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Griff in die Kasse

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Überlegungen zur tükisch-blauen Kassenreform, die man so nicht im Radio hört.

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Written by medicus58

21. Mai 2018 at 10:03

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Grusel-Medizin

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Kaum glaubten wir uns entspannen zu können, nachdem auch die Wirtschaftswoche das Ende des Tunnels sah, obwohl Deutschland zu den am stärksten von der Grippe betroffenen Ländern in Europa zählte.
Optimismus schien sogar berechtigt, da wir heute vernahmen, dass die Medizin schon wieder einen Schritt vorangekommen ist und schon wieder ein neues Organ entdeckt hat: das Zwischengewebe.
Wer nun glaubt, die Sau wieder zu erkennen, die da durchs mediale Dorf gejagt wird, dem kann geholfen werden, den vor etwas mehr als einem Jahr war es das Gekröse, das zum neu entdeckten Organ hochgejubelt wurde. Selbstverständlich haben wir hier darüber im Jänner 2017 berichtet: Neues Organ entdeckt, nein, nicht das Großhirn.

Das Vertrauen in die Segnungen der Medizin schien kurzfristig nahezu grenzenlos, bis uns heute die Nachrichten vom Horror-Tripper um die Augen flogen:

Antibiotikaresistenzen: England meldet weltweit ersten Horror-Tripper
Super-Tripper bei Brite diagnostiziert – warum Ärzte nun besorgt sind
Brite holt sich die «weltweit schlimmste Art» von Tripper 
In Grossbritannien war er in einer festen Beziehung, das war ihm aber nicht genug. Nun kommt einem Briten ein One-Night-Stand in Asien teuer zu stehen.

Wobei wir uns nicht darauf ausreden dürfen, wieder einmal nicht gewarnt worden zu sein.
Die Welt brachte uns schon vor mehr als einem halben Jahr die Warnung der WHO nahe:
Wer an der Krankheit leidet, hat häufig einen eitrigen Ausfluss aus Scheide, Penis oder Po. 
Weltweit infizieren sich jedes Jahr 78 Millionen Menschen neu
Auch der Standard kopierte eine APA Meldung: „Tripper“ immer schwerer zu behandeln

Kurz vor Weihnachten 2017 berichtete der Kurier schon atemlos:
In der Stadt Salzburg (!) könnte eine Prostituierte Dutzende Freier mit Gonorrhö (oder umgangssprachlich Tripper) angesteckt haben.
Natürlich eine Ausländerin!
Und noch am 1.3.2018 schlug das Spektrum der Wissenschaft Alarm:
Die Rückkehr der Plagen: Krätze, Scharlach, Syphilis und Tripper treten in letzter Zeit wieder häufiger auf. 

Was hilft uns da die Erkenntnis, dass  Viagra vielleicht Darmkrebs vorbeugt wenn wir vorher am Tripper abkratzen, denn wer nimmt Viagra ohne es auszunutzen?
Auch erleben wir nach einem one night stand in Asien womöglich gar nicht mehr den Durchbruch in der Parkinsontherapie, den uns Experten noch am 9.3.2018 für in zehn bis zwanzig Jahren versprechen.

Vermutlich hilft uns auch dann auch der in Nature Nanotechnology vorgestellte Tissue Nanotransfection (THT) Chip nicht mehr, der beschädigte Haut, Nerven, Organe und sogar das Gehirn heilen können soll. Und das, indem man ihn einfach nur für eine Sekunde auf die Haut legt wie wir in Galileo erfahren durften.

Sage noch einer, dass die medizinische Berichterstattung uns nicht auf eine Jubel-Grusel-Hochschaubahn versetzt. Der Krebs wird ja schon monatlich besiegt und dann rafft uns ein verdammtes Bakterium am Höhepunkt unserer Leistungsfähigkeit dahin …
Mich erinnert das alles an ein Gespräch, dass ich noch als Medizinstudent mit einem Schulfreund hatte. Ich klagte über das breite Interesse an Medizin und dass einen alle sofort irgendetwas Medizinisches fragen wollen, sobald sie erfahren haben, was man studiert. Er aber konterte mit einer sehr weisen Erkenntnis:
Die interessieren sich nicht für Medizin, sie lieben es über Krankheiten reden!

Written by medicus58

29. März 2018 at 21:35

Just Bad Weibs um das KH Nord oder das Ende des Roten Konsenses?

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Als im Vorwahlkampf 2015 Renate Brauner, Sonja Wehsely, Sandra Frauenberger und Ulli Sima durch die Fotomonage der Londoner Abbey Road quasi den Beatles nachtrotteten, wollten sie auf ihrer Good Weibs Kampagne aufmerksam machen.  Drei Jahre danach kann man die damals etwas missglückte Kampagne fast schon als Prophezeiung auffassen:

Sollte es ein verstecktes Signal sein oder war es der Kampagne dar nicht bewusst, dass sich die Beatles
– als das berühmte Cover erschien –
schon längst innerlich aufgelöst
haben?

Was wir seit zwei Wochen in dem von der Kronenzeitung  genüsslich rauf und runter gespielten
Energetikerskandal um das KH Nord erleben

ist weder ein Lebenszeichen der inneren Kontrolle, wie es uns David Ellensohn, die Grüne Eminenz im Rathaus, weis machen will:
  KH Nord. Grüne und SPÖ beantragen Untersuchungskommission. (Nachdem Opposition ein halbes Jahr nur davon geredet hat.) ots.at/presseaussendu… 20. März 2018 4:53 pm

noch das beruhigende Zeichen, dass starke Medien die Politik kontrollieren, wie es uns   ebenfalls auf Twitter einreden möchte:

Guten Morgen. Eine Untersuchungskommission zum Milliardenskandal #khnord kommt. Auch das zeigt, wie wichtig starke Medien sind.
21.März 2018 6:10 am 

Der Wahnwitz um Energetiker und Geowaves,
die nur mühsam dementierte SP-Absage an Frauenbergers Spitalskonzept (das sie in Wahrheit noch von Wehsely und ihrem Beraterklüngel geerbt hat),

der von allen kommentarlos angenommenen Rücktritt einer der willigsten und mächtigsten SP Speerspitzen im Wiener Gesundheitssystem, der man noch ihre Pensionierung mit einem Beratervertrag versüßt hat, was nur dem innersten Kreis genehmigt wird (Gegenbeispiele auf Anfrage),

monatelange Vakanz an der Spitze des KAV (jetzt Wien Kliniken), der von einer Stellvertreterin des Generaldirektors ohne Generaldirektor geleitet wird, vielleicht auch vom Direktor des AKH, der auch mal in der Generaldirektion in Town Town vorbeischaut, …

ein SPÖ Vorsitzender der kaum Zweifel daran lässt, dass er die Weibs lieber früher als später „entsorgen“ würde, während der Noch-Bürgermeister vor einer Ablöse warnt und der 69-jährige Landtagspräsident und Donauinselfest-Erfinder Harry Kopietz offenbar ein Gutachten bestellt hat, dass es ihm verbietet für Brauner Platz zu machen!

All diese Schmiere ist nichts anderes als das höchst beunruhigende Zeichen, dass in der Wiener SPÖ ein Machtkampf abläuft, bei dem ohne Rücksicht auf Kollateralschäden alles gefährdet wird, was diese Stadt einst menschlich und lebenswert gemacht hat.
Der Grundkonsens, dass es bei all den persönlichen Karriereabsichten und gegenseitigen Animositäten doch noch auch um diese Stadt und ihre Bewohner geht, wurde endgültig beerdigt.

Offensichtlich geht es nicht mehr um Richtungskämpfe sondern um einen Endkampf jeder gegen jeden, in dem allen eines völlig egal scheint:
Was dabei alles endgültig zu Bruch geht. Verbrannte Erde, Führerbunker sind die Bilder die einem hier einfallen …

Boulevard-Medien (haben wir noch andere?) greifen die zugesteckten Infos begierig auf und inszenieren die auflagenstärkenden Aufregung sogar noch als demokratisch. 95.000 € Energetiker-Rechnung verursachen zwei Wochen lang höchste Aufregung, während die durch missglückte Tricks verlorenen 30 Millionen € fast unbeachtet im mediale Dorf blieben.
Wie sehr die Strukturen der Stadt bereits in Gefahr sind wird kaum thematisiert:
Change und hin zu neuen, vielleicht auch nur umbenannten und umgefärbten Machthabern,
Wien muss Bund werden,
auch wenn ein dort gerade vorgeführt wird, wie erbittert auch hier hinter einer scheinbar konsensualen Fassade gegeneinander agiert wird.
Bemerkenswert, dass das im Post-Pröll’schen Niederösterreich ganz anders läuft!

Die SPÖ kennt das Spiel Freund-Feind-Parteifreund seit Jahrzehnten und benutzt den alten Gruß (Freundschaft) kaum mehr.
Wenn sie sich aber wie jetzt in Wien völlig von jeglichem Solidaritätsgefühl mit anderen Genossen und mit dieser Stadt entfernt wird viel mehr als nur der Wiener Krankenanstalten Verbund an die Wand gefahren und dann ist es völlig belanglos, wer zum Herrscher der rauchenden Trümmer wurde.
Traurig genug für eine einstmals große Stadtpartei , aber wirklich tragisch, weil es alle Bürger dieser Stadt mitreißt!

Was mir da noch einfällt hat nur scheinbar mit all dem nichts zu tun:
Hofer hatte im Präsidentschaftswahlkampf schon recht, dass man sich noch wundern würde, was in diesem Land alles möglich sein wird.
Es war ein Fehler zu glauben, dass sich das NUR auf die FPÖ bezieht.

 

Written by medicus58

23. März 2018 at 17:36

Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen Teil 2 oder deren Selbsthilfe

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Im Dezember des Vorjahres habe ich unter Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen schrieb ich hier (fast prophetisch angesichts aktueller Ereignisse):
Höchstwahrscheinlich wird bei Basti & Bumsti nur wieder eine Umfärbung der Machtstrukturenrauskommen, weil sich sonst beide innerhalb ihrer Parteien nicht lange halten werden, aber der scheinbar versuchte Anschlag auf das nach dem Almdudler-Logo beliebteste österreichische Trachtenpärchen, Föderalismus und Kammerstaat, hätte das Zeug zu wirklicher Veränderung. 

Während inzwischen die Umfärbungen auch schon beim Koalitionspartner (Stichwort BVT) angekommen sind, kämpfen die Föderalisten weiterhin ungeniert um den Machterhalt in ihren Pfründen. Kaum irgendein halbwegs volkswirtschaftlich und gesundheitsökonomisch denkender Mensch bezweifelt, dass die Aufsplitterung der Kräfte (Player und Finanziers) im österr. Gesundheitssystems einen der größten Ressourcenfresser darstellt, der einerseits verhindert, dass das nicht unbeträchtliche Geld, das ins System fließt nicht „an der Front“, bei den Patienten und ihren Behandlern, ankommt und eine Zusammenführung von Budgetzuteilung und Verantwortung in einer Hand nicht Not täte.

Trotzdem bildete sich in Oberösterreich erneut eine Allianz zwischen OÖ-Gebietskrankenkasse und OÖ-Ärztekammer, sowie dem OÖ Dachverband der Selbsthilfegruppen (!), um sich medienwirskam gegen die geplanten Zusammenlegungen der neun Gebietskrankenkassen auszusprechen.
Ja zur OÖGKK! wurde seit Jahresbeginn von mehr als 74.000 Menschen unterzeichnet!
Nix gegen das ebenfalls von Ärztekammern mit initiierte Don’t smoke  aber genug, um es an die zuständige Ministerin zu übergeben. 

Da schwadroniert der Kassen-Obmann von einer „Entmündigung der Versicherten“, wenn sein Posten gefährdet wird, und vergleicht das Vorhaben drastisch mit: „Das wäre, wie wenn man bei einem gesunden Menschen eine Herz-OP durchführt“.

Da warnt der Stv. Kammer-Obmann, der befürchtet das Machtinstrument der Honorarverhandlung zu verlieren, dass eine Zentralisierung der Kassen „jeden Anreiz erstickt, das Gesundheitssystem im Sinne der Patienten weiter zu denken – und zwar auf einen Schlag für ganz Österreich“

Weshalb sich das Selbsthilfegruppen instrumentalisieren lassen, die es doch besser wissen sollten, dass der POAtient Gesundheitssystem weder kardial noch sonst so gesund ist, kann ich mir nicht erklären, es sei denn sie sind auf das in den OÖN (Ausgabe 13.3.)  genannte Argument reingefallen: Im Falle einer Zusammenlegung würden große Teile des Budgets nach Wien abfließen.
Oder wie es auf der Plattform der Organisatoren heißt:
Hände weg von meiner OÖGKK! Hände weg von den Rücklagen und Beiträgen der OÖGKK-Versicherten.
Die Politik will eine Zerschlagung der Krankenkassen und eine Zentralisierung in Wien.

PR-technisch
gut gemacht wird die Nachricht sowohl in der Marginalspalte von OÖ Heute als auch – natürlich gleich einmal mit markigen Balken – im OÖ Österreich verstärkt:
Zehntausende erheben ihre Stimme
Klares »Nein« zur Fusion der Krankenkassen
Zehntausende Versicherte und Patienten, aber auch Ärzte, Therapeuten und Unternehmen erheben ihre
Stimme zur Kassenfusion.
Das verdient Gehör.

Morgen geifert die Presse dann wieder angesichts endloser Wartezeiten, herumirrender Patienten und einem undurchsichtigen Kompetenz-Dschungel über die fehlende Koordinierung.

Vielleicht sollten wir uns einmal mit der Selbsthilfe im Österreichischen Gesundheitssystem näher befassen?!

Der aktuelle Obmann von Selbsthilfe OÖ ist übrigens lt CV aus 2005 und Wikipedia:
seit November 1990 Mitarbeiter der OÖ  Gebietskrankenkasse
wo er an der Organisationsanalyse und -entwicklungskonzept Gebietskrankenkasse 2000 mitarbeitete und
seit 1995 Stellvertretender Direktor der OÖ Gebietskrankenkasse-
Ab 1998 fungierte er als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gesundheitswissenschaften und Public Health und als Vizepräsident des Instituts für Gesundheitsplanung.
Seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Selbsthilfe Oberösterreich – Dachverband der Selbsthilfegruppen im Gesundheitswesen.
2011 hat er im Mabuse Verlag (Sic) für ein solidarisches Gesundheitssystem ein Buch mit dem Titel Selbsthilfe im Wandel der Zeit herausgegeben.

Ob die betroffenen PatientInnen, der OÖ Selbsthilfeverband vertritt nach eigenen Angaben derzeit zirka 400 Selbsthilfegruppen in OÖ, zu Ihrer Instrumentalisierung für den Machterhalt von Gebietskrankenkasse und Landesärztekammer jemals befragt wurden? Und weshalb thematisiert kein Journalist, dass die Selbsthilfe OÖ neben dem Land Oberösterreich, dem Magistrat der Stadt Linz auch von der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse finanziell unterstützt wird ….

Gibt es eine Synergie der Defizite?

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Eines dürfen Berater und Experten per definitionem nie sein: ratlos.
Deshalb haben sie immer eine Rat für uns, so absurd er bei genauerem hinsehen auch ist.

Überlastete und gesperrte Ambulanzen, Gangbetten, Kunstfehler, Wartezeiten für promovierte Ärzte, fehlendes technisches Personal, … dass der Spitalsbereich in der heutigen Form nicht funktioniert bedarf kaum großer Erklärungen.

Ja, und dass das sogenannte extramurale Bereich nicht funktioniert ist in jedem Wartezimmer leicht zu demonstrieren.
Offene Kassenstellen, nach dem Ende ihrer Ausbildung ins Ausland flüchtende Ärzte, ein rasch wachsender Wahlärztebereich in bestimmten Sonderfächern bei denen Pflichtversicherte wenigstens noch 80% der oft absurd niedrigen Kassentarife zurück bekommen und der immer größer werdenden Sektor der Privatambulanzen und –ordinationen, in denen sich diejenigen, die es sich leisten können, so lange rasche Behandlung finden, solange diese noch Profit verspricht.

Vor diesem Hintergrund hören wir von seit Jahren von zwei Lösungsmodellen:

Gesundheitspolitiker und die von ihr eingesetzten sogenannten Patientenanwälte allen voran der Jurist Bachinger verlangen mehr Synergie zwischen den landespolitisch kontrollierten Spitälern und den von den Krankenkassen kontrollierten Ordinationen, Ersatz der Ärzte durch Pflegepersonen (als ob die, wenn sie höher qualifiziert sind und mehr Verantwortung übernehmen das zum heutigen Salär machen würden), mehr EDV und Telefonberatung (weil je weniger ich von einer Materie etwas verstehe, desto eher vertraue ich ihr Lösungskapazität zu) und irgendwann einmal die Primärversorgungszentren (zum Beispiel das im 22. Bezirk, das so gut versteckt wurde, dass es kaum jemand finden wird (oder soll))

Die Wirtschaftskammer benutzt bezahlte Studien, dass es nun einfach einer dritten Säule bedarf, die nicht zufälligerweise als Private-Public-Partnership den Gesundheitsmarkt für das Rosinen-picken von privatem Kapital erschließen soll:
Das ACG (ÄrzteCentrumGraz), dessen Realisierungspotential im Rahmen einer Private-Public-Partnership als zielführend zu erachten ist, kann nicht
nur diesem Auftrag in Zukunft nachkommen, sondern verspricht gleichzeitig ein wichtiger Impulsgeber für den
Wirtschaftsraum Graz zu werden und trägt darüber hinaus zur boomenden Entwicklung im Bereich „Human
Technologies“ maßgeblich bei. http://wko.at/wien/drittesauele.pdf

Zum ersten Lösungsvorschlag geht mir einfach nicht ein wieso die Addition von -1 und -1 plötzlich +2 sein soll, also weshalb die Addition von Defiziten zu ihrer Elimination führen soll.
Und beim Lösungsweg hat mir noch niemand erklären können, weshalb die Einbindung von privaten aber naturgemäß auf Gewinn hoffenden Investoren dieses System verbessern soll. Gelder, von denen nach all den aufgeflogenen Offshore Skandalen (Panama Papers, …) und der politisch tolerierten Steuervermeidung großer Kapitalien hinterfragt werden darf, ob sie nicht dort wo sie verdient wurden auch anteilsmäßig in diese Gesellschaft zurück fließen sollten, die diese Gewinne erst ermöglicht hat. Wer jetzt „Kommunismus“ schreit, sollte einmal – so er unselbstständig Erwerbstätiger ist einen Blick in seine Steuererklärung macht, wie viel er von seinem Gehalt hier einzahlen muss.
Wer weiter schreit macht dieser systematischen Ausblutung unseres Wohlfahrtsstaates die Mauer und mag sich gemeinsam mit Erzbischof Schönborn einen Beichttermin vereinbaren.  

 

Link:  Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da

Written by medicus58

10. März 2018 at 11:58

Krank gekommen, aber zu krank um zu gehen?

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Diskussionen über Asylwerber kreisen, unabhängig von dem jeweiligen Milieu in dem sie ablaufen, meist um die Frage, ob denn die, die schon immer da waren, die, die da kommen müssen oder wollen, auch mögen.

Der Zufall oder eine zunehmende Häufung vergleichbarer Fälle führten dazu, dass ich mit zwei Fällen konfrontiert wurde, wo die Bruchlinien doch etwas anders verliefen.

Ausgangspunkt war, dass Asylwerber nach Österreich kamen, weil ihre malignen Erkrankungen in ihren Heimatländern nicht so gut behandelbar waren, wie hier bei uns. Es handelt sich jedenfalls um Therapie- und Nachsorgeschemata, die sich nicht über Wochen sondern Jahre ziehen werden.

In einem Fall versuchten die in Österreich bereits ansässigen Angehörigen alles, um letztendlich einen legalen Daueraufenthalt für das erkrankte Familienmitglied in Österreich zu erreichen, im zweiten Fall fühlen sich die Angehörigen, selbst rezent zugewandert, ausgenützt und drängten die behandelnden Ärzte nur ja keine Bestätigung auszustellen, die einen Rücktransport verhindern könnten, nachdem auf mysteriöse Weise der bereits mitgegebene Arztbrief verschwunden ist.

So unterschiedlich sich hier zwei Familien aus europäischen Nicht-EU Ländern ihren kranken Angehörigen gegenüber verhielten, so gleichen sich die beiden Fälle darin, dass die Behandlungskosten vom österreichischen Gesundheitssystem übernommen wurden.

So neu ist das Problem ja nicht, 2014 berichteten France 24 von Diskussionen über nierenkranke Asylwerber, der Zustand sich erwartungsgemäß während ihres Verfahrens so verschlechterte, dass sie die Dialyse- und Transplantzentren der Stadt überlasten.
In Huffpost listet eine rumänische Journalistin eine ganze Reihe von ähnlichen Schicksalen auf.

Jetzt mag man mit gewisser Berechtigung einwenden, dass die europäischen Gesundheitssysteme vermutlich nicht wegen und schon gar nicht ausschließlich wegen Asylwerbern in finanziellen Schwierigkeiten sind, jedoch ist das für andere Ökonomien durchaus ein Problem. Eine Arbeit in Conflict and Health beschreibt die Probleme im Libanon, wo Flüchtlinge 2016 etwa 30% der Gesamtbevölkerung ausmachten. Die Autoren kommen zum Schluss, dass Staaten wieder mehr Verantwortung für die Gesundheitsversorgung Einzelner übernehmen müssen. Bemerkenswert, denn gerade in Europa scheint ja der Trend eher in Richtung einer Entstaatlichung zu laufen!

Eine 2017 erschienene Studie analysierte den Fall eines aus Malaysia stammenden, in LA einreisenden Flüchtlings, der 9 Amerikaner angesteckt hat (Cost analysis of measles in refugees arriving at Los Angeles International Airport from Malaysia) und das danach etablierte System Flüchtlinge bereits vor der Einreise zu impfen.

Im Gegensatz zu den auch in den Medien immer wieder geschürten Ängsten über die durch die Immigrationsbewegungen „eingeschleppten Infektionskrankheiten“, stellen diese nicht das wirkliche Problem dar. Darauf wiesen ua. schon die Studienautoren eines 2013 im J Community Health hin (High Prevalence of Chronic Non-Communicable Conditions Among Adult Refugees: Implications for Practice and Policy) und beschrieben dass etwa die Hälfte der 527.000 erwachsenen Asylwerber, die im letzten Jahrzehnt in den USA angekommen sind zumindest eine chronische Erkrankung mitbrachten.

Ja und eine kanadische Studie bringt das Problem schon im Titel auf den Punkt: A qualitative study on African immigrant and refugee families’ experiences of accessing primary health care services in Manitoba, Canada: it’s not easy!

Jetzt bin ich weit davon entfernt eine Lösung für das Problem anbieten zu können, aber während sich die öffentliche Debatte immer mit der Frage Wirtschaftsflüchtlinge vs. an Leib und Leben Verfolgte beschäftigt, um Gut- und Bösmenschen zu definieren und das augenblicklich wieder aktuelle Nulldefizit u.a. auch durch Kürzungen bei der Integrationsförderung erreicht werden soll, scheint sich man sich hierzulande noch nicht so richtig mit der Frage beschäftigt zu haben, wie wir uns denn „Gesundheitssystems-Asylwerbern“ gegenüber verhalten sollen.

Aus humanitären Gründen eine Niere transplantieren, einen Krebs anbehandeln und dann wieder dorthin zurück zu schicken, wo das Gesundheitssystem nicht in der Lage ist, die erforderliche Nachsorge zu gewährleisten, kann nicht die Lösung sein.
Andererseits kann ein Flugticket, das mitunter weniger als die monatliche Krankenversicherung hierzulande kostet, wohl auch nicht das Eintrittsticket für eine komplexe Behandlung sein.

 

Written by medicus58

28. Februar 2018 at 19:03

Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da

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Hinter den Kulissen des „besten Gesundheitssystems der Welt“ spitzt sich seit Jahren ein äußerst unschöner Konflikt zu.
Angeblich garantiert der ÖSG (ÖSG: Warum einfach, wenn es doch auch kompliziert geht) eine bedarfsgerechte Vorhalteleistung im Gesundheitssystem, um einerseits allen Pflichtversicherten einen Zugang zu benötigten Leistungen zu sichern, aber andererseits den Wildwuchs von Spitalsbetten, Großgeräten und besonderen Einrichtungen (Schlaflabors) zu verhindern.
Beschäftigt man sich etwas näher mit diesen Konstrukten, dann glaubt man sie ebenso wenig, wie dass das seit 1977 auf Abschlussdiagnosen und Medizinischen Einzelleistungen (MEL) basierende  System der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) nur annähernd zu einer kostendeckenden Abrechnung der stationären Spitalskosten geführt hat. Beides führt zu einer immer abscheulicheren Verschiebung ungewollter Patienten!
(Man mag mich klagen für diese Aussage, aus der jahrzehntelangen Berufspraxis wird es einfach sein die entsprechenden Beweise zu erbringen, hier kann ich nur sehr theoretisch darüber berichten.)

War das Rosinen picken der lukrativen Leistungen (z.B. unkomplizierte Geburten) und die Verhinderung nicht kostendeckender Leistungsanforderungen (z.B. teure Onkologika) vor Jahren in erster Linie das Spielfeld privater, gewinnorientierter Gesundheitseinrichtungen, zwingen die engen Budgets inzwischen auch die größten Krankenhausbetreiber sich bestimmte Patienten vom Hals zu schaffen.

Die einfachste Lösung ist hier, eine entsprechende Leistungserbringung gar nicht oder nicht mehr anzubieten. 

Die Unterversorgung mit Strahlentherapie in Ostöstereich hat es in den letzten Jahren in die Medien geschafft.
Anmerkungen zur hektischen Debatte um die Strahlentherapie
Das unkoordinierte Schließen voll ausgelasteter Versorgungseinheiten zur thyreologischen Versorgung (=Schilddrüse) taucht auch ab und an in den Medien auf, nachdem sowohl die entsprechenden Einrichtungen in Melk und Wien (Kaiser Elisabeth Spital) de facto ersatzlos ausradiert wurden. Zwar versichern die politisch Verantwortlichen, dass die Leistungen in andere Einheiten integriert wurden, nur geht die Rechnung ganz offensichtlich nicht auf, was zu den unzumutbaren Wartezeiten führt.

Bei teuren Therapien, Prothesen, Schrittmachern, … werden Deckelungen eingeführt, die zwar nach außen nicht kommuniziert werden, Ärzten und Patienten aber einen Spießrutenlauf zumuten, um vielleicht noch an ein nicht ausgeschöpftes Kontingent zu kommen.
Beliebt ist auch – unter dem Vorwand der Zentrumsbildung – teure Leistungen nur in einem Zentrum zu bündeln, so dass sich dort enorme Warteschlangen auftun, was wieder sparen hilft. Allein in der letzten Woche hatte ich zwei Gespräche, wo zwar Universitätskliniken bestimmte diagnostische Leistungen anforderten, die Patienten sich aber dann an andere Spitäler um Hilfe wandten, weil diese Leistungen innerhalb der eigenen Universität einfach nicht mehr angeboten werden!

Ein anderer Weg ist die lokale Information, dass man sich eben außer Stande sieht bestimmte diagnostische Leistungen weiterhin für ein anderes Spital jenseits der Landesgrenzen weiter anzubieten. Eine Rückmeldung an die Schreibtischtäter, die über ihren ausgeklügelten Versorgungsregionen (ÖSG) brüten gibt es natürlich nicht, wenn Einrichtung W für Einrichtung E halt keine PET Untersuchungen mehr durchführen kann, obwohl im Bundesland B halt leider keine einzige derartige Einrichtung vorgehalten wird …

Von oben mag das alles wie ein lustiges Monopoly (Das Kaufmännische Talent heißt das Spiel in Ö) ansehen. Mitten drinnen ist es für Patient und Arzt entwürdigend.

PS: Erinnern Sie sich noch an den Werbspruch: Mein BAC, Dein BAC, BAC ist für uns alle da ? Wenn nicht, können Sie sich nicht mehr erinnern, dass die Welt früher anders war …

Written by medicus58

17. Februar 2018 at 19:11

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