Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Das war der Girls’ Day beim Bundesheer, eine Materialiensammlung für alle, die sich ein Urteil bilden wollen

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Die meisten Medien sprachen in Zusammenhang mit den folgenden Ereignissen immer vom Girls‘ Day beim Bundesheer, korrekt handelte es sich um das sogenannte Girls‘ Camp.

Bei der Veranstaltung in Bruckneudorf ist es zu einem tragischen Unfall gekommen, über den zumindest in den ersten Tagen sowohl vom Bundesheer aber auch auf praktisch allen Medienkanälen berichtet wurde.
Über die Qualität von Öffentlichkeitsarbeit habe ich mir unter dem direkten Eindruck der Ereignisse schon hier sehr theoretische Gedanken gemacht:
Im Nebel der Öffentlichkeitsarbeit oder die Grenze zwischen selektiver Information und Lüge
Nun, zwei Wochen nach dem Geschehen ist das Thema aus den Medien, was zumindest im Sinne der Angehörigen zu begrüssen ist.
Es bestehen aber nach dem Erstbericht des Bundesheeres, der m.W. weiterhin nur in den Aussagen zugänglich ist, die das Bundesheer selbst veröffentlicht sehen wollte, noch eine Reihe von Fragen, um zwischen Schicksalhaftigkeit und Verantwortung differenzieren zu können.
Von den involvierten Blaulichtorganisationen werden praktisch keine Detailinformationen veröffentlicht. Bislang erfuhr die Öffentlichkeit nur, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Bootsführer ermittelt und das Boot sichergestellt hat.
Ich fürchte, dass gerade das Umfeld für den zeitlichen Ablauf der Ereignisse eine wesentliche Rolle gespielt hat und möchte deshalb die vorliegenden Materialien sichern, um es Interessierten zu erlauben, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Hier geht es nicht gegen oder für die Einrichtung des Österreichischen Bundesheeres sondern ausschließlich um die Frage, ob im Vorfeld ausreichende Vorkehrungen getroffen wurden, dass unausgebildete, z.T. minderjährige Gäste des Bundesheeres nicht leichtfertig in Gefahr gebracht werden.
Über die medizinischen Konsequenzen der zeitlichen Abläufe finden Interessierte gegen Ende noch ein paar fachliche Informationen. Zitate sind kursiv, Zwischentexte in blau.
Selbstverständlich gelten Medienberichte nicht als Beweis und was bisher glaubhaft widerlegt wurden, habe ich auch zitiert.
Alle Texte standen zum Zeitpunkt der Texterstellung in der hier wiedergegebenen Form im Netz.

Laut Wikipedia wurden die Girls‘ Camps erstmals Mitte September 2016 unter dem damaligen Bundesminister Hans Peter Doskozil begonnen, um das Interesse von jungen Frauen für eine Berufslaufbahn beim Bundesheer zu wecken.
Also letztendlich war es eine Werbeveranstaltung für einen m.E. prinzipiell legitimen Zweck.
Im Jahr 2017 nahmen ca. 220 Personen an den Girls Camps teil, bei den ersten Girls Camps im Jahr 2018 waren es 84.

Girls’ Camp 2018 Du liebst Sport, Action, neue Herausforderungen und bist ständig in Bewegung?
Auch dieses Jahr hast du die Möglichkeit, das Bundesheer live zu erleben.
2 Termine 6 Standorte

31. August, 11 Uhr – 2. September, ca. 16 Uhr
Die Teilnahme am Girls’ Camp ist ab 17 Jahren möglich!
Originaltext von http://soldatin.bundesheer.at/Girls-Camp-2018-260 abgerufen am 11.9.2018 (!)

  • 1. September 2018

Der Sprecher des Bundesheeres (@Bundesheerbauer) twitterte um 10:53:
Beim Girls Camp ist heute gegen 10.00 Uhr ein Boot auf der Donau bei Hainburg gekentert. 2 Mädchen werden reanimiert. Der Notarzthubschrauber ist gelandet. Wir befürchten das Schlimmste.

Um 11:11 schrieb er: 
Die beiden Mädchen wurden erfolgreich reanimiert. Sie sind allerdings in einem kritischen Zustand. 2 Notarzthubschrauber sind beim Unglücksort. Wir hoffen und beten.

Die erste Information über den Unfallhergang gab es auf Twitter um 12:27:
Was wir derzeit über die Unglücksursache wissen: Das Boot ist in eine Welle gefahren, die ins Boot geschwappt ist. Dadurch hat sich das Boot langsam gesenkt und ist über die rechte Seite abgeglitten. Gesteuert haben das Boot 2 dafür ausgebildete Berufssoldaten

Später werden wir erfahren, dass das Boot innerhalb von 15 Sekunden nicht nur gekentert ist sondern mehrere Insassen unter sich begraben hat.
Um 13:57 gab das Bundesministerium für Landesverteidigung folgende Pressemeldung heraus: 

Pionierboot des Bundesheeres gekentert – Unfallkommission ist eingesetzt und hat Arbeit aufgenommen
Wien (OTS) – Heute, Samstag den 1. September,  kurz vor 10:00 Uhr, kenterte auf der Donau im Raum Hainburg aus derzeit unbekannter Ursache ein Pionierboot des Österreichischen Bundesheeres. Dieses Boot war im Rahmen der Veranstaltung „Girls‘ Camp“ eingesetzt. Zurzeit des Unfalls befanden sich dreizehn Personen an Bord.
Zwei junge Frauen mussten, nachdem sie unter Wasser gekommen waren, reanimiert werden. Sie befinden sich zurzeit in ärztlicher Betreuung in Krankenhäusern der Stadt Wien. Alle anderen Personen werden psychologisch sowie medizinisch vor Ort bzw. im Krankenhaus Hainburg versorgt. …

Einem besorgten weil noch uniformierten Vater antwortete @Bundesheerbauer um 15:16:
Ja. Die Angehörigen wurden verständigt. Darüber hinaus wurden alle Frauen ersucht, die Angehörigen zu verständigen.

Das wird sich in einigen Fällen und gerade bei den beiden am schwersten Betroffenen als unrichtig herausstellen und dafür entschuldigte sich das Bundesheer mehrfach offiziell.
Um 18:30 kam eine weitere Pressemeldung aus dem Ministerium:

„Girls‘ Camp“ – Gesundheitszustand beider Frauen weiterhin unverändert
Bundesheer dankt allen eingesetzten Kräften für die schnelle und professionelle Hilfe

Wien (OTS) – Der Gesundheitszustand der beiden im Krankenhaus befindlichen Frauen ist weiterhin unverändert. Jene Frauen und Soldaten, die sich am Boot befunden haben sowie alle anderen Teilnehmer am „Girls‘ Camp“ werden psychologisch betreut. Dazu wurden alle verfügbaren Psychologen und Peers des Bundesheeres zusammengezogen.
Die Eltern der Teilnehmer wurden für eine direkte Information ins Camp eingeladen. Eine weitere Teilnehmerin bleibt über die Nacht zur Beobachtung in einem niederösterreichischen Krankenhaus. Dabei handelt es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Verteidigungsminister Mario Kunasek: „Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der beiden Frauen. Den beiden im Spital befindlichen Frauen wünsche ich an dieser Stelle eine rasche Genesung. Die Betroffenen erhalten seitens des Bundesheeres jegliche Unterstützung und Betreuung. Ich verspreche, dass der Unfallhergang untersucht und aufgeklärt wird.“
Der Generalsekretär des BMLV, Dr. Wolfgang Baumann, hat sich weiters im Auftrag des Verteidigungsministers vor Ort ein Lagebild des Unfallgeschehens gemacht.
Das Bundesheer dankt den eingesetzten Kräften, insbesondere der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und dem ÖAMTC, für die professionelle Ersthilfe sowie die rasche Rettungskette. Die Feuerwehr führte zum Zeitpunkt des Unglücks in unmittelbarer Nähe gerade eine Übung durch und konnte daher sehr rasch retten, bergen und helfen. Das „Girls‘ Camp“ in Bruckneudorf wurde nach dem Unfall beendet.

Am Abend entbrennt plötzlich ein befremdliches Scharmützel zwischen Kurier und Bundesheer nachdem der Kurier auf Basis einer nach heutigem Wissenstand missverstandene Aussage des Roten Kreuzes spekuliert, dass der Unfall durch eine Überbelegung des Bootes verursacht wird. Trotzdem sind die folgenden Texte nicht uninteressant:

Heeresboot gekentert: Waren zu viele Menschen an Bord?
Zwei junge Frauen (18 und 22 Jahre) in kritischem Zustand. Laut Heer waren 13 Passagiere an Bord, das Rote Kreuz sprach von 24.
(Die Erstversion des Textes ist mir nicht mehr zugänglich)

Was da hinter den Kulissen ablief, lässt ein Twitterscharmützel zwischen Kurier-Herausgeber und (damals noch) Chefredakteurs des Kuriers Brandstätter erahnen:

@Bundesheerbauer: Warum wird in dem Artikel nicht erwähnt, dass es der Redakteur verabsäumt hat, bei der Primärquelle – in diesem Fall das #Bundesheer – zu recherchieren? Ist es nicht journalistische Sorgfaltspflicht, alle Seiten zu befragen? Ich hatte gestern viele Anrufe. Keinen vom Kurier.
@HBrandstaetter: Der Kurier hat Sie ausführlich zitiert, aber eben auch die Stellungnahme des Roten Kreuzes. Was ist daran schlimm? Und wenn es wirklich um die Wahrheit geht, wäre vielleicht eine externe, unabhängige Untersuchung ideal, oder? Ist aber auch nur eine Frage

MeinBezirk.at: stellte schon um 13:29 erste Bilder ins Netz und gibt einen Stimmungsbericht, der wiedergibt, wer aller vor Ort involviert war und wie die Einsatzleitung gesehen wurde. Hier wird auch erstmals klar, dass es einen großen zeitlichen Unterschied zwischen der Rettung der einzelnen Personen gab.

Bundesheer-Übung wurde zum Ernstfall
Am heutigen Samstag, 1. September, fand anlässlich des „Girls´Camp“ eine große Übung in Hainburg statt. Mit Pionierbooten sollten die jungen Frauen die Donau übersetzen. Zeitgleich fand eine Katastrophenschutzübung der Feuerwehren aus den Bezirken Bruck an der Leitha und Neunkirchen ebenfalls an der Donau statt.

Gleich nach Beginn der Übung dann die Katastrophe: Eines der Pionierboote mit den jungen Frauen kenterte beim gegenüberliegenden Ufer, alle Personen gingen über Bord.
Zwei Frauen vermisst
Dann die nächste Hiobsbotschaft: Zwei Frauen werden vermisst. Sofort nachalarmiert wurden Rettung und Notarzt, der ÖAMTC Rettungshubschrauber, auch die Polizei war mit Hubschraubern vor Ort. Binnen weniger Minuten füllte sich der Hafen Hainburg mit Einsatzkräften. Hainburgs Feuerwehr-Kommandant Christian Edlinger übernahm gemeinsam mit Harald Fischer vom Roten Kreuz Bruck die Einsatzleitung, Oberstleutnant Sabine Zentner vom Brucker Bezirkspolizeikommando eilte ebenfalls mit Kollegen zum Einsatzort.

Bürgermeister Helmut Schmid traf zeitgleich mit den ersten Rettungskräften ein: „Ich werde bei jedem Einsatz informiert. Ob Brand oder technische Hilfeleistung, Wenn es um Menschenleben geht, bin ich immer vor Ort. Sofort nach Erhalt der Nachricht bin ich hierher gefahren.“
Bergung der Gekenterten

Sofort eilten Boote der Polizei, der Feuerwehr und des Bundesheeres mit Notarzt und an die Unfallstelle, die Mädchen wurden ans nahe gelegene Ufer gebracht, inzwischen fanden auch die angeforderten Hubschrauber von Polizei und ÖAMTC, der auf der Schotterbank landete, ein.
Nach und nach wurden die Mädchen wieder mit den Booten zurück ans Hainburger Ufer gebracht. Von den Einsatzkräften konnte vernommen werden, „dass zwei Mädchen unter dem Boot in einer Luftblase ausharren würden“. Zwei Wagen mit Taucher der Berufsfeuerwehr Wien trafen ebenfalls kurz später ein.

  • 2. September
Der Kurier fasst die Auseinandersetzung mit dem Bundesheer online so zusammen:
Über die Interventionen eines Heeressprechers und einen versuchten Maulkorb für die Rettungskräfte.

Was war passiert? Der KURIER hatte online den Titel „ Heeresboot gekentert: Waren zu viele Menschen an Bord?“ verwendet. Denn es gibt unterschiedliche Berichte, wie viele Personen tatsächlich auf dem Arbeitsboot waren. Um 12.35 Uhr hatte auch die Austria Presse Agentur berichtet, „das verunglückte Boot war laut Rotem Kreuz mit insgesamt 24 Personen besetzt“. Auch andere Helfer bestätigten das dem KURIER hinter vorgehaltener Hand.Intern kam es jedenfalls zu heftigen Debatten zwischen den Einsatzorganisationen. Nachdem sich die Meldungen weiter verbreitet hatten, wonach auch mehr Menschen als zugelassen im Unglücksboot gewesen sein könnten, wollte das Heer, dass keine Informationen mehr von den anderen Einsatzorganisationen an die Öffentlichkeit dringen. Feuerwehr, Rotes Kreuz und auch die Polizei ließen sich die Öffentlichkeitsarbeit aber nicht untersagen. Auch der KURIER stellte die Frage, ob nicht vielleicht doch zu viele Menschen an Bord waren. Natürlich wurde der Stellungnahme des Bundesheersprechers im Bericht entsprechend Raum gegeben.Bauer forderte via Twitter vom KURIER eine „ausgewogene und objektive Berichterstattung“ ein. Dass dafür auch andere zu Wort kommen müssen, scheint ihn aber zu verärgern.
Der Bericht der NÖ Nachrichten (um 15:31 online) beschreibt die Rolle des Bundesheers bei der Rettungsaktion (Notruf, Aufheben des Bootes (siehe unten), Reanimation) auch nicht gerade als professionell und es scheint auch hier als wäre die Aktion nicht federführend vom Bundesheer sondern von anderen Organisationen übernommen worden:

Neunkirchner Feuerwehrler als Lebensretter
„Wir hatten für die Übung im Rahmen des Katastrophenschutzdienstes 138 Kameraden aus dem Abschnitt Neunkirchen zur Zeit des Unglücks vor Ort“, erinnert sich Bezirksfeuerwehrkommandantstellvereter Josef Neidhart an den dramatischen Einsatz. Als die Truppe im Rahmen eines Stationsbetriebs bei der 2. Station gerade am Üben war, passierte in einer Entfernung von etwa 150 Metern das Unglück.
Die Feuerwehrkameraden machen sich mit Booten sofort auf die Rettung. „Zu Beginn hat es geheißen, dass es keine Verletzten gibt, erst später wurden die beiden jungen Frauen leblos aus dem Wasser geborgen“, so Neunkirchens Feuerwehrkommandant Stellvertreter Paul Pilshofer, der ausgebildeter Notfallsanitäter ist und sofort wusste, wie zu handeln war.
„‚Szenen waren ziemlich chaotisch“
Gemeinsam mit einem Notarzt und den Kameraden Patrick Ostermann, Alex Kain und Othmar Gruber übernahm er die Reanimation: „Wie man sich vorstellen kann, waren die Szenen rundherum am Anfang ziemlich chaotisch und wir haben uns immer beim Reanimieren abgewechselt“, so Pilshofer.
Laut seiner Einschätzung dürften die beiden Mädchen rund 15 bis 20 Minuten unter Wasser gelegen sein.
Ebenso lang reanimieren die Neunkirchner Kameraden die Frauen, ehe sie vom Notarzthubschrauber übernommen und ins Spital wurden. „Prognosen sind schwierig, aber ich hoffe natürlich das Beste!“, bleibt Pilshofer nach dem Einsatz optimistisch.
Und Neunkirchens Feuerwehrkommandant Mario Lukas ist stolz auf seine Männer: „Sie haben großartige Arbeit geleistet!“
Am 4.9. wird auch der ORF NÖ thematisieren:
Bootsunglück: 15 Minuten bis zum Notruf
Für den Vorfall medizinisch wesentlicher ist aber, dass die beiden Frauen offenbar lange, sehr sehr lange unter Wasser waren, bis mit der Reanimation begonnen werden konnte. Doch auch hier wurde die schreckliche Wahrheit nur sehr langsam der Öffentlichkeit mitgeteilt.
Medial gewinnt man den Eindruck, dass bei der Bergung und Reanimation der beiden am schwersten betroffenen Frauen das Bundesheer zumindest nicht federführend aktiv war.

Noch am Sonntag teilte der Kurier und andere Medien mit: 
und auch der Bundesheersprecher twitterte:
Es dauerte bis zu 20 Minuten, bis beide Frauen, die sich unterhalb des Bootes im Wasser befanden, gerettet werden konnten.
Wie wir sehen werden, könnte selbst diese Zeitspanne noch in einem Fall länger gewesen sein.
Schon am Abend des 2. September berichten mehrere Medien von ersten Ergebnissen der Untersuchungskommission des Bundesheeres:

Kein Fahrfehler – Kein Materialfehler

Nach dem Unfall eines Pionierbootes auf der Donau bei Hainburg gibt es nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom späten Sonntagnachmittag „derzeit weder einen Hinweis auf einen Fahrfehler des Bootsführers noch auf ein technisches Gebrechen„. Ausgewertet wurde laut einer Aussendung ein Video, „das die entscheidenden Momente an Bord aufgenommen hat“.
Das Boot sei, nachdem eine Welle ins Innere geschwappt war, „innerhalb von weniger als 15 Sekunden gesunken“, teilte das Ministerium zu ersten Ergebnissen der noch am Samstag eingesetzten Unfallkommission mit. Untersucht werde, ob die Welle eines Großschiffes in Verbindung mit dem Niedrigwasser der Donau zum Unglück geführt haben könnte. „Dazu gibt es Aussagen von Beteiligten, die dies bestätigen.“ Die Auswertung der Transpondersignale der Donauschifffahrt fehlte noch.

@Bundesheerbauer Replying to @MatthiasSurvive @KURIERat Das Video zeigt jene 40 Sekunden, bevor das Boot umgekippt ist. 9:28pm

Das Video lag offenbar auch bereits der Staatsanwaltschaft vor und muss sehr detailreich sein, denn am 11.9. berichtete der Kurier, dass zum Zeitpunkt des Unfalls nicht Vollgas gefahren wurde, um Mutmaßungen zu zerstreuen, dass ein Renomiergehabe des Bootsführers zum Unfall geführt hätte:

Donau-Unfall: Heeresboot fuhr nicht mit Vollgas
Es sind Szenen, die zeigen, wie schnell Freude in Leid umschlagen kann, Sicherheit in Hilflosigkeit: Der Unfall eines Bundesheerbootes während des Girls’ Camp bei Hainburg an der Donau, bei dem zwei jungen Frauen schwerst verletzt wurden, ist – wie berichtet – auf Video gebannt. KURIER-Informationen zufolge könnte die Aufnahme den Ermittlern nun wichtige Rückschlüsse zum Unfallhergang geben.
Denn das Video wurde von einem Berufssoldaten erstellt, der sich zum Zeitpunkt des tragischen Vorfalls genau hinter dem Bootsführer Alexander Sch. auf dem Unglücksboot befand. In einer Momentaufnahme soll dabei auch die Stellung des Gashebels zu sehen sein, als das Boot auf die Welle traf, die schließlich das Unglück ausgelöst haben soll und das Boot zum Kentern brachte.
Beweisstück
„Der Hebel war in einer mittleren Position. Das Boot war also nicht mit vollem Schub unterwegs“, sagt ein Insider zum KURIER. Deshalb glaube man nicht, dass der Bootsführer den an Bord befindlichen Frauen mit seinem Fahrstil imponieren wollte und es deshalb zu dem Unfall kam.

Das wichtige Beweisstück bleibt vorerst den Augen der Heeres-Untersuchungskommission, Polizeiermittlern und der Staatsanwaltschaft vorbehalten.

Das bestätigt auch der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl. Die Behörde hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Bootsführer wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung eingeleitet, ähnlich wie wenn er einen Autounfall mit Verletzten verursacht hätte. Wegen des laufenden Verfahrens äußert sich Köhl nicht zum Inhalt des Videos.
Schwierige Befragung
Weitere Aufschlüsse soll außerdem die Befragung aller Augenzeugen des Unglücks bringen. Dies kann aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Weil die insgesamt 54 Teilnehmer des Girls’ Camp aus den verschiedenen Bundesländern stammen, wurden die Polizeidienststellen an den jeweiligen Wohnorten mit der Befragung der Zeugen betraut. Die Aussagen sollen in weiterer Folge auch in den Bericht der Heereskommission einfließen. Wann dieser fertig ist, steht noch nicht fest.

Das Bundesheer hat auch dieses Girls‘ Camp ganz offensichtlich für eine spätere Verwendung dokumentiert.
Bis jetzt wurde aber die späte Bergung der beiden Frauen ausschließlich durch die Umstände des Unfalls und insbesondere dadurch erklärt, dass sie mit ihren Schwimmwesten in den umgekippten Bootsrumpf gedrückt wurden, so dass sie nicht selbst befreien konnten, beziehungsweise auch von den suchenden Helfern nicht gesehen werden konnten.
Inzwischen stellt sich aber die ernsthafte Frage ab wann überhaupt gezielt nach den beiden gesucht wurde:

  • 3. September 
Heute deutete der Kurier an, dass zu lange nicht einmal klar war, dass zwei Teilnehmerinnen fehlten:

Bootsunglück: Mädchen wurden erst nach 15 Minuten vermisst
In der allgemeinen Panik und Hektik nach dem Kentern blieb das Fehlen der beiden Mädchen zunächst unbemerkt. Es dauerte etwa eine 15 bis 20 Minuten, bis die Verantwortlichen des Heeres die Abgängigkeit der beiden Opfer bemerkten und Alarm schlugen.
Zu dem Zeitpunkt waren Feuerwehrleute des Katastrophenhilfszuges aus Neunkirchen, die in der Nähe eine Übung hatten, mit eigenen Booten zur Stelle. „Das Bundesheer-Boot lag gekentert an der Sandbank im Wasser und die erschöpften Personen saßen verteilt am Ufer“, schildert Feuerwehrmann Paul Pilshofer.
Als das Unglücksboot bereits mit einer Seilwinde gesichert war, hieß es, es fehlen noch Zwei. „Wir haben sofort das Boot aufgehoben. Die Mädchen waren tatsächlich darunter“, schildert Pilshofer. Zusammen mit seinen Kameraden leitete der Notfallsanitäter Erste Hilfe-Maßnahmen und die Reanimation ein.
Meines Erachtens passt dies sehr gut zum schon zitierten Bericht der NÖ Nachrichten (um 15:31 online) vom 2.9.. 
  • 4. September 

Der Standard berichtet, dass Brandstätter als Chefredakteur von Martina Salomon abgelöst wird.

Am selben Tag titelt der Kurier aber noch, dass auch die 20 Minuten nicht die volle Wahrheit sein dürften: 

Opfer waren mehr als 20 Minuten unter Wasser

Und am 6.9. titelte dann OE24 nur mehr knapp:  Bundesheer-Boot: Frau erst nach 40 Minuten befreit

Ein ganz ähnliches Bild zeichneten die NÖN um 15:44:

Laut dem Erstbericht war das Pionierboot im Bezirk Bruck a.d. Leitha am Samstag um 9.49 Uhr gekentert. Ungefähr gegen 10.15 Uhr sei das Boot am Ufer aufgekantet worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. In diesem Zeitraum seien Personen aus dem Wasser gerettet worden. Unter dem 8,5 Meter langen und 2,5 Meter breiten Boot sei es dunkel gewesen. Zwei Unteroffiziere seien unter das Boot getaucht, um Personen zu finden und zu retten, hieß es. Dies sei in einigen Fällen auch gelungen. Nach dem Kentern sei das Boot mit Hilfe von zwei anderen Booten aus der Flussmitte zum Ufer gedrückt worden, berichtete Bauer. Dort habe die Feuerwehr Unterstützung geleistet. Als das Boot am Ufer aufgekantet wurde, sei festgestellt worden, dass sich noch jemand darunter befand, sagte Bauer. Die beiden Frauen im Alter von 18 und 22 Jahren waren reanimiert und von Notarzthubschraubern in Wiener Krankenhäuser geflogen worden.

Laut Vienna.at lag bis 5.9. hinsichtlich des Zeitablaufes nur das Rumpfprotokoll des Bundesheeres vom Sonntag vor: 

9.49 Uhr: Das Boot kippt um.
10.04 Uhr: Von der Feuerwehr wird ein Notruf abgesetzt.
10.08 Uhr: Die Rettungsleitstelle erhöht ihre Alarmierung auf Großunfall.
etwa 10.15 Uhr: Das verunglückte Boot ist am Ufer und wird aufgekantet.
Danach gibt es – jedenfalls bisher – kein weiteres Zeitprotokoll

ORF Niederösterreich hat aber schon am Dienstagabend (4.9) berichtet, dass sich

aufgrund der Aussagen von Helfern und anhand verschiedener Einsatzprotokolle“ folgender Zeitablauf rekonstruieren lasse:
9.49 Uhr: Das Bundesheerboot kentert, fünf Soldaten und acht Frauen werden in die Donau geschleudert.
10.04 Uhr: Ein Feuerwehrmann, der auf der Donau an einer Übung teilnimmt, setzt einen Notruf ab. Das Bundesheer selbst setzt keinen Notruf ab.
10.08 Uhr: Die Rettungsleitstelle löst Großalarm aus.
10.15 Uhr: Das gekenterte Boot kann zu einer Sandbank in der Donau gebracht werden. Nach Angaben des Bundesheeres hatten Soldaten zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Personen unter dem Boot herausgezogen.
10.21 Uhr: Die örtlich zuständigen Feuerwehren werden alarmiert und rücken mit weiteren Booten aus.
10.28 Uhr: Die erste der beiden Frauen kann gerettet werden und wird reanimiert.
10.30 Uhr: Wie in einer Notiz vermerkt wurde, trifft ein Notarzt auf der Sandbank ein.

10.34 Uhr: Die zweite Frau wird aus dem Wasser gezogen. Laut einem Einsatzprotokoll ist jedoch noch unklar, ob noch jemand fehlt.
10.41 Uhr: In einer Statusmeldung wird festgehalten, dass beide Frauen reanimiert werden.

Bundesheer-Boot: „Wir haben es aus den Medien erfahren“ 

Das österreichische Bundesheer untersucht mit einer hauseigenen Kommission das Bootsunglück auf der Donau nahe Hainburg. Bereits zwei Tage nach der Tragödie mit zwei schwerverletzten Frauen im Rahmen des Girls’ Camp auf der Donau in Hainburg (NÖ) steht für Heeressprecher Oberst Michael Bauer nach derzeitigem Stand fest, dass der Bootsführer „alles richtig“ gemacht habe und auch kein technisches Gebrechen vorliege.

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Korneuburg prüft den Sachverhalt freilich unabhängig davon. Zum einen wurde gegen den Unteroffizier und Bootsführer, Alexander Sch., ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung eingeleitet. Und zum anderen behält sich der Staatsanwalt die Bestellung eines gerichtlich beeideten Sachverständigen vor. Das Unglücksboot wurde jedenfalls polizeilich beschlagnahmt. Wie Bauer im Gespräch mit dem KURIER erklärt, handelt es sich bei dem Bootsführer um einen „äußerst erfahrenen Mann“. „Er hat bereits 2006 den Wasserfahr-Grundkurs absolviert und alleine auf dem Bootstyp mit dem der Unfall geschah 300 Fahrstunden vorzuweisen“, erklärt Bauer.
Keine Sicht
Am Dienstag veröffentlichte das Heer Grafiken und Details zum Unfallhergang. Demnach sei das Boot mit fünf Bundesheerangehörigen und acht Frauen des Girls’ Camp um 9.49 Uhr aufgrund einer „großen Welle“ gekentert. Wie Bauer schildert, haben sich zwei Unteroffiziere ihre Rettungswesten vom Leib gerissen und sind auf der Suche nach Opfern unter das Boot getaucht. Das umgedrehte Boot wurde durch zwei andere Heeresboote von der Flussmitte ans Ufer gedrückt und dort gegen 10.15 Uhr gesichert. Erst danach, also mehr als 20 Minuten nach dem Kentern, wurde das Fehlen von zwei jungen Frauen bemerkt. Natalie T. (22) und Sophie K. (17) lagen leblos unter dem Boot und wurden mit vereinten Kräften von Feuerwehr und Heeresangehörigen heraus gezogen und reanimiert. Dass sie nicht vorher entdeckt wurden, erklärt man damit, dass die Sicht unter Wasser gleich null war.

Eher überraschend kam dann ein einziger Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin in die Medien, die aber auf die wesentlichen Probleme des Einsatzes nicht eingeht, da er „außerhalb ihres Gesichtsfeldes“ passiert ist.

Sie habe eine „sehr intensive Erfahrung“ gemacht, die im Nachhinein sogar noch stärker sei, sagte die 34-jährige Wienerin zur APA:

Sie sei nicht mit dem letztlich gekenterten, sondern auf einem “Nachbarboot” unterwegs gewesen, erzählte die Zeugin. Ihrer Schilderung zufolge hatten sich auf jedem der drei Boote “acht bis neun Mädchen” und “vier bis fünf Soldaten” – Bootsführer und Betreuer des Girls’ Camp – befunden. “Zusätzlich fuhr ein Rettungsboot mit. Jeder Bootsinsasse trug eine Schwimmweste.”
Soldaten seien zu Mädchen ins Wasser gesprungen
Der Unfall selbst “ist außerhalb meines Sichtfeldes passiert”, so die Wienerin. “Unser Boot ist jedoch sofort zum gekenterten Boot gefahren, und hat, genau wie das dritte Boot, Mädchen, die ins Wasser gefallen waren, aufgenommen.” Soldaten seien auch “ins Wasser gesprungen, um nach weiteren, vermissten Mädchen zu suchen”. Alle hätten “ihr Bestes gegeben, um die Mädchen zu finden”, schilderte die Zeugin im APA-Gespräch ihre Sicht der Dinge.
Telefonisch sei sofort Hilfe und Unterstützung angefordert worden. Weitere Rettungsboote seien “sehr rasch zur Stelle” gewesen.
In der Folge seien ihre Gruppe und aus dem Wasser aufgenommene Mädchen an das am nächsten gelegene Landstück, ein Ufer bzw. einen Inselstreifen, gebracht worden, wo die “sehr gut angeleitete Versorgung” stattgefunden habe. Es sei dabei um die Abklärung gegangen, ob Verletzungen oder Schockzustände bestünden, zudem seien Handtücher und trockene Kleidung bereitgestellt worden. Das Boot sei indes wieder an die Unfallstelle gefahren, um zu helfen.
Die betreuenden Soldaten, “unter anderem eine Soldatin, die selbst ins Wasser gefallen war”, seien vom Unfall “sichtbar betroffen und erschüttert” gewesen, so die Wienerin. Trotzdem hätten sie “klaren Kopf” bewahrt.
Rasche Hilfe für junge Frauen
“Nachdem die vermissten Mädchen geborgen waren, wurde sofort mit der Reanimierung begonnen.” Bundesheer Sanitäter seien von Anfang an bei dem Ausflug im Rahmen des Girls’ Camp anwesend gewesen, weitere Rettungskräfte per Boot rasch dazugestoßen. “Zwei Rettungshubschrauber haben die Mädchen in Krankenhäuser geflogen.”
Ein Boot sei sofort nach Abflug der Helikopter zur Gruppe mit der 34-Jährigen gekommen, habe “zuerst die gekenterten Mädchen und später, in einer zweiten Fahrt, die Mädchen, die nicht ins Wasser gefallen waren, inklusive mir”, an Land gebracht, “wo wir von der Rettung erwartet wurden”. Auch bei dieser Flussquerung sei das Boot nicht überbelegt gewesen. Ein Transport ins Krankenhaus sei “einstimmig” abgelehnt worden, “da niemand von uns ins Wasser gefallen war und sich auch niemand verletzt hatte”.
Bundesheer-Boot gekentert: 13 Personen an Bord
Ein Boot mit 13 Personen ist gekentert”, betonte die Wienerin. “Die Insassen eines zweiten Bootes wurden durch Routineprozeduren ins Krankenhaus und dann zurück in die Kaserne gebracht. Die Insassen des dritten Bootes haben einen Krankenhausbesuch eigenständig abgelehnt.” Ihre Gruppe sei somit direkt in die Kaserne zurück gebracht worden, wo es – nach einem warmen Essen – Betreuung durch Psychologen gegeben habe.
Kontaktdaten von Heerespsychologen für eine eventuelle Nachbearbeitung des Geschehens seien mitgegeben worden. Eine WhatsApp-Gruppe für alle Teilnehmerinnen zum gemeinsamen Austausch sei eingerichtet worden. “Außerdem werden Gruppentreffen organisiert”, erzählte die Girls’ Camp-Teilnehmerin. “Wir erhalten auch im Nachhinein Unterstützung, sollte dies für uns notwendig sein.”

  • 8 September

@GTLMedicus: Es ist nun fast auf die Minute eine Woche her seit ohne Fahr-, Material–oder Organisationsfehler zwei Teilnehmerinnen vom Girls Day des Bundesheer in die Intensivstation gebracht wurden und bislang keine Besserung ihres Zustandes eingetreten ist. #Bundesheer #justsaying
@Bundesheerbauer Replying to @GTLMedicus Unsere Kommission arbeitet jeden Tag. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es müssen alle Teilnehmerinnen befragt werden. Wir haben das größte Interesse, aufzuklären warum es zum Unfall gekommen ist. Und für den Unfall wird es Gründe geben. Wir wissen Sie nur noch nicht.

Fachlich kann ich natürlich nichts zu allfälligen Fahr- oder Materialfehler beitragen.
Hinsichtlich des Wetterriskos zum Unfallzeitpunkt, unabhängig wie dieses hinsichtlich Sicht und Wellengang beurteilt wird, soll daran erinnert werden, dass damals im Osten Österreichs zum Unfallzeitpunkt schwere Unwetter wüteten:

In den jüngsten Stunden gab es vielerorts markante Regenmengen, im Südosten wurden seit Freitagabend sogar über 20.000 Blitzentladungen detektiert. 

Gegen Mittag, also dem Zeitpunkt den die meisten Pressefotos eingefangen haben, machten die Regenfälle gerade wieder eine Pause, so dass sie die vorher herrschende Wettersituation nicht richtig wiedergeben.
Ob die unter den zu diesem Zeitpunkt herrschenden Bedingungen den unausgebildeten Gästen des Bundesheeres ein noch tolerables oder zu hohes Risiko zugemutet wurde, liegt fachlich auch außerhalb meiner Expertise.
Ob die Informationen über die offenbar schlechte Identifizierung der Teilnehmerinnen und Information ihrer Angehörigen Bedenken über die Gesamtorganisation aufkommen lassen, mögen Sie selbst entscheiden..
Medizinisch ist aber relevant, ob das alles dazu beigetragen hat, die Zeitspanne zwischen Unfall und Reanimationsbeginn zu verlängern.
Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, dass das Gehirn prinzipiell nur eine sehr kurze Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr toleriert.
Wie eng diese Zeitspanne ist hat eine rezente Analyse von 160 Fällen < 16 Jahren vor Augen geführt:
 https://www.bmj.com/content/350/bmj.h418

Auch eine ganz rezente Metaanalyse (Neurologic long term outcome after drowning in children) betont die Wichtigkeit jeder einzelnen Minute während und nach dem Unfallgeschehen:

However, the long-term outcome of survived drowning victims depend mainly on the severity of the initial ischemic brain insult, the effectiveness of immediate resuscitation with subsequent transfer to the ER, and also on the post-resuscitation management in the intensive care unit.
Important predictors for survival itself either with mild or severe neurological deficits include: the duration of submersion, the need of advanced life support at the site of the accident, the duration of CPR, and the establishment of spontaneous breathing and circulation on arrival to the ER.
Submersion time mainly determines the level of hypoxic-ischemic injury but it is at best an estimate given in an extremely stressful situation. It has been shown that a prolongation of submersion over 5 –10 min worsens the prognosis considerably.
Many other predictors of survival that have been reported in the literature are mainly consequences of the duration of the primary insult of CPR and the quality of the treatment the patient has received before or after the arrival to the ER.

Es steht zu hoffen, dass Bundesheer und Staatsanwaltschaft auch das organisatorische Umfeld in dem der Unfall passiert ist, sehr genau prüfen und folgende Fragen überzeugend klären:

Welche Einschulung haben die Teilnehmerinnen für den Fall eines Unfalls erhalten?
Erhöhten Wetter und Sicht zum Unfallzeitpunkt das Risiko maßgeblich und wie wurde darauf reagiert?
Ab wann ist das Fehlen der beiden Frauen wem bekannt geworden?
Wer hat mit welchen Mitteln versucht zu klären wo sie sich befinden?
Wäre man der Annahme gewesen, dass sie (mit ihren Schwimmwesten) flussabwärts geschwemmt wurden, hätte eines der Boote sie sehen oder suchen müssen.
Welche Maßnahmen (Namensschilder, …) wurden für die Identifikation der Teilnehmerinnen getroffen.
Stimmt der mediale Eindruck, dass die Einsatzleitung federführend von anderen Organisationen und nicht dem Bundesheer selbst übernommen wurde
und entspricht das der zu erwartenden Sorgfaltspflicht den Teilnehmerinnen gegenüber?

 

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Written by medicus58

15. September 2018 at 09:49

Robert Opratko 1931-2018

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https://wp.me/p96sJp-cf

Written by medicus58

14. September 2018 at 23:40

Veröffentlicht in Allgemein

Das Lachen am Weltenrand über Fukushima in fünf Bänden über den ersten offiziellen Toten

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Gerade beschäftigen sich die Kulturnachrichten ausführlich mit dem ersten großen Roman des Wiener Schriftstellers Philipp Weiss:
Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen
Nach eigener Aussage war der Auslöser für seine Beschäftigung mit der zentralen gestaltenden Kraft des Menschen zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert, die Nuklearkatastrophe von Fukushima aus dem Jahre 2011.
Ich habe die rund 1000 Seiten der fünf Bände nicht gelesen und werde das vermutlich auch nicht tun, jedoch juckt es mich zu all den anderen hier schon erschienen Beiträgen noch einen aktuellen Nachschlag abzuliefern,
der wohl weniger literarische als sehr praktische und jedenfalls erschreckende Einblicke erlaubt und
wenn Sie wollen können Sie vom Weltenrand darüber lachen..

Am 5. September 2018 verbreitete die Nachrichtenagentur Reuters: Japan acknowledges first radiation death among Fukushima workers 
Konkret hat gerade das japanische Ministerium für Arbeits-, Gesundheits- und Sozialministerium beschlossen der Familie eines ehemaligen AKW Mitarbeiters eine Kompensation zu zahlen, der inzwischen an seinem im Februar 2016 diagnostizierten Lungenkarzinom verstorben ist. Die Lebenszeitdosis, die er bei seiner Arbeit in Fukushima und anderen AKWs erhalten hat wird mit 195 mSv angegeben.
Um für die Größenordnung einen Begriff zu geben: Das entspricht etwas der Lebenszeitdosis eines alten Waldviertlers durch die natürliche Strahlung  in seiner Heimat bzw. in der Annahme einer linearen Beziehung zwischen Exposition und Krebsrisko (100 mSv = 0,5% zusätzliches Krebsrisiko) einem Zuwachs des etwa 20%-igen Krebsrisikos der japanischen Allgemeinbevölkerung auf ca. 11%.

Jedenfalls wurde die behördlich in Japan festgesetzte Expositionsgrenze für beruflich strahlenexponierte Personen im Rahmen einer „radiologischen Notfallsituation“ in seinem Fall nicht überschritten.
Egal, er ist verstorben und seine Angehörigen bekommen eine finanzielle Entschädigung, zwar nicht vom Betreiber des AKW Fukushima Daiichi sondern offenbar vom japanischen Staat, aber davon später.

Aktuell verlangten laut einem von der NYT zitierten Bericht der japanischen Zeitung Asahi Shimbun 17 ehemalige Arbeiter des AKWs eine Kompensation.
5 Fälle wurden zurückgewiesen und 2 haben ihren Antrag zurückgezogen.
In insgesamt in vier Fällen wurde ein Zusammenhang zwischen den Arbeitsplatzbedingungen in dem 2011 havarierten AKW und der malignen Erkrankung (zumindest in 3 Fällen Leukämie) anerkannt, ein direkter Zusammenhang mit der Strahlenexposition jedoch offen gelassen.
2017 übersetzte das die BBC so:
„While the causal link between his exposure to radiation and his illness is unclear, we certified him from the standpoint of worker compensation. „

Der Artikel der Nachrichtenagentur Reuters schloss dann mit der Erwähnung der über 160.000 Personen, die nach dem AKW Unfall evakuiert wurden und den daraus folgenden, vor allem psychischen Traumata, die bislang nicht von der Regierung als „Strahlenfolgen“ aber in einigen Fällen vor Gericht als entschädigungspflichtig anerkannt wurden (2017: TEPCO ordered to pay evacuees of Fukushima nuclear disaster). Schätzungen sprechen allein von über 2.000 Menschen, die an den Folgen der Evakuierungsmaßnahmen nach der Naturkatastrophe (unabhängig vom AKW Unfall) durch Stress, Infektionserkrankungen und eingeschränkte Versorgung verursacht wurden. Selbstverständlich sind die beiden Größen vernünftigerweise nicht in Relation zu setzen, jedoch müssen sie mitbedacht werden, zumal vergleichbare Entschädigungen für diese Gruppe in jedem Fall ein Vielfaches der Summe ausmachen würden, die an Krebs erkrankte AKW Mitarbeiter bezahlt werden.

Die New York Times übernahm am selben Tag das Thema des „anerkannten Krebstoten“ und ergänzte, dass der betreffende Mann seit über 28 Jahren, also schon vor dem Unfall, in Fukushima Daiichi gearbeitet hat. Bereits 2015 hat die japanische Regierung zusätzliche Gesundheitskosten eines Mannes übernommen, der zwischen 10/12 und 12/13 an den Aufräumungsarbeiten beteiligt war und an Leukämie erkrankt ist.

Der Unterschied zu dem rezenten Fall besteht aber darin, dass damals mit der Kompensation der Zusammenhang mit der Strahlenbelastung nicht ausdrücklich anerkannt wurde, das aber nun – wider besseres naturwissenschaftliches Wissen – ein Prejudiz geschaffen wurde.
Schon 2015 hat die NYT auf das prinzipielle Problem solcher Entscheidungen hingewiesen, weil ein Zusammenhang zwischen Strahlenexposition und Folgeerkrankungen immer nur auf Basis von Wahrscheinlichkeiten gezogen werden kann, aber in der Regel im Einzelfall nicht zwischen einem durch Strahlung oder durch andere (genetische, Verhaltens- oder Umweltfaktoren) differenziert werden kann. Es gibt zwar erste wissenschaftliche Erkenntnisse, dass sich die Genetik von strahleniduzierten Schilddrüsenkarzinomen nach Tschernobyl und spontanen papillären Schilddrüsenkarzinomen nicht nur im klinischen Verlauf sondern evtl. auch genetisch differenzieren lassen. Ganz abgesichert ist dies mW jedoch noch nicht.

Auch in dem dem Fall mit Leukämie eines AKW Arbeiters hatte dieser sogar eine geringere Strahlenexposition erhalten hat als andere, nicht erkrankte Mitarbeiter (15.7 millisieverts of radiation during his 14 months), was die Schwierigkeiten eines Kausalzusammenhanges in diesen Fällen deutlich macht.

In diese Kerbe schlug auch Dr. James Conca auf Forbes eine Tag später:
Why The Cancer Death Of A Fukushima Worker Was Likely Not Due To Fukushima 

Obwohl auch seine Argumentation Widerspruch hervorruft:

Lungenkrebs ist kein “typischer” Organkrebs für eine Exposition, die während des Unfalls auftraten
; was mE so nicht ganz haltbar ist, weil jede Exposition gegenüber ionisierender Strahlung prinzipiell das allgemeine Risiko der Krebsentstehung erhöht.
Nur ganz wenige Expositionen, i.d. Regel dort, wo das „strahlende Material“ ganz spezifisch in bestimmten Geweben angereichert wird (z.B. Jod > Schilddrüse) lässt sich darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen Exposition und bestimmtem Organ-Karzinomen annehmen.

Es benötigte Jahre, bis in den Überlebenden der A-Bomben-Abwürfe im II. WK die ersten Lungenkarzinome auftraten.
Das ist so nach den neuesten Auswertungen der Life-Span-Study (Lit 1, Lit2) ebenfalls nicht richtig.
Es stimmt zwar, dass es 5 Jahre dauerte, bis statistisch gesichert mehr Organkrebse (i, Ggs. zu Leukämien, „sogenanntem Blutkrebs“) erkennbar waren, als es dem Erwartungswert in dieser Bevölkerung entsprochen hätte (Excess Cases/Death). Für Leukämien war das bereits deutlich früher nach der Exposition der Fall war, nur heißt das nicht, dass keines der früher aufgetretenen Karzinome nicht doch strahleninduziert war, man konnte dies mit statistischen Methoden eben nicht von den „anderen“ Karzinomen unterscheiden, die spontan oder auf Grund anderer Risikofaktoren entstanden sind.

Die Geschichte verbreitete sich dann durch viele Kanäle und kam bei uns verkürzt so an:
Krebserkrankungen durch Fukushima-GAU: Erster offizieller Todesfall
Todesfall bestätigt Nach Fukushima-GAU: Arbeiter erlag Lungenkrebs
Offiziell erster Strahlentoter nach Fukushima-Havarie

Keine Ahnung, welche Schlüsse Herr Weiss auf 1000 Seiten zum Lachen brachten, es darf jedoch aus seinen Interviews und dem pointierten Titel geschlossen werden, dass ihm das Lachen ebenso im Halse stecken bleibt wie mir, wenn man sich mit der offensichtlichen Unfähigkeit von Politik, Justiz, Medien und Gesellschaft beschäftigt, mit einer Katastrophe wie in Japan 2011 umzugehen.
Ohne zu große Parallelen zur Nuklearkatastrophe von Tschernobly ziehen zu wollen, Ursache und Verlauf der beiden Ereignisse unterscheiden sich doch sehr, reichten die über 32 Jahre offenbar nicht aus, um zu erkennen,
dass es hier (medizinisch) nicht nur um die Strahlenwirkung geht,
dass (wie im Finanzwesen und (vermutlich) der privatisierten italienischen Autobahn) die privaten Betreiber zwar die Gewinne einstreifen, aber für die Gesamthaftung nicht gerade stehen, um
letztendlich im Hinblick auf Haftung und Entschädigungen zu einem ausgewogeneren Bild zu kommen.

Natürlich ist aber sonst Herrn Dr. Conca zuzustimmen, dass niemand gegen die Entschädigung für Menschen ist, die Leid erlitten haben, aber es vergeht einem das Lachen, dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse offenbar negiert werden, wenn der entschädigt wird, der mit einem Dosimeter einen „spontanen oder strahleninduzierten Krebs“ bekam und der nicht, dessen Gesundheitsgefährdung im Rahmen der Evakuierungsmaßnahmen nicht im mSv ausgedrückt werden kann, vielleicht weil das so billiger kommt und der Boulevard dann zur nächsten Headline hastet.

Written by medicus58

11. September 2018 at 17:00

Im Nebel der Öffentlichkeitsarbeit oder die Grenze zwischen selektiver Information und Lüge

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Die heutigen Überlegungen haben zwar einen konkreten Anlass, sind aber letztendlich völlig unabhängig davon und in gewisser Weise die Fortsetzung dessen, was hier schon unter dem Titel Risikokommunikation abgehandelt wurde. Exemplarisch eben an Strahlenunfällen: Ruthenium Slow burn

Wir leben in einer Zeit der scheinbaren Voll-Information.
Keine Firma, kein Betrieb kann es sich mehr leisten, sich nicht permanent der Öffentlichkeit zu erklären.
In der gewinnorientierten Privatwirtschaft nennt man das schlicht Werbung, wenn auf die eigenen Vorzüge hingewiesen wird und allfällige Risiken verschwiegen werden, oder das im Schnell-Sprech-Modus nachgestellte „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“gelöst wird.

Längst scheint es aber auch dem im nicht gewinnorientierten Bereich bei NGOs und öffentlichen Einrichtungen unumgänglich, alle immer gleich und direkt zu informieren. Wir finden keine Katastrophen-Handbuch mehr, dass nicht detaillierte Anweisungen gibt, wie diese permanente Öffentlichkeitsarbeit abzulaufen hat; nicht zuletzt deshalb, um die Informationshoheit nicht an andere (Medien, Opposition oder Trolle) zu verlieren. Vermutlich lässt sich das auch nicht mehr in andere Bahnen lenken, es wird aber dort zum Problem, wo die Öffentlichkeitsarbeit perfekter scheint, als die geleistete Arbeit an sich.

Während früher den „lästigen Fragestellern“ einfach die Türe vor der Nase zugeschlagen wurde, beantworten heute designierte Sprecher scheinbar objektiv die Fragen und veröffentlichen oft im Minutentakt die Untersuchungsergebnisse. Problematisch wird das, wenn in der Fülle an Informationen selektiv gerade die Teile ausgespart werden, die einerseits für das Verständnis des Geschehenen essentiell wären, um die ganze Tragweite abschätzen zu können.

Wir werden oft mit Meldungen beruhigt, wie viele Helfer im Einsatz waren, ohne uns mitzuteilen, ob diese auch dort waren, wo sie gebraucht wurden.
Wir hören von oft übermenschlichen Anstrengungen einzelner, um die Frage nicht aufkommen zu lassen, ob man sich diese nicht ersparen hätte können, wenn davor etwas anders gehandelt worden wäre.
Mit großer Geste werden falsche Mutmaßungen mancher Medien von sich gewiesen, ohne zu erklären, dass zwar die erste Mutmaßung falsch war, aber die eigene selektive Öffentlichkeitsarbeit Mutmaßungen herausgefordert hat, weil sich die Dinge so wie sie dargestellt wurden sicher nicht zugetragen haben können.

Wenn in einem Risikobereich gearbeitet wird haben Fehler oft schreckliche Folgen und Einzelpersonen steht das Recht zu sich nicht selbst zu belasten.
Wenn aber Institutionen Öffentlichkeitsarbeit leisten, dann sollten (selbstverständlich unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten) alles offen legen oder nichts.

Die selektive Auslassung von bereits vorliegenden Informationen schrammt ebenso messerscharf an der offen Lüge, wie ein Limited Hangout (Unentschieden, oder was?).

Letztendlich stellt sich dann oft die Frage, ob man nicht mehr Sorgfalt in die Kernarbeit als in die Öffentlichkeisarbeit stecken hätte sollen.

 

Written by medicus58

4. September 2018 at 17:00

IKEA verstehen: Mittelklasse unter sich

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„Das ist hübsch, was ist das?“

„Da kann man was reingeben.“

Im Selbstbedienungsbereich des IKEA findet man ein Paralleluniversum. Weiblich dominantes Mittelstandspublikum, spät berufene nicht mehr Jung-Eltern und offenkundig mit dem Nestbau ausgelastete Verpartnerte schleppen den inzwischen im mehr oder weniger Fernen Osten gefertigten, ehemals europäisch gutbürgerlichen Wohntraum der späten 50er und frühen 60er Jahren nach Hause.

Grau-grün-braune Ohrensessel, Omas Servierbretter und Einsiedegläser in denen nichts mehr eingerext wird sondern bestenfalls Smoothie herausgesaugt wird. Und jede Menge Duftkerzen und Behübschungs-Un-Zierrat.

Überwiegend weißhäutiges Publikum oder Multi-kulti aus dem Schlagschatten der Uno-City, weder Glatzköpfe noch afghanische Asylwerber. Man findet sich am Fleischbällchen oder bei immer mehr veganem Zeug.

Wie nachhaltig die Schlägerungen waren, aus denen die unaussprechlichen Kreationen gefertigt sind, ob sich in den kuscheligen Heimtextilien noch was anderes als Polyester findet, und wo die Gewinne versteuert werden ist dem Family-Card Besitzer einerlei.

Er könnte sich das zwar alles fragen, muss es aber nicht, wenn er mit seinem Einkaufswagerl an eine der endlosen Schlangen an den fast 30 Kassen andockt und sich und seinem Zahnarzt noch einen Daim-Riegel gönnt.

Written by medicus58

25. August 2018 at 16:15

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Es ist richtig, dass über Zwischenfälle im Gesundheitsbereich diskutiert wird, über die Berichterstattung sollte man aber auch diskutieren

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Im LKH Salzburg kam es am 27.April dieses Jahres im Zuge eines kleinen Eingriffs bei einem 17 Monate alten Bub beim Ausleiten der Narkose zum Einatmen von Erbrochenem und einem schweren Hirnschaden. Das Kind verstarb 11 Tage später ohne aus dem Koma erwacht zu sein.

Die Salzburger Nachrichten berichteten am 5. Juni (!) von dem Fall mit der Schlagzeile:
Kleinkind starb nach Operation im Landeskrankenhaus
Gleichzeitig berichteten die Tiroler Tageszeitung, OE24 und auch Heute den Vorfall weitgehend gleichartig, also offensichtlich ohne tiefer gehende eigene Recherche.
Auch Orf.at die OÖ Nachrichten und die Kleine Zeitung fanden an diesem Tag keine anderen Worte oder Fakten:

Der Zwischenfall ist bei einer indizierten aber nicht unmittelbar erforderlichen OP passiert, das KH hat den Fall dem Staatsanwalt vorgelegt, die Eltern haben rechtlichen Beistand.

Niemand wurde bislang freigestellt, weil keine grobe Fahrlässigkeit bestand.

Nein, heute geht es mir nicht wie schon 2011 darum, dass Copy and Paste ist kein Journalismus ist.

Heute, am 19.August um 6:00 titelt die Kronen Zeitung:

Eltern klagen an: „Ärzte haben unseren David auf dem Gewissen“

Jetzt kann man über den Stil der Krone zu Recht empört sein, die die Geschichte selbstverständlich mit Babyfotos und Homestory
(„Das Gute ist, euer Kind ist nicht tot“,
„wir beatmen nur mehr einen Toten“)
4 Monate nach dem Vorfall „zum Thema macht“.

Prüft man aber den Inhalt dieses Textes, dann stößt man auf Details, die, wenn sie stimmen, durchaus schon vor Monaten berichtenswert gewesen wären und man stellt sich die Frage,
weshalb die oben zitierten Qualitätsmedien, das übersehen haben:

Angeblich war das Kind nicht nüchtern und wurde dann doch noch am selben Tag operiert, als die Eltern eine private Zusatzversicherung erwähnten.

Die Krone ist nicht die Staatsanwaltschaft und selbstverständlich gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung, solange nicht eine unabhängiger Richter (möglicherweise letztinstanzlich) ein Urteil gesprochen hat, aber in Zeiten wie diesen, wo immer wieder die demokratiepolitische Wichtigkeit der Medien als Vierten Kraft im Staate betont wird, stellt sich mir schon die Frage, weshalb angebliche Qualitätsmedien derart wesentliche Hintergründe offenbar nicht recherchierten, obwohlsie über den Fall berichten.

Natürlich bringen unerwartete Todesfälle in der Medizin Quote, der Leser kann aber mit der Tatsache an sich nichts anfangen, außer er verzichtet darauf, jemals wieder im Krankheitsfall in ein Spital zu gehen.
Wenn aber nur ein Teil des Artikels in der Krone der Wahrheit entspricht, kann man m.E. schwer behaupten, dass da alle alles völlig richtig gemacht haben.

Wer jemals in einem Spitalsbetrieb interventionell tätig war weiß, dass in der Routine durch unglückliche Verkettungen Fehler passieren können, die eigentlich nie passieren hätten dürfen.
Es ist völlig verständlich, dass die Betroffenen nun die Schuld personalisieren wollen und möglicherweise, wird das eine genaue Aufarbeitung der Ereignisse auch ergeben, nur scheint immer mehr eines klar:
Die sogenannten Qualitätsmedien scheinen – warum auch immer -nicht mehr in der Lage die Faktenlage zu ihren Nachrichten zu recherchieren. 
Das ist sehr bedauerlich, denn damit legitimiert man den Boulevard die Themenführerschaft zu übernehmen.

Ich werde berichten, wie der Fall ausgegangen ist.

Written by medicus58

19. August 2018 at 13:44

Asylgrund Homosexualität

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Asylbescheid gegen Homosexuellen zieht internationale Kreise alarmiert gerade Die Presse.
„Die irrste Abschiebebegründung Europas“ titelte etwa die deutsche „Bild, wie die Presse auch nicht gerade die Speerspitze gesellschaftspolitischer Liberalität.

In Unkenntnis der Details dieses Falles kann und will ich dazu auch nichts zum Fall des nun 18-Jährigen sagen und hoffe regelmäßigen Lesern dieses Blogs nicht ausdrücklich betonen zu müssen, dass ich jede einvernehmliche Sexualität zwischen zwei gesunden Erwachsenen für legitim halte und – eh klar – Homosexualität ist keine Krankheit.

Ich möchte auch nicht in der Haut jener stecken, die seit einigen Jahren unter enormem Zeitdruck zwischen Asylberechtigten und jenen unterscheiden müssen, die das tun, was wohl jeder für uns anstrebt, die eigenen Lebensbedingungen zu verbessern.
Was mich in die Tasten greifen ließ ist ein Aspekt, der mir in all den aufgeregten Berichten über die hier erwähnten „schwulenfeindlichen Klischees“ (Copyright Falter) völlig untergeht:

Das Verbot sexueller Handlungen zwischen Männern hat – weshalb auch immer – weltweit eine lange Tradition.
Gerade die Bibel, die doch von Medien wie den oben zitierten immer wieder als gemeinsamer Wert beschworen wurde, ist da ziemlich erbarmungslos:

„Wenn ein Mann seinem Genossen beiwohnt, man es ihm beweist und ihn überführt, so soll man ihm beiwohnen und ihn zu einem Verschnittenen machen.“(Wikipedia)

Dass sich die sonst doch stets auf die Alten Griechen berufenden gutbürgerlichen Kreise jemals nach deren Vorbild zur allgemeinen Einführung der päderastiellen homoerotischen Freundschaft aufgerufen hätten, ist mir im Schulunterricht ebenso entgangen, wie die Lobpreisung Goethes für seine homoerotischen Grenzgänge.

Das Schutzalter, ab dem Homosexualität straffrei war wurde in der DDR 1983 in der BRD erst 1973 auf 18 Jahre herabgesetzt.
In Österreich herrschte bis 1971 ein Totalverbot und wir waren zwischen 1920 und 1938 sogar in Bezug auf unsere Bevölkerungsgröße europaweit führend bei den diesbezüglichen Verurteilungen.
1971 wurde das Totalverbot zwar durch vier neue Bestimmungen aufgelockert, die aber erst schrittweise
bis 2002 (!)  modifiziert bzw. aufgehoben wurden, jedoch haben bereits ausgesprochene Vorstrafen formaliter weiterhin Gültigkeit.

Während die Homosexualität in Europa inzwischen legal ist, gibt Wikipedia einen guten Überblick, dass sie in vielen Ländern Afrikas und Asiens (z.B. auch im Urlaubsparadies Malediven) mit hohen Strafen bis zur Todesstrafe verfolgt wird bzw. in Ländern wie Russland und der Türkei zwar formal legal ist, die staatlichen Autoritäten aber keinen Zweifel aufkommen lassen, dass sie unerwünscht ist.

Es ist sehr einfach sich über die „irrste Abschiebebegründung Europas“ nun als liberal und human zu präsentieren, sollten sich „die Empörten“ doch einmal die Frage stellen, ob wir angesichts der unbestreitbaren gesellschaftspolitischen Entwicklungsunterschiede in dieser Welt etwas als Asylgrund akzeptieren, was (in geschichtlichen Zusammenhängen) kürzlich bei uns noch bestraft wurde.

Der bei uns erst 2002 aufgehobene §209 hatte einen
Strafrahmen für [männliche] Gleichgeschlechtliche Unzucht mit Personen unter 18 Jahren von 6 Monate bis 5 Jahre.
Laut Wikipedia ist der aktuell in Afghanistan gültige Strafrahmen 5 – 15 Jahre!

Würden sich insgesamt die gesellschaftspolitischen Freiheiten zwischen Afghanistan und Österreich nur um den Faktor 3 unterscheiden, wären wohl alle glücklicher!

 

 

Written by medicus58

16. August 2018 at 18:20

Veröffentlicht in Renaissance der Aufklärung

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