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Solidarität in der Pandemie wird pandemisch

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Propaganda scbaffte es stets prinzipiell positive Begriffe so zu funktionalisieren, dass sie sich ins Gegenteil verkehren.

Wenn nun allenthalben zur Solidarität in der Pandemiebekämpfung aufgerufen wird, dann ist dem ja prinzipiell zuzustimmen, wenn das von denen kommt, die sich bidlang vordringlich um die eigenen Schäfchen kümmerten, wird es ärgerlich.

Wenn, trotz gegenteiliger Evidenz, die vierte Welle allein den Ungeimpften in die Schuhe geschoben wird, dann schrammt das schon nahe an die Vorhersagen vieler Verschwörungstheoretiker heran.

Wenn jetzt die Intensivbettenkapazität als Parameter herangezogen, widerspricht das nicht nur rezenten internen Prognosen, die in der Deltawelle die Kapazität der offenen Covid-Stationen als prozesskritisch erkannt haben wollen, es negiert völlig, dass die bestehenden strukturelle Kapazität im Gesundheitssysten nicht mehr abrufbar ist, weil inzwischen das Personal gekündigt hat. Soviel zum Gerate, weshalb bei relativ noch niedriger Intensivbelegung und langsamerem Anstieg im Vergleich zu 2020 in Wien große Sorgen bestehen.

Wenn jetzt plötzlich die Eigenverantwortung groß geschrieben wird und Ungeimpfte, Adipöse, Hypertoniker, Diabetiker,… ja irgendwie durch ihren Lebensstil selbst für die Krankheit verantwortlich wären, hätte ich mir diese Argumentation auch bei den Liftbetreibern gewünscht, die während der Hochzeit der dritten Welle im Privatjet in Südafrika zum Golfurlaub waren.

Das alles erinnert an den klassischen Schmäh von Bronner/Qualtingers Travnicek Sketch, der die Solidarität des Krankenkassensystems so beschrieben haben.

B: Ja, aber in der Not (im Krankeitsfall) wird ja auch was geleistet

Q: Ja, Beiträge

Wenn man seit Jahren als Arzt im öffentlichen Gesundheitssystem immer beschuldigt wurde zu teuer zu sein, korrupt zu sein, auf schwere Ausstattungsmängel nur hinzuweisen, weil man wieder teures Spielzeug möchte, Personal reduziert wurde und gleichzeitig Mehrleistungen von einem immer stärker wachsenden Verwaltungsbeteich verlangt und fachliche Einwände von Schreibtischtätern vom Tisch gewischt wurden, dann fühlt man sich durch die jetzigen Aufrufe zur Solidarität vermutlich genau so verarscht, wie das P. T. Publikum, das seit Jahren mit Messagecontrol statt Information auf Augenhöhe verhöhnt wird. (positive Tests statt Krankheitsrisiko, Impfkampagne ohne ausreichende Impfungen, nationale Gremien, die sich nach Stunden einigen, auf internationale Empfehlungen zu warten,…)

Wie in jeder Krise sterben auch jetzt nicht nur Menschen sondern noch viel mehr Ideale.

PS: das Bild zeigt übrigens den „Erhaltungszustand“ der Dienstbekleidung im Krankenanstaltenverbund

Written by medicus58

10. September 2021 at 08:30

Wie unterstützt man Ertrinkende oder sollte man ihnen nicht besser helfen?

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Diese Woche laufen auf Oe1 in der Serie Betrifft:Geschichte eine hörenswerte Geschichten der Behindertenbewegung und der Ersten österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft.

Siegfried Braun setzte sich vor 100 Jahren für die Hilfe zur Selbsthilfe für diejenigen ein, die wir später als Behinderte bezeichneten und rezent nur mehr als Personen mit speziellen Bedürfnissen an zu sprechen haben.

Dass die Sendereihe quasi nebenher  aufdeckt, wie stark sich die Wortwahl und wie relativ wenig sich die sozialen Probleme ändern, passt sehr gut zu einem mich zunehmen verärgernden Phänomen.

Nicht erst seit der Pandemie, aber jetzt natürlich flächendeckend verspricht und verlangt jedermann und jederfrau Unterstützung.

Natürlich wollen alle Hilfe, und letztendlich Geld, das der Staat rausrücken soll, der es sich klarerweise wieder von denen zurückholen will, die ihn bisher schon finanzierten, also genaugenommen hilft und unterstützt da eh niemand irgendwen. Es handelt sich um einen höchst effizienten jedoch längst nicht mehr resilienten Tauschprozess von dem wir hoffen, und im Parlament beten, dass sich das irgendwann noch irgendwie ausgehen wird. 

Deshalb verlangt auch niemand Kredit, weil den müsste man ja selbst zurück zahlen. Sogar ein Ruf nach Ausgleich oder Konkurs, schiene mir eine bessere Umschreibung für das was abläuft, da im Rahmen der geltenden Rechtsnormen das eigene Problem auf andere, mehr oder weniger Willige, aufgeteilt wird.

Beim ubiquitären Unterstützen schwingt karitative Freiwilligkeit und teleologische Wiedergutmachung mit, aber es steht immer weniger dahinter.

Klar, Hilfe klingt so gönnerhaft und so will ein Staat nicht wirken, der stark sein will, der uns vermitteln will die Kontrolle zu haben.

Wer unterstützt wird, der darf sich oben wähnen, der Unterstützer ist unten und hebt, der Unterstützte wird gehoben.

Ja aber warum der ganze Tanz, das ganze rhetorische Gesülze, die begrifflichen Kunstgriffe im Randbereich des Religiösen?

Meiner Meinung nach nur aus einem Grunde, weil man den Begriff der Solidarität unbedingt vermeiden will.

Viel Steuerggeld zahlten Regierung und Rotes Kreuz an eine befreundete Agentur für die „Schau auf mich, schau auf dich Kampagne“, statt eine solidarische Gesellschaft einzufordern.

Immerhin hat zuletzt SP Gusenbauer mit der Forderung nach einer solidarischen Hochleistungsgesellschaft einen Spagat zwischen Klassik und Moderne versucht und sogar eine NR Wahl gewonnen, in seinen jetzigen Tätigkeiten für die Vereinigung der Oligarchen und Diktatoren aller Länder scheint er sich aber auch schon meilenweit davon entfernt zu haben.

Irgendwie führt das alles zum Schluss, dass viele Begriffe so desavouiert wurden, dass wir immer neue erfinden müssen, ohne dass wir noch an die Probleme selbst heran kommen. Auch deshalb beten wir im Nationalrat, dass die Ertrinkenden noch irgendwer von draußen aus dem Wasser ziehen möge, damit wir sie dann wieder unterstützen können.

Written by medicus58

11. Dezember 2020 at 13:50

Humana: Black (est) Friday my ass

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In den letzten Jahren breitete sich – ungeachtet aller Warnungen vor Schein- und Lockangeboten – der Konsumköder Black Friday auch bei uns ungehindert aus. Ob man da wirklich vor dem Großen Weihnachtskaufrausch ein Schnäppchen kriegt, oder mit Restposten jemand sein Lager vor dem nächsten Rausverkauf leer kriegen will, tut nun mal nichts zu Sache.

Wenn der Hype nun auch die Humana erreicht, dann ist das schon ziemlich absurd, wenn man deren Missionstatement nachliest:

SCHULTER AN SCHULTER
MIT DEN ARMEN –
FÜR EINE GERECHTE WELT.

Durch Kleidersammlung und -verkauf… die Selbsthilfe-Kapazität der ärmsten Menschen der Welt, gegen Armut und Ungleichheit, durch Verbreitung von Wissen, Gesundheit, Schutz der Umwelt, Schaffung von Arbeit und Einkommen für jedermann.

Schaffung einer humanen Gesellschaft in einer einzigen Welt – das höchste Ziel.

Man kann das zwar alles gut finden, wenn die Ärmsten der Armen wenigsten mit ein paar abgelegten Fetzen am Konsumrausch mitmachen dürfen, nur stellt offenbar niemand mehr den Anspruch unverschuldete Armut an sich zu bekämpfen.

Written by medicus58

27. November 2019 at 23:15

Geht’s bei der (Standes-)Politik wirklich um so viel?

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bulls

Der US amerikanische Präsident verdient im Jahr 2015 (brutto) 436.065 Dollar, soviel verzockte der Pleitier Donald Trump zu seinen besten Zeiten innerhalb weniger Minuten.
Das kann also kaum der Grund sein, weshalb im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 beide Kandidaten jeden Rest menschlicher Würde verloren.

Im Jahr 2015 verdiente der österreichische Bundespräsident brutto 336.462 Euro.
War das ein hinreichender Grund dafür, dass sich beide (!!) Kandidaten im TV-Studio in unglaublicher Art selbst beschädigten:

Es kann nicht das Gehalt gewesen sein, weshalb sich der dritte Nationalratspräsident Hofer dazu hinreißen ließ, seinen Mitbewerber in ein familiäres Nazi-Eck zu rücken,
etwas wovor übrigens der nunmehr gewählte Bundespräsident auch gegenüber seiner Mitbewerberin Griss nicht zurückschreckte.

Auch wenn uns der Wiener Bürgermeister, der 2015 die „Mutter aller Schlachten“ unter enormen (Steuer-)mitteleinsatz gewonnen hat, noch im Dezember 2016 versicherte,
in aller „Pracht und Herrlichkeit“ dazustehen, ist ihm der Preis mehr als an zu sehen und in der wiener Stadtregierung scheint es zu einem Rien ne va plus gekommen zu sein.
So eine Art politisches Verdun.

Wir wollen alle hoffen, dass es Kandidaten darum geht, „ihre Vorstellungen umsetzen zu können“,
insgeheim befürchten wir aber ohnehin, dass es ihnen „um die Macht“ geht.

„Macht“, die augenblicklich Präsident Trump ganz exemplarisch durch das schamlose Ausnutzen von „Dekreten“ ausübt, lässt sich aber nur ausüben, wenn es die Strukturen zulassen.
Würde der Artikel II der US amerikanischen Verfassung nicht „Executive Orders“ erlauben, könnte Trump nicht andere demokratische Instanzen einfach ausschalten.
Man soll die Parallelität nicht zu weit treiben, aber ohne Möglichkeit der Notverordnung hätten die Nazis auch die Machtübernahme in den dreißiger Jahren geschafft.

Wir müssen also zur Kenntnis nehmen, dass es immer auch die vorbestehenden Strukturen sind, die ungebremste Machtausübung erst ermöglichen.
Das exkulpiert die um die Macht Ringenden nicht, aber während wir kopfschüttelnd den immer schärferen Selbstbeschädigungen in verschiedenen Wahlgängen zusehen,
sollten wir uns eher damit beschäftigen, weshalb das alles so leicht möglich ist.

Von der mehr oder weniger großen Politik zurück in die Niederungen der Standespolitik.

Nicht einmal zwei Monate vor der Ärztekammerwahl wird das Klima rauer (Der Anfang vom Wahl-fang https://medicus58.wordpress.com/2017/01/22/der-anfang-vom-wahl-fang/).

Und wieder („Mutter aller Schlachten“) scheinen sich die Protagonisten zu bemühen, ihre Kritiker zu bewahrheiten:
Mantra-artig erklärten uns die Gesundheitspolitiker, die den angestellten Ärzten jahrelang eine der europäischen Gesetzgebung konforme Arbeitszeitregelung vorenthalten haben,
dass die Proteste und Streiks nur Inszenierungen von Kammerfunktionäre wären, die sich im Vorwahlkampf  positionieren.
Selbstverständlich waren auch jede Kritik an ELGA und den PHCs nur Ausdruck des Kammerwahlkampfes und auch mit den Argumenten für den rezente Streik in vielen Ordinationen brauchte sich die Politik nicht auseinandersetzen,
„das war alles Vorwahlkampf für die Pfründe in der Ärztekammer“.

Weshalb ist das alles so? Weshalb folgen wir in der großen und kleinen Politik wie Lemminge den Prophezeiungen unserer Widersacher?

Ich will gar nicht versuchen, alle möglichen Ursachen aufzuzählen, aber zwei Punkte scheinen mir sehr wichtig:

Erstens sind wir alle durch Jahrzehnte der politischen Hirnwäsche („der Tüchtige setzt sich durch„) zu Einzelkämpfern mutiert und haben den Wert von Solidarität verlernt.
Wer glaubt es ohnehin selbst schaffen zu können, braucht die Unterstützung anderer nicht.
Bei uns Ärzten war das ohnehin immer schon ausgeprägt, sonst hätten wir uns kaum auch in isolierten (Land)praxen „Tag- und Nacht für unsere Patienten verantwortlich“ fühlen können;
Gesetze akzeptiert, die den Allgemeinmediziner (so er keinen Ärztenotdienst aufbaut) verpflichten Tag und Nacht ans Krankenbett zu eilen!
Selbst in großen Krankenhäusern gibt „der Kliniker“ selten zu, dass es sehr selten seine „Blickdiagnose“ war, die zur richtigen Diagnose und Therapie geführt hat,
sondern da im Hintergrund eine ganze Reihe anderer Fächern und nicht zuletzt die Pflege ganz wesentliche Beiträge leisteten.
Es gibt auch für die Mächtigen genug Gründe, alles zu tun, um Solidarität zu unterbinden („divide et impera„)

Zweitens sind auch Interessenvertretungen wie die Ärztekammern zu riesige Strukturen aufgebläht worden, in denen Machtausübung und Postenvergaben einen nicht unwesentlichen Sog auf viele ausüben.
Gebühren, Aufwandsentschädigungen, Entscheidungen in ausgelagerte Betriebe, politische und kommerziell nutzbare Kontakte, ….
Es wäre völlig falsch zu glauben, dass irgendwer ernsthafte Arbeit leisten kann, ohne dass er dafür auch gerecht entlohnt werden muss, aber es wäre auch blauäugig zu übersehen, dass gerade aufgeblähte, intransparente Strukturen Missbrauch begünstigen und Begehrlichkeiten wecken
und es sich innerhalb dieser Strukturen auch ganz gut leben lässt.

Wahlkampf ist Kampf, aber was sich augenblicklich in der großen und kleineren Politik unter dem Deckmantel demokratischer Auseinandersetzungen abspielt, verspielt am Ende die Demokratie und die Möglichkeit der Zusammenarbeit nach dem Kampf.
Es wäre schön, wenn wir nicht die Arbeit unserer Widersacher übernehmen würden und bei allen berechtigten und weniger berechtigen Meinungsverschiedenheiten am Ende weder demokratische Einrichtungen noch uns selbst beschädigen.

 

Zur Problematik demokratisch gewählter Interessensvertretungen am Beispiel der ÄK https://medicus58.wordpress.com/2015/07/08/zur-problematik-demokratisch-gewahlter-interessensvertretungen-am-beispiel-der-ak/

 

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Written by medicus58

1. Februar 2017 at 21:35

FART: Der reduzierte Wohlfahrtsstaat

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Wohlfartstaat

Bei kaum einer Befragung traut sich noch irgendjemand zu sagen, dass er darauf hofft, dass es ihm morgen besser gehen wird als heute.

Andererseits glaubt rechts wie links (und Bundeskanzler Faymann) an das wirtschaftliche Wachstum, das einmal angekurbelt uns wieder aus der Krise holen wird.

Eigentlich ein Widerspruch, oder sehe ich das falsch?
Sozialpolitisch haben wir jede Hoffnung aufgegeben, 
wirtschaftspolitisch sind wir optimistisch.
Oder anders ausgedrückt scheinen

Was König Willem Alexander der Niederlande in seiner Thronrede sagt: „Jeder, der dazu fähig ist, trägt die Verantwortung für sein Leben und seine Umgebung“ (http://derstandard.at/1381368219683/Niederlande-Abschied-vom-Wohlfartsstaat
war früher Hauptthema US-amerikanischer Konservativer und ist inzwischen zum Leitmotiv europäischer Politik geworden.

Was ich, als zugegebenermaßen gut verdienender Erwerbstätiger der durchaus für sich sorgen könnte, nur nicht verstehe, mit welcher Begründung ich in einen Staat und sein Sozialsystem mindestens zwei Drittel meines Einkommens einzahlen soll, wenn weder ich als Person, noch meine weniger begüterten Mitbürger etwas davon haben?

Höhlt Europa, das seinen sozialen Frieden und Aufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zuletzt einem solidarischen Wohlfahrtsstaat verdient, diesen weiter aus, dann bleibt wirklich nur mehr ein Furz, für den ich bald auch nicht mehr bereit bin einen Beitrag zu leisten.

Written by medicus58

11. Oktober 2013 at 17:44

Obama Care -oder wie sich eine Schicht verleugnet

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Jetzt ist das US-amerikanische Gesundheitssystem in vielen Aspekten nicht mit dem europäischen vergleichbar und beim Kampf um 
Obamas Gesundheitsreform (Obama Care) 
geht es (wie immer in ökonomischen und/oder politischen Diskussionen im Gesundheitssytem) mehr um prinzipielle gesellschaftliche Probleme als um die Medizin.

Trotzdem möchte ich -ohne den Versuch einer detailierteren Auseinandersetzung (siehe Links)- mit dem Problem kurz darüber reflektieren:

Prinzipiell geht es um die Frage, ob eine Gesellschaft ihre Mitglieder (per Strafe) verpflichten kann, sich solidarisch an der Gesundheitsversorgung aller zu beteiligen.

Es besteht kein Zweifel, dass Solidarität kurzfristig denen was bringt, die wenig haben und denen was kostet die mehr haben.

Da in praktisch allen Gesellschaften Kapitals (gerechter oder ungerechter Weise sei nun einmal dahin gestellt) sehr asymmetrisch verteilt ist und sich bei etwa 10% der Bürger konzentriert (USA: oberne 10% haben 60%), ergibt sich zwangsweise, dass durch solidarische Maßnahmen immer die Mehrheit der Bevölkerung profitiert.

Individualistische Ansätze, die eine Versicherungspflicht/Pflichtversicherung im Gesundheitswesen  als Bevormundung sehen, haben offenbar keine Probleme, dass sie zu einer KFZ Haftpflicht verdonnert sind, um Schäden, die sie anderen verursachen, abzudecken, also warum das Geschrei im Gesundheitswesen?

An dem Problem, weshalb also die Mehrheit der Wähler in demokratischen Ländern (aus der ökonomischen Unter- und Mittelschicht) gegen ihre offenkundigen Interessen mobilisierbar ist, haben sich schon viele den Kopf zerbrochen.

Ein rezenter und sehr popolärwissenschaftlicher, d.h. von vielem soziologischen Kauderwelsch befreiter Versuch ist Ulrike Herrmanns Buch: Hurra, wir dürfen zahlen: Der Selbstbetrug der Mittelschicht
(http://www.amazon.de/Hurra-wir-d%C3%BCrfen-zahlen-Mittelschicht/dp/393806045X) in dem sie zum Schluß kommt, dass 

einerseits in unseren Gesellschaften die wahre Verteilung des Kapitals so geschickt steckt wurde, dass sich (auch in Umfragen) viele des Mittelstandes nur einen kleinen Schritt von der Oberschicht entfernt wähnen und sich somit eher nach oben als nach unten solidarisieren und

andererseits in Krisenzeiten
die Angst des Mittelstandes aus seiner Position in die Unterschicht abzurutschen, so groß ist, 

dass er sich immer aggressiver von den 
illegalen Einwanderern, 
Immigranten,
Arbeitslosen,
Hilfsarbeitern,
alleinerziehenden Müttern,
Praktikanten und
projektfinanzierten Ich-AGs 
distanziert, um sich genen seinen eigenen Fall zu immunisieren
(„Die sind ja selber Schuld, mir kann das nicht passieren„). 

Bedenkt man aber die langfristigen Konsequenzen einer entsolidarisierten Gesellschaft (steigende Kosten durch zu späte Therapiemaßnahmen, steigende Ausgaben gegen individualkriminalität, steigende Kosten für Propagande, wenn Sein und Schein weiter auseinander driftet ,…), 
kommt Solidarität der gesamten Gesellschaft billiger.

Dazu passend, eine rezent veröffentlichte Studie zur  „sozioökonomische Struktur der PKV-Versicherten“ in Deutschland (http://www.wip-pkv.de/veroeffentlichungen/studien-details/studien-ansicht/detail/studien-uid/135.html) die zeigte, dass es nicht die „Reichen“ sind, die in Deutschland eine Privatversicherung haben: 
Nur 20 % aller PKV-Versicherten hatten im Jahr 2008 Einnahmen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze (4.012,50 Euro/Monat). Damit kann widerlegt werden, dass in der PKV hauptsächlich Personen mit hohen Einkommen versichert sind.

Diese Analyse wurde vom Wissenschaftlichen Institut der PKV erstellt, so dass die Autoren selbstverständlich zu einer anderen Schlußfolgerung kommen, als Sie hier lesen können:

Wer wirklich reich ist, pfeift auf eine private (Zusatz-)versicherung, der zahlt das alles ganz locker in bar, Solidarität kommt den anderen zugute. 

Solange die Mehrheit unserer (aber natürlich auch der US-amerikanischen) Gesellschaft nicht begreift, dass sie gegen ihre Interessen instrumentalisiert und manipuliert  wird, wird sie für die Kollateralschäden der Entsolidarisierung aufkommen müssen.

Links
http://de.wikipedia.org/wiki/Obamacare#Gesundheitsreform_2010 
http://www.bessereweltlinks.de/index.php?cat=9846&thema=Armut_und_Reichtum_in_den_USA 

Republikanische Sicht: 
Through legislative mandates, ObamaCare requires private citizens to purchase health insurance, involuntarily fund abortions, and pay for sex offenders to use Viagra under the threat of legal sanctions if they do not

If a mandate was the solution, we can try that to solve homelessness by mandating everybody to buy a house.“

http://www.conservapedia.com/ObamaCare

Böser Apfel: iPhone wird in chinesischen Sweatshops gebastelt

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Der fulminante Erfolg Apples (> 20 Millionen iPhones, > 9 Millionen iPads im 3. Quartal 2011 verkauft; + 142 % bzw. 183 % plus zum Vorjahr,  Netto-Gewinn  7,31 Milliarden US-$) wird durch zunehmende Berichte getrübt, dass die Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabrikshallen von Foxconn unmenschlich wären.
http://www.netzwelt.de/news/87614-gigantischer-verkaufserfolg-iphone-ipad-befluegeln-apple.html
http://www.foxnews.com/scitech/2012/01/30/apple-wrestles-with-its-china-problem/
http://de.wikipedia.org/wiki/Foxconn

Foxconn ist jetzt schon einer der größten Hersteller von Elektronik- und Computerteilen weltweit (HP, Dell, Apple. Nintendo (Wii), Microsoft ( Xbox 360 ), Sony (PlayStation), ….). 

Wie weiland der Sportartikel-Hersteller Nike (http://de.wikipedia.org/wiki/Nike_(Unternehmenhttp://www.youtube.com/watch?v=xVuScVCF1Ws) muss nun auch Apple erfahren, dass man zwar die Konsumenten zuerst durch Dumpingpreise gewinnen kann, aber sie auch wieder verstört, wenn (die Konkurrenz ?) aufdeckt, dass Dumpingpreise und Riesengewinne halt nur mit Ausbeutung (Kinderarbeit7-Tage-Woche, 12-Stunden-Schichten, … etc.) zu erzielen sind.

Es darf erwartet werden, dass Apple die bisherige PR Aktivitäten seines verstorbenen CEO verstärkt, die Werkshallen von Foxconn als Rehabilitationsseinrichtungen  darzustellen: http://www.youtube.com/watch?v=2gOu50HaEvs so wie Nike  das Sweatshop-Image wieder abzchütteln  konnte.

BTW: Nokia plant die Produktion seiner Smartphones auch nach Asien zu verlagern: http://derstandard.at/1328507179222/Handybauer-Nokias-Smartphone-Produktion-geht-nach-Asien

ABER sind denn die elektronischen Gadgets wirklich das wesentliche Problem?

Natürlich nicht, auch wenn der Wettbewerb der Telekom-Anbieter und der ORF es vielen leicht macht, jedes Jahr guten Gewissens ein neues Handy in Empfang zu nehmen. Das alte 0-Euro-Handy landet dann in der Ö3-Wundertüte und bringt „Licht-ins-Dunkel“.

Dass der Wohlstand der ersten Welt u.a. auf der Ausbeutung der Zweiten und Dritten Welt beruht, ist schon eine Binsenweisheit, ABER

ich möchte hier einen offenbar gänzlich übersehenen Aspekt anführen, der vielleicht auch nicht ganz-so-professionelle-Gutmenschen zum Nachdenken bringen könnte:

Könnten wir uns unser Gemüse noch leisten, wenn es nicht von schwarz beschäftigten Nordafrikanern in Südspanischen Gewächshäusern geerntet würde?

Könnten wir uns unsere T-Shirts bei C&A und Co. noch leisten, wenn sie nicht in sweatshops genäht worden wären?

Gibt is irgendeinen Artikel im nächsten 1-Euro-Shop, der nicht auch China kommt?

Natürlich nicht, aber Sie werden vielleicht einwenden, wenn wir die Fabrik in China schliessen, wenn wir die Nordafrikaner wieder gegen Süden jagen, dann gehts denen doch noch schlechter als jetzt …

Schon, schon, kurzfristig sicherlich, nur ist das die Logik der afrikanischen Monokulturen, die zuerst ein paar Afrikanern einen Job einbrachten und dann den Boden für Jahrzehnte auslaugten, so dass die Einheimischen zum Schluss weder Job noch Landwirtschaft hatten.

Alles alte Hüte, ich weiß, ABER haben Sie sich schon einmal überlegt, dass uns unsere Gesellschaftsform nur noch überlegen vorkommt, WEIL MAN UNS NOCH MIT IMMER BILLIGEREN VERBRAUCHSGÜTERN MUNDTOT MACHT! WEIL WIR NICHT HINTERFRAGEN WOHIN DER WIRKLICHE REICHTUM FLIESST, SOLANGE WIR UNS UNSERE LECKERLIS NOCH LEISTEN KÖNNEN.

Würden wir nicht mehr Solidarität mit Arbeitern in Sweatshops empfinden, hätten wir verstanden, dass auch wir ausgebeutet werden. 
Zugegeben ist der Konsum billiger (aber oft wenig haltbarer) Güter kurzfristig angenehmer als einen 16-Stunden-Tag in einer überhitzen Fabrikshalle zu verbringen, aber am Ende kommt es auf das Gleiche heraus: Beides ist zum Scheitern verurteilt:
Irgendwann wird auch der Sweatshop-Arbeiter mehr Geld verdienen müssen, weil in seiner Umgebung alles teurer wird und irgendwann werden wir uns die Transportkosten nicht mehr leisten können.

Oder ganz einfach:
BEI UNS IST NICHT MEHR DIE RELIGION OPIUM FÜR DAS VOLK SONDERN DIE UNNATÜRLICH BILLIGEN KONSUMGÜTER. „DROGEN“ SIND BEIDES und g’sund, also g’sund ist das alles nicht mehr.

Angeblich sind wir aus dem Paradies vertrieben worden, weil wir in einen Apfel gebissen haben …. ich kann dazu nicht viel sagen, denn ich war da nicht dabei, aber heute ist nicht nur der Apfel böse …

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 11:40

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