Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for September 2013

Persönliche Erkenntnisse nach dem Wahltag

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Wahlurnen 2013
Zwei reiche, alte Männer kaufen
sich je eine Partei und die kommen beide locker in den Nationalrat.

Politische Gruppierungen können ihre Wahchancen maximieren, indem sie erst möglichst kurz vor einer Wahl die politische Bühne betreten. 

Positionen verschrecken Wähler bringen aber keine Stimmen.

Korruption wird vom österr. Wähler als gegeben hingenommen und deren An- aber auch Abwesenheit ist kein Wahlmotiv. 
Niemand interessiert wirklich wer die Milliarden hat, für die nun alle Steuerzahler geradestehen müssen.

Sowohl die Aufdeckungsarbeit als auch das diktatorische Abdrehen eines U-Ausschusses ist dem Wähler egal.

Das Plenum des Nationalrats sollte dahingehend umgebaut werden, dass Sitzplätze nahezu ausschließlich rechts von der Mitte errichtet werden. 
Linke Positionen (Internationalismus, Solidarität, Antikapitalismus, …) kommen – bis auf deren negative Aspekte (Kaderdenken, Bevormundung, …) in einigen Positionen der SPÖ und der Grünen – 
in der politischen Diskussion Österreichs nicht mehr vor. 

Wir sind rechts-konservativ und unterscheiden uns nur noch durch den Grad an Populismus, Nationalismus und religiösem Fundamentalismus.

Europa ist kein Thema. Wer im Parlament die undemokratische Strukturen eines ESM und die sich daraus ergebenden Haftungen durchgewinkt interessiert niemanden.

Die politische Diskussion ist am Sandspielplatz der PR-Berater und Spin-Doktoren angekommen, einschließlich der dazugehörigen Schlammorgien bei Regenwetter; quotensteigernd als Werberahmenprogramm von ORF und den Privaten, demaskierend für schauspielerisch weniger Begabte.

Bemerkenswert auch, dass die gesellschaftspolitischen Folgen des Internets (Wikileaks, Offshore Leaks, NSA Abhörskandal, Internetbanking, ELGA, ..), 
ein Thema das heute durchaus so brisant wie für die meisten Wähler unbekannt ist wie vor Jahrzenten ökologische Fragen waren, 
kein Thema waren und die Gruppierung, die sich dieses Themas angenommen hat, die Piraten, unter dem Wahrnehmungshorizont blieben. 

Schließlich kann man sich fünf Jahre nach dem Zusammenbruch des neoliberal befeuerten Systems nur wundern, dass die NEOS ins Parlament katapultiert wurden,
die in ihrem Programm den alten Wahn regurgitieren, aber -im Gegensatz zur FDP- diese Positionen durch geschickte Vermarktung dem Wähler nicht bewusst machen:

Rückzug des Staates
Privatisierung von individuellen Risiken und öffentlichem Eigentum
Deregulierung der Wirtschaft 
Studiengebühren, Schulautonomie
Gehaltskürzungen für öffentlich Bedienstete
Abbau staatlicher Investitionsprojekte
Privatisierte Pensionsvorsorge
 Privatisierung von Telekom, Post und ÖBB.

Written by medicus58

30. September 2013 at 07:22

Nach einem außerirdischen Wahlkampf

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Nach einem Spießrutenlauf durch die MaHü auf der einen in quietschgrüne Uniformen gequetschte Teens das unsägliche EVA Magazin aufdrängen, die ÖVP heiße Gase in gelbe Ballons bläst und ein adrett Gekleideter uns allen (!) einen für die FPÖ erfolgreichen Wahlsonntag wünscht, kann es schon passieren, dass man sich wünscht der kuppelartige Dachausbau eines Gründerzeithauses wäre ein UFO das einen da rausholt.

Nach quotensteigernden Dauerkonfrontationen mit sandgestrahlten und bis zur Unkenntlichkeit gespinnten Polit-Vertretern bleibt nur die Frage, weshalb nicht zwischen den Wahltagen nur annähernd so viel Hirnschmalz und Geld aufgewendet wird, uns die immer komplexeren gesellschaftspolitischen Fragen zur Diskussion aufzubereiten, wie hinausgeworfen wird um an unsere Kreuzerl zu kommen.

Written by medicus58

28. September 2013 at 14:48

Veröffentlicht in Allgemein, Nationalratswahl 2013

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Volksoper:Sondheim:Empfehlung

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Sweeney Todd Volksoper

Als „Größter Stephen Sondheim-Fan ever„, wie hier im „Herrgottswinkel“ nachzulesen ist (http://wp.me/p1kfuX-6C), versteht es sich von selbst, dass ich (gestern) in die Volksoper pilgerte, um die Erstinszenierung von Sweeney Todd zu sehen. Als das Haus letztes Jahr Sondheims Frühwerk „Forum“ (dt. Die spinnen die Römer…) durchaus respektabel auf die Bühne brachte, hätte ich niemals geglaubt, dass sich die Direktion trauen würde, auch das tief-schwarze und -auch wenn es Sondheim in einem aktuellen Interview wieder nur dem Premierenregisseur Hal Prince zuschreibt- gesellschaftskritische Drama zu riskieren.
Das Risiko ist ein mehrfaches:
Sondheim ist bekannt dafür, dass er von Kritikern zwar hochgelobt, seine Werke aber vom breiten Broadwaypublikum nie lange auf dem Spielplan gehalten wird.
Die Story in der Pasteten aus Menschenfleisch als Kollateralschaden eines Rachefeldzugs zum ökonomischen Aufstieg der Mrs. Lovett führt, deren Lüge wiederum die Verzweiflung Todds zur blutrünstigen Rage steigert, verlangt eine ausgezeichnete Regie, um den schmalen Grad zwischen Drama und Farce zu halten.
Und schließlich die Sprache!  Sondheim, ein begnadeter Komponist und Texter, ist bekannt für seine komplexen inneren Reime, für Wortspiele und (Pullitzerpreis ausgezeichnete) Dialoge, die so eng an die Rhythmik der Musik angepasst sind, dass es nahezu unmöglich scheint, das alles in eine andere Sprache zu transponieren.
Wenige haben das nur annähernd so gut geschafft wie Marcel Prawy mit den Liedtexten der West Side Story.
Also schon der Mut das Stück, 34 Jahre nach seiner Premiere (!!!)in Wien heraus zu bringen, sollte anerkannt werden.

Aber eigentlich könnte man sich diese Einführung ersparen, denn das was man augenblicklich in der Volksoper erleben kann, ist eine hervorragende Inszenierung, die auch international bestehen könnte. (Auch durch die Location bedingt ganz anders als mein Lieblingsinszenierung im „Circle in the Square Theatre“ am Broadway (14.9.1989 bis 25.2.1990), die mich damals für das Stück einnahm, aber eine fast perfekte Interpretation.)
In erster Linie soll das geniale Bühnenbild von Mathias Fischer-Dieskau genannt werden.  Die Idee die Protagonisten zwischen den Zahnrädern des Mahlwerks spielen zu lassen, das einige von ihnen zur Pastetenfülle verarbeiten wird, wäre „Tony-verdächtig“ würden bei uns diese Preise vergeben werden.
Zu den Darstellern haben unsere Zeitungen schon das meiste gesagt. Auch wenn ich in Phrasierung und Tempo sehr auf die Premierenbesetzung (Angela Landsbury, Len Cariou) fixiert bin, schafft Morten Frank Larsen in der Titelrolle die Schwierige Balance zwischen Gesang und Schauspiel.  Dagmar Hellberg als Mrs. Lovett ist ein Ereignis: Gesanglich und schauspielerisch Letztendlich, was das große Manko der Verfilmung des Stoffes war, ist der Volksopernchor und seine Solisten eine für dieses Stück ganz wichtige Stütze.
Und nun zum deutschen Text. Wilfried Steiner hat, auch wenn einige Kritiker im Netz das weniger positiv sehen, seine m.E. unmögliche Aufgabe, durchaus mit Anstand erledigt. Manche Wortspiele und Reime gelangen überraschend gut, manches muss rein phonetisch unverständlich bleiben und nur wenig ist m.E. glatt danebengegangen.  Zu letzterem zählt jedoch die Übersetzung des  „They all deserve to die“ mit „Der Tod macht alle gleich“. Das ist sinnverfälschend, weil Todds in dem Moment, wo ihm der korrupte Richter entwischt, seinen Hass generalisiert und seinen Massenmord als einzige Erlösung für seine Mitmenschen sieht.
Aber in einem Kurier-Interview hat Sondheim ohnehin eine Generalpardonierung ausgesprochen: „Ich liebe die deutsche Sprache. Ihr Klang passt gut zu diesem Stück. „Sweeney“ ist ja kein zorniges Werk, aber eines von starker Entschlossenheit – etwas, das für mich in der deutschen Sprache essenziell mitschwingt. Allerdings bin ich neugierig, wie all die Silben auf meine Noten passen. Eure Wörter sind ja viel länger als die englischen Gegenstücke.
Abschließend hat sich diese Inszenierung eine lange Laufzeit verdient und man sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen zu sehen, dass Musical mehr ist als das was die Vereinen Bühnen seit Jahren – hochsubventioniert- für die Reisebüros inszenieren.

Werkeinführung:   http://youtu.be/aEFvb52QeVY

Written by medicus58

22. September 2013 at 11:52

KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung

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KPJ
Warum sich alljährlich tausende in teuren Paukerkursen aufgecoachte Maturanten um die abgezählten Studienplätze balgen ist mir ja nicht ganz nachvollziehbar, aber auf die die es geschafft haben warten neue Hürden.

Nein, hier ist nicht von den strengen Prüfungen die Rede, die sicher stellen sollen, dass das Jungvolk eine ungefähre Ahnung davon hat, wo den die Organe sitzen, die es einmal „heilen“ soll.

Ich rede davon, dass sich die Verschulung ihres Bildungsweges 
(als Gymnasiasten wussten sie oft auch nicht, nach welchen Regeln ihre Matuzra ablaufen würde) nahtlos ins Studium fortsetzt.

Im aktuellen Curriculum der Medizinunis schließt das Studium nun mit einem KPJ ab:

Im klinisch-praktischen Jahr (KPJ) sollen die Studierenden die in den vorangegangenen 5 Stu-dienjahren erworbenen Kenntnisse, Fertigkeiten und ärztlichen Haltungen (professionelles Handeln) vertiefen und unter Anleitung die Befähigung zur postgraduellen Aus- und Weiter-bildung erwerben
.

Entsprechend der heute doch so gern betriebenen Auslagerung der Arbeit unter Beibehaltung der Oberaufsicht (Stichwort: Einscannen statt einwerfen der Banküberweisungen) findet das KPJ nicht an den Universitätskliniken statt, die hätten auch kaum ausreichendes Anschauungsmaterial, sondern soll in den Routinespitälern ablaufen.

Also zu den – insbesondere in Wien – bereits revoltierenden Turnusärzten, die sich als nicht ausreichend ausgebildet fühlen, kommen nun „fast fertige“ Medizinstudenten und erwarten ein Echtzeiterlebnis ihres späteren Berufes.

Woher die personellen und fachlichen Ressourcen kommen sollen, Lehre benötigt mehr als nur fachliche Kompetenz, ist unklar. Klar ist nur, dass der „Zauber“ nächsten Sommer beginnen soll, nur existieren bis heute keine Verträge mit den Spitaklserhaltern.

Egal, irgendwo und irgendwie werden es die Studenten schon schaffen ihre Tertiale („Innere Medizin“, „chirurgische und perioperative Fächer“ „Wahlfächer“) zu absolvieren. 
Dass das vielleicht nicht ganz so glatt geht, scheinen auch die Planer zu befürchten, wenn sie schreibenBei durchgehender Absolvierung der KPJ-Tertiale ist das KPJ Ende Juni / Anfang Juli im 6.Studienjahr abgeschlossen.

Wer aber glaubt, dass der weitere Ausbildungsweg unseres Ärztenachwuchs klarer wird, den muss man enttäuschen. 

Alle (BuMin, Ärztekammer, Medunis, ..) haben sich geeinigt, dass das bisherige Modell:
die meisten beginnen mit der Turnusausbildung zum praktischen Arzt, immer mehr „bleiben dann in einem Fach hängen“ und absolvieren dort die Ausbildung zum Facharzt
geändert werden müsste, nur über das wie herrscht schon seit Jahren Uneinigkeit.

Die neue Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, also die Grundlage für ein Primary Care Management, will heissen der aufgewertete Hausarzt als Drehscheibe, hängt in der Luft , da die Ärztekammer damit eine Transferzahlung an den niedergelassenen Bereich verknüpft, 
d.h. das BuMin soll für ein Jahr „Lehrpraxis“ zahlen, dieses will nur 6 Monate und das fakultativ, weil große Bundesländer zu Recht befürchten, dass die in die Lehrpraxis abgewanderten Jungärzte als Systemerhalter in ihren Spitälern fehlen.
Aber auch die Ausbildung zum Facharzt für den Rest der Medizin (also all die Fächer, die man bisher kannte: Innere, Chirurgie, HNO, …) hängt in der Luft, da Bundesministerium und Ärztekammer die Vorgaben für die neuen Curricula (hier Rasterzeugnisse, also die Auflistungen, was und in welcher Tiefe der Arzt kennen (Kenntnisse), gesehen (Erfahrungen) und auch wirklich tun (Fertigkeiten) können soll) dauern ändert.

Zusammenfassend müssen Medizinstudenten ihr letztes Studienjahr in einem KPJ absolvieren, dessen Durchführung ein Jahr vor Start völlig unklar ist, um dann als Dr. med. nicht zu wissen, wie sie ihre Berufsberechtigung erlangen sollen.

Irgendwie scheint sich das bei den Maturanten noch nicht herumgesprochen zu haben, wenn sich heuer erneut 8.360 Kandidaten um  1.500 Studienplätze bemüht haben. Vielleicht aber doch, weil schließlich 2.300 angemeldete Kandidaten gar nicht erschienen sind.

Written by medicus58

20. September 2013 at 07:49

Was sich der Stöger hier wieder erlaubt hat …

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ÖBIG Pflegeexperten
Wir haben uns schon daran gewöhnt, dass uns zwar in der TV-Werbung 
Der Hofstädter, der was eine Marke von Billa und Merkur ist, das zu Tode gestreichelte nachhaltige Henderl persönlich ins Einkaufstaschl legt, während wir in den Filialen von den -vermutlich mies bezahlten- Anlernkräften nicht einmal erfahren können wo heute nach der letzten Umschlichtung das cellophanverschweisste Industriegeflügel gelagert wird.

Diese Tendenz höherqualifizierte Arbeiten von minderqualifizierten Mitarbeitern und damit billiger verrichten zu lassen ist auch im Gesundheitssystem im Gange und so kommen wir zu Gesundheitsminister Stöger..

Bereits 2008 hat der britische Gesundheitsminister mit Planungen begonnen (http://www.heise.de/tp/blogs/3/110249) die aus dem kaputt gesparten Gesundheitssystem NHS geflüchteten Ärzte durch Krankenschwestern zu ersetzen und angedacht, dass diese doch auch kleine Operationen selbst durchführen könnten.

Wie jetzt bekannt wurde, hat der österr. Gesundheitsminister schon ein Jahr später seine „Mietexperten“ im GÖG Ges.m.b.H (damals noch ÖBIG) ebenfalls darüber nachdenken lassen, wer die Arbeit der in Zukunft fehlenden Ärzte denn machen könnte (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33160). 

In den letzten Tagen haben jetzt auch einheimische Medien Wind davon bekommen, so dass BuMin Stöger sofort abwimmelte, dass er nicht daran dächte das Ärztegesetz, das nicht ganz zu Unrecht bestimmte medizinische Tätigkeiten den dafür ausgebildeten Ärzten vorbehält, zu umgehen.
Nebbich, welcher Minister gibt denn zu, ein bestehendes Gesetz zu mißachten, jedoch erfährt man von den seit Jahren an dem OPUS 

Gesundheits- und Krankenpflegeberufe: Konkretisierung der Reformansätze Aufgaben- und Kompetenzprofile zu den Spezialisierungen
Projektkoordination: Elisabeth Rappold, Ingrid Rottenhofer
Fachliche Begleitung durch das BMG: Meinhild Hausreither, Paul Resetarics
Projektassistenz: Heike Holzer

Werkenden, dass sie ausdrücklich die Vorgabe hatten sich nicht an die bestehenden gesetzlichen Regelungen zu halten
Gesetze können ja schließlich geändert werden.

In diesem Auftragswerk des BuMin werden z.B. „Perioperative Pflegeexperte“ erfunden,

(allein die Namenswahl wird dazu führen, dass der geplante „Facharzt für Allgemeinmedizin“ bald ebenfalls in „FacharztEXPERTE für Allgemeinmedizin„umgetauft werden muss, um nicht gegen die Pflege rein begrifflich abzustinken,

die zukünftig zum Beispiel 

den „Hautschnitt vor Operationen“ durchführen dürfen; blöd nur, wenn dann der Operateur den Schnitt gerne 3 cm höher hätte …

und ein Röntgenbild interpretieren dürfen, um danach eine Therapie einzuleiten; blöd nur, wenn die Verschattung eine Ödem und keine Lungenentzündung ist und eher Diuretika als Antibiotika angezeigt wären …

Viele andere Absurditäten dieses angeblich bedarfs-  und kompetenzorientieren Skill- und Grade-Mix sollen hier gar nicht referiert werden, vielmehr fasziniert die Methode, wie man hier Gesundheitsberufe hinters Licht führt und mit ihrem Minderwärtigkeitsgefühl schamlos Politik betreibt.

Gebelendet von dem Versprechen es würde auf sie etwas vom angeblichen Glanz der Götter in Weiß abfallen, gaukelt man ihnen einen sozialen und finanziellen Aufstieg vor, den es so nicht geben wird.
 
Einerseits ist (Gott-sei-Dank) von dem Glanz der Götter in Weiß ohnehin nicht mehr viel übrig, andererseits zeigt die Erfahrung bei anderen Gesundheitsberufen, dass die trotz Akademisierung nicht mehr verdienen und letztendlich irgendwer die bisherige Arbeit machen muss, denn all die Theoretisierer und Wissenschaftler heilen nicht den durchgebrochenen Blinddarm, die Pneumonie oder den Herzinfarkt. Insbesondere haben wir im Gegensatz zu den USA oder den Emiraten kein Geld für eine Schar an Hilfskräften, die die ganz unwissenschaftlichen Tätigkeiten am Patienten ausüben, wie Füttern und Gesäßreinigung.

Wir haben den Prozess der Akademisierung, Kompetenzvertiefung und Kompetenzerweiterung bei den medizinisch-technischen Berufen (Physikalistinen, Laborpersonal, RadiologietechnologInnen, ..) schon hinter uns, denen ebenfalls per MTD Gesetz das eigenverantwortliche Tätigwerden erlaubt wurde.

Immer mehr „Master“ und „Dr. med. sci.“ erkennen aber nun, dass nur wenige Unterschlupf in den Reihen des GÖG oder den FHs finden, die anderen aber ohne Gehaltserhöhung die selben Tätigkeiten wie bisher ausüben müssen.

Dass in manchen Fällen die Routinequalität der Arbeit schlechter als früher wurde, weil man sich offenbar „zu gut für die Routine“ wähnt, ist nur meine unmaßgebliche – weil nicht notwendigerweise zu verallgemeinernde – Erfahrung.

Ganz absurd ist es, dass sich die Pflege (oft ohnehin nur die Pflegedirektorin) weigert im Nachtdienst ganz banale, schon jetzt mit dem gesetzlichen Berufsbild vereinbare Tätigkeiten durchzuführen:

subkutane Heparingabe (was i.d.R. sogar Angehörige daheim durchführen)oder das Umhängen von Infusionsflaschen, wenn die erste leer ist ….

aber nun noch mehr Kompetenzen einfordern.
Andererseits hat sicher jeder Arzt am Anfang seiner Ausbildung von einigen, erfahrenen Krankenschwestern viel gelernt. 
Auf Intensiv- oder Dialysestationen habe ich mehrfach erlebt, dass die Einschätzung der neurologischen Situation von schwer kranken Patienten durch die Pflege, die stundenlangen Kontakt zum Patienten hatte, mitunter besser war als durch den Konsiliarneurologen…

Persönlich hatte und habe ich auch nie ernsthafte Konflikte mit der Pflege und wurde im Nachtdienst i.d.R. nicht zum Heparinspritzen geholt, weil ich vorab immer klargestellt habe, dass ich natürlich käme, wenn sie der Meinung wären, dass sie die Verantwortung für „den Eingriff“ nicht übernehmen könnten.

Medizin ist ein multidisziplinäres Tun, wo jeder Beitrag gleichwertig für das Ziel, die erfolgreiche Behandlung eines Kranken ist. Trotzdem ist nicht jeder – auch von seiner Ausbildung und nicht zuletzt von seiner Haftungsfähigkeit – dafür geeignet jeden Schritt dieses Prozesses zu vollziehen.

In den aktuellen Aussgaen des Bundesministeriums zur Fachärzteausbildung wird auf ein modulares System übergegangen und billigend in Kauf genommen, dass die zukünftigen Facharzte nicht mehr in allen Aspekten ihres Faches gleich tief ausgebildet werden.
Aus Erzählungen sind mir noch Zustände bekannt, wo die Krankenschwestern an Patientennachthemden Knöpfe angenäht haben und die Zytostatika selbst angemischt haben
Ich wurde einmal von so einer „erfahrenen Schwester“ gefragt, ob den „Milligramm“ und „MilliMol“ des Ztostatikums nicht ohnehin dasselbe wären. Keiner will das wieder zurück.
Die Pflege hat sich – ausgehend vom anglikanischen Raum und dort auch weiter fortgeschritten als bei uns – zu einer Pflegewissenschaft weiterentwickelt. Diese hat andere Aufgaben als „Hautschnitte anfertigen“ und „Röntgenbilder zu befunden“.
Ich möchte mit einem akuten Cerebralinsult von einem qualifizierten Neurologen in einer Stroke Unit behandelt werden, weiß aber, dass ich nach der Akutphase auf die Qualifikation von anderen Berufen angewiesen bin, um meine größtmögliche Mobilität zu erhalten. Im Falle einer Hirnmassenblutung vertraue ich aber auf einen guten Neurochirugren und Intensivmediziner.

„Was sich der Stöger da erlaubt hat“ ist meines Erachtens fahrlässig und richtet sich sowohl gegen die Ärzteschaft, was wir gewöhnt sind, aber wird auf lange Sicht auch die Pflege frustrieren. Ich sage voraus, dass diese Akademisierung und Kompetenzaufwertung der Pflege dazu führt, dass man zukünftig nicht hinter der Pflegedirektorin, Oberschwester und Sttationsschwester nicht mehr diplomiertes Krankenpflegepersonal haben wird, das von nicht-diplomierten Stationshelferinnen unterstützt wird, sondern dass man der kompetenzaufgewerteten akademischen Pflegeexpertin nur mehr minderqualifiziertes Personal zur Seite stellt und sie mit ihrem vermeidlichen Prestigegewinn „im Regen der Routine“ alleinläßt. Erst dann wird es zu Kosteneinsparungen kommen.

Die Nachbesetzung von diplomierten Krankenschwestern- und -pflegern durch Stationshelferinnen ist in so manchem Krankenhausverbund bereits gelebte Realität. 

Wenn das von den Pflegeexperten realisiert wurde, dann werden die aus ihren akademischen Wolken gefallenen Pflegepersonen vielleicht wieder solidarisch mit uns Ärzten gegen diese Entwicklungen ankämpfen, 
nur dann wird es zu spät sein.

Written by medicus58

18. September 2013 at 19:36

Die Rache der Indonesier an den Radfahrern

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Dass es den Holländern in Ermangelung steiler Paßstraßen schon früh eingefallen ist zu allem und jedem, das nicht per Schiff erreichbar ist mit dem Drahtesel zu kommen, gilt seit Jahrzehnten als artabhebendes Merkmal des Landes.
Dass das ach so liberale Völkchen bei seinem kolonialen Aktivitäten in den Gegenden, die noch nicht spanisch, portugiesisch oder britisch waren, die besondere Rücksichtslosigkeit der vermeintlich Zukurz-Gekommen an den Tag lehnten, ist in Europa weniger präsent.
Kehren wir zu den Radfahrern zurück,  die mit ihren Rostlauben die Gehsteige vermüllen, wird dem Mahü-geschädigtem Wiener rasch klar, weshalb sich hier die Gegner (Fußgänger, Radler, Autofahrer) in den Gassen begegnen, während in Wien die Gegnerschaft die Begegnungszone dominiert: SIeht man die alten, oft verwarlosten Drahtesel und vergleicht sie mit den Hightech-Mangan-Gestellen in die ein mittleres Primararztgehalt investiert wurde, damit man damit triumphierend gegen die Einbahn dröhnen kann, oft in hautenger Funktionskleidung, die ebenfalls ein durchschnittliches Telekombestechungsgeld verschlungen hat, dann wird der Unterschied klar:

Bei uns wird das Mittel zum Zweck und für die holländischen Radfahrer ist das Verkehrsmittel nur ein Werkzeug um ans Ziel zu kommen.

Und was hat das mit den Indonesiern zu tun die sich, wenn sie es sich leisten können heute am liebsten von chinesischen Rikschafahrern ans Ziel bringen lassen?
Ganz einfach, sie stellen seit dem Ende der holländischen Kollonialherrschaft und der Abfolge eigener Militärdiktaturen eine große Einwanderergruppe der Niederlande dar. Und was machen Einwanderer traditionell?  -ein ethnisches Lokal auf!
Und während ich es bislang genossen habe, hier auch ohne Langstreckenflug zu ordentlichen Lumpia, einem würzigen Soto Ayam und erdnussigem Sate zu kommen,  muss ich nun feststellen, dass die Indonesier späte Rache an ihren ehemaligen Kolonialherren nehmen!
Ein Blatt Salzgurke zum Bamigoreng, Bruchreis in der Reistafel, die Hummerchips von gestern …
Nicht dass es den Einheimischen auffällt,  der Unterschied zu den Standards der holländischen Küche ist marginal, aber wie komme ich dazu, der sich in keinem kolonialen Folterlager etwas zu schulden kommen ließ?

Written by medicus58

10. September 2013 at 08:59

Veröffentlicht in Reisen

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Der allem zum Trotz trotzkistische SLP Wähler

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Wahlurnen

Ich gebe es zu, zuletzt wurde mein Interview-Reigen schon ziemlich mühsam.
In Italien mache ich gerne Urlaub, möchte aber seine politischen Verhältnisse nicht bei uns auf dem Stimmzettel finden,
aber da muss ich durch.
Als vierzehnte (!) und letzte der bei den kommenden Wahlen zumindest in einem Wahlkreis kandidierenden Parteien, wollte ich nun auch
einen der knapp 2000 Wähler der Sozialistischen Linkspartei kennen lernen.
Gleich mit meiner ersten, eher zur Auflockerung gemeinten Frage verbockte ich den Termin aber gründlich:

„Gibt es denn auch eine sozialistische Rechtspartei, so dass man sich mit dem doppelt gemoppelten Parteinamen abgrenzen musste?“

„Ich habe in dieser Bewegung schon gekämpft als sie mich aus der Sozialistischen Jugend gemobbt haben und ich zum Verein „Vorwärts“ gestoßen bin, aus der sich die „Sozialistische Offensive Vorwärts“ entwickelt hat, die dann in der SLP aufgegangen ist.“

Den „Judäische Volksfront“ vs. „Volksfront von Judäa“ Witz verkneife ich mir und beobachte Jan, wie er seine speckigen Haare verzweifelt hinter seine abstehenden Ohren sperren möchte.

„Ich gehe davon aus, dass Du schon früher die SLP gewählt hast, aber ist das nicht frustrierend, dass die in Wien im Promillebereich herumdümpeln und im Rest von Österreich völlig unter der Wahrnehmungsschwelle bleiben?“

„Wir sind ja keine Partei im herkömmlichen Sinn, im Vordergrund steht bei uns die Aktion!“

„Ja, ich weiß,“ unterbreche ich ihn, „aber wenn ihr schon glaubt, dass diese Gesellschaft nicht über Wahlen zu verändern ist, was inzwischen sogar die KPÖ inzwischen an Stelle der großen proletarischen Revolution gestellt hat, dann könnt ihr doch nicht ernsthaft glauben Eure Ziele dadurch zu erreichen, wenn ihr einmal im Jahr, übrigens Schulter an Schulter mit SPÖ, Grünen und KPÖ gegen den Korporationsball der FPÖ demonstriert?“

„Wir wollen keine Ämter und Funktionen in dieser Gesellschaft erreichen …“

„Deshalb tretet ihr bei Wahlen an?“ unterbrach ich.

„Im Vordergrund steht bei uns die Aktion, jeder Aktivist, jede Aktivistin ist Parteimitglied und jedes Parteimitglied ist ein Aktivist und eine Aktivistin, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Nationalität.“

„Euer Wahlslogan ist „Sozialismus statt kapitalistisches Chaos“. Jetzt scheint mir der Kapitalismus einen sehr hohen Organisationsgrad in unserer Gesellschaft erreicht zu haben, an dem letztlich auch die Occupy-Bewegung an der Wall Street zerbrochen wurde, aber ihr seht darin ein Chaos; OK, soll sein, nur dem setzt ihr die dauernde Einzelaktion, sozusagen die Zeitlupen-Revolution entgegen und verzichtet selbst auf höhere Organisationsstrukturen.“

„Du verstehst rein gar nichts und bleibst in einem bürgerlich-distanzierten Weltbild hängen“, versetzte mir Jan den erwarteten Schlag.

“ Die SLP ist gegen Arbeitslosigkeit, Prekärisierung und a leeres Börsl, für günstiges Wohnen und gegen die FPÖ.“

„Und das erreicht ihr mit ein paar Farbbeutel auf den Kashmirmantel von älteren Männern mit zerschnittenen Backen?“

„Dadurch setzen wir Markierungen für unseren Weg in eine sozialistische Gesellschaft!“

„Die aber die Putzerei wieder relativ mühelos entfernt, nicht?“, damit habe ich offenbar den Bogen überspannt, was mit den Titel eines „bourgeoisen, postmodernen Arschlochs“ eintrug.

„Mit Salonsozis wie Dir, die sich nicht einmal die Mühe machen die Grundsatztexte auswendig gelernt zu haben, sollte man sich gar nicht einmal unterhalten.
Du beruhigst Dich damit, dass ein zwei Demos genügen, um als „links“ zu gelten, sowas brauchen wir gar nicht, auf sowas verzichten wir.
Die SLP rekrutiert eine handverlesene Schar an In- und AusländerInnen“, die unseren Kampf mitkämpfen.
Für Gleichberechtigung der Frau, für Teilhabe aller an allem.
Für Gratisverhütung und Gratisabtreibung sowie für höhere Löhne für alle!“

Wie ein geschlagener Hund trotte ich von dannen, während sich hinter mir die anatolischen, afghanischen und nigerianischen Massen formieren und für die Gleichberechtigung der Frau kämpfen.
Auf den Straßen Wiens begegnen mir freudetrunkene Sozialarbeiter und Dauerarbeitslose, die den Lohn eines Nationalratspräsidenten erhalten und erst beim Bäcker merken, dass auch dieser seine Einkommenswünsche verwirklicht hat,
Schlussendlich vernehme aus der Ferne das dumpfe Grollen von tausenden Farbbeuteln, die auf die kugelsicheren Kunststoffröhren prasseln, durch die die FPÖ Granden in die Hofburg einziehen, als wäre sie Walhalla. Onkel Fränk winkt vom Ballhausplatz herüber, während aus dem Außenministerium fremdartige christliche Gesänge schallen.
Die Linkswende benötigt in diesem Lande noch etwas Zeit, soll sein.

Written by medicus58

6. September 2013 at 07:18

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