen Beschäftigten“. Schon der große französische Schriftsteller Honoré de Balzac wusste: Hinter jedem großen Vermögen steht ein Verbrechen. Durch welches Verbrechen sind diese Leute so reich geworden? Sie haben das, was Millionen andere erarbeitet haben, sich angeeignet oder gestohlen und sind dadurch reich. Wir leben in der „Privatwirtschaft“. Privare ist ein lateinisches Wort und heißt rauben. Zur Zeit der Aufklärung waren die Leute noch klüger. Sie sagten: Eigentum entsteht durch Arbeit. Diese „Reichen“ sagen: Milliardenvermögen entsteht dadurch, dass wir anderen das Ergebnis ihrer Arbeit wegnehmen. Bild schreibt: „Deutschlands Unternehmer sind erfolgreich wie nie“ und vergisst hinzuzufügen, erfolgreich wie nie darin, anderen den Ertrag ihrer Arbeit wegzunehmen. Das ist verständlich. Unter den 55 reichsten Familien befindet sich auf Platz 29 Friede Springer mit 4 Milliarden Euro. Wie sagte der Gründungsherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Paul Sethe?: „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten ihre Meinung zu verbreiten.“ Dazu gehört auch die Freiheit, die Lüge oder das Märchen zu drucken, die vielen Milliarden seien von ihnen selbst durch ihre „unternehmerische Leistung“ erarbeitet worden.

Damit sei aber nicht gesagt, dass hinter den neuen Vermögen nicht auch eine Art Raub steht!

Links: 
Der kaufwütige Tiroler
Immobilien-Shootingstar Benko: aus „Immofina“ wird „Signa“
René Benko und seine Freunde
Lektion gelernt
Rene Benko kauft Steinhoff-Tochter in Österreich
Vom Schulabbrecher zum Multimillionär
Signa Holding
Wikipedia

Written by medicus58

23. Juni 2018 at 15:09

Von Beratern, großen Zahlen, der Klimakatastrophe und der einfachen Lösung

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Und wieder und wieder sitzen wir smarten Anzugträgern gegenüber, die uns – gegen gutes Salär – Lösungen präsentieren, auf die wir trotz jahrzehntelanger Berufserfahrung nicht im Traum gekommen wären,
vielleicht aus gutem Grund.
Natürlich geht es wieder um Berater, die an allen Ecke lauern und nur gefragt (und bezahlt) werden wollen, und schon erbrechen sie Lösungen für alles und jedes, und natürlich garniert mit atemberaubenden Zahlen.

Hundertausende Arbeitsstunden könnten eingespart werden, ja wenn wir nur eine bestimmte Software anwenden würden.

Einen Apfel pro Tag und das Leben verlängert sich.
Eine Zigarette im Beisl weniger und die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt ins unermessliche. 

Die Muster sind stets die gleichen:
Da gibt es ein Problem, in der Regel zu hohe Personalkosten, aber auch zu viele Krankenhausaufnahmen, Sterbefälle oder Migranten im Park, WTFever.
Dieses Problem wird noch dadurch vergrößert, in dem man es mit einigen Jahren, einigen Filialen, einigen Erdteilen multipliziert (die große Zahl).
Danach isoliert man einen Prozess (pfeift auf Kollateralschäden und den gesunden Menschenverstand) und berät:

Ihre Sekretärin verbringt jeden Tag 30 Minuten mit dem Suchen von Krankengeschichten.
Das Spital hat 200 Sekretärinnen, macht pro Tag 6000 Minuten = 100 Stunden, macht im Schnitt pro Monat 3000 Stunden,
das sind schon ca 17 Sekretärinnen, die Sie einsparen können, wenn sie auf Krankengeschichten verzichten und auf das papierlose Spital umstellen. 

WOW, wieso sind Sie nicht darauf gekommen?

Ich wäre ja darauf gekommen, ich hätte (in ähnlicher Denke) auch schon den Kohlendioxid-Ausstoß und die konsekutive Klimaerwärmung gelöst, aber mich fragt ja keiner.

Sie fragen mich doch? Ja, gerne – und sogar kostenlos …

Die eingeatmete Luft enthält:
20.9 % Sauerstoff,
78,1 % Stickstoff , 
0,93 % Argon und 
0,035 % CO2.

Nach Pschyrembel, Medizinisches Wörterbuch, 257. Auflage, 1994 S. 130 enthält
die ausgeatmete Luft:
16 % Sauerstoff,
80 % Stickstoff + Argon und
4 % CO2.

Die Atemfrequenz beträgt beim Erwachsenen 16 – 20/min.
Das Atemzugvolumen (Atemvolumen) beträgt beim Erwachsenen in Ruhe 400 – 600 ml.
Das bedeutet rund 9 l Atemvolumen pro min und damit einen CO2-Ausstoß eines Menschen von rund 0.7 g/min.

Hochgerechnet auf die 6,5 Mrd Menschen konnte gezeigt werden, dass der Kohlendioxidausstoß der Menschheit (flatulierende Steakproduzenten in Argentinien überhaupt mal außen vor) 10% der Industrieemission ausmacht (Lit).

Ja, und nun kommt es, ich bin so stolz auf mich:
Wenn wir alle auf dieser Welt nur auf einen Atemzug eine Minute die Luft anhalten würden, dann wären das 4.550 Tonnen eingespartes Kohlendioxid!
Wenn wir das alle jeden Tag machen, haben wir pro Jahr 1.660.750 Tonnen eingespart!
Und wenn wir das ein Jahrzehnt lange machen, dann müssen wir uns warm anziehen, weil es so kalt auf unserem Planeten geworden ist …

Aber warum holen die starken Männer in ihren weißen Mänteln nun nur mich ab Und der Herr Berater darf weiter frei herumlaufen?
Nein, ich will die Jacke nicht anziehen ….

Der dort ist der Berater, ich habe ja nur mal dilettiert ….

Links:

Beraten – Verraten: Das wahre Problem hinter externen Beratern

Der KAV beschäftigt die falschen Berater

Reich wird, wer das Seine jedem verkauft: Die Gesundheitsberater

Sicherheitsberater: Widerstand zwecklos

Wien: Den Sound vernahm ich wohl, allein mir fehlte der Glaube

Gangbetten – Liebe Kunden wir eröffnen in Kürze Kassa 3

 

Written by medicus58

20. Mai 2018 at 08:38

Die Toten Seelen des PV-Gesetzes und des ÖSG

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Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen von meiner Verehrung für Gogols Roman Die Tote Seelen, in dem mit schon längst verstorbenen Leibeigenen noch gute Geschäfte gemacht werden.
Auch in der Gesundheitspolitik wird gerne mit Parametern jongliert, die eigentlich gar nicht mehr existieren.

Blättert man die aktuellen Entwürfe des PVG (Primärversorgung) und des ÖSG (Österr. Strukturplan Gesundheit) durch, dann zieht sich durch beide ein Denkansatz:
Die Versorgung der Patienten muss weg von den Facharzt dominierten Spitälern hin zu den Allgemeinmedizinern:
Aufwertung des Berufsbildes Allgemeinmedizin 

Wäre man wohlmeinend könnte man auch die (explizit im ÖSG) angeführte Möglichkeit immer mehr Tätigkeiten des Arztes an andere Gesundheitsberufe abzutreten, in diesem Sinne verstehen:
Teambasierte Primärversorgung

Eine ambulante Fachversorgung sollte nur mehr dort stattfinden, wo es keinesfalls mehr ohne Fachärzte geht.

Jetzt könnte ich meine Vorwürfe erneut erheben, dass jedem anderen Beruf immer mehr Spezialisierung zugebilligt wird, nur in der Heilkunde soll der Allgemeinmediziner mit dem Großteil der medizinischen Probleme allein zurecht kommen,
nur verstehe ich schon das Diktat der leeren Kassen, wo ein Besuch beim PA (einschließlich der Folgebesuche) halt billiger ist als beim Facharzt, nur geht es mir gar nicht mehr darum.
Ich sehe augenblicklich die größte Sollbruchstelle all dieser Versorgungsphantasien darin, dass es die Dreh-und Angelpunkte all der politischen Bemühungen gar nicht mehr gibt!

Fachärzte stellen schon seit längerer Zeit die Mehrheit aller Ärzte!
Umfragen bei Medizinstudenten ergeben regelmäßig, dass sich die Mehrheit spezialisieren und außerhalb des österreichischen Pflichtversicherungssystems agieren möchte!

Soviel medizinische Leistungen kann man (fachlich und gesetzlich) gar nicht zu den anderen Teilnehmern der teambasierten Versorgung verschieben, dass man für das beabsichtigte System noch genügend einheimische Ärzte finden wird.
Niemand hat noch erklärt, welche der neuen Versorgungsformen denn um so viel interessanter als das Bisherige wären, damit es zu einem Boom in die Allgemeinmedizin kommt.

Dort wo das anläuft, wie in der grünen Gruppenpraxis in Mariahilf, läuft es nur wegen massiver zusätzlicher Subventionen.
All die Telefonhotlines und zusätzlichen nicht-ärztlichen Teammitglieder kosten Geld und gerade daran scheiterte es ja bisher.

Klar war das Überreichen einer Broschüre bisher keine adäquate Ernährungstherapie für den Diabetiker, aber wie der Hausarzt die nun beigezogenen Diätassistentin von den bisherigen Kassentarifen bezahlen soll,
erschließt sich mir nicht. Und wenn nun plötzlich mehr Geld ins System fließt, wie im kleinen Kreis so mancher Sektionschef anmurmelt, frage ich mich, weshalb man damit nicht gleich das bisherige System aufgewertet hat.

Da aber die Gesundheitsökonomie (und ein Rattenschwanz von Interessensvertretungen, IT-Konzernen, …. ) der Gesundheitspolitik vorgaukelt, dass das alles nur Anschub- also einmal Finanzierungen sind,
wird für den so dringend benötigten Allgemeinmediziner, der freudig von der kleinen Handchirurgie bis zur abschließenden Behandlung unkomplizierter Infektionen alles anbietet, wenig von der Knete übrig bleiben,
um gemeinsam mit seinem Team all das (das Folgende ist nur ein Auszug aus dem ÖSG) leisten zu können:

Planung, Koordination und Monitoring des erforderlichen Versorgungsprozesses
Informationsaustausch durch standardisierte Dokumentation und Kommunikation inkl. Team-  und Fallbesprechungen
Information über Selbsthilfegruppen und Opferschutzgruppen einschließlich Vermittlung
Telefonberatung entsprechend den rechtlichen Rahmenbedingungen
Zielgruppenspezifische und populationsbezogene Aufgaben
Aktives Zugehen auf und Unterstützung im Zugang zur Versorgung für vulnerable Gruppen wie z.B. Personen mit Migrationshintergrund, sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen, Risikogruppen
Administrative Aufgaben zur Unterstützung der Lotsenfunktion
Verwaltung, Organisation & Wartezeitenmanagement, Führen von Erinnerungssystemen
Erheben, Nutzen und Bereitstellen von Daten und Informationen für den jeweils erforderlichen Versorgungspartner unter Berücksichtigung des Datenschutzes
Elektronische, multiprofessionell zu nutzende Patientendokumentation (kompatible IT-Systeme, ELGA) unter Berücksichtigung des Datenschutzes (z.B. Zugangsberechtigungen)
Qualitätsmanagement als Grundlage für Versorgung „state of the art“ mit Fokus auf Teamarbeit
Regelung der Kommunikation im Team Führen eines teambezogenen Qualitäts- und Fehlermanagementsystems einschließlich Bereitschaft zur begleitenden Evaluierung
Teilnahme an/ Organisation von Qualitätszirkeln
Regelmäßige Fortbildung
Berücksichtigung evidenzbasierter Leitlinien
Erfüllen der Kriterien zur Aus- und Weiterbildungstätigkeit (Lehrpraxis und Praktika)
Erheben, Nutzen und Bereitstellen von Daten und Informationen zur Wissens- generierung als Grundlage zur evidenzbasierten Analyse und Steuerung des Gesundheitssystems

Ob das die Jungen motiviert in die Ausbildung zum Allgemeinmediziner zu strömen oder die noch im System Arbeitenden anspornt?

Hier belehnt man die Toten Seelen der österreichischen Allgmeinmediziner wie sich einst Pawel Iwanowitsch Tschitschiko auf den Namen längst verstorbener Leibeigener verschuldete.
Oder glaubt man das System zukünftig ohnehin mit der Verpflichtung externer Kräfte bespielen zu können?

PS: Ich lege Wert auf die Feststellung, dass der schriftliche Zusatz rechts von der oben abgebildeten Tafel NICHT von mir stammt!

 

 

Written by medicus58

23. April 2017 at 16:55

Mampfurbastion – ein Trend der durch den Magen geht

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Nix, gegen gute Nahrung, aber irgendwie kommt mir der Grad an Aufmerksamkeit, den viele der Art ihrer Kalorienzufuhr widmen, schon etwas pathologisch vor.
Pizza war gestern, heute belegt man Naan.
Bekämpfte man in unseren Breiten noch bis vor einer halben Generation die Grün- und Rotalgen ausschließlich im heimischen Aquarium, gelten Grün- Rot- und Braunalgen inzwischen als unumgängliches Powerfood.

Pulverisierte Früchte des Affenbrotbaums binden unsere die Saucen,
Die Jackfruit ersetzt das gequälte Huhn aus der Massentierhaltung,
ja, eh gut.
Wer sich an den Meriten einheimischer Körndeln satt gegessen hat, greift ungeniert zu Quinoa, das in den letzten Jahren eine solche Preissteigerung hingelegt hat, dass es für den Indio vor Ort kaum mehr zu bezahlen ist.

Ich entsinne mich noch des abschätzigen Blicks, den man früher für die Erwähnung von Kokosfett erntete, so von wegen Amazonas-Abholzen und so.
Heute schwärmen die Propheten gehobener oraler Befriedigung von seinem Gehalt an Eiweiß, Kalium, Kalzium, Magnesium, Zink, Eisen, Selen, Kupfer, Phosphor, sowie den Vitamine A, B1, B2, B6, C und E,
es muss natürlich natürliches Kokosfett sein, nicht dieses raffinierte.

Die Fokussierung auf die eigenen Ernährung war schon immer als der Sex des Alters verschrien, jedoch ist die besessene Beschäftigung mit immer neuen Brain- und Superfruits heute das Hobby der Jüngeren, zumindest in Bobo-affinen Land- und Stadtstrichen.
Liefen früher die gesellschaftliche Trennlinien zwischen Marcuse und Spengler, trennen uns heute Burger und Baobab.
Die Aufmerksamkeit, die dem eigenen Gemampfe, also letztendlich dem eigenen Körper gegenüber gegenüber aufgewandt wird, erinnert in seiner Ich-Bezogenheit schon daran,
wie Woody Allen einmal die Selbstbefriedigung definiert hat:

Sex mit einem Menschen den man wirklich liebt.
Also im vorliegenden Fall: Mampfurbastion

Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Onan, dem Gatten der Tamar, denn dass war, wie Otto Grünmandl gesagt hätte, etwas ganz anderes.

PS: Das Bild zeigt übrigens eine Brotfrucht, nur falls Sie Ihren Gemüsehändler in den Wahnsinn treiben wollen.

Written by medicus58

8. April 2017 at 17:43

Der schwere Atem der Sozialdemokratie

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Das was die SPÖ für Ihre Mitglieder auf YouTube gestellt hat, weil die Zeiten wo man Parteimitglieder direkt erreichen konnte sind wohl vorbei, hat das Zeug zum Zeitdokument.

„…Genossinnen und Genossen, für die die das gerne hören ….“

Der die piepsende Worthülse „wir nehmen das mit“ von Frau Straubinger übertönende Atemgeräusche des Bürgermeisters.

Freundschaft“ als Abschluss einer Bestandsaufnahme,dass gerade das in der Wiener SPÖ verlustig geraten ist!

Fidel Castro (13.August 1926-25.November 2016) hätte das vom Totenbett besser hingekriegt und der war nie Soizialdemokrat.

 

Castros vermutlich letzte öffentliche Rede:

und noch ein Leckerbissen:

Written by medicus58

26. November 2016 at 13:44

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