Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for April 2012

Morgen ist Erster Mai

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An historischen Abhandlungen zu diesem Thema ist kein Mangel, 
was hier auf diesem Blog zwar noch nie als zwingender Grund aufgefasst wurde, nicht trotzdem den eigenen Senf dazu zu geben.

Schließlich hat schon Karl Valentin bemerkt, dass 
schon alles gesagt wurde, aber halt noch nicht von allen … 
http://www.karl-valentin.de/zitate/zitate.htm

und Andre Gide meinte treffend: 
Alles ist schon einmal gesagt worden, aber da niemand zuhört, muss man es immer von neuem sagen. http://www.janko.at/Zitate/DE/014.htm

Trotzdem soll hier nichts Schwerwiegendes über den 
Tag der Arbeit, oder den
Kampftag der Arbeiterbewegung 
gesagt werden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Mai

Für die wenigen, die noch in Wiener Gemeindebauten wohnen, die bis heute allen Renovierungswellen getrotzt haben, könnte sich die Frage auftun, weshalb bds. an den Fensterstock, diese kleinen Metallröhrchen angenagelt wuren, in denen Sommers so manche Wespe ihr Netz installiert hat.

Für meinereins, der vor scheinbar endloslanger Zeit in einem dieser „Wohntempel der Arbeiterbewegung“ aufgewachsen ist, erschloss sich der Zweck dieser Installation nur einmal pro Jahr und im Laufe der Jahre immer seltener.

Es handelte sich dabei um kleine Fahnenständer, die die charakteristischen Wimpel mit dem „3-Pfeil-Abzeichen“ zu halten hatten,
 die jeder stolze Mieter einer Gemeindebauwohnung bei seinem Einzug ausgehändigt bekommen hat, zumindest in den späten 50er Jahren.

Da sich die SPÖ schon längst nicht mehr dieses Symbols bedient, müssen wir uns heute von der SPÖ Donaufeld über ihre Bedeutung aufklären lassen:
http://www.donaufeld.net/index.php?site=inhalt/dreipfeile.dat  

Nachdem die Barbarei des Faschismus beendet worden war, wurden die die drei Pfeile das offizielle Kampfabzeichen unserer Sozialdemokratischen Partei. Als Zeichen der Einheit der Partei kam noch ein roter Ring, der die Pfeile umschloss, dazu.

Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
Wir wollen es schaffen: Die Menschheit sei frei!
So treffe des ersten gesammelte Kraft
Den Kapitalismus, der aussaugt und rafft;
Denn wird nicht der uralte Erzfeind gefällt,
bleibt uraltes Unrecht die Geißel der Welt.

Kapitalismus, Faschismus, Reaktion;

schlaget die drei und die Menschheit ist frei!Arbeiterzeitung, September 1945) 
Seit einigen Tagen prangt auf den Anschlagwänden das neue Abzeichen der Sozialistischen Partei Österreichs, die drei silbernen Pfeile im roten Ring. Das Abzeichen zum Anstecken besteht aus den drei silbernen Pfeilen mit dem roten Ring in ausgestanzter Form. Auf rotem Grund – Fahnen, Draperien, usw. – ist das Bild ganz in weiß anzubringen. Eine Ausführung ganz in schwarz kommt hauptsächlich für Schriftplakate, Flugblätter, usw. in Frage. Auf weißem Grund muss das ganze Abzeichen entweder vollrot erscheinen oder mit rotem Ring und den Pfeilen in schwarzer oder grauer Strichzeichnung, als Emblem an Fahnenspitzen lediglich in Silber oder Gold.
Keine Ahnung, wie das 1945 war, sooo alt bin ich nun auch wieder nicht, ich kann mich nur erinnern, dass während meiner Volkschulzeit doch die meisten Fenster beflaggt waren und das dann rasch abnahm.

Heute – ich wohne schon längst nicht mehr dort – ist kein Fenster beflaggt,
ich nehme an,
weil dort die ehemaligen Holzfenster schon längst durch moderne Kunststofffenster ersetzt wurden (LOL) und man einfach den Wärmedämmwert nicht durch das Anbohren der Fensterstöcke gefährden wollte, … oder  LOL

Deshalb eben kein Foto sondern nur eine Zeichnung, … 
Freundschaft Genossen 😉

Wir sind friedlich – was seid ihr?

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Was auf dem Screenshot aussieht, als würden sich Einsatzkräfte um eine gestürzte Frau kümmern, war eigentlich etwas ganz anderes. 

Gestern, am 26.April, fanden in Wien zwei Räumungen auf zwei verschiedenen Universitätsgeländen statt:

Beitreiber des Projekts Grossstadtgemüse – http://grossstadtgemuese.wordpress.com/
http://tuewi.action.at/de/gemuese
eines Forschungsprojekts der Bodenkultur- wurden ohne Vorwarnung von der seit 2 Jahren bewirtschafteten Teilfläche eines Grundstückes in der Gerasdorferstr.105 im 21. Bezirk durch einen privaten Sicherheitsdienst vertrieben und Privateigentum zerstört, http://youtu.be/qmkRCdsLZHw
da parallel dazu eine andere Besetzung Landbesetzung der SoliLa (SOLIdarisch LAndwirtschaften Jedlersdorf)
http://youtu.be/loiPjRS_bws
geräumt werden sollte.
Blog und Erfahrungsberichte:
http://17april.blogsport.eu/
http://platzda.blogsport.eu/2012/04/26/raumung-solila-2/
Zeitungsberichte:
http://derstandard.at/1334796288491/Wien-Floridsdorf-Boku-liess-besetztes-Feld-von-privaten-Sicherheitskraeften-raeumen
http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/752794/Boku-laesst-von-Studenten-besetztes-Feld-raeumen

Gestern wurde auch die WEGA (http://yfrog.com/5zf1vz) eingesetzt, um Studierende, die parallel zu einer Sitzung des Senats der Wiener Universität demonstrieren, aus dem Universitätsgebäude zu vertreiben.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=57093
Zeitungsberichte:
http://studi.kurier.at/news/2559-studis-blockierten-senatsstizung.php
http://www.vienna.at/proteste-gegen-studiengebuehren-auf-der-ringstrasse-am-donnerstagabend/3234803
http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/752921/Uni-Wien_Studiengebuehren-werden-wieder-eingefuehrt
Ich bin in beide Vorfälle nicht persönlich involviert, ich bin nur über die Bilddokumente entsetzt, so dass ich sie hier dokumentieren möglich.
Nachdem zur großen Erleichterung von BuMi Töchterle nun eine Uni nach der anderen Studiengebühren beschliesst, bleibt die Frage offen, ob diese Gebühren nicht direkt an die Hel-Wacht oder den Club der Freunde der Wiener Polizeit überwiesen werden sollten ….

Vergleiche auch:
http://paper.li/15o_vienna/1335350539
http://danielweber.at/2012/04/30/erganzende-stellungnahme-vom-projekt-grossstadtgemuse-zur-landbesetzung-in-wien-floridsdorf/ 

Fordismus im Spital: Das Geld liegt auf der Strasse?

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IHS-Studie: Sparpotenzial von zwei Milliarden bei Spitälern,
titelte der Standard: http://derstandard.at/1334796297731/IHS-Studie-Sparpotenzial-von-zwei-Milliarden-bei-Spitaelern  

Da haben wir es wieder, tun wir besser Spezialisieren, 
tun wir besser Kooperieren,
heben wir die Potentiale und schon geht’s.

Interessant: Diese Studie wurde 
von der Vinzenz-Gruppe (http://www.vinzenzgruppe.at/bezahlt
Dabei handelt es sich um den größten privaten Krankenhausträger Österreichs:

Krankenhäuser der Barmherzigen Schwestern Wien, Linz und Ried,
Orthopädische Spital Speising, Wien
St. Josef Krankenhaus, Wien
Göttlicher Heiland, Wien
Herz-Jesu, Wien

2.200 Betten und 5.000 Mitarbeiter!

Im Vergleich dazu der Anteil der 
Akutversorgung des Wiener Krankenanstaltenverbundes 
(Zahlen aus den letzten Geschäftsbericht 2010)

(Betten/Mitarbeiter)
AKH 2134 /6811
KES 251/708
RUD 805/2508
Hietzung/Rosenhügel 1134 /3326
Gersthof 114/254
Baumgartner Höhe/OWS 1126/2500
Floridsdorf 202/570
Donauspital 978/3395
Sophienspital 94/246
KFJ/Preyer 777 / 2413
Psych Ybbs 145/326
Wilhelminenspital 1075/3271

Das ergibt über 8800 Betten mit über 26300 Beschäftigten. 
Dass der KAV darüber hinaus eine große Anzahl an Geriatriezentren und insgesamt 33.000 Mitarbeiter beschäftigt, sei hier einmal weggelassen.

Wenn sich nun die Frage auftut, weshalb die „Heiligen“ der Vinzengruppe als kleiner Player das knappe Geld ins IHS (Institut für Höhere Studien) tragen, um sich eine Studie zu bestellen, dann wird die Antwort bald klar, wenn man die Kurzfassung der Studie überfliegt http://www.vinzenzgruppe.at/media/pressearchiv_doc/12Studie_Kurzfassung_FIN_0425.pdf

Laut der Studie können auch kleine Spitäler wirtschaftlich effizient arbeiten, wenn Kooperationsmodelle umgesetzt werden. Dies sei dann auch eine Alternative zur Schließung von Standorten, betonte der Geschäftsführer der Vinzengruppe Heinisch.

Aha, haben wir nicht bisher gehört, dass man kleine Standorte schließen müsse, weil die nicht ökonomisch arbeiten? Wird deshalb nicht dzt. in Wien das Kaiserin Elisabeth Spital, das Sophienspital und Gersthof verlagert?http://www.wien.gv.at/gesundheit-soziales/spitalskonzept.html

IHS-Text: „Sowohl bildgebende Verfahren, Labordiagnostik, Pathologie, Sterilisation als auch Küche, Einkauf und Verwaltung lassen sich für mehrere Spitäler gemeinsam erledigen, sodass mögliche Kostennachteile von kleineren Spitälern ausgeglichen werden.“

Supi, das ist die Begleitmusik zur Planung des Krankenhaus Nord im Wiener KAV. Was heißt das konkret: 
Es reist der Patient, seine Proben und sein OP Besteck durch den Stau!

Es gab z.B. einmal einen Planungsstand, an dem diskutiert wurde, im KH Nord völlig auf die Pathologie zu verzichten und Proben, sowie Leichen (für letztere ist der Transport weniger zeitkritisch) ins Donauspital zu schicken. Wenn wir den Wiener Verkehrsstau berücksichtigen, schaut das für die intraoperative Diagnostik (Chirurg entnimmt im OP eine Probe und wartet auf den pathologischen Befund, um zu entscheiden, wie radikal er operieren muss) ganz mau aus.

Für die Zentralsterilisationen, die im KAV ja umgesetzt werden, heißt das zusätzliche Endoskope, OP-Bestecke, …etc. weil sich die „Turn- Around-Zeiten“ durch die Transporte zu einem anderen Standort verlängern, so dass man zusätzliches Gerät benötigt, um einen Patienten nach dem anderen untersuchen oder operieren zu können.

Für die bildgebenden Verfahren (Röntgen, CT, MR, Nuklearmedizin) heißt das, dass entweder der Arzt den Patienten, dessen Bilder er befunden soll, gar nicht mehr zu Gesicht bekommt (Tele-Radiologie, so wie das an vielen Standorten während der Nachtstunden bereits üblich ist) oder der Patient für sein Röntgen einen Hin- und Rücktransport benötigt. Auch letzteres existiert bereits, wo man an den neuen Geriatriezentren auf die (natürlich teure) Installation lokaler Röntgenanlagen verzichtet.

Der größte Wahnsinn, der sich seit einigen Jahren durch die Gehirne der Gesundheitsökonomen zieht, ist der Einsparungseffekt durch Schwerpunktbildung. 
In der IHS Studie fällt darauf auch der größte Anteil (795 Mio Euro) dieses Wunschkonzertes.

Es klingt ja auch so logisch und nach der Win-Win-Situation, die alle spieltheoretisch Geschulten suchen. Es ist auch die Erfolgsstory des Fordismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Fordismusder industriellen Warenproduktion am Fließband:

Zerbrechen eines Prozesses auf kleine, sich wiederholende Teile,
die von nur auf diesen „Handgriff“ spezialisierten Personen („Spezialisten“) hoch repetitiv abgearbeitet werden, Fließband eben.

Die „Qualitätsberater“ feiern diese Entwicklung noch mit dem Hinweis auf die hohe Qualität mit der dieser einzelne Handgriff (z.B. Mammografiebefund, Blinddarmoperation) geliefert wird, da ja bekanntlich „Erfahrung den Meister macht“.

Gegen diese zwei Erfolgsversprechungen, ist scheinbar schwer zu argumentieren, denn es entspricht der Erfahrung aus der Fertigungsindustrie, dass „Tin Lizzy“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Ford_Modell_T) ja wirklich billiger und so für den Normalverbraucher erschwinglich wurde.
und kaum jemand möchte bezweifeln, dass ein Operateur, der seine erste OP durchführt i.d.Regel mehr Komplikationen hat, als wenn er den Eingriff schon ein Dutzend mal durchgeführt hat. Man kennt das auch als „Lernkurve“.

ABER

Erstens ist die Medizin keine Fertigungsindustrie und zweitens flacht die Lernkurve einmal ab und kann (bei zunehmendem Desinteresse oder Überlastung auch wieder fallen). Auch kann Überspezialisierung betriebsblind machen, was nur am Fließband nicht aber in einem komplexen Prozessablauf unerhebblich ist.

Warum ist die Medizin keine Fertigungsindustrie?

In der Warenproduktion spielt der Diagnosegang keine Rolle
bzw. ist an die (meist von der Gemeinschaft und nicht vom individuellen Industrieunternehmen bezahlten) Forschung ausgelagert.
Ehe die ganzen Fließbandleistungen, für die man in der Medizin bezahlt wird losgehen, ist in den meisten Fällen die ganz banale Frage abzuklären, was hinter seinem „Herr Doktor, mir geht’s nicht gut“ eigentlich steckt.

Natürlich gibt’s da Leitlinien und Algorithmen, was die aber alle nicht vermögen, ist eine möglichst fehlerfreie Übersetzung der geäußerten Beschwerden. Wie schon ganz früh auf diesem Blog angeführt, müssen „Herzschmerzen“ nicht immer die Ursache in dem „supradiaphragmalen Muskel“liegen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31564), so dass die Leitlinie: Abklärung der Angina pectoris rasch mehr kosten als bringen kann.

Für die Fertigungsindustrie ist klar, dass ein Auto produziert werden soll, und das ging am Fließband mit Spezialisten einfacher.
In der Medizin verlangt gerade die Abklärung des eigentlichen Zieles (Leistungsanforderung) den Generalisten und nicht den Spezialisten.

Da diese ärztliche Tätigkeit (ärztliches Gespräch, Nachdenken, Hinterfragen) kaum finanziell abgegolten wird, können wir immer mit Studien belästigt werden, die erst hinter diesem Prozessschritt anfangen von Einsparungen herumzufaseln.

Also warum hat die Vinzenzgruppe dem IHS Geld für eine Studie bezahlt?

Damit sie „was in der Hand haben“, um ihre Existenzberechtigung „als kleine Häuser“ beweisen zu können, und um den schon laufenden „Privatisierungsprozess“ des öffentlichen Gesundheitssystems zu untermauern:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53877  
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53958  
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54026  

Dazu passen auch Bestrebungen von der Stadt Wien, 
das St. Joseph Spital (Vinzengruppe) zu der Gebärklinik Wiens,
man nennt das dort Eltern-Kind-Zentrum, Wiens aufzuwerten 
http://www.sjk-wien.at/media/pdf_stjosef/Medieninformation_Geburtenrekord_2012_01_12.pdf
 
Aber trotz Geburtenrekord wird es dort erst ab 2016 (!) eine neonatologische Überwachung geben, denn das ist wieder teuer und bis dahin ist es billiger, wenn kritische Neugeborenen rasch mal ans AKH, ins Wilhelminenspital, an die Rudolfstiftung oder ins Donauspital gebracht werden, denn die öffentliche Hand leistet sich so was natürlich.

Somit ist es entweder pure Unwissenheit oder blanker Zynismus, wenn man von Einsparungen durch Spezialisierung spricht und dabei noch von einer Zunahme der Prozessqualität faselt …
Und natürlich freut sich die Wirtschaftskammer, wenn sie hört, dass man die Lohnnebenkosten dämpfen kann: http://portal.wko.at/wk/format_detail.wk?angid=1&stid=673517&dstid=0&cbtyp=1&titel=Gesundheitssystem

Unis heute: ausgebrannt

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Während
Herr Wissenschaftsminister Töchterle
unverdrossen die Gebetsmühle „Studiengebühren“ dreht:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56671
und vor weniger als einer Woche das Audimax besetzt wurde,
u.a. als Protest gegen die
Einstellung des Bachelorstudiums Internationale Entwicklung
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56548

rückt in diesen Augenblicken schon wieder die WEGA aus, um den bereits 150 Polizistinnen zu Hilfe zu kommen, die eine erneute Unibesetzung während einer Sitzung des Senats verhindern sollen.

Prinzipiell stimme ich dem Kommentar von Dominik Leitner (http://neuwal.com/index.php/2012/04/26/unibrennt-abgebrannt/) der kurz vor der erneuten Besetzung veröffentlicht wurde, schon zu, dass Unibesetzungen vermutlich kein geeignetes Mittel mehr darstellen, um die Probleme anzugehen,

ABER SOLANGE DIE POLITIK EIN WAHRNEHMUNGSPROBLEM HAT,

fiele mir auch nichts Besseres ein.

Bildnachweis: Twitter http://yfrog.com/ob31982672j von #unibrennt

Aktuelles Video: http://yfrog.com/5zf1vz

Written by medicus58

26. April 2012 at 15:59

Stop working Start counselling

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Sollten Sie wie noch in einem klassischen Job arbeiten, dann sind Sie am falschen Dampfer. Heute stellt man keine Produkte mehr her oder schneidet anderen die Haare, bestenfalls nennt man irgendwelche Pyramidenspiele „Produkte“ und verscherbelt sie an Unwissenden.

Heute berät man!

Wie sehr bereits die ohnehin knappen Mittel im Gesundheitssystem durch eine anschwellende Gruppe an Beratern und Zertifizierern abgeknabbert werden, wurde hier schon ausgeführt (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39411), jedoch ist das nur die Spitze des Eisbergs.

Ohne Lobbying geht ja anscheinend gar nichts, wobei wir hier nicht die Geldwaschmaschinen der Österreichischen Innenpolitik in unserem Satanswinkerl (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33473) meinen. Auch die hoch offiziellen Lobbyingkosten großer Firmen lassen sich sehen:
Die NYT (http://bits.blogs.nytimes.com/2012/04/23/under-scrutiny-google-spends-record-amount-on-lobbying/) berichtet aktuell, das z.B.
Google innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres 5,03 Mill. US$ an Lobbyisten überwiesen hat.
2011 beschäftigte die Firma neben den 11 eigenen Lobbyisten nicht weniger als 12 externe Firmen. Die Ausgaben steigen hier offenbar dramatisch, denn mit dem Geld, das heuer nur für die ersten drei Monate gereicht hat, ist man letztes Jahr fast 12 Monate ausgekommen.

Einer auf http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/04/42052/
kommentierte und aus der englischsprachigen Publikation (http://www.openeurope.org.uk/Content/Documents/Pdfs/RiseoftheEUquangos2012.pdf)
stammende Grafik zeigt den dramatischen Anstieg von “Quangos” – “quasi non governmental organisations” in der EU, die ab der frühen 90er Jahre mit der Absicht gegründet wurden, um EU-Institutionen mit wichtigen Informationen zu versorgen. Auf Österreich entfallen allein für diese Strukturen 52,12 Mill. € pro Jahr.

Aber halt, DAS sind natürlich keine Lobbyisten, das sind NUR Thinktanks, die sich die EU Strukturen selbst leisten.
Wie viele „echte Lobbyisten“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Lobbyismus) in der EU „wirken, ist nicht ganz klar, Schätzungen gehen von über 15.000 Personen aus.

Wenn man Homepage der Österreichische Public Affairs-Vereinigung (sic) Glauben schenkt, kommt man auch bei uns in Österreich ohne einen professionellen „Vermittlers“ nicht an die Entscheidungsträger heran (http://www.oepav.at/ ).
Von dort können Sie sich von Firma zu Firma klicken, die es auf wunderbare Weise schaffen wollen, ohne von der Materie an sich etwas zu verstehen, die Entscheidungsträgern, die natürlich auch nichts von der Materie verstehen, von den Anliegen derer zu überzeugen, die was davon verstehen …. aber vielleicht ist das das Geheimnis:

Also tragen Sie Ihr Geld zur Leading Advisors Group oder direkt zu ihren konstituierenden Einzelfirmen (http://www.lead-group.at/
Monika Langthaler, Dietmar Ecker und Wolfgang Rosam)

Ecker&Partner Öffentlichkeitsarbeit und Public Affairs GmbH
Change Communications GmbH
brainbows Informationsmanagement GmbH
Public Interest Lobbying Consultants GmbH
Brandstätter Business Communications (BBC)
Peter Filzmaier „Institut für Strategieanalysen und Kommunikationsforschung
GmbH (ISA)“
Sophie Karmasin mit SK Market Intelligence GmbH
Be.public
Chapter 4
Digital Affairs
Lockl Strategie

Oder wenn’s etwas kleiner sein darf zu Mastermind (http://www.mastermind.cc/) oder deren Subs.
http://www.publishfactory.at/
http://www.aventus-services.com/
http://www.spracheammarkt.at/
http://www.gaisberg.eu/
http://www.agnesstreissler.at/
www.advocacy-advisors.eu

Aber vielleicht wollen Sie selbst hier ins SATANSWINKERL, denn bedienen Sie sich am bestern der Exberaterin von Wolfgang Schüssel,
… und mit ein bißchen Glück, bringt Sie die Heidi Glück dorthin
http://www.heidiglueck.at/html/home.htm

Und glauben Sie nicht, dass die paar Links hier erschöpfend waren.

Natürlich haben wir hier die Grenzen zwischen Coaching/Counselling/Supervison, Medienberatung, Campaigning, Lobbying, Thinktanks und Supervison verschwimmen lassen, aber es sollte nur einmal angerissen werden, welche Ausmaße diese „Schmiere“ unserer gesellschaftlichen Prozesse bereits angenommen hat; und um die Überlegung anzustoßen, ob all diese Geldmittel nicht besser für primäre Prozesse der Produktion und Dienstleistung verwendet werden sollten.

Auch in Österreich arbeiten hunderte Menschen daran, dass das passiert, was eigentlich natürlich sein sollte, dass die besten Argumente sich im politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozess durchsetzen, …

oder auch nicht.

Überdies sollte auch einmal bedacht werden, wieviel gute Ideen verloren gehen, weil niemand das Geld hat, sich der oben Angeführten für Stundentarife von 300 – 600 € zu bedienen.

Links:
http://www.euractiv.de/wahlen-und-macht/artikel/strengere-regeln-fr-europas-lobbyisten-004794
Magisterarbeit „Politische Beratung in Österreich – Aufbruch am Markt politischer Inszenierung“
http://othes.univie.ac.at/10534/1/2010-06-14_0303253.pdf
Zu den großen Medienberatern (Intomedia, Media Consult und Bettertogether) erschien zwischenzeitlich im Standard eine nähere Beschreibung: http://derstandard.at/1334530956420/Politikersprech-Training-fuer-das-Nichts-am-Ende-des-Tages

Apfeltasche mit Melange

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Ist Ihnen sicher auch schon aufgefallen:

Äußert man bei irgendwelchen internationalen Fast Food Ketten (McDonalds, BurgerKing, KFC, …. und so) seinen Kaufwunsch („einen Tripple Cheese Burger mit Grukerl und Mayo“), dann sind die Mitarbeiter offenkundig strengstens dazu angehalten, Ihren Einkauf zu maximieren.

Dabei geht es nicht, wie bei dem sprichwörtlichen „Darf’s a bisserl mehr sein“ des kleinen Fleischhauers, der ihnen so 14 statt der verlangten 10 dag „Extra“ anhängen will, um ein „Mehr des Verlangten“, sondern um das Wecken eines zusätzlichen Kaufwunsches:

Vielleicht eine Apfeltasche dazu?

 OK, US-amerikanischer Konsumzwang, wisssen wir eh.

Szenenwechsel: Seit Jahren wieder im Cafe Landtmann (http://de.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A9_Landtmann), einem der elegantesten und größten Café-Localitäten Wiens

Zugereisten oder Noch-nie-da-gewesenen sei erklärt, dass es zum artabhebenden Merkmal des Wiener Kaffehauses gehörte, dass man sich dort bei einem kleinen Braunen, der selbstverständlich mit einem Achterl Leitungswasser serviert wurde, stundenlang durch die ganze Weltpresse lesen konnte. Also war das Wiener Kaffehaus praktisch die Antithese zum US-amerikanischen Ketten-Konsumismus.

Gestern also, vernahm ich in genannter Weihestätte der Wiener Kaffeehauskultur folgendes Gespräch:

Gast: Eine Melange, bitte.

Ober: Darfs ein Mineral(Wasser) dazu sein?

Gast: Nein, danke, nur Leitungswasser!

Ober: Das is sowieso dabei.

Gemischte Gefühle bei mir.

Einerseits erfüllt mich die freude, dass hier noch die Tradition beibehalten wurde, dem Gast zu seinem Bohnengetränk ein Gläschen unseres hochgelobten Wiener Hochquellwassers zu zapfen,
andererseits scheint der Zwang zur Umsatzmaximierung auch hier der Kellneria bereits eingetrichtert worden zu sein. Jetzt haben das frühere Kellnergenerationen etwas eleganter durch das zusätzliche Angebots eines Butterkipferls vielleicht auch betrieben, aber ein Mineralwasser, vielleicht noch dazu ein stilles, on top des Wiener Hochquellwassers anzubieten, hat eine deratrige Überflüssigkeit, dass es auf gut Wienerisch schon einer Chuzpe (http://de.wikipedia.org/wiki/Chuzpe) gleichkommt.

Is ja eh klar und die müssen halt auch auf ihr Einkommen schauen, aber wo wäre denn der Platz, sich über sowas aufzuregen, wenn nicht in dieser Spalte des Blogs.

Written by medicus58

24. April 2012 at 07:31

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