Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Renaissance der Aufklärung’ Category

Wollt Ihr den Totalen Stress? und wer hat was davon …

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Krisenfrei war das Leben wohl selten, aber irgendwie fehlt langsam die Pause zwischen den Akten dieses Stücks:
2004: Orange Revolution in der Ukraine
2006: Die US-Immobilienkrise
2007: Die weltweite Bankenkrise
2008: Die Lehman-Pleite
2009: Globale Wirtschaftskrise
2010: Griechenland und die Euro-Schuldenkrise, Orangene Revolution in der Ukraine zerbricht  russlandfreundliche Regierung (Janukowytsch) eingesetzt
2011: Schuldenkrise in Italien, Portugal, Spanien, ESF Rettungsschirm, Beginn des Syrienkrieges
2012: weitere Rückschläge des Arabischen Frühlings
2013: Gegenschlag der syrischen Regierung, Giftgas in Ghuta, Euromaidan in der Ukraine
2014: Auftreten des Islamischen Staates in Syrien, Annektion der Krim, Kämpfe um Donbas
2015: Flüchtlingskrise, Unterstützung Russlands im Syrienkrieg
2016: Nahrungskrisen in Afrika, Nordkorea, Überschwemmungen in Bangladesch, Misslungener Putschversuch gegen Erdogan (Türkei)
2017: Trump wird Präsident der USA
2018: Bolsonaro wird Präsident in Brasilien
2019: Pandemie ff
2020: Brexit
2021: Sturm auf das Kapitol in den USA, Islamischen Emirat in Afghanistan, Inflation in den USA
2022: Inflation in Europa, russ. Invasion in der Ukraine, Energiekrise, Klimakrise, Wasserkrise, Wirtschaftskrise, …..

Und das sind nur die Krisen, mit denen sich europäische Medien beschäftigt haben, Krisen und Kriege in Afrika, Arabien und Mittelamerika, Islamistischer Terror und Geiselnahme außerhalb von Europa beschäftigten uns ohnehin nur selten.

In einem Interview mit der DW fielen schon 2016 die Sätze „Es gibt eine Globalisierung der Krisen“ und dass Auch 2017 die Krise ein Dauerzustand der internationalen Politik war. Der Schuldige war für den Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik der gerade inthronisierte Donald Trump, keine Ahnung, wie heute die Gemengelage von Es gebe keine einzelnen Krisen mehr, sondern zusammenhängende Krisenlandschaften begründet würde. Trump hat sich zwar bis heute als Feuerbeschleuniger antidemokratischer Entwicklungen bewährt, aber ihn als einzigen Grund für das Krisen-Stakkato zu sehen, hieße seine Bedeutung massiv zu überschätzen.

Die Erkenntnis, dass, im Gegensatz zu früheren Krisen (Die Kuba-Krise 1962 etwa habe einen klaren Anfang, ein klares Ende und bestimmte Akteure gehabt.) ist aber gültiger denn je. Der wahre Unterschied zu meiner ersten Lebenshälfte ist nicht, dass es nicht immer Krisen gab, sondern dass diese früher durch Erleichterungen unterbrochen wurden.

Mitten im Kalten Krieg der 80er Jahre mit NATO-Doppelbeschluss, Pershing Raketen und US Truppenstationierung in Deutschland, formierten sich die Friedensbewegung und Nena ließ 99 Luftballons steigen, bis gegen Ende des Jahrzehntes die UdSSR, gegen die man wie wild aufrüstete, implodierte.
Diese Krise dauerte zwar länger als die 13 Tage der Kubakrise, aber sie endete mit einem Aufatmen, zumindest für Europa und einigen Jahren mentaler Erholung und Hoffnung.

Seit Jahren ist uns dieses Aufatmen verwehrt.

Einerseits, weil der globale Imperialismus einen Mehrfrontenkrieg führt und andererseits, weil die Medien, nicht nur die asozialen, ihre Clicks fast ausschließlich über Verstärkung und kaum mehr über Analyse suchen.

Ein gutes Beispiel ist die aktuelle Kontoverse über die Interviewführung Armin Wolfs mit dem ukrainischen Außenminister: Armin Wolf: „Selten so kontroversielle Reaktionen“ Auf den Vorwurf er wäre Kremlsympathisant antwortete der Wolf of Küniglberg: Es ist mein Job, (kritische) Fragen zu stellen. Die Gäste antworten. Und das Publikum kann entscheiden, ob die Argumente überzeugen.
In diesem Interview konterte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba: „Sie klingen so, als würden Sie nach Rechtfertigungen suchen, warum die Krim zu Russland gehören sollte … Aber ich bin mir sicher, Sie sind ein redlicher Mann.“

Armin Wolf, der mich wie alle ohne Klarnamen auf Twitter geblockt hat, ist zweifellos ein kluger Journalist, aber gerade das Credo sich in Interviews in die Gegenposition zum Gegenüber zu begeben, führt zur zwangsweise zur Polarisierung und nicht unbedingt zur besserer Erkenntnis. Ich habe das hier schon im Zusammenhang mit seiner Fukushima Berichterstattung diskutiert: Nach 100% ist es aus, das Kasperltheater

Während sich die Medien (wie im Titelbild Die Presse) als Kontrolleure der Mächtigen sehen wollen, führen ihre Strategien eher zur Zuspitzung von Konflikten. Um eine andere Passage des Interviews mit dem ukrainischen Außenministers über den Krieg beim AKW Saporischschja herauszugreifen:
Wolfs Frage warum die Russen, die das AKW besetzt halten, ihre eigenen Truppen beschießen sollen, lässt ebenso ratlos zurück, wie die Antwort des Außenministers, warum sollen wir Ukrainer unser eigenes AKW zusammenschießen?
Rhetorisch beide Herren auf den Punkt, als unausgesprochene Synthese beider Argumente bleibt aber doch nur der Schluss, dass es wohl beiden Staaten weniger um rationale Beweggründe gehen kann, als um propagandistische Vorteile. Gesagt kann das so natürlich nicht werden, weil es letztgültig nicht bewiesen werden kann, also verstärkt es nur die jeweiligen Gruppen in der Gewissheit, dass jeweils der Gegner lügen muss.

Ein weiteres schönes Beispiel für die polarisierende Interviewtechnik fand sich auch in den letzten Tagen: Während bis vor kurzem noch die Ungerechtigkeit des Westens beklagt wurde, der sich die High-tech Covid Impfstoffe krallte und im Rahmen der COVAX-Initiative nur kurz vor dem Ablaufdatum nach Afrika schickten, wo sie aus Angst vor der westlichen Medizin ohnehin abgelehnt wurden, (Spritzen für die Staatsspitzen: Damit haben sich führende Politiker gegen Covid-19 impfen lassen), vernahm ich jetzt eine Interviewfrage, ob es den ethisch vertretbar wäre, die restlichen Impfstoffe nach Afrika zu schicken, weil angepasste Impfstoffe, die nicht wesentlich besser wirken als die alten, bald in Europa ausgeliefert werden.

Wer hat also nun etwas davon, dass wir atemlos von einer Krise in die nächste rasen?

Also abgesehen von all den Anbietern, deren Waffen, Medikamente, technische Lösungen oder Beratungen immer mehr nachgefragt werden, je verzweifelter wir im Krisensumpf versinken, sehe ich nur einen Nutznießer der globalen Permanentkrise:
genau diese Anbieter, die mit ihren oft Pseudolösungen Geld verdienen,
Medien, die durch immer größere Panik, die Leute von ihren Games und Streaming-Plattformen locken,
und politische Strömungen, die von der wachsenden Verunsicherung und Destabilisierung profitieren.

Dauerstress führt, je nach Ausgangslage zu Aggression oder Depression und beides vernebelt den vormals gesunden Menschenverstand.

Das sollten sich zumindest die Medien mal überlegen, die von sich behaupten Qualität zu liefern.

Written by medicus58

8. September 2022 at 16:44

Das Kleingedruckte hinter dem humanistischen Aktionismus

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Freie Grenzen, Frieren für den Frieden, Dekarbonisierung von allem außer dem Aperol Spritz, die Drittmittel-Finanzierte, Psychotherapie-auf-Krankenschein, 60%-des-Gases-kriegen-wir-von-anderswo-und-der-Rest-wird-sich-finden Generation weiß was zu tun ist, um unsere Lebensbedingungen zu verschlechtern und ihr Gewissen zu verbessern.

Gehen industrielle Arbeitsplätze verloren, sollen sie halt kellnern gehen, haben wir vor dem abgebrochenen Studium ja auch gemacht und den Rahmen unseres Luxusbikes kriegen wir eben aus Indien.

Dass C02 aus Putins Gas zwar letztendlich auch zu uns kommt, egal wo es verbrannt wird, die Elektromobilität aus Frankreichs AKWs oder aus polnischer Kohle abgesichert wird, ist egal, wir haber moralisch gesiegt und fühlen uns im Feldenkreis ohnehin am wohlsten.

Vergessen oder nie gelernt haben sie, dass unsere Vorgänger-Generation den 2.Weltkrieg erst beendete, als die Allierten in Berlin standen und das ganze Dritte Reich niedergebombt wurde. Dass Putin seinen Krieg verzweifelt einstellt, weil wir die Gasrechnung ein paar Monate nicht zahlen, ist so absurd, dass es schon eine ziemlich geschichtlich ungebildeter Generation bedarf, dass die politischen Drehbuchschreiber damit durchkamen.

Sinnvoller wäre es vermutlich gewesen, hätten wir mit den Milliarden, die wir jetzt unserer eigenen (sprich NATO) Rüstungsindustrie überweisen um Waffen in die Ukraine zu schicken, Putin direkt bestochen. Vielleicht hätte ihn das besänftigt und viele Leben gerettet. Hat aber noch niemand probiert, obwohl es bei Erdogan ja auch funktionierte. Darum ging es aber ohnehin nicht.

Unsere humanistischen Vordenker sollten aber einmal überlegen, ob nicht ihre eigenen Jobs die ersten sein werden, die wir uns nicht mehr leisten können, wenn sie das Geld ausgegeben ist, das andere erwirtschaftet haben. Wenn es hart auf hart geht, werden wir uns unsere Thinktanks, NGOs, Spendenkeiler, Berater und Besserwisser*innen nicht mehr leisten wollen und können. Nicht jede Dienstleistung ist durch Roboter ersetzbar und die, die den Müll wegbringen sind wichtiger als die die Ezzes geben.

Written by medicus58

5. Mai 2022 at 17:25

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Ukraine: gegen das Chaos hilft nur Vorsorge

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Wurde schon einmal versucht Sie in der Öffentlichkeit zu bestehlen? Ich erlebte diese Versuche mehrfach, bestohlen hat mich letztendlich aber noch keiner.

Ganz typisch verlief es in einer relativ stark besetzten Lissaboner U Bahn. Plötzlich scharten sich um mich mehr Fahrgäste als im Rest des Wagons und begannen immer heftiger zu diskutieren.

Ich wurde immer bedrängter, Körper begannen sich an mir und meiner Tragetasche zu reiben. Bei der nächsten Station verließen plötzlich alle die Fahrgäste die um mich Chaos veranstalteten den Wagon, und einer der verbliebenen verkündete mir jetzt (!) sehr bedauernd, dass man mich nun wohl beraubt hätte und ich die Polizei rufen sollte.

Beraubt hat man mich nicht, aber wirklich, der Zipp in der Außentasche meiner Tragetasche war offen: das einzige, was aber dort drinnen war, war immer noch drinnen, ein Papiertaschentuch. Geldbörse, Pass und Wertgegenstände waren so verstaut, dass sie mir nicht entwendet hätten werden können, ohne mir die Tasche wegzunehmen oder an die Innentaschen der Weste zu gelangen, die ich unter dem Mantel trug.

Und der Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg?

Wer jetzt bedauernd frägt, was man da noch machen kann, agiert wie der Mitreisende in der Lissaboner U-Bahn. Zuschauen, wie grundlos Chaos inszeniert wird, um dann eine Lösung zu suchen, ist naiv und fahrlässig. Die Lösung nicht bestohlen zu werden, musste davor gefunden werden.

Erstens muss ich mir klar machen was passieren kann:

An Signalen, dass sich in der Ukraine eine gewaltsame Auseinandersetzung anbahnt, hat es wahrlich nicht gefehlt:

Gleiche undemokratische Entwicklung nach 1990 (Oligarchen, Staatsstreiche, ausländische Interessen und Interventionen), Münchner Konferenz

Zwei im Korruptionsindex benachbart sehr tief stehende Länder.

Zwei Länder mit starker Waffenindustrie.

Zwei sehr nationalistisch bis rassistisch geprägte Länder.

Zweitens muss ich erkennen, was der Zweck des Chaos ist:

Streit um verschwundene Gasmengen.

Massive Interventionen der Russischen Föderation und der USA, die mal diese mal jene Marionette an die Macht brachten.

Russische Separatisten (grüne Männchen) in mehreren Regionen der ehemaligen UDSSR und Vorrücken der NATO.

Hätte man vorher mehr Geld in echte Diplomatie statt in Destabilisierung gesteckt, wären Kompromisse möglich gewesen und man hätte, wie in der U Bahn, das inszenierte Chaos ruhig abwarten können.

Jetzt scheint mir nur mehr ein Ausbrennen des Konfliktes möglich, wenn man nicht eine weltweite Afghanistanisierung, Irakisierung, Syrisierung oder Libyanisierung riskieren möchte. Die USA beabsichtigen dies scheinbar, Europa sollte da nicht mitgehen.

Mich erinnert das alles an das Ende des kalten Krieges in den 80er Jahren, wo die nicht unbegründete Angst in Mitteleuropa zum Schauplatz eines atomaren Stellvertreterkrieges zu werden, zu einer massive Friedensbewegung geführt hat. Einige politische Gruppen, die sich damals formiert haben, scheinen diese Lektion wieder vergessen zu haben.

Übrigens sieht man, wer Pazifist ist, nie im Frieden sondern immer erst im Krieg.

Written by medicus58

30. April 2022 at 14:49

Propagandakrieg gegen Gerhard Schröder

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Mit diesem Gruselfoto macht aktuell die NYT Stimmung gegen Ex Kanzler Schröder. Als dieser mit der Agenda 2010 das Sozial- und Rentensystem in treuer neoliberaler Gefolgschaft für die Kapitalmärkte aufbrach, hatte er in den USA und UK noch eine bessere Presse.

Wen wundert es da, dass das Deutsche Handelblatt sogar jetzt noch einen „sympatischeren Schröder“ ins Bild setzt, weil er (neben seinen persönlichen finanziellen Interessen) auch diese des Wirtschaftsstandortes zu retten verspricht.

Letztendlich versöhnlich, dass wir alle nur Salatblätter zwischen den Sandwichscheiben der Macht sind. Gelobt, solange wir parieren, verdammt wenn wir widersprechen. Der Unterschied liegt nur darin, mit wieviel Mayonnaise wir uns umgeben können.

Im Falle diese Totengräbers der Europäischen Sozialdemokratie spricht man von 20 Millionen €.

Written by medicus58

24. April 2022 at 10:23

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Wag the Dead

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Wer kennt sie nicht Berry Levingstons bitterböse 1997 Satire Wag the Dog über den inszenierten Krieg in Albanien, die dem US amerikanischen Präsidenten seine Wiederwahl sichern sollte. Der etwas schräge Titel zielte auf die mediale Machtmanipulation, die die wahren Verhältnisse auf den Kopf stellte, als ob es der Schwanz wäre, der den Hund wedeln würde.

Seit damals haben wir Ähnliches schon oft erlebt, vom zweiten Golfkrieg bis zur Lewinsky Affäre.

Wenn nun die Welt bewundernd auf einen ukrainischen Präsidenten blickt, der seine Wahl nicht zuletzt einer Politsatire (Diener des Volkes) verdankt, die die Ukraine in russischer Sprache für ein russisches Publikum als durch und durch korrupt und in der Hand ukrainischer Oligarchen porträtierte, kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass da erneut eine grausige Politsatire abläuft.

Selenskyjs Fernsehserie wurde u. a. von einem ukrainischen Oligarchen finanziert, gegen den sowohl in Russland als auch in der Ukraine Prozesse laufen, denen er sich durch Flucht entzogen hat.

The Guardian erinnert heute erneut daran, dass sich Selenskj mit den gleichen Beratern und Redenschreibern umgibt, die schon seine Fernsehserie schrieben.

Von Selenskyjs eigenen Finanzproblemen, Stichwort Pandora Papers ist nichts mehr zu hören, während dies noch letzten Herbst sogar im ORF Thema war.

Keine Frage, dass Russland die Ukraine völkerrechtswidrig angegriffen hat, nur ist der uns gebotene Plot, wenn wir in der Filmsprache bleiben, voller Löcher, Ungereimtheiten und Blendgranaten.

Wie schon so oft in der Geschichte werden das einzig Bleibende die Toten beider Seiten sein. Wofür sie auch immer geschlachtet wurden, für ihre Freiheit, für unsere Freiheit, für den Testfall aktueller und nicht mehr aktueller Waffensysteme, für EU und NATO Beitritt oder was auch immer, ob es das für sie wert war können wir sie nicht mehr fragen. Antworten werden uns vermutlich aber dieselben Drehbuchautoren, die sie in den Tod geschickt haben.

Written by medicus58

19. April 2022 at 11:44

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Wenn der Abstand zwischen den Realitäten immer weiter wächst

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Vor einer Woche sprach unsere tückisch-grüne Regierung vom Frühlingserwachen aus der Corona Pandemie, in unseren Spitälern fehlt das Personal (nein, nicht nur in ddr Pflege) und heute Morgen schoss ich dieses Foto in einer von Wiens Einkaufsstraßen.

Dutzende westliche Geheimdienste versprachen letzte Woche dast täglich den großen russischen Einmarsch in die Ukraine, jetzt kommen sie zwar, aber in den Donbas und nicht durch das Sperrgebiet von Tschernobyl und in eine seit Jahren sich praktisch als russisch bezeichnende Separatisten-Zone.

Putin erklärt uns seine Geschichte, dass die Ukraine schon immer Teil Russlands war (teils falsch, teils richtig) Außenminister Schallenberg kriegt für seine Erzählung, dass Österreich beim Anschluss 1938 von der Welt alleine gelassen wurde schallende Ohrfeigen, obwohl auch das teils falsch (wir hatten schon eine faschistische Diktatur, die wenige, nicht mal Italien, retten wollte) teils richtig ist (Mexico war das einzige Land, das im Völkerbund protestierte).

Wir könnten die Beispiele auseinander laufender Erzählungen nahezu endlos fortsetzen. Wen wundert es noch, dass die Demos für und gegen alles aneunander geraten?

Und das hat leider wenig mit fehlender Bildung zu tun, sondern mit immer besser gewordener Propaganda, die sich in Millisecs Argumente für und gegen alles zusammen googelt und als wahr verkauft.

Wer das alles NUR auf die Algorithmen der Social Media und die Dummheit ihrer Benutzer schiebt, macht es sich zu leicht.

Wir machen es uns zu leicht und schreiten zum nächsten Streitthema.

Written by medicus58

22. Februar 2022 at 07:48

Impfpflicht Lotterie

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Ein paar Tage in Absurdistan:

Die tückisch-grüne Regierung wollte, nachdem der frühere Häuptling die Pandemie für beendet erklärt hat im Herbst was tun, eine Impfpflicht einführen.

Die rötliche Rendi-Wagner wollte einen Impfprämie, damit die Menschen der Pflicht auch Neigung entgegen bringen.

Da man die Stimmen der Roten für die Einführung einer Impfpflicht brauchte, aber natürlich nicht deren Impfprämie übernehmen konnte, erfand man die Impflotterie.

Lotterie macht irgendwie schon Sinn, weil man zu einer Impfung mit Impfstoffen verpflichtete, die für die Virusvarianten, die grad aufkamen nicht mehr so wirklich wirkte, wenn die Impfpflicht scharf gestellt wurde, was man dann aber noch gar nicht wirklich überprüfen konnte, weil das Milliardengrab ELGA nicht automatisch erkennen konnte, wer impfbefreit, inzwischen genesen oder überhaupt mit dem falschen Impfstoff geimpft wurde.

Also alles wie bei einem Kapitän, dessen Befehle den Steuermann erreichen, wenn dessen Ruder längst gebrochen ist. Aber keine Panik auf der Titanic, wir sinken planmäßig.

Als die Zustimmung der rötlichen Hygienikerin erreicht wurde, fand verlässlich der gerade eingesetzte türkise ORF General, dass man einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk doch nicht vor den Karren einer rechtlich verordneten Impflotterie spannen kann. Vor unentgeltliche Einschaltungen im öffentlichen Interesse, weihnachtlichen Politikeraufmärschen zur LID Bettelei und einer eigenen Impflotterie zwar schon, aber sogleich war die Voraussetzung für Rendi-Wagners Zustimmung zur Impfpflucht wegadministriert, gern geschehen, hat halt nicht sein wollen.

Der Ex-Innenminister weiß aber sofort, dass man das Geld u. a. unter der Polizei verteilen soll, weil die ja mutig die Dutzenden Demos der Ungeimpften im Lockdown beschützt haben.

Wer da nicht an seinem Erbrochenen erstickt, der hat eine bleibende Immunität gegen das Zerrbild einer Politik aufgebaut und wohl in den letzten Jahrzehnten zu oft in Italien geurlaubt.

Apropos Grüne

Das Ende der Grünen Alternative für Österreich

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Der krause Auftritt der ehemaligen Grünen Bundessprecherin MMag. Dr. Madeleine Petrovic bei der Anticorona-Demo am 15.1.22 (Redeausschnitt) zeigt einmal mehr auf, was, auch aus meiner, einstigen Hoffnung auf eine politische Erneuerung dieses Landes geworden ist, ein Sammelsurium aus schrägen Personen, die ihre persönlichen Überlegungen völlig kritiklos zur allgemeinen Wahrheit erklären. Mit anderen Worten eine diktatorische Kaderpartei mit dem Anspruch auf die alleinige Deutungshoheit komplexer gesellschaftspolitische Vorgänge.

Petrovic war zwischen 94 und 96 Bundessprecherin, dann etwas in der Versenkung und von 2002 bis 2015 Landessprecherin der Grünen in NÖ.

Wäre sie ein Einzelfall, der irgendwo politisch falsch abgebogen ist, dann wäre das keine besondere Sache, aber wir erinnern uns an Eva Glawischnig (Bundessprecherin zwischen 2008 und 2017), die sich beim von der eigenen Partei bekämpften Glückspielkonzern Novomatic verwirklichte.

Oder Petrovics Nachfolger als Bundesspreche zw. 1996 und 1997, Mag. Christoph Chorherr, der sich nun schon länger mit der Unachuldsvermutung herumschlägt. Bekannt wurde er auch als Fahrer eines Hochrades. Seine Fallhöhe war also nicht unbeträchtlich.

Mag. Ingrid Felipe war nur vom 26. Juni 2017 bis 17. Oktober 2017 Bundessprecherin der Grünen, was aber zu einer tiefen Erkenntnis genügte:

Grundsätzlich ist unsere Besserwisserei ein Problem.

Der längstdienendste Bundessprecher und zwar von 1997 und 2008, war unser jetzige Bundespräsident Univ. Prof. Dr. Alexander Van der Bellen, jetzt parteilos.

Während seiner Zeit als Bundessprecher schien er zwar seine auf eine rationale Position zu steuern (vom arroganten Antikapitalisten zum großzügigen Linksliberalen), nur hat er genauso wie seine Vor- und Nachgänger mehr die persönliche Taktik (als Wiener Lokalpolitiker) als die politische Vision perfektioniert.

Intellektuelle, ökologisch und humanistische Menschen, wie die erste Parteivorsitzende Frieda Meissner-Blau fehlen dieser Partei und es hat schon einen Grund, dass diese zwei Jahre vor ihrem Tod eine andere Partei als die Grünen unterstützte.

Written by medicus58

16. Januar 2022 at 17:30

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Ehe wir die Köpfe darüber einschlagen, ob die Gesellschaft gespalten ist, sollten wir ein paar Kleinigkeiten klar stellen

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Überzuckerten Rum für irgendeinen guten Zweck am Graben zu trinken vermittelt einem rasch die innere Wärme unter Gleichgesinnten zu sein. Stimmt ja auch irgendwie, denn alle um einen herum haben offenbar den gemeinsamen Wunsch zu punschen. So, what?

Ob es da aber um den Tratsch mit alten oder neugefundenen Freunden geht, um die gesellschaftlich saisonal akzeptierte Berauschung, den gute Zweck (welcher denn? , egal, Lions wird es schon wissen) oder einfach der Wunsch an einem der schönsten Orte der Wiener Innenstadt innehalten zu können, bleibt unklar. Jeder der Gründe ist OK , ich bezweifle aber ein gemeinsames Ziel der Mittrinker.

Ebenso unklar ist die inhaltliche Klammer der demonstrierenden Horden, die den heurigen Advent stärker prägen als die meist geschlossenen Weihnachtsmärkte, Punschbuden oder Beisln.

Über die wirre Mischung an Verfassungsschützenden, EsoterikerInnen, NeoNaziInnen, ImpfgegnerInnen und Berufsrandalierern habe ich schon gebloggt (Ich versuch Euch ja zu verstehen, liebe Demonstranten, Weihnacht in Wien, wie w1812, w1212, w0612,… ) nur scheint mir die Gegendemo vom letzten Sonntag Yes we care mindestens ebenso für das Missverständnis zu stehen, dass die, die gemeinsam demonstrieren nicht in sich ebenso gespalten sind wie die Adressaten ihrer Demo.

Es wurde der Toten der Pandemie gedacht, als ob uns deren Zahl nicht seit Monaten auf allen Kanälen mehrfach täglich in Erinnerung gebracht würde.

Es wurde der Gesundheitsberufen gedacht, und? Schloss sich irgendjemand der Forderung nach mehr Personal, besserer Arbeitsbedingungen, alters- und familiengerechten Arbeitszeiten an? Beschloss irgendwer der Demonstranten für eine bessere extramurale Versorgung einzutreten, damit nicht alles sofort in den Spitälern aufschlägt oder zukünftig nicht in der Nacht die Notaufnahme aufzusuchen, weil das irgendwie einfacher ist als sich mit chronischen Beschwerden einen Hausarzt zu suchen.

Haben die anwesenden Bedenkenträger im Taumel des Ereignisses beschlossen freiwillig ihre Krankenversicherungsbeiträge zu erhöhen? Oder werden sie morgen (hallo, ÖVP, NEOS, FPÖ) genauso überzeugt wieder die Senkung der Lohnnebenkosten fordern? Sie werden.

Wir waren, sind und werden immer gespalten sein, weil niemand sich die Mühe macht Voraussetzungen und Folgen jeder Forderung mitzudenken, weil genau das das wohlige Gemeinschaftsgefühl jeder Demo gefährden würde.

Ehe wir (hallo, Ärztekammer) jede abweichende Meinung mit Flamme und Schwert verfolgen nur um die Illusion des Gemeinschaftsgefühl, einer einheitlichen wissenschaftlichen Antwort oder des Guten und des Bösen aufrecht zu halten, täte es allen gut mit kleinen und mittleren Widersprüchlichkeiten zu leben und uns nur mehr gegen wirklichen Wahnwitz auszusprechen.

Eine Pandemie ist nicht dazu um Wahlen zu gewinnen oder Regierungen zu stürzen, nicht dazu Geld zu verdienen und die Abstände zwischen uns im Zentimetertakt per Verordnung festzulegen.

Eine Pandemie wird bekämpft in dem man das wenige, das man beeinflussen kann, rechtzeitig und dosiert anwendet.

Auch wenn der Typ neben einem am Punschstand freundlich rüber grinst. Gehen wir davon aus, dass uns möglicherweise nichts anderes mit ihm verbindet als der Alkoholspiegel.

Written by medicus58

21. Dezember 2021 at 11:09

Fragen wir mal, was wir vom Staat noch erwarten können.

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Erschüttert und erzürnt berichten Medien immer wieder über Reichsbürger oder andere Mitbürger, die sich außerhalb des Staats sehen.

Seit Kindesbeinen lehrt man uns, dass der Staat sein Gewaltmonopol u.a. auch deshalb hält, weil der Staat uns schützt.

Aktuelle Entscheide (der ersten Instanz) unserer Justiz offenbaren aber eine sehr befremdliche Sicht:

Ischgl hat alles richtig gemacht, und folgerichtig wurde auch eine Privatklage eines Infizierten abgelehnt, weil das Epidemiegesetz zwar die Allgemeinheit nicht aber den einzelnen schützt.

Eine Amtshaftungsklage nach dem Mord an einem  Amtleiter argumentiert das Gericht, dass Zivil- und Fremdenpolizeigesetz auf die öffentliche Sicherheit der Allgemeinheit abzielen aber nicht dazu da sind den einzelnen zu schützen.

Mag schon sein, dass ich als Arzt die Fein- und Schönheit der Jurisprudenz ebensowenig verstehe, wie die Juristen die Ärztliche Kunst, aber wenn wir so behandeln würden wie die urteilen, würden wir die Volksgesundheit erhalten indem wir die Menschen draufgehen lassen.

Aber hoppla, wenn ich an manche (politische) Entscheidungen in der Pandemiebekämpfung denke…

Vergleiche Peter Kolba:

https://twitter.com/KolbaPeter/status/1468287391593074693?

Written by medicus58

8. Dezember 2021 at 10:15

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