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Der Abstand zwischen Arzt und Patient wird größer

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Einer der Grundpfeiler der „Gesundheitsreformen“ besteht auch darin, dass nicht jeder Patient sofort einem Arzt gegenübersteht, sondern zuerst Health literacy geschult sich selbst oder durch „informierten Laien“ Heilung zu erlangen, vielleicht einem Helpdesk telefonieren oder schlimmstenfalls mit einer Pflegekraft in Kontakt treten soll; nicht weil in diesen Instanzen mehr medizinische Kompetenz anzutreffen ist, sondern weil diese Personen einfach weniger kosten als Ärzte.

Die Ökonomie blickt auch neidisch in diese Länder, wo außerhalb des Spitals kaum noch Fachärzte zu finden sind. Klar, die Sozialversicherungen kosten ein Facharzt, der auch eine längere Ausbildung durchlaufen musste, als ein Allgemeinmediziner, einfach deutlich weniger.
Das alles muss bei banalem Schnupfen ja nicht schlimm enden, aber es ist definitiv die Antithese zur uns Ärzten oft vorgeworfenen Absicherungsmedizin, ohne dass noch so ganz klar wird, wer in diesem Spiel nun welche Verantwortung trägt.

In den diagnostischen Fächern fällt es den Patienten kaum mehr auf, aber dort ist die räumliche Trennung zwischen Arzt und Patient schon viel weiter gediehen. Klar, keiner wird erwarten, dass ihm der Labormediziner selbst Blut abnimmt, und das ist in machen Fällen auch gut so, nur wissen die wenigsten, dass die meisten Labors Teile der Blutproben in verschiedenste Labors schicken, weil das die Kosten der Einzelbestimmung deutlich drückt, auch wenn dem Patienten ein Befund mit einem einheitlichen Briefkopf ausgehändigt wird. ELGA wird das sicher bald offenbaren.

Auch in der Radiologie sitzt kaum noch der Facharzt nebenan in seinem  dunklen Kämmerchen und befundet einsam vor sich hin.
Was bei uns des nachts zwar in immer mehr Spitälern aber noch relativ selten vorkommt, ist in anderen Ländern gelebter Standard: Teleradiologie

Digitale Bildgebung und rasche Datennetze machen es möglich, dass Großgeräte bis in die späten Abendstunden betrieben werden, weil dort, wo der Arzt befundet, vielleicht schon wieder die Sonne aufgeht.
Viele Patienten in den USA freuen sich, dass der schriftliche CT-Befund praktisch in Echtzeit vorliegt, da irgendeiner der indischen Radiologen grad unbeschäftigt ist.
In den USA hat Medicare hier einen gewissen Riegel vorgeschoben, dass solche Leistungen nur dann refundiert werden, wenn die Endvidierung wieder vor Ort statt findet, aber das lässt sich ja organisieren:
http://www.auntminnie.com/index.aspx?sec=sup&sub=imc&pag=dis&ItemID=117743

All das geht langsam aber offenbar unaufhaltsam voran, die Medizin wird unter ökonomischen Druck dort, effizienter, wo ausschließlich an abrechenbare Leistungen gedacht wird. Dass vielleicht der direkte Kontakt zwischen Arzt und Patienten in vielen Fällen die Erbringung dieser Leistung obsolet gemacht hätte, das wäre Old School.

2012: Fordismus im Spital: Das Geld liegt auf der Strasse? 

 

Written by medicus58

19. Juli 2017 at 07:51

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 6: Der Dank)

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Der neue Generaldirektor möge bei bei seiner Bestellung wem auch immer danken, seiner Familie, seiner Rücksichtslosigkeit,
seinen Lehrern und seinen Mitarbeitern aber niemandem im System.

Meinetwegen dem Bürgermeister, denn dessen Ablaufdatum ist absehbar,

aber nicht einer Partei, ohne der er nichts wäre – will sagen geworden wäre“,

nicht Gewerkschaft oder einer Personalvertretung, die sich in der Vergangenheit zu oft als Personaltzertretung (Dienstplanverhandlungen, Pflegegesetze, …) und Partner der Macht als Partner des Personal entpuppt hat,

nicht einer Firma, die in reger Geschäftsbeziehung zur Stadt Wien steht
oder einem Immobilienentwickler, der auf die Nachnutzung des KAV-schen Immobilienbesitzes wartet,
oder einem privaten oder konfessionellen Investor, der Eigeninteressen an den Rosinen des öffentlichen Gesundheitswesen hat

und, bitte, auch nicht dem CV, den Freimaurern, dem Opus, den Bilderbergern, Templern, Assassinen, Illuminati, Scientologen, Rotariern … etc., von denen zu Recht oder zu Unrecht immer wieder behauptet wird, dass bei ihnen die Fäden zusammenliefen.

Eigentlich würde man sich einen Generaldirektor oder eine Generaldirektorin wünschen, die niemandem im Wort, bei niemandem eine Rechnung offen hat und der seine bisherige Karriere abseits der hiesigen Seilschaften der Stadt geschafft hat, was diese Miniserie im Blog endgültig in die Sphäre der reinen Wunschträume hebt.

Written by medicus58

16. Juli 2017 at 17:35

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 5: Persönliches zum Personal)

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Nun, nachdem die Zukunft des Wiener Krankenanstaltenverbundes zumindest in groben Zügen festgelegt wurde (KAV wird Anstalt öffentlichen Rechts ab 1.1.2019) könnte es ja wirklich bald was werden, mit der Nachbesetzung der Generaldirektion. In der Vergangenheit habe ich schon viermal ein paar Wünsche ausformuliert, die auch schon vergangene Generaldirektoren, rein theoretisch, erfüllen hätten können.

Das „Neue“ am KAV als Anstalt öffentlichen Rechts sollte nun nach den Beteuerungen der Verkünder ja sein, dass zukünftig Personalpläne und -angelegenheiten im Konzern, also ohne dauernde Rückfrage bei der MA2, festgelegt werden kann.
Auch wenn ich bis heute noch nicht verstanden habe, was die Stadt Wien mit dem verliehenen Personal tun wird, das ein zukünftiger KAV GD dankend wieder zurückschickt, bzw. mit Personal, dass dieser nach Bedarf selbst rekrutiert, wenn dieses auch zukünftig Personal der Stadt sein soll, aber glauben wir einmal, dass dafür schon fertige Lösungen in den knarrenden Schubladen der Stadt liegen, über die man in der nächsten Pressekonferenz Auskunft geben wird. Bis 31.12.2018 ist ja noch genügend Zeit.

Was ich mir aber vom neuen KAV Generaldirektor wünsche ist, dass er sich gegen die bisherigen Kräfte durchsetzten möge, die bewirkten, dass

gute Mitarbeiter, die nach dem Erreichen des Pensionsalters noch ein, zwei Jahre länger aktiv bleiben wollen
(Ja, sowas gibt es nicht nur unter den Primarii sondern auch unter dem Reinigungspersonal!) nicht zwangspensioniert werden,

und gute Mitarbeiter jenseits der erratischen Remunerationsspiele des Magistrats (ggf. auch nur durch nicht-monitäte Benefits) belohnt werden können.

Andererseits muss es zwischen dem Hire-and-Fire, das die Stadt in ausgelagerten Bereichen oft schlimmer betreibt als viele Private, und den jahrelangen Minderleistungen, nur durch Amtsarzt und Kuraufenthalte unterbrochene Dauerkrankenstände, eine Möglichkeit zur begründeten Kündigung gibt, gegen die die Personalvertretung nicht Sturm läuft.

Eine Personalbeurteilung, deren Note mindestens ein gut sein muss, um nicht den automatischen Einspruch der Personalvertretung zu triggern, ist schade um den Regenwald, der für das Papier geschreddert wurde.
Elektronische Bögen sind noch nicht im System angekommen, der Umstieg auf eine Word-Vorlage, die dann ausgedruckt und händisch ausgefüllt werden muss, war bislang das Ende der Fahnenstange.

Es ist verlogen internationale Maßstäbe für die Personalplanung anzuwenden und triumphierend Posten zu streichen, wenn andere Regeln der Personalrekrutierung außer Kraft gesetzt werden.
Dort wo Leistungswille anerkannt wird, wie zum Beispiel Mehrleistungen während der Urlaubszeit, wird dies nicht monitär sondern durch zusätzliche Freizeit belohnt, was implizit die anderen Mitarbeiter in diesem Bereich zu Mehrleistung führt.
Starre Arbeitszeitschemata erlauben Führungskräften nicht einmal in Zeiten der Flaute, sich beim Personal mit einem „15 Minuten früheren Arbeitsschluss“ zu bedanken.
Starre Linien von der Kollegialen Führung hinunter auf die Abteilungsebene lassen effizientes Arbeiten nur dort zu, wo alle Beteiligten nicht wegen sondern trotz dieser Strukturen zusammenarbeiten.
Ich kenne viel zu viele Beispiele, wo eine auf Abteilungsebene mit guter Begründung getroffene Entscheidung (z.B. Urlaubsansuchen) von übergeordneter Stelle ohne Rücksprache „overruled“ wurde, weil Personalvertretungswahlen anstanden.

Wenn wir uns an unseren letzten GD erinnern, dessen Erfahrung in der Personalverantwortung sich auf eine zweistellige Anzahl an Institutsmitarbeitern beschränkte, ehe er zur Leitung eines 30.000 Mitarbeiter Konzerns berufen wurde, der aus macht-politischen Gründen absichtlich keine Entscheidungshoheit über das Personal hat, das zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil die potentielle Wählerschaft der nächsten Bundes- und Landeswahlen darstellt, wird einiges klar, woran der KAV zuletzt gescheitert ist.

Written by medicus58

14. Juli 2017 at 15:01

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 3: Drinnen und draußen)

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So viel Managementerfahrung hat bald einer, dass er weiß, dass man an der Spitze Informationen nur mehr sehr sehr gefiltert und gefärbt erhält.
Es sind ja keine Lügen, vielmehr selektive Auslassungen und etwas andere Gewichtungen, die die Inhalte erhalten, wenn sie mit persönlichem Interesse vorgebracht werden, nur gilt das für die eigenen Mitarbeiter in gleichem Ausmaß, wie für externe Berater.

Seit Jahren geben sich letztere im KAV die Klinke in die Hand und programmieren Software, instruieren Mitarbeiter und schließen sogar Verträge im Namen des KAV ab. All die Projekte hatten klingende Namen und füllten die Taschen der Berater mit klingender Münze für die ach so großen Einsparungen, die sie dem KAV eingebracht haben. Die meisten dieser Einsparung existieren aktuell aber nur in irgendwelchen Rechenmodellen:
War es 2020, 2030 oder erst 2050, wo sich die massive Neubautätigkeiten im Bereich der Pflegeheime amortisiert haben würden? Davor sind die jährlichen Kosten halt höher als davor.
Vereinheitlichte Softwareprogramme können natürlich ein Segen sein, nur summieren sich halt die Rechnungen für jede nachträgliche Anpassung, und die klinische Medizin ist ein sehr lebendiger Prozess, wo es immer wieder Neues einzupflegen und Altes zu entsorgen gibt.
Mag sein, dass die Massenlaborparameter nun billiger wurden, nur werden halt einige Spezialuntersuchungen deutlich teurer, diese waren aber nicht innerhalb des Sparziels.

Meine Erfahrungen mit all den externen Beratern war eine äußerst zwiespältige, zumal diese durch unsere Abteilungen und Labors wühlen durften, oft bessere Daten als wir selbst hatten und uns schließlich mitteilten, was unsere Dienstgeber denn von uns wollte und daraus gleich Anordnungen verkündeten, die man ja gerne in der Generaldirektion, oder im Lenkungsgremium oder wo auch immer rückbestätigen lassen könnte.
Verstehen Sie mich richtig, ich erfuhr von externen Firmen, was meine Dienstgeberin von mir will, und diese rechtfertigten ihre Anordnungen an mich, damit dass sie diese nur ihm Namen meiner Dienstgeberin an mich weitergab. Klar, man könnte in jedem Fall in der Generaldirektion nachfragen, ob das Gegenüber auch wirklich berechtigt wurde, jedes Datenmaterial einzusehen, aber schließlich fand das alles in einem klingenden Projekt statt, von dem man intern erfuhr wie viel Millionen schon eingespart wurden.

Wenn sich der KAV schon Dritter bedient, weil er seinen eigenen Mitarbeitern offenbar misstraut, dann scheint es mir nicht zu viel verlangt, dass entsprechenden Gespräche mit externen Beratern nur in Anwesenheit eines Vertreters der Dienstgeberin stattfinden, der genau über Inhalt und Ausmaß des Auftrags an die externe Firma Bescheid weiß.

Auch so eine Beraterfirma hat Interessen und diese müssen nicht immer ausschließlich zum Wohle des Klienten sein.

Written by medicus58

5. Juli 2017 at 16:37

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Ist 2030 schon vorbei, oder? Bemerkungen zum Wiener Spitalskonzept

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Am 22.6. verkündete der Kurier, dass Wien von Wehselys Spitalskonzept 2030 abrückt, da einige der vielen Transformationsprozesse begraben wurde.
Die FP schlug erneut in diese Kerbe und setzt auch noch Aktuelles drauf:
FP-Seidl: Spitalskonzept 2030 ist kläglich gescheitert – KAV ist nur mehr Passagier im kaputten Gesundheitssystem
Patientenanwältin Pilz schweigt weiter beharrlich und hält ihrem Arbeitgeber die Stange
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170623_OTS0126/fp-seidl-spitalskonzept-2030-ist-klaeglich-gescheitert-kav-ist-nur-mehr-passagier-im-kaputten-gesundheitssystem

Prompt schlug Nani Kauer (KAV Pressestelle KAV GD) via Presseaussendung zurück:
Das Wiener Spitalskonzept 2030 ist aufrecht
und verlangte, was seit Jahrhunderten eher von Kirchenkanzeln donnert:
Verunsicherung muss aufhören
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170623_OTS0196/kav-das-wiener-spitalskonzept-2030-ist-aufrecht-verunsicherung-muss-aufhoeren

Auf Orf.at wurde das alles noch etwas elaboriert: „Man bleibe beim Zentrumskonzept, jedoch gibt es noch bauliche Probleme

Fasst man die Grundprinzipien des Spitalskonzept zusammen,
das ja nicht erst seit 2016, wie in den Artikeln angeführt, sondern seit der SPÖ Klausur in Rust im Jahre 2011 existiert und inzwischen mehrfach umgeschrieben wurde

(Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration) kann man einige Prinzipien ausmachen, die hier auch schon scharf kritisiert wurden:

  • Pärchenbildung: Kleinere Einheiten wurden (Kaiserin Elisabeth Spital) und werden geschlossen, so dass zum Schluss neben dem AKH noch drei Krankenhauspärchen übrig bleiben sollen.
    Im Gegensatz zu früher, sollte die Abteilungsstruktur der großen Standorte (Wilhelmine, Hietzing/Rosenhügel, KFJ, Rudolfstiftung, SMZ) nicht mehr alle wesentlichen „Organprobleme“ (Augen, Haut, Neuro, …) intramural versorgen.
    Nur mehr ein Krankenhauspärchen zusammen hätte alle Abteilungen vorgehalten, um diese Versorgung nachkommen zu können. Manche Therapien und Eingriffe sollen überhaupt nur mehr im AKH angeboten werden!
    Dazu wurden atemberaubender Schönsprech ( KAV: Superkalifragilistisch Expealigorisch) erfunden, um die verschiedenen Versorgungsformen zu definieren und etwas verwirklicht, das ich hier seit 2012 (!!) so bezeichne:
    Die Potemkinschen Spitäler
    https://medicus58.wordpress.com/2012/07/11/die-potemkinschen-spitaler 

    Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes
    https://medicus58.wordpress.com/2016/07/26/sommerloch-reprisen-reformstillschweigen-zur-errichtung-eines-potemkinschen-dorfes/

    Nun gibt die Politik die Potemkinschen Spitäler langsam zu, schiebt aber Verantwortung auf Ärzte
    https://medicus58.wordpress.com/2013/03/21/nun-gibt-die-politik-die-potemkinschen-spitaler-langsam-zu-schiebt-aber-verantwortung-auf-arzte/
    Und wir wollen nicht darauf vergessen, dass die Teilfinanzierung des KH Nord auf diesem angeblich so neuen Ansatz beruht:
    Wehselys Coup: Wien lässt sich Demontage der öffentlichen Spitäler von der EU finanzieren! https://medicus58.wordpress.com/2016/01/15/wehselys-coup-wien-laesst-sich-demontage-der-oeffentlichen-spitaeler-von-der-eu-finanzieren/

    Mein wesentlicher Kritikpunkt am „Paarungskonzept“ war aber stets, dass auf die Notwendigkeit der Konsiltätigkeit vergessen wurde, also auf die Notwendigkeit, dass z.B.
    ein nicht transportabler Unfallpatient auch von einem Neurologen,
    ein Frühchen im Brutkasten auch von einem Augenarzt gesehen werden muss.
    Darauf zu setzen, dass sich im Bedarfsfall ein benötigter Facharzt aus dem Pärchenspital in ein Taxi setzt ist nicht nur absurd sondern auch sehr ineffizient und teuer! Außerdem vergibt er sich eine der wesentlichen ärztlichen Techniken, die Fall-basierte Kommunikation im am Gang oder im Speisesaal.

  • Zentrumsbildung: In jedem Sonderfach sollen „etwas komplexere Leistungen“ ausschließlich in „designierten Zentren“ erbracht werden. Hier geht man schon von dem längst kritisierten Ansatz aus, als würde eine Leistung in immer höherer Qualität erbracht, je häufiger sie durchgeführt wird; dass es sich hierbei eher um eine Glockenkurve handelt und dass durch die Überspezialisierung in einem niederschwelligen Gesundheitssystem (in zwei Schritten in die Fachambulanz) dort die Qualität der Grundversorgung sinken wird.
    Spezialisierung zur Qualitätsverbesserung ist out, im Spital gibt’s fachärztlichen Pannendienst 
    http://wp.me/p1kfuX-Pr
    Schwerpunktbildung ist das gesundheitspolitische Codewort für Einsparung https://medicus58.wordpress.com/2015/12/04/schwerpunktbildung-ist-das-gesundheitspolitische-codewort-fuer-einsparung/
    Auch hier wirkt sich die Nicht-Beachtung der Notwendigkeit fachärztlicher Konsile fatal aus, denn jedem Laien wird einleuchten, dass jede Spezialisierung zwangsläufig mit einer Verminderung allgmein-medizinischer Kompetenzen einhergehen wird (Ausnahmen sind vielleicht die Alles-könnenden Schreibtischtäter, die den Schmarrn entwickelt haben!). D.h. je höher die Spezialisierung je wichtiger wird die Kooperation mit anderen!
    Und wer nun einwendet, dass diese Kommunikation auch schriftlich (Konsiliarzettel) oder telefonisch erfolgen kann, hat nie im Spitalsalltag gearbeitet!
  • Notfallaufnahmen: Um die Facharztdienste während der Nachtstunden einzusparen, sollten Pufferstationen (NFA= überwiegend mit Allgemeinmedinzinern besetzt!) die akute Aufnahmen praktisch abgeklärt und „antherapiert“ erst am nächsten Morgen auf die Spezialabteilungen transferieren. Wie wir uns erinnern war das das Hauptargument in den vergangenen Gehaltsverhandlungen, um 382 Ärzteposten reduzieren zu können. So ein Konzept funktioniert seit Jahrzehnten im AKH, jedoch unter ganz anderen räumlichen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen! Teil dieses Konzept (im KH Nord schon begonnen) wären vorgelagerte Ambulanzen (Mars) und Primärversorgungszentren, deren Errichtung aber extrem stotterte.
    Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s https://medicus58.wordpress.com/2015/02/27/wehselys-finanziert-die-wiener-gebietskrankenkasse-und-keinen-storts/
  • Interdisziplinäre Belegungen: Um scheinbar das „Gangbettenproblem“ mit Neuaufnahmen bei gleichzeitig unbelegten Spezialbetten lösen zu können, sollten Interdisziplinäre Bettenstationen eingerichtet werden, wo ein Pflegeteam ganz unterschiedliche Krankheitsbilder zu versorgen hätte, während die entsprechenden Fachärzte nur zur Visite auf der Station erscheinen würden. Das Bettenmanagement wurde in der Masterbetriebsorganisation der Pflege (!) überantwortet.
    Wozu hätten wir denn die Experten, wenn sie sich nicht immer was Neues einfallen ließen? https://medicus58.wordpress.com/2014/05/05/wozu-hatten-wir-denn-die-experten-wenn-sie-sich-nicht-immer-was-neues-einfallen-liesen-interdisziplinare-belegung/
    Masterplan: Wir sparen, koste es was es wolle https://medicus58.wordpress.com/2016/03/16/masterplan-wir-sparen-koste-es-was-es-wolle/
    Master BO – Die tickende Zeitbombe https://medicus58.wordpress.com/2017/01/27/master-bo-die-tickende-zeitbombe/

 

Letztlich kann man sich nur wünschen, dass der Papiertiger Spitalskonzept 2030 still und heimlich begraben wird und offen gelegt wird, welche „externe Experten“ dafür wie viel der 40 Millionen Steuergeld abkassiert haben.
Dazu kommt, dass aus ökonomischem Druck und fehlender Übersicht alles gleichzeitig und nichts wirklich richtig umzusetzen!
Die jetzt von den Medien realisierten „Verzögerungen im Transformationsprozess“ haben aber weniger medizinische als partei- und machtpolitische Gründe:

Eine seit Jahren frustrierte Belegschaft verweigert unter der tatkräftigen Unterstützung der „roten“ Personalvertretung im Schulterschluss mit dem „roten“ Bezirksvorstand die angeordnete Übersiedlung.
Dadurch werden die Räumlichkeiten nicht frei, die für den Ausbau der Notfallaufnahmen gebraucht würden.
Dort wo die Notfallaufnahmen bereits existieren, sind sie noch weit davon entfernt, die volle Pufferleistung für die klinischen Abteilungen zu erbringen.
Dort wo bereits Ärzteposten gestrichen wurden, ohne dass die organisatorischen Voraussetzungen funktionieren, müssen Abteilungen wochenweise ganz geschlossen werden.
Die Eröffnung des KH Nord hat sich so lange verzögert, dass schon allein dadurch die „Pärchenbildung“ in Transdanubien nicht funktioniert.
Standorte, die man eigentlich komplett schließen wollte, können nicht geschlossen werden, so dass man plötzlich wieder von einem Neuausbau spricht und en route bemerken musste, dass man alle Internisten abgesiedelt hat.
Und schließlich basierte das Konzept von Anfang auf massiven Bauleistungen, die sich im hoch verschuldeten Wien nun niemand leisten kann.
In den letzten Jahren wurde im KAV auch munter herumorganisiert (KAV: Rausgliedern, aber nun mal richtig? https://medicus58.wordpress.com/2016/10/22/kav-rausgliedern-aber-nun-mal-richtig/) und
schließlich sind auch Stadträtin und Generaldirektor längst verloren gegangen.
Die neue Stadträtin wird es schon von ihrer politischen Basis schwer haben, sich gegen die roten Personal- und Bezirksvertretungen zu stellen.

Ja, und unter den herrschenden Rahmenbedingungen und dem personellen Nachwuchsproblem, wird sich nur ein Ziel des Konzepts mit größter Sicherheit erreichen lassen,
die Personaleinsparungen, … einfach weil sich immer weniger Bewerber finden, um die in die Frühpension entweichenden +/-60-Jährigen ersetzen zu können.

 

 

 

 

 

Written by medicus58

25. Juni 2017 at 13:19

ÖSG: Warum einfach, wenn es doch auch kompliziert geht

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Es ist schon fast fünf Jahre her, seit ich mich hier unter dem Titel Die planlose Planwirtschaft im Gesundheitswesen mit einem weitgehend unbekannten Instrument der österr. Gesundheitsplanung beschäftigt habe; dem ÖSG.
Nein, ich meinen nicht das Ökostromgesetz, die Österreichisch-Schwedische Gesellschaft, die Österreichische Sportwissenschaftliche Gesellschaft und auch nicht die Österreichische Statistische Gesellschaft, ich meine den Österreichischen Strukturplan Gesundheit.

1996 haben sich Bund und die Länder auf eine überregionale Krankenanstaltenplanung (einschließlich einer Planung der Großgeräte) geeinigt und seit 2006 heißt dieses Planspiel Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG).

Der Plan wird nun im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur (BGA) erstellt. Die BGA ist ein auf Basis der Vereinbarung gemäß Artikel 15a Bundesverfassungsgesetz über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens mit (BGBl. I Nr. 105/2008) errichteter öffentlich-rechtlicher Fond mit eigener Rechtspersönlichkeit, dessen Geschäftsführung dem „Gesundheitsministerium“ obliegt.
(Anm: Die Gänsefüßchen deshalb, weil man im Gesetzestext schon dafür vorgesorgt hat, dass irgendwann einmal die Gesundheitsagenden auch woanders landen könnten.)

Also, der BGA ist eine unter der Kontrolle des Gesundheitsministers stehender Fond, hat mit der Bundes-Zielsteuerungskommission ein Steuerungsgremium, dem je vier Vertreterinnen/Vertreter des Bundes, und der Sozialversicherung sowie neun Vertreterinnen/Vertreter der Länder angehören, und vergab die Erstellung dieses Plans seither stets an die Gesundheit Österreich Ges.m.b.H. (GÖG).
Ob dieses Karussell geschaffen wurde, um den „Gesundheitsminister“ zu behindern oder die politische Veranwortung für das Ergebnis hinter scheinbarem Expertenwissen zu verbergen, mag nun jeder selbst entscheiden! 

Beim GÖG handelt es sich um ein am 1. August 2006 per Bundesgesetz errichtetes nationales Forschungs- und Planungsinstitut für das Gesundheitswesen dessen Alleingesellschafter der Bund, vertreten durch – erraten – den Bundesminister für Gesundheit ist. Das GÖG entstand natürlich nicht aus dem Nichts, sondern vereinigte das 1973 gegründete Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) und den 1998 gegründeten Fonds Gesundes Österreich (FÖG). Im Gesundheitsqualitätsgesetz hat man da auch gleich ein Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG) dazu gepackt, dem, natürlich wieder im Auftrag des Bundes,  die Entwicklung, Umsetzung und regelmäßige Evaluation eines gesamtösterreichischen Qualitätssystems obliegt, das den Prinzipien Patientenorientierung, Transparenz, Effektivität und Effizienz zu folgen hat. 
Ja, und damit man sich auch noch etwas Geld verdienen kann, stehen für andere Auftraggeber noch GÖG-Töchter zur Verfügung (GÖ Beratungs GmbH, GÖ Forschungs- und Planungs GmbH). Dass es dabei mitunter Diskrepanzen zum eigenen ÖSG gibt, wird noch einmal zu diskutieren sein …
Verfassungsgemäß kann der Bund aber nur Rahmenvorgaben beschließen, die Umsetzung in Regionalen Strukturplänen (RSG)  obliegt den Bundesländern und auch hier stolperte man immer wieder über massive Diskrepanzen zwischen ÖSG und RSG in diesem föderalen Sandkastenspiels! Kein Wunder, als einziges Grundlage zur Intervention hat der Bund die 15a Vereinbarungen und (rein theoretisch) die Steuergelder, die er in diesen Bereich fließen lässt. Da wir aber keine Finanzierung aus einer Hand haben, findet jeder Mitspieler genug Regler, an denen er das Endergebnis in seinem Sinne oder in Richtung seiner Hinter“personen“ zu modifizieren.

Der Bedarf nach einer Steuerung wurde seit Jahrzehnten gesehen und ebenso lange erfolgreich vereitelt.

In den 1970er-Jahren wurde vor allem der bundesweite Bedarf an Spitalsbetten und ab 1996 auch an medizinisch-technischen Großgeräten vorgeschrieben, dann ging der ÖSG in immer mehr Details der intramuralen (also stationären) Versorgung, um in den letzten Jahren immer stärker auch den extramuralen (ambulanten) Bereich zu planen.

Der ÖSG umfasst neben dem stationären Bereich (landesgesundheitsfondsfinanzierte Spitäler, Unfallkrankenhäuser und Sanatorien) auch den ambulanten Bereich (niedergelassene Ärztinnen/Ärzte, selbstständige Ambulatorien), die Rehabilitation und die Übergänge zur Langzeitpflege. Dabei enthält er quantitative Planungsaussagen (z.B. Anzahl der Betten pro medizinische Fachrichtung, zeitliche Erreichbarkeit eines Spitals) und qualitative Angaben (z.B. personelle Ausstattung einer Abteilung, Mindestausstattung eines Spitals als Voraussetzung für bestimmte Eingriffe).

Im Medienauftritt des Ministeriums (https://www.gesundheit.gv.at/gesundheitssystem/gesundheitswesen/planung) liest man überhaupt nur vom ÖSG 2012, die Draftversion aus 2016 ist irgendwo verreckt, aber die von 2017 hat es in sich. Man gewinnt den Eindruck, dass das Gesundheitsministerium Zähne zeigen will. Leider entledigt er sich aber wieder primär der im System wirklich Arbeitenden:

Das ÖBIG nimmt für seinen ÖSG den Rang einer verbindliche Planungsgrundlage für die österreichische Gesundheitsversorgungs und die Qualität eines  objektivierten Sachverständigengutachten in Anspruch, obwohl u.a. Ärzte (die Ärztekammer) in dem Gesamtprozess gerade einmal die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt wird. 

Mit der beabsichtigten Beschlussfassung und Veröffentlichung im RIS bekommt das Ding de facto Verordnungsrang, obwohl es mehr das Resultat ökonomischer und gesundheitspolitischer Strippenzieherei der Länder ist, als ein auf medizinische Evidenz fußende Versorgungsplanung.

Der Versuch von der Fokusierung auf ein paar Großeräte und das Krankenbett hin zu einer Gesamtschau wäre zwar begrüssenswert,
nur ist das Zahlenmaterial für den extramuralen Bereich noch schlechter als in den Krankenanstalten und die daraus abgeleiteten Planungsvorgaben zum Teil haarsträubend.

Halten wir also fest, damit das „Gesundheitsministerium“ den Bundesländern und anderen Gesundheitsdienstleistungsanbietern vorschreiben kann, wie die Gesundheitsversorgung in Österreich aussehen soll, errichtete es auf Basis einer miserablen Datenqualität eine überkomplexes politisches Konstrukt, dass sich der Kritik immer mehr der internen Kritik der im System arbeitenden Experten entzieht aber trotzdem für sich den Rang eines objektivierten Sachverständigengutachten in Anspruch nimmt.
Das kann nicht einfach nur passiert sein, dahinter müssen sehr potente Interessen stecken …

 

PS: Diagramm aus dem RH

Written by medicus58

24. Mai 2017 at 17:41

Mehr Security als Lösung für ein Totalversagen der Patientenversorgung?

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Der Boulevard rastet aus:

Täglich Gewalt-Exzesse in den Wiener Spitälern

So brutal geht es in Wiens Spitälern zu

Man hat nun beschlossen, im Wilhelminenspital einen zusätzlichen Security-Dienstposten (24 Stunden) für den Personenschutz zu beschäftigen.
Der Security sollte in kurzer Zeit verfügbar sein„, heißt es aus dem Krankenanstaltenverbund (KAV)
.

Wird aber nix bringen!

Wir erleben einfach den multidimensionalen Kollaps in der Patientenversorgung als Folge gesundheitspolitischer Fehler seit Jahrzehnten:

  • Die Politik versprach den Wählern ein medizinisches Schlaraffenland (Wehsely: Wir sind rund um die Uhr für Sie da), obwohl seit Jahren ein extra- und intramuraler Rückbau eingeleitet wurde.
  • Der Anteil der Patienten, die sich ein Ausweichen in den privaten Sektor nicht leisten kann. nahm in Wien drastisch zu (Unterschicht).
  • Viele dieser Patienten kennen aus ihrer Heimat nur das Krankenhaus als Primärversorgung.
  • Die extramurale Patientenversorgung beim Hausarzt und im Bedarfsfall beim niedergelassenen Facharzt wurde von den Krankenversicherungen ausgehungert, die Wartezeiten -auch für gesundheitliche Banalitäten – sind unzumutbar.
    Den Kassen waren beschränkte Öffnungszeiten und rasche Überweisungen in die Spitalsambulanzen nur Recht, weil für sie kostenschonend.
  • Die intramurale Patientenversorgung war von ihren Ressourcen nur für schwer kranke, aufnahmepflichtige Patienten ausgelegt, musste aber immer mehr die offensichtlichen Defizite der extramuralen Versorgung abdecken.
  • Die Reform der Ärztearbeitszeit (inklusive der von WÄK und Personalvertretung akzeptierten Postenreduktionen) führten zu einer starken Verdichtung im Kerngeschäft und Schließungen von Spitalsambulanzen und -abteilungen, so dass noch weniger Ressourcen für die Versorgung von Selbstzuweisern zur Verfügung stehen.

Gemeinsam mit einem an allen Ecken und Enden zunehmenden Aggressivität in der Gesellschaft fliegt uns das nun allen um die Ohren.

Als Sofortmaßnahme kann so ein bulliger Security in der Notaufnahme schon kurzfristig helfen, wenn man aber das Problem ausschließlich so lösen will, freue ich mich schon auf Flughafen-ähnliche Verhältnisse in unseren Spitälern.
Dann wird ein Berater aufstehen und stolz vorrechnen, dass es vielleicht billiger gewesen wäre:

  • Den Wählern die Wahrheit zu sagen.
  • Bevölkerungswachstum als Begründung für die Verschuldung zu fördern, ohne für die notwendige Infrastruktur vorzusorgen.
  • Die bestehenden Primärversorgungssystem adäquat zu finanzieren und nicht viel Geld in ein paar politik-nahe PVZ zu pumpen und zu glauben, dass das kurzfristig die Versorgung verbessert.
  • Politisch und rechtlich hinter den im Gesundheitssystem Tätigen zu stehen, wenn diese rasch triagieren und Patienten mitteilen, dass ihr Problem nicht lebensbedrohlich ist und nicht akut im Spital gelöst werden muss!

Weiters greife ich Informationen vor, die ich noch nicht Zeit hatte hier zu diskutieren:

  • Dem Wahnwitz im aktuellen ÖSG Entwurf abschwören, in dem noch mehr Primärversorgung in die Spitalsambulanzen verschoben werden soll, ohne dass es hier zu einer adäquaten Raum- und Personalaufstockung kommt.
  • Aufhören Beratern zu glauben, die behaupten, dass der deutschen Sprache kaum fähige Patientengruppen durch Telefon-Hotlines (TEWEB) oder Health Literacy Aktionen abgehalten werden können, in die Spitäler zu laufen.

Written by medicus58

5. Mai 2017 at 18:46

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