Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for März 2020

Die Schulen sind zwar zu, aber die Älteren erkranken weiter

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31.3.2020 21:40

Dieser Blog verfolgt schon seit längerer Zeit den Anteil der >64 Jährigen an den nachgewiesenen COVID-19 Fällen. Anfänglich war diese Gruppe die am dritt-stärksten betroffene, bald lag sie knapp an Platz zwei und heute (siehe oben) hat sie sich abgesetzt und kämpft um Platz eins.

Heute wird das erstmals von den Medien thematisiert:

80 Jahre war das Durchschnittsalter der Personen, die bisher in Österreich durch das Coronavirus oder mit ihm an einer potenziell anderen Ursache verstorben sind. Das sagte der Public-Health-Experte Martin Sprenger im Ö1-Mittagsjournal. Sprenger bezog sich dabei auf die ersten 89 der bisher 128 Toten (Stand: Dienstag, 9.30 Uhr) – und forderte als Konsequenz den besseren Schutz von Pflegeheimen.

Jetzt hat es auch die Krone bemerkt, aber auch hier wird relativiert:

dass alle Personen zwar positiv auf das Virus getestet wurden und daher als „Covid-Tote bzw. Toter“ geführt werden – doch diese Menschen können aber auch wegen einer anderen Ursache verstorben sein.

Während ich das hier schreibe macht daraus auch Armin Wolf in der ZIB2 ein Thema, spät aber doch.

Die richtige Frage würde aber lauten:
Jetzt hat unsere Regierung unter Inkaufnahme eines wirtschaftliche Desasters und einer Bildungskatastrophe dem Land zu einer Notbremsung veranlasst, um das Gesundheitssystem und die Alten zu retten, aber, um von all den anderen Patienten, die aktuell nicht adäquat versorgt werden können einmal zu schweigen, konnte offenbar das Ziel „Wir schützen unsere Alten“ trotz einer teuren Werbekampagne nicht erreicht worden.

Wäre da ein Umdenken nicht langsam anzudenken, oder sollen wir uns noch ein paar Wochen den Bundesmaturanten anhören, dass ER nicht mehr hören will, was alles nicht funktioniert.

Written by medicus58

31. März 2020 at 22:05

Nachdem wir das Ziel endgültig aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen oder die Amulette in Zeiten von Covid-19

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Dieses Zitat von Samuel Langhorne Clemens, besser bekannt als Mark Twain fällt einem beim letzten Scoop unserer Bundesregierung ein. Ab Morgen erhalten wir angeblich vor allen Supermärkten eine Nasen-Mund-Maske, von der die WHO weiterhin nicht glaubt, dass sie irgendwas bringt, außer man ist selbst krank oder pflegt einen Kranken.

Egal, darum soll es nicht gehen, auch nicht um die drögen Berechnungen wie viele Viren man einerseits durch die Gewebsstruktur der Maske niesen kann bzw. andererseits seitlich einatmen kann.

https://livedoor.blogimg.jp/nwknews/imgs/0/2/02d9cc47.gif?fbclid=IwAR0_4MQPOki6NV1hoF2ww64vg7_jH1B9gGZIul-hjOV-Dhqe1ItlwRlTvYc

Natürlich kann man nachweisen, dass ALLES WAS MAN SICH VOR MUND UND NASE HÄLT, irgendwie und ein bisschen was bringt und wenn es Jute statt Plastik ist.
Natürlich kann man Straßen für Fußgänger sperren (Grüne Stadträtin Hebein) obwohl man sich als Grüner Vizekanzler noch kürzlich über die Menschen in den selbst geschaffenen Begegnungszonen erregt hat. Weniger natürlich wie die Rote Kreuz App so funktionieren soll, wie es Kurz gestern in der ZIB Spezial erklärt hat: „Wir legen unsere Handys zusammen und wenn einer von uns infiziert ist schickt eine SMS den anderen zum Test„. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Musterschüler Südkorea, dort wurden nur weniger als 6 Promille der Bevölkerung getestet. Die raschen Erfolge sind vermutlich eher so groß, weil rasch zwei hot spots (eine Sekte und ein Call-Center) identifizieren und die dort positiv Getesteten in ihre Überwachungsapp einfütterten.

Keiner will in der Krise untätig erscheinen, jeder will alles getan haben was möglich ist, und das Schlimmste ist, dass sie alle Recht behalten werden:

Das Virus wird uns nicht alle umbringen und jede Kritik wird später daran abprallen, dass ohne die Maßnahmen es noch viel mehr Tote gegeben hätte … Beweisen Sie dann mal das Gegenteil. Damit verlassen wir aber den Bereich naturwissenschaftlicher Maßnahmen und schwappen in den Bereich von Magie und Religion, die ebenfalls per definitionem nicht widerlegbar sind.

Welche Rolle spielt also die Mund-Nasen-Maske?
Sie spielt die gleiche Rolle eines Amuletts: Ein Amulett ist ein tragbarer Gegenstand, dem magische Kräfte zugeschrieben werden, mit denen er Glück bringen (energetische, sakramentale Wirkung) und vor Schaden schützen (apotropäische Wirkung) soll.

Wer dran glaubt, für den wirkt es eh.

Unabhängig davon bleibt meine Verwunderung, weshalb die Aktivitäten auf den Supermarkt und nicht auf das Gesundheitssystem konzentriert werden, obwohl letzteres doch geschützt werden soll (Supermarkt statt Superkrankenhaus)

Written by medicus58

31. März 2020 at 16:59

Supermarkt statt Superkrankenhaus

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Es ist ja nicht so, dass ich mich maßlos vor dem frühen Korona-Tod ängstigte, obwohl ich schon ziemlich an die oberen Risikogruppen schramme, aber natürlich habe ich mich auch an die Vorgabe meiner Dienstgeberin gehalten und trage seit über einer Woche bei jedem Patientenkontakt nun eine Mund-Nasen-Maske.

Warum das zwar im Wiener Krankenanstaltenverbund (oder wie der gerade heißt) so vorgeschrieben wurde, im Niederösterreichischen Schwesterbetrieb (noch) nicht, wollen wir jetzt mal nicht hinterfragen, die ganz großen Tröpfchen wird es schon aufhalten, in beiden Richtungen, also gut.

Seit heute wissen wir, dass der kreisenden Krisenstab um unseren Bundesmaturanten, solche Masken ab Mittwoch verbindlich in allen Supermärkten vorschreiben wird, auch gut, wenn Billa und Co. die rechtzeitig auftreiben und die Menschen lernen damit umzugehen.

Was ich aber dann nicht mehr so ganz verstehe ist, weshalb, wenn wir im Supermarkt schon aufrüsten, wir nicht auch im Patientenverkehr (in Praxen und Spitälern) auf ein etwas höheres Sicherheitsniveau gehen. Noch würde ich annehmen, dass die Vortestwahrscheinlichkeit im Gesundheitssystem auf Kranke zu treffen etwas höher sein sollte, als im Supermarkt.

Written by medicus58

30. März 2020 at 16:38

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Die lügen doch alle die Chinesen

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Seit Beginn der Covid-19 Pandemie verhindern Ressentiments gegen die VR China einen rasche Reaktion auf das SARS Cov2.

Erinnern wir uns.

In Phase 1 überschwemmen uns die Medien mit Fledermaus essenden Chinesen. Dass der Virusbringer vermutlich das Schuppentier war deutlich weniger Meldungen wert.

In Phase 2 schauderten uns die rigorosen Freiheitsbeschränkungen, die natürlich nur in einer kommunistischen Diktatur möglich schienen.

In Phase 3 schwenkten wir übergangslos von den Gruselbildern chinesischer in die der italienischen Spitäler. Obwohl chinesische Wissenschaftler 3 Tage nachdem das offizielle China die Epidemie offiziell machte, das Virus Genom der internationalen Forschung zur Verfügung stellte, glaubten die amerikanische CDC einen eigenen Weg gehen zu können (What Went Wrong with Coronavirus Testing in the U.S.) und verkannte so lange Zeit die Dimension des Problems vor der eigenen Tür. Die großen Fallzahlen in NYC resultieren zum Teil auch daraus, dass sich die Stadt von der FDA einen eigenen Test erlauben ließ, da sie erkannten, dass der CDC Test unbrauchbar war.

In Phase 4 erzählten wir uns atemlos, dass einem der chinesischen Whistle-blower erst nach seinem Tod geglaubt wurde, während auch bei uns die ersten Fälle ebenso unter den Teppich gekehrt wurden, weil sie politisch und ökonomisch nicht ins Konzept passten.

Aus China lagen wenige Wochen nach dem Ausbruch wissenschaftliche Publikationen über die klinischen Erfahrungen mit dem Problem vor und fast alle Länder übernahmen die rigorosen chin. Maßnahmen, die sie kurz davor noch kritisiert haben.

In den Medien zirkulieren weiterhin endlose Listen mit behaupteten chinesischen Lügen (The Comprehensive Timeline of China’s COVID-19 Lies), nicht nur aber besonders in den USA. Zahlreiche Modelle werden durchgerechnet und der lokale Verlauf der Infektionswelle prognostiziert, weil den Daten aus China ja nicht zu trauen ist. Nur wird da halt aus dem Palmsonntag, der Ostermontag und inzwischen Pfingsten, was ziemlich genau der Dauer der Heißen Phase in Hubei entspräche, aber den Chinesen ist nicht zu trauen.

Verstehen Sie mich richtig, mir liegt es fern das politische System in China sympathisch zu finden, aber die Verlogenheit mit der den Chinesen misstraut wird, obwohl wir im wahrsten Sinn immer atemloser auf die Lieferung von chinesischen Schutzanzügen und -masken warten ist nicht nur ärgerlich sondern auch gefährlich.

In Sachen Selbstschutz des Betreuungspersonals, Triage und Therapie hatten die Chinesen einen Vorsprung von einigen Wochen von dem wir profitieren hätten können, haben wir aber beidseits des Atlantik wohl nicht

Written by medicus58

29. März 2020 at 09:57

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Wer über 80 ist wird nicht mehr beatmet

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Der Standard kombiniert seinen Bericht über die Triage in Elsässischen Intensivstationen zielsicher mit der richtigen Werbebotschaft.

Written by medicus58

29. März 2020 at 09:13

Zwei Beobachtungen zur aktuellen Covid-19 Situation

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Die Maßnahmen der Bundesregierungen haben nach eigener Aussage zwei wesentliche Ziele. Erstens sollen die Spitäler (Intensivstationen) geschützt werden, zweitens die Risikogruppe der betagten Mitbürger.

Aktuell sind in Österreich im Mittel 18% der hospitalisierten Patienten auf einer Intensivstation. Es fallen jedoch große Schwankungsbreiten zwischen den Bundesländern auf. Reiht man die obige Tabelle nach dem Anteil der Intensivpatienten so fällt auf, dass die Bevölkerungs- aber auch Spitalsbetten-starken Bundesländer (W, OÖ, NÖ) einen geringeren Anteil an hospitalisierten Patienten auf die Intensivstation schicken (müssen), während nicht nur im Westen (S,T,V), wo der Anteil an positiv getesteten Patienten sowohl absolut als auch relativ zur Bevölkerungsgröße hoch ist, sondern auch im SO (K, B) relativ mehr der hospitalisierten Patienten gleich auf der Intensivstation landeten. (erste Spalte Zahl der Hospitalisierten, zweite Spalte Zahl auf der Intensiv, dritte Spalte %)

Wien1291411
Oberösterreich821012
Niederösterreich1271814
Steiermark1252318
Salzburg481021
Tirol1663823
Vorarlberg361028
Kärnten22836
Burgenland9444
28.3.

Update: 29.3. nur in Wien hat sich der Prozentsatz (letzte Spalte) derer die auf der Intensiv liegen erhöht. Ganz offensichtlich ist das nicht direkt mit den Steigerungsraten der Hospitalisierung korreliert, wo OÖ die höchste Steigerung aufwies und Wien im Mittelfeld liegt.

Oberösterreich1382216
Niederösterreich1602616
Steiermark1422417
Wien1763520
Salzburg531223
Tirol1854223
Vorarlberg451329
Burgenland10440
Kärnten22941

Da es schwer vorstellbar ist, das COVID-19 Bundesland-spezifisch anders verläuft, legt das den Verdacht nahe, dass die lokalen Ressourcen die Hospitalisierungsindikation maßgeblich beeinflussen. Warum man hier keine bundesweite Verteilung der Patienten durchführt, so lange das noch möglich erscheint, um eben nicht solche Brennpunkten wie Bergamo zu erleben, verstehen ich nicht.

Wie bereits früher bemerkt (Fail? : Schützen wir wirklich die Alten, schützen wir die Spitäler?) nimmt der Anteil > 65-Jährigen kontinuierlich zu und diese stellen konstant die zweit-häufigste Altersgruppe dar.

n%
<5210,3
5-141742,1
15-247369,1
25-34122015,1
35-44120214,9
45-54175721,7
55-64141917,5
>64156519,3

Auch hier fehlen mir am 13.Tag der Maßnahmen neue Ansätze, wie man die selbst gesteckten Ziele besser erreichen könnte als bisher.

Mir scheinen diese beiden Beobachtungen wesentlicher als so manche Jubelmeldung:

Kurier: Mit Stand 15 Uhr gab es Samstagnachmittag 8.030 Corona-Fälle in Österreich – im Vergleich zu 24 Stunden davor bedeutet dies ein Wachstum von nur 7,9 Prozent – also erstmals einstellig in Österreich

Salzburger Nachrichten: Patient von Wiener Lungenfacharzt negativ

International Business Times: Prince Charles Reportedly Didn’t Contract Deadly Coronavirus From Prince Albert

Written by medicus58

28. März 2020 at 18:27

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Monothematisches Denken in der Krise gefährdet auch das Gesundheitssystem

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Blickt man auf das Dashboard des Gesundheitsministeriums, dann wird man durch die, ja wir haben es alle begriffen, exponentielle Wachstumskurve einer Pandemie geschockt und jedes Mittel erscheint gerechtfertigt, um Leben zu retten.

Zu Beginn der Maßnahmen habe ich schon befürchtet, dass die Kur schlimmer als die Krankheit werden könnte und bin da nicht der einzige der das so sieht. Auch wenn das alles so klingt, als würde man rechtspopulistischen Verschwörungstheoretikern nach dem Mund reden, so sei doch darauf hingewiesen, dass aktuell zwei Umstände relativ klar sind:

1. In ca. 80% der Erkrankten heilt COVID-19 ohne intensivmedizinische Maßnahmen aus und eine Therapie u/o Impfung ist für die nächsten paar Monate nicht zu erwarten.

2. Die gesundheitlichen Nebenwirkungen von Arbeitslosigkeit sind medizinisch wohl definiert:

Eine aktuelle Analyse des gerade jetzt sehr bekannt gewordenen deutschen Robert Koch Instituts aus 2003 ist frei lesbar im Netz: Link

Grundsätzlich gilt, dass Arbeitslose, im Vergleich zu Berufstätigen, in Bezug auf alle Diagnosekapitel eine höhere Inanspruchnahme von Krankenhausleistungen aufweisen (gemessen an der Verweildauer).

Extrem verkürzt kann man das auch so zusammenfassen:
Wenn wir die Spitäler schützen wollen, sollten wir auch die Anzahl der Arbeitslosen beachten.

Es kann fatal werden sich darauf zu verlassen, dass Arbeitslosigkeit nicht infektiös ist. Mich würde interessieren wie das in unseren Simulationsspielen berücksichtigt wird.

Written by medicus58

27. März 2020 at 07:38

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