Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Was wurde eigentlich aus …

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Wir erinnern uns vielleicht noch an den Ärztestreik vor zwei Jahren im Zusammenhang mit den neuen Arbeitszeitregelungen für Ärzte und die abgehobene Art wie das die damalige Gesundheitsstadträtin und ihr KAV Generaldirektor gehandhabt haben.

Es gibt einen (Ärzte-)Streik und das ist etwas ganz Besonderes
Ärztestreik: Neue Besen schießen scharf aber fürsorglich
Streikentschädigung: sind wir wieder gut … 

Als eine Folge der Streikbewegung wurden (vor der Ärztekammerwahl im folgenden Jahr) Gesprächsgruppen zwischen der KAV Führungsebene und den Ärzten zu verschiedenen Themen (Transformationsprozess, EDV, Ärzteausbildung, …) eingerichtet, in denen eine Reihe von Detailproblemen angesprochen bzw. Informationen über die im KAV zukünftig geplanten Veränderungen eingefordert werden konnten. Die Seite der Ärzte war ziemlich bunt gemischt und umfasste Ärzte in Ausbildung ebenso wie Primarärzte. Natürlich waren in diesen Gruppen auch Kammerfunktionäre- und vertreter anwesend und  diese schienen anfänglich ebenfalls sehr engagiert und hefteten sich den „Erfolg“ die Gesprächsgruppen „durchgesetzt“ zu haben an die stolz geschwollene Brust!

Dieses Engagement hat sich nach der Wahl im März 2017 offenbar in die Verteilung der Pöstchen in Kammergremien und -referaten verlagert und die Gespräche im KAV scheinen niemanden mehr abzugehen. Natürlich gibt es ja die Personalvertreter, die im ärztlichen Bereich nicht selten auch Kammerfunktionen bekleiden, die wie in der Vergangenheit ja „ständig im Dialog mit der GD stehen“, nur taten sie das ja vorher auch, ohne dass wir

zu einer befriedigenden Lösung für die Dienstkleidung,
zu einer funktionierenden EDV Lösung für die Verwaltung der Ärztedienstzeiten,
zu Klarheit über Stand und Weiterentwicklung des Spitalskonzeptes, oder der Master-Betriebsorganisation, etc.

gekommen wären.

Am 
17.5. 2019,  zeitgleich mit den Gewerkschaftswahlen finden in Wien wieder die Wahlen zur Personalvertretung statt. Also vielleicht langsam der richtige Zeitpunkt die Freunde zu fragen, weshalb es das Gesprächsforum mit der KAV GD nicht mehr gibt und ob sie uns vielleicht den diesen alten Wein („Transparenz“, „Information“, …) gar in neuen Schläuchen erneut servieren wollen, um an unsere Stimmen zu kommen.

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Written by medicus58

17. Juli 2018 at 18:27

Fahren Sie lieber auf Urlaub statt krank zu werden

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Dass es während der Urlaubszeit personelle Engpässe gibt, ist ja an und für sich keine besondere Erwähnung wert.
Dass dies auch außerhalb der Urlaubszeit (z.B. bei den Krankenkassen) keine Seltenheit ist, haben wir hier zuletzt im September des Vorjahres dokumentiert (Gut versorgt: Ambulanzsperren).
Ja, und dass die Gesundheitspolitik plant obwohl die „Soldaten“ schon längst weiter gezogen sind, wurde auch seit Jahren hier immer wieder angesprochen.

So gesehen ist das Schriftstück, das gestern aus dem AKH kam „Akutmaßnahme Annahmestopp für Probeneinsendungen A/72/2018“ eigentlich auch keine Überraschung, wo die Direktion des laut KAV-Masterplans für die Supramaximalversorgung im Wiener Spitalskonzept zuständigen AKH mitteilt, dass
aufgrund eines akuten Personal- und Geräteengpasses am Klinischen Institut für Pathologie des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien – Medizinischer Universitätscampus vorübergehend keine Annahme/Verarbeitung von Nierenbiopsien und molekularpathologischen Untersuchungen möglich ist und die Einsendungen retourniert werden.“

Auf den ersten Blick vielleicht irritierend wird das Vorgehen wie folgt begründet:
„Diese Maßnahme dient der Patientensicherheit, die durch die verzögerte Befunderstellung gefährdet sein könnte.“

Möglicherweise führt das ebenso zu hektischen Diskussionen wie im April dieses Jahres ein Interview mit Prof. Husslein (AKH-Primar will künftig Patienten abweisen), in dem flapsig in die Kamera sagte: „Man hat Volleyball mit uns gespielt, und wir spielen jetzt Volleyball zurück und schicken die Patenten dorthin, wo sie besser aufgehoben wären.“

Blöd ist halt, dass es das „dorthin“ auch nicht mehr gibt. Die Patienten stauen sich ja in der AKH Ambulanz, WEIL der niedergelassene Bereich nicht (mehr) funktioniert.
Es gibt, um auf das aktuelle Thema zurück zu kommen, natürlich auch andere Pathologien als die im AKH, nur wird es vielleicht einen Grund haben, wenn manches ins AKH geschickt wird und nicht vor Ort befundet wird!

Ich habe den besagten Brief hier nur deshalb angesprochen, um wieder einmal darauf hinzuweisen, was in der leidigen Spitalsbetten- und Ambulanzwartezeit-Debatte immer unter den Tisch fällt, dass die Versorgungssituation auch in der Diagnostik bereits höchst prekär ist. Und ohne Diagnose gibt es keine vernünftige Therapie!

Egal, bleiben Sie gesund und machen Sie Urlaub;
nicht dass es in anderen Ländern viel besser um die Versorgung bestellt ist (Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da),
aber solange wir alle in Europa wählen, wie wir wählen und nicht Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms lesen, wird weiter an der Versorgungssicherheit gespart werden, bis dann nichts mehr geht!

Ja und wer glaubt, dass das alles nur urlaubsbedingt ist, möge den Text nochmals lesen, denn im AKH wird nicht nur von personellen Problemen sondern auch von einem Geräteengpass gesprochen, und Geräte fahren nicht auf Urlaub!

Written by medicus58

12. Juli 2018 at 17:44

Vom Scheitern in China

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Es gibt wenig das den Reisenden so schmerzt wie ein geplantes Ziel nicht erreicht zu haben,
auch wenn man sich danach noch so oft einredet, dass die Reise selbst das eigentliche Ziel wäre.
Auch wenn sich die Geschichte schon vor drei Jahrzehnten zugetragen hat,
und ich auch damals nicht gerade ein Hochleistungssportler war,
bleibt sie ein Stachel in meinen Reiseerinnerungen.

Ob Sie es glauben oder nicht, es blieb bis jetzt nur eines von zwei Zielen, die ich in all den Jahren nicht erreicht habe.
Nein, der Everest war nicht das zweite meiner unerreichten Ziele, sondern ein eher unbedeutender kleiner Tempel der definitiv nicht dort gebaut wurde, wo es der Reiseführer versprach.

Der Daoismus bringt es auf insgesamt Fünf Heilige Berge und gegen Ende einer Rucksackreise durch China habe ich es mir in den Kopf gesetzt einen von ihnen, den Tai Shan zu bezwingen.
Im Alten China galt er zwar als höchster Berg der Erde und einige Herrscher ließen sich hinauftragen, um Himmel und Erde zu opfern, die Wahrheit ist aber viel unspektakulärer als sich die chinesischen Legenden anhören.

In Wahrheit ist der Tai Shan nur 1545 m hoch, was eigentlich nach kleinem Ausflug klingt.
Das Problem stellt aber nicht der zu überwindenden Höhenunterschied von 1350 m dar, sondern die 9 km Treppen mit „offiziell“ 6293 Stufen, die zum Tempel des Jadekaisers („Yuhuang Dian“) führen.

Ich kann meine brennenden Waden noch heute fühlen, als ich am späten Nachmittag, den Tempel vor Augen umkehren musste, weil ich es sonst vermutlich nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit zurück ins Hotel geschafft zu hätte.
Ich sah die Dächer des Tempels und hätte sogar noch die Anzahl der fehlenden Stufen abzählen können, aber irgendwie ging gar nichts mehr.

Auch damals wäre es schon möglich gewesen mit einem Taxi bis zur Talstation der Seilbahn in 800 m Seehöhe zu fahren und sich ganz bequem, wie viele der jährlich inzwischen 6 Millionen Besucher bis knapp vor den Tempel bringen zu lassen, aber gegen Ende eines Backpacker-Monats in Chinas war das Budget schon etwas knapp und wir mussten es noch bis Peking schaffen.
Außerdem versprach die Legende denen, die es zu Fuß schafften, ein langes Leben, so dass die Entscheidung leicht fiel. Neben meinen körperlichen Limitationen unterschätzte ich auch die sengende Sonne und die unphysiologische Belastung durch oft kleine Stufen, die mich zwangen überwiegend auf den Zehenspitzen hoch zu steigen.

Das war aber alles nicht die eigentliche Erniedrigung, die ich mit diesem Trip verbinde.
Es war auch nicht der „Zynismus der UNESCO„, die den für mich unerreichbaren Berg im Jahr davor zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Was wirklich schmerzte waren die Lastenträger, die an mir vorbei die Stufen hinauf liefen (!).
Angeblich machen manche von Ihnen den Aufstieg zweimal pro Tag, um Güter für den Tempel und die Kioske auf den Gipfel zu bringen.
Kleine, flinke Muskelpakete, die einen wie einen gestrandeten Elefanten aussehen lassen.

Link:
China from China
Kennen Sie Zhengzhou? mal wieder Reiseerinnerungen
Spucken Sie bitte nicht

Written by medicus58

8. Juli 2018 at 20:50

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Wundern was geht ..

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Wir erinnern uns vielleicht noch an die Aufregung im letzten Präsidentschaftswahlkampf als Hofer kryptisch seinem Gegenüber drohte, dass „man sich noch wundern würde, was alles möglich sein wird“.

Nun inzwischen ist nicht nur Van der Bellens Bollwerk gegen CETA als das entlarvt wurde, was vorher schon war, ein leeres Versprechen; von einem Wissenden abgegeben auch als Lüge gut umschrieben:

Der Notar macht keine Gesetze.

Hofer, der Retter der „Kleinen Menschen“ (im Ggs zu den „Großkopferten der Hautevolee“), erlaubt seinem Klientel inzwischen zwar mit 140 km/h in die Arbeit zu brausen, damit es sich in der 60h Woche noch irgendwie ausgeht, Kinder zu machen um den Kinderbonus ausschöpfen zu können, bleibt aber wenig überraschend zurückhaltend, wenn Tückisch-Blau (wie ehedem Blau-Schwarz) mit Arbeitsgesetzen, Sozialgesetzen, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und der Pressefreiheit die Spielräume der Macht auf das Äußerste ausreizt.

Nicht dass frühere Regierungen nicht auch Geschäftsordnungen, Oppositionsrechte und Machtinstrumente (geschwärzte U-Ausschuss Akten) unverschämt nutzten, die Spirale geht heute einfach einen Dreh weiter.

Das Motto lautet:

Alles was nicht ausdrücklich verboten ist, ist uns erlaubt.

Was offenbar ein US-amerikanischer Präsident darf, erlebt die Welt gerade hautnah.

Wir haben uns, auch wenn dies nicht expliziter Teil unserer Rechtsordnung ist, an eine Art Common Law gewöhnt und glauben, dass das Anhörungs- und Mitwirkungsrecht von Vereinen wie der Gewerkschaft, den Kammern, die schließlich im übertragenen Wirkungsbereich der Behörden agieren, bekannten NGOs oder supranationaler Gremien irgendwie durch die Praxis in der Vergangenheit auch in Zukunft garantiert wäre.

Alle paar Jahrzehnte lernen wir, dass das nicht so ist, wollen das aber nicht wahrhaben und lassen uns auf Nebenschauplätzen (Asylantenkrise Version 2.0) beschäftigen.

Übrigens: Auf die hier vor einiger Zeit aufgeworfene Frage, wo den stünde, dass uns der Staat eine Gesundheits- und Sozialvorsorge garantieren würde, habe ich bis jetzt keine Antwort gefunden.

und was nicht ausdrücklich geregelt ist, können wir uns malen

Written by medicus58

7. Juli 2018 at 13:37

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Ein guter Erklärungsversuch der Mitveranwortung linker Vordenker

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Mich vereint mit dem Autor mein Unverständnis, weshalb Jürgen Habermas (wie Grass, wie wer weiß ich noch) zu Säulenheiligen der sozialdemokratischen Linken des 20. Jhdrts wurden und ich kann seine Erklärungen, weshalb diese Linke immer mehr an Boden verloren hat, sehr gut nachvollziehen.

Eine Leseempfehlung:

https://amp.welt.de/kultur/article178840510/Juergen-Habermas-Die-Mitveranwortung-linker-Denker-am-Rechtsruck-in-Deutschland.html?wtmc=socialmedia.twitter.shared.web&__twitter_impression=true

Written by medicus58

6. Juli 2018 at 07:55

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Von glühenden Europäern, warum immer mehr LKWs für den IS fahren werden und interessante Daten der OECD

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Wer ist heute kein glühender Europäer:

Politiker, Gewerkschafter, Interessensvertreter, …
Selbst diejenigen, die vor der EU-Abstimmung noch gegen einen Beitritt waren, von der FPÖ bis zu den Grünen, glühen oder behaupten es wenigstens,
nur noch ein paar glühen vor Ärger.

Verstehen Sie mich richtig, ich hielte einen EU-Austritt Österreichs nun, fast auf den Tag genau 24 Jahre vor unserem Beitritt auch für keine prickelnde Idee, nur würde ich mir schon ein paar Antworten auf einige Fragen oder noch besser Aktivitäten Brüssels in die richtige Richtung wünschen!

Heute wird die tükisch-blaue Regierung durch die Lockerung der Arbeitsgesetze (12h Tag, 60h Woche) gezeigt, was innerhalb des gesetzlichen Rahmens der EU möglich ist.
Ende Mai hatte das Europaparlament eine neue Richtlinie verabschiedet, die entsandte Arbeitnehmer besser vor Sozialdumping schützen soll. Fernfahrer wurden dabei jedoch ausgenommen – für sie sollten Vorschriften im Rahmen eines geplanten „Mobilitätspakets“ verankert werden.

Die EU-Kommission legte nun dem EU Parlament ein Mobilitätspaket zur Abstimmung vor, das
die maximal tägliche Lenkzeit von LKW- und Buslenkern auf zwölf Stunden ausdehnt,
ihnen erst nach drei Wochen statt nach zwei Wochen das Recht für 45 Stunden am Stück Ruhezeit gibt,
die Zwölf-Tage-Ausnahme von der Wochenruhe im internationalen Fern- und Reisebusverkehr auch auf den nationalen Verkehr ausweitet und
das lückenlose Verbot, die reguläre Wochenruhe von 45 Stunden in der drei-Quadratmeter-Fahrerkabine zu verbringen aufhebt.

Das Parlament hat vorerst den Vorschlag in den zuständigen Ausschuss rückdelegiert, weg ist das Thema noch längst nicht und es wird klar, wohin die Reise gehen soll:
Weniger Schutz von Arbeitnehmern vor Ausbeutung durch Arbeitgeber und sich selbst, sowie Lohndumping und Arbeitsmonadentum durch die Ausnahmen für grenzüberschreitend tätigen Bus- und Lkw-Fernfahrer.

Natürlich lassen Gewerkschafter und Arbeiterkämmerer die Muskeln spielen, nur lässt hier eine andere Meldung aus den Tiefen der OECD Statistiker aufhorchen:

Nach der 2008 Krise, sonnen sich die OECD Länder in einem Wirtschaftsaufschwung. von denen bei den unselbständig Erwerbstätigen relativ wenig ankommt.
Wenn für den einzelnen noch scheinbar ungehemmter Konsum drinnen ist, ermöglicht das überwiegend die in Billiglohnländer ausgelagerten Werkbank und absurde Preisverwerfungen.
Während das Wachstum ohne Vollbeschäftigung (job less growth) bis vor kurzem noch durch die Digitalisierung und Automatisation erklärt wurde, die auch ohne zusätzliche Mitarbeiter ein Wirtschaftswachstum ermöglicht, lässt nun die OECD damit aufhorchen, dass wir auch inzwischen auch in Europa ein wageless growth beobachten. So neu ist das nicht, wir kennen das schon lange aus den USA als Mc-Jobs oder working poor und es darf angenommen werden, dass das auf Europa überschwappte, weil wir auch deren Ideologie und Gesellschaftssystem zunehmend übernehmen.

Die Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten sinkt. Doch die meisten Arbeitnehmer profitieren davon nicht.

„Das Lohnwachstum war nur halb so stark, wie es vor der großen Rezession bei vergleichbaren Arbeitslosenquoten war“, schreiben die OECD-Experten – und zwar in allen 34 OECD-Staaten

Als Erklärung wird (im zitierten wie in anderen Artikeln) auf das GAFA Phänomen verwiesen, eben, dass Wachstum und Kapitalzuwächse vor allem zu den „elektronischen Dienstleistern“ wie Google, Amazon, Facebook und Apple fließt. IMHO ist das aber eher ein Problem der aktuellen Steuergesetze, dass deren Gewinne an der nationalen Besteuerung vorbeifließen und erklärt mir nicht so ganz die niedrigen Löhne.

Das seit spätestens seit den 80er Jahren evidente Auseinanderklaffen von Produktivität und Löhnen kann man schon längst auch auf Wikipedia lesen, dazu hätte es die OECD Experten nicht benötigt:

Und das führt uns zu den Interessensvertretern (Gewerkschafter, Arbeiterkammer), die seit Jahrzehnten im Rahmen ihrer Kollektivvertragsverhandlungen es offenbar nicht geschafft haben, den unselbstständig Erwerbstätigen einen gerechten Anteil heraus zu verhandeln, der natürlich über Einkommens- und Verbrauchsteuern wieder den Wohlfahrtsstaat finanzieren könnten.

Vielleicht sollten die mal ihre eigenen Videos anschauen ….

Die Neoliberalisierung der Europäischen Komission ist letztendlich Folge des Wahlverhalten der EU Bürger (plus 25.000 Lobbyisten mit einem Jahresbudget von 1,5 Milliarden Euro). Woran es liegt, dass dem unsere Interessenszertreter nichts entgegen zu setzen haben, sollten wir einmal näher beleuchten,
ehe uns der erste LKW – ohne allahu akbar Rufe – zusammenstaucht.

Links:
Was sagt uns Diskrepanz zwischen erzielbarem Einkommen und Therapiekosten?
Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals

Written by medicus58

5. Juli 2018 at 18:08

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Lassen wir Asylwerber einfach absaufen?

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Der ehemaliger Integrationsstaatssekretär (2011 bis 2013), und während der „Flüchtlingskrise 2015“Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres (2013 bis 2017), unser Sebastian Kurz , will während seiner Ratspräsidentschaft nun Europa schützen und schien genüsslich am Sturz Angela Merkels, der Erfinderin der Willkommenskultur, zu arbeiten.
Er steht für Routenschließung, Zäune und Null-Toleranz und schweigt zu den 205.000 Euro teuren Polizeischüler Spielchen seines Innenministers in Spielfeld.
Dass durch seine (und die aller Rechtskonservativer) Fokussierung auf das Asylanten-Thema, alle anderen Probleme (Euro, Finanzindustrie, Klima, Bildung, Altersversorgung, ….) in Österreich und in Brüssel, ungelöst liegen bleiben, ficht die Freunde nicht an, solange sie damit glauben Wahlen gewinnen zu können.

Am anderen Ende des Spektrums zählt man täglich die Ertrunkenen im Mittelmeer und beschimpft jeden als inhuman und herzlos, wer hinterfragt, ob die (un)freiwillige Kooperation zwischen Schlepper-Mafia und NGO-Schiffs-Shuttledienst denn wirklich sinnvoll ist.
Ich habe hier schon 2015 mit den Vereinfachungen, alle wären unaufgeklärt, stumpf, rechtsradikal, islamophob und xenophob (F wie Fremdenhass? ), die im Durchwinken unregistrierter Menschenmassen ein rechtsstaatliches Problem sehen, auseinandergesetzt.
Ich habe hinterfragt , ob denn all die, die damals am Westbahnhof Teddybären und Mineralwasser verschenkt haben auch bereit wären, die hier neu in unsere Gesellschaften strömenden Wertevorstellungen, zu akzeptieren (Mögen Sie Flüchtlinge? und habe zuletzt auf die gar nicht so kleinen Problemen in unserem Gesundheitssystem (Krank gekommen, aber zu krank um zu gehen?) hingewiesen.

Was mich in der aktuellen Diskussion (wir können niemanden im Mittelmeer ertrinken lassen) so ärgert, ist natürlich nicht die Frage ob irgendjemand zuschauen möchte, wie Menschen sterben, sondern, die unglaubliche Vereinfachung eines komplexen Problemes, das IMHO gerade durch diese Vereinfachungen noch angraviert wird.

Einmal ganz simple (Die Zahlen variieren zwischen den Quellen, dir Größenordnungen schienen aber zu stimmen):

Es leiden weltweit immer noch 795 Millionen Menschen an Hunger – das ist jeder neunte.
8,8 Millionen Menschen sterben jährlich, weil sie nicht genug zu essen bekommen, das sind rund 24.000 Menschen pro Tag.
An Malaria, HIV, Tuberkulose sterben pro Tag etwas über 10.000 Menschen pro Tag.

Zuletzt sind innerhalb von drei Tagen 200 Menschen im Mittelmeer auf der Flucht ertrunken, die viel Geld dafür bezahlt haben, dass sie von Schleppern in kaum seetaugliche Boote gesetzt wurden, für das erste Halbjahr fand ich Schätzungen von rund 1000 ertrunkenen, das wären dann rund 5 ertrunkene Menschen pro Tag.

Keine Frage, beide Zahlen wären mit relativ geringen finanziellen Mitteln deutlich reduzierbar. Mit dem Geld, das die Ertrunkenen an die Schleppermafia bezahlten,
oder dem Geld das die Abwehrmaßnahmen an unseren Grenzen, oder dem Geld, das die Asylverfahren und Integrationskosten  verschlingen,
könnten viele Menschen vor dem Hungertod bewahrt werden und (Nicht an Leib und Leben Verfolgte) zum Bleiben in ihren Herkunftsländern bewegt werden
(mit den Geldern in die Entwicklungshilfe übrigens nicht, mit dem Verzicht auf Geschäften mit korrupten Regierungen eventuell).

Es scheint aber viel leichter, je nach politischer Position schweigend, aber zufrieden dem Ertrinken zuzuschauen,
oder immer mehr Rettungsboote schicken zu wollen, um so der Schleppermafia das Leben zu erleichtern und Migrationswillige zu diesem Roulette-Spiel mit dem eigenen Leben zu motivieren, nur um zu erkennen, dass sie hier in Europa oft perspektivenlos bleiben (rund 49% der Ansuchen wird negativ beschieden), wobei ich keinen beneide, der diese Entscheidung, in welcher Richtung auch immer fällen muss.

Es ist nicht inhuman, diese Zahlen anzuführen.
Es ist m.E. seelische Selbstbefriedigung sich gut fühlen zu wollen, in dem vehement Rettung aus Seenot gefordert wird, als ob damit irgend eine humane Lösung zu erreichen wäre, wenn man diejenigen, die es unter Lebensgefahr und nicht unbeträchtlichen finanziellen Mitteln geschafft haben einige Kilometer vor der nordafrikanischen Küste in Seenot zu geraten, rettet, und es ist letztendlich noch inhumaner sich nicht um diejenigen zu kümmern, die sich den Schlepper nicht leisten können.

Fast überall auf dieser Welt ist es bedeutend unangenehmer zu leben als bei uns. Wer glaubt das durch selektive Migrationserlaubnis an wenige lösen zu können, dem sei folgendes (leider nur auf Englisch vorliegendes) Denkexperiment zu empfehlen, ehe er glaubt auf Seite der Humanität zu sein:

Written by medicus58

1. Juli 2018 at 22:01

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