Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Telemedizin

Telemedizin, aber Hallo

leave a comment »


Die Ärztekammer hat einen großen Sieg im Sinne von Ärzten und Patienten errungen:
Für Selbstständige und Bauern kommt die Teleordination

Klar, alles wird digital (zwar schon seit mindestens drei Jahrzehnten, aber plötzlich scheint es „in“). Macht ja auch Sinn, selbst der durch und durch amerikanische Gesundheitsversorger Kaiser Permanente, hat das schon vor Jahren eingeführt, weil eine rasche telefonische fachärztliche Auskunft billiger kommt , als den Patienten von Ordination zu Ordination zu schleppen.

Mich tangiert das ja nicht, im Krankenhaus wird man gefühlt andauernd von der Kollegenschaft und von Patienten angerufen, ohne das verrechnen zu können, aber reich wird die niedergelassenen Kollegenschaft wohl jetzt auch nicht:

Die SVS hat sich mit der Ärztekammer auf einen Teleordinationstarif geeinigt, wonach der Vertragsarzt für eine derartige Ordination 13 Euro abrechnen kann.

Ich kenne viele Telefonate, die viel länger dauern aber wenige, die deutlich kürzer als 10 Minuten dauern:

„Ja, …. sind Sie der Dr. XY“
„Ja, weil desen Nummer haben Sie ja g’rad gewählt.“

„Gut Herr/Frau Dr.! Ich habe da eine Problem.“
„Ja?“
„Sie haben mir da die kleinen weißen Tabletten verschrieben, aber in der Apotheke habe ich was anderes bekommen.“

„Na, wie heißt denn das Medikament?“
„Das habe ich jetzt nicht bei mir, aber ich kann es gleich holen ….“

Täten Ärzte nichts anderes als andauernd telemedizinisch telefonieren, kämen Sie also auf eine fiktiven Bruttostundenlohn von 130 €. Schlecht, mögen Sie einwenden, aber rufen Sie mal Ihren Steuerberater, Notar oder Rechtsanwalt an und warten Sie auf die Honorarnote … (Vergleiche 8.8.2017 Ärztemangel aber kein Rechtsanwaltsmangel, warum bloß?

Es gibt aber noch ganz andere Parallelen. Sie kennen das sicherlich, viele Hersteller betreiben eine kostenpflichtige telefonische Beratung (RTR) und wird (nachdem die EU das geregelt hat Minuten genau abgerechnet:

Ein Anruf zu einer Mehrwertnummer darf höchstens 3,64 Euro pro Minute kosten. Außerdem muss der Betreiber Verbindungen nach einer bestimmten Dauer automatisch trennen: Kostet der Anruf mehr als 2,20 Euro pro Minute, so muss das Gespräch nach 30 Minuten beendet werden, ansonsten nach 60 Minuten.
Ein Gespräch darf somit maximal 132 Euro kosten.

Übrigens ist man da schon an den Tarifen von anderen freien Berufen.
Kein Wunder, dass unsere Kassenmedizin in eine Mehr-Klassenmedizin führt.

Written by medicus58

23. Juli 2020 at 17:00

Von der Fernbehandlung zur Telepathologie

with 2 comments


Hier haben wir im Dezember 2017 darauf hingewiesen, dass sich auch unsere Regierung der Telemedizin verschreiben möchte:
Gesundheit: Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms

Die Digitalisierung und Telemedizin werden dazu verstärkt eingesetzt; eHealth Anwendungen und Angebote erleichtern den Menschen den Zugang und helfen zukünftig, die Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft zu erhöhen

Folgerichtig betreibt auch die Österreichische Ärztekammer eine Referat für Telemedizin (von dem man aber kaum was vernimmt).

Wir reden nicht von Schellings feuchtem Traum Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind , sondern von der von der deutschen Bundesärztekammer gewünschten Lockerung des Fernbehandlungsverbotes oder wie es das lachsfarbene Qualitätsblatt titelte: Die Angst der Ärzte vor der Onlineordination

Klar, dass Marie-Theres Egyed keine Sekunde darauf verschwendet, dass vor sowas auch ein Patient Angst haben kann und lässt den Schweizer Betreiber einer Onlinepraxis seine App bejubeln und zitiert noch den von Prölls Gnaden schon im vorigen Jahrhundert zum „Patientenanwalt“ geadelten Juristen Bachinger:
„Bis jetzt haben wir keinen Hinweis, dass Patienten mit Onlinediagnose schneller sterben“.

Ich bin ja seit in den letzten Jahrzehnten, abgesehen von Zahnärzten und Augenärzten, nie Patient gewesen, aber als Patient würde ich mich sogar schon vor so einer Aussage fürchten!

Laut Standard soll der Schweizer Kollege nun im Auftrag des Gesundheitsministeriums zwischen Hauptverband und Ärzten vermitteln und Abrechnungsmöglichkeiten für Onlinekonsultationen vorschlagen.
Ich frage mich nur, weshalb das Gesundheitsministerium niemanden beauftragt mal gescheite Abrechnungsmöglichkeiten für Schilddrüsenerkrankungen (in Wien Wartezeiten von bis zu einem Jahr), für echte Diabetesbehandlung, Kinderpsychiatrie, optisch erträgliche Zahnfüllungen, etc, etc. zu finden … 

 

Written by medicus58

17. Mai 2018 at 20:12

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with

Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind

leave a comment »


Schelling

Wenn Sie Schmerzen über dem Zwerchfell haben, drücken Sie 1!
Wenn Sie Schmerzen unter dem Zwerchfell haben, drücken Sie 2!
Wenn Sie nicht wissen, was Ihr Zwerchfell ist, drücken Sie 3 oder wieder die Schulbank!

So stellt Hauptverbandschef HJ Schelling (Familie Putz geht zum Gesundheitsdienstleister http://wp.me/p1kfuX-12) den neuen gesundheitsreformerischen Geniestreich diverser und (m.E.) perverser LandesgesundheitsräteVersicherer und Telemedizinanbieteres natürlich nicht dar, wenn Ärztehonorare eingespart werden sollen, sondern so:

Meine Praxis 24“ bedeutet laut Hauptverband, dass Patientinnen und Patienten auch außerhalb gewohnter Ordinationszeiten medizinischen Rat und Hilfe finden – etwa durch medizinisch geschulte Ansprechpartner rund um die Uhr oder innovative telefon- und webbasierte Services.

http://medonline.at/2014/konferenz-ueber-zukunft-medizinischer-primaerversorgung/

Neu ist das ja ohnehin nicht, wie hier schon berichtet wurde, existieren bereits viele Versionen der elektronischen Patienteninformation:

Frag den Professor – er wartet nur auf Dich – Großes Kino oder medizinische Peepshow? http://wp.me/p1kfuX-tJ

Online Praxen, dort hat Ihr Arzt noch Zeit für Siehttp://wp.me/p1kfuX-fq

MED 2.0 Facebook for the insane http://wp.me/p1kfuX-iK

und jeder weiß, dass er bei DrEd ganz schnell sein Viagra rezeptiert bekommt:  http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56206

Neu ist, dass die bisher installierten Systeme augenfällig gewinnorient sind und sich im Kleingedruckten jedwelcher Haftung entbinden, hier aber ein angeblich gemeinnütziges, staatlich geschütztes Monopol auf diesen Zug aufspringt. .

Auch das jetzt als beispielhaft als „Schweizer Modell“ genannte http://www.medgate.ch/ ist ein gewinnorientierter, privater Anbieter, der von den Versicherungen dafür entlohnt wird, Patienten davon abzuhalten in die Arztordinationen zu gehen.

Von der Problematik gesundheitsrelevante Informationen via Internetseite einem Entscheidungsalgorithmus zur Verfügung zu stellen, wollen wir hier gar nicht sprechen.

Keine Frage, viele Informationen werden schon jetzt vom nicht-ärztlichen Personal (Sprechstundenhilfe, Zahnarzthelferin, Arztgattin/Arztgatten, Portier, …) bezogen, aber ob man diesen mitunter gefährlichen Prozess nun ganz offiziell über die IT zementieren soll, wage ich schärfstens zu hinterfragen.

Wer mit den „überlasteten Ärzten“ argumentiert, die sich doch über all jene freuen sollen, die zusätzlich in den Gesundheitsmarkt drängen, sollte sich doch einmal fragen, ob diese Überlastung ausschließlich mit der finanziellen Gier meiner Kollegenschaft erklärt werden kann oder nicht auch etwas mit dem absurden Entlohnungsschema zu tun hat, das Masse vor Klasse setzt.

Wer sich dann noch überlegt, ob irgendetwas besser werden kann in diesem Gesundheitssystem, wenn man noch mehr Geld von den die primäre Leistung Erbringenden in Richtung gewinnorietierter Anbieter und IT-Industrie pumpt, dem kann ob dieses neuesten gesundheitsreformerischen Geniestreichs nur die Zornesröte ins Gesicht steigen.

Written by medicus58

2. Juli 2014 at 07:00

%d Bloggern gefällt das: