Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Adieu, Durchleucht

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Nicht dass ich das damals angestrebt habe, aber als ich mit dem Medizinstudium fertig war, war die Radiologie eine Goldgrube.

Klar, wer da mitspielen wollte, musste einmal einen Haufen Spielgeld investieren, weil die Einrichtung so einer Röntgenordination war nicht billig und das erforderliche Personal auch nicht, nur dann rollte der Rubel bei all den unnötigen „Cor-Pulmos“ und „Wirbelsäule AP, seitlich„. Ja, und wer sich überhaupt in ein Institut einkaufen konnte, in dem ein CT von früh bis spät „glühte“, für den waren Garagenplätze und Lieferzeiten ein größeres Problem, als die Frage welche Luxuslimousine er sich noch zulegen sollte.

OK, war für einen kleinen Klinik-Internisten vielleicht schon damals etwas zu blau-äugig, aber die Durchleuchter zählten auch international zu den Top-Verdienern.

Für alle, die aber heute glauben, dass das Gejammere über den Ärztemangel nur lokale Standespolitik wäre, dem sei der aktuelle Annual Radiology Worforce Report des Royal College of Radiologists zur Lektüre empfohlen:
75% der Spitalsmanager in UK gaben an, dass das NHS nicht mehr genügend Radiologen hat, um die Patientensicherheit zu garantieren.
2018 konnten in Großbritannien 279 offene Stellen für Radiologen nicht mehr besetzt werden und 61% blieben für mehr als ein Jahr vakant.

Die Spitäler des NHS mussten 187,5 Millionen Euro aufwenden um die entsprechenden Leistungen zuzukaufen, das waren 57,5 Millionen Euro mehr als in 2017.

Nur eine von fünf Einrichtungen hat genügend interventionelle Radiologen, um eine 24/7 Versorgung sicher zu stellen.

Ganz schlimm werden die Verhältnisse, wenn man von England (9% nicht zu besetzender Stellen) in weniger attraktive Regionen, wie Nordirland schaut, wo 18% der Stellen nicht besetzbar waren.

Ist übrigens in den US ebenso, wie Merritt Hawkins, eine Rekruitment Firma mit 24 jähriger Erfahrung berichtete, wo sich 2017 die Zahl der gesuchten Radiologen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte.

Merrit Hawkins und andere Recruiter wie Medicus Firm hielten trocken fest, dass es unterhalb eines Bruttoeinkommens von 400 – 450.000 US $ inzwischen unmöglich ist einen vernünftigen Bewerber zu finden.

Klar setzt man dort schon längst auf Teleradiologie, um die fehlenden in-house Leistungen durch Outsourcing zu kompensieren:
“Really over the last 15 months, the teleradiology business has gone bonkers,” Travis Singleton, a senior vice president at Merritt Hawkins

Wenn Sie übrigens wieder einmal einen Artikel lesen, in dem die Segnungen der Artificial Intelligence in der Radiologie lesen (Künstliche Intelligenz oder AI my ass) wissen Sie woher der Wind wirklich weht.

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Written by medicus58

12. April 2019 at 21:55

Anonym

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Befragt man Google, was denn anonym so bedeutet, so bekommt man neben der Hauptbedeutung ohne Namensnennung bemerkenswerter Weise, auch die Bedeutung unpersönlich und durch Fremdheit geprägt präsentiert.

Unsere FPÖVP Regierung, die ihre finanziellen Unterstützer ungern offen legt, will nun die Hassposter verhindern, in dem die Provider der Foren und Blogs zur Identifizierung ihrer User verpflichtet werden.

Eh, OK, Wordpesss und das Standard Forum haben mich trotz anonymisierter Mail nom_de_guerre@gmx.at schon längst identifiziert, eine Erwähnung des dubiosen Vereins Praevenire unseres HJ Schelling führt postwendend zu einer Twitter Verfolgung, will heißen, wirklich anonym sind nur mehr die wirklich Bösen in dieser Welt.

Ich blicke der Revierungsvorlage also mit gewisser Gelassenheit entgegen, möchte aber nur eines für den MEDICUS58 in Anspruch nehmen.

Fremd sollte ich nach all den Jahren wohl niemandem sein und angesichts der „verfolgenden Usern“ scheint auch hier die Anonymität gegenüber der Dienstgeberin nicht sehr dicht zu sein. Na und fremd bin ich ihr wohl kaum….

Written by medicus58

11. April 2019 at 18:17

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Micks große Klappe

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Wenig Logos sind so einprägsam wie die große Klappe Mick Jaggers, dem Leadsänger der unkaputtbaren Rolling Stones.Den schreibt man übrigens nicht so wie im Online Standard, wo ein gestresste Mitarbeiter etwas zu rasch die Mitteilung rausklickte, dass der Alte ins Spital musste.

Später wurde dann die Info nachgereicht dass Micks Aortenklappe minimal invasive (TAVR) getauscht werden musste.

Goldman Sachs schrieb noch kurz davor, dass dieses Verfahren den Herstellern der kleinen Wunderwerke, die man über einen Gefäßzugang und nicht mehr über eine Öffnung des Brustkorbes am offenen Herzen einführen kann, weltweit Einnahmen von 10 Milliarden US$ bescheren wird. Jetzt schwärmen Analysten darüber, dass den Herstellern (Edwards, Medtronic, Abbott Laboratories, Boston Scientific) gar nichts besseres passieren konnte, als dass das Jugendidol der Zielgruppe den Eingriff überstanden hat.

Oder mit den Worten des Analysten von Wells Fargo:

When celebrities like Mick Jagger undergo a surgical procedure, it tends to shine a light on the underlying disease and raise awareness of the procedure itself because of the publicity it generates.

Mick Klappe

Written by medicus58

9. April 2019 at 17:00

Die Ostermärkte haben geöffnet

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was das jetzt mit Ostern genau zu tun hat?

Ach ja, Eierlikör jetzt pur und ohne Punsch, bis zum Adventmarkt.

Written by medicus58

6. April 2019 at 15:28

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Zu Gast bei den Zuhältern in Ludendorf, dann über Mösendorf nach Tittenkofen

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Written by medicus58

5. April 2019 at 14:21

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Ombudsmann oder – Frau für Ärzte

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Patienten können sich beschweren und das ist gut so; ob die PatientInnenanwälte, der Ombudsmann der Ärztekammer oder die zahllosen Beschwerdestellen der Krankenhäuser, Gesundheitspolitik oder Kassen was anderes als noch mehr Papierkram bewirken lassen wir mal beiseite.

Wohin wende ich mich aber als Arzt, wenn man mich durch Testanrufe auf’s Glatteis führen will, wenn Zuweisungen schwachsinnig und unvollständig sind, wenn Personal- und Sach-Ressourcen ein vernünftiges Arbeiten nicht mehr ermöglichen.

Wo kann ich mich über den Patienten beschweren, der mich beflegelt, weil eine andere Abteilung ihm keinen Termin gibt? Dessen Frau unter falschem Namen sich über Personal beschwert, das mir nicht mehr unterstellt ist?

Wo kann ich mich über Privat- und Wahl Ärzte beschweren, die mir ihre Patienten ins öffentliche Spital schicken, nachdem sie sie abkassiert haben und es jetzt halt komplexer und teurer wird.

Ich plädiere für eine Ombudsperson für Ärzte, bei der ich mich beschweren kann.

Ich weiß, es wird genauso wenig helfen, aber dann kann ich wenigsten mal den anderen auch etwas Ärger und Schreibarbeiten machen, von wegen Gleichbehandlung und so.

Written by medicus58

3. April 2019 at 18:48

Der KAV ist tot, welchen Namen er trägt ist nebensächlich

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Der Wiener Krankenastaltenverbund, der seit etwas über 17 Jahren als „Unternehmung der Stadt Wien“ das Dach aller verbliebenen städtischen Krankenhäuser, Pflegeheime und Ausbildungsstandorte für Pflegepersonal und der nicht-ärztlichen Strukturen des Allgemeinen Krankenhauses (exklusive Meduni Wien) bildet, ist kaputt gemacht worden. Wie er und seine einzelnen Standorte dann im Nachruf genannt werden ist einerlei; das sei denen ins Stammbuch vermerkt, die jetzt dazu aufrufen einen Krieg mit Gesundheitsstadtrat Hacker über dessen Umbenennungpläne vom Zaun zu brechen, weil sie lieber im Wili als in der Klinik Ottakring arbeiten wollen (Klinik unter Psalmen).

Das ist ein Nebenschauplatz und wenn die PR Maschine des Rathauses die KH Nord Geschichten durch Umbenennung aus dem kollektiven Gedächtnis streichen wollen, sei ihr dieses Scheitern vergönnt.

Worüber wir diskutieren sollten wäre, wie ein zwar behäbiger und nicht ganz billiger Betrieb durch permanente politische Interventionitis an Kopf und Gliedern systematisch kaputt gemacht wurde. Beginnen wir mit den Köpfen in der Generaldirektion:

Univ.-Prof. Dkfm. Dr. Eugen Hauke (1997-28.2.2005) , ein universitärer Theoretiker schien durch seine Ausbildung als Krankenhausökonom und Tätigkeit im Kontrollamt der Stadt Wien zumindest fachlich prädestiniert den „Konzern“ zu managen. Überdies hat er seit 1997 den Übergang von einer Magistratsabteilung zu einer Unternehmung verantwortet. Mit einer Übergangszeit von 3 Monaten durfte er ab Dezember 2004 noch bleiben, aber nun glaubten Bürgermeister Brauner und Gesundheitsstadträtin Brauner, dass der Konzern besser durch den Gynäkologen, Gewerkschafter und ehemaligen Ärztlichen Direktor der Rudolfstiftung
Dr. Wilhelm Marhold (1.3.2005-31.5.2014) geführt werden sollte. Ob die in seiner Ära getroffenen Entscheidungen zum KH Nord nun gut oder schlecht waren, bemühen sich viele Kontrollamts/Stadtrechnungshofberichte und ein U-Ausschuss zu klären, doch darum geht es nicht. Hier geht es um den drastischen Führungswechsel von einem gelernten Wirtschafter zu einem gut vernetzten Arzt.

Wie Marhold zuerst als Teildirektor installiert wurde, kam der nächste Kurswechsel mit dem auf diesem Blog hinlänglich besprochenen multi Prof. Gynäkologie, Gerontologie, Betriebswirt, Wirtschaftsjurist, Arbeits- und Organisationspsychologe Dr. Udo Janßen (1.11.2014 -20.3.2017) (Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt …. ), in gleicher Weise. Die Politik setzte den Nachfolger dem amtierenden Generaldirektor als Teildirektor in den Nacken, um eine politisch gewollte Radikalwende (Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration) durchzuboxen.

Der Rest (Skandale, Beraterkosten, Abgang Janßen, Abgang Wehsely, Ausslagerungsdiskussion, Abgang Frauenberger) darf dem Kurzzeitgedächtnis als bekannt vorausgesetzt werden. Irgendwann hat man nach einem Führungsvakuum dann die jetzige Direktion auf Abruf berufen und alle warten, wie und durch wen eine noch unbekannte ausgelagerte Struktur zukünftig geführt werden soll, und das auch schon seit fast zwei Jahren.

Natürlich können und müssen sich Führungsstrategien in einem Großkonzern an geänderte Rahmenbedingungen anpassen, aber nicht um 180° alle vier Jahre und nicht um den parteipolitischen Wünschen, sondern den medizinischen Bedürfnissen zu folgen.

Mein und Ihr Zeitbudget (sollten Sie nach einem unvorsichtigen Mausklick bis hier her weitergelesen haben) verbietet es auf noch mehr Details einzugehen, aber kein Betrieb mit rund 30.000 Mitarbeitern, die übrigens nach wie vor und auch in Zukunft von der MA 2 verwaltet werden, können dieses Hü und Hott unbeschadet überleben.

Darüber müsste man mit dem Gesundheitsstadtrat streiten, dass er endlich klar stellt, welche Struktur der KAV haben wird, wer in der Generaldirektion das Sagen hat, damit die Horden sündteurer externer Berater uns im Kernprozess nicht mehr von der Arbeit abhalten.

Den Namen auf dem Totenschein füllt ohnehin ein Turnusarzt aus, verdammt, die gibt es ja auch nicht mehr ….

Sollten Sie weiterlesen wollen:

Die stillste Zeit im KAV: revisited
KAV, und wer wird’s?

KAV wird Anstalt öffentlichen Rechts ab 1.1.2019

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 1: Kafkaeskes Prozessmanagement )

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 2: Hilfe gegen den Helpdesk)

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 3: Drinnen und draußen)

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 4: Primaten raus)

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 5: Persönliches zum Personal)

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 6: Der Dank)

Written by medicus58

24. März 2019 at 14:28

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