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Ärztekammer beweist: Marx hatte Recht, „Arbeit ist unangenehm“

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Mehr als die Hälfte der bei einer IMAS-Umfrage teilgenommenen Spitalsärzte empfinde die Arbeit im Krankenhaus als „unangenehm“.

Die Ärzte meckern über die Arbeitszeit, behaupten überlastet zu sein und schleimen, dass sie 42 Prozent nicht mit der Lebensrettung, sondern mit Administration und anderen nicht-ärztlichen Tätigkeiten verbringen, und das 47 Stunden pro Woche.

Der Dauer ÖÄK-VP und –KOAÄ Harald Mayer sprach von einem „Hilfeschrei von hoch qualifizierten Ärzten“, nachdem er seit wievielen Jahren die angestellten Ärzte vertritt?

Völlig ungeniert verabschiedet die Burgenländische Landesregierung ein Gesetz, von dem der Kurier am 16.10. titelt: Landesbedienstetengesetz könnte Gehalt schmälern und so jungeÄrzte abschrecken

Die Krone setzte nach: Im Südburgenland hat es für drei von fünf ausgeschriebenen Kassenstellen keine Bewerber gegeben.

Die Kleine Zeitung berichtet, dass fünf renitenten Hausärzten aus der Region Schladming-Haus-Ramsau gegen ein geplantes Gesundheitszentrum am Dach des Schladminger Schwimmbads protestieren.

Wiener Zeitung und Österreich berichten über einen „massiven Notstand“ in der Neonatologie und in den Geburtenstationen in Wiens Spitälern, aber der KAV antwortete, dass die Versorgung in beiden Bereichen gesichert sei. Herausforderungen gebe es aber in der Neonatologie des AKH, wo die Meldung her kam und zwar von Peter HussleinLeiters der Uniklinik für Frauenheilkunde am Wr. AKH.

Liest man das alles, könnte man doch die Spitalsärzte verstehen, dass ihre Arbeitsbedingungen nicht so völlig supi wären, wenn dann nicht postwendend der IMAS Senior Research Direktor Paul Eiselsberg seine eigene Studie in den Mistkübel entsorgen würde:
Die Studie war, da von den 25.000 Spitalsärzten nur 3570 teilgenommen hätten, „nicht repräsentativ“.

Solange die Ärztekammer unsere Beiträge für solche Wursteln verwendet, ist sichergestellt, dass sich genau gar nix ändern wird, was möglicherweise die Position der meisten Beteiligten sichert.

Wär auch verwunderlich, wenn grad die Ärztekammer Vater Marx beweisen wollte. Dabei ist es doch sehr einfach, fragen Sie mal Ihren Spitalsarzt, auch das ist nicht statistisch signifikant, aber erleuchtender als die Geldverschwendungsaktionen unserer Kammer.

Written by medicus58

18. Oktober 2019 at 07:12

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Gedanken zur DACH-Studie über Ärztemangel in Österreich

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DACH-Studie belegt eklatanten Ärztemangel in Österreich schallte es durch den Medienwald und machte der Gesundheitsökonomen liebstes Spielzeug, die OECD Vergleiche madig:

Österreich gibt im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz viel weniger für das Gesundheitssystem aus (10,3% vs. 11,2% v.s. 12,2 %) und die Studie widerspreche der OECD, wonach Österreich die zweithöchste Ärztedichte Europas habe.

Die Krone berichtet eher ambivalent: So teuer ist uns Gesundheit,
das OÖ Volksblatt liest daraus unnötig hohe Kosten im stationären Bereich und auch Die Presse nahm aus der Pressekonferenz eher mit, was sie schon immer trommelte Zu viele stationäre Aufenthalte, zu wenig Jungärzte und weniger die Kritik an den OECD Daten, weil ihr und ihren heimlichen Herausgebern (Wirtschaftskammer und I.V.) das ja das eigene ideologische Konzept vermasseln würde. Schließlich ist die OECD eine Vereinigung von 36 Mitgliedstaaten, die sich satzungsgemäß neben der Demokratie explizit auch der Marktwirtschaft verpflichtet fühlen …

Laut OECD-Konvention geht es der Organisation schließlich um optimale Wirtschaftsentwicklung, hohe Beschäftigung, steigenden Lebensstandard, Wirtschaftswachstum und Ausweitung des Welthandels auf multilateraler Basis. Gesundheit und Bildung (PISA) sind wohl implizite aber nicht explizite Ziele!

Marie-Theres Egyed im Standard setzte andere Schwerpunkte und verwendete ein Drittel des Platzes, den ein darüber abgedrucktes Kampusch-Interview einnahm, für die von der Ärztekammer gewünschte Hauptaussage:
Österreich gibt weniger als Deutschland und Schweiz aus

In der Wiener Zeitung traf Petra Tempfer mit ihrer Schlagzeile und einem ganzseitigen Artikel aber überraschend den Punkt:
„Katastrophal falsche Schlüsse gezogen“

In dem Artikel finden sich auch viele mehr oder weniger deutlich die alt bekannten aber seit Jahrzehnten ungelösten Probleme:

Gesundheitskosten steigen weniger „explosiv“als oft behauptet, aber sie steigen in Relation zur Wirtschaftsleistung (BIP) und stärker als die Inflation. Warum die Kosten der Medizin immer der Inflationsrate vorauslaufen werden habe ich schon 2016 hier erklärt.

Ein Großteil der Versorgung beruht in Österreich auf dem stationären Bereich, nur haben sich die Krankenhäuser nicht darum bemüht, sondern müssen die Defizite des ambulanten Bereiches ausgleichen, den Krankenkassen und Ärztekammern seit Jahren aushandeln. Zu Recht zitiert der Artikel hier eine Aussage des StÄK-VP Eiko Meister, dass Patienten nur dann von den Spitälern in den niedergelassenen Bereich umgeleitet werden könnten, wenn man ihnen dort ähnliche Strukturen wie in den Spitalsambulanzen böte.

Und solange es keine Finanzierung aus einer Hand gibt, werden Aufgaben und Patienten weiterhin von einem Eck ins andere geschoben werden.

Ja, und solange man die Versorgungswirksamkeit einzelner Mitspieler (Ärzte in Ausbildung, Privat- und Wahlärzte, Arbeitsteilung zwischen Ärzten, Pflege, Administration, …) nicht berücksichtigt, sind alle Aussagen Müll.

Tags darauf krähte ohnehin keine Krähe mehr nach der Studie, die übrigens (lt Presse) von der Wirtschaftsuniversität finanziert wurde …

Der nach Selbstdefinition einzige unabhängige österreichische Gesundheitsökonom (eigentlich Versorgungswissenschafter) – jetzt mit unbequemem Blog für Z,D,F und Hintergründe @EPichlbauer geiferte aber auf Twitter nach:
rezeptblog wer braucht einen #ÄRztemangel? die Ärztekammer, um Ihr Pensionssystem (Wohlfahtsfonds), das einem Pyramidenspiel gleicht, zu retten! und wer wird beim Ärztemangel immer als „Experte“ zitiert, der sogar gescheiter ist als WHO und OECD? L.Chini! warum? Darum!

und verwies nicht ganz zu Unrecht darauf, dass einer Studienautoren Controller des Wohlfahrtsfonds der Wiener und Salzburger Ärztekammern ist, wobei der intendierte Rufmord mit Anlauf es bei Andeutungen beließ und ad hominem ging, wo eigentlich Fakten abzufragen wären.

Leider ist das alles nur allzu typisch für die Diskussions(un)kultur in dem was bei uns als Gesundheitsökonomie, ja Gesundheitspolitik überhaupt verkauft wird.

Zahlen sind gut, solange sie mir passen, schlecht, wo sie meiner Agenda zuwiderlaufen, notfalls besorge ich sie mir. Studien werden diskutiert, ohne dass ihr Originaltext beigelegt wird.

Jeder nur halbwegs in der Materie Eingelesener weiß, dass natürlich alle internationale Vergleichszahlen immer irgendwie Äpfel und Birnen vergleichen. Im privaten Gesprächen geben das natürlich auch hochrangige Experten u.a. aus OECD und NICE zu und beschäftigen sich sehr kritisch und wissenschaftlich auf hohem Niveau mit dem Problem, wie man zu belastbaren Parametern kommt.

Andererseits sind ja seiten der Patienten erlebte Wartezeiten, Doppelläufigkeiten, Verunsicherung, vermutete und nachweisbare Kunstfehler und seitens der Ärzte Überlastung, Burn out und Flucht außer Landes nicht wegzudiskutieren, egal wie schlecht die OECD Zahlen nun sind.

All das ist komplex, aber nicht so kompliziert. Solange sich aber jeder aus der Diskussion nur das rausholt, was ihm und seinen Auftraggebern passt, freue ich mich schon auf die Zeit, da ich mir in diesem Spiel nicht mehr meinen Lebensunterhalt verdienen muss.

Links:

2015 Die OECD irrt, unsere Spitäler sind billig und werden jetzt ohnehin geschlossen

2012 Was für die Finanzmärkte unvorstellbar ist, ist im Gesundheitssystem Realität: Der Deckel

Written by medicus58

12. Oktober 2019 at 09:10

Veröffentlicht in Allgemein

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