Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Archive for the ‘Renaissance der Aufklärung’ Category

Das Ende der Grünen Alternative für Österreich

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Der krause Auftritt der ehemaligen Grünen Bundessprecherin MMag. Dr. Madeleine Petrovic bei der Anticorona-Demo am 15.1.22 (Redeausschnitt) zeigt einmal mehr auf, was, auch aus meiner, einstigen Hoffnung auf eine politische Erneuerung dieses Landes geworden ist, ein Sammelsurium aus schrägen Personen, die ihre persönlichen Überlegungen völlig kritiklos zur allgemeinen Wahrheit erklären. Mit anderen Worten eine diktatorische Kaderpartei mit dem Anspruch auf die alleinige Deutungshoheit komplexer gesellschaftspolitische Vorgänge.

Petrovic war zwischen 94 und 96 Bundessprecherin, dann etwas in der Versenkung und von 2002 bis 2015 Landessprecherin der Grünen in NÖ.

Wäre sie ein Einzelfall, der irgendwo politisch falsch abgebogen ist, dann wäre das keine besondere Sache, aber wir erinnern uns an Eva Glawischnig (Bundessprecherin zwischen 2008 und 2017), die sich beim von der eigenen Partei bekämpften Glückspielkonzern Novomatic verwirklichte.

Oder Petrovics Nachfolger als Bundesspreche zw. 1996 und 1997, Mag. Christoph Chorherr, der sich nun schon länger mit der Unachuldsvermutung herumschlägt. Bekannt wurde er auch als Fahrer eines Hochrades. Seine Fallhöhe war also nicht unbeträchtlich.

Mag. Ingrid Felipe war nur vom 26. Juni 2017 bis 17. Oktober 2017 Bundessprecherin der Grünen, was aber zu einer tiefen Erkenntnis genügte:

Grundsätzlich ist unsere Besserwisserei ein Problem.

Der längstdienendste Bundessprecher und zwar von 1997 und 2008, war unser jetzige Bundespräsident Univ. Prof. Dr. Alexander Van der Bellen, jetzt parteilos.

Während seiner Zeit als Bundessprecher schien er zwar seine auf eine rationale Position zu steuern (vom arroganten Antikapitalisten zum großzügigen Linksliberalen), nur hat er genauso wie seine Vor- und Nachgänger mehr die persönliche Taktik (als Wiener Lokalpolitiker) als die politische Vision perfektioniert.

Intellektuelle, ökologisch und humanistische Menschen, wie die erste Parteivorsitzende Frieda Meissner-Blau fehlen dieser Partei und es hat schon einen Grund, dass diese zwei Jahre vor ihrem Tod eine andere Partei als die Grünen unterstützte.

Written by medicus58

16. Januar 2022 at 17:30

Veröffentlicht in Renaissance der Aufklärung

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Ehe wir die Köpfe darüber einschlagen, ob die Gesellschaft gespalten ist, sollten wir ein paar Kleinigkeiten klar stellen

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Überzuckerten Rum für irgendeinen guten Zweck am Graben zu trinken vermittelt einem rasch die innere Wärme unter Gleichgesinnten zu sein. Stimmt ja auch irgendwie, denn alle um einen herum haben offenbar den gemeinsamen Wunsch zu punschen. So, what?

Ob es da aber um den Tratsch mit alten oder neugefundenen Freunden geht, um die gesellschaftlich saisonal akzeptierte Berauschung, den gute Zweck (welcher denn? , egal, Lions wird es schon wissen) oder einfach der Wunsch an einem der schönsten Orte der Wiener Innenstadt innehalten zu können, bleibt unklar. Jeder der Gründe ist OK , ich bezweifle aber ein gemeinsames Ziel der Mittrinker.

Ebenso unklar ist die inhaltliche Klammer der demonstrierenden Horden, die den heurigen Advent stärker prägen als die meist geschlossenen Weihnachtsmärkte, Punschbuden oder Beisln.

Über die wirre Mischung an Verfassungsschützenden, EsoterikerInnen, NeoNaziInnen, ImpfgegnerInnen und Berufsrandalierern habe ich schon gebloggt (Ich versuch Euch ja zu verstehen, liebe Demonstranten, Weihnacht in Wien, wie w1812, w1212, w0612,… ) nur scheint mir die Gegendemo vom letzten Sonntag Yes we care mindestens ebenso für das Missverständnis zu stehen, dass die, die gemeinsam demonstrieren nicht in sich ebenso gespalten sind wie die Adressaten ihrer Demo.

Es wurde der Toten der Pandemie gedacht, als ob uns deren Zahl nicht seit Monaten auf allen Kanälen mehrfach täglich in Erinnerung gebracht würde.

Es wurde der Gesundheitsberufen gedacht, und? Schloss sich irgendjemand der Forderung nach mehr Personal, besserer Arbeitsbedingungen, alters- und familiengerechten Arbeitszeiten an? Beschloss irgendwer der Demonstranten für eine bessere extramurale Versorgung einzutreten, damit nicht alles sofort in den Spitälern aufschlägt oder zukünftig nicht in der Nacht die Notaufnahme aufzusuchen, weil das irgendwie einfacher ist als sich mit chronischen Beschwerden einen Hausarzt zu suchen.

Haben die anwesenden Bedenkenträger im Taumel des Ereignisses beschlossen freiwillig ihre Krankenversicherungsbeiträge zu erhöhen? Oder werden sie morgen (hallo, ÖVP, NEOS, FPÖ) genauso überzeugt wieder die Senkung der Lohnnebenkosten fordern? Sie werden.

Wir waren, sind und werden immer gespalten sein, weil niemand sich die Mühe macht Voraussetzungen und Folgen jeder Forderung mitzudenken, weil genau das das wohlige Gemeinschaftsgefühl jeder Demo gefährden würde.

Ehe wir (hallo, Ärztekammer) jede abweichende Meinung mit Flamme und Schwert verfolgen nur um die Illusion des Gemeinschaftsgefühl, einer einheitlichen wissenschaftlichen Antwort oder des Guten und des Bösen aufrecht zu halten, täte es allen gut mit kleinen und mittleren Widersprüchlichkeiten zu leben und uns nur mehr gegen wirklichen Wahnwitz auszusprechen.

Eine Pandemie ist nicht dazu um Wahlen zu gewinnen oder Regierungen zu stürzen, nicht dazu Geld zu verdienen und die Abstände zwischen uns im Zentimetertakt per Verordnung festzulegen.

Eine Pandemie wird bekämpft in dem man das wenige, das man beeinflussen kann, rechtzeitig und dosiert anwendet.

Auch wenn der Typ neben einem am Punschstand freundlich rüber grinst. Gehen wir davon aus, dass uns möglicherweise nichts anderes mit ihm verbindet als der Alkoholspiegel.

Written by medicus58

21. Dezember 2021 at 11:09

Fragen wir mal, was wir vom Staat noch erwarten können.

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Erschüttert und erzürnt berichten Medien immer wieder über Reichsbürger oder andere Mitbürger, die sich außerhalb des Staats sehen.

Seit Kindesbeinen lehrt man uns, dass der Staat sein Gewaltmonopol u.a. auch deshalb hält, weil der Staat uns schützt.

Aktuelle Entscheide (der ersten Instanz) unserer Justiz offenbaren aber eine sehr befremdliche Sicht:

Ischgl hat alles richtig gemacht, und folgerichtig wurde auch eine Privatklage eines Infizierten abgelehnt, weil das Epidemiegesetz zwar die Allgemeinheit nicht aber den einzelnen schützt.

Eine Amtshaftungsklage nach dem Mord an einem  Amtleiter argumentiert das Gericht, dass Zivil- und Fremdenpolizeigesetz auf die öffentliche Sicherheit der Allgemeinheit abzielen aber nicht dazu da sind den einzelnen zu schützen.

Mag schon sein, dass ich als Arzt die Fein- und Schönheit der Jurisprudenz ebensowenig verstehe, wie die Juristen die Ärztliche Kunst, aber wenn wir so behandeln würden wie die urteilen, würden wir die Volksgesundheit erhalten indem wir die Menschen draufgehen lassen.

Aber hoppla, wenn ich an manche (politische) Entscheidungen in der Pandemiebekämpfung denke…

Vergleiche Peter Kolba:

https://twitter.com/KolbaPeter/status/1468287391593074693?

Written by medicus58

8. Dezember 2021 at 10:15

Die Impfung wirkt, nervt

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Die Regierung verzichtete im Sommer auf Impfaufrufe, um jetzt über alle Kanäle ein Dauerfeuer abzuschießen:

Die Impfung wirkt

also ob sich da irgendwas im Wissenstand während der letzten Monaten geändert hätte.

Ja, auch ich kenne das Mantra der Propaganda, dass Wiederholung notwendig ist, um auch den letzten Zweifler zu überreden, nur funktioniert das bei klaren Botschaften und weniger gut, wenn man früher Kommunikationsfehler gemacht hat, um das Wort Notlügen zu vermeiden.

Ja, die beiden mRNA Impfstoffe haben sich (mit unterschiedlicher Dosierung der Wirkstoffe) als  viel wirksamer erwiesen, als man zu hoffen wagte. Trotz aller Nebeneffekte ein wissenschaftlicher Durchbruch, meinetwegen ein Gamechanger aber für sich genommen nicht das Ende der Pandemie.

Da man aber zu Beginn des Jahres gegen jede Evidenz der Bevölkerung einreden wollte, dass Astra-Zeneca und einmal Johnson&Johnson genauso wirksam wären und nur ganz wenige kleinlaut die richtige Message verbreiteten (in der Phase war jede Impfung besser als keine), liefen wir in die jetzigen Widersprüche:

Astrazeneca wollte (getrieben vom Marketing oder der Überzeugung einen sehr wirksamen Stoff zu haben) ursprünglich wie Johnson&Johnson einen single-shot Impfstoff entwickeln, hat aber angesichts der geringeren Wirkung im Vergleich zu den mRNA Stoffen (wohl auch durch das Pech in Regionen mit ersten Varianten getestet zu haben aggraviert) erst im Sommer auf eine Zweitimpfung gesetzt ohne einen zweiten Transfervirus zu haben (die Sputniks haben das bedacht! Wie gut aber dieser Impfstoff wirkt ist weniger gut dokumentiert).

Dem medizinisch Unbedarftesten fällt aber wohl auf, dass die Beteuerungen des Frühjahrs, alle Impfungen wären gleichermaßen wirksam, hinterfragbar sind und waren, wenn jetzt AstraZeneca mit mRNA geboostert wird und der single shot Johnson&Johnson (der gerade in der jetzt hauptbetroffenen Gruppe der Jüngeren verimpft wurde, doch plötzlich eine zweite Impfung benötigt, da sich die Impfdurchbrüche häufen.

Ob die zwischenzeitliche Atempause in der Impfkampagne durch die Wahlen, die Geldforderungen des Hauptpartners Rotes Kreuz bedingt waren ist einerlei, Herr Fotik hat wie ein nordkoreanischer Despot sich durch den medienwirksamen Drohnenstart zwischenzeitlich ohnehin Airtime verschafft.

Fakt bleibt, dass das jetzige mediale Trommelfeuer (Impfung wirkt, Ungeimpfte blockieren Intensiv) nervt und aus den genannten Gründen die Ressentiments, die Spaltung und den Ärger großer Teile der Bevölkerung steigert, und genau das kann diese Gesellschaft nicht brauchen, wenn wir, mit welcher Durchimpfungs- oder Durchseuchungsrate auch immer langsam wieder in die Normalität kommen willen, um all unsere anderen Probleme anzugehen.

Written by medicus58

30. September 2021 at 08:33

Das Geschrei gegen Covidioten kompensiert nur die eigene Hilflosigkeit

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Nasennudisten im Vormarsch

Nach über eineinhalb Jahren Pandmie, zahllosen Verordnungen, Pressekonferenzen, Expertenterviews  und Sondersendungen in allen Medien wird der Ton rauher gegen jegliches Abweichen von der eigenen Meinung. Und da ist es unabhängig, ob die eigene Meinung unter dem Aluhut oder in geheimnisvollen Rechenoperationen entstand.

Dabei ist es als Folge einer Kakophonie von Falsch- und Richtigmeldungen, politischem Kleingeldwechsel und widersprüchlichen Werbekampagnen zu einer verfestigten Mischung von Fakten, deren Interpretation und der eigenen Agenda gekommen, die nur mehr zum Anstieg der Lautstärke und nicht mehr der Evidenz führt.

Lenin, Taliban und die Päpste haben gesiegt, die Aufklärung macht Pause und die Religion wurde nicht nur am Hindukusch wieder zur Richtschnur.

Schuldzuweisungen entsolidarisieren, Schauprozesse und Scheiterhaufen verhelfen dem Recht zu seinem Durchbruch. Gesundheit wird wieder Pflicht, Zuwiderhandeln versündigt sich am scheinbar so gesunden Volkskörper.

Eineinhalb Jahre nach dem Beginn dieser Pandemie in Europa und hundert Jahre nach dem Beginn des 20. Jahrhunderts in dem große Teile der Welt Konflikte in Kriegen und in Diktaturen ausgetragen haben, sind wir zwar naturwissenschaftlich viel besser (PCR-Teste und die Entwicklung funktionierender Impfungen gegen SarsCov2 war ein Meilenstein) geisteswissenschaftlich und sozial aber zurückgefallen.

Jetzt scheint mit scheinbar rationalen Argumenten (selbst Schuld, Eigenverantwortung) eine der letzten Bastionen im Gesundheitswesen sturmreif zu sein, die Entkoppelung der Behandlung von allfälliger Schuld.

Je lauter das Geschrei gegen Impfverweigerer wird, je mehr nach Selbstbehalten, Überholspur für Geimpfte wird, je mehr manche ihre Handtücher schon mal vorsorglich auf die Intensivbetten legen, um sie für sich zu reservieren, je lauter dies von angeblichen Qualitätsmedien verstärkt und unter den Deckmantel von Gerechtigkeit gefordert wird, desto klarer wird, dass wir als Gesellschaft diese Bewährungsprobe vergeigt haben.

Written by medicus58

14. September 2021 at 08:06

Solidarität in der Pandemie wird pandemisch

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Propaganda scbaffte es stets prinzipiell positive Begriffe so zu funktionalisieren, dass sie sich ins Gegenteil verkehren.

Wenn nun allenthalben zur Solidarität in der Pandemiebekämpfung aufgerufen wird, dann ist dem ja prinzipiell zuzustimmen, wenn das von denen kommt, die sich bidlang vordringlich um die eigenen Schäfchen kümmerten, wird es ärgerlich.

Wenn, trotz gegenteiliger Evidenz, die vierte Welle allein den Ungeimpften in die Schuhe geschoben wird, dann schrammt das schon nahe an die Vorhersagen vieler Verschwörungstheoretiker heran.

Wenn jetzt die Intensivbettenkapazität als Parameter herangezogen, widerspricht das nicht nur rezenten internen Prognosen, die in der Deltawelle die Kapazität der offenen Covid-Stationen als prozesskritisch erkannt haben wollen, es negiert völlig, dass die bestehenden strukturelle Kapazität im Gesundheitssysten nicht mehr abrufbar ist, weil inzwischen das Personal gekündigt hat. Soviel zum Gerate, weshalb bei relativ noch niedriger Intensivbelegung und langsamerem Anstieg im Vergleich zu 2020 in Wien große Sorgen bestehen.

Wenn jetzt plötzlich die Eigenverantwortung groß geschrieben wird und Ungeimpfte, Adipöse, Hypertoniker, Diabetiker,… ja irgendwie durch ihren Lebensstil selbst für die Krankheit verantwortlich wären, hätte ich mir diese Argumentation auch bei den Liftbetreibern gewünscht, die während der Hochzeit der dritten Welle im Privatjet in Südafrika zum Golfurlaub waren.

Das alles erinnert an den klassischen Schmäh von Bronner/Qualtingers Travnicek Sketch, der die Solidarität des Krankenkassensystems so beschrieben haben.

B: Ja, aber in der Not (im Krankeitsfall) wird ja auch was geleistet

Q: Ja, Beiträge

Wenn man seit Jahren als Arzt im öffentlichen Gesundheitssystem immer beschuldigt wurde zu teuer zu sein, korrupt zu sein, auf schwere Ausstattungsmängel nur hinzuweisen, weil man wieder teures Spielzeug möchte, Personal reduziert wurde und gleichzeitig Mehrleistungen von einem immer stärker wachsenden Verwaltungsbeteich verlangt und fachliche Einwände von Schreibtischtätern vom Tisch gewischt wurden, dann fühlt man sich durch die jetzigen Aufrufe zur Solidarität vermutlich genau so verarscht, wie das P. T. Publikum, das seit Jahren mit Messagecontrol statt Information auf Augenhöhe verhöhnt wird. (positive Tests statt Krankheitsrisiko, Impfkampagne ohne ausreichende Impfungen, nationale Gremien, die sich nach Stunden einigen, auf internationale Empfehlungen zu warten,…)

Wie in jeder Krise sterben auch jetzt nicht nur Menschen sondern noch viel mehr Ideale.

PS: das Bild zeigt übrigens den „Erhaltungszustand“ der Dienstbekleidung im Krankenanstaltenverbund

Written by medicus58

10. September 2021 at 08:30

Kann man alles mit dem Holocaust vergkeichen? Nein. Soll man es?

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Die Anzahl der gemeldeten antisemitischen Vorfälle hat sich im ersten Halbjahr verdoppelt. Gründe wären Israel und Covid. NR Präsident Sobotka verspricht den Kampf gegen Antisemitismus weiter zu führen, ob mit christlichen Gebeten wie zuletzt oder andersrum hat er uns nicht verraten.

Nach den absehbaren Wortmeldungen der Bestürzung und dem Verweis auf den importierten, sprich islamistischen Antisemitismus, kam das nächste Aufregerthema.

Wer nun glaubt, dass das eigenartige Junktim zwischen Antisemitismus und Judenhass ein österreichisches Phänomen wäre, möge die deutsche Medienlandschaft durchforschen. Dort titelte auch n-tv schon: Corona gibt Antisemitismus Auftrieb

Vergessen ist die jahrhundertelange katholische Tradition des Antisemitismus, der kapitale Bauchfleck in der israelischen Innenpolitik, der ein milliardenschweres Impfprogramm vor den Wahlen als Wahlzuckerl für den völligen Verzicht auf alle weiteren Hygienamaßnahmen nun mit einem gewaltigen Rückschlag in der Pandemiebekämpfung bezahlt. Aluhutträger sind Antisemiten sind Coronaleugner und alles andere ist primär.

Vergessen ist übrigens auch das jahrzehntelange Dogma, dass man nichts und rein garnichts mit dem Holocaust vergleichen durfte. Wenn es passt, dann immunisieren wir uns gegen Kritik mit allem was grad geht.

Vermutlich soll man alles mit allem vergleichen, nur um diskursiv zu klären ob das Sinn macht oder reine Propaganda ist. Nur sollte man sich klar sein, dass ein derartiges Vorgehen sich in wenig von den krausen Kausalketten unterscheidet, die die Twin Towers mit dem Irak, den Irak mit Afghanistan, Al-Qaida mit Afghanistan und Nationbuilding mit Blackwater und Chemtrails verbindet.

Anything goes, but not anything can be taken back.

Written by medicus58

3. September 2021 at 13:15

Weh dem der Symbole sieht: Wien hisst Regenbogen #wirsindbunt

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Im Gleichklang mit der Stadt Wien beflaggt sich auch der Wiener Gesundheitsverbund, vormals KAV, mit der Regenbogenfahne, um antidiskriminierend, inklusiv, permissiv und LGBTIQ-freundlich zu scheinen.

Ich frage mich manchmal, was mehr nervt, der offen zur Schau gestellte ehrliche Rassismus und Konservativismus oder die oberflächliche und zum Eigennutz zur Schau gestellte Liberalität, die nichts kostet, zu nichts verpflichtet und sich selbst immunisierend (da können Sie doch echt nichts dagegen haben) zu einer Art gesellschaftspolitischem Wohlfühlpaket degeneriert. Dass das Konzept funktioniert, führen uns Amtskirchen seit Jahrhunderten vor, die lieber vor fremden Türen kehren als die eigenen Ställe auszumisten, aber das macht das Verhalten nur ablehnenswerter.

Erstens, ist das Aufziehen von Flaggen prinzipiell nichts Inklusives, sondern nimmt, in dem Fall die Deutungshoheit, in Besitz. Es werden Grenzen gesetzt und nicht geöffnet und von anderen verlangt diese anzuerkennen.

Die unterschiedlichen, zT auch widersprüchlichen Bedeutungen verschiedener Regenbogenflaggen werden auf Wikipedia aufgelistet und in Decolonising the Rainbow Flag können Sie erhellende Beispiele nachlesen, zu welchen Widersprüchen das Flaggenhissen in verschiedenen Teilen der Welt geführt hat.

Einmal fühlten sich die Roma ausgegrenzt, einmal die Juden, einmal die argentinischen Lesben (lesen Sie den oben verlinkten Artikel) .

Als in Bolivien der indigene Präsident Morales abgesetzt wurde, war die erste Aktion der Opposition, die Wiphala, die Regenbogenflagge indigener Andenbewohner zu verbrennen, um „die christlichen Werte wieder herzustellen“. So absurd das war, hatte es eine innere Logik, weil die Flagge ein Symbol der Aymara gegen die spanische Kolonialisierung war und schon deshalb deren Nachfahren aus dem bunten Völkergemisch ausschloss, dessen Präsident Morales war. Aus diesem Grunde empfanden die nicht-indigenen Bewohner des Andenstaates das Hissen der bunten Flagge als gesellschaftlichen Ausschluß.

Positive Diskriminierung ist letztendlich auch eine Diskriminierung.

Mit den LGBITQ haben die südamerikanischen Indigenas übriges wenig am Hut, überwiegend sind sie extrem homophob, obwohl die Regierung Motales irgendwie schon andersrum war. Am Kongressgebäude in Quito läuft zumindest die Turmuhr andersrum (Erklärung).

Drum sei wieder an Samuel Beckett und sein Weh dem der Symbole sieht erinnert, wenn sich die Stadt und der Gesundheitsverbund mit einem bunten Fähnchen schmücken.

Es wäre schon gut, wenn wir täglich das erleben würden, was auf http://www.gesundheitsverbund.at/wirsindbunt exemplarisch dargestellt wird und vielleicht sieht es sogar die Mehrheit im Konzern so, nur zeigt eine etwas kritischere Auseinandersetzung mit all den demonstrativen Insignien der Aufklärung die Tücken, die im Detail stecken. Im Schatten dieser widersprüchlichen Symbole brechen dann Konflikte nur noch brutaler auf.

Das ist den PR-Abteilungen der Politik aber eh egal.

Written by medicus58

8. Juni 2021 at 16:49

Wie lange wollen wir uns noch fürchten und wie kommen wir aus der Geschichte wieder raus?

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Ein Jahr Pandemie und wir haben uns noch immer nicht einigen können, wie schlimm denn das alles ist und was und wie lange wir unser bisheriges Leben pausieren müssen, um es nicht noch schlimmer werden zu lassen.
Eigentlich absurd, weil wir inzwischen relativ stabile Eckdaten haben.

Die Case Fatality rate (% Verstorbene/positiv Getesteter) liegt weltweit relativ konstant bei ca. 2,2%. Die Werte einzelner Länder streuen zwar (siehe Johns Hopkins Mortality Data) haben sich aber seit Monaten nicht wirklich geändert. Inzwischen ist wohl jedem klar geworden, dass dieser Parameter nur zum Teil vom Infektionsgeschehen abhängt sondern auch von Teststrategie, Krankheitsdefinition, sozio-ökonomischen Gegebenheiten, dem Gesundheits- und Sozialsystem und natürlich von der Alterspyramide in den einzelnen Ländern abhängt.

Auch die Diskussion, ob es eine Übersterblichkeit durch Sars CoV2 gibt, kann nach einem Jahr schon mit ziemlicher Sicherheit für viele Länder (Euromomo) und Österreich beantwortet werden. Auch hier handelt es sich natürlich um die Summe aus zusätzlichen Sterbefälle durch Sars CoV2 abzüglich der ausgefallenen Influenza 2020, den weniger Verkehrstoten, … etc. Die Statistik Austria fasste die Zeit vor der Pandemie so zusammen: Von 2007 bis 2018 betrug die Zahl der Gestorbenen zwischen 74.625 und 83.975. 2019 wurden insgesamt 83.386 Sterbefälle verzeichnet, um 0,7% bzw. 589 weniger als im Jahr davor.
Für 2020 vermeldete dann der ORF: 2020 in Österreich zumindest 90.123 Menschen verstorben – 10,9 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. 
Auch diese Zahlen unterliegen natürlich einigen Einflussfaktoren (Bevölkerungswachstum ca. 0,5%/a, Sterbefälle im Ausland, …) sie passen aber relativ gut zu den 6.312 angegebenen im Zusammenhang mit Covid-19 im Jahr 2020 Verstorbenen.

Schließlich hat sich trotz viel diskutierter Todesfälle in jüngeren Kohorten seit Monaten nichts an der Altersverteilung der an Covid-19 Verstorbenen geändert:

Es wäre also langsam an der Zeit angesichts

weltweit fallender Zuwachsraten an Neuerkrankungen
(The number of infections reported to the World Health Organization last week dropped for the third week in a row.),
immer mehr registrierter Impfstoffe und
in Relation zu den Fallzahlen fallenden Hospitalisierungsraten und Intensivbelegungen bei gleichzeitig
steigender Überlebenschance unter (symptomatischee) Therapie
sich auf eine gemeinsame Risikoeinschätzung und somit auch auf eine konsensuale Strategie zu einigen.

Versuchen Sie das mal in den Asozialen Medien und machen Sie sich auf verbale Erschießungskommandos von allen Seiten gefasst:

Für Sie sind Covid Todesfälle offenbar nur Zahlen (Ja, weil sich nur so Relationen formulieren lassen: The collateral damage in most really low-income countries is going to be greater than the direct impact of COVID, Peter Sands, executive director, Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria)
.
Sie leugnen Long Covid (Nein, ca 20% 5 Wochen nach der Erkrankung, wie bei vielen (Infektions-)erkrankungen auch)

Wir retten Leben, koste es was es wolle, alles andere ist unethisch (Hätten wir einen Bruchteil der Mittel, die jetzt investiert werden in den letzten Jahren in das Gesundheitssystem investiert, hätten wir (u.a. bei Spätfolgen von Diabetes, HPV-Infektionen, Darmkrebs,…) mehr Leben retten können. Reden wir weiter, ob wir in Zukunft auch bereit ein werden mit Lockdowns, Impfungen und Masken jährlich tausenden Influenzatoten verhindern werden.)

Ja, aber jetzt kommen die Britische-, Brasilianisch-, Südafrikanische-, Tschechische- Amazonas-Mutationen (Schwer zu widerlegen, aber bei inzwischen sind >300.000 Mutationen bekannt und nichts spricht dagegen, dass der weltweit enorme Virusload nicht zu weiteren Mutationen führen wird. Da die Mehrheit aller Wissenschaftler überzeugt ist, dass uns das Virus kaum mehr verlassen und endemisch werden wird, bleiben uns mit dieser Argumentation Lockdown, Schulschließungen, Homeoffice,… etc. auf ewig erhalten.

Das ist wissenschaftlich bewiesen, Sie Covidiot

Als Wissenschaftler ist es manchmal wirklich schlimm, sich Unwissenschaftlichkeit vorwerfen zu lassen, insbesondere von solchen, die ihre Überzeugungen aus Zitaten von Zitaten von wissenschaftlichen Studien beziehen. Beispiel gefällig?
Vor zwei Tagen grassierten solche Schlagzeilen durch manche Qualitätsmedien:
Pfizer vaccine ‘highly effective’ in reducing coronavirus transmission, study suggests
Liest man im Independent weiter kommt man aber ins Staunen, was heute so als Studie gilt:
A study conducted by Pfizer and the Israeli Health Ministry shows that the vaccine is 89.4 per cent effective at preventing infections, whether symptomatic or not. The results have not yet been publicly released or peer reviewed but come from a draft publication that was obtained by Ynet, an Israeli newspaper, and have also been confirmed by Bloomberg, the Financial Times and Der Spiegel.

Die Eckdaten dieser neuen Viruserkrankung sind aber trotz kleinerer Unabwägbarkeiten inzwischen gut bekannt und (abgesehen von einem wirksamen Virostatikum, das es aber für sehr wenige Viren gibt) unsere Gegenmittel scheinen auch weitgehend abgeklärt. Trotzdem ist bei vielen die Furcht vor dem Unbekannten ungebrochen und ein Konsens über das Leben mit SARS CoV2 nicht in Sicht.

Die derzeitige Verhaltensanpassung (Bequemes Einrichten für den Dauerlockdown in kinderlosen oberen Einkommens- und Bildungsschichten, schlichte Negierung der Regelflut am anderen Ende der Gesellschaft) wäre eine gefährliche Dauerlösung. Die gesellschaftlichen Spaltung durch eine Politik, die sich auf ein einzelnes Thema verengt (und damit von anderen Problemen ablenken kann) ist eine große Gefahr für viele demokratisch Denkende, während die Pandemie nur für einen Teil der Bevölkerung eine existenzielle Gefahr darstellt.

Nicht zuletzt die Art, wie politisch durch die Pandemie geführt wurde, hat die Ratio durch Angst, die Wissenschaft durch Stimmung ersetzt und das Argumentum ad hominem diskursfähig werden lassen.

Die nächsten Wochen werden entscheidend, das erspart uns jetzt zu entscheiden. Seit einem Jahr wurden wir trainiert, dass wir noch viel zu wenig über dieses neuartige Virus wissen, um längerfristige Regeln aufzustellen und wurden zwischenzeitlich so mit allerlei Leckerlis ruhig gestellt (nach den Semesterferien, Auferstehung zu Ostern, Pfingsten, Weihnachten, und wieder Ostern). dass viele noch immer glauben, dass das so weitergehen wird und muss.

Es wird spannend, wie die politischen und virologischen Experten aus dieser Geschichte wieder raus kommen wollen, um uns auf ein Leben mit dem Virus einzustimmen. No-Covid oder Zero-Covid sind ebenso nur PR Floskeln, wie alle bisher versprochenen erlösenden Lichter.
Hoffen wir, dass es nicht alzu hässlich wird, wenn so mancher erkennen muss, dass der Dauerlockdown und das Coviditoten-Geschimpfe niemanden vor den medizinischen, wirtschaftlichen, politischen und bildungspolitischen Kollateralschäden der bisherigen Strategie geschützt hat.

Written by medicus58

23. Februar 2021 at 17:41

SarsCov2 macht blind, kann aber auch zu mehr Weitsicht führen

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Seit einem dreiviertel Jahr dominiert ein Virus und die erratischen Versuche der Politik es „zu besiegen“ unsere Medien.

Versuche dieses Problem im Verhältnis zu anderen zu sehen, werden inzwischen schärfer geahndet, als vergleichende Religionskritik.

Wer darauf hinweist, dass für viele Gruppen die Erkrankung wirklich einer schweren Grippe vergleichbar ist, der wird durch steigende Todeszahlen mundtot gemacht. Dazu ein paar Gedanken.

Jeden Tag bringen uns die Hauptnachrichten erschaudernd die Zahl der mit und an Covid-19 Verstorbenen ins Wohnzimmer. Aktuell lt. Dashboard sind das in Österreich 5127 von insgesamt über 83.000 Todesfällen in diesem Jahr.

Dass Peru eines der von der Pandemie am stärksten betroffenen Länder der Welt ist, haben Sie sicher aus unseren Nachrichten gehört. Haben Sie aber in der ZIB oder in Ihrer Zeitung erfahren, dass unabhängig von der Pandemie, in Peru seit Jahresbeginn über 5000 Mädchen und Frauen vermisst werden? (Link)

Seit Beginn der Pandemie werden wir fast täglich darüber informiert, dass in den USA das Pandemiegeschehen außer Kontrolle wäre. Hat uns aber jemals ein betroffener Moderator mitgeteilt, dass in San Francisco 2020 mehr Menschen an einer Heroin Überdosis starben als an Covid-19?

 A record 621 people died of drug overdoses in San Francisco so far this year, a staggering number that far outpaces the 173 deaths from COVID-19 the city has seen thus far. (Link).

Ob die Pandemie schicksalhaft über uns kam, oder durch menschliches Versagen ist bis heute unklar. Bei den beiden genannten und zahllosen weiteren Beispielen handelt es sich aber eindeutig um menschliches Versagen und deshalb um prinzipiell vermeidbare Todesfälle über die es keinen politischen Diskurs mehr gibt.

Wir sollten uns nicht länger blenden lassen, dass es lösbare politische, wirtschaftliche aber auch medizinische Probleme gibt, die mindestens ebenso groß, oft sogar größer sind, als die Pandemie, die unser Denken (medial) beherrscht.

Wenn wir darüber während der Weihnachtsfeiertage und im kommenden Lockdown mal ernsthaft nachdenken und politische Lösungsansätze verlangen, dann hätte uns das Virus zwar blind, aber letztendlich sehr weitsichtig gemacht.

Dann hätten die Kollateralschäden der Pandemie Bekämpfung vielleicht mehr Sinn als nur den Wintertourismus während der Semesterferien zu ermöglichen, denn das wird wohl ebenso schief gehen, wie das vorweihnachtliche Verordnungswirrwarr.

Written by medicus58

20. Dezember 2020 at 10:31

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