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Wenn alle ihre persönlichen Erfahrungen als allgemeingültig verbreiten, tu ich das auch mal, ausnahmsweise: Lockdown ist nicht Lockdown

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Unter Eminence based Medicine versteht man, im Gegensatz zur Evidenz basierten Medizin Entscheidungen, die primär auf persönlicher Erfahrung (Meinung) mehr oder weniger berühmter Leithammel (Ärzte, Pfleger, Gesundheitspolitiker,… Experten) beruht und nicht auf systematisch bewiesenen Nutzen, einer Entscheidung.

Auch wenn „Nutzen“ in der Medizin überraschend vielfältig interpretiert werden kann, und für viele notwendige Entscheidungen in der Medizin einfach keine ausreichende Evidenz (z. B. in Form von geeigneten Studien) vorliegt, hänge ich – wo geht – eher evidenzbasierten Entscheidungsprozesse an.

Wer sich da mehr vertiefen will, für den steht hier auf dem Blog eine entsprechende Online Vorlesung zur Verfügung (Links siehe unten).

Wenn ich aber ausnahmsweise meine persönlichen Erfahrungen in einem großen Spital für repräsentativ halten würde, dann würde ich davon ausgehen, dass sich die Patienten sich im zweiten Lockdown ganz anders als im ersten verhalten.

Im Frühjahr brachen in der Diagnostik, auch bereits terminlich vereinbarte, ambulante Kontrolluntersuchungen rasch auf ein sehr niedriges Niveau herunter und es verblieben überwiegend Patienten mit sehr schweren akuten Erkrankungen oder bereits laufenden Therapien. Geplante stationäre Aufnahmen für Spezialtherapien wurden überwiegend wahrgenommen, obwohl man sich im Spital oft nicht sicher fühlte. Zur Erinnerung, wir hatten damals viel weniger Virusträger im Lande als heute!

Applaus

Aktuell gibt es zwar vermehrte Anrufe, ob der Ambulanzbetrieb überhaupt aufrecht ist und vermehrte Umbuchungen durch Absagen und Neuanfragen, die Patientenzahl geht insgesamt aber kaum zurück.

Während im Frühjahr die ganzen „Ich möchte mir das mal anschauen lassen“ Selbstzuweiser mit einem Schlag von der Bildfläche verschwanden, ist es dazu bislang nicht gekommen.

Die Angst sich im Krankenhaus anzustecken scheint im Gegensatz zum Frühjahr aktuell kaum jemanden zu bekümmern.

Natürlich gilt das alles nur für geplante Termine und elektive (konservative) Therapien, jedoch scheint es mir plausibel, dass die Schützen wir die Spitäler Kampagne zu Jahresbeginn zu ganz anderem Patientenverhalten führte, als das jetzt im Vordergrund stehende Motiv der warnenden Intensivmediziner.
Da seit heute auch im Wiener Gesundheitsverbund (www.info.gesundheitsverbund.at vormals KAV) ein generelles Besuchsverbot und eine Aufforderung Ambulanzen nur bei medizinischem Erfordernis aufzusuchen (?!?) verkündet wurde wird sich das Verhalten ab heute auch wieder ändern.

Auf den ersten Blick könnte man die veränderte Reaktion der Patienten einfach als Ermüdungserscheinung abtun, ich finde aber das Experiment in dieser riesigen gesellschaftlichen Skinnerbox verdient aber eine eingehendere Analyse unter Einbeziehung verschiedener extra- und intramuraler Fächer, um vielleicht bei der nächsten Krise etwas zielgerichtetere PR zu betreiben.
Die Kollateralschäden der Kampagne im Frühjahr (COVID -19: Was hilft werden wir zu spät wissen, was schadet sehen wir gleich) sind ja schon einigermaßen aufgedeckt, ob die aktuell ausgelösten Reaktionen so viel weniger Kollateralschäden auslösen, mag bezweifelt werden.

Links zur Vorlesung Clinical Decision Making (zT aus den 90ern des vorherigen Jahrhunderts):

1 Am Anfang war die Diagnose – Clinical Decision making Not only for Dummies
2 Anamnese – aber
3 Anamnese – wer hat das Wort?
4 Wie denkt der Arzt, wenn er denkt? Daumenregeln
5 Die Pathognomie finden Sie nur im Lehrbuch
6 Erfahrung hat man immer zu spät
7 Der unverzeihende lineare Algorithmus
8 Information und Bias
9 Was ist schon normal
10 Regenwarnung und Rettung durch einen Presbyterianer
11 ROC around the clock
12 Quite mean, the Regression to the Mean
13 Symptoma – Symptom für eine falsche Entwicklung der Medizin
14 Zebras revisited

Der ökonomische Trugschluss mit der Überbefundung in der Medizin
Babylonische Zustände in der Medizin
Wie verhindern Sie unnötige Zuweisungen? Einfache Fragen statt komplexer Algorithmen
Dr. Google is a Liar: Falschmeldung über Gesundheitsthemen und typische Folgefehler
Ja was nun, oder was an der medizinischen Wissenschaft so verwirrt

Written by medicus58

18. November 2020 at 17:34

Ombudsmann oder – Frau für Ärzte

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Patienten können sich beschweren und das ist gut so; ob die PatientInnenanwälte, der Ombudsmann der Ärztekammer oder die zahllosen Beschwerdestellen der Krankenhäuser, Gesundheitspolitik oder Kassen was anderes als noch mehr Papierkram bewirken lassen wir mal beiseite.

Wohin wende ich mich aber als Arzt, wenn man mich durch Testanrufe auf’s Glatteis führen will, wenn Zuweisungen schwachsinnig und unvollständig sind, wenn Personal- und Sach-Ressourcen ein vernünftiges Arbeiten nicht mehr ermöglichen.

Wo kann ich mich über den Patienten beschweren, der mich beflegelt, weil eine andere Abteilung ihm keinen Termin gibt? Dessen Frau unter falschem Namen sich über Personal beschwert, das mir nicht mehr unterstellt ist?

Wo kann ich mich über Privat- und Wahl Ärzte beschweren, die mir ihre Patienten ins öffentliche Spital schicken, nachdem sie sie abkassiert haben und es jetzt halt komplexer und teurer wird.

Ich plädiere für eine Ombudsperson für Ärzte, bei der ich mich beschweren kann.

Ich weiß, es wird genauso wenig helfen, aber dann kann ich wenigsten mal den anderen auch etwas Ärger und Schreibarbeiten machen, von wegen Gleichbehandlung und so.

Written by medicus58

3. April 2019 at 18:48

Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen

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Die meisten Medien sprachen in Zusammenhang mit den folgenden Ereignissen immer vom Girls‘ Day beim Bundesheer, korrekt handelte es sich um das sogenannte Girls‘ Camp.

Bei der Veranstaltung in Bruckneudorf ist es zu einem tragischen Unfall gekommen, über den zumindest in den ersten Tagen sowohl vom Bundesheer aber auch auf praktisch allen Medienkanälen berichtet wurde.
Über die Qualität von Öffentlichkeitsarbeit habe ich mir unter dem direkten Eindruck der Ereignisse schon hier sehr theoretische Gedanken gemacht:
Im Nebel der Öffentlichkeitsarbeit oder die Grenze zwischen selektiver Information und Lüge
Nun, zwei Wochen nach dem Geschehen ist das Thema aus den Medien, was zumindest im Sinne der Angehörigen zu begrüssen ist.
Es bestehen aber nach dem Erstbericht des Bundesheeres, der m.W. weiterhin nur in den Aussagen zugänglich ist, die das Bundesheer selbst veröffentlicht sehen wollte, noch eine Reihe von Fragen, um zwischen Schicksalhaftigkeit und Verantwortung differenzieren zu können.
Von den involvierten Blaulichtorganisationen werden praktisch keine Detailinformationen veröffentlicht. Bislang erfuhr die Öffentlichkeit nur, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Bootsführer ermittelt und das Boot sichergestellt hat.
Ich fürchte, dass gerade das Umfeld für den zeitlichen Ablauf der Ereignisse eine wesentliche Rolle gespielt hat und möchte deshalb die vorliegenden Materialien sichern, um es Interessierten zu erlauben, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Hier geht es nicht gegen oder für die Einrichtung des Österreichischen Bundesheeres sondern ausschließlich um die Frage, ob im Vorfeld ausreichende Vorkehrungen getroffen wurden, dass unausgebildete, z.T. minderjährige Gäste des Bundesheeres nicht leichtfertig in Gefahr gebracht werden.
Über die medizinischen Konsequenzen der zeitlichen Abläufe finden Interessierte gegen Ende noch ein paar fachliche Informationen. Zitate sind kursiv, Zwischentexte in blau.
Selbstverständlich gelten Medienberichte nicht als Beweis und was bisher glaubhaft widerlegt wurden, habe ich auch zitiert.
Alle Texte standen zum Zeitpunkt der Texterstellung in der hier wiedergegebenen Form im Netz.

Laut Wikipedia wurden die Girls‘ Camps erstmals Mitte September 2016 unter dem damaligen Bundesminister Hans Peter Doskozil begonnen, um das Interesse von jungen Frauen für eine Berufslaufbahn beim Bundesheer zu wecken.
Also letztendlich war es eine Werbeveranstaltung für einen m.E. prinzipiell legitimen Zweck.
Im Jahr 2017 nahmen ca. 220 Personen an den Girls Camps teil, bei den ersten Girls Camps im Jahr 2018 waren es 84.

Girls’ Camp 2018 Du liebst Sport, Action, neue Herausforderungen und bist ständig in Bewegung?
Auch dieses Jahr hast du die Möglichkeit, das Bundesheer live zu erleben.
2 Termine 6 Standorte

31. August, 11 Uhr – 2. September, ca. 16 Uhr
Die Teilnahme am Girls’ Camp ist ab 17 Jahren möglich!
Originaltext von http://soldatin.bundesheer.at/Girls-Camp-2018-260 abgerufen am 11.9.2018 (!)

  • 1. September 2018

Der Sprecher des Bundesheeres (@Bundesheerbauer) twitterte um 10:53:
Beim Girls Camp ist heute gegen 10.00 Uhr ein Boot auf der Donau bei Hainburg gekentert. 2 Mädchen werden reanimiert. Der Notarzthubschrauber ist gelandet. Wir befürchten das Schlimmste.

Um 11:11 schrieb er: 
Die beiden Mädchen wurden erfolgreich reanimiert. Sie sind allerdings in einem kritischen Zustand. 2 Notarzthubschrauber sind beim Unglücksort. Wir hoffen und beten.

Die erste Information über den Unfallhergang gab es auf Twitter um 12:27:
Was wir derzeit über die Unglücksursache wissen: Das Boot ist in eine Welle gefahren, die ins Boot geschwappt ist. Dadurch hat sich das Boot langsam gesenkt und ist über die rechte Seite abgeglitten. Gesteuert haben das Boot 2 dafür ausgebildete Berufssoldaten

Später werden wir erfahren, dass das Boot innerhalb von 15 Sekunden nicht nur gekentert ist sondern mehrere Insassen unter sich begraben hat.
Um 13:57 gab das Bundesministerium für Landesverteidigung folgende Pressemeldung heraus: 

Pionierboot des Bundesheeres gekentert – Unfallkommission ist eingesetzt und hat Arbeit aufgenommen
Wien (OTS) – Heute, Samstag den 1. September,  kurz vor 10:00 Uhr, kenterte auf der Donau im Raum Hainburg aus derzeit unbekannter Ursache ein Pionierboot des Österreichischen Bundesheeres. Dieses Boot war im Rahmen der Veranstaltung „Girls‘ Camp“ eingesetzt. Zurzeit des Unfalls befanden sich dreizehn Personen an Bord.
Zwei junge Frauen mussten, nachdem sie unter Wasser gekommen waren, reanimiert werden. Sie befinden sich zurzeit in ärztlicher Betreuung in Krankenhäusern der Stadt Wien. Alle anderen Personen werden psychologisch sowie medizinisch vor Ort bzw. im Krankenhaus Hainburg versorgt. …

Einem besorgten weil noch uniformierten Vater antwortete @Bundesheerbauer um 15:16:
Ja. Die Angehörigen wurden verständigt. Darüber hinaus wurden alle Frauen ersucht, die Angehörigen zu verständigen.

Das wird sich in einigen Fällen und gerade bei den beiden am schwersten Betroffenen als unrichtig herausstellen und dafür entschuldigte sich das Bundesheer mehrfach offiziell.
Um 18:30 kam eine weitere Pressemeldung aus dem Ministerium:

„Girls‘ Camp“ – Gesundheitszustand beider Frauen weiterhin unverändert
Bundesheer dankt allen eingesetzten Kräften für die schnelle und professionelle Hilfe

Wien (OTS) – Der Gesundheitszustand der beiden im Krankenhaus befindlichen Frauen ist weiterhin unverändert. Jene Frauen und Soldaten, die sich am Boot befunden haben sowie alle anderen Teilnehmer am „Girls‘ Camp“ werden psychologisch betreut. Dazu wurden alle verfügbaren Psychologen und Peers des Bundesheeres zusammengezogen.
Die Eltern der Teilnehmer wurden für eine direkte Information ins Camp eingeladen. Eine weitere Teilnehmerin bleibt über die Nacht zur Beobachtung in einem niederösterreichischen Krankenhaus. Dabei handelt es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Verteidigungsminister Mario Kunasek: „Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der beiden Frauen. Den beiden im Spital befindlichen Frauen wünsche ich an dieser Stelle eine rasche Genesung. Die Betroffenen erhalten seitens des Bundesheeres jegliche Unterstützung und Betreuung. Ich verspreche, dass der Unfallhergang untersucht und aufgeklärt wird.“
Der Generalsekretär des BMLV, Dr. Wolfgang Baumann, hat sich weiters im Auftrag des Verteidigungsministers vor Ort ein Lagebild des Unfallgeschehens gemacht.
Das Bundesheer dankt den eingesetzten Kräften, insbesondere der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und dem ÖAMTC, für die professionelle Ersthilfe sowie die rasche Rettungskette. Die Feuerwehr führte zum Zeitpunkt des Unglücks in unmittelbarer Nähe gerade eine Übung durch und konnte daher sehr rasch retten, bergen und helfen. Das „Girls‘ Camp“ in Bruckneudorf wurde nach dem Unfall beendet.

Am Abend entbrennt plötzlich ein befremdliches Scharmützel zwischen Kurier und Bundesheer nachdem der Kurier auf Basis einer nach heutigem Wissenstand missverstandene Aussage des Roten Kreuzes spekuliert, dass der Unfall durch eine Überbelegung des Bootes verursacht wird. Trotzdem sind die folgenden Texte nicht uninteressant:

Heeresboot gekentert: Waren zu viele Menschen an Bord?
Zwei junge Frauen (18 und 22 Jahre) in kritischem Zustand. Laut Heer waren 13 Passagiere an Bord, das Rote Kreuz sprach von 24.
(Die Erstversion des Textes ist mir nicht mehr zugänglich)

Was da hinter den Kulissen ablief, lässt ein Twitterscharmützel zwischen Kurier-Herausgeber und (damals noch) Chefredakteurs des Kuriers Brandstätter erahnen:

@Bundesheerbauer: Warum wird in dem Artikel nicht erwähnt, dass es der Redakteur verabsäumt hat, bei der Primärquelle – in diesem Fall das #Bundesheer – zu recherchieren? Ist es nicht journalistische Sorgfaltspflicht, alle Seiten zu befragen? Ich hatte gestern viele Anrufe. Keinen vom Kurier.
@HBrandstaetter: Der Kurier hat Sie ausführlich zitiert, aber eben auch die Stellungnahme des Roten Kreuzes. Was ist daran schlimm? Und wenn es wirklich um die Wahrheit geht, wäre vielleicht eine externe, unabhängige Untersuchung ideal, oder? Ist aber auch nur eine Frage

MeinBezirk.at: stellte schon um 13:29 erste Bilder ins Netz und gibt einen Stimmungsbericht, der wiedergibt, wer aller vor Ort involviert war und wie die Einsatzleitung gesehen wurde. Hier wird auch erstmals klar, dass es einen großen zeitlichen Unterschied zwischen der Rettung der einzelnen Personen gab.

Bundesheer-Übung wurde zum Ernstfall
Am heutigen Samstag, 1. September, fand anlässlich des „Girls´Camp“ eine große Übung in Hainburg statt. Mit Pionierbooten sollten die jungen Frauen die Donau übersetzen. Zeitgleich fand eine Katastrophenschutzübung der Feuerwehren aus den Bezirken Bruck an der Leitha und Neunkirchen ebenfalls an der Donau statt.

Gleich nach Beginn der Übung dann die Katastrophe: Eines der Pionierboote mit den jungen Frauen kenterte beim gegenüberliegenden Ufer, alle Personen gingen über Bord.
Zwei Frauen vermisst
Dann die nächste Hiobsbotschaft: Zwei Frauen werden vermisst. Sofort nachalarmiert wurden Rettung und Notarzt, der ÖAMTC Rettungshubschrauber, auch die Polizei war mit Hubschraubern vor Ort. Binnen weniger Minuten füllte sich der Hafen Hainburg mit Einsatzkräften. Hainburgs Feuerwehr-Kommandant Christian Edlinger übernahm gemeinsam mit Harald Fischer vom Roten Kreuz Bruck die Einsatzleitung, Oberstleutnant Sabine Zentner vom Brucker Bezirkspolizeikommando eilte ebenfalls mit Kollegen zum Einsatzort.

Bürgermeister Helmut Schmid traf zeitgleich mit den ersten Rettungskräften ein: „Ich werde bei jedem Einsatz informiert. Ob Brand oder technische Hilfeleistung, Wenn es um Menschenleben geht, bin ich immer vor Ort. Sofort nach Erhalt der Nachricht bin ich hierher gefahren.“
Bergung der Gekenterten

Sofort eilten Boote der Polizei, der Feuerwehr und des Bundesheeres mit Notarzt und an die Unfallstelle, die Mädchen wurden ans nahe gelegene Ufer gebracht, inzwischen fanden auch die angeforderten Hubschrauber von Polizei und ÖAMTC, der auf der Schotterbank landete, ein.
Nach und nach wurden die Mädchen wieder mit den Booten zurück ans Hainburger Ufer gebracht. Von den Einsatzkräften konnte vernommen werden, „dass zwei Mädchen unter dem Boot in einer Luftblase ausharren würden“. Zwei Wagen mit Taucher der Berufsfeuerwehr Wien trafen ebenfalls kurz später ein.

  • 2. September
Der Kurier fasst die Auseinandersetzung mit dem Bundesheer online so zusammen:
Über die Interventionen eines Heeressprechers und einen versuchten Maulkorb für die Rettungskräfte.

Was war passiert? Der KURIER hatte online den Titel „ Heeresboot gekentert: Waren zu viele Menschen an Bord?“ verwendet. Denn es gibt unterschiedliche Berichte, wie viele Personen tatsächlich auf dem Arbeitsboot waren. Um 12.35 Uhr hatte auch die Austria Presse Agentur berichtet, „das verunglückte Boot war laut Rotem Kreuz mit insgesamt 24 Personen besetzt“. Auch andere Helfer bestätigten das dem KURIER hinter vorgehaltener Hand.Intern kam es jedenfalls zu heftigen Debatten zwischen den Einsatzorganisationen. Nachdem sich die Meldungen weiter verbreitet hatten, wonach auch mehr Menschen als zugelassen im Unglücksboot gewesen sein könnten, wollte das Heer, dass keine Informationen mehr von den anderen Einsatzorganisationen an die Öffentlichkeit dringen. Feuerwehr, Rotes Kreuz und auch die Polizei ließen sich die Öffentlichkeitsarbeit aber nicht untersagen. Auch der KURIER stellte die Frage, ob nicht vielleicht doch zu viele Menschen an Bord waren. Natürlich wurde der Stellungnahme des Bundesheersprechers im Bericht entsprechend Raum gegeben.Bauer forderte via Twitter vom KURIER eine „ausgewogene und objektive Berichterstattung“ ein. Dass dafür auch andere zu Wort kommen müssen, scheint ihn aber zu verärgern.
Der Bericht der NÖ Nachrichten (um 15:31 online) beschreibt die Rolle des Bundesheers bei der Rettungsaktion (Notruf, Aufheben des Bootes (siehe unten), Reanimation) auch nicht gerade als professionell und es scheint auch hier als wäre die Aktion nicht federführend vom Bundesheer sondern von anderen Organisationen übernommen worden:

Neunkirchner Feuerwehrler als Lebensretter
„Wir hatten für die Übung im Rahmen des Katastrophenschutzdienstes 138 Kameraden aus dem Abschnitt Neunkirchen zur Zeit des Unglücks vor Ort“, erinnert sich Bezirksfeuerwehrkommandantstellvereter Josef Neidhart an den dramatischen Einsatz. Als die Truppe im Rahmen eines Stationsbetriebs bei der 2. Station gerade am Üben war, passierte in einer Entfernung von etwa 150 Metern das Unglück.
Die Feuerwehrkameraden machen sich mit Booten sofort auf die Rettung. „Zu Beginn hat es geheißen, dass es keine Verletzten gibt, erst später wurden die beiden jungen Frauen leblos aus dem Wasser geborgen“, so Neunkirchens Feuerwehrkommandant Stellvertreter Paul Pilshofer, der ausgebildeter Notfallsanitäter ist und sofort wusste, wie zu handeln war.
„‚Szenen waren ziemlich chaotisch“
Gemeinsam mit einem Notarzt und den Kameraden Patrick Ostermann, Alex Kain und Othmar Gruber übernahm er die Reanimation: „Wie man sich vorstellen kann, waren die Szenen rundherum am Anfang ziemlich chaotisch und wir haben uns immer beim Reanimieren abgewechselt“, so Pilshofer.
Laut seiner Einschätzung dürften die beiden Mädchen rund 15 bis 20 Minuten unter Wasser gelegen sein.
Ebenso lang reanimieren die Neunkirchner Kameraden die Frauen, ehe sie vom Notarzthubschrauber übernommen und ins Spital wurden. „Prognosen sind schwierig, aber ich hoffe natürlich das Beste!“, bleibt Pilshofer nach dem Einsatz optimistisch.
Und Neunkirchens Feuerwehrkommandant Mario Lukas ist stolz auf seine Männer: „Sie haben großartige Arbeit geleistet!“
Am 4.9. wird auch der ORF NÖ thematisieren:
Bootsunglück: 15 Minuten bis zum Notruf
Für den Vorfall medizinisch wesentlicher ist aber, dass die beiden Frauen offenbar lange, sehr sehr lange unter Wasser waren, bis mit der Reanimation begonnen werden konnte. Doch auch hier wurde die schreckliche Wahrheit nur sehr langsam der Öffentlichkeit mitgeteilt.
Medial gewinnt man den Eindruck, dass bei der Bergung und Reanimation der beiden am schwersten betroffenen Frauen das Bundesheer zumindest nicht federführend aktiv war.

Noch am Sonntag teilte der Kurier und andere Medien mit: 
und auch der Bundesheersprecher twitterte:
Es dauerte bis zu 20 Minuten, bis beide Frauen, die sich unterhalb des Bootes im Wasser befanden, gerettet werden konnten.
Wie wir sehen werden, könnte selbst diese Zeitspanne noch in einem Fall länger gewesen sein.
Schon am Abend des 2. September berichten mehrere Medien von ersten Ergebnissen der Untersuchungskommission des Bundesheeres:

Kein Fahrfehler – Kein Materialfehler

Nach dem Unfall eines Pionierbootes auf der Donau bei Hainburg gibt es nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom späten Sonntagnachmittag „derzeit weder einen Hinweis auf einen Fahrfehler des Bootsführers noch auf ein technisches Gebrechen„. Ausgewertet wurde laut einer Aussendung ein Video, „das die entscheidenden Momente an Bord aufgenommen hat“.
Das Boot sei, nachdem eine Welle ins Innere geschwappt war, „innerhalb von weniger als 15 Sekunden gesunken“, teilte das Ministerium zu ersten Ergebnissen der noch am Samstag eingesetzten Unfallkommission mit. Untersucht werde, ob die Welle eines Großschiffes in Verbindung mit dem Niedrigwasser der Donau zum Unglück geführt haben könnte. „Dazu gibt es Aussagen von Beteiligten, die dies bestätigen.“ Die Auswertung der Transpondersignale der Donauschifffahrt fehlte noch.

@Bundesheerbauer Replying to @MatthiasSurvive @KURIERat Das Video zeigt jene 40 Sekunden, bevor das Boot umgekippt ist. 9:28pm

Das Video lag offenbar auch bereits der Staatsanwaltschaft vor und muss sehr detailreich sein, denn am 11.9. berichtete der Kurier, dass zum Zeitpunkt des Unfalls nicht Vollgas gefahren wurde, um Mutmaßungen zu zerstreuen, dass ein Renomiergehabe des Bootsführers zum Unfall geführt hätte:

Donau-Unfall: Heeresboot fuhr nicht mit Vollgas
Es sind Szenen, die zeigen, wie schnell Freude in Leid umschlagen kann, Sicherheit in Hilflosigkeit: Der Unfall eines Bundesheerbootes während des Girls’ Camp bei Hainburg an der Donau, bei dem zwei jungen Frauen schwerst verletzt wurden, ist – wie berichtet – auf Video gebannt. KURIER-Informationen zufolge könnte die Aufnahme den Ermittlern nun wichtige Rückschlüsse zum Unfallhergang geben.
Denn das Video wurde von einem Berufssoldaten erstellt, der sich zum Zeitpunkt des tragischen Vorfalls genau hinter dem Bootsführer Alexander Sch. auf dem Unglücksboot befand. In einer Momentaufnahme soll dabei auch die Stellung des Gashebels zu sehen sein, als das Boot auf die Welle traf, die schließlich das Unglück ausgelöst haben soll und das Boot zum Kentern brachte.
Beweisstück
„Der Hebel war in einer mittleren Position. Das Boot war also nicht mit vollem Schub unterwegs“, sagt ein Insider zum KURIER. Deshalb glaube man nicht, dass der Bootsführer den an Bord befindlichen Frauen mit seinem Fahrstil imponieren wollte und es deshalb zu dem Unfall kam.

Das wichtige Beweisstück bleibt vorerst den Augen der Heeres-Untersuchungskommission, Polizeiermittlern und der Staatsanwaltschaft vorbehalten.

Das bestätigt auch der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl. Die Behörde hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Bootsführer wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung eingeleitet, ähnlich wie wenn er einen Autounfall mit Verletzten verursacht hätte. Wegen des laufenden Verfahrens äußert sich Köhl nicht zum Inhalt des Videos.
Schwierige Befragung
Weitere Aufschlüsse soll außerdem die Befragung aller Augenzeugen des Unglücks bringen. Dies kann aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Weil die insgesamt 54 Teilnehmer des Girls’ Camp aus den verschiedenen Bundesländern stammen, wurden die Polizeidienststellen an den jeweiligen Wohnorten mit der Befragung der Zeugen betraut. Die Aussagen sollen in weiterer Folge auch in den Bericht der Heereskommission einfließen. Wann dieser fertig ist, steht noch nicht fest.

Das Bundesheer hat auch dieses Girls‘ Camp ganz offensichtlich für eine spätere Verwendung dokumentiert.
Bis jetzt wurde aber die späte Bergung der beiden Frauen ausschließlich durch die Umstände des Unfalls und insbesondere dadurch erklärt, dass sie mit ihren Schwimmwesten in den umgekippten Bootsrumpf gedrückt wurden, so dass sie nicht selbst befreien konnten, beziehungsweise auch von den suchenden Helfern nicht gesehen werden konnten.
Inzwischen stellt sich aber die ernsthafte Frage ab wann überhaupt gezielt nach den beiden gesucht wurde:

  • 3. September 
Heute deutete der Kurier an, dass zu lange nicht einmal klar war, dass zwei Teilnehmerinnen fehlten:

Bootsunglück: Mädchen wurden erst nach 15 Minuten vermisst
In der allgemeinen Panik und Hektik nach dem Kentern blieb das Fehlen der beiden Mädchen zunächst unbemerkt. Es dauerte etwa eine 15 bis 20 Minuten, bis die Verantwortlichen des Heeres die Abgängigkeit der beiden Opfer bemerkten und Alarm schlugen.
Zu dem Zeitpunkt waren Feuerwehrleute des Katastrophenhilfszuges aus Neunkirchen, die in der Nähe eine Übung hatten, mit eigenen Booten zur Stelle. „Das Bundesheer-Boot lag gekentert an der Sandbank im Wasser und die erschöpften Personen saßen verteilt am Ufer“, schildert Feuerwehrmann Paul Pilshofer.
Als das Unglücksboot bereits mit einer Seilwinde gesichert war, hieß es, es fehlen noch Zwei. „Wir haben sofort das Boot aufgehoben. Die Mädchen waren tatsächlich darunter“, schildert Pilshofer. Zusammen mit seinen Kameraden leitete der Notfallsanitäter Erste Hilfe-Maßnahmen und die Reanimation ein.
Meines Erachtens passt dies sehr gut zum schon zitierten Bericht der NÖ Nachrichten (um 15:31 online) vom 2.9.. 
  • 4. September 

Der Standard berichtet, dass Brandstätter als Chefredakteur von Martina Salomon abgelöst wird.

Am selben Tag titelt der Kurier aber noch, dass auch die 20 Minuten nicht die volle Wahrheit sein dürften: 

Opfer waren mehr als 20 Minuten unter Wasser

Und am 6.9. titelte dann OE24 nur mehr knapp:  Bundesheer-Boot: Frau erst nach 40 Minuten befreit

Ein ganz ähnliches Bild zeichneten die NÖN um 15:44:

Laut dem Erstbericht war das Pionierboot im Bezirk Bruck a.d. Leitha am Samstag um 9.49 Uhr gekentert. Ungefähr gegen 10.15 Uhr sei das Boot am Ufer aufgekantet worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. In diesem Zeitraum seien Personen aus dem Wasser gerettet worden. Unter dem 8,5 Meter langen und 2,5 Meter breiten Boot sei es dunkel gewesen. Zwei Unteroffiziere seien unter das Boot getaucht, um Personen zu finden und zu retten, hieß es. Dies sei in einigen Fällen auch gelungen. Nach dem Kentern sei das Boot mit Hilfe von zwei anderen Booten aus der Flussmitte zum Ufer gedrückt worden, berichtete Bauer. Dort habe die Feuerwehr Unterstützung geleistet. Als das Boot am Ufer aufgekantet wurde, sei festgestellt worden, dass sich noch jemand darunter befand, sagte Bauer. Die beiden Frauen im Alter von 18 und 22 Jahren waren reanimiert und von Notarzthubschraubern in Wiener Krankenhäuser geflogen worden.

Laut Vienna.at lag bis 5.9. hinsichtlich des Zeitablaufes nur das Rumpfprotokoll des Bundesheeres vom Sonntag vor: 

9.49 Uhr: Das Boot kippt um.
10.04 Uhr: Von der Feuerwehr wird ein Notruf abgesetzt.
10.08 Uhr: Die Rettungsleitstelle erhöht ihre Alarmierung auf Großunfall.
etwa 10.15 Uhr: Das verunglückte Boot ist am Ufer und wird aufgekantet.
Danach gibt es – jedenfalls bisher – kein weiteres Zeitprotokoll

ORF Niederösterreich hat aber schon am Dienstagabend (4.9) berichtet, dass sich

aufgrund der Aussagen von Helfern und anhand verschiedener Einsatzprotokolle“ folgender Zeitablauf rekonstruieren lasse:
9.49 Uhr: Das Bundesheerboot kentert, fünf Soldaten und acht Frauen werden in die Donau geschleudert.
10.04 Uhr: Ein Feuerwehrmann, der auf der Donau an einer Übung teilnimmt, setzt einen Notruf ab. Das Bundesheer selbst setzt keinen Notruf ab.
10.08 Uhr: Die Rettungsleitstelle löst Großalarm aus.
10.15 Uhr: Das gekenterte Boot kann zu einer Sandbank in der Donau gebracht werden. Nach Angaben des Bundesheeres hatten Soldaten zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Personen unter dem Boot herausgezogen.
10.21 Uhr: Die örtlich zuständigen Feuerwehren werden alarmiert und rücken mit weiteren Booten aus.
10.28 Uhr: Die erste der beiden Frauen kann gerettet werden und wird reanimiert.
10.30 Uhr: Wie in einer Notiz vermerkt wurde, trifft ein Notarzt auf der Sandbank ein.

10.34 Uhr: Die zweite Frau wird aus dem Wasser gezogen. Laut einem Einsatzprotokoll ist jedoch noch unklar, ob noch jemand fehlt.
10.41 Uhr: In einer Statusmeldung wird festgehalten, dass beide Frauen reanimiert werden.

Bundesheer-Boot: „Wir haben es aus den Medien erfahren“ 

Das österreichische Bundesheer untersucht mit einer hauseigenen Kommission das Bootsunglück auf der Donau nahe Hainburg. Bereits zwei Tage nach der Tragödie mit zwei schwerverletzten Frauen im Rahmen des Girls’ Camp auf der Donau in Hainburg (NÖ) steht für Heeressprecher Oberst Michael Bauer nach derzeitigem Stand fest, dass der Bootsführer „alles richtig“ gemacht habe und auch kein technisches Gebrechen vorliege.

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Korneuburg prüft den Sachverhalt freilich unabhängig davon. Zum einen wurde gegen den Unteroffizier und Bootsführer, Alexander Sch., ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung eingeleitet. Und zum anderen behält sich der Staatsanwalt die Bestellung eines gerichtlich beeideten Sachverständigen vor. Das Unglücksboot wurde jedenfalls polizeilich beschlagnahmt. Wie Bauer im Gespräch mit dem KURIER erklärt, handelt es sich bei dem Bootsführer um einen „äußerst erfahrenen Mann“. „Er hat bereits 2006 den Wasserfahr-Grundkurs absolviert und alleine auf dem Bootstyp mit dem der Unfall geschah 300 Fahrstunden vorzuweisen“, erklärt Bauer.
Keine Sicht
Am Dienstag veröffentlichte das Heer Grafiken und Details zum Unfallhergang. Demnach sei das Boot mit fünf Bundesheerangehörigen und acht Frauen des Girls’ Camp um 9.49 Uhr aufgrund einer „großen Welle“ gekentert. Wie Bauer schildert, haben sich zwei Unteroffiziere ihre Rettungswesten vom Leib gerissen und sind auf der Suche nach Opfern unter das Boot getaucht. Das umgedrehte Boot wurde durch zwei andere Heeresboote von der Flussmitte ans Ufer gedrückt und dort gegen 10.15 Uhr gesichert. Erst danach, also mehr als 20 Minuten nach dem Kentern, wurde das Fehlen von zwei jungen Frauen bemerkt. Natalie T. (22) und Sophie K. (17) lagen leblos unter dem Boot und wurden mit vereinten Kräften von Feuerwehr und Heeresangehörigen heraus gezogen und reanimiert. Dass sie nicht vorher entdeckt wurden, erklärt man damit, dass die Sicht unter Wasser gleich null war.

Eher überraschend kam dann ein einziger Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin in die Medien, die aber auf die wesentlichen Probleme des Einsatzes nicht eingeht, da er „außerhalb ihres Gesichtsfeldes“ passiert ist.

Sie habe eine „sehr intensive Erfahrung“ gemacht, die im Nachhinein sogar noch stärker sei, sagte die 34-jährige Wienerin zur APA:

Sie sei nicht mit dem letztlich gekenterten, sondern auf einem “Nachbarboot” unterwegs gewesen, erzählte die Zeugin. Ihrer Schilderung zufolge hatten sich auf jedem der drei Boote “acht bis neun Mädchen” und “vier bis fünf Soldaten” – Bootsführer und Betreuer des Girls’ Camp – befunden. “Zusätzlich fuhr ein Rettungsboot mit. Jeder Bootsinsasse trug eine Schwimmweste.”
Soldaten seien zu Mädchen ins Wasser gesprungen
Der Unfall selbst “ist außerhalb meines Sichtfeldes passiert”, so die Wienerin. “Unser Boot ist jedoch sofort zum gekenterten Boot gefahren, und hat, genau wie das dritte Boot, Mädchen, die ins Wasser gefallen waren, aufgenommen.” Soldaten seien auch “ins Wasser gesprungen, um nach weiteren, vermissten Mädchen zu suchen”. Alle hätten “ihr Bestes gegeben, um die Mädchen zu finden”, schilderte die Zeugin im APA-Gespräch ihre Sicht der Dinge.
Telefonisch sei sofort Hilfe und Unterstützung angefordert worden. Weitere Rettungsboote seien “sehr rasch zur Stelle” gewesen.
In der Folge seien ihre Gruppe und aus dem Wasser aufgenommene Mädchen an das am nächsten gelegene Landstück, ein Ufer bzw. einen Inselstreifen, gebracht worden, wo die “sehr gut angeleitete Versorgung” stattgefunden habe. Es sei dabei um die Abklärung gegangen, ob Verletzungen oder Schockzustände bestünden, zudem seien Handtücher und trockene Kleidung bereitgestellt worden. Das Boot sei indes wieder an die Unfallstelle gefahren, um zu helfen.
Die betreuenden Soldaten, “unter anderem eine Soldatin, die selbst ins Wasser gefallen war”, seien vom Unfall “sichtbar betroffen und erschüttert” gewesen, so die Wienerin. Trotzdem hätten sie “klaren Kopf” bewahrt.
Rasche Hilfe für junge Frauen
“Nachdem die vermissten Mädchen geborgen waren, wurde sofort mit der Reanimierung begonnen.” Bundesheer Sanitäter seien von Anfang an bei dem Ausflug im Rahmen des Girls’ Camp anwesend gewesen, weitere Rettungskräfte per Boot rasch dazugestoßen. “Zwei Rettungshubschrauber haben die Mädchen in Krankenhäuser geflogen.”
Ein Boot sei sofort nach Abflug der Helikopter zur Gruppe mit der 34-Jährigen gekommen, habe “zuerst die gekenterten Mädchen und später, in einer zweiten Fahrt, die Mädchen, die nicht ins Wasser gefallen waren, inklusive mir”, an Land gebracht, “wo wir von der Rettung erwartet wurden”. Auch bei dieser Flussquerung sei das Boot nicht überbelegt gewesen. Ein Transport ins Krankenhaus sei “einstimmig” abgelehnt worden, “da niemand von uns ins Wasser gefallen war und sich auch niemand verletzt hatte”.
Bundesheer-Boot gekentert: 13 Personen an Bord
Ein Boot mit 13 Personen ist gekentert”, betonte die Wienerin. “Die Insassen eines zweiten Bootes wurden durch Routineprozeduren ins Krankenhaus und dann zurück in die Kaserne gebracht. Die Insassen des dritten Bootes haben einen Krankenhausbesuch eigenständig abgelehnt.” Ihre Gruppe sei somit direkt in die Kaserne zurück gebracht worden, wo es – nach einem warmen Essen – Betreuung durch Psychologen gegeben habe.
Kontaktdaten von Heerespsychologen für eine eventuelle Nachbearbeitung des Geschehens seien mitgegeben worden. Eine WhatsApp-Gruppe für alle Teilnehmerinnen zum gemeinsamen Austausch sei eingerichtet worden. “Außerdem werden Gruppentreffen organisiert”, erzählte die Girls’ Camp-Teilnehmerin. “Wir erhalten auch im Nachhinein Unterstützung, sollte dies für uns notwendig sein.”

  • 8 September

@GTLMedicus: Es ist nun fast auf die Minute eine Woche her seit ohne Fahr-, Material–oder Organisationsfehler zwei Teilnehmerinnen vom Girls Day des Bundesheer in die Intensivstation gebracht wurden und bislang keine Besserung ihres Zustandes eingetreten ist. #Bundesheer #justsaying
@Bundesheerbauer Replying to @GTLMedicus Unsere Kommission arbeitet jeden Tag. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es müssen alle Teilnehmerinnen befragt werden. Wir haben das größte Interesse, aufzuklären warum es zum Unfall gekommen ist. Und für den Unfall wird es Gründe geben. Wir wissen Sie nur noch nicht.

Fachlich kann ich natürlich nichts zu allfälligen Fahr- oder Materialfehler beitragen.
Hinsichtlich des Wetterriskos zum Unfallzeitpunkt, unabhängig wie dieses hinsichtlich Sicht und Wellengang beurteilt wird, soll daran erinnert werden, dass damals im Osten Österreichs zum Unfallzeitpunkt schwere Unwetter wüteten:

In den jüngsten Stunden gab es vielerorts markante Regenmengen, im Südosten wurden seit Freitagabend sogar über 20.000 Blitzentladungen detektiert. 

Gegen Mittag, also dem Zeitpunkt den die meisten Pressefotos eingefangen haben, machten die Regenfälle gerade wieder eine Pause, so dass sie die vorher herrschende Wettersituation nicht richtig wiedergeben.
Ob die unter den zu diesem Zeitpunkt herrschenden Bedingungen den unausgebildeten Gästen des Bundesheeres ein noch tolerables oder zu hohes Risiko zugemutet wurde, liegt fachlich auch außerhalb meiner Expertise.
Ob die Informationen über die offenbar schlechte Identifizierung der Teilnehmerinnen und Information ihrer Angehörigen Bedenken über die Gesamtorganisation aufkommen lassen, mögen Sie selbst entscheiden..
Medizinisch ist aber relevant, ob das alles dazu beigetragen hat, die Zeitspanne zwischen Unfall und Reanimationsbeginn zu verlängern.
Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, dass das Gehirn prinzipiell nur eine sehr kurze Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr toleriert.
Wie eng diese Zeitspanne ist hat eine rezente Analyse von 160 Fällen < 16 Jahren vor Augen geführt:
 https://www.bmj.com/content/350/bmj.h418

Auch eine ganz rezente Metaanalyse (Neurologic long term outcome after drowning in children) betont die Wichtigkeit jeder einzelnen Minute während und nach dem Unfallgeschehen:

However, the long-term outcome of survived drowning victims depend mainly on the severity of the initial ischemic brain insult, the effectiveness of immediate resuscitation with subsequent transfer to the ER, and also on the post-resuscitation management in the intensive care unit.
Important predictors for survival itself either with mild or severe neurological deficits include: the duration of submersion, the need of advanced life support at the site of the accident, the duration of CPR, and the establishment of spontaneous breathing and circulation on arrival to the ER.
Submersion time mainly determines the level of hypoxic-ischemic injury but it is at best an estimate given in an extremely stressful situation. It has been shown that a prolongation of submersion over 5 –10 min worsens the prognosis considerably.
Many other predictors of survival that have been reported in the literature are mainly consequences of the duration of the primary insult of CPR and the quality of the treatment the patient has received before or after the arrival to the ER.

Es steht zu hoffen, dass Bundesheer und Staatsanwaltschaft auch das organisatorische Umfeld in dem der Unfall passiert ist, sehr genau prüfen und folgende Fragen überzeugend klären:

Welche Einschulung haben die Teilnehmerinnen für den Fall eines Unfalls erhalten?
Erhöhten Wetter und Sicht zum Unfallzeitpunkt das Risiko maßgeblich und wie wurde darauf reagiert?
Ab wann ist das Fehlen der beiden Frauen wem bekannt geworden?
Wer hat mit welchen Mitteln versucht zu klären wo sie sich befinden?
Wäre man der Annahme gewesen, dass sie (mit ihren Schwimmwesten) flussabwärts geschwemmt wurden, hätte eines der Boote sie sehen oder suchen müssen.
Welche Maßnahmen (Namensschilder, …) wurden für die Identifikation der Teilnehmerinnen getroffen.
Stimmt der mediale Eindruck, dass die Einsatzleitung federführend von anderen Organisationen und nicht dem Bundesheer selbst übernommen wurde
und entspricht das der zu erwartenden Sorgfaltspflicht den Teilnehmerinnen gegenüber?

 

Written by medicus58

15. September 2018 at 09:49

Das Lachen am Weltenrand über Fukushima in fünf Bänden über den ersten offiziellen Toten

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Gerade beschäftigen sich die Kulturnachrichten ausführlich mit dem ersten großen Roman des Wiener Schriftstellers Philipp Weiss:
Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen
Nach eigener Aussage war der Auslöser für seine Beschäftigung mit der zentralen gestaltenden Kraft des Menschen zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert, die Nuklearkatastrophe von Fukushima aus dem Jahre 2011.
Ich habe die rund 1000 Seiten der fünf Bände nicht gelesen und werde das vermutlich auch nicht tun, jedoch juckt es mich zu all den anderen hier schon erschienen Beiträgen noch einen aktuellen Nachschlag abzuliefern,
der wohl weniger literarische als sehr praktische und jedenfalls erschreckende Einblicke erlaubt und
wenn Sie wollen können Sie vom Weltenrand darüber lachen..

Am 5. September 2018 verbreitete die Nachrichtenagentur Reuters: Japan acknowledges first radiation death among Fukushima workers 
Konkret hat gerade das japanische Ministerium für Arbeits-, Gesundheits- und Sozialministerium beschlossen der Familie eines ehemaligen AKW Mitarbeiters eine Kompensation zu zahlen, der inzwischen an seinem im Februar 2016 diagnostizierten Lungenkarzinom verstorben ist. Die Lebenszeitdosis, die er bei seiner Arbeit in Fukushima und anderen AKWs erhalten hat wird mit 195 mSv angegeben.
Um für die Größenordnung einen Begriff zu geben: Das entspricht etwas der Lebenszeitdosis eines alten Waldviertlers durch die natürliche Strahlung  in seiner Heimat bzw. in der Annahme einer linearen Beziehung zwischen Exposition und Krebsrisko (100 mSv = 0,5% zusätzliches Krebsrisiko) einem Zuwachs des etwa 20%-igen Krebsrisikos der japanischen Allgemeinbevölkerung auf ca. 11%.

Jedenfalls wurde die behördlich in Japan festgesetzte Expositionsgrenze für beruflich strahlenexponierte Personen im Rahmen einer „radiologischen Notfallsituation“ in seinem Fall nicht überschritten.
Egal, er ist verstorben und seine Angehörigen bekommen eine finanzielle Entschädigung, zwar nicht vom Betreiber des AKW Fukushima Daiichi sondern offenbar vom japanischen Staat, aber davon später.

Aktuell verlangten laut einem von der NYT zitierten Bericht der japanischen Zeitung Asahi Shimbun 17 ehemalige Arbeiter des AKWs eine Kompensation.
5 Fälle wurden zurückgewiesen und 2 haben ihren Antrag zurückgezogen.
In insgesamt in vier Fällen wurde ein Zusammenhang zwischen den Arbeitsplatzbedingungen in dem 2011 havarierten AKW und der malignen Erkrankung (zumindest in 3 Fällen Leukämie) anerkannt, ein direkter Zusammenhang mit der Strahlenexposition jedoch offen gelassen.
2017 übersetzte das die BBC so:
„While the causal link between his exposure to radiation and his illness is unclear, we certified him from the standpoint of worker compensation. „

Der Artikel der Nachrichtenagentur Reuters schloss dann mit der Erwähnung der über 160.000 Personen, die nach dem AKW Unfall evakuiert wurden und den daraus folgenden, vor allem psychischen Traumata, die bislang nicht von der Regierung als „Strahlenfolgen“ aber in einigen Fällen vor Gericht als entschädigungspflichtig anerkannt wurden (2017: TEPCO ordered to pay evacuees of Fukushima nuclear disaster). Schätzungen sprechen allein von über 2.000 Menschen, die an den Folgen der Evakuierungsmaßnahmen nach der Naturkatastrophe (unabhängig vom AKW Unfall) durch Stress, Infektionserkrankungen und eingeschränkte Versorgung verursacht wurden. Selbstverständlich sind die beiden Größen vernünftigerweise nicht in Relation zu setzen, jedoch müssen sie mitbedacht werden, zumal vergleichbare Entschädigungen für diese Gruppe in jedem Fall ein Vielfaches der Summe ausmachen würden, die an Krebs erkrankte AKW Mitarbeiter bezahlt werden.

Die New York Times übernahm am selben Tag das Thema des „anerkannten Krebstoten“ und ergänzte, dass der betreffende Mann seit über 28 Jahren, also schon vor dem Unfall, in Fukushima Daiichi gearbeitet hat. Bereits 2015 hat die japanische Regierung zusätzliche Gesundheitskosten eines Mannes übernommen, der zwischen 10/12 und 12/13 an den Aufräumungsarbeiten beteiligt war und an Leukämie erkrankt ist.

Der Unterschied zu dem rezenten Fall besteht aber darin, dass damals mit der Kompensation der Zusammenhang mit der Strahlenbelastung nicht ausdrücklich anerkannt wurde, das aber nun – wider besseres naturwissenschaftliches Wissen – ein Prejudiz geschaffen wurde.
Schon 2015 hat die NYT auf das prinzipielle Problem solcher Entscheidungen hingewiesen, weil ein Zusammenhang zwischen Strahlenexposition und Folgeerkrankungen immer nur auf Basis von Wahrscheinlichkeiten gezogen werden kann, aber in der Regel im Einzelfall nicht zwischen einem durch Strahlung oder durch andere (genetische, Verhaltens- oder Umweltfaktoren) differenziert werden kann. Es gibt zwar erste wissenschaftliche Erkenntnisse, dass sich die Genetik von strahleniduzierten Schilddrüsenkarzinomen nach Tschernobyl und spontanen papillären Schilddrüsenkarzinomen nicht nur im klinischen Verlauf sondern evtl. auch genetisch differenzieren lassen. Ganz abgesichert ist dies mW jedoch noch nicht.

Auch in dem dem Fall mit Leukämie eines AKW Arbeiters hatte dieser sogar eine geringere Strahlenexposition erhalten hat als andere, nicht erkrankte Mitarbeiter (15.7 millisieverts of radiation during his 14 months), was die Schwierigkeiten eines Kausalzusammenhanges in diesen Fällen deutlich macht.

In diese Kerbe schlug auch Dr. James Conca auf Forbes eine Tag später:
Why The Cancer Death Of A Fukushima Worker Was Likely Not Due To Fukushima 

Obwohl auch seine Argumentation Widerspruch hervorruft:

Lungenkrebs ist kein “typischer” Organkrebs für eine Exposition, die während des Unfalls auftraten
; was mE so nicht ganz haltbar ist, weil jede Exposition gegenüber ionisierender Strahlung prinzipiell das allgemeine Risiko der Krebsentstehung erhöht.
Nur ganz wenige Expositionen, i.d. Regel dort, wo das „strahlende Material“ ganz spezifisch in bestimmten Geweben angereichert wird (z.B. Jod > Schilddrüse) lässt sich darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen Exposition und bestimmtem Organ-Karzinomen annehmen.

Es benötigte Jahre, bis in den Überlebenden der A-Bomben-Abwürfe im II. WK die ersten Lungenkarzinome auftraten.
Das ist so nach den neuesten Auswertungen der Life-Span-Study (Lit 1, Lit2) ebenfalls nicht richtig.
Es stimmt zwar, dass es 5 Jahre dauerte, bis statistisch gesichert mehr Organkrebse (i, Ggs. zu Leukämien, „sogenanntem Blutkrebs“) erkennbar waren, als es dem Erwartungswert in dieser Bevölkerung entsprochen hätte (Excess Cases/Death). Für Leukämien war das bereits deutlich früher nach der Exposition der Fall war, nur heißt das nicht, dass keines der früher aufgetretenen Karzinome nicht doch strahleninduziert war, man konnte dies mit statistischen Methoden eben nicht von den „anderen“ Karzinomen unterscheiden, die spontan oder auf Grund anderer Risikofaktoren entstanden sind.

Die Geschichte verbreitete sich dann durch viele Kanäle und kam bei uns verkürzt so an:
Krebserkrankungen durch Fukushima-GAU: Erster offizieller Todesfall
Todesfall bestätigt Nach Fukushima-GAU: Arbeiter erlag Lungenkrebs
Offiziell erster Strahlentoter nach Fukushima-Havarie

Keine Ahnung, welche Schlüsse Herr Weiss auf 1000 Seiten zum Lachen brachten, es darf jedoch aus seinen Interviews und dem pointierten Titel geschlossen werden, dass ihm das Lachen ebenso im Halse stecken bleibt wie mir, wenn man sich mit der offensichtlichen Unfähigkeit von Politik, Justiz, Medien und Gesellschaft beschäftigt, mit einer Katastrophe wie in Japan 2011 umzugehen.
Ohne zu große Parallelen zur Nuklearkatastrophe von Tschernobly ziehen zu wollen, Ursache und Verlauf der beiden Ereignisse unterscheiden sich doch sehr, reichten die über 32 Jahre offenbar nicht aus, um zu erkennen,
dass es hier (medizinisch) nicht nur um die Strahlenwirkung geht,
dass (wie im Finanzwesen und (vermutlich) der privatisierten italienischen Autobahn) die privaten Betreiber zwar die Gewinne einstreifen, aber für die Gesamthaftung nicht gerade stehen, um
letztendlich im Hinblick auf Haftung und Entschädigungen zu einem ausgewogeneren Bild zu kommen.

Natürlich ist aber sonst Herrn Dr. Conca zuzustimmen, dass niemand gegen die Entschädigung für Menschen ist, die Leid erlitten haben, aber es vergeht einem das Lachen, dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse offenbar negiert werden, wenn der entschädigt wird, der mit einem Dosimeter einen „spontanen oder strahleninduzierten Krebs“ bekam und der nicht, dessen Gesundheitsgefährdung im Rahmen der Evakuierungsmaßnahmen nicht im mSv ausgedrückt werden kann, vielleicht weil das so billiger kommt und der Boulevard dann zur nächsten Headline hastet.

Written by medicus58

11. September 2018 at 17:00

Fahren Sie lieber auf Urlaub statt krank zu werden

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Dass es während der Urlaubszeit personelle Engpässe gibt, ist ja an und für sich keine besondere Erwähnung wert.
Dass dies auch außerhalb der Urlaubszeit (z.B. bei den Krankenkassen) keine Seltenheit ist, haben wir hier zuletzt im September des Vorjahres dokumentiert (Gut versorgt: Ambulanzsperren).
Ja, und dass die Gesundheitspolitik plant obwohl die „Soldaten“ schon längst weiter gezogen sind, wurde auch seit Jahren hier immer wieder angesprochen.

So gesehen ist das Schriftstück, das gestern aus dem AKH kam „Akutmaßnahme Annahmestopp für Probeneinsendungen A/72/2018“ eigentlich auch keine Überraschung, wo die Direktion des laut KAV-Masterplans für die Supramaximalversorgung im Wiener Spitalskonzept zuständigen AKH mitteilt, dass
aufgrund eines akuten Personal- und Geräteengpasses am Klinischen Institut für Pathologie des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien – Medizinischer Universitätscampus vorübergehend keine Annahme/Verarbeitung von Nierenbiopsien und molekularpathologischen Untersuchungen möglich ist und die Einsendungen retourniert werden.“

Auf den ersten Blick vielleicht irritierend wird das Vorgehen wie folgt begründet:
„Diese Maßnahme dient der Patientensicherheit, die durch die verzögerte Befunderstellung gefährdet sein könnte.“

Möglicherweise führt das ebenso zu hektischen Diskussionen wie im April dieses Jahres ein Interview mit Prof. Husslein (AKH-Primar will künftig Patienten abweisen), in dem flapsig in die Kamera sagte: „Man hat Volleyball mit uns gespielt, und wir spielen jetzt Volleyball zurück und schicken die Patenten dorthin, wo sie besser aufgehoben wären.“

Blöd ist halt, dass es das „dorthin“ auch nicht mehr gibt. Die Patienten stauen sich ja in der AKH Ambulanz, WEIL der niedergelassene Bereich nicht (mehr) funktioniert.
Es gibt, um auf das aktuelle Thema zurück zu kommen, natürlich auch andere Pathologien als die im AKH, nur wird es vielleicht einen Grund haben, wenn manches ins AKH geschickt wird und nicht vor Ort befundet wird!

Ich habe den besagten Brief hier nur deshalb angesprochen, um wieder einmal darauf hinzuweisen, was in der leidigen Spitalsbetten- und Ambulanzwartezeit-Debatte immer unter den Tisch fällt, dass die Versorgungssituation auch in der Diagnostik bereits höchst prekär ist. Und ohne Diagnose gibt es keine vernünftige Therapie!

Egal, bleiben Sie gesund und machen Sie Urlaub;
nicht dass es in anderen Ländern viel besser um die Versorgung bestellt ist (Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da),
aber solange wir alle in Europa wählen, wie wir wählen und nicht Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms lesen, wird weiter an der Versorgungssicherheit gespart werden, bis dann nichts mehr geht!

Ja und wer glaubt, dass das alles nur urlaubsbedingt ist, möge den Text nochmals lesen, denn im AKH wird nicht nur von personellen Problemen sondern auch von einem Geräteengpass gesprochen, und Geräte fahren nicht auf Urlaub!

Written by medicus58

12. Juli 2018 at 17:44

Babylonische Zustände in der Medizin

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Ich sitze gerade vor drei Bildschirmen, einem großen 4K, einen Standard Flatscreen und einen noch teureren EIZO, und tippe meinen heutigen Beitrag auf einem ziemlichen High-end PC, den ich normalerweise für weitaus rechenintensivere Aufgaben verwende, als für diese kleinen Wortmeldungen am Rande des Internets.
Will heißen, ich halte mich auch privat für ein bisschen EDV-affin.
Das will ich vorausschicken, da regelmäßige Leser vielleicht den Eindruck gewinnen können (siehe Links), dass ich ein prinzipielles Problem mit der EDV (oder IT) habe, was definitiv nicht stimmt.

Als 13-Jähriger habe ich von einer allgemein zugänglichen Enzyklopädie geträumt, da ich mit einen Brockhaus nicht leisten konnte – heute stehen die 24 Bände einen Handgriff hinter mir, einschließlich der Ausgaben für Weltgeschichte.
Trotzdem genieße ich es, dass ich auch in der U-Bahn die Wikipedia befragen kann.

Meine ersten Erfahrungen mit Spracherkennungssoftware machte ich vor mehr als zwei Jahrzehnten und finde die diesbezüglichen Fähigkeiten meines Smart-TV bemerkenswert.
Trotzdem konnten Sie hier lesen, dass die Anwendung in der medizinischen Praxis mehr als hinterfragbar sind (Eupnoe – Aponoe)

Ja, und ich bin mir der bemerkenswerten Fähigkeiten von IBMs semantischer Suchmaschine Watson, durchaus bewusst, obwohl ich mich entgegen anders lautender Werbeaussendungen nicht ausschließlich nach seinen Erkenntnissen onkologisch behandeln lassen wollte, obwohl der Link uns zu beweisen scheint, dass dieser Algorithmus zu 90% zu den gleichen Therapien rät, wie ein interdisziplinäres Tumorboard.
JA, und eigentlich habe ich auch mal ein bislang nicht realisiertes Watson Projekt erarbeitet, aber Schwamm drüber.

Nun scheint es mir aber, dass ich mich langsam geschlagen geben muss:
Babylon AI erreicht Genauigkeit bei Global Healthcare First, die menschlichen Ärzten gleichwertig ist

Wenn Sie sich das Nachlesen dieser APA Meldung ersparen wollen, wovon ich abrate, dann steht dort, dass ein Algorithmus bei einer ärztlichen Befähigkeitsprüfung besser abschnitt, als der durchschnittliche britische Arzt.
Die Ergebnisse des heutigen Abends zeigen deutlich, wie durch AI erweiterte Gesundheitsdienste die Belastung der Gesundheitssysteme weltweit verringern können. Unsere Mission ist es, zugängliche und erschwingliche Gesundheitsdienstleistungen in die Hände jedes Menschen auf der Erde zu legen. Diese bedeutenden Ergebnisse bringen die Menschheit einen wichtigen Schritt näher zu einer besseren Welt, in der niemandem eine sichere und exakte Gesundheitsberatung verweigert wird.“

So weit so gut, wir alle wissen aber, dass es nicht darum geht, sondern um die Einsparung von „ärztlichen Vollzeitäquivalenten“, und das wird auch so kommen, seien Sie (als Patient) gewarnt.

AI (=Artificial Intelligence)ist derzeit einer der heißesten Tickets in der Medizin.

IBM, das schon lange mit seiner Hardwaresparte keine Geld mehr macht, investierte Unsummen in Watson, seinen AI Algorithmus, der wie eine Reihe anderer IT-Anwendungen, zum Super-Doktor gehypt wird, als ob ein derartig komplexes System wie die Behandlung eines einzelnen Patienten durch einen Algorithmus erfasst werden könnte.

Im American Journal of Medicine erschien im Februar 2018 ein Artikel mit dem Titel: Artificial Intelligence in Medical Practice: The Question to the Answer? und kommt wenigstens zu dem Schluss, dass da auch noch fallweise ein Arzt zwischen den Bits and Bytes auftauchen soll.

Ich habe vor längerer Zeit meine Vorlesung aus den 90er Jahren (Am Anfang war die Diagnose – Clinical Decision making Not only for Dummies) hier auf den Blog gestellt, um ein bisschen die Komplexität des Diagnoseprozesses zu umschreiben, die nicht zu letzt die Schwierigkeiten an der Schnittstelle Patient:Medizin(Arzt) aufzeigt,
die auch heute nicht FÜR DEN EINZELFALL, von der AI abgedeckt werden kann und damit haben wir es in der Praxis zu tun.
Nicht mit Mittelwerten und Gruppen-Wahrscheinlichkeiten, sondern dem Einzelfall.

Egal: Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind

Meiner Wahrnehmung nach haben die meisten in meiner ärztlichen Kollegenschaft noch gar nicht begriffen, wie nahe stark die Versprechungen der IT-Industrie das Berufsbild der Ärzte bereits gefährdet.
Ja, und Patienten beschweren sich ausschließlich über Wartezeiten ….

Links: 
Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher
Die Überraschungseier der Krankenhaus EDV
Kunstfehler waren gestern, heute haben wir die EDV

Written by medicus58

28. Juni 2018 at 21:58

Warum die KH Nord Untersuchungskommission vermutlich wenig bringt

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Ist mal wieder typisch Wienerisch. Schon vorher zu wissen, dass eh alles wieder nix bringen wird und zum Spritzwein greifen.
Sie hätten angesichts der heutigen Überschrift jedes Recht die Lektüre dieses Beitrags angewidert abzubrechen, jedoch geben Sie mir eine Chance und reden wir in einem Jahr weiter …

Wie die Linksammlung am Ende beweist, habe ich mir über das „Leuchturmprojekt der Wiener Krankenhausreform“ schon mehrfach Gedanken gemacht und diese will ich nicht wiederholen, heute geht es um einen anderen Aspekt:
Bisherige Rechnungshofberichte und die medialen Kommentare in den letzten Monaten scheinen sich einig, dass die Erklärung für Verzögerungen und Preissteigerungen beim Krankenanstaltenverbund lag, weil er sich ein zu großes Projekt selbst zugetraut hat. 

So ganz falsch ist das zwar nicht, aber auch sehr bequem, weil die beteiligten Gesundheitsstadträtinnen Brauner, Wehsely und Frauenberger politisch und die Generaldirektoren des KAV Marhold und Janßen längst operativ abgetaucht sind und der erste Zeuge der vom U-Auschuss vorgeladen wird, Wetzlinger , bis vor kurzem nichts mit der Sache zu tun hatte.

Natürlich beweisen auch die zahllosen Berater, die im KAV ein und (mit satten Honoroaren wieder) aus gingen, dass man wenig Vertrauen in die eigene Kompetenz und offenbar gar kein Vertrauen in sein eigenes Personal hatte. Auch das wird der U-Ausschuss erneut feststellen, aber damit vielleicht Wesentliches übersehen.

Ich bin aber höchst pessimistisch, dass der rot-grüne U-Ausschuss dort ansetzen wird, wo meiner Meinung nach das eigentliche Übel dieses und vieler anderen Projekts lag:
Der unbedingte Wille mit ganz bestimmten Anbietern (Firmen, Freunden, …) ins Geschäft kommen zu wollen!

Wer nur die Durchführung des Projekts untersucht, der wird natürlich zahllose Fehlentscheidungen und absurde Einzelentscheidungen (Energetiker) zu Tage fördern und mit der Frage konfrontiert sein, ob denn da alle Beteiligten zu viel vom erwähnten Spritzwein hatten. Völlig unklar bliebe aber, weshalb dieser Krankenanstaltenverbund (damals noch in Form einer Magistratsabteilung!) vor gar nicht so langer Zeit ein anderes Wiener Spital innerhalb des Termin- und Kostenplans fertigstellen konnte, wenn die Leute jetzt so unfähig agieren.
Diese Projekt ruhte damals übrigens auf viel weniger entscheidungsberechtigten Schultern als das KH Nord heute!
Wie können aber die Verantwortlichen, überwiegend Beamte der Stadt Wien und einige Bundesbeamte in Form der späteren leitendend Ärzte, die auch manch andere Großprojekte relativ problemlos durchziehen konnten, plötzlich jede Kompetenz verlieren und sich
beim Bau des KH Nord mehr am  Skylink als am Donauspital orientieren?

Wenn sich der U-Ausschuss nicht auch mit dieser Frage beschäftigt und (so wie der RH) die Vorgeschichte des KH Nord vor dem ersten Spatenstich ausspart, dann wird er erwartungsgemäß nur wieder zu den bisherigen und für alle bequemen Schlüssen kommen: Selbstüberschätzung

Vergleiche: Eine Baustelle und kein Ende in Sicht
Warum sucht eine Stadt im Mai 2006 für ein öffentliches Spital einen privaten Partner,
der sowohl Grundstück als auch das Geld und den eigenen Generalunternehmer (PPP) beistellen soll?
Worin lag der Sinn zuerst klein und mehrstufig dann (auf Wunsch Wehselys im Jänner 2007) groß zu bauen?
Welche Rochaden gab es und warum, bis ein Jahr später im Bieterkonsortium PORR, Vamed und SIEMENS vereint waren, und wie findet sich ein Bieterkonsortium ehe man noch den Architekturwettbewerb (April bis Dezember 2008) fertig und ehe man offiziell ein Grundstück dafür hatte?
Hat dann doch die Stadt Wien das Grundstück selbst gekauft, zerbricht plötzlich das Bieterkonsortium und der KAV will ohne das Konsortium in Eigenverantwortung bauen. (OK manche erklären das in anderer Reihenfolge mit einem EU Kredit, aber man wird ja sehen …)
Trotz allem sind sowohl die PORR  als auch die SIEMENS als Kontrahenden weiterhin massiv in das Projekt involviert geblieben und nach der VAMED wird in alter AKH Tradition immer wieder gerufen, um das Projekt KH Nord zum Laufen bringen.

Über den bisherigen Rest der Geschichte wird ohnehin seit Jahren viel geredet, nicht zuletzt seit Stadträtin Wehsely gerade zu der Firma Siemes wechselte, bei der Ihr Vater Hans (Jg. 1943) als Leiter des Beteiligungsmanagements bei Siemens AG Österreich. und im Aufsichtsrat tätig war. Daneben war er übrigens u.a. auch in der Arbeiterkammer Wien, bei den VEW (Vereinigte Edelstahlwerke), Böhler GmbH, Böhler Edelstahl G. & Co, bei der Österreichischen Post AG und der Baugesellschaft HABAU GmbH.

Ob sich so PPP-Projekte rechnen, mögen Wirtschafter entscheiden, aber dass die Vorgänge vor dem Spatenstich vielleicht mehr die nachfolgenden „Blödheiten“ erklärt, als eine reine Selbstüberschätzung der Verantwortlichen, schien bisher niemanden so im Detail interessiert zu haben.

Stellen Sie sich einen Ozeandampfer vor,
dessen stets neue Kapitäne gar nicht an Bord sind,
auf dessen Brücke stets neue Steuermänner/frauen geschickt werden,
dessen Kurs und Frachtgut man dauend ändert,
dem man einmal Rabat in diesem oder jenen Hafen verspricht,
der vor lauter Lotsen vor sich schon nicht mehr die Untiefen im Wasser sehen kann
und den man mit Selbstfindungsseminaren beschäftigt,
ob er denn überhaupt ein Ozeandampfer wäre.
Ja, und dann beantworten Sie die Frage, ob den die, die da dauern auf einem sich am Stand drehenden Schiff scheinbar planlos hin und her laufen, an dieser offenkundig ausweglosen Lage selbst schuld sind und an Selbstüberschätzung leiden.

Übrigens laufen grad die drei Wochen ab, die der neue Stadtrat dem KAV Management für einen Art Kassensturz und bindende Eröffnungstermine gegeben hat …..  nur mal so.

Links:
Just Bad Weibs um das KH Nord oder das Ende des Roten Konsenses?
Das wahre Problem am Esoterik Skandal im KH Nord
Weshalb sich niemand mehr über einen RH Bericht zum KH Nord aufregt
Nordlichter, weshalb der Stadt für Ärzte und Pflege kein Geld mehr bleibt
Wie man Skandale übersteht …
Hat der weiße Murl seine Schuldigkeit getan?

Written by medicus58

20. Juni 2018 at 17:56

AHA- Erlebnis oder Robin Hood im Wandel der Zeit

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Natürlich hat unser Bericht heute nix mit dem deutschen Psychologen Karl Bühler zu tun, der den Begriff Aha-Erlebnis prägte, aber vielleicht doch mehr als man auf den ersten Blick glaubt.

Denn letztendlich geht es hier schon um das plötzliche Erkennen von bislang nicht erkannten Zusammenhängen, wobei, der die diese plötzliche Einsicht erlebt, von der Richtigkeit seiner Lösung auch immer restlos überzeugt ist.

Weshalb sonst erleben wir gerade im Gesundheitssystem dies Fülle an Denkfabriken, Expertenrunden, ausgelagerten Gesellschaften, abhängigen und unabhängigen Experten und Beratern, die den Stein der Weisen im Gesundheitssystem finden wollen oder meist bereits vorgeben im Vollbesitz der Lösung zu sein, die nur noch heraus geschrien oder zumindest medial verkündet sein muss.

Als wären nicht Gesundheit Österreich Ges. m. b. H. (Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG)Fonds Gesundes Österreich (FÖG), Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG), Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment, Life-Science-Success, Weitmoser Kreis, … und noch Dutzende weiterer Thinktanks nicht genug, hat der umtriebige Herr Raidl (Präsident der Österreichischen Nationalbank) uns nun mit der Austrian Health Academy (AHA) beglückt und den Verein gleich mal als eine Art Robin Hood der Patienten vorgestellt.

„Wie Patientinnen und Patienten in Österreich für dumm verkauft werden

• Wie Lobbys und Partikularinteressen unser Gesundheitssystem schädigen
• Warum Patientinnen und Patienten vom System falsch behandelt und gesteuert werden?
• Wo und wie können die eingesetzten Mittel besser verwendet werden?
aha. , die unabhängige Denkfabrik für das Gesundheitswesen, präsentiert drängende Notwendigkeiten  und konkrete Lösungen.

Dkfm. Dr. Claus Raidl, aha. Präsident
(Anmerkung: Cartellverband (CV), ÖIAGVorstand, VOEST-Alpine, Austrian IndustriesBöhler-Uddeholm AG, jetzt Nationalbank) und 
Dkfm. Dr. Michael Kraus, aha. Vorstand
(Anmerkung: Obmann der Immobilienmakler!!)

wollen mit „objektiver Forschung gegen den Föderalismus im Spitalsbereich vorgehen„, was ja einmal ganz gut wäre und „sagen den Ländern den Kampf“ an, mit angepeilten zwei Millionen Forschungsgeldern, dass ihnen – natürlich auch ganz objektive Sponsoren geben sollen, die dafür ein Mitspracherecht bekommen.

Ab einem Förderbeitrag von 5.000 Euro pro Jahr haben Förderer Recht auf einen Sitz im aha-Förderbeirat, ab einem Förderbeitrag von 20.000 Euro auf einen Sitz im aha.-Aufsichtsrat.

Interessant ist, dass das grad jetzt durch die Medien geistert, denn ein weiteres Mitglied der AHA, Maria Hofmarcher-Holzhacker sprach schon vor fast einem Jahr (21.8.2017) in Alpbach von dem eben gegründeten Verein, der sich im Herbst offiziell zeigen wird. Ziel ist es, unabhängig von Einflüssen durch Politik und Industrie, Patienten Gehör zu verschaffen. Derzeit arbeiten wir am Webauftritt, einen Vorstand und ein Präsidium gibt es bereits.

Der Auftrag für die Webbegleitung dürfte inzwischen an Foggensteiner Public Relations GmbH  gegangen sein.

Als an der Front des Gesundheitssystems Arbeitender kriegt man ja schon eine Gänsehaut, wenn man von Experten wieder einmal „Lösungen vorgesetzt bekommt“, aber neben all dem Geschwurbel, das da verbreitet wird (wir wissen eh woran es krankt, dazu brauchen wir keine Experten und Besserwisser) und offenkundig partikularer Interessen (Die Brustkrebsversorgung in Krankenhaus Hietzing erfolgt aus einer Hand), ist mir eines aufgefallen, was vielleicht Hoffnung macht:

Die AHA will ein aus einer Hand finanziertes Gesundheitswesen, und das finde ich auch sinnvoll.
Wenn die sich mit den Ländern und den Kammern anlegen wollen, dann haben sie auch schon ohne einen Cent Sponsorengeld entdeckt, weshalb gerade das bislang nicht zu verwirklichen war.

Etwas Gänsehaut überkommt einen dann wieder, wenn man im FirmenABC (Stand 4.6.2018) nachschaut, welche Beteiligungen und Funktionen Herr DKFM Dr. Michael Kraus so hat:

Funktionen von Herrn Dkfm. Dr. Kraus Michael:

Am Sitz der Donau-Finanz Treuhand, fand auch oben erwähnte Pressekonferenz statt. Deren Tätigkeitsbeschreibung liest sich dann auch nicht mehr so ganz patientenaffin:
Finanzierung, Projektmanagement und Immobilienentwicklung (Einzelhandel, Gewerbe und Freizeitindustrie) sowie Bauträger, Vermietung und Centermanagement; Weiters unterhält man Tochterunternehmen und Beteiligungen in der Immobilienentwicklung, Beratung und Verwaltung, im Tourismus-Consulting Bereich, in der Hotelentwicklung und Hotelführung, der Umweltberatung und in der Abfallwirtschaft.

Komisch, vom Robin Hood aus Sherwood Forest, dem Beschützer der schutzlosen Patienten, dem Rächer der enterbten Patienten, sind keine Firmenbeteiligungen überliefert.

OK, meine Hoffnungen schwinden wieder ….

Written by medicus58

4. Juni 2018 at 19:07

Message Control um das PVE Wien: keine Klagen und der Eingang zum Billa

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Im September 2017 freuten wir uns auch hier über Erkenntnisse der Wiener Ärztekammer und die Eröffnung des PVE (vulgo PHC, PVZ ut sim) in Transdanubien: Die Primärversorgungszentren richten sich nicht gegen den Hausarzt, aber .

Hurra, in Wien eröffnet am 4. September das nächste Primärversorgungszentrum vor den Toren des Donauspitals, um dieses zu entlasten! PatientInnen werden 50 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr versorgt

Vergessen schienen die äußerst dubiosen Vorgänge um die „Geburt des zweiten Wiener Primärversorgungszentrums“
(Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk) und wie bei einer Reihe anderer Projekte in Wien schienen die Grenzen zwischen Stadt (Steuerzahler) und Wiener Gebietrskrankenkasse (Krankenversicherte) etwas zu verschwimmen:
Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s

Ja, bis am 1. Juni 2018 plötzlich die Presse von Prestigeprojekt vor dem Aus sprach.
Baltaci schrieb dort von „Keine Patienten, zerstrittene Belegschaft, Klagsdrohungen – das neue Primärversorgungszentrum in der Donaustadt droht zum Fiasko zu werden und könnte sogar das gesamte Konzept der Gruppenpraxen sprengen. Zugunsten eines schnellen Erfolges seien Risiken und Warnungen ignoriert worden“ https://diepresse.com/home/panorama/wien/5439159/Gruppenpraxen_Das-Ende-einer-Idee

und der Wiener (und Österreichische) Ärztekammerpräsident fand „die Probleme nicht überraschend„.

Etwas überraschend finden aber nun Eingeweihte die gleich darauf auf Orf.at erschienene Gegendarstellung (Verwirrung um das Primärversorgungszentrum in der Donaustadt), der das alles ziemlich Lügen straft. Hatte da ein sehr erfahrener Journalist, der sich seit Jahren mit dem Gesundheitssystems unseres Landes auseinandersetzt, wirklich nur einen Albtraum, den die Redaktion ungeprüft in die Druckerpresse tropfen ließ?

„Stimmt nicht“ sagt die Leiterin des Zentrums, alles halt nur ein bisschen „Ehestreit zwischen drei Betreiberinnen“ …
Die 300.000 Euro, die Stadt Wien und Krankenkasse dort zuschießen (!) für die 1.200 E-Card Patienten, seien gut investiert und alles wäre eine Negativkampagne durch Neider und Projektgegner.

Eine konservativ bis neoliberal positionierte Zeitung wie die Presse agitiert gegen die Umsetzung der Gesundheitsreform in Wien? Warum, weil sie einfach wieder den Roten etwas auswischen wollte?

Ja, und dann blicken alle in die Steiermark, wo ohne Diktate aus Wien das Gesundheitssystem umgekrempelt wird.
Der Schwarz-Türkise Christopher Drexler sperrt mit Hilfe des Ex-Roten Landesrates Günther Dörflinger, der nunmehr für eine Beraterfirma werkt, sechs Spitäler zu und setzt eigentlich nur das um, woran Ex-LH Franz Voves (SPÖ) noch gescheitert ist, ein öffentliches Gesundheitssystem, das genug Spielraum für die privaten Gesundheitsversicherungen aufmacht.
Schließlich kam Voves aus dem Vorstand der Merkur-Versicherung in die Politik.
„Mit einem Diktat aus Wien kriegt man das nicht hin“

Übrigens waren aufmerksame Leser dieses Blogs seit 2012 über das steirische Projekt informiert, das übrigens ein Zusammentreffen mit vielen Bekannte auch aus der ehemaligen Entourage von Frau Wehsely und dem Projektteam des KH Nord ermöglicht:
Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem
Pflichtversicherte seid ihr wirklich so dumm?
SPÖ: Bitte, bitte wählt uns ab …

Aber zurück aus der Grünen Mark ins Wiener Transdanubien, das allein so viele Einwohner beherbergt wie die steirische Landeshauptstadt.
Alle anderen Medien hielten sich nach der Mini-Kampagne der Presse und dem postwendenden Dementi auf ORF.at überraschend zurück. Alles wirklich nur lancierte Fehlinformationen eines Presse-Journalisten, den die drei Kolleginnen nun klagen werden?

Ich darf einmal versprechen, dass das nicht der Fall ist, denn die Eckpunkte des Problems sind, wie vielen bekannt ist, schon richtig beschrieben: Zu wenig Patienten, ein viel zu teurer Standort, innere Reibereien und wenig Unterstützung …. aber was viel schlimmer ist, eine Wiener Gesundheitspolitik, die das Projekt einfach medial wollte und es jetzt (abgesehen von den finanziellen Zuschüssen) im Regen stehen lässt.

Wenn Sie mir nicht glauben, nehmen Sie mal die U2 und fahren bis zur Haltestelle Donauspital und versuchen sie den Eingang zum Primärversorgungszentrum zu finden. Tun Sie das aber nicht am Wochenende, denn da dürfen die Betreiber gegen ihren Willen gar nicht offen halten (von wegen orf.at: Das Zentrum mit Kassenvertrag hat bis 19.00 Uhr geöffnet, das ganze Jahr) sondern unter der Woche, denn den Eingang zum Billa finden Sie sicher leichter um sich eine Stärkung zu holen, wenn Ihre Suche doch länger dauert als geplant.

Written by medicus58

3. Juni 2018 at 15:04

Griff in die Kasse

with 2 comments


Überlegungen zur tükisch-blauen Kassenreform, die man so nicht im Radio hört.

https://wp.me/p3YvOX-Ui

Written by medicus58

21. Mai 2018 at 10:03

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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