Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Don’t Smoke, you hypocrites

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Die wissenschaftliche Evidenz, dass Rauchen ein Gesundheitsrisiko darstellt wird inzwischen nur mehr von den Dreistesten bezweifelt.
Seit mehr als einem Jahrzehnt ist es – zumindest wissenschaftlich – unbestritten, dass auch Passivrauchen ein Gesundheitsrisiko darstellt,
über dessen Höhe streitet nur mehr der Stammtisch je nach eigener Präferenz und Lebensstil.

Laut Statistik Austria (die letzten Zahlen sind aus 2014) raucht fast ein Viertel der österreichischen Bevölkerung (über dem 15. Lebensjahr) täglich, wobei es kaum einen Rückgang bei den Männern aber eine stete Zunahme bei Frauen zu bemerken ist. Zählt man die Gelegenheitsraucher und die Dunkelziffer dazu kann wohl angenommen werden, dass ein Drittel der Österreicher die anderen zwei Drittel anqualmt.

Die Faktenlage war auch schon vor 2001 ziemlich eindeutig, hat aber all die jetzt so gesundheitspolitisch Besorgten, Politiker wie Ärzte, relativ wenig aktiv werden lassen, solange die verstaatlichte Austria Tabak Gewinne abgeliefert hat und man ihr marode Betriebe wie den Schwechater Sportartikelhersteller (!) HTM anhängen konnte und Beppo Mauhart mit seinem Sponsorfüllhorn willens war. SP-Bundeskanzler Franz Vranitzky erklärte damals noch ganz offen die Austria Tabak zu „einem der wichtigsten Gewinnbringer für den Staat, weshalb eine Veräußerung eine ganz besondere Kapriole wäre“.
Auf Druck von EU-Vorgaben und den leeren Staatskassen wurde 1997 49,5 Prozent der Austria Tabak an der Wiener Börse verkauft und 2001 zu 100 % privatisiert und von der staatlichen ÖIAG an die britische Gallaher Group abgegeben. Zumindest damals verglich man den Deal mit dem BUWOG Skandal, heute ist das alles vergessen.

Seit – wie bei uns auch in vielen anderen europäischen Ländern – die Goldesel verkauft (vielleicht auch verschenkt) wurde, gebärden sich Politiker gerne als Schützer unserer Gesundheit, wenn es um Rauchverbote in der Gastronomie geht. 

Wäre dies aber so, dann hätte es unter SPÖVP bezüglich der Nichtraucherzonen in der Gastronomie nicht so ein Tauziehen gegeben!
Weshalb die FPÖ. angesichts aller anderen politischen Probleme dieses Landes, das Abendland am rauchumwehten Stammtisch retten möchte, muss sich unser Witzekanzler HC beantworten; mit Freiheit und Selbstbestimmung hat es aber sicher nichts zu tun, auch wenn uns „Kollegin“ Belakowitsch einzureden versucht.

Ärztekammer und Krebshilfe haben nun mit ihrer Don’t Smoke Abstimmung scheinbar eine Welle des Gesundheitsbewusstsein ausgelöst und aktuell standen über 270.000 Schlange, um rauchfreie Stammtische durchzusetzen. Erinnert sich noch wer, dass die Bewegung 2014 auf den am Lungenkrebs verstorbenen Kurt Kuch zurück geht, der aber selbst Kettenraucher war?

Gut so, nur halt auch irgendwie einseitig und jenseitig.

Nein, ich glaube nicht dass das alles NUR parteipolitisch motiviert ist, ich finde aber, dass all die Gesundheitsbewegten hier sehr einseitig agieren!

Sollen Sie der FPÖ eine Watsch’n geben, ist mir recht.
Machen wir die Gastronomie rauchfrei, als Nichtraucher habe ich kein Problem damit.

Tun wir aber bitte nicht so, dass wir hier besonderes Gesundheitsbewusstsein politisch durchsetzen!
Wäre dies aber so, dann hätte die Gesundheitspolitik schon längst die NOx-Diesel verboten, die nachweislich ihre behördliche Zulassung nur erschwindelt haben und im Normalbetrieb viel mehr Emissionen abgeben.  

Heute entscheidet ein deutsches Gericht über Dieselfahrverbote:
Wenn ein Dieselfahrverbot komme, hätten die Autobesitzer ein Recht darauf, bei den Herstellern Nachbesserung oder eine Rückgabe zu fordern

Bisher hat deutsche Politik jedoch der Autoindustrie die Mauer gemacht!
Gestern hat auch die Wiener SPÖ Gemeinderätin Sima einen bemerkenswerten Schluss gezogen, weshalb Wien keine Umweltzonen (=Fahrverbote für Diesel) einführt:  Gute Feinstaub- und Stickoxidwerte entziehen Umweltzonen die gesetzliche Grundlage: 2017 wurden die EU-Grenzwerte für Feinstaub an allen 13 Messstellen erneut klar unterschritten.

Und deshalb braucht man bei uns erst gar nicht auf den Betrug der Autoindustrie reagieren?
Und die Grünen halten still …

Also bitte, unterschreiben Sie das Volksbegehren oder nicht,
rauchen Sie oder besser nicht,
aber bezeichnen Sie das alles nicht als Gesundheitspolitik!

Wie immer geht es auch hier nur um Macht und Geld.

Hätten wir diese Diskussion geführt, solange die Austria Tabak noch im Staatseigentum gewesen ist, wäre sie wirklich politisch gewesen,
nämlich eine die aus Überzeugung auch gegen die eigenen finanziellen Interessen argumentiert.

Gesundheitspolitisch, aber auch im Sinne gelebten Konsumentenschutzes, wäre es vielleicht sinnvoller die durch Schummelsoftware erschwindelten behördliche Zulassungen aufzuheben und zu allfälligen Verwaltungsstrafen den Fahrzeugbesitzern die Möglichkeit von Schadensersatzforderungen zu ermöglichen.
Da schweigen die gesundheitspolitisch angeblich so Engagierten und richtet sich nach dem Willen der Lobbyisten:

Beifall spendet der ÖAMTC. Simas Absage an Diesel-Fahrverbote sei „ein guter Tag für 520.000 Autofahrer in Wien“.

Auch dass klammheimlich, so wie das Tabakmonopol, das Glückspielmonopol zuerst aufgeweicht, dann an politisch gut vernetzte einheimische Konzerne mit Sitz in NÖ verscherbelt wurde und jetzt überhaupt außer Landes verkauft wurde, hat eine gesundheitspolitische Seite, die niemand so aufregt, wie die Frage nach dem Rauch im Gastraum: der massive Anstieg von Spielsüchtigen.

Die Parallele zwischen Tschick und Chip sind doch offensichtlich. Beides sind ökonomisch und gesundheitspolitisch unerwünschte Verhaltensweisen, die aber offenbar nicht auszurotten sind. Aus diesem Grund machte es sehr viel Sinn durch entsprechende Monopole die Einnahmen direkt der Gesellschaft wieder zuzuführen, da sie ohnehin für die Kollateralschäden (Lungenkarzinome, Privatkonkurse) aufzukommen hat.

Das hat die neoliberale Deregulierungswut der letzten Jahrzehnte hinweggefegt.
Die Gewinne wurden privatisiert, die Kollateralschäden kollektiviert und fallweise dürfen sich Politiker an Nebenschauplätzen gesundheitspolitisch bewegt geben.

Vielleicht verstehen Sie nun, dass ich den Hype um Don’t smoke als Nichtraucher, Nicht-Dieselfahrer und Nicht-Spielsüchtiger, nicht nachvollziehen kann, falls Sie sich überraschenderweise gefragt haben. Und dass ich mir bessere Profilierungsfelder für unseren Kammerpräsidenten vorstellen könnte als das medienwirksame Recycling einer alten Kampagne aus 2014.

PS: Das Bild stammt übrigens von einem ganz anderen Beitrag: Feuer auf Papua Neuguinea 

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Written by medicus58

22. Februar 2018 at 16:36

Vom Journalisten-Kanzler zum Drohnen-Kanzler

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Bruno Kreisky ging als Journalisten-Kanzler in die Geschichte ein, da er mal jovial man grumbeln seine Politik gerne der Öffentlichkeit erklärte, vermutlich auch erklären wollte. Das Wahlvolk dankte es (sicher nicht nur deshalb aber sicher nicht trotzdem) mit einer absoluten Mehrheit. Begonnen hat er aber wie bekannt mit einer Minderheitsregierung.

Franz Vranitzky kennt man als TeflonKanzler weil an ihm Fragen und Kritik abprallte. Seine Kommunikationsbemühungen waren endenwollend. 

Wolfgang Schüssel trieb das Spiel auf die Spitze und blieb auch nach seiner Regentschaft der Schweige-Kanzler, praktischerweise auch zu allen Fragen seiner Kanzlerschaft, die bis heute die Gerichte beschäftigen.

Sein im Gegensatz zu seinem Familiennamen etwas in die Länge gewachsenes, türkises Abziehbild erfreut die deutschen Talkshow-Seher seit Monaten mit zahllosen Auftritten und schweigt sich hierzulande zu den Ausrutschern seines Koalitionspartners und den eigenen politischen Umfärbungen aus. Wir werden noch sehen, ob er als (TV)Kabel- oder Schüssel-Kanzler in die Geschichte eingehen wird. Es mag aber mit einem Blick über den großen Teich bezweifelt werden, dass diese Form der Informationskontrolle im Sinne der im Regierungsprogramm versprochenen direkten Demokratie ist.

Vielleicht geht Sebastian Kurz aber als DrohnenKanzler in die Lokalchronik ein:

Ferngelenkt, stets weit weg und abgehoben.

Bislang scheint das P.T. Publikum das aber ebenso wenig zu sanktionieren, wie der Betrug ihrer liebsten Autoproduzenten. VW verkauft seit Dieselgate mehr Fahrzeuge denn je. Blöd wären unsere Politiker, wenn sie nicht handeln würden wie sie handeln, so lange sie unsere Stimmen kriegen.

PS: Der Beitrag sprach in seiner Erstfassung vom Autisten-Kanzler, um Bastis Sprachlosigkeit zu beschreiben. Ich wurde aber von einem treuen Leser zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass diese Krankheitsbild nicht durch den absichtlichen, ja manipulativen Kommunikationsverzicht gekennzeichnet ist und der Vergleich von Betroffenen als beleidigend empfunden wird. Hab’s kapiert, geändert und sag gern ein ‚tschuldign, sollte einem Medicus wirklich nicht passieren … 😉

Written by medicus58

18. Februar 2018 at 17:27

Veröffentlicht in Allgemein

Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da

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Hinter den Kulissen des „besten Gesundheitssystems der Welt“ spitzt sich seit Jahren ein äußerst unschöner Konflikt zu.
Angeblich garantiert der ÖSG (ÖSG: Warum einfach, wenn es doch auch kompliziert geht) eine bedarfsgerechte Vorhalteleistung im Gesundheitssystem, um einerseits allen Pflichtversicherten einen Zugang zu benötigten Leistungen zu sichern, aber andererseits den Wildwuchs von Spitalsbetten, Großgeräten und besonderen Einrichtungen (Schlaflabors) zu verhindern.
Beschäftigt man sich etwas näher mit diesen Konstrukten, dann glaubt man sie ebenso wenig, wie dass das seit 1977 auf Abschlussdiagnosen und Medizinischen Einzelleistungen (MEL) basierende  System der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) nur annähernd zu einer kostendeckenden Abrechnung der stationären Spitalskosten geführt hat. Beides führt zu einer immer abscheulicheren Verschiebung ungewollter Patienten!
(Man mag mich klagen für diese Aussage, aus der jahrzehntelangen Berufspraxis wird es einfach sein die entsprechenden Beweise zu erbringen, hier kann ich nur sehr theoretisch darüber berichten.)

War das Rosinen picken der lukrativen Leistungen (z.B. unkomplizierte Geburten) und die Verhinderung nicht kostendeckender Leistungsanforderungen (z.B. teure Onkologika) vor Jahren in erster Linie das Spielfeld privater, gewinnorientierter Gesundheitseinrichtungen, zwingen die engen Budgets inzwischen auch die größten Krankenhausbetreiber sich bestimmte Patienten vom Hals zu schaffen.

Die einfachste Lösung ist hier, eine entsprechende Leistungserbringung gar nicht oder nicht mehr anzubieten. 

Die Unterversorgung mit Strahlentherapie in Ostöstereich hat es in den letzten Jahren in die Medien geschafft.
Anmerkungen zur hektischen Debatte um die Strahlentherapie
Das unkoordinierte Schließen voll ausgelasteter Versorgungseinheiten zur thyreologischen Versorgung (=Schilddrüse) taucht auch ab und an in den Medien auf, nachdem sowohl die entsprechenden Einrichtungen in Melk und Wien (Kaiser Elisabeth Spital) de facto ersatzlos ausradiert wurden. Zwar versichern die politisch Verantwortlichen, dass die Leistungen in andere Einheiten integriert wurden, nur geht die Rechnung ganz offensichtlich nicht auf, was zu den unzumutbaren Wartezeiten führt.

Bei teuren Therapien, Prothesen, Schrittmachern, … werden Deckelungen eingeführt, die zwar nach außen nicht kommuniziert werden, Ärzten und Patienten aber einen Spießrutenlauf zumuten, um vielleicht noch an ein nicht ausgeschöpftes Kontingent zu kommen.
Beliebt ist auch – unter dem Vorwand der Zentrumsbildung – teure Leistungen nur in einem Zentrum zu bündeln, so dass sich dort enorme Warteschlangen auftun, was wieder sparen hilft. Allein in der letzten Woche hatte ich zwei Gespräche, wo zwar Universitätskliniken bestimmte diagnostische Leistungen anforderten, die Patienten sich aber dann an andere Spitäler um Hilfe wandten, weil diese Leistungen innerhalb der eigenen Universität einfach nicht mehr angeboten werden!

Ein anderer Weg ist die lokale Information, dass man sich eben außer Stande sieht bestimmte diagnostische Leistungen weiterhin für ein anderes Spital jenseits der Landesgrenzen weiter anzubieten. Eine Rückmeldung an die Schreibtischtäter, die über ihren ausgeklügelten Versorgungsregionen (ÖSG) brüten gibt es natürlich nicht, wenn Einrichtung W für Einrichtung E halt keine PET Untersuchungen mehr durchführen kann, obwohl im Bundesland B halt leider keine einzige derartige Einrichtung vorgehalten wird …

Von oben mag das alles wie ein lustiges Monopoly (Das Kaufmännische Talent heißt das Spiel in Ö) ansehen. Mitten drinnen ist es für Patient und Arzt entwürdigend.

PS: Erinnern Sie sich noch an den Werbspruch: Mein BAC, Dein BAC, BAC ist für uns alle da ? Wenn nicht, können Sie sich nicht mehr erinnern, dass die Welt früher anders war …

Written by medicus58

17. Februar 2018 at 19:11

Heinz R. Unger: Zwei Fragen blieben unbeantwortet

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Am 12. Februar starb der gelernte Schriftsetzer Heinz R. Unger. Jenen, die die 70er nicht mehr miterlebt haben, wird er wohl kaum mehr etwas gesagt haben und der Verweis auf seine Textbeiträger zur Proletenpassion der Schmetterlingen lassen vermutlich auch viele jüngere Willi Resetarits Fans eher ratlos zurück. Kein Wunder, zu Kurt Ostbahn lässt es sich auch besser grölen und sich alternativ fühlen, ohne mit Informationen über die Pariser Kommune belästigt zu werden.
Erinnerte man Unger an seinen vermutlich erfolgreichsten Text, wurde er immer etwas unrund, denn mit Falter im Wind erreichten die Milestones 1972 beim Grand Prix Eurovision de la Chanson den fünften Platz! Mit dem von Willi Resetarits getexteten Boom Boom Boomerang kamen die Schmetterlinge 1977 nur auf den vorletzten Platz!

Ich lernte Heinz, der damals aus seinem zweiten Vornamen ein kleines Geheimnis machte, irgendwann Ende der 70 Jahre im Umfeld von Dieter Haspels Ensembletheater kennen und verbrachte einige wenige Abende mit Unger um gegen Brecht zu argumentieren. Überraschenderweise traf ich bei ihm auf weniger Gegenwehr als ich erwartet habe!
Nachdem Unger herausgefunden hat, dass ich Medizin studierte wechselte er plötzlich das Thema und begann mir zwei Fragen zu stellen, die ihn nach eigener Aussage schon länger beschäftigten:

1.) Wie halten es die Frauenärzte mit den Frauen und
2.) Wie halten es die Ärzte mit dem Tod.

Ich war etwas verblüfft und murmelte irgendetwas von, er möge mich das nach ein paar Jahrzehnten Berufspraxis fragen und nicht jetzt, wo ich mit dem Auswendiglernen von Knochenvorsprüngen und Gefäßverzweigungen beschäftigt bin.
Lächelnd gab er sich damit zufrieden. Wenige Monate später verlor ich meinen damaligen Bekanntenkreis und somit auch Heinz Rudolf Unger völlig aus den Augen.
Seit Montag ist ein Treffen unmöglich geworden, und das ist irgendwie gut so,denn:
Auf die erste Frage könnte ich nur eine sehr unkollegiale Antwort geben und auf seine zweite Frage wüsste ich auch heute keine allgemein gültige Antwort. Möglicherweise kann sie aber nun der Heinz selbst beantworten …

Written by medicus58

14. Februar 2018 at 22:57

Veröffentlicht in Herrgottswinkerl

Alles geht, wenn was dahinter steht

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Ich hab eigenartige Typen in meinem Bekanntenkreis, deren politische Herkunft mir mehr als fremd ist.
Da gibt es CVer und Schlagende, Ex-SSler, Prolos und unverbesserliche Neoliberale, kurz Menschen, an denen die Aufklärung so schrammenlos vorübergegangen ist wie die letzten Lautverchiebung und sämtliche Rechtschreibreformen. Ideologisch sind sie nicht das meine, aber …

Ich zähle sie noch zu meinem Bekanntenkreis, weil sie trotz bisweilen ideologisch abartiger Vergangenheit, im täglichen Leben ziemlich Sinn machen.

Der eine macht Hausbesuche im Pflegeheim, ohne sie von der Kasse bezahlt zu bekommen, weil er den Alten den Rettungstransport in seine Ordi nicht zumuten will. Soll er meinetwegen mit seinen Kumpanen mit den deppaten Kappln Bier saufen.

Ein anderer legte nach einem Jahr sein Primariat zurück, weil er unter solchen Rahmenvedingungen nicht arbeiten wollte. Ich mag ihn, obwohl mich sein katholischer Ultrakonservativismus abstösst.

Einer meiner ersten Vorgesetzten war ultrakonservativ, ein nägelbeissender, oft ungerecht aufbrausendet Psychopath, der aber seinen Laden durch eigene überproportionale Arbeitsleistung am Laufen hielt. Ich habe von ihm gelernt.

Ein anderer war bekannt dafür, dass er seine Verbindungen zum Club 45 weiterhin pflegte, obwohl inzwischen Interpol dessen Genius loci jagte, selten erlebte ich aber eine so offene Morgenbesprechung, wie unter ihm, das bleibt unvergessen.

Kurz (und da sind wir schon in der Jetztzeit) man kann vielen vieles nachsehen, wenn sie auf der anderen Seite etwas leisten. Die, die aber nur an Message control und an ihrer Karriere arbeite ohne auch Gutes zu tun, verlerne ich sehr rasch zu kennen.

Written by medicus58

13. Februar 2018 at 21:52

Veröffentlicht in Renaissance der Aufklärung

Weshalb sich niemand mehr über einen RH Bericht zum KH Nord aufregt 

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Inzwischen regt ein RH Bericht über das KH Nord niemanden mehr auf. Die wenigen Zeitungskommentare meinten nur, dass die Vorwürfe ohnehin schon bekannt wären – als ob man sich über Vorwürfe und nicht die Beweisführung echauffieren sollte. 

Aus dem Rathaus kommt kaum Substantielles, als ob dort niemand mehr für irgendetwas Verantwortung tragen müsste, seit man die Stadträtin ausgetauscht hat, auch ihre Nachfolgerin austauschen will, den Parteivorsitzenden  in die Wüste geschickt hat und vereinzelte Stimmen warnen, eben diesen Nachfolger im Gemeinderat nicht zum Bürgermeister wählen zu wollen, wenn er, ja wenn er nicht spurt.

Ein Gemeinderat, der – ich wies schon wiederholt darauf hin – eigentlich das oberste Aufsichtsorgan des Wiener Krankenanstaltenverbundes wäre, regt sich nicht auf über das Führungsvakuum eines Konzerns, den er in eine Anstalt transformieren will, ohne noch klargestellt zu haben, was darunter zu verstehen ist.

Ein Gemeinderatvorsitzer der wenig mehr für Wien getan hat als das Donauinselfest zu erfinden, aber trotzdem nicht weichen will, um Platz zu machen für andere, die entweder in der Stadtregierung im Weg sind oder die Gewerkschaft auf den neuen Parteivorsitzenden eingeschworen haben, das ist nicht mehr als Futter für den Boulevard.

Wer soll sich denn betroffen fühlen für das Planungschaos einer Generaldirektion, deren Köpfe zuletzt häufiger gewechselt wurden als die Dienstkleider der Mitarbeiter.

Ja, der RH sah fehlende Ressourcen im KAV als wesentliche Ursache für Planungsfehler und Geldverluste beim Bau des KH Nord und das regt niemanden mehr auf, denn ab einer gewissen Größe des Systemversagens müsste man über das System an sich nachdenken – und das will man hierzulande besser nicht.

Skandale als Nervenkitzel für zwischendurch – jederzeit;

fundamentale Umwälzungen (früher nannte man sowas Revolution) – lieber nicht, wir spielen lieber nur die Reise nach Jerusalem. 

Nur werden die Sessel knapp für die Genossen.

Written by medicus58

10. Februar 2018 at 19:23

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Krankenversicherungen und der angenähte Blinddarm (Teil II)

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War es vorvorgestern noch in Der freie Beruf Arzt an der Angel der Versicherungen  um die scheinbare Komik deutscher Kollegen, die ihrem Honorar nachrennen mussten und gestern um die eher Kabarett-artigen Zustände hierzulande, wird es heute ernst und wir beschäftigen uns mit der sogenannten Sonderklasse;
also eigentlich die private Zusatzversicherung zur Pflicht-Kranken-Versicherung, die (nach den Buchstaben des Gesetzes nur die freie Arztwahl auch in den öffentlichen Spitälern und eine verbesserte Hotelkomponente (Ein- oder Zweibettzimmer, eine Zeitung, Wunschgetränke aber keinen Jahrgangschampagner, … etc.) garantiert.

Ob man die Existenz und Verteilung von Sonderklassegeldern, die Spitalsbetreiber und deren angestellten Ärzte von zusatzversicherten Patienten und Nicht-EU Bürgern einnehmen, verteufelt oder schätzt, es handelt sich dabei um einen im §45 des Wr. KAG geregelten Einkommensbestandteil über dessen Aufteilung innerhalb der Ärzteschaft eine Regelung der ÄK wacht. Wie in diesem Lande üblich, regeln die Bundesländer das jeweils etwas unterschiedlich.
Es fällt aber seit vielen Jahren auf, dass dieses Einkommen sinkt!

Die Größenordnung ist zwar beeindruckend, insgesamt wird in Wien ein dreistelliger Millionenbetrag umgesetzt, den sich Spitalsbetreiber (was oft vergessen wird) und Ärzte teilen. Der im KAV lukrierte Anteil ist jedoch geringer der in Privat-, Beleg- und Ordensspitälern zusammen!
Die Privaten Krankenversicherungen (PKVs) verkaufen immer mehr Versicherungsverträge für die von uns erbrachten Leistungen, geben aber einen immer geringeren Anteil ihrer Einnahmen an die Ärzteschaft ab.

Alle paar Jahre werden die Vertragsbestimmungen zwischen Ärztekammer und PKVs neu verhandelt, in Wien beginnt gerade wieder das Spiel.

Natürlich ist die Verteilung zwischen den einzelnen Sonderfächern höchst unterschiedlich und auch der Anteil der einzelnen Ärztegenerationen von Ärzten in Ausbildung über Oberärzte bis zu den Abteilungsleitern divergiert beträchtlich.
Der Höhe der Honorare für Einzelleistungen zwischen einzelnen Fächern ist mitunter schwer verständlich, fast könnte man sagen, dass sie indirekt proportional zu geleisteten Arbeit und zur getragenen Verantwortung stehen. 
Und ehe es ans Verteilen geht, zieht sich die vor einigen Jahren von den Privatversicherungen geforderte zentrale Verrechnungsstelle (BuP) noch ihren Verwaltungsanteil ab. Angeblich wurde dieses lukrative Geschäft sogar einmal ausgeschrieben.

Die Honorare wurden und werden von der Ärztekammer mit den PKVs, in Wien in erster Linie mit dem Marktbeherrscher UNIQA ausverhandelt. In den letzten zwei Jahrzehnten saßen zahllosen Verhandlern aus der Ärzteschaft immer wieder ein und demselben Verhandlungsführer der PKVs gegenüber, dem „Herr Direktor K. von der UNIQA„.
Einmal wurden die Fachgruppenvertreter der einzelnen Sonderfächer zugezogen, dann haben nur einzelne, ausgewählte Vertreter verhandelt.
Einmal hat dieses Sonderfach verloren, einmal jenes.
Manchmal stellte sich erst nach Vertragsabschluss heraus, dass ein Fach, dessen Honorare an die Leistungen eines anderen Faches gekoppelt sind (z.B. Anästhesie), nur dadurch massiv verloren hat, weil die OP-Gruppe eines häufigen Eingriffes ohne ihr Wissen herabgestuft wurde:
Oft beschließen die PKVs die erbrachten Leistungen einfach nicht zu refundieren und unzählige Einsprüche hängen seit Jahren in der sogenannte „Schlichtungsstelle„, die bei ihren wenigen Sitzungen nur immer wenige Fälle besprechen kann. Zukünftig soll das durch ein Online-Verfahren beschleunigt werden, was ich aber persönlich bezweifle.
Wenn Sie sich aber nun fragen, weshalb die Ärzte dann die ihnen vorenthaltenen Honorare nicht bei den Patienten einfordern, dann ist genau das vorsorglich im Vertrag zwischen ÄK und PKVs ausdrücklich ausgeschlossen worden. Alles muss zuerst über die Schlichtungsstelle gehen. Selbst eine Information der patienten, dass sich ihre Versicherung geweigert hat, trotz der monatlich eingezahlten Beiträge, diese oder jene Leistung abzudecken, wäre schon ein Vertragsbruch;
Klug, nicht?
Am Ende jedes Verhandlungsmarathons, der stets zu spät begonnen wurde und dann rasch zum Abschluss gebracht werden musste (Speed kills), erklären die Verhandler das erzielte Ergebnis als alternativlos und rechnen Erhöhungen vor, die dann nie eintreffen.

Naturgemäß gab es immer wieder heftige Diskussionen innerhalb der Ärzteschaft über eine gerechte Verteilung zwischen den „liquidationsberechtigten Abteilungsleitern“ und ihren „nachgeordneten Ärzten“ (Stichwort: Bringerlösung).

Für mich aber völlig unverständlich, nimmt es die gesamte Ärzteschaft seit vielen Jahren nahezu widerstandlos hin, dass FÜR ALLE Gruppen, die Einnahmen aus der Sonderklasse seit vielen Jahren sinken (kein Inflationsausgleich, ungünstige Junktimierungen, Strukturänderungen, Durchrechnungen, Behandlungsfälle, …), obwohl die Einnahmen der PKVs aus dem Geschäftsbereich Sonderklasse überproportional steigen.

Der gesamte Prozess ist derartig intransparent, dass ihn seit Jahrzehnten inklusive aller Nebenabsprachen, Begründungen und „Deals“ nur mehr zwei Personen wirklich durchblicken, Direktor K. und KAD H.
Dass die Verhandlungsabschlüsse der Ärzteschaft nicht gerade zum Schaden der PKVs ausfielen zeigt auch, dass offenbar bei der UNIQA Einigkeit darüber besteht, dass ihr präpensionärer Verhandlungsführer auf ewig in diesen Ring geschickt werden wird. Natürlich nicht nur in Wien sondern bundesweit. Was dort „rein geht“, wird dann „flächendeckend ausgerollt“.

Ein guter Vorschlag wäre es, dass die ÄK mit den PKVs nur mehr eine Gesamtsumme der Sonderklassegelder ausmacht, die sich am Umsatz ihres Geschäftsbereiches orientiert, einschließlich einer Indexanpassung, die schließlich die PKVs ihren Versicherten auch in Rechnung stellt.
Wie dieser Topf dann zwischen den einzelnen Leistungserbringern innerhalb der Ärzteschaft aufgeteilt werden soll, wäre nur mehr innerhalb der Ärzteschaft durch die jeweils gewählte Vertreter der einzelner Sonderfächer und der Berücksichtigung der anteilsmäßigen Leistungserbringung aber auch einer gewissen Fairness zwischen den Fächern auszumachen. Diese Verhandlungen wären ohne Zeitdruck und mit für alle betroffen Ärzte einsehbaren Verhandlungsprotokollen durchzuführen. Selbstverständlich sehen beide Seiten das als unmöglich an!

Natürlich hört sich beim Geld oft die Freundschaft auf, aber wir alle wären gut beraten, wenn wir uns nicht in Konfrontation mit den PKVs gegenseitig ausspielen und hinunter verhandeln ließen. Die Auseinandersetzungen über die Verteilung gehören innerhalb der Ärzteschaft geführt, mit den PKVs reden wir über unseren gerechten Anteil an ihrem Geschäftsmodell!

Ich bezweifle aber stark, dass das Ergebnis der kommenden Verhandlungen anders aussehen wird, als in den letzten zwei Jahrzehnten:
Steigende Gewinne für die PKVs und fallende Zusatzeinkommen für die Ärzte.

Und das nächste Mal geht es dann hier wieder um die Interessen der Patienten, versprochen …

Written by medicus58

2. Februar 2018 at 17:05

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