Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for Juli 2013

Guter Artikel und Kommentar von Peyerl zum Urteil

leave a comment »

Written by medicus58

17. Juli 2013 at 17:47

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with ,

Wien: Die Koexistenz des Kontradiktorischen

leave a comment »


Das Schöne an Wien ist, dass die Stadt Gegensätze verschwimmen läßt und irgendwann völlig unhinterfragt Kontradiktorisches koexistieren lässt.

Fit Wurst

Lediglich über die Reihenfolge liesse sich spekulieren, zuerst Schwitzen im Fitness-Studio und dann a „Haaaße“ oder umgekehrt …

Written by medicus58

15. Juli 2013 at 07:14

In der Vorwahlzeit wird die Qualität einer Schimäre gerettet

leave a comment »


Szekeres Pilz

Der Boulevard tobt und die Retter der Patienten in Gestalt der Patientenanwältin Dr. Pilz und des Gesundheitsministers Stöger „greifen ein, um endlich Ordnung zu schaffen“.
Die beiden Politiker, erlangen rechtzeitig im Vorwahlkampf Kenntnis davon Kenntnis, dass seit Jahren (die Patientenanwaltschaft weiß von Vorwürfen seit 2009!) in der Ordination einer Wiener praktischen Ärztin (angeblich komplikationsreiche) Abtreibungen durchgeführt werden und stellen die Qualitätskontrolle der Ärztekammer in Frage.

Puls4 ließ auf „Guten Abend Österreich“ den Wiener Ärztekammerpräsidenten Szekeres, der gerade selbst einen Patientenanwalt wählen hat lassen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=93952) und die von der Wiener Politik bestellte Patientenanwältin Pilz (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=82486) aufeinander los und sparte m.E. ein paar wichtige Punkte aus.

Vorausschicken möchte ich, dass meine Kenntnis des Falles ausschließlich auf Medienberichten beruht und ich weder Praktischer Arzt noch Gynäkologe bin (so wie übrigens weder Stöger noch Pilz!), so dass ich mir kein Urteil darüber anmaße, ob in dieser Ordination fachliche Fehler passiert sind oder nicht. Ich greife den Fall auf, weil er wieder einmal die Instrumentalisierung echten oder vermeintlichen ärztlichen Fehlverhaltens für politische Zwecke zeigt, ohne dass die dahinter liegenden Probleme aufgegriffen werden.

Diese sind:

Die Rolle des praktischen Arztes in Österreich
Qualitätssicherung als politisches Druckmittel
&
Die Problematik der Gesundheitsökonomie

Auch wenn die nun beschuldigte Ärztin nur die Narkose und nicht den gynäkologischen Eingriff selbst durchgeführt hatte (dies taten offenbar FÄ für Gynäkologie und diese wären also für die behaupteten Verletzungen zur Verantwortung zu ziehen), läge der Fall gar nicht anders, hätte die praktische Ärztin selbst die Abtreibung durchgeführt
Die Rechtslage ist hier eindeutig, ein praktischer Arzt, der in Rahmen seiner 3-jährigen Turnusausbildung viele Fachabteilungen durchläuft, darf alles, also von der Blutdruckeinstellung bis zum chirurgischen Eingriff, wozu ansonsten nur der jeweilige Facharzt (dessen Ausbildung mehr als das Doppelte dauert) berechtigt ist. Auch ein geschickter Internist darf zum Beispiel keinen gynäkologischen Abstrich anfertigen, der Praktiker schon. Passieren darf halt nix, sonst schlägt das Haftungsrecht zu. 
Die Absurdität betrifft natürlich auch die ärztlichen Sonderfächer: Ein (Bauch-)chirurg darf theoretisch auch Koronargefäße durchschneiden, weil die Herzchirurgie ein Teil des Sonderfaches Chirurgie ist. Dass die meisten Chirurgen im Rahmen ihrer Ausbildung bei einer Herzoperation nicht einmal assistiert haben werden, ist hier irrelevant. 
Wie berichtet hat sich das Gesundheitsministerium mit der Ärztekammer (Niedermoser) auch auf eine modulare Facharztausbildung geeinigt in der ganz explizit einige Teile des jeweiligen Faches  nicht einmal mehr auf dem Paier ausgebildet werden müssen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56548).

Der Streit über die Qualitätskontrolle, ohne der heute offenbar nichts mehr außer dem Bankensektor, dem Militär und der Politik betrieben werden darf (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39411), führte dazu, dass sich die Österr. Ärztekammer, ohne breiter Rückversicherung unter ihren Zwangsmitgliedern, um deren Geld eine eigene Ges.m.b.H, die so genannte ÖQMED (http://www.oeqmed.at/index.php?id=39) leistet. 
Dass eine kammereigene Selbstkontrolle der Qualität kritisiert wird, erfolgt meines Erachtens völlig zu Recht. 
Was aber vergessen wird, ist dass (1.) allfällige ärztliche Fahrlässigkeit im individuellen Einzelfall von keiner Qualitätskontrolle verhindert werden kann und (2.) dass zwar der Ruf nach Qualitätskontrolle gratis, entsprechende Maßnahmen aber viel Geld kosten.
Da das Versprechen, dass sich diese Einrichtung dereinst einmal selbst erhalten wird, bislang uneingelöst ist, ebenso wie nei der ebenfalls kammereigenen Ges.m.b.H. für Arztprüfungen und Fortbildung (ARZTAKADEMIE), muss sie kräftig aus der Ärztekammerumlage querfinanziert werden. All das, nur weil man sich –vermutlich zu Recht – fürchtet, dass die Gesundheitspolitik mit Steuergeldern selbst so ein Vehikel errichtet, dass unter dem Deckmantel der Qualitätssicherung, nur die politischen Vorgaben durchzudrücken hat
Mit ÖBIG, AGES, Umweltbundesamt, … etc. hat die Politik genau das bereits gemacht.
Wenn Stöger also die – unabhängig von der Schuldfrage erschreckenden – Vorwürfe gegen die Abtreibungsordination sofort zum Anlass nimmt, mit so einer Struktur zu drohen, dann ist das eben reale Machtpolitik im Gesundheitswesen.

Der letzte Punkt, Gesundheitsökonomie, scheint mir besonders aktuell. Ich selbst finde es als Mensch und Arzt höchst bedenklich, wenn gefahrengeneigte Eingriffe ambulant durchgeführt werden, jedoch ist das seit Jahren die Vorgabe jeder Gesundheitsreform. Während noch während meiner Ausbildungszeit viele Chemotherapieschemata unter stationären Bedingungen verabreicht wurden, läuft deren überwiegender Teil derzeit tagesklinisch, d.h. die Patienten sitzen am Gang oder in einem Nebenraum der Ambulanz am Tropf. Keine Frage, die Supportivtherapie (z.B. die Mittel gegen Erbrechen) haben sich in den letzten Jahrzehnten gebessert, aber wirklich menschenswürdig ist das in manchen Fällen nicht.

Bei jedem Todesfall nur kurz hinterfragt, sollen auch Mandeloperation tunlichst ebenfalls tagesklinisch erfolgen, auch wenn das Risiko der Nachblutung zu Hause nicht gänzlich auszuschließen ist. 
Die Stadt Wien reduziert die chirurgischen Betten in ihren Häusern, weil auch hier immer mehr „kleine Eingriffe“ tagesklinisch durchgeführt werden sollen
Das freut übrigens die Privatspitäler. 
Wer es sich leisten kann, lässt sich seinen Eingriff eben dort machen und wartet vor Ort ab, ob es zu Komplikationen kommt. 
Wer sich also – meines Erachtens zu Recht – entrüstet, weshalb ein Schwangerschaftsabbruch ambulant in der Ordination durchgeführt wird, sollte bedenken, dass das auch das Geschäftsmodell vieler darauf spezialisierter Institute ist und für immer mehr Eingriffe das erklärte Ziel der Gesundheitsökonomie darstellt. 
Weiters sollten wir den alten Wein in englischen Schläuchen der Gesundheitsökonomie (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=92970) immer wieder hinterfragen, die sich genau auf diese allumfassende Kompetenz des „Praktikers“ oder „Family Doctors“ berufen, die uns im konreten Fall so eigenartig anmutet:
Eine praktische Ärztin jenseits des gesetzlichen Pensionsalters macht Narkosen und beschäftigt Fachärzte für Gynäkologie, um die Preise anderer Abtreibungsinstitute unterbieten zu können.

Ich würde mir folgende Aufarbeitung des Falles wünschen:

Rasche Klärung, ob das ein STRAFRECHTLICHES oder HAFTUNGSRECHTLICHES PROBLEM ist und keine gegenseitigen Beschuldigungen über Qualitätskontrolle und Standesrecht, denn wenn hier jemand systematisch gepfuscht hat ist das in erster Linie ein Fall für den STAATSANWALT und nicht für eine Ehrengericht.

Erst sekundär, wenn der Staatsanwalt hier kein strafrechtliches Vergehen finden kann, müsste sich der Ärztestand fragen, ob der Fall, der sicehr dem Ansehen der Ärzte nicht genützt hat, standesrechtlich zu behandeln ist.

In beiden Fällen hat die Unschuldvermutung für en Arzt zu gelten, aber nicht für die Aufsichtsbehörden, man beachte den Plural, wenn ein Problem seit vier Jahren aktenkundig ist!

Eine prinzipielle KLÄRUNG welchen Grad an Qualitätskontrolle wir ALLE (Ärzte, Patienten, Hauptverband, Politik) im Gesundheitssystem bereit sind zu zahlen und Beauftragung einer weisungsfreien EXTERNEN EINRICHTUNG.

Eine ehrliche ANALYSE des Luftschlosses, dass ein einzelner praktischer Arzt (mit und ohne Lehrpraxis) jemals die Fertigkeiten erwerben kann auch nur die einfachsten Probleme der gesamten Medizin zu erkennen!

Am Dr. med. univ., also der Schimäre des Fachmanns/der Fachfrau gesamten Heilkunde wird nur mehr festgehalten, weil es für das Selbstwertgefühl von Ärzten praktisch und die Gesundheitsökonomie billig ist.

PRESSE: http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/1429348/Bei-der-Abtreibung-schwer-verletzt?_vl_backlink=/home/panorama/oesterreich/index.do
DERSTANDARD: http://derstandard.at/1373512271431/Mehrere-Patientinnen-verletzt-Wiener-Aerztin-bot-Billig-Abtreibungen-an  
OÖN: http://www.nachrichten.at/nachrichten/chronik/Frauen-bei-Abtreibungen-schwer-verletzt;art58,1155831  
NEWS: http://www.news.at/a/wien-abtreibung-verletzungen
KRONE: http://www.krone.at/Oesterreich/Wien_Frauen_bei_Abtreibung_schwer_verletzt-Schwere_Vorwuerfe-Story-368383

Die elektronische Verkehrsinformation hilft ungemein

leave a comment »


Stau

ich wäre sonst nie d’raufgekommen, dass ich im Stau stecke

Written by medicus58

11. Juli 2013 at 16:16

Sag keiner, dass man es uns nicht gesagt hat…

leave a comment »


Time Mag
Eine der faszinierendsten Erkenntnisse nach einiger Lebenserfahrung ist, dass der menschliche Geist in Kunst und Populärwissenschaften viele Entwicklungen bereits Jahrzehnte im voraus erkannt hat.

Natürlich muss man sich vor dem Trugschluss hüten im Retrospekulum nur diese Spekulanten hervor zu holen, die eben auf das richtige Pferd gesetzt haben. 
Wenn der eine Grieche ohne wissenschaftlichen Beweis spekulierte, dass die Materie aus ein paar Grundbausteinen zusammengesetzt wäre und der andere bereits von Atomen schwafelte, ist das noch nicht der Beweis meiner These.
Auch muss man vorsichtig sein, die Dinge der Vergangenheit mit unseren Augen zu sehen, sonst landet man beim heute weitgehend vergessenen, in den 70er Jahren hochpopulären Erich von Däniken, der in jedem südamerikanischen Felsbild gleich außerirdische Raumschiffe sehen wollte.

Angesichts der aktuellen Diskussion über die weltweite Datensammlung US-amerikanischer Geheimdienste fällt einem natürlich George Orwells 1984 ein, in dem er seine rezente, das Buch wurde zwischen 1946 und 1948 geschrieben, Erfahrung mit den Abhörpraltiken im II. Weltkrieg verarbeitete.

Die Sensibilität für die Anwendung der eben aufkeimenden technischen Möglichkeiten, war offenbar nach 1945 wirklich höher als heute, was sich auch in dem Cover des Time Magazine aus 1950 erkennen lässt.
Es zeigt, wie die gerade leistungsfähigste Rechenmaschine der USA (die Briten waren während des Weltkriegs den Amis voraus!), der MARK III in die Hände der Militärs kommt.

Der Harvard Mark III (auch ADEC für Aiken Dahlgren Electronic Calculator) war ein teils elektronisch, teils elektromechanischer Rechner, der an der Harvard University unter der Aufsicht von Howard Aiken für die US Navy gebaut wurde.

Der Mark III wurde im September 1949 fertiggestellt und schaffte es vor seiner Auslieferung an die US Navy Base in Dahlgren, Virginia im März 1950 bereits im Jänner 1950 auf das Titelblatt des Time Magazine.

Sage uns nun keiner, dass wir nicht vorgewarnt wurden. Auch aus diesem Grunde ist es so wichtig, dass wir uns die Herrschaft über die Daten der Vergangenheit nicht gänzlich nehmen lassen, je mehr wir auf analoge Archive verzichten.

Copyright Cover: http://www.time.com/time/covers/0,16641,19500123,00.html

Vom Ostblock in den Westblock

with 2 comments


Stars and Liars

Das Überraschendste an den Enthüllungen von Edward Snowden ist nicht so sehr, dass wir, Private, Industrie und Staaten von den USA abgehört werden, sondern die entlarvende Entspanntheit Europas darüber.

Der aktuelle Spiegel (t.co/hjoTvS0t2Z) gibt eine mögliche Erklärung:
Mit Herrschern kann man befreundet sein, aber man ist ihrem Willen letztendlich hilflos ausgeliefert. In dieser Situation hat man von offizieller Seite kooperiert und zum Teil profitiert.

Dieses Europa, das US Präsident Obama schon den Friedensnobelpreis nachgeworfen hat, nur weil er sich nach den Bushes als Hoffnungsträger anbot, holt andere Präsidenten vom Himmel, nur weil sie eventuell den Mann an Bord haben könnten, der die Wahrheit sagte, obwohl er vereidigt wurde, vermutlich vor Gott, die Unwahrheit zu sagen, eben Edward Snowden.

Gelassenheit diesen USA gegenüber, die inzwischen mehr Menschen verfolgen, weil sie die Wahrheit offengelegt haben, als sie Terroristen zu verfolgen in der Lage sind:
Von Juilian Assange über Bradley Manning zu Edward Snowden

Jene USA, die glauben alles mit 9/11 rechtfertigen zu können, dem Angriff auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001, und glauben, dass die Menschen in Chile 9/11 1973 vergessen haben, an dem laut US-Außenminister Henry Kissinger die Vereinigten Staaten „die größtmöglichen Voraussetzungen geschaffen haben“ Salvador Allende zu stürzen und ermorden zu lassen, von ihrer Marionette Pinochet.

Die USA hatten ihren Anteil daran, dass wir heute nicht mit dem Hitlergruß müssen, jedoch haben US-amerikanischer Geheimdienste seither eine Blutspur durch Südamerika (Guatemala, Nicaragua, Chile, Kuba, …) und Asien (Iran, Korea, Vietnam, …) gezogen und unterstützen Militärdiktaturen in Europa (Portugal, Spanien, Griechenland, …) und das Apartheitregime in Südafrika.

Ich denke, der Kredit für die Befreiung vom europäischen Faschismus ist ausbezahlt.

Imperalisten bespitzeln.

So wie dies Moskau in den Staaten des Ostblocks gemacht hat, tut es Washington im Westblock, den angeblich befreundeten Staaten.
Völlig ungeniert, völlig rücksichtslos!
Die USA tun dies, weitgehend unabhängig vom jeweilig regierenden Präsidenten.
Auch die Lichtgestalt Clinton hat im Sudan Fabriken bombardieren lassen, weil der Geheimdienst sagte, es wären Waffenfabriken ..
Die UDSSR hat diese Rücksichtslosigkeit im ehemaligen Ostblock ebenso ungeniert ausgeübt, nur ist sie u.a. deshalb zerbrochen, weil die Menschen „drüben“, im Ostblock, glauben wollten, konnten, mussten, sich durch ein Anschluß an den Westblock befreien zu können.

Die Einzigkartigkeit der Situation nach Snowden ist vergleichbar der Situation nach 1989: Der Wegfall einer (scheinbaren) Option zum Besseren.

Die USA war Ausgangspunkt der letzten Weltwirtschaftskrisen.
Die USA verlangen von uns vor der Einreise von uns, dass wir deklarieren, ob wir Nazis oder Terroristen sind …
Vielleicht sollten wir das umgekehrt auch einmal verlangen und abwarten, ob noch ein US-amerikanischer Präsident einreisen möchte, in seinen Westblock!
Ach Assange:
sprechstunde.meinblog.at/

 

Written by medicus58

6. Juli 2013 at 19:19

Die wahre Reform der Ärzteausbildung

leave a comment »


reformhaus

ASO (Alte Studienordnung),

NSO (Neue Studienordnung,
KPJ (klinisch praktisches Jahr),
Turnus neu,
Lehrpraxis v.s. Leerpraxis, …

Es ist schon ein paar Jährchen her, als ich den verhängnisvollen Entschluss gefasst habe, mich an der Medizinischen Fakultät einzuschreiben; die sich ja übrigens auch zur Belohnung eifriger Mittelbaukarrieristen zur Medizinischen Fakultät gemausert hat und der Alma mater den, nicht nur durch die rektale Untersuchung, streng riechenden Finger zu zeigen.
Ob meine dort erworbene Lehrbefugnis nicht eine Unbefugnis wurde, mögen die Leser dieser Zeilen beurteilen, aber ich blicke jedenfalls auf eine schier unüberblickbare Fülle an Reformen der der Ärzteausbildung zurück, die stets unter ein und demselben Suffix daherkamen:

REFORM

Das Gute kommt zwar angeblich aus der Apotheke,
jedoch benötigt der Patient hier für die meisten Benefizien ein Rezept.
Im Reformhaus hingegen (gibts die überhaupt noch oder wurden sie alle von den großen Drogerieketten gefressen?) konnte man sich ohne ärztliche Erlaubnis was Gutes tun (lassen).

Die Reformhäuser verdanken ihre Existenz laut Wikipedia der so genannten Lebensreform Mitte des 19. Jahrhunderts hervor, insbesondere aus dem Streben nach einer naturnahen Lebensweise, ökologischer Landwirtschaft, Vegetarismus, Reformkleidung, Naturheilverfahren usw.,

Also schon wieder eine REFORM.

Meine Perseveration verdanke ich der Frühstückslektüre einer parteinahen Ärztevertretung, die davon schwadronierte, dass die österr. Ärzteausbildung im internationalen Verleich nachhinken würde und dem bevorstehenden Qualitätssprung, würde der Gesundheitsminister, der übrigens derselben Partei angehört, nur das Geld für 12 Monate Lehrpraxis hergeben.
Dann wäre alles gut.

Ich möchte gar keine Diskussion beginnen, ob die finanziell vom Steuerzahler unterstützte Unterstützung eines Kassenarztes in einer Lehrpraxis nun unbedingt bessere Hausärzte produzieren würde als die bisherige Praxis, in der der Turnusarzt im Spital ja primär ebenso als billige Arbeitskraft in einem überwiegend vom Steuerzahler finanzierten Krankenhausbetrieb gesehen wurde;
ja werden musste, denn irgendwer muss schließlich die ungeliebten Tätigkeiten tun und die im Spital arrivierten Gruppen (Pflege, ärztlicher Mittelbau, Abteilungsleiter) haben es sich schon so gerichtet, dass ihnen das erspart blieb, solange es noch genug Turnusärzte gab…

Ich verschiebe allfällige Beckmesserei, ob denn die Ausbilder in der Hausarztpraxis die erforderliche didaktische Qualifikation haben, jemanden auszubilden und stelle nur ganz kleinlaut die Frage, woher denn die niedergelassene Ärzteschaft ihre jetzige Qualifikation bekommen hat, die sie im Krankenhausbetrieb offenbar nicht lernen konnten ….

Worum es mir hier eher geht, ist das Unwort der REFORM,
das immer dann aus der Tasche gezogen wird, wenn Missstände offenkundig werden, um die Hoffnung zu nähren, dass sich durch Änderung DIESER Rahmenbedingungen, alles zwangsläufig zum Guten wenden müsste.

Dabei müsste es doch, zumindest denen, die sich wie ich durch ein paar Jahre Lateiunterricht quälen haben lassen, klar werden, dass sie sogar schon die Ethymologie des Wortes sagenhafter Dummheit zeiht:

In REFORM steckt lat. für re zurück und formatio, also Gestaltung, unsere hektischen Reformer wollen uns glaubenmachen, dass wir bei Befolgung ihrer Vorschläge mit einem „großen Sprung nach vorne“ hüpfen würden, oder politisch angepasster „den Anschluss an die vorauseilende internationale Entwicklung“ finden könnten, wobei REFORM (von Paulus bis Luther) eigentlich WIEDERHERSTELLUNG  vergangender aber als besser empfundener Zustände verspricht.

Also eigentlich ein ähnlicher Blödsinn wie die gebräuchliche Metapher „Quantensprung“ für die größtmögliche Vorwärtsbewegung, während der Quantenphysiker weiß, dass es sich dabei um die energetisch kleinstmögliche Ortsveränderung handelt.

Um zum Schluss zu kommen, schliesslich war der Kaffe ausgetrunken und ich musste in die Arbeit fahren, um auszubilden und in der Routine zu arbeiten, befiel mich der erlösende Gedanke, dass wir all die Reformer zum Teufel jagen sollten und – egal auf welchem Gebiet, aber natürlich auch in der Ärzteausbildung, einmal
das Bestehende richtig machen, statt unsere ohnehin knapp gewordenen Ressourcen in immer neuen Reformen zu vergeuden.

Vielleicht waren die alten Konzepte, die wir schließlich auch vielversprechenden Reformen verdanken, gar nicht einmal so schlecht, nur haben wir sie nicht erfüllen können, weil es uns an
Zeit,
Geld,
Energie
 mangelte.
Vielleicht mangelte es uns auch darüberhinaus auch schon an Glauben, dass die x-te Reform etwas an den Zuständen ändern würde, wenn sie nicht auch die Umstände berücksichtigt.

Written by medicus58

2. Juli 2013 at 19:37

%d Bloggern gefällt das: