Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Schule Uni Bildung’ Category

Wahltag: Die Qual des Wals

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Der Wal ist ein Säuger wie wir, nur viel größer. Sie leben in sogenannten Schulen zusammen, die im Gegensatz zu unseren Schulen in Zeiten äußerer Bedrohung nicht schließen sondern noch enger zusammenrücken.

Bislang ist nicht bekannt, dass sie ihr hierarchisches Zusammenleben durch Urnengänge regeln. Laut Wikipedia wird aber die Hierarchie der Schulen, durch Beißen, Schieben oder Rammen bestimmt. Was nun bezweifeln lässt, dass Walen der Wahlkampf völlig fremd ist.

In gewisser Weise ist der Wal ein Souverän und eine der beeindruckendsten Erlebnisse, die wir Menschen mit Walen haben können, ist das grandiose Schauspiel, wenn sich die Schwanzflosse hoch gegen den Himmel streckt, ehe der Wal abtaucht (Fluken).

Auch der souveräne Wähler taucht nach der Wahl ab, wenn auch entschieden weniger spektakulär als der Wal. Der Vorgang hat von den Politologe noch keinen speziellen Namen bekommen. Vereinfachen könnte man ihn Alltag statt Wahltag nennen.

Der große Unterschied zwischen den beide Säuger besteht nun aber darin, dass der Wal bald wieder auftauchen wird, weil er Luft braucht.

Der Wähler hingegen bleibt bis zu nächsten Wahl untergetaucht und kommt bei Luftmangel an den Respirator, von dem er hofft, dass er ihm von denen bereitgestellt wurde, die er wählte, ehe er abtauchte.

Mehr an Wahlempfehlung kriegen Sie, liebe Leser, hier nicht, nachdem ich meine Wahl bei der NRW19 bereits wieder bedauere.

Written by medicus58

11. Oktober 2020 at 10:41

Mehr Privatdoktoren sagte der Staat, jetzt zahlen nicht nur die Studierenden drauf

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In ca. einer Woche werden die 12.442 Bewerber für einen der 1.740 Studienplätze an den Medizinischen Universitäten in Wien, Innsbruck, Graz und an der Johannes Kepler Universität Linz wissen, wer den Aufnahmetest bestanden hat. Angemeldet haben sich übrigens fast 18.000 Bewerber.
Wer den Test nicht besteht, für den ist (abgesehen von allf. österreichischen Lösungen) der Traum für heuer geplatzt und er wird sich für das nächste Jahr ernsthaft überlegen, ob er es nicht auch an einer der Privatuniversitäten probieren sollte. D.h. wenn er oder seine Eltern sich die Studienkosten leisten können. Im Fall der „Sigmund Freud Universität“ (der Mann kann sich gegen den Missbrauch seines Namens nicht wehren) sprechen wir da von 12.500 Euro pro Semester!

Medial unbemerkt hat jetzt der Rechnungshof einen lesenswerten Bericht über die Akkrediterung und öfentliche Finanzierung
von Privatuniversitäten
veröffentlicht (Link):

Nimmt man alle Einrichtungen, also auch nicht medizinischen, zusammen, fällt der Wildwuchs auf, den wir seit 2000 in unserem Land zulassen:

Bezogen auf die Einwohnerzahl wies Österreich um rund die Hälfte mehr Hochschulen auf als Deutschland mit 426 staatlichen und privaten Hochschulen.

Der RH hielt fest, dass in Österreich seit Inkraftreten des Universitäts–Akkreditierungsgesetzes im Durchschnitt rund eine Privatuniversität pro Jahr akkreditiert wurde. Rund ein Viertel dieser Universitäten stellte inzwischen wieder den Betrieb ein.

Auch wenn sich der RH mit allen Privatuniversitäten beschäftigte, geht es quantitativ i.e.L. um die Studienrichtung Medizin:

… zeigt die nachstehende Abbildung, dass im Wintersemester 2017/18 der anteilsmäßig größte Teil der Studierenden ihr Hauptstudium im Fachbereich Medizin belegte (28 % bzw. 3.527 Personen).

Der RH sah die stärkere Rolle der Privatuniversitäten in den medizinischen und künstlerischen Fachbereichen u.a. im Zusammenhang mit den Zugangsregelungen an den öffentlichen Universitäten.

Klarer kann man es nicht ausdrücken …

Einerseits zahlen die Zeche die Studierenden:

Privatuniversitäten konnten Studiengebühren einheben, die zwischen
3,4 % und 96,4 % der Finanzierungsquellen der jeweiligen Institution ausmachten
.

Aber auch wenn vordergründig die Kosten einer akademischen Ausbildung nun auf die Studierenden abwälzt wurden, zahlt auch die öffentliche Hand (Akkreditierungsbehörde, Lehrende aus den Krankenhausträgern,…) kräftig drauf:

Die Finanzierung der AQ Austria erfolgte durch Bundesmittel und eigene Erlöse, etwa aus Qualitätssicherungsverfahren oder Beratungsprojekten. Die Bundesmittel steigen von 1,52 Mio. EUR im Jahr 2014 um rd. 17 % auf 1,79 Mio. EUR im Jahr 2017. Im gleichen Zeitraum gingen die eigenen Erlöse um rd. 39 % zurück. Der Anteil der Bundesmittel an den Umsatzerlösen stieg in diesem Zeitraum von rd. 58 % auf rd. 73 %.

Für Privatuniversitäten galt ein gesetzlich festgelegtes Finanzierungsverbot des Bundes. Im Rahmen der Gebarungsüberprüfung zeigte sich jedoch, dass der Privatuniversitäten–Sektor umfangreiche öffentliche Mittel erhielt. Deren Höhe war weder aus den Jahresabschlüssen noch aus den Jahresberichten oder aus den Statistikdaten der Privatuniversitäten vollumfänglich ersichtlich.
Von den zwölf im Jahr 2016 akkreditierten Privatuniversitäten waren auf Basis der Einnahmen drei überwiegend öffentlich finanziert.
Der Begriff „privat“ spiegelte bei einzelnen Privatuniversitäten die tatsächlichen Gegebenheiten nicht wider.

Das Ministerium kaufte bei der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Medizin–Studienplätze ein, um dem Ärztemangel entgegenzutreten. Konkret vereinbarte es die Finanzierung von jeweils 25 Studienplätzen in den Jahren 2018 bis 2020. Die Kostenschätzung in Höhe von insgesamt 15 Mio. EUR war nach objektiven Kriterien nicht nachvollziehbar. Der Ausschluss anderer Privatuniversitäten vom Vergabeverfahren war nicht sachgerecht und widersprach dem Sinn des Vergaberechts. Das Ministerium führte auch keine Verhandlungen mit öffentlichen Universitäten über eine Erhöhung von deren Kapazitäten.

Naturgemäß bedienen sich viele medizinische Privatunis (Karl-Landsteiner, Sigmund Freud Universität, …) mangels eigener Lehrer am Personal von öffentlichen Krankenhausträgern, als ob sich die vorher dort fadisiert hätten oder sie seither entsprechend vermehr worden wären:

So verfüge die Karl Landsteiner Privatuniversität gemessen am universitären Standard über keinen ausreichenden Bestand an wissenschaflichem Stammpersonal. Insbesondere bestünden in den humanmedizinischen Studiengängen für die Privatuniversität keine Durchgriffsmöglichkeiten gegenüber dem von der NÖ Landeskliniken–Holding überlassenen Personal im Bereich Lehre und Forschung.

Verluste deckt aber erneut die öffentliche Hand:

Den Großteil der Einnahmen plante der Antragsteller aus Studienbeiträgen zu generieren. Für die Abdeckung anfallender Verluste stand eine Förderzusage des Landes Niederösterreich von bis zu 3,5 Mio. EUR pro Jahr zur Verfügung.

Im Zusammenhang mit der Finanzierung von Privatuniversitäten durch vom Bund verschiedene öffentliche Geldgeber verwies der RH auf seine im Bericht „Österreichischer Hochschulraum“ (Reihe Bund 2017/54, TZ 10) getätigten Prüfungsfeststellungen, dass wesentliche Teile des Privatuniversitäten–Sektors mit öffentlichen Mitteln finanziert wurden, was insbesondere vor dem Hintergrund bedeutsam war, als dem Ministerium bei Privatuniversitäten keine Steuerungsmöglichkeit zukam
bzw. keine zentrale Koordinaton zwischen den einzelnen öfentlichen Geldgebern gegeben war.

Von Qualitätssicherung, wer sich da Universität nennen durfte, ist keine Rede:

Die Zulassung … erfolgte zunächst durch einen Akkreditierungsrat, seit 2012 durch die Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ Austria). Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung verfügte über einen Genehmigungsvorbehalt aufgrund natonaler bildungspolitscher Interessen. Was unter „natonalen bildungspolitschen Interessen“ genau zu verstehen ist, war in keinem strategischen Dokument des Ministeriums näher konkretisiert.

Die Zulassung erfolgte auf Basis einer Privatuniversitäten–Akkrediterungsverordnung. Im Rahmen der Begutachtungen befasste die AQ Austria nur einen eingeschränkten Adressatenkreis. Beispielsweise war der Verfassungsdienst des Bundes nicht eingebunden, der die Vereinbarkeit von Gesetzes– und Verordnungsentwürfen mit dem Verfassungsrecht zu beurteilen hat.

Auf gesetzlicher Ebene waren die Voraussetzungen für den Betrieb einer Privatuniversität wenig determiniert. … Die jüngste Verordnung aus dem Jahr 2019 war in Teilbereichen jedoch noch weniger konkret als die vorherigen Verordnungen. Die AQ Austria hatte so einen großen Entscheidungsspielraum.

Der RH hielt fest, dass statistische Daten der Privatuniversitäten u.a. über Studierende und über das Personal im Vergleich zu den anderen Hochschulsektoren in geringerer Tiefe und Aussagekraft verfügbar waren. Dadurch waren Vergleiche mit den öffentlichen Universitäten nur eingeschränkt möglich.

Der RH empfahl .. , zur Wahrung der Unbefangenheit der Gutachterinnen
und Gutachter eine Abkühlphase für allfällige zukünftige Tätigkeiten der betreffenden Gutachterinnen und Gutachter an der antragstellenden Privatuniversität vorzusehen, um einen Anreiz für ein allenfalls ungerechtfertigt positives Gutachten von vornherein auszuschließen.

Am Ende des Berichtes finden sich die Eigentumsverhältnisse der einzelnen Privatuniversitäten, wo die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften heraus sticht. Dabei handelt es sich bekanntlich um eine „reine Metastase“ anderer öffentlich finanzierter Träger:

Die Eigentümergesellschaft gehört der Medizinischen Universität Wien, der Technischen Universität Wien, dem Land Niederösterreich und der „EBG MedAustron GmbH“ zu je 25 %. Letztere gehört zu 100 % der „NÖ Immobilien Holding GmbH“, diese wiederum zu 100 % der „NÖ Landes–Beteiligungsholding GmbH“. Mit anderen Worten bietet die Meduni Wien den 90% aller Bewerber, denen sie mittels Mediziner-Aufnahmetest einen Studienplatz in Wien verweigert, gleich eine Alternative im Speckgürtel, falls es sich die leisten können.

Halten wir also für den Bereich der Mediziner-Ausbildung fest:

Die öffentliche Hand begrenzt die Zahl der öffentlichen Studienplätze um gleichzeitig angeblich Privatuniversitäten zu finanzieren, in dem sich Studierende zu inzwischen fast US-amerikanischen Preisen ein Studium finanzieren können, mit dem sie dann, wie auch die Absolventen an den öffentlichen Unis (siehe Drop–out–Anteil der Absolventinnen und Absolventen im RH Bericht) zu über einem Drittel nicht dem Gesundheitssystem zur Verfügung stehen …

Sowas muss man einmal (Hochul- und Gesundheits-) politisch schaffen!

Dafür finanziert die öffentliche Hand eine defizitär und mit hinterfragbarer Qualität arbeitende Akkreditierungsbehörde, die auf den offenbar in Österreich besonders grassierenden Wildwuchs der Privatunis keinen wirklichen Einfluss hat und stellt (in Form der öffentlichen Krankenhausträger) das Lehrpersonal.

Mit Ausnahme der Salzburger Paracelsus-Universität, haben die übrigen Einrichtungen auch keine nennenswerten Forschungsergebnisse, so dass Studierende im besten Fall von Praktikern, keinesfalls aber mehr von Forschenden unterrichtet werden.

Und dann frägt man sich wieder einmal, wenn öffentliche Hand, Studierende und Gesundheitssystem an dem System verlieren, wer ist da der Gewinner?


Master, die Schüssel bitte

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Das Bildungssystem war dereinst eine planbare Karriereschiene für all diejenigen, die nicht über Geburt, Sport oder Hitparade den Aufstieg schafften.

Diesen Bypass von Seilschaften und ökonomischer Selbstabsicherung haben initial schon jene Linken abgeschafft, die Gymnasien und Universitäten zuerst für breite Schichten geöffnet haben, so sie sich dafür mit Leistung und nicht Protektion qualifizieren konnten. Aufnahmeprüfungen, Benotungen, differenzierte Ausbildungswege wurden als „nicht zeitgemäß“, „demoralisierend“ und „Druck ausübend“ weg nivelliert, weil die Wählerstimmen der Eltern sicher schienen, wenn deren Kinder mit dem scheinbaren Privileg „Maturanten“ einmal besser haben würden.

Eine unübersichtlich zersplitterte Aus- und Bildungslandschaft mit zahllosen Buchstabenkürzeln deren Bedeutung ohnehin niemand mehr kennt, hat man die entwertet, die ihre „Titel“ nicht via Fernstudium oder an ein paar Wochenendseminaren erworben haben.

Was „die Linke“ begonnen hat, wird nach Bologna und MBAs bzw. MScs in jedem Büro heute „vom Besten beider Welten“ vollendet.

Meister und Master san lei oans

OK, das war jetzt etwas übertrieben, nur der Bachelor wird dem Meisterbrief gleichgestellt, aber die Intention bleibt, wir verwischen praktische und wissenschaftliche Qualifikation.

Wobei, gleichgestellt waren diese Stufen gemeinsam mit dem Ingenieur ohnehin schon, angeblich im Sinne einer durchgängigen Qualifikationspyramide, nur soll der Bau- und Fleischermeister dadurch aufgewertet werden, dass er sich seinen Namen mit ein paar Buchstaben verlängern darf.

Ja und weil es so schön ist, predigt unser neuer Sozial- und Gesundheitsminister wie seine roten und blauen Vorgängerinnen auch, dass der Mangel an Pflegekräften durch eine noch differenzierter Akademisierung gelöst werden wird.

Mit den medizinisch technischen Diensten hat man das vor Jahren schon gemacht (und deren Ausbildungskosten so aus den Krankenhausbudgets entfernt). Ob sie nun ihr Kerngeschäft um so viel besser beherrschen, dass die gesteigerte Effizienz wett macht, was sie nun an Zeit in Projektbesprechungen und Qualitätszirkeln wett machen, mag hinterfragt werden.

Dass ich mich ausnahmsweise mit FP Berufskollegin Belakowitsch-Jenewein, in einem Boot befinde, ist Angst einflößend, die nun Anschober ebenso anpflaumt wie vormals andere „Alt-Marxisten“ Rendi-Wagner oder Stöger, aber was soll. Wir werden den Pflegenotstand, über den sich offenbar alle einig scheinen, nicht durch Schulversuche, Akademisierung und nach den Wünschen der jeweiligen Interessenvertretungen lösen.
Der seit Jahren laufende Tanz, der die Krankenpflege in Gesundheits- und Krankenpflege umetikettierte, die „Schwesternschulen“ in „FastHochschulen“ und nach Absolventen der „Pflegewissenschaft“ rief und immer mehr Kompetenzen übertrug, damit die Blutabnahme der fehlenden Turnusärzte kompensiert wird waren Mogelpackungen. (Nix gegen echte Pflegewissenschaften, aber die Unmenge an Abschreibübungen haben wenig mit dem Kerngeschäft zu tun). Die Lösung wäre wie in allen „Mangelsparten“ anständige Bezahlung und vernünftige Arbeitsbedingungen.

Und überhaupt Pflegenotstand, was da alles an hoch qualifizierter Pflege, 24-Pflegerinnen und Altenbetreuung in einen Topf geworfen ist, macht eine Lösung auch nicht einfacher …

Written by medicus58

15. Januar 2020 at 15:23

Lehrer am Todesstern

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Seit Jahren werden Spitzenköche mittels Sternchen, Hauben oder Gabeln benotet. Und Hotelsterne, so wenig sie auch aussagen, sind fixer Bestandteil jedes Reiseführers. Inzwischen wird jeder Würstelstand gerankt, selbst Sehenswürdigkeiten kriegen ihr Fett ab und sie können ihrem Hausarzt mittels Bewertung Ruhm oder Verderben bringen.

Nur wenn irgendjemand die Performance eines Lehrers außerhalb einer Matura Zeitung bewerten will, drehen Lehrer und Republik am Stand durch.

Erklär‘ mir das mal einer…

Lehrer, am Vormittag haben sie recht, am Nachmittag haben sie frei und abends ist ihr Himmel sternenfrei.

Written by medicus58

20. November 2019 at 08:51

Faket die Faker oder die weiche Birne der Populisten

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Zufällig finden sich diese Woche zwei köstliche Beweise, wie weich die Birne jener ist, die uns stets mit großem Getöse versprechen die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu berichten, während sie selbst auf jeden dummen Fake reinfallen und wie diese Erkenntnis ins Volk zu bringen ist. Nein, es geht nicht primär um das Ibiza-Video, mit dem sich offensichtlich die FPÖ selbst in die Luft gesprengt hat, so wie ich es mir bereits 2013 in meiner kranken Fantasie ausgemalt habe (Der FPÖ Wähler). Aber irgendwie dann doch auch.

Die sich thematisch und stilistisch noch im Selbstfindungsprozess befindliche ORF SendungGute Nacht Österreich“ demonstrierte wie schnell der mit Steuergeldern gefütterte Boulevard auf billige Fakes rein fällt, wenn die Quote winkt: https://www.derstandard.at/story/2000109484431/peter-klien-zeigt-mit-fake-skorpion-panikmache-von-krone-oesterreich (ab 10:30)

Den Vogel schoss aber am Freitag die ZDF Heute Show ab, die uns bildlich vor Augen führte, dass auch die Rest-FPÖ auch ohne Strache und Gudenus sich zum Narren machen, wenn man glaubt unter sich zu sein.
Man schickte einfach einen gefakten Reporter des „Alternativen Fernsehen Deutschlands (AfD TV)„, den genialen Fabian Köster, zu den Blauen.
(Für die mit der AfD und dem running Gag der Heute Show nicht so vertauten Ösis: Der AfD Politiker, den sie auf Aufforderung Kösters so anfeuern heißt natürlich Björn Höcke, aber:
Im März 2015 gab die Thüringer Allgemeine Höckes Vornamen irrtümlich mit „Bernd“ an. Nachdem Höcke sich darüber öffentlich empört hatte, benutzte Oliver Welke in der heute-show absichtlich den falschen Vornamen. Andere Satiriker taten es ihm nach. Später benutzten auch Sprecher der Tagesschau, das heute-journal, B.Z.DWDL.deFAZNeue Osnabrücker ZeitungNordwest-ZeitungSpiegel TV, Hamburger MorgenpostHuffpostMünchner MerkurSüdwestrundfunk und weitere absichtlich oder versehentlich den falschen Vornamen. Auch der FDP-Politiker Hans-Ulrich Rülke nannte im Oktober 2017 in einer Landtagsrede mehrfach den falschen Vornamen und bekräftigte auf Nachfrage: „Der Mann heißt Bernd. Ich weiß es definitiv aus der heute-show.“ Am 25. Januar 2018 erschien der Name „Bernd Höcke“ sogar in einer Pressemitteilung des Bundestages, die noch am selben Tag korrigiert wurde. Oliver Welke feierte dies in der heute-show als ultimativen Erfolg seines running gags.

Unsere Blauen, die sich dem deutschen Gast gegenüber natürlich bewundernd über den brauen Bruder AfD äußerten, vorzuführen, dass sie in Wirklichkeit keine Ahnung haben, wer dort das sagen hat, in dem sie gröllend „Bernd, Bernd“ skandieren und dass sie selbst genauso in eine plumpe Falle tappen wie ihr Ex-Heiliger Strache, ist schon ein Höhepunkt dessen, was aufklärerische Satire leisten kann.

Bei mir verdichtet es den Glauben, dass im 21.Jahrhunderte Erkenntnisse nicht mehr über (wissenschaftliche) Argumentation sondern zunehmend über Bilder zu betreiben ist:

Schafft die Matura endlich ab, nachdem ihr sie schon längst abgeschafft habt

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Alle Jahre wieder sitzt eine Generation von Gymnasiasten mehr oder weniger abgeschnitten von Schummelzetteln, Schmierer und seit einiger Zeit auch WLANs in mehr oder weniger gut bewachten Klassenzimmern und schreiben ihre schriftliche Matura. In etwa einem Monat sprudeln oder stammeln sie dann Antworten auf mehr oder weniger vorbekannte Fragen bei der mündlichen Matura.

In all den Jahrzehnten in denen ich nach meiner eigenen Reifung dieses Treiben – mehr oder weniger persönlich engagiert – beobachte, hat sich viel geändert. Nein, nicht die jetzt so oft besprochene vorwissenschaftliche Arbeit, die gab es unter anderem Namen auch schon bei meiner Matura, aber Zentralmatura, Benotungssysteme, …. all das hat sich zumindest stark verkompliziert, ob verbessert mag jemand anderer beurteilen.

Aber was ich mir erlaube zu beurteilen ist die bedrückende Erkenntnis, dass all der Aufwand für die Katz ist, weil der Zettel weitgehend bedeutungslos wurde:

Noch ist in der Wikipedia zu lesen:

Mit dem Maturazeugnis (oder Maturitätszeugnis) besitzt der Maturant (in Österreich) bzw. Maturand (so die in der Deutschschweiz übliche Bezeichnung) die Hochschulreife und damit die Berechtigung für ein Studium an einer Universität oder sonstigen Hochschule.

Unser hoffnungsvoller Nachwuchs, dem durch die primär Matura-zentrierte Vorbereitung in der letzten Schulstufe sehr viel produktive Lehrzeit gestohlen wurde, in der Neues gelehrt werden hätte können, von all den Maturabällen, Maturastreichen und vorverlegten Maturareisen und –ausflügen rede ich gar nicht, wird aber schmerzhaft erfahren, dass sie das Maturazeugnis zu immer weniger Inskriptionen berechtigt. Auch sind die Zeiten längst vorbei, wo sich ganze Sektoren (Banken, Pharma, ..) noch gerne mit Maturanten geschmückt haben.

Das ganze wird noch absurder, weil man schließlich über eine Studienberechtigungsprüfung schon längst auch ohne Matura studieren kann.

Wozu all der Aufwand weiter betrieben wird, erschließt sich mir nicht, zumal es auch mit dem staatlich attestiertem Reifungsgrad, nach eigener Erfahrung, nicht weit her ist.

Also schlechte Nachrichten an alle (zu Recht) stolzen Maturanten und ihre Eltern:
Unser Bildungssystem wurde (beabsichtigt ?) so durchlöchert und verquert, dass ihr euch mit viel Aufwand durch die Matura keinen besseren Startplatz im Leben mehr erarbeiten konntet, so wie das noch zu meiner Zeit der Fall war.

Aber immerhin seid ihr berechtigt nun viel Geld in Vorbereitungskurse, Paukerkurse und letztendlich in Studiengebühren an dubiosen Privatuniversitäten und FHs zu stecken um zu erkennen, dass Euch auch diese Papierln weniger bringen als ein paar gute Freunde zum richtigen Zeitpunkt, jedenfalls in diesem Land.

Written by medicus58

12. Mai 2019 at 18:18

Veröffentlicht in Generationen, Schule Uni Bildung

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Nach Humbold nur mehr Humbug: Med-unis

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Bis zu 13.000 €/Semester und Du kannst auf die staatlichen Unis pfeifen ….

http://derstandard.at/2000053030649/Privatunis-Vorbehalte-gegen-Med-Unis-light

Written by medicus58

23. Februar 2017 at 07:24

Jetzt machen wir uns wegen der vorwissenschaftlichen Arbeit ins Hemd

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Was jetzt als modern verkauft wird, die vorwissenschaftliche Arbeit im Rahmen der Matura, war für mich vor (murmel-murmel) etwa einem Vierteljahrhundert schon Standard.
Für meine Matura in Biologie arbeitete ich über „Kybernetik in der Biologie mit dem Schwerpunkt Chemotaxie der Bakterien“, in Philo/Psych/Soziologie über „Literatursoziologie nach Georg von Lukacs“, „Traumdeutung nach S. Freud“ und „Psychologie der Populärkultur“, sowie in Deutsch über die „Parallelen zwischen Shakespeares Hamlet und Cervantes Don Quichote“. Zu letzterem darf als bekannt vorausgesetzt werden, dass beide im selben Jahr verstorben (1616) ihre Werke aber höchstwahrscheinlich nicht kannten. Auf die wesentlichen Parallelen hat Turgenjew hingewiesen, ich habe das einfach weitergedacht und mit Zitaten belegt…
Wir machten uns mit unseren Professoren die Themen irgendwann in der Pause aus und gaben unsere Ausarbeitung (20-70 Seiten) dann etwa 4 Wochen vor der mündlichen Matura ab. Wir hatten keine extra Vorbereitungsstunden oder große Hilfe.
Es war eine echte Herausforderung aber, im Gegensatz zur Matura an sich eher eine Erleichterung, da wir schon eine Frage der eigentlichen Matura wussten. Und natürlich mussten wir unsere Arbeit vorstellen und darüber Fragen beantworten …
Ganz einfach so, im Rahmen eines Schulversuches.
Bedenklich, dass das österreichische Bildungssystem nach einem Vierteljahrhundert nicht weiter ist und selbst damit enormen Diskussionsbedarf entfesselt. …

Written by medicus58

5. Februar 2015 at 19:35

Warum die Wissenschaft manchmal stinkt

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Es ist im Tourismus ein offenes Geheimnis,  dass außerhalb der Ferienzeiten das Geschäft nur brummt,  weil es den wissenschftlichen Kongresstourismus gibt.
Genau so wie der Herr Karl einst bei seinem Wirten anfragte, „wos krieg i, wenn ich Euch an Sparverein bring“, leben heute unzählige Firmen davon, die nationalen und internationalen wissenschaftlichen Kongresse auf die danach hechelnden Kongresszentren zu verteilen.
Formal entscheiden zwar die jeweiligen wissenschaftlichen Gesellschaften (im Prinzip auch nur Vereine, die sich mal mit mehr mal mit weniger Recht einer wissenschaftlichen Expertise rühmen) wohin die Reise geht, in Wahrheit hängen sie jedoch längst am Gängelband der Pharma- und Geräteindustrie und sind den Profibetreuern hilflos ausgeliefert. Ein ziemlich großes Geschäft von der die immer wieder angesprochen „Einladungskorruption“ durch die Industrie bestenfalls die Spitze des Eisbergs darstellt.
Für den wissenschaftlich Tätigen ist es ohnehin ein Muss zur Gesichtswäsche zur jeweiligen Jahrestagung anzureisen.
Auch wenn in unserer schnelllebigen Zeit der alte Zyklus
1. Posterpräsentation
2. Vortrag
3. Manuskript an den Editor schicken
immer häufiger durchbrochen wird, ohne „sozialisierendes Netzwerken“ geht nix. Das „Servus Grüß Dich“ ist die Duftmarke des dazu zugehören. Die Vortragseinladung des Organisationskomitees der Ritterschlag der jeweiligen Community.

Man weiß zwar,  dass die Forschungsgelder in UK knapp sind, aber wenn man von einem durchaus renommierten britischen Emeritus darauf angesprochen wird, dass er den zuletzt bei seinem nationalen Kongress gehaltenen geschichtlichen Rückblick über unser Fach auch gerne bei der nächsten Tagung in Österreich gehalten hätte (gegen Teilersatz der Reisekosten, versteht sich), dann bringe ich es nicht übers Herz ihm zu gestehen, dass ich nicht Teil dieses Organisationskomitees bin…. aber das nur so zur Abrundung des Themas.

Ja, und nirgendwo bekommt man so viele der geforderten CME (Fortbildungspunkte) wie bei einem großen Kongreß. Also brummt das Geschäft und die Flieger über den Herbsthimmel.

Das alles würde zur gewählten Überschrift passen, jedoch wollte ich auf etwas anderes hinaus.

Früher, im Goldenen Zeitalter der Fliegerei, schaffte man es zumindest von Wien aus meist mit einem Direktflug zu den typischen Kongresslokalisationen Europas zu gelangen. Wenn man sich heute am Flughafen trifft weiß man natürlich,  dass es auch die KollegInnenschaft nach X zieht.  Trotzdem hat man eine gute Chance, dass man auf sehr verscheiedenen Wegen dorthin gelangen wird. Code-Sharing und Hub-Denken führen dazu, dass sich der Tross über ganz Europa verstreuen wird, ehe man sich abends bei der Kongresseröffnung wieder zu sehen hofft.
Immer unter der Voraussetzung,  dass es zu keinen überlangen Delays oder unangekündigten Streiks gekommen ist. Sonst sieht man sich frühestens am nächsten Tag UND nun kommen wir auf den Punkt:
Immer häufiger berichtet dann ein Subgrüppchen, dass es zwar selbst, nicht aber ihre Koffer auf den (oder zum) Olymp des akademischen Austausches geschafft haben und sie deshalb seit 24, 48 oder mehr Stunden in ihren Klamotten stecken.
Was am Badestrand im Sommerurlaub nicht so auffällt,  weil sich eine passende Badehose dort überall erstehen lässt,  ist in den überhitzten Kongresszentren des herbstlichen Europa exht ein olfaktorisches Problem.

Habe  selbst übrigens Glück gehabt, dass ich eine andere Route gebucht habe. Das nur so am Rande. Der heutige Blog ist wirklich ganz selbstlos.

Written by medicus58

19. Oktober 2014 at 17:28

Ansturm zum Medizinstudium als gäb’s kein Morgen

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Für die agierenden GesundheitspolitikerInnen erfreulich ist der Zustrom zum Medizinstudium ungebrochen:
Nur jeder Achte kommt durch: 12.600 traten zum härtesten Ausleseverfahren einer Uni an
http://kurier.at/politik/inland/ansturm-aufs-medizin-studium/73.379.071

Ganz aktuell setzt die Medistart (Kennen Sie Medistart der UNIRAG?
http://wp.me/p1kfuX-O3
noch nach und trommelt via APA:

Medizin-Studium: Studienbeginn im Oktober 2014 jetzt noch möglich
Unis in Bratislava, Valencia, Vilnius etc. bieten europaweit anerkanntes Studium ohne NC & Wartezeit

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140706_OTS0021/medizin-studium-studienbeginn-im-oktober-2014-jetzt-noch-moeglich

Das ist gut so, weil immer mehr von uns, die seit Jahren in diesem Beruf stehen, sich in verschiedene Nischen (Ausland, Wahlarzt im Innland, Alterna(t)ivmedizin, Wissenschaft, Pharmaindustrie, Beratungsleistung, Gesundheitsökonomie, …) wegstehlen.

Wenn ich mich aber frage, ob ich unter den herrschenden Bedingungen erneut als wissenschaftlich und praktisch Arbeitender in die Humanmedizin gehen würde, dann wäre die Antwort eindeutig:

Sicher nicht.

Nein, nicht die Arbeitsbelastung, die in meinem bisherigen Leben zwischen 60 und 120 Wochenstunden oszillierte.

Nein, nicht die Bezahlung, die zwischen einer lächerlichen Null und kurzfristig durchaus überadäquat oszillierte.

Nein, nicht die zunehmend fordernden und bisweilen aggressiven Patienten, denen von ihren Gesundheitspolitikerinnen und Versicherungen vorgegaukelt wird, dass für alle ihre Forderungen genügend Ressourcen vorhanden wären.

Nein, nicht die Verantwortung, die zu tragen nie das Problem darstellte, sondern die Endverantwortung für einen Gesamtprozess, die Ärzten aufgebürdet wird, während sie aus allen organisatorischen und finanziellen Entscheidungen über den Gesamtprozess gedrängt werden.

Das habe ich satt, und deshalb würde ich heute einen anderen Beruf ergreifen.

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