Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for August 2014

Wie man mit drei Plastiksäcken voll Baileys durch Europa reist

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Baileys

Vielleicht kennen Sie Umberto Ecos köstlichenText „Wie man mit einem Lachs verreist„, in dem er sein Scheitern schildert, einen in Stockholm günstig erstanden Lachs in genießbarem Zustand heim zu bringen.

Die Zwischenlagerung des guten Stücks in einem Hotelkühlschrank im Zusammenhang einem größeren Computerfehler des Etablissements führte letztendlich dazu, dass der Herr Professor vor seinen Kindern als Säufer dastand und der Omega-3-Fettsäurengehalt des Schuppentiers so drastisch fiel, dass er ungenießbar wurde.

Dieser Text erschien 1986.

Meine Geschichte aus 2014 wird es wohl kaum in den Hanser-Verlag schaffen, gerade deshalb möchte ich sie Ihnen hier nicht vorenthalten:

Auf der Rückreise aus dem schönen Irland fühlte ich mich bemüßigt, am Flughafen ein dringlich als Mitbringsel eingefordertes FläschchenBAILEYS Irish Cream zu erstehen. Angesichts der nicht gerade günstigen Preise im westlichsten Euroland griff ich zum günstigen Multipack, mit der netten Aussicht so ein zweites Fläschchen für den eigenen Kühlschrank zu erhalten.

In Einklang mit den aktuellen Sicherheitsbestimmungen wurden die beiden Flaschen in einen ersten Plastiksack mit behördlichem Aufdruck verstaut. Eindringlich wurde ich darauf hingweisen, dass es mir nicht gestattet wäre, mich an dem süßem Nass schon bei der Zwischenlandung zu laben.

Vollbesetzt wie die Flieger heute sind waren die Gepäckablagen schon rammelvoll, als ich meine beiden Flaschen dort hineinpresste.

Der zweite Akt der Posse begann bei der neuerlichen (!) Sicherheitskontrolle in Frankfurt. Als ich und mein Handgepäck im Transit – aus welchem Grunde auch immer – nochmals durchleuchtet wurde, missfiel der diensthabenden Dame mein mittelprozentiges Mitbringsel. Mit hochgezogenen Augenbrauen verwies sie auf einen hellbraunen Flüssigkeitsspiegel innerhalb des Plastiksäckchens Nummer eins.  Offenbar hat eine der Flaschen den Flug hierher im dicht gepackten Locker nicht heil überlegt. Ich war schweren Herzens bereit, die kaputte Flasche und ihren schmackhaften Inhalt der Sicherheit des europäischen Flugwesens zu opfern, jedoch lehnte das mein Gegenüber strikt ab.
Würde ich den verschlossenen Plastiksack nun öffnen, müsste ich beide Flaschen opfern, jedenfalls wäre es mir untersagt, die heile Flasche in den Flieger mitzunehmen.

Satzungemäß konnte die harsche Maid nur den ersten Plasticksack in einen zweiten, selbstverständlich ebenfalls mit offiziellem Auftruck versehenen, Sack stecken, um mir so zu ermöglichen, eine – von viel Baileys umflutete – intakte Flasche gemeinsam mit einem zu Bruch gegangenen Gebinde nach Hause zu schleppen.

Im Gegensatz zu meiner süßen Fracht schon ziemlich angesäuert, stopfte ich die beiden Plastiksäcke in die Gepäckablage meines Anschlussfluges, nur um kurz danach – im dritten Akt des Dramas -erneut mit meiner Malaise konfrontiert zu werden, als ein anderer Fahrgast, der verzweifelt sein Handgepäck in den überfüllten Locker stopfen wollte, den Steward auf das flüssigkeitsgefüllte Doppelpack aufmerksam machte. Der Flugbegleiter kam nun mit einem dritten – nun sehr dicken – Plastiksack und versenkte mit einem bedauernden „schade drum“ anschließend die Fracht irgendwo im hinteren Teil des Fliegers.

Erst daheim durfte ich, ohne irgendwelche Sicherheitsregeln des internationalen Flugverkehrs zu brechen, die in einem Liter Baileys gebadete, überlebende Flasche, bergen und die zerbrochene Flasche der Altglassammlung übergeben.

Als Beitrag zur europäischen Flugsicherheit schleppte ich also eine zerbrochene Glasflasche und eine Liter Irish Cream in drei Plastiksäcken durch halb Europa und konnte mich nicht wirklich schlüssig erklären, weshalb wir uns alle einen derartig Schwachsinn bieten lassen.

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Written by medicus58

31. August 2014 at 22:46

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Schwimmen mit E. coli

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Gut,  jetzt gilt die Bucht von Dublin (konkret der Vorort Sandymount) nicht gerade als klassische Badedestination und man assoziiert mit Irland wohl eher Kobolde als Badenixen, nur lassen sich die Gesundheitsbehörden davon nicht abhalten,  penibel die Belastung mit Fäkalkeimen zu monitieren.
Möge man sich auch eine Pneumokokken-Pneumonie zu ziehen, bei dem Sprung ins kühle Nass, einen allfälligen Durchfall verdankt man eher den fetten Chips vom Vortag,  als dem versehentlichen Schluck Meerwasser …

Written by medicus58

28. August 2014 at 22:41

Veröffentlicht in Gesundheitssystem, Reisen

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Zertifizierte Nächstenliebe m.b.H.

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Die Kirche Irlands setzt auf ein internes Zertifizierungssystem gegen sexuelle Belästigung von Kindern. Ich würde gerne wissen, wer dieses Qualitätsmanagementsystem ausgetüftelt hat und wie es verifiziert wurde.

Written by medicus58

25. August 2014 at 16:04

Service is our success

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Es geschah1977 im fernen Helsinki, als mir unvermutet im Pissoir des Hauptbahnhofs ein Besen zwischen die Beine geschoben wurde, weil sich die diensthabende Klofrau von den dort Erleichterung suchenden Herren nicht abhalten ließ, ihrer Arbeit nachzugehen.
In Irland, wo dieses Foto entstanden ist; wird man wenigstens vorgewarnt.

Written by medicus58

21. August 2014 at 00:49

Veröffentlicht in Reisen

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Alles für Deine Sicher- und Gesundheit

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Es fasziniert mich immer wieder, welchen Wert der Puritanismus auf die Verfolgung des „Gesehenwerdens“ legt.
Keine Frage,  dass Saufen ungesund ist, aber ob man es in der Öffentlichkeit tut oder im Pub, ist der Leber egal, ebenso ob die Kinder ihre besoffenen Eltern schon auf der Straße oder erst in der Wohnung sehen. Es sei denn, man schließt, dass es ohnehin immer nur die anderen sind, die sich volllaufen lassen.

Written by medicus58

18. August 2014 at 08:54

Veröffentlicht in Psychopathologie der Medizin, Reisen

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Ich zahlen nicht mehr für Ihre Sucht

with one comment


torte

Im April 2013 habe ich mich schon über die immer lauter werdenden Aufrufe zur gesundheitlichen Eigenverantwortung unter dem Titel Gesundheit ist Pflicht (http://wp.me/p1kfuX-Cj ) kritisch geäußert.

Aktuell stößt Möbelhändler, Unternehmensberater, ÖVAG Aufsichtsrat und Hauptverbandschef HJ Schelling wieder in dieses Horn.
Nachdem er erst kürztlich im telefonischen Helpdesk (Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind http://wp.me/p1kfuX-OR ) den Stein der Weisen der extramuralen Krankenversorgung gefunden zu haben glaubte, verkündet er im aktuellen Standard (http://derstandard.at/2000004192638/Schelling-Es-wird-von-der-Aerztekammer-viel-Propaganda-betrieben)

„Den Menschen muss ihr Körper genauso wichtig werden wie ihr Auto.

Wenn Sie mit Sommerreifen im Winter fahren, zahlt die Versicherung nichts, bei uns dürfen Sie alles tun.

Inhaltlich ist der ersten Aussage kaum zu widersprechen, jedoch wenn das vom Vize-Chef der Österreichischen Wirtschaftskammer (ja, den Job hat er auch noch) kommt, beschleicht mich bei der zweiten Aussage der Verdacht, dass es ihm letztendlich um Strafzahlungen (pardon  Prämienerhöhungen) bei Zuwiderhandeln geht.

Klar kann man argumentieren, weshalb die Allgemeinheit, eh nicht die Wirtschaftskammer, dafür zahlen soll, wenn ich mir die Leber hart saufe oder das Lungenkarzinom anrauche, nur sind derarige Überlegungen nur auf den ersten Blick schlüssig.

Für eine neue, sehr effektive aber auch sehr teure Therapie der Hepatitis C verweigern die Krankenkassen bei uns und in Deutschland ( http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-08/hepatitis-medikament-krankenkassen-teuer
http://www.tt.com/lebensart/gesundheit/8645324-91/hepatitis-c-gro%C3%9Fe-hoffnung-auf-heilung.csp) die Kostenübernahme. Steht da neben den hohen Kosten vielleicht im Hintergrund auch die moralische Keule, dass man sich vielleicht nicht angesteckt hätte, hätte man geschützten Verkehr ausgeübt?

Noch mehr sollte unserem Wirtschaftskämmerer zu denken geben, was eine eben publizierte Studie dargestellt hat:

Eine hohe Belastung im Job kann das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, deutlich erhöhen. Das ergab die Auswertung bevölkerungsbasierter Studiendaten durch Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift‚ Psychosomatic Medicine‘ veröffentlicht.

http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/uebersicht/pressemitteilungnews/article/24827/index.html

http://journals.lww.com/psychosomaticmedicine/Abstract/publishahead/Job_Strain_as_a_Risk_Factor_for_the_Onset_of_Type.99170.aspx

Was ist mit dem „Burn out“ des vom Arbeitgeber zumindest vorübergehend sehr geschätzten Workaholic?

Sollen die ausgelagerten Programmierer, die scheinselbstständigen Ich-AGs oder die Multipraktikanten die Therapie ihrer Magengeschwüre selbst berappen, weil sie als Ich-AG in die Selbstausbeutung getrieben werden?

Sollen in diesen Fällen die Patienten ein zweites Mal bestraft werden oder übernehmen dann die Arbeitgeber oder besser gleich die Wirtschaftskammer diese Kollateralschäden?

end of irony

Written by medicus58

11. August 2014 at 17:46

SPÖ Wien: stellt richtig …

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Solange das Gesundheitssystem, ebenso wie das Pensions-, Schul- und Altenpflegesystem nur Spielball politischer Propaganda ist, können wir jede Hoffnung auf eine evolutionäre Veränderung vergessen und werden schließlich einen Punkt erreichen, den uns wieder unsere Politiker als alternativlos darstellen können.
Zwischen Panikmache und Schönfärberrei, scheint es im veröffentlichten Diskurs keinen Mittelweg zu geben.

In seine APA Aussendung vom 9.8. (12:19) nahm FP-Gesundheitssprecher LAbg. Univ.-Prof. Dr. Peter Frigo die durch akuten Personalmangel bedingte Schließung der Unfallabteilung des KH Baden zu Anlass Stadträtin Wehsely aufzufordern, die drohende Abwanderung von Wiener Jungärzten durch eine Aufwertung des Ausbildungsbedingungen im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) abzufangen.

Regelmäßigen Lesern dieses Blogs gegenüber muss ich kaum betonen, dass die FP „außerhalb meines Ideologiebogens“ steht, jedoch entspricht es durchaus meiner persönlichen Wahrnehmung, dass die Anzahl derer, die im KAV auf eine Turnusausbildung warten drastisch reduziert hat. Aktuell gibt es praktisch keine Wartezeiten mehr, wenn jemand seine promotionelle Ausbildung im KAV beginnen will. In anderen Bundesländern werden bereits zusätzliche „Goodies“ angeboten, um auch in kleinere Spitäler gelots zu werden.

Prompt schlug jedoch am 9.8. um 14:31 die Wiener SPÖ mit ihrer typischen „Eh ollas leiwand Keile“ zurück und zwar in mit den Worten ihres Abgeordneten Kurt Wagner:
SPÖ-Gemeinderat Kurt Wagner stellt die heutige Aussagen von FP-Gesundheitssprecher Peter Frigo richtig:“ Im KAV sind keine TurnusärztInnendienstposten oder Ausbildungsstellen zur FachärztInnenausbildung vakant.“
Was übrigens nie behauptet wurde, im Originaltext hieß es:
„In Wien hat es immer eine jahrelange Wartezeit für Jungärzte, die in Wiener KAV-Spitälern tätig sein wollten, gegeben. Nun ist das Gegenteil der Fall. Bereits ab Mitte Herbst ist mit einem Mangel an Turnusärzten in den Wiener KAV-Spitälern zu rechnen.“

Darüber hinaus ist Wagners Aussendung zwar richtig:

Jetzt gibt es keinen Mangel … vom Herbst redet er ja nicht

Auch die Arbeitsteilung zwischen Pflege und Ärzten
hat GenDirStv Janßen in einer Hau-ruck Aktion – also per Erlass – zuungunsten der Pflege verschoben (Hier kann man das nachlesen: http://www.rezeptblog.at/revolution-im-kav-zusammenarbeit-von-pflege-und-medizin-neu/ ), nur ist noch völlig offen, wie das umgesetzt werden soll, jede Menge Pflegekräfte erklären bereits, das sie für diese Tätigkeiten weder Zeit noch die Fertigkeiten hätten.

„Damit wird der KAV nicht nur fit für das neue Ärzteausbildungsgesetz (das übrigens noch gar nicht beschlossen ist sondern sich aktuell nur in Begutachtung befindet), sondern auch ein attraktiver Arbeitgeber für künftige JungärztInnen.
Wien macht seine medizinische Versorgung zukunftsfit.
Deshalb baut Wien die Seestadt für über 20.000 Personen ohne dafür im Spitalskonzept 2030 vorzusorgen…
Das ist unser politischer Anspruch, den Stadträtin Sonja Wehsely umsichtig umsetzt. Und die Wienerinnen und Wiener wissen, dass sie sich auf die Stadt und ihre Stadträtin verlassen können. Eine Panikmache seitens der FPÖ ist somit völlig unangebracht“, so Wagner abschließend.

Jetzt haben die beiden Aussendung m.W. nicht den Weg in die Medien geschafft, sie sind aber meines Erachtens ein typisches Beispiel für die unproduktive Art, wie bei uns Gesundheitspolitik betrieben wird.

Glauben Sie mir, es gibt ein seit Jahren zunehmend größer werdendes Problem, Ärzte zu finden, die im bisherigen Kassen- oder Spitalsystem arbeiten wollen. In vielen Fächern überdecken Wahl- oder Privatärztedas Problem, so lange es sich bei den „Gesundheitsproblemen“ um kurzfristige (Geburtshelfer) oder einfache Probleme (einmal pro Jahr zum Dermatologen, schnell mal ein privates Knie MR, damit der Orthopäde weiter tut, …) handelt.

Die meisten, die schwerwiegend oder chronisch erkranken, bedürfen eines solidarischen Gesundheitssystems, weil sich dann rasch existenzbedrohend hohe Kosten anlaufen können, wenn man sich weiterhin in der „Privatmedizin“ behandeln lassen möchte.
Dieses System ist in Östereich noch sehr gut entwickelt, aber wenn die politisch Verantwortlichen die evidenten Probleme losgelöst von den Fakten nur für politisches Kleingeld benutzen, werden die Probleme bald so unlösbar, dass die Privatisierung des Systems „alternativlos“ wird.

Letztendlich verliert dann die Mehrheit, die finanziell weniger betuchten Patienten und die weniger prominenten Ärzte …

PS: Das Bild zeigt die Messingschilder einiger prominenter Freiberufler in Penang, Malaysia

Links:

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140809_OTS0012/fp-frigo-aerztemangel-in-wien-wird-immer-dramatischer

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140809_OTS0020/spoe-wagner-kein-turnusaerztemangel-im-kav

Written by medicus58

10. August 2014 at 21:46

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