Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for März 2012

Too big to fail and failed pigs

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Die Bilanzsumme der österreichischen Banken ist im vergangenen Jahr (2011) um 35,73 Milliarden oder 3,7 Prozent gestiegen und hat damit den Wert von 1.014,3 Mrd. Euro erreicht. Erstmals seit dem Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 ist die Bilanzsumme der heimischen Geldinstitute damit wieder auf einen Wert von mehr als einer Billion Euro gestiegen. Der damalige Höchststand von 1.071 Milliarden Euro (September 2008) wurde jedoch noch nicht wieder erreicht. http://www.wirtschaftsblatt.at/aktuell/ueber-eine-billion-in-den-bilanzen-der-oesterreichischen-banken-512966/index.do

Die Gesundheitshausgaben Österreichs liegen etwas über 31 Milliarden Euro (die letzte aktuelle Zahl liegt für 2010 vor, da waren es 31,4 Mrd. Euro)http://www.statistik.at/web_de/statistiken/gesundheit/gesundheitsausgaben/index.html Von 2009 auf 2010 sind die Gesundheitsausgaben von 30,8 Mrd. Euro um 673 Mio. Euro auf 31,4 Mrd. Euro gestiegen – das entspricht einer Steigerung von 2,2%. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist zwischen 2009 und 2010 um 4,1% gestiegen. Durch das relativ starke Wirtschaftswachstum, bei geringerer Wachstumsrate der Gesundheitsausgaben, sinkt der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP von 11,2% für 2009 auf 11% für 2010. Betrachtet man die anteilsmäßige Entwicklung am BIP, so stiegen die Gesundheitsausgaben zwischen 1990 und 2010 von 8,4% auf 11% des BIP. WILL HEISSEN: Die Steigerungsraten lagen durchschnittlich zwischen 1990 und 2010 bei 5,2%/Jahr, in Relation zu unser aller Wertschöpfung (BIP) stiegen die Ausgaben in diesem Teitraum nur um 1,6%.

Fassen wir zusammen:
DER FINANZSEKTOR IN ÖSTERREICH WÄLZT 33 MAL MEHR GELD UM ALS DAS GESUNDHEITSSYSTEM UND WÄCHST TROTZ KRISE DEUTLICH SCHNELLER: TROTZDEM LASSEN WIR ES UNS GEFALLEN, DASS DAS FINANZLOCH DASS DIE „BANKENRETTUNG“ IN UNSERE BUDGETS GERISSEN HAT DURCH EINSPARUNGEN IM GESUNDHEITSSYSTEM UND NICHT DURCH EINE FINANZTRANSAKTIONSSTEUER HEREIN GEBRACHT WIRD.
WIR SIND EINFACH NUR BLÖD!

Link ÖBIG Vergleich: http://public-health.meduni-graz.at/archiv/artikel/Artikel%202010/2010_Oe%20im%20Internationalen%20Vergleich.pdf

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Wenn alles enthüllt ist, bleibt dann noch was über?

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In der medialen Diskussion über die Schlagzeilen aus dem aktuellen Untersuchungsausschuss mehren sich die Stimmen, die dessen kathartische Wirkung in Frage stellen und vor einer durch die „Enthüllungen“ ausgelösten Politikverdrossenheit und einem Vertrauensverlust warnen. 

Wie weit hinter diesen Warnungen altruistische Motive stehen, die den Staat zusammenhalten wollen, oder eher Versuche vermutet werden müssen „ein Gosch’n halten“ erzwingen bzw. den unliebsamen Ausschuss überhaupt abdrehen zu wollen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54388), soll uns hier gar nicht weiter beschäftigen.

Ein aktueller Artikel im renommierten Online Magazin Salon führt mich zur Frage, ob wir uns überhaupt noch vorstellen können, dass im öffentlichen Leben irgendjemand irgendetwas aus altruistischen Motiven tut.

Unter „From Watergate to WikiLeaks” zitiert man dort (http://www.salon.com/2012/03/27/from_watergate_to_wikileaks/) aus dem Buch (“Leak: Why Mark Felt Became Deep Throat”), in der auch die legendären Aufdeckern des Watergate Skandals, die Reporter Woodward und Bernstein und ihr Whistleblower „Deep Throat“ entzaubert werden.
“Deep Throat“, der schon vor Jahren als FBI Direktor Mark Felt identifiziert wurde, hätte den Reportern seine Informationen nur gegeben, um sich im Nachfolgespiel nach dem Tod von J. Edgar Hoover nach vorne zu schieben. Und auch die Reporter hätten selbst nur wenig recherchiert sondern einfach die Ermittlungsergebnisse des FBI abgedruckt.

Kommt uns das nicht bekannt vor?

Auch jetzt werden immer wieder Stimmen laut, dass nicht die „Enthüllungsjournalisten“, die laut H.-J. Manstein als „Amtsmissbrauchs-Journaille“ ohnehin nur illegal beschaffte Akten der Ermittlungsbehörden abschreiben (http://www.horizont.at/home/detail/amtsmissbrauch-journaille.html?cHash=1ed241f42e139077ce2155989e6aea3e) sondern 
der ohnehin pipifein funktionierende Staat letztendlich die „Bösen“ ihrer gerechten Strafe zuführen würde.
Lesenswert ist dazu P. Lingens Artikel (http://www.zeit.de/2012/13/A-Enthuellungsjournalismus) in dem er diesen Strömungen sehr direkt antwortet:
Es hat in Österreich in der Vergangenheit zu viele Strafverfahren gegeben, in denen noch so eindeutige Indizien nicht zu Anklagen oder zumindest ernsthaften Untersuchungen geführt haben. Es ist die Pflicht der Medien, das diesmal zu verhindern.“

Gut so, wir sollen uns als vorstellen, dass zumindest die Medien noch altruistisch agieren (solange die Auflage stimmt).

Was aus den Rückblicken Lingens zum AKH-Skandal aber so nebenbei „leakt“, ist, dass die wesentliche Information vom damalige Wiener Obmann der ÖVP, Erhard Busek kam: (Er) „nannte mir den genauen Namen jener Liechtensteiner Firma, auf die alle Unternehmen, die von dem Chef der AKH-Errichtungsgesellschaft Adolf W. einen Auftrag erhalten wollten, einen bestimmten Prozentsatz der angestrebten Auftragssumme einzahlen mussten.“

Aber hallo!

So nebenbei und ganz klar wurde da gesagt, was ohnehin die meisten ahnen:

Der Kreis der (Mit)Wissenden ist viel größer als man glaubt!
„Die Einzeltätertheorie“ ist nicht mehr haltbar.

Nur, weshalb bedient sich ein prominenter „Mitwisser“ dann eines Journalisten und erfüllt nicht seine Bürgerpflicht, seine Kenntnis eines offenkundigen Verbrechens der Behörde mitzuteilen?

Weil er Teil des Systems ist?
Weil es ihm machiavellistisch eher ins Konzept passt nicht als Königsmörder dazustehen?
Weil er den Ermittlungsbehörden selbst nicht mehr vertraut?

Egal, welcher Erklärung man mehr Glauben schenkt, die Lage in unserem Staat ist offenbar viel prekärer, als die vordergründigen Schlagabtausche um „Inserate und Murmeltierjagden“ (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=55176)  vermuten lassen.

Auch die vor kurzem besprochenen medialen Vorgänge um den Fall K. (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53054
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53338)  
passen in das Bild einer
ihres Grundvertrauens in die den Staat konstituierenden Organe verlustig gegangenen Gesellschaft.

Auch die allenthalben auftretenden Scharmützel zwischen Personen, deren Absichten einander eigentlich ergänzen und nicht zuwiderlaufen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=49506)  
sehe ich als Symptom (sorry, da kommt meinen Profession durch) von Panik und Paranoia.

Verhaltenskodices für den „individuellen Politiker“
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54502)  
werden uns da nicht heraus bringen, das greift viel zu kurz.

Die hochgradige Vernetzung zwischen den ehemaligen Großparteien SPÖ und ÖVP und deren staatlichen und wirtschaftlichen Verflechtungen hat aufgelöst zu werden. 

Kotanko zeichnete exemplarisch in den OÖNachrichten die 
Verflechtungen der Wiener SPÖ nach (http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/kotanko/art109300,851115),  jedoch fehlt es hier an Platz um auch alle anderen Verflechtungen (ÖVP: Raiffeisen, Volksbanken, Hypo …) anzusprechen. Von den Vorfeldorganisationen (Kammern, Jugendorganisationen, ARBÖ/ÖAMTC, …) und „nahe stehenden Einrichtungen“ ganz zu schweigen.

Österreichs Parteien erhalten schon ganz legal 175 Millionen Euro an Parteienförderung, wobei der größere Teil nicht vom Bund sondern von den Ländern kommt (!). Das ist laut Europarat ein Spitzenplatz. 

Die genannten zusätzlichen Einnahmequellen und die dadurch bedingten Abhängigkeiten und Rücksichtsnahmen stellen meiner Meinung nach eine der wesentlichen Ursachen für den Österreichischen Filz und die daraus resultierende überbordenden Korruption dar.

Dass der Versuch der „Wende 2000“, durch die Einbeziehung einer „dritten Kraft“ (eigentlich waren es damals ja die Zweitplazierten und sind möglicherweise nunmehr schon die Erstplazierten http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=51310die Korruption und die „Freunderlwirtschaft“ in diesem Lande eher maximiert denn verringert hat, davon handelt unser aktueller Untersuchungsausschuss.

Wenn derzeit Klubchefs Cap (SP) und Kopf (VP), die Minister Hundstorfer (SP), Fekter, Mitterlehner (VP) und Staatssekretär Ostermayer (SP) in ihrer Arbeitsgruppe „nach mehr Sauberkeit“ fahnden, dann sitzen schon die Richtigen am Tisch. (z.B. Herr Ostermayer, Faymann’s Mann fürs Grobe, der die Verstaatlichung der ÖVAG gegen eine „Vermögenssteuer“ abgedealt hat ….)

Ob die Personen, die sich ein ganzes Leben in diesem Gebälk nach oben gekrabbelt haben, zu einem grundlegend neuen Ansatz fähig sind, mag bezweifelt werden. Allein die Absurdität, dass sie wieder „entre nous“ bleiben, als würden sie noch drei Viertel der Bevölkerung hinter sich haben, wie zu Beginn dieser Republik, lässt Bösen ahnen.

Es wird jedenfalls eines gewaltigeren Drucks benötigen, um hier ein Umdenken zu erreichen. 
In Wahrheit müssten wir die Grundstrukturen unseres Staates verändern, ehe es andere tun …

Ob dieser Druck von den „neuen Medien“ wie Twitter (#AtPolTwit: http://www.thegap.at/rubriken/stories/artikel/atpoltwit-typologien/ ) oder Wikileaks kommen kann?
durch eine von innerhalb des politischen Systems entstehenden Gruppierungen (http://www.sektionacht.at/) oder so genannten „Qualitätsmedien“ zu entwickeln ist? 

Ich weiß es nicht.

Psychoanalytisch argumentiert muss vor der Katharsis die Erkenntnis kommen,
und ob in diesem Land bereits eine „kritische Masse“ an Menschen realisiert hat,
an welchem Abgrund wir stehen, das bezweifle ich.

Bildnachweis: http://img850.imageshack.us/img850/9392/genderj.jpg

Who the fuck is ALEC

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Hinter dem Akronym steht das 1973 ins Leben gerufene 
American Legislative Exchange Council (http://www.alec.org/), 
eine nach eigenen Angeben unparteiische (!) Vereinigung konservativer (!!) Gesetzgeber aus den amerikanischen Bundesstaaten, „die ein gemeinsamer Glaube freie Märkte und Föderalismus“ aber auch eine Ablehnung an die „ferne, aufgeblähte Bundesregierung in Washington,DC“ eint.

Für uns hier kann es ein Lehrstück aus der Gruselkammer des Neoliberalismus sein, wie aus der Aufweichung gesamtstaatlicher Autorität, unter dem Deckmantel von mehr Demokratie und Föderalismus, der Weg über Lobbying dazu führt, dass schließlich finanzstarke Großkonzerne unseren Parlamentariern Gesetze diktieren.

Das Konzept von Alec Task Forces stammt aus den frühen Tagen der ersten Reagan-Administration, als der Präsident 1982 eine nationale Task Force für Föderalismus gründete.

Im Jahr 1981 arbeitete Alec die Methoden zur Dezentralisierung der bundesstaatlichen Macht. 1982 begann beschäftigte sich ALEC mit dem Gesundheitswesen, 1983 mit dem Bildungssystem.
Nach dem Ende der Reagan-Administration entwickelten sich die Taskforces zu Think Tanks, die heute nach eigenen Angaben hinter jährlich 1000 Gesetzesvorschlägen stehen, von denen 20% als Gesetze beschlossen werden.

Erst seit 2011 organisierte sich in den USA der öffentliche Widerstand. (http://en.wikipedia.org/wiki/American_Legislative_Exchange_Council). 

Vor einigen Tagen berichtete auch die angesehende NYT (http://www.nytimes.com/2012/03/26/opinion/krugman-lobbyists-guns-and-money.htm ), als ruchbar wurde, dass es eine der Gesetzesvorlagen in Florida wortident zum Vorschlag von ALEC durch die Abstimmung schaffte.

Auf Alex exposed (http://alecexposed.org/wiki/ALEC_Exposed) wird aufgelistet, welche Politiker hinter ALEC stecken und
 wer das Ganze auch finanziert (Liste nur auszugsweise widergegeben):

Altria (formerly Phillip Morris tobacco)
AT&T
Bayer
Coca-Cola
ExxonMobil
GlaxoSmithKline
Johnson & Johnson
Koch Industries
Kraft Food
Peabody Energy (weltweit größter privater Kohleproduzent)
Pfizer
Reed Elsevier
United Parcel Service
Wal-Mart

Allein, die ALEC Konferenzen kosten ca. 2 Mill. US$/Jahr,
ALEC gibt die Kosten für seine Taskforces mit 2,5 Mill. US$ an.

Wenn einige in Österreich dzt. angewidert von all den Inseraten, Murmeltierjagden und Liechtensteinschen Konten nach einem Ende der Untersuchungen von sogennanter „Lobbyisten“ rufen, dann verschliessen sie die Augen, wie groß auch die Gefahr bei uns ist, dass die parlamentarische Demokratie noch mehr zum Spielball finanzstarker Interessen des Großkapitals wird.

Im Gegensatz zu „den alten Zeiten“ stehen aber hinter dem Begriff Großkapital
nicht fette Zigarren rauchende Einzelpersonen oder Familien, 
sondern 
hoch effizient organisierte Armeen von Rechtsanwälten, Wissenschaftern, Gutachtern, Beamten, PR-Profis, … etc.

Das ist ganz was anderes, als die „Sorgen über die drei Ks der Korruption“ (Kugelschreiber, Kaffee, Klumpert) über die sich unser Transparency International Aushängeschild Franz Fiedler gestern auf Ö1 Gedanken machte:
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120326_OTS0056/geschmierte-republik-klartext-am-273-im-orf-radiokulturhaus
http://oe1.orf.at/programm/298997

Hier geht es auch nicht um die Korruption des kleinen Beamten, der bei einer Baugenehmigung ein Auge zugedrückt hat, hier geht es ums Ganze unseres Staates.

Heute mache ich es mir leicht

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So einfach,
wie das Geld der Steuerzahler dafür zu verwenden, sich eine Öffentlichkeit zu kaufen, die man für seine Leistungen nicht erhalten würde,
so einfach ist es auf seinem Blog andere Texte abzuschreiben.
Da ich aber schon so oft über die unerträgliche Inseratenkampagne einiger Politiker geschrieben habe:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44479
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=49948
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54502
erlaube ich mir auf den – jetzt wieder sehr aktuell gewordenen- Blogeintrag:
http://www.dietiwag.org/index.php?id=3830 vom 2.11.2011 (!!)
zu verweisen, der die Parallelen zwischen Faymann und Platter wunderschon dokumentiert hat.

Written by medicus58

29. März 2012 at 07:28

Veröffentlicht in Satanswinkel SKANDALTRACKER

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Wer A sagt muss auch F wie Freiheit sagen

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Freiheit klingt gut!

Sie wurde spätestens seit der Aufklärung zu einem zentralen Begriff des europäischen Geisteslebens.

Ob Kant die Aufklärung als Werkzeug des Menschen definiert, um sich aus selbstverschuldeter Unmündigkeit zu befreien, 
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“
oder ob sich verschiedensten politische Strömungen berufen fühlten, den Menschen (oft auch gegen ihren Willen von Hab, Gut und Leben) zu befreien, die individuelle Autonomie des Subjekts war, was der aufgeklärte (europäische) Mensch anstrebte. 
Auch für anarchistische Denker war der Freiheitsbegriff von zentraler Bedeutung:

„Wir sind überzeugt, dass Freiheit ohne Sozialismus Privilegienwirtschaft und Ungerechtigkeit, und Sozialismus ohne Freiheit Sklaverei und Brutalität bedeutet.“
Michail Bakunin

„Die Autorität ist also die erste soziale Idee des menschlichen Geschlechtes gewesen. Die zweite hat darin bestanden, unmittelbar an der Abschaffung der Autorität zu arbeiten.“
Pierre Joseph Proudhon

Dass das manche, wie F.-J. Strauß das nicht so ganz mitbekommen haben:

„Die Demokratisierung der Gesellschaft ist der Beginn der Anarchie, das Ende der wahren Demokratie. Wenn die Demokratisierung weit genug fortgeschritten ist, dann endet sie im kommunistischen Zwangsstaat.“ – Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 11. Januar 1978

ändert nichts daran, dass die meisten von uns das Ideal der größtmöglichen individuellen Freiheit, wenn schon nicht in unseren Köpfen, so doch in unseren Schulaufsätzen bewahrt haben.

„Niemand kann mich zwingen, auf seine Art (wie er sich das Wohlsein anderer Menschen denkt) glücklich zu sein, sondern ein jeder darf seine Glückseligkeit auf dem Wege suchen, welcher ihm selbst gut dünkt, wenn er nur der Freiheit Anderer, einem gleichem Zwecke nachzustreben, die mit der Freiheit von jedermann nach einem möglichen allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann, (das ist diesem Rechte des Andern) nicht Abbruch tut.“
I. Kant

Freiheit ist das Recht, alles zu tun, was anderen nicht schadet.
Pierre Joseph Proudhon

Ich kann mich noch gut an manche Philosophiestunde erinnern, in der dieser wunderbare Hymnus auf die Freiheit durch folgende ketzerische Frage unterbrochen wurde:

„Freiheit, ja schön und gut, aber Freiheit wovon?“

Wie viele generell positiv besetzte Begriffe, ist auch der Begriff der Freiheit nur sinnvoll, wenn man ihn auch gleich abgrenzt; konkret welcher der mannigfachen Fußangeln des Lebens man sich konkret entledigen will.

Im intellektuellen Sinn war Kant (http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant
ohne Zweifel einer der freiesten Denker der europäischen Geschichte. Erst im Alter von 46 Jahren in die schon lange angestrebte Position eines Professors für Logik und Metaphysik an der Universität Königsberg aufgestiegen, nur um 11 Jahre später mit einem seiner Hauptwerke (Kritik der reinen Vernunft) die Metaphysik, also eigentlich Zweck und Inhalt seiner Position, endgültig abzuschaffen, das hatte schon was.
Ob der inzwischen sprichwörtliche Eigenbrötler mit all seinen kleinbürgerlichen Gewohnheiten auch unserem heutigen Ideal eines äußerlich Freien entsprochen hätte, mag angezweifelt werden. 
Frei von Konventionen war Kant im Denken, nicht so sehr im täglichen Leben. 

Dazu passt wieder eine Schnurre meines hoch verehrten „Bertl
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=40086  
In seinem Denken freier, als es so manche Eltern in den 70ern für ihre Sprösslinge als gut empfanden. Zu einer Zeit, in der wir unsere Individualität durch lange Haare und möglichst abgewetzte Jeans beweisen wollten, trat er stets in (wenn auch verschnuddeltem) Anzug und konservativer Krawatte auf. Als er einmal in der letzten Stunde des Nachmittagsunterrichts -sehr zu unserer Verwunderung – während eines Referates seinen elektrischen Rasierapparat herausholte, um sich zu rasieren, meinte er nur verständnislos, dass er heute noch in die Oper gehen würde und es sich da doch gehören würde, nur glatt rasiert aufzutauchen …
Mir fällt dieses G’schicht’l hier ein, weil ganz gut zum Thema passt:

Wir sind selten VÖLLIG frei, man kann sich sogar völlig unkonventionell an Konventionen binden.

Einmal, danach kehren wir sofort wieder zum Thema dieses Artikels zurück, haben wir „Bertl“ sogar in dieser Diskrepanz ertappt: Als er uns vorwarf, dass unser einheitliches Outfit in „Jeans und T-Shirts“ kein Zeichen einer „Befreiung“ sondern eine von der Modeindustrie angebotene Uniformierung war, schnappte er kurz nach Luft als der „Resi“ ihn fragte, weshalb er den Krawatte trägt. Soweit ich mich erinnere, murmelte er etwas von seiner Freiwilligkeit anzuerkennen, dass sich „das einfach so gehört“, …. jedenfalls schien er für einen kurzen Augenblick etwas weniger stringent und unsicher.

Ein großes Missverständnis der meisten Aufklärer ist der kaum zu rechtfertigende Optimismus, der sich in der Entwicklung „der Linken“ fortsetzte, dass der einmal „aufgeklärte“ (oder „befreite“) Mensch letztlich alle Aspekte der Freiheit anstreben wird.

Die Geschichte lehrte aber, dass sich in den meisten Gesellschaften viele Menschen mit Teilen der Freiheit begnügen, ohne ein allumfassenden Freiheitsideal anzustreben.

In manchen Gesellschaften nehmen wir gerne an, dass dies nicht ganz freiwillig passiert:

Extrem führt uns das die VR China vor Augen. Als ich Ende der 80er Jahre ein Monat durch das Land trampte, war ich überzeugt, dass das damals begonnene Experiment der weitgehenden wirtschaftlichen Freiheit ohne eine sich parallel entwickelnde „bürgerliche“ Freiheit auf längere Sicht nicht funktionieren kann.

Blicken wir aber auf so genannte „westlichen“ Gesellschaften, scheint das Bedürfnis nach mehrdimensionaler Freiheit, die über die Freiheit des Konsums hinaus geht, auf wenige Außenseiter beschränkt. 

Themen wie die ab 1.April in Österreich wirksam werdende „Vorratsdatenspeicherung“ 
(http://de.wikipedia.org/wiki/Vorratsdatenspeicherung), 
die schon Orwell’sche Dimensionen annehmenden
Datensammlung von REWE bis Facebook
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33358
die Auswirkungen des Anti-Produktpiraterie- Handelsabkommen (ACTA) http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement,
der verpflichtende Austausch von Bankdaten (SWIFT) für Flugreisende in die USA, … die Liste ist endlos,
all das findet in der öffentlichen und veröffentlichten Diskussion wenig Raum.

Vorsicht ist somit geboten vor jenen, die gerne ihren Ideologien den Begriff der Freiheit voran stellen, wenn sie das ursprüngliche Ideal durch rücksichtlose Beschränkung auf nur einen einzelnen Aspekt nahezu pervertieren:

Freiheit ist der Zustand, in dem ein Mensch nicht dem willkürlichen Zwang durch den Willen eines anderen oder anderer unterworfen ist.“

sagte Friedrich von Hayek, der Ahnvater des Neoliberalismus und Säulenheiliger all jener, die an die geheimnisvollen, jedoch benevolenten Kräfte des Marktes glauben wollen, ohne die humanistischen Voraussetzungen individueller Freiheit anerkennen zu wollen. Nach den letzten Finanzkrisen sind es diese Kreise, die in der augenblicklichen Situation kein Versagen ihrer Ideologie sondern ein Versagen aller („auch die Häuselbauer waren gierig“) aber in erster Linie des Staates („die Politiker haben zugeschaut“) sehen wollen.

Vermutlich müssen wir uns damit abfinden, dass ein derartig mannigfaltiger Begriff, wie der der Freiheit, für den täglichen Gebrauch, nahezu unbrauchbar ist, es sei denn, man verwendet ihn wie einst Voltaire:

„Ich bin nicht Eurer Meinung, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr Euch ausdrücken könnt.“

Ob er das wirklich so gesagt hat, darüber herrscht jedoch Unklarheit.

„Die Freiheit nehm’ ich mir!“ -VISA
http://www.youtube.com/watch?v=U8pgscP7Rzw http://www.gwa.de/images/effie_db/1997/72537_244_Visa.pdf

Written by medicus58

28. März 2012 at 08:46

Let’s learn English with our Politicians:

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Legendär das „the world in Vorarlberg is too small“ unseres Ex-Minister Gorbach: http://www.krone.at/Oesterreich/Uebelsetzer-Preis_fuer_Gorbach-Uebelsetzer-Story-79345

Ein Heuler Maria Fekters Shortly without von Delayhttp://www.youtube.com/watch?v=V-0Av59JbO4 aber auch andere „figures„: http://www.youtube.com/watch?v=V77dHmx4Aes

Darabosch http://tvnewsroom.consilium.europa.eu/event/foreign-affairs-council-defence-march-2012/arrival-and-doorstep-at-darabos-part-2/

Strasser (Originalvideo von Sunday Times gelöscht) http://www.news.at/articles/1111/8/291957_s1/ernst-strasser-o-toene-aufdecker-videos-nachlesen

Spindelegger http://www.youtube.com/watch?v=Ub1MLvqVYdQ

Faymann http://www.youtube.com/watch?v=S_zoOmyaF6M

Fischler „clearlyhttp://www.youtube.com/watch?v=OuQQLiFU4RQcomplex and higher uphttp://www.youtube.com/watch?v=KWp53dniJMQ

Sommelier Mr. Nikolaus Berlakovich.mov http://www.youtube.com/watch?v=3dOhsV7zhCw

Wie die Presse schon vor einiger Zeit demonstrierte, reihen sich unsere Politiker würdig ein, in den internationalen Chor bzw. We are all sitting in one boat: http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/537528/Sitting-in-one-boat_Politiker-sprechen-Englisch?gal=537528
Bildnachweis: Education Publishing House http://www.kid-talk.vn/home/us_en-website-thieu-nhi.html

I FICK DEI MOTTER

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Diese Aufschrift findet sich in der Umgebung des Weststadiums in Wien Hütteldorf. 
Angebracht wurde sie offenbar von einem Mitglied der Ultras 1988 (http://www.ultrasrapid.at/), da ein diesbezügliches Impressum, gleichsam ein „Bekennerschreiben„, knapp daneben aus offenkundig derselben Hand bzw. Sprühdose stammte.

Das Graffiti entspricht auch inhaltlich dem Credo dieser Gruppe:
In Österreich selbst werden keine Freundschaften gepflegt, auch wenn es in der Vergangenheit gute Kontakte zu den Verrückten Köpfen aus Innsbruck und Gruppen des GAK gab.“

Wir wollen hier gar nicht auf den erst jetzt 
in erster Instanz beendeten Prozess gegen 85 Rapid-Fans verweisen (http://derstandard.at/1331206901448/Causa-Westbahnhof-Weitere-fuenf-Rapid-Fans-muessen-ins-Gefaengnis
 oder uns an den Spekulationen beteiligen, 
ob denn Ultras bei den Ausschreitungen in Athen beteiligt waren (http://www.sportnet.at/de/rapidwien/102463253860/mischten_rapidultras_in_athen_mit).

Mir geht es auch nicht um ein Aufwärmen
meiner früheren Aussagen zu diesen Erscheinungen:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=38253
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=38325

oder mein Unverständnis, weshalb die Stadt Wien hier die 
Spendierhosen an hat, während sonst sparen angesagt ist:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=48679

Was mich seit Monaten beschäftigt, solange prangen die Schriften nämlich dort schon, sind primär zwei Probleme:

Was will uns der Künstler sagen?
Warum sagt er es dergestalt?

Meinen ersten Kontakt mit diesem Topos hatte ich während eines Online Backgammon Spieles gegen einen mir unbekannten Mitspieler. Zur Erklärung sei hinzugefügt, dass es dabei, wie bei vielen Online-Spielen auch die Möglichkeit zum Chat gab. In der Vergangenheit entwickelten sich so oft kurzweilige Unterhaltungen, z.B. mit einem Griechen, der in die USA ausgewandert ist, sich dort mit Griechisch-Unterricht finanziell über Wasser hält, aber nur daran denkt, wie er wieder nach Hause kommen könnte, weil „die Amerikaner doch so kulturlos seien …“, oder mit einem Argentinier, der mir sagen konnte, wie es nun auf einem meiner Lieblingsplätze in Buenos Aires aussieht.

Als ich, was selten genug passiert, in einem Spiel einen guten Lauf hatte, schickte mir mein (in diesem Fall türkisches) Gegenüber folgende Meldung auf meinen Desktop:

ananı sikeyim

Als ich meinem Gegenüber freundlich mitteilte, dass ich ihn nicht verstehe und er mir, bitte, sein Anliegen auf Deutsch oder Englisch mitteilen möge, kam mit einiger Verzögerung, die Übersetzung, die man auch auf der Hütteldorfer Hausmauer lesen kann, nur sprachlich etwas besser, was für unseren Fall hier vielleicht auch bezeichnend ist.

Ich wünschte meinem „Gegner“ viel Spaß, nannte ihm das fortgeschrittene Lebensalter meiner Mutter und beendete den Chat.

In meinem ersten Erklärungszwang dachte ich, dass uns dieser Ausspruch in erster Linie vermittelt, dass es jüngere Gesellschaften als unsere gibt, in der der Verweis auf die mütterlichen Sexualität, noch eine realistische Bedrohung für das Opfer und keine Mutprobe für den Täter darstellt. (Wobei es natürlich offen bliebt, ob hier einverständlicher oder gewaltsamer Sex stattfinden soll…).
Da sich der unsägliche Sager aber offenbar auch im russischen Slang „Mat“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Russischer_Mat) findet und die Alterspyramide Russlands etwas steiler als die Anatoliens (sorry, für das pars pro toto) ist, bin ich mir hier nicht ganz sicher …

Vermutlich zeigt der Spruch, dass Sigi Freud mit seinem Ödipuskonflikt (http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96dipuskonflikt) noch immer nicht ganz anachronistisch wurde, will heißen, dass Mitscherlich mit seinem Kaspar-Hauser-Komplex falsch liegt und man manchen Mann mit der Eröffnung, man hätte sein Sehnsuchtsobjekt bereits konsumiert, noch immer tief zu treffen vermag.

Wenn wir uns nun aber der Form der Mitteilung annähern, dann fällt in erster Linie die 
esperantoartige, jede Grammatik verabscheuende, geradezu lautmalerische Umsetzung ins Ohr.

Mit Germish ist der Satz nur unzulänglich beschrieben. Er durchschreitet scheinbar mühelos mehrere Sprachebenen (von Niveaus zu sprechen verbiete ich mir einmal, um nicht zu scharf am absoluten Nullpunkt vorbei zu schrammen), gemahnt kurzzeitig an längst vergessene Lateinstunden, um sich dann in der phonetischen Umschreibung des Wortes „Mutter“, als das zu entlarven, was schon anfänglich zu befürchten stand: 

Ein Trottel, der seine inhaltliche und sprachliche Impotenz auf anderer Leute Wände abspritzt und sich nicht einmal der exakten Aussprache (egal ob hochsprachlich oder im Dialekt) eines der Worte sicher ist, das Kleinkinder als eines der ersten gelernt haben.

Während wir uns hier seit Tagen an den höheren Ausformungen 
sprachlicher Korrektheit (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54875
und visuellem Gendering 
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54758) abarbeiten, 
zeigt uns dieses Beispiel, wo die wahren Hunde begraben sind:

In der abgrundtiefen Dummheit, die –im Gegensatz zu ihrem grammatischen Geschlecht- hier definitiv männlich ist.

Links für die, die es nicht glauben wollen:
http://www.deine-mutter.de/2009/03/20/deine-mutterde-is-back/  
http://de-de.facebook.com/pages/Ich-ficke-deine-Mutter-wenn-ich-klatsch/280319252016058
http://reime.woxikon.de/ger/ich%20ficke%20deine%20mutter.php

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