Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Der Hass gegen Linke funktioniert wie der Hass gegen Fremde

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Ob DIE Freunde da oben primär links oder primär diktatorisch waren erscheint ebenso diskutabel, wie die Frage, wer aktuell der legitimere Präsident Venezuelas ist. Was jedoch heute auffällt ist wie vehement sich der Adabei der Krone und der scheinbar bürgerlichen Intellektuelle in der Presse seit der türkis-blauen Regierungsbildung die Befreiung von allem Linken bejubeln.

Weg mit Linken aus den Krankenkassen, den Redaktionen, aus den Ministerien sowieso, endlich, welch Erleichterung.

Jetzt fallen einem ja genug Feindbilder unter den ehemaligen SP-Politikern ein, nur hilft ein Blick in die Gerichtssäle und U-Ausschüssen oder das hiesige Satanswinkerl um genügend rechte Pendants zu finden.

Und natürlich wetterten die Roten und Grünen früher auch gegen die Schwarzen und Blauen, aber nicht mit diesem befreienden Hass, wie dies nun hoffähig geworden ist.

Heute gehört uns der Boulevard und morgen die Verfassung.

Das Bemerkenswerteste an diesem Prozess scheint mir aber, dass es in Österreich ohnehin kaum wirklich Linke gibt oder gab.

Pam wird keine Rosa Luxemburg, Kern kein Che und der Faymann ….

Irgendwie kommt mir das alles so vor, wie der Hass auf Fremde und Juden:

Je weniger es davon wo gibt, je größer wird der Hass gegen sie.

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Written by medicus58

24. Januar 2019 at 19:51

Veröffentlicht in Allgemein, Renaissance der Aufklärung

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Linke Ärzte: Heilberuf und Berufung, ja geht denn das?

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Wenn Menschen krank wurden, riefen sie früher nach dem Arzt. Wenn es nach der Gesundheitsökonomie geht, sollten wir uns heute eher an Helpdesks, Pflegepersonal oder noch besser an Algorithmen  wenden.

Da ist es umso bemerkenswerter, dass sich die SPÖ in (oder besser nach) ihrer Kernschmelze an eine Ärztin wandte, um zu gesunden. Ob eine Infektiologin und Hygienikerin da die Rcihtige ist, haben wir uns hier schon ausführlich gefragt, was jedoch noch fehlt ist eine Analyse, ob denn Heilberuf und linke Berufung überhaupt zusammen passen. Wenn ich mich so an meine Studienzeit erinnere, wurden da vielleicht einige Linke gedreht, aber die Fakultät war  der Feldherrenhalle näher als dem Arbeiterparadies. Und Joy Pam trat bekanntlich ja auch erst im Zusammenhang mit ihrer Ministerwerdung der SPÖ bei; wobei man ihr zumindest zu Gute halten kann, schon früher bei Bund Sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller & KünstlerInnen angedockt zu haben.

Auch wenn es für manche überraschend sein mag, es gab in der Vergangenheit ein weites Spektrum von Ärzten, die mehr oder weniger linke Politik machten.

Dr. Andreas Gottschalk (1815-1849) betätigte sich in Deutschland schon im Vormärz und wurde der erste Präsident des Kölner Arbeitervereins.

Dr. Gerhard Weber (1816-1891) war mit Karl Marx befreundet und Mitbegründer des Kommunistischen Korrespondenz-Komitees in Kiel.

Dr. Viktor Adler (1852-1918) gründete die Sozialdemokratische Partei.

Dr. Ferdinand Hanusch (1866-1923) sozialdemokratischer Politiker, Gründer der Arbeiterkammer und prägend für die Sozialpolitik in der Ersten Republik.

Dr. Julius Tandler (1869-1936) war Anatom und sozialpolitisch tätig. Seinen Aussagen über Eugenik werden heute zwar kritisiert, ungeachtet dessen hatte er maßgeblichen Einfluss auf die gesundheitspolitischen Maßnahmen des Roten Wiens.

Dr. Alexander Alexandrowitsch Bogdanow (1873 – 1928) war auch Philosoph, Ökonom, Soziologe und Schriftsteller und starb bei einem wissenschaftlichen Selbstversuch des Blutaustausches.

Dr. Karen Horney (1885-1885) war deutsch-amerikanische Psychoanalytikerin und eine der ersten Frauen Deutschlands, die Medizin studierten. Selbst nicht tagespolitisch tätig, zählt sie zu denjenigen, die sich mit Marxismus und der Frauenfrage beschäftigt haben.

Dr Sun Yat-sen (1886-1925), Gründer der Kuomintang und erste provisorische Präsident der Republik China und wird angeblich heute noch als Vorkämpfer der KPCh verehrt, auch wenn es mir in den späten 80er Jahren ziemlich schwer fiel irgendjemand in China zu finden, der sich an ihn erinnerte.

Dr. Salvador Allende (1908-1973) versuchte als demokratisch gewählter Staatspräsident Chiles eine sozialistische Gesellschaft zu errichten und viel einem (von der CIA unterstützen) Militärputsch unter der Führung Pinochets zum Opfer.

Dr. Marie Langer (1910-1987) war eine in Südamerika politisch engagierte Psychoanalytikerin und Ärztin.

Dr. Emanuel Edel (1910-1991) war Sozialistischer Student und trat nach dem Feburarkämpfen 1934 der KPÖ bei, war Frontarzt in Spanien gegen Franco, im zweiten Weltkrieg in der Französischen Widerstandsbewegung gegen Hitler aktiv und nach 1945 Polizeiarzt in Wien.

Dr. Ernesto Rafael Guevara de la Serna (1928-1967) ) arbeitet während seines Medizinstudiums u.a. in einer Peruanischen Leprakolonie, ehe er Teil der Kubanischen Revolution wurde. Er wurde ohne Gerichtsverfahren auf Weisung des bolivianischen Präsidenten René Barrientos Ortuño im Beisein von CIA Agenten erschossen.

Lassen wir uns überraschen, wo sich Frau Dr. Joy Pamela Rendi-Wagner (1971-) innerhalb dieses Spektrums einmal wiederfindet.
Es kann Gott-sei-Dank wohl ausgeschlossen werden, dass ihr die CIA einmal nach dem Leben trachten wird, dazu genügen heute schon die Parteifreunde.

Written by medicus58

14. Oktober 2018 at 16:32

Der allem zum Trotz trotzkistische SLP Wähler

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Wahlurnen

Ich gebe es zu, zuletzt wurde mein Interview-Reigen schon ziemlich mühsam.
In Italien mache ich gerne Urlaub, möchte aber seine politischen Verhältnisse nicht bei uns auf dem Stimmzettel finden,
aber da muss ich durch.
Als vierzehnte (!) und letzte der bei den kommenden Wahlen zumindest in einem Wahlkreis kandidierenden Parteien, wollte ich nun auch
einen der knapp 2000 Wähler der Sozialistischen Linkspartei kennen lernen.
Gleich mit meiner ersten, eher zur Auflockerung gemeinten Frage verbockte ich den Termin aber gründlich:

„Gibt es denn auch eine sozialistische Rechtspartei, so dass man sich mit dem doppelt gemoppelten Parteinamen abgrenzen musste?“

„Ich habe in dieser Bewegung schon gekämpft als sie mich aus der Sozialistischen Jugend gemobbt haben und ich zum Verein „Vorwärts“ gestoßen bin, aus der sich die „Sozialistische Offensive Vorwärts“ entwickelt hat, die dann in der SLP aufgegangen ist.“

Den „Judäische Volksfront“ vs. „Volksfront von Judäa“ Witz verkneife ich mir und beobachte Jan, wie er seine speckigen Haare verzweifelt hinter seine abstehenden Ohren sperren möchte.

„Ich gehe davon aus, dass Du schon früher die SLP gewählt hast, aber ist das nicht frustrierend, dass die in Wien im Promillebereich herumdümpeln und im Rest von Österreich völlig unter der Wahrnehmungsschwelle bleiben?“

„Wir sind ja keine Partei im herkömmlichen Sinn, im Vordergrund steht bei uns die Aktion!“

„Ja, ich weiß,“ unterbreche ich ihn, „aber wenn ihr schon glaubt, dass diese Gesellschaft nicht über Wahlen zu verändern ist, was inzwischen sogar die KPÖ inzwischen an Stelle der großen proletarischen Revolution gestellt hat, dann könnt ihr doch nicht ernsthaft glauben Eure Ziele dadurch zu erreichen, wenn ihr einmal im Jahr, übrigens Schulter an Schulter mit SPÖ, Grünen und KPÖ gegen den Korporationsball der FPÖ demonstriert?“

„Wir wollen keine Ämter und Funktionen in dieser Gesellschaft erreichen …“

„Deshalb tretet ihr bei Wahlen an?“ unterbrach ich.

„Im Vordergrund steht bei uns die Aktion, jeder Aktivist, jede Aktivistin ist Parteimitglied und jedes Parteimitglied ist ein Aktivist und eine Aktivistin, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Nationalität.“

„Euer Wahlslogan ist „Sozialismus statt kapitalistisches Chaos“. Jetzt scheint mir der Kapitalismus einen sehr hohen Organisationsgrad in unserer Gesellschaft erreicht zu haben, an dem letztlich auch die Occupy-Bewegung an der Wall Street zerbrochen wurde, aber ihr seht darin ein Chaos; OK, soll sein, nur dem setzt ihr die dauernde Einzelaktion, sozusagen die Zeitlupen-Revolution entgegen und verzichtet selbst auf höhere Organisationsstrukturen.“

„Du verstehst rein gar nichts und bleibst in einem bürgerlich-distanzierten Weltbild hängen“, versetzte mir Jan den erwarteten Schlag.

“ Die SLP ist gegen Arbeitslosigkeit, Prekärisierung und a leeres Börsl, für günstiges Wohnen und gegen die FPÖ.“

„Und das erreicht ihr mit ein paar Farbbeutel auf den Kashmirmantel von älteren Männern mit zerschnittenen Backen?“

„Dadurch setzen wir Markierungen für unseren Weg in eine sozialistische Gesellschaft!“

„Die aber die Putzerei wieder relativ mühelos entfernt, nicht?“, damit habe ich offenbar den Bogen überspannt, was mit den Titel eines „bourgeoisen, postmodernen Arschlochs“ eintrug.

„Mit Salonsozis wie Dir, die sich nicht einmal die Mühe machen die Grundsatztexte auswendig gelernt zu haben, sollte man sich gar nicht einmal unterhalten.
Du beruhigst Dich damit, dass ein zwei Demos genügen, um als „links“ zu gelten, sowas brauchen wir gar nicht, auf sowas verzichten wir.
Die SLP rekrutiert eine handverlesene Schar an In- und AusländerInnen“, die unseren Kampf mitkämpfen.
Für Gleichberechtigung der Frau, für Teilhabe aller an allem.
Für Gratisverhütung und Gratisabtreibung sowie für höhere Löhne für alle!“

Wie ein geschlagener Hund trotte ich von dannen, während sich hinter mir die anatolischen, afghanischen und nigerianischen Massen formieren und für die Gleichberechtigung der Frau kämpfen.
Auf den Straßen Wiens begegnen mir freudetrunkene Sozialarbeiter und Dauerarbeitslose, die den Lohn eines Nationalratspräsidenten erhalten und erst beim Bäcker merken, dass auch dieser seine Einkommenswünsche verwirklicht hat,
Schlussendlich vernehme aus der Ferne das dumpfe Grollen von tausenden Farbbeuteln, die auf die kugelsicheren Kunststoffröhren prasseln, durch die die FPÖ Granden in die Hofburg einziehen, als wäre sie Walhalla. Onkel Fränk winkt vom Ballhausplatz herüber, während aus dem Außenministerium fremdartige christliche Gesänge schallen.
Die Linkswende benötigt in diesem Lande noch etwas Zeit, soll sein.

Written by medicus58

6. September 2013 at 07:18

Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals

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Spätestens seit den Zeiten der Französischen Revolution (1789 bis 1799) wird mit dem Begriff einer “Revolution” eine radikale, für alle augenfällige Änderung eines bestehenden Systems innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes verstanden. Hier wird jedoch übersehen, dass sich Revolutionen auch über einen längeren Zeitraum erstrecken konnten, wie zum Beispiel die Industrielle Revolution von ca. 1750 bis 1850. Jedoch verlief auch diese Revolution “nicht unbemerkt”, ihre Protagonisten konnten und wollten ihrer Absichten nicht verheimlichen, die breite Masse erkannte den revolutionären Charakter nicht nur an ihren Spätfolgen, sondern bereits während der „Umwälzung“.

In den letzten Jahrzehnten (!) ist jedoch eine, in ihrer Radikalität völlig unterschätzte Revolution abgelaufen, die erst jetzt durch einige ihrer Folgen und noch immer nicht in ihrer Radikalität und Totalität ins öffentliche Bewusstsein gelangte:
Eine Revolution, in der das Kapital die Herrschaft über alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens errungen hat. Nennen wir sie, vorbehaltlich einer besseren Bezeichnung:

Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals.

Viele sprechen von einer neoliberalen Revolution, was aber den Kern verfehlt, da neoliberales Gedankengut zwar das Vokabular vorgab, die letztendliche Entmachtung der staatlicher Autorität aber den Neolibs ihres staatlichen Regulators beraubte und somit auch diese Theorie nur zum Steigbügelhalter einer übergeordneten Bewegung degradierte (Lenin hätte von “nützliche Idioten” gesprochen).

Die Zutaten dieser Revolution sind:
Kapitalismus,
Globalisierung,
Neoliberalismus,
Deregulierung/Privatisierung/Freihandel und
Religiöser Fundamentalismus
.

in gewisser Weise also eine Gegenrevolution zur „klassischen Aufklärung“.
Deshalb steht dieser Artikel auch in diesem Bereich des Blogs.

Unter Kapitalismus wird hier eine quasireligiöse Denkweise verstanden, in der Kapital nicht nur als dritter Produktionsfaktor neben Arbeit und Boden gesehen wird, sondern als ein sich ohne persönliche Arbeitsleistung (durch Zins, Spekulation, …etc. jedenfalls) selbst vermehrender Wert. Dass damit der Energieerhaltungssatz der Naturwissenschaften missachtet wird, stört den Ökonomen nicht, jedoch davon später. Der Kapitalismus bedingt auch eine Produktionsweise, die nicht auf Bedürfnisbefriedigung ausgelegt ist, sondern nur durch Überproduktion und stetes Wachstum lebensfähig bleiben könnte, was wieder, siehe oben, innerhalb eines geschlossenen Systems unmöglich ist. Da letztendlich alles kaufbar gemacht wird, bestimmt der Besitzer des Kapitals die sozialen, politischen, rechtlichen und kulturellen Verhältnisse der Gesellschaft, er kauft sie also. Wesentliche Güter, für die kein Markt existiert oder aufgebaut wurden, werden negiert und allfällige (ökologische, soziale, …) Kollateralschäden der Allgemeinheit überlassen.

Unter Globalisierung wird hier keine Internationalisierung der Welt verstanden -wie sie Teilen der Linken angestrebt- sondern eine einseitig durch die Macht des Kapitals erzwungene und durch neue Technologien begünstigte weltweiten Öffnung von nationaler Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation gesehen. Eine Internationalisierung würde hingegen alle auftretenden gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Probleme zur gemeinsamen Sache machen. In der globalisierten Welt der Kapitalismus werden Gewinne privatisiert, alle anderen Probleme jedoch nationalisiert, das ist der wesentliche Unterschied zum Internationalismus der Linken.
Triebfeder der Globalisierung war der, dem Kapitalismus innewohnende Zwang zu kontinuierlichem Wachstum und zur Profitsteigerung: beides ließ sich innerhalb der “ersten Welt” nicht mehr gewährleisten. Durch Globalisierung konnte die Produktion von Verbrauchsgütern in Billig-Lohn-Länder (mit weniger scharfen Umwelt- und Sozialgesetzen) verschoben werden, während die Verkaufgewinne weiterhin in Hoch-Preis-Ländern anfallen. Zusätzlich ermöglichte die Ausweitung der Märkte, die Überschussproduktion kapitalistischer Marktwirtschaft nicht einstampfen zu müssen, sondern in den erschlossenen Märkten (mit geringeren Spannen) ebenfalls zu Geld machen zu können. Die schrankenlose Verbringung des Kapitals erleichterte es zusätzlich, Steuern und Abgaben entweder überhaupt “off shore” oder zumindest in jenen Staaten anfallen zu lassen, wo die Abgabenquote geringer war als dort, wo die Gewinne eingefahren wurden.

Unter Neoliberalismus wird hier der angelsächsische Neoliberalismus der Mont Pelerin Society verstanden, der mit religiösem Eifer jeden staatliche Einfluss auf das Wirtschaftsleben und den Ausgleich mit gewachsene Interessensvertretungen (Gewerkschaften) zu zerstören sucht und auf die heilsbringende Macht des freien Markt setzte, der durch eine marktgerechte Regelordnung des Staates vor Monopolbildungen geschützt wird. Damit reagiert er zwar auf ein Grundproblem des Kapitalismus, dass der erfolgreichste Spieler zwingend zum Monopolist wird, ist aber in seinem Glauben unfassbar infantil, indem er dieses unvermeidbare Endziel des “Besseren” kurz vor seiner Erfüllung durch “Väterchen Staat”, den er vorher massiv beschnitten hat, unterbunden sehen will. Irgendwie erinnert das an herumtobende Kinder, die sich darauf verlassen wollen, dass es im Zweifelsfall der „Papa schon richten wird“. Dass dies prinzipiell nicht funktioniert, hat u.a. die “Zerschlagung” von AT&T gezeigt (http://de.wikipedia.org/wiki/AT%26T ), die sehr bald wieder aus den zerschlagenen Töchtern zusammengewachsen ist.

Wenn
Alexander Rüstow, der „Erfinder“ des Begriffes „Neoliberalismus“ im deutschen Sprachraum postuliert:„Der neue Liberalismus … fordert einen starken Staat, einen Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört.” entlarvt er den Neoliberalismus als quasireligiöse Ideologie, die an die “Gottheiten” Markt und Staat glaubt, die plötzlich „als einzige objektiv und frei von persönlichen Interessen“ handeln. Dies ist umso bemerkenswerter, als unter dem Vorwand seiner Effizienzsteigerung der Staat systematisch seiner ökonomischen („Mehr Privat weniger Staat“) und personeller Ressourcen („Beamtenabbau“) beraubt wurde.
Dass die
Körperschaftssteuern, also eigentlich die Steuern, die die Wirtschaft an den Staat für Dienstleistungen, die sie von ihm will, abliefern sollte, in den letzten Jahrzehnten immer mehr gesunken sind, schien unsere Neolibs auch nicht aufzufallen.
Die
Privatisierung strukturell wesentlicher Systeme (Bahn, Post, Telekom, Gesundheitssystem, …) lief nicht nur in Österreich über korrupte Kanäle und nahm „dem Staat“ auch noch die Möglichkeit zur Strukturpolitik.
Die
Umstellung der Gesundheits- und Pensionssystemevom Umlageverfahren auf ein Kapitaldeckungsverfahren und die Privatisierung dieser Bereiche eröffnet dem Kapital einen riesigen Markt und bot ihm dadurch ungeahnte Spekulationsmöglichkeiten, nachdem (vor allem in den USA und UK) viele andere, traditionell staatliche Bereiche privatisiert wurden (Strafvollzug, Polizei, Kriegsführung, …) bleibt nur noch der Sozialstaat als Hoffnungsmarkt.

Die Deregulierung, also der zunehmende Abbau aller Schranken des Kapital-, Waren- und Dienstleistungsverkehres, wurde mit sendungsbewusstem Eifer verfolgt. Während es innerhalb der Europäischen Union noch als Teil einer notwendigen Harmonisierung aufgefasst werden kann und durch das hohle Versprechen von Reisefreizügigkeit (die aber wie aktuell auch sehr schnell zurückgenommen wird) und Verbilligung von Verbrauchgütern (Made in China) verkauft wurde, war es gegenüber der Dritten Welt reiner Neokolonialismus. Die Beseitigung von Handelshemmnissen wird fälschlicherweise als Wirtschaftsmotor angepriesen, wobei seit den 50er Jahren (!) das derart erzeugte Wachstum überwiegend nicht die Produktion, sondern nur die Ausweitung des Handels betraf, oder in anderen Worten wächst seit den 50er Jahren der Handel schneller als die Produktion.

Die Deregulierung des Finanzmarktes führte überdies dazu, dass ein immer größerer Anteil der Finanzbewegungen sich nur mehr kurzfristiger (inner- und außerbörsliche) Spekulation widmet und (auch vor der letzten Krise) nicht mehr der “Realwirtschaft” dient. Die Werkzeuge der Deregulierung wurden im Zuge der Konferenz von Bretton-Woods 1944 zum Zwecke des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg geschaffen, aber schon nach weniger als 2 Jahrzehnte (in erster Linie von den USA) als Werkzeug für eine Revolution des globalisierten Kapitalismus zweckentfremdet:
IWF/IMF (Internationaler Währungsfond) Weltbank US Dollar als Leitwährung/Goldbindung
Der
IWF sollten den 187 Mitgliedsstaaten als “lender of last resort” helfen, wobei  später auf Initiative der USA, die auch eine Sperrminorität im IWF haben, die Konditionalität eingeführt wurde und dadurch die Gewährung von Hilfskrediten kein automatisches Rechtsondern an Bedingungen gebunden werden konnte. Die verordneten wirtschaftspolitischen Maßnahmen (Kürzung der Staatsausgaben, Abwertung, Abbau von Handelsbeschränkungen und Handelskontrollen, Abschaffung von Preissubventionen für Grundbedarfsartikel, Haushaltskürzungen, Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einrichtungen, Beamtenabbau, Abbau von Subventionen) werden als Washington Consensus (http://de.wikipedia.org/wiki/Washington_Consensushttp://de.wikipedia.org/wiki/Washington_Consensus) zusamengefasst und ermöglichten somit unter Umgehung demokratischer Prozesse einen direkten Eingriff des Kapitals auf die Staatsführung. Allende’s Chile ist nur ein Beispiel, wie unter Zuhilfenahme der CIA ein Staat wirtschaftlich und militärisch zerschlagen wurde, um nach Installierung eines genehmen Regiemes (in diesem Fall die Militärdiktatur Pinochets) sich durch gezielte Wirtschaftshilfe auch den Zugang zur Rohstoffausbeutung zu sichern.
Die
Weltbank (http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbank) steht nur IWF Mitgliedern offen und bezeichnet eine in Washington angesiedelte, durch einen gemeinsamen Präsidenten verbundene Bankengruppe (IBRD, IFC, MIGA, ICSID), die ursprünglich wie der IWF den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg finanzieren sollte. Heute ist das wesentliche Ziel der Weltbank die Förderung der Privatisierung. Auch nach einer Änderung der Stimmrechte im Jahre 2010 haben die USA weiterhin den größten Stimmenanteil und somit das Sagen.

In Bretton Woods wurde auch im „White Plan
der
US $ als Referenzwährung festgelegt, zu der alle anderen Währungen (innerhalb gewisser Grenzen) ein fixes Wechselverhältnis hatten. Weiters wurde ein fixes Tauschverhältnis zwischen US$ und Gold festgelegt. Für die entstandene Gleichstellung zwischen Dollar und Unze hatte sich die US-Zentralbank, freiwillig verpflichtet, den Dollar zu dem Kurs (35 Dollar je Unze) zu kaufen oder zu verkaufen. Diese „Golddeckung“ wurde aber unter Nixon aufgehoben, als offenkundig wurde, dass dieses Versprechen mangels Goldreserven nicht eingelöst werden konnte.

Das ebenfalls 1947 beschlossen Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (englisch General Agreement on Tariffs and Trade; GATT) sollte in gegenseitigem Abtausch Zölle und Handelsschranken abzubauen (http://de.wikipedia.org/wiki/GATT). Im Gegensatz zu den vorgenannten Strukturen handelte es sich um keine Internationale Organisation sondern um einen vökerrechtlicher Vertrag. Die unterschiedliche ökonomische Stärke der beteiligten Ökonomien ermöglichte es auch hier, ökonomisch schwächere Märkte unter Druck zu setzen und für essentielle Strukturen (z.B. Wasserrechte) einen Markt zu eröffnen.

Weitere Meilensteine der Entwicklung waren in den USA 1999 die Aufhebung der im  Glass-Steagall Act (http://de.wikipedia.org/wiki/Gnass-Steagall_Act) festgelegten institutielle Trennung zwischen Kommerzbanken (Einlagen- und Kreditgeschäft) und Investmentbanken durch den Gramm-Leach-Bliley Act (http://en.wikipedia.org/wiki/Gramm–Leach–Bliley_Act) der es ermöglichte, dass nun das klassische Bankgeschäft, Investmentbanking und Versicherungsgeschäfte in einem Institut ablaufen konnte. Dieser Schritt wird von vielen als wesentlich für das Entstehen der 2007 Subprime Krise gesehen.

Bei religiösem Fundamentalismus denkt man heute nur an Kopftuchzwang und Taliban. Die infantile Glaube der letzten Jahrzehnte an interesselos agierenden Göttern, wie sich selbst regelnden Märkte oder abgehalfterte und trotzdem objektiv agierenden Staat, die protestantischen Ethik anglikanischer Prägung, die im wirtschaftlichen Erfolg ein göttliches Zeichen der Auserwähltheit sehen wollte, der bedingungslose Glauben an die menschenunabhängigen Gesetze der neuen Ökonomie mit all ihren Fetischen und die inzwischen allgemein akzeptierte Alternativlosigkeit dieses Weges, der auch Weite Teile der Sozialdemokratie verfallen sind (Blair, Schröder, Dritter Weg, …) hat Züge eines religösen Fundamentalismus. Die scheinbare Unantastbarkeit zentraler Axiome und katapultierte uns hinter die zentralen Erkenntnisse der Aufklärung.

Zusammenfassend hat die
lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals

den demokratischen Prozess umgangenKapitalismus braucht keine Demokratie” (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=55365),

die klassischen Verhandlungspartner (Gewerkschaften, Kammern, NGOs, Zivilgesellschaft…) marginalisiert,

eine gigantischen Umverteilung der Arbeitsleistung in der Welt bewirkt
(hochwertige Dienstleistung und Technologie in der Ersten Welt,
niederwertige Dienstleistungen und Massenproduktion in Schwellenländer),

Politiker
zu Gehilfen scheinbar alternativloser ökonomischer Sachzwänge degradiert bzw. Schlüsselstellen der Politik durch Repräsentanten der Finanzwirtschaft infiltriert
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=68494)
,

unbemerkt von der Masse der Wähler
den europäischen Sozialstaat zur Wettbewerbsgesellschaft umgebaut,

zu einer massiven Expansion der Finanzmärkte,
einer Deregulierung des Arbeitsmarkts mit sinkenden Lohn- und steigenden Kapitaleinkommen geführt und

die Gesundheits-, Bildungs- und Altersvorsorgesysteme zu Märkten gemacht, die durch den Übergang zum Kapitaldeckungssystem zusätzliche Summen auf die Finanzmärkte schwemmte
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=55113 http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54648).


Und warum funktioniert das so gut?

Auf einen Aspekt (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58262) wurde hier schon hingewiesen:
Eine der Falscheinschätzungen des Kommunistischen Manifests war offenkundig, dass einerseits die Steigerung der Produktivität so groß werden konnte, dass die Befriedigung der primären Bedürfnisse der „breiten Masse“, also Nahrung und Bekleidung so billig wurde, dass nahezu jeder sie mit seinem Lohn befriedigen konnte und andererseits der Kapitalismus von der großindustriellen Produktion für anderer Großindustrien auf die Produktion von Konsumgüter umstellte, die wiederum auch die sekundären Bedürfnisse, wie Mode, Unterhaltungsindustrie, …  für breite Teile der westlichen Gesellschaften erschwinglich wurden.

Auf den gut funktionierenden Selbstbetrug der Mittelschicht hat z.B. Ulrike Herrman in ihrem Buch „Hurra,wir dürfen zahlen“ sehr plakativ hingewiesen: Reichtum in unser Gesellschaft ist (nicht mehr) anstößig, er darf nur nicht die eigenen Illusion bedrohen, selbst im Aufzug nach oben zu sitzen.
Auch die Soziologie wandte sich von den ökonomisch definierten Klassen ab und erforschte Sinus-Milieus die sich nicht mehr durch ähnliche ökonomische Möglichkeiten sondern durch ähnliches Konsumverhalten definierten.
Berthold Vogel
wies in Das Problem der Exklusion (Hamburger Edition 2006) darauf hin, dass heute nicht mehr thematisiert wird, dass es Herrscher und Beherrschte, Ausbeuter und Ausgebeutete gibt sondern gerade in der Krise der Mittelstand dazu tendiert sich selbst zur Elite zu zählen, da sie sich bereits als herausgehoben zählen, nur weil sie nicht zu den Ausgestoßenen (Arbeitslosen) zählen. 


Dass diese Revolution so glatt über die Bühne gehen konnte ist selbstverständlich auch ein Versagen der tonangebenden Kräfte links der jeweiligen politischen Mitte, von Tony Blairs „New Labour“ bis zu Clinton’s Demokraten, die zum Teil kräftiger an der Umsetzung der genannten Schritte gearbeitet haben als Reagan und Thatcher.
Wenn nicht persönliche Unredlichkeit und Gier auf lukrative Positionen für die Zeit nach der politischen Funktion die wahre Begründung für dieses zur eigenen Weltanschauung eigentlich kontradiktorische Verhalten war, dann kann es nur an der
fehlenden intellektuellen Weiterentwicklung linker Ideologie gelegen haben, weshalb der für jeden Demokraten erfreuliche
Zerfall der kommunistischen Diktatur in Russland die Linke völlig blauäugig der nächsten Heilslehre in die Arme getrieben hat.


Und warum wird das alles nicht auf Dauer funktionieren?

Aus naturwissenschaftlicher Sicht, weil das für unser derzeitiges System unabdingbare schrankenlose Wachstum dem Energieerhaltungssatz geschlossener Systeme widerspricht (http://de.wikipedia.org/wiki/Energieerhaltungssatz) und mit der weitgehend Öffnung aller Bereiche für den kapitalistischen Markt die Grenzen des Systems erreicht sind.

Aus humanistischer Sicht, weil selbst monetäre Gewinne und Macht offenbar keine dauerhafte Befriedigung verschaffen, sonst würden Menschen, die sie erreicht haben, nicht zwanghaft und und unstillbar nach deren Vermehrung streben.

Aus ökologischer und kybernetischer Sicht
, weil alle bisherigen Versuche gemeinschaftlich genutzte Ressourcen im Markt einzupreisen (Emissionsrechtehandel: http://de.wikipedia.org/wiki/CO2-Zertifikate) gescheitert sind und hoch komplexe gesellschaftliche und ökologische Systeme sich nicht soweit dekonstruieren lassen, dass alle Parameter marktgerecht ausgepreist werden können. Aus diesem Grunde müssen systemkritische Bereiche (natürliches Trinkwasser, saubere Atemluft, Saatgut, Bildung, Gesundheits- und Altersversorgung, öffentlicher Transport, … etc.) vor spekulativen Zugriffen bewahrt werden.

Aus sprachkritischer Sicht, weil Finanzprodukte keine Produkte sind,
hier nichts hergestellt wird, sondern nur Umschichtungen zwischen Gewinnern (und Verlierern) institutionalisiert werden.

Peter „Red“ Rabl

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Wer vor seinem dreißigsten Lebensjahr niemals Sozialist war, hat kein Herz. Wer nach seinem dreißigsten Lebensjahr noch Sozialist ist, hat keinen Verstand.
Benedetto Croce

Varianten dazu finden sich auf (http://dossier.dunker.de/2004/nr14/kein-herz.html)

Peter Rabls Bio (* 11. Juni 1948) scheint zunehmend eine Umkehrung dieses Satzes.
Ex-Schwiegersohn des langjährigen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher (http://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Bacher),
journalistische Karriere bei überwiegend rechts-konservativ-bürgerlichen Medien mit starkem Hang zum „raffeisigen Giebelkreuz“ Niederösterreichische Nachrichten,
Wochenpresse,
Kurier.

OK, als Herausgeber des Profil nahm er sich schon mal was heraus:

Peter Rabl 43, Herausgeber des österreichischen Nachrichtenmagazins Profil, sorgte vergangene Woche mit einem Trick der Yellow Press für „einen rauschenden Absatz“ seines Journals. Rabl ließ nicht nur Nuditäten auf die Titelseite seines Blattes heben, sondern gleich ein offenbar kopulierendes Paar, dessen Genitalbereich mit einem Rubbel-Aufkleber abgedeckt war (Foto). Per Fußnote erfuhren Profil-Leser: „Das Rubbeln ist für Jugendliche unter 18 Jahren nicht gestattet.“ Doch neugierige Rubbler aller Altersklassen wurden getäuscht. Statt einen Blick auf Geschlechtsteile erhielten sie, nachdem die Folie wegradiert war, eine an Selbsterkenntnis reichende bevölkerungsstatistische Information: „25 % aller Österreicher sind Voyeure.“

vermeldete DER SPIEGEL 35/1991 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13490450.html

Aber  als „Paradelinker“ ging Peter Rabl in seiner ersten Lebenshilfe nicht ganz durch.
Nur was ist jetzt los?

Rabls Gezwitschere der letzten Tage hätte auch aus der Sektion 8 (www.sektionacht.at) kommen können:

Als Moderator trat er am 9.5.  im Club 2 “Sparen oder Schulden machen – was rettet Europa?” forsch gegen neoliberale Tendenzen auf: (http://storify.com/a_sator/sparen-oder-schulden-machen-was-rettet-europa ; http://www.youtube.com/watch?v=muJJT-5Z8SU )
„Die Vermögen sind in den letzten Jahren auch immer um 5,6,7% gestiegen. Müssen die nicht einen Teil wieder hergeben?“, führt Rabl weiter aus. und seine Schlussworte
„Die nächsten 10 bis 20 Jahre werden “unschön” werden. Ziehen wir uns warm an. Schlafen sie gut. Gute Nacht.” beeindruckten selbst einen Margaretner KP Bezirksrat (http://wien.kpoe.at/news/article.php/20120512161541520/print ).

Am 17.5. outet er sich erneut als vom Mont Pelerin (http://de.wikipedia.org/wiki/Mont_Pelerin_Society) herabgestiegener Gott-sei-bei-uns der Neolibs, wenn er uns ermahnt: Erinnert sich halt keiner an die dot-com bubble 2000/01. Geschichte und Lernen bleibt ein Gegensatz #Spekulation Wenn er sich am18.5. von der ÖVP Finanzministerin distanziert „Lacina & Edlinger waren jedenfalls besser. Keiner so Näpfen-süchtig und Blamage-gefährdet wie #Fekter“

spricht er letztlich nur Common Sense über den Nonsens der Shortly without Delay Zaster Mitzi (http://wp.me/p1kfuX-fe) nach, aber Lacina als Vorbild ist ja schon sehr knapp links der Mitte (die in unserem Land ohnehin weit rechts liegt).
Auch sein Artikel vom 19.5. könnte noch als primär liberaldemokratisch, durchgehen: Mehr direkte Demokratie als Antwort auf postdemokratische Elitenherrschaft

(http://kurier.at/nachrichten/4496687-das-recht-geht-vom-volk-aus-aber-wie.php)

Aber ein: Die bösen Keynesianisten dürfen aber nach dem Crash immer den Scheißdreck wegräumen – siehe Roosevelts New Deal

vom 23.5. ist schon fast links revolutionär, wobei er noch eins drauf setzt, wenn er die Lektüre von Schulmeister im Falter empfiehlt: wie neoliberale Hayek-Gang über Jahrzehnte Wissenschaft, Politik und Medien indokrinierten. Dafür gab´s Nobelpreise!

Es muss da wirklich was passiert sein, wenn er am 25.5. retweetet Ein Teil der Weisheit besteht auch darin, sich einem Teil der gängigen Wahrheit zu widersetzen.

Wenn Rabl gleichzeitig „Krone“ Pandi verarscht, dass er „auch 2013 als persönlich Nicht-Geladener vor den Toren des Sauschädel-Events herumstehen“ wird, dann könnte man noch glauben, dass Rabl ein positives Andenken an den Sauschädel-König Österreichs, EX-Raffeisen-Boss Konrad (http://www.horizont.at/home/horizont-access/detail/kurier-ein-coup-des-christian-konrad.html) bewahrt hat, für den er doch lange Zeit die Schlagzeilen gebastelt hat.
Mit dem folgenden höchst blasphemischen Tweet wird er dem passionierten Mariazell-Wanderer Konrad, dem bis zuletzt das ganze politische Establishment des Landes an den Rocksaum der Gottesmutter nach trippelte kaum gefallen:

Hallo Papst! Erfinder der #TV_Fernbedienung gestorben. Der Mann gehört heilig gesprochen: Santo subito

Jetzt ahnt der Kundige, dass hier eine mentale Revolution im Gange ist.

Höhepunkt der Mai-Revolution des Peter Rabl, ist ein aktueller Beitrag im Kurier:

Umverteilung in die falsche Richtung

Super-Reiche profitieren auch in der Krise, ihr Beitrag zur Lösung wird fällig. Staatsschulden sind Privatgewinne

Die 90 Prozent der Normalverdiener und Vermögenslosen hat in den letzten 15 Jahren finanziell verloren, die steigende Inflation reduziert ihre realen Einkommen und den Wert ihrer Sparguthaben noch stärker.

Da ist es mehr als gerecht, die großen Vermögen auch mit Besteuerung der Substanz zu beteiligen. Schon 1 Prozent brächte jährlich in der Eurozone an die 400 Milliarden ein. Die jährlichen Vermögenszuwächse machen ein Mehrfaches aus.

Sozialneid und Enteignung sehen anders aus.
http://kurier.at/nachrichten/4497626-umverteilung-in-die-falsche-richtung.php

Was da der gute alte Benedetto (http://de.wikipedia.org/wiki/Benedetto_Croce) wohl sagen würde?
Das Volk sollte jenen wählen, der offen zugibt, Fehler gemacht zu haben, und nicht denjenigen, der alle List darauf verwendet, begangene Fehler zu vertuschen.

Vielleicht ist Peter „Red“ Rabl schon soweit, auf Basis dieses Spruchs politische Konsequenzen aus dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu fordern? Zutrauen würde ich es ihm langsam.

Man sieht sich auf der Jesuitenwiese (beim Volksstimmefest).

Piraten sind einäugig: Das Werkzeug ersetzt nicht das Ziel

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Die nun auch auf Österreich übergeschwappte Erfolgswelle auf der nun auch die hiesigen „Piratenparteien“ segeln, bringt mich zu einem Thema, das nicht prinzipiell etwas mit Captain Sparrows Nachfahren zu tun hat, aber auch.

Es ist ebenso müßig über ein allfälliges Programm „der Piraten“ zu diskutieren, solange die Heterogenität der einzelnen Proponenten und die Grabenkämpfe der lokalen und überregionalen Parteien noch im Gange sind. So wie die Diskussion bestenfalls belustigen kann, ob den die „Piraterei“ ein demokratischer Betrieb mit Sozialfürsorge war (http://derstandard.at/1334530848859/Tiroler-Piratenpartei-Piratenschiffe-waren-die-ersten-direkt-demokratisch-gefuehrten-Betriebe?).

Ein, offenbar alle „piratesken“ Strömungen kennzeichnendes Merkmal ist der Ruf nach Online-Mitbestimmung der Regierten, wogegen in erster Näherung ja nichts spricht, da ohnehin ein weiter Konsens darüber besteht, dass der Wille zur konstruktiven Mitbeteiligung ein konstituierendes Merkmahl demokratischer Systeme darstellt.

Was mir nur zu denken gibt, dass dzt. viele der gewählte „Piraten“ die Online-Mitbestimmung als wesentlichstes Ziel darstellen, um, … ja was eigentlich zu erreichen? … die Online-Mitbestimmung?

Hier stehen die Piraten eindeutig auf der Seite traditionell linker Strömungen (vielleicht hat Peter Pilz auch deshalb Sympathien für sie http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/749837/Gruene_Peter-Pilz-will-Piraten-ins-Boot-holen? ), wo bisweilen das Werkzeug zur Zielerreichung, „Die Revolution“, fetischhaften Charakter annahm und über das Endziel nach der „Diktatur des Proletariats“ nur mehr sehr vage Aussagen kamen. War hier die „Revolution das Opium der Intellektuellen“ (Lindsay Anderson: O Lucky Man: http://www.flickr.com/photos/stewf/3345506875/ ) scheint mir „Online“ das neue „Aphrodisiakum der Nerds“ zu sein.

Neoliberale und kapitalistische Revolutionen, z.B. der Siegeszug des globalisierten Kapitalismus der letzten 3 Jahrzehnte, haben natürlich auch ihre Fetische (z.B.: „der Markt“), die Unterschiede liegen aber darin, dass diese Revolutionen langsamer und deshalb für viele unbemerkt ablaufen. Zynisch kann man somit sagen, dass sie aus Sicht der Protagonisten intelligenter ablaufen. Ihre Ziele sind naturgemäß auch klarer, da sie quantifizierbare Ziele wie monetären Gewinn und Marktdominanz bevorzugen.

Kehren wir zurück zu unseren Piraten
dann lässt sich eine gewisse Einäugigkeit nicht verleugnen
Da die Augenklappe zur Standardausstattung vieler Piraten gehört, mag dahinter sogar volle Absicht stehen 😉
Im Bestreben bestimmte Werkzeuge des Web 2.0 in die breite Gesellschaft einzuführen, übersehen sie, dass sie hier nur über Werkzeuge sprechen, die für sich genommen einmal kein gesellschaftliches Ziel darstellen.
Neben dem schon angeführten Manko (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56104) dass sich Piraten auf das „Kommunikationsmittel“ Internet verlassen, das sie nicht selbst kontrollieren können und das bekanntlich sehr anfällig für Malversationen jeder Art ist (Spyware, Trojaner, Phishing, Spams, Hoaxe, …) scheint mir auch, dass sie auch dem klassischen „G’schupften Ferdl“ Problem anheim fallen:
„I hob ka Ahnung wo i hin wü, dafür bin i gschwinder durt“

Hier fällt einem Albert Einstein ein, der gesagt haben soll:
„Der Intellekt hat ein scharfes Auge für Methoden und Werkzeuge, aber er ist blind gegen Ziele und Werte.“

Das flächendeckende Roll out aller e-Möglichkeiten des 21.Jahrhunderts ist sicher ein wesentlicher Beitrag, um bestimmte Gruppen wieder in den politischen Diskurs zu holen, es ersetzt aber keine gesellschaftspolitische Vision.

Klingt heute wahrscheinlich unheimlich „Retro“, aber die letzten Jahrtausende liefen Änderungen der Gesellschaft ziemlich regelhaft so ab, dass man
ZUERST ein INHALTLICHE ZIEL formulierte und
DANACH NACH MITTELN SUCHTE, wie dieses zu erreichen ist.
Revolutionen, die dies nicht aus den Augen verloren haben, 
hatten nachhaltigeren Erfolg als solche,
die sich zuerst nur damit beschäftigten, das Bestehende kaputt zu machen und danach voll damit beschäftigt waren, andere zu bekämpfen, damit ihnen genau diese Aktion nicht gelingen möge. Mit der beständigen Furcht vor „Konterrevolutionären“ täuschte schon die Katholische Kirche, der Kreml und die Neokonservativen das p.t. Publikum mitunter Jahrzehnte über ihr fehlendes Ziel hinweg.

Und noch ein Problem ergibt sich durch die „Einäugigkeit“ aller „Ein-Thema-Parteien“, sie fallen rasch einer stark verfälschten Wahrnehmung

„Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“ Paul Watzlawick

Wer A sagt muss auch D sagen, D wie Diderot

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Denis Diderot (http://de.wikipedia.org/wiki/Denis_Diderot) war gemeinsam mit Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Baptiste_le_Rond_d%E2%80%99Alembert) Herausgeber der großen „Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ („Enzyklopädie oder (alphabetisch) geordnetes Lexikon der Wissenschaften, Künste und Gewerbe, von einer Autorengemeinschaft“).

Wenn Philipp Blom, der sich mehrfach mit dem den Anfängen der (bürgerlichen) Aufklärung auseinandergesetzt hat (http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6se_Philosophen), über Diderot kritisch meinte:
„Das Werk war ein Vehikel für seine Ideen; es gab ihm ein Einkommen, und sollte ihm einen Namen geben, und es gab Gegenständen eine Würde, die nie zuvor Druckseiten zierten; doch systematische, alles umarmende Akribie gehörte nicht zu seinen Interessen.“

so scheint mir das, sollte es wahr sein, weniger als Makel als der Beweis für die ungestüme Leidenschaft, mit der man sich einer allgemein zugänglichen, systematischen und kritischen Darstellung der Welt, so wie sie der aufgeklärte Mensch sehen konnte, verschrieben hat.

Auch nicht schlecht …

Dass die (bürgerliche) Aufklärung daran gescheitert ist, wie Blom schließt, dass sie dem damals herrschenden Imperialismus die Grundlage entzogen hat, in dem sie die „Gleichwertigkeit aller Menschen und Kulturen“ postulierte, scheint nachvollziehbar.

Dass Diderot et al. „die Leidenschaften des Menschen (im Sinne Epikurs) nicht verleugnen, sondern erkennen, verfeinern und so lenken wollten, dass der Mensch das eigenen Glück in dieser Welt finden kann und während er möglichst viel Gutes schafft der eigenen Umwelt möglichst wenig schaden soll„, das macht sie zu den 
Wegbereitern einer säkularen Moderne:

Es grenzt sie ab, von den Religiösen, die in dieser Welt das Böse eliminieren wollen, um das Glück in der nächsten Welt zu finden.

Es markiert die Mitte zwischen den heutigen Neokonservativen, die postulieren, dass „der Mensch eben prinzipiell schlecht wäre“ und nur durch drakonische Strafen von dem Schlechten abgehalten werden muss und den Linken, für die der „Mensch prinzipiell gut wäre“, würde er nicht durch seine sozio-ökonomische Umgebung an seiner Entwicklung gehindert werden.

In den Enzyklopädisten steckt die Wurzel, der heute so gut wie vergessenen Strömung der Existentialisten:
 
Nur aus der Sinnlosigkeit entsteht Ethik.

(Oh, wie wird es da die Gläubigen gruseln …)

Jedoch schon am Lebensende der französischen Enzyklopädiker kam den Protagonisten Zweifel, ob ihres optimistischen Ansatzes. 
Diesen Verlust an Optimismus kennzeichnet auch die „Linke“ am Ende des 20. und am Anfang des 21. Jahrhunderts. Die „Rechte“ scheint davon zu profitieren.

Die Idee einer „umfassende Bearbeitung aller Wissenschaften und Künste, nach ihren einzelnen Theilen und Gegenständen, gemäß dem seit etwa drei Jahrzehnten ungemein veränderten Zustande der Literatur und Kunst, von Schriftstellern, deren Namen die Achtung und das Vertrauen der literarischen Welt längst sich erworben haben, so viel möglich für das ganze gebildete Publikum, und zwar in alphabetischer Folge“ (Einleitung zu http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Encyclop%C3%A4die_der_Wissenschaften_und_K%C3%BCnste) krallte sich jedoch im europäischen Geiste fest und mündete über den „Ersch-Gruber“ in die http://www.wikipedia.org/ .

Was jedoch langsam aus den Köpfen der Bürger diffundiert und durch die Erkenntnis, dass Networking und Korruption die wahren Motoren des sozialen und ökonomischen Aufstiegs sind, weiter verdrängt wird, ist Francis Bacons Losung:

WISSEN = MACHT
(http://de.wikipedia.org/wiki/Wissen_ist_Macht)

Also mit anderen Worten:
Für die (Ohn)mächtigen ist Bildung der einzig evolutionäre Weg zum Aufstieg in der sozialen Hierarchie,

Somit führt uns unser Weg wieder zurück zu einem der Fundamente „linken Denkens“.

Wilhelm Liebknecht (1826–1900, einer der Gründer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands) berief sich auf dieses Konzept („Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“) in dem er forderte, dass 
große Teilen der Bevölkerung den Zugang zu Wissen, Bildung und Kultur erhalten müssen.
1891 dichtete Max Kegel im „Sozialistenmarsch„:

„Des Geistes Licht, des Wissens Macht,
Dem ganzen Volke sei’s gegeben!“

Möge sich die heutige Sozialdemokratie (und konkret die Frau Unterrichtsministerin und Ex-Bankerin Schmied (http://www.meineabgeordneten.at/Abgeordnete/Claudia.Schmied) bei den bevorstehenden Verhandlungen um ein neues Lehrerdienstrecht) an diese Wurzeln erinnern.

Nicht die regelmäßigen Umbenennungen alter Schulformen und 
die phänomenalen Karrieren korrupter Flachwurzler, die den oben genannte Spruch breit grinsend in eine saftiges:

Nichts wissen macht auch nix

verwandelten, sondern

Chancengleichheit
Allgemeine Zugänglichkeit Wissen
Karriere auf Basis von Kompetenz und Leistung

sind die Garanten für eine friedliche und positive Entwicklung der Gesellschaft.

Setzt sich die allgemeine Erkenntnis durch, dass die Engagierten und Motivierten in dem (österreichischen) Korruptions- und Netzwerksumpf auf diese Weise keine Aufstiegchancen haben, dann werden sie früher oder später andere Wege beschreiten.

Bildnachweis: Wikipedia

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