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ÖSG: Warum einfach, wenn es doch auch kompliziert geht

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Es ist schon fast fünf Jahre her, seit ich mich hier unter dem Titel Die planlose Planwirtschaft im Gesundheitswesen mit einem weitgehend unbekannten Instrument der österr. Gesundheitsplanung beschäftigt habe; dem ÖSG.
Nein, ich meinen nicht das Ökostromgesetz, die Österreichisch-Schwedische Gesellschaft, die Österreichische Sportwissenschaftliche Gesellschaft und auch nicht die Österreichische Statistische Gesellschaft, ich meine den Österreichischen Strukturplan Gesundheit.

1996 haben sich Bund und die Länder auf eine überregionale Krankenanstaltenplanung (einschließlich einer Planung der Großgeräte) geeinigt und seit 2006 heißt dieses Planspiel Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG).

Der Plan wird nun im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur (BGA) erstellt. Die BGA ist ein auf Basis der Vereinbarung gemäß Artikel 15a Bundesverfassungsgesetz über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens mit (BGBl. I Nr. 105/2008) errichteter öffentlich-rechtlicher Fond mit eigener Rechtspersönlichkeit, dessen Geschäftsführung dem „Gesundheitsministerium“ obliegt.
(Anm: Die Gänsefüßchen deshalb, weil man im Gesetzestext schon dafür vorgesorgt hat, dass irgendwann einmal die Gesundheitsagenden auch woanders landen könnten.)

Also, der BGA ist eine unter der Kontrolle des Gesundheitsministers stehender Fond, hat mit der Bundes-Zielsteuerungskommission ein Steuerungsgremium, dem je vier Vertreterinnen/Vertreter des Bundes, und der Sozialversicherung sowie neun Vertreterinnen/Vertreter der Länder angehören, und vergab die Erstellung dieses Plans seither stets an die Gesundheit Österreich Ges.m.b.H. (GÖG).
Ob dieses Karussell geschaffen wurde, um den „Gesundheitsminister“ zu behindern oder die politische Veranwortung für das Ergebnis hinter scheinbarem Expertenwissen zu verbergen, mag nun jeder selbst entscheiden! 

Beim GÖG handelt es sich um ein am 1. August 2006 per Bundesgesetz errichtetes nationales Forschungs- und Planungsinstitut für das Gesundheitswesen dessen Alleingesellschafter der Bund, vertreten durch – erraten – den Bundesminister für Gesundheit ist. Das GÖG entstand natürlich nicht aus dem Nichts, sondern vereinigte das 1973 gegründete Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) und den 1998 gegründeten Fonds Gesundes Österreich (FÖG). Im Gesundheitsqualitätsgesetz hat man da auch gleich ein Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG) dazu gepackt, dem, natürlich wieder im Auftrag des Bundes,  die Entwicklung, Umsetzung und regelmäßige Evaluation eines gesamtösterreichischen Qualitätssystems obliegt, das den Prinzipien Patientenorientierung, Transparenz, Effektivität und Effizienz zu folgen hat. 
Ja, und damit man sich auch noch etwas Geld verdienen kann, stehen für andere Auftraggeber noch GÖG-Töchter zur Verfügung (GÖ Beratungs GmbH, GÖ Forschungs- und Planungs GmbH). Dass es dabei mitunter Diskrepanzen zum eigenen ÖSG gibt, wird noch einmal zu diskutieren sein …
Verfassungsgemäß kann der Bund aber nur Rahmenvorgaben beschließen, die Umsetzung in Regionalen Strukturplänen (RSG)  obliegt den Bundesländern und auch hier stolperte man immer wieder über massive Diskrepanzen zwischen ÖSG und RSG in diesem föderalen Sandkastenspiels! Kein Wunder, als einziges Grundlage zur Intervention hat der Bund die 15a Vereinbarungen und (rein theoretisch) die Steuergelder, die er in diesen Bereich fließen lässt. Da wir aber keine Finanzierung aus einer Hand haben, findet jeder Mitspieler genug Regler, an denen er das Endergebnis in seinem Sinne oder in Richtung seiner Hinter“personen“ zu modifizieren.

Der Bedarf nach einer Steuerung wurde seit Jahrzehnten gesehen und ebenso lange erfolgreich vereitelt.

In den 1970er-Jahren wurde vor allem der bundesweite Bedarf an Spitalsbetten und ab 1996 auch an medizinisch-technischen Großgeräten vorgeschrieben, dann ging der ÖSG in immer mehr Details der intramuralen (also stationären) Versorgung, um in den letzten Jahren immer stärker auch den extramuralen (ambulanten) Bereich zu planen.

Der ÖSG umfasst neben dem stationären Bereich (landesgesundheitsfondsfinanzierte Spitäler, Unfallkrankenhäuser und Sanatorien) auch den ambulanten Bereich (niedergelassene Ärztinnen/Ärzte, selbstständige Ambulatorien), die Rehabilitation und die Übergänge zur Langzeitpflege. Dabei enthält er quantitative Planungsaussagen (z.B. Anzahl der Betten pro medizinische Fachrichtung, zeitliche Erreichbarkeit eines Spitals) und qualitative Angaben (z.B. personelle Ausstattung einer Abteilung, Mindestausstattung eines Spitals als Voraussetzung für bestimmte Eingriffe).

Im Medienauftritt des Ministeriums (https://www.gesundheit.gv.at/gesundheitssystem/gesundheitswesen/planung) liest man überhaupt nur vom ÖSG 2012, die Draftversion aus 2016 ist irgendwo verreckt, aber die von 2017 hat es in sich. Man gewinnt den Eindruck, dass das Gesundheitsministerium Zähne zeigen will. Leider entledigt er sich aber wieder primär der im System wirklich Arbeitenden:

Das ÖBIG nimmt für seinen ÖSG den Rang einer verbindliche Planungsgrundlage für die österreichische Gesundheitsversorgungs und die Qualität eines  objektivierten Sachverständigengutachten in Anspruch, obwohl u.a. Ärzte (die Ärztekammer) in dem Gesamtprozess gerade einmal die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt wird. 

Mit der beabsichtigten Beschlussfassung und Veröffentlichung im RIS bekommt das Ding de facto Verordnungsrang, obwohl es mehr das Resultat ökonomischer und gesundheitspolitischer Strippenzieherei der Länder ist, als ein auf medizinische Evidenz fußende Versorgungsplanung.

Der Versuch von der Fokusierung auf ein paar Großeräte und das Krankenbett hin zu einer Gesamtschau wäre zwar begrüssenswert,
nur ist das Zahlenmaterial für den extramuralen Bereich noch schlechter als in den Krankenanstalten und die daraus abgeleiteten Planungsvorgaben zum Teil haarsträubend.

Halten wir also fest, damit das „Gesundheitsministerium“ den Bundesländern und anderen Gesundheitsdienstleistungsanbietern vorschreiben kann, wie die Gesundheitsversorgung in Österreich aussehen soll, errichtete es auf Basis einer miserablen Datenqualität eine überkomplexes politisches Konstrukt, dass sich der Kritik immer mehr der internen Kritik der im System arbeitenden Experten entzieht aber trotzdem für sich den Rang eines objektivierten Sachverständigengutachten in Anspruch nimmt.
Das kann nicht einfach nur passiert sein, dahinter müssen sehr potente Interessen stecken …

 

PS: Diagramm aus dem RH

Written by medicus58

24. Mai 2017 at 17:41

Es tut sich was, nur was? Spitäler im Um- und Abbau

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Gestern wurde von der Wiener Gesundheitsplattform der, von Ebner Hohenauer Consult erstellte Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG) beschlossen.
http://www.pr-inside.com/de/gesundheitsplattform-beschloss-formell-das-r3251724.htm

Der RSG sieht eine Reduktion von 667 Betten (10.487 – 9.820)  vor und
verschreibt eine Fallkonzentration (d.h. nicht alles darf überal angeboten werden).
2020 sollen nur mehr sieben städtische Spitäler (AKH Wien, Donauspiel, Wilhelminenspital,  Krankenhaus Hietzing, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Rudolfstiftung und das (noch zu bauende) Krankenhaus Nord) exitieren.
Kaiserin-Elisabeth-Spital, Sophienspital, Otto-Wagner-Spital, Orthopädisches Krankenhaus Gersthof, Semmelweisklinik, und Krankenhaus Floridsdorf werden geschlossen.
Wie bereits in der Vergangenheit werden immer mehr Leistungen aus dem Bereich des Wiener Krankenanstalten Verbundes in den Bereich der privat (meist kirchennahe) geführten Spitäler verlagert.

Ebner Hohenauer Consult fuhrwerkt auch in der Steiermark (http://wp.me/p1kfuX-cv ) und hat nun eine komplette Umgestaltung der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (Kages) geplant. Im Mittelpunkt steht hier die Dezentralisierung des Spitalsmanagements.

Ein  Zweiervorstand soll sich um die strategische Ausrichtung des steirischen Spitalwesens bemühen,  vor Ort werden  vier regionale Ergebnis-Center mit umfangreichen Machtbefugnissen, eigenen Budgets und Zielvorgaben ausgestattet. Flapsig textet die Kleine Zeitung: Das neue, regionale Management reicht übrigens so tief ins tägliche Spitalsleben, dass man einzelne Posten nicht mehr für ein Spital definiert, sondern:
Ein Hausmeister könnte für eine ganze Region verantwortlich sein.

Zwischen dem Vorstand und den regionalen Zentren installiert man einen medizinischen Fachbeirat mit den Ärzten und Pflegedirektoren aus den neuen Ergebnis-Zentren, was ein Gegengewicht zur Machtfülle der Betriebsdirektoren darstellen und eigene medizinischen Vorstände einsparen soll.
http://www.kleinezeitung.at/steiermark/fuerstenfeld/3052875/bei-steirischen-spitaelern-bleibt-stein-dem-anderen.story

Fassen wir zusammen:

1.) Es soll weniger Spitalsbetten geben und die verbleibenden werden in zunehmenden Ausmaß bei private Betreiber lokalisiert
Hier soll nicht erneut in das Lieblingsthema aller Gesundheitsökonomen abgeglitten werden: Das Krankenhausbett.
Es steht außer Streit, dass Östereich und Deutschland mehr Spitalsbetten hat als viele vergleichbare Länder, nur stellt sich die halt die Frage ob das „Bett“ wirklich den richtige Parameter darstellt, auf den sich die Spitalsökonomie konzentrieren soll [da wird wieder heftiger Widerspruch von Kollegen Pichlbauer erwartet 😉 ] oder es halt nur der Puffer für viele Unzulänglichkeiten der Medizinischen Versorgung ist.
Auch zur Verschiebung des Leistungsangebots in den Bereich der Ordensspitäler könnte man doch meinen, dass dagegen ja nichts einzuwenden ist:

Zur Zukunft des LKH Graz West in Verbindung mit einer eventuellen Übernahme durch das Ordensspital der Barmherzigen Brüder erklärte Edlinger-Ploder ausdrücklich, dass es dabei „um keine Spitalsprivatisierung handelt, sondern um eine Neuordnung des Angebotes“. http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/3045191/36-spitalsfragen-landtag.story

Es stimmt natürlich, dass eines der Hauptargumente gegen private Spitalsbetreiber dort nicht gilt:
Der Private muss im Gegensatz zur öffentlichen Hand soviel einsparen, dass sich für ihn auch noch ein Gewinn ausgeht, koste es was es wolle.
Wenn der Gewinn das Paradies ist, dann kann das Ordensspital aber mit einer schwarzen Null leben,
NUR
stellt sich halt die Frage, ob wir es wollen, dass das falsche oder ein fehlendes religiöse Bekenntnis mitentscheidet,
ob Arzt oder Pflegekraft in einem Ordensspital eine Anstellung bekommen oder nicht,
ob unsere Dialyse unter einem Kruzifix stattfindet oder – wenn ihnen das zu ideologisch und zu wenig ökonomisch ist –
wir die öffentliche Hand, die (mir zumindest) ca 75% meiner Einnahmen abnimmt, nicht für dieses Geld verpflichten sollten ihrer typischen staatlichen Aufgaben nachzukommen.

2.) Durch eine zunehmende Zentrumsbildung, wird man sich als Patient für viele Krankheiten den Standort suchen müssen, an dem man behandelt wird bzw. viel im Krankenwagen herumzufahren
Auch die Qualitätssteigerung durch Schwerpunktbildung ist ein Mantra der Gesundheitsökonomie, dem auf den ersten Blick nicht zu widersprechen ist.
Wer sich spezialisiert wird indiesem Punkt besser, aber wie ich bereits in dem Blogeintrag Fordismus im Spital ( http://wp.me/p1kfuX-gf )  ausgeführt habe, konzentriert sich dieser Ansatz nur auf den manuellen Teil der medizinischen Leistungserbringung (Operationen, Herzkatheter, Mammografie….) und negiert die Erforderniss eines Breitenwissens für den diagnostischen Prozess an sich. Dieser wird finanziell nicht adäquat abgegolten, so dass das System selbst Anreize für oft nicht indiziertes Tun gibt.
Ganz krass sind dabei Modelle, wie sie in Deutschland vereinzelt schon existieren, dass -da man einem Facharzt ja nicht verbieten kann eine einzelne, indizierte Bandscheibenoperation durchzuführen-   zum Beispiel erst am 15 Einzelleistung eine Bezahlung erfolgt. D.h. macht der Arzt im Verrechnungszeitraum nur 14 Eingriffe, dann bekommt er nichts, macht er 15 oder mehr, dann bekommt er alle, also auch die ersten 15 Eingriffe refundiert.
Was da passiert haben wir bei der LKF Codierung gesehen, wo vor allem die Ordenspitäler ihre Ärzte verpflichtetem, die lukrativste Diagnose oder Diagnosenkombination zu melden. Plötzlich hatten wir einen Zuwachs an Geburten bei Diabetikerinnen, da jede kleine Verfärbung am Harnstreiferl die Diagnose Diabetes nach sich zog.
Der Gesundheitsökonom wird zu Recht einwerfen, dass man da eben eine Qualitätssicherung bräuchte, nur die gab’s halt nie.
Kehren wir zurück zum Beispiel der Bandscheibenoperation. Es ist Dezember, sie kommen mit ein bißchen Lumbago vom Packerlschleppen zum Neurochirurgen und der weiß, dass er heuer erst 14 OPs durchgeführt hat ……

Was völlig in diesen Planspielen untergeht, ist die medizinische Diagnostik (Pathologie, Labor, Röntgen, …). Es macht keinen Sinn Schwerpunkte zu definieren, ohne auch die zentralen Dienste mit entsprechendem Gerät, Personal und Expertise auszustatten.
Pläne, dass es ja auch ausreicht, wenn ein Pathologe für die intraoperative Gefrierschnittdiagnostik anreist, wie es in vielen „effizient“ geführten kleineren Häusern Usus ist, sich aber dann die OP verlängert, weil der Kollege leider im Stau steckt, oder eine Telemedizinische Diagnostik, wo er zwar das Schnittpräparat am Bildschirm, nicht jedoch das ganze herausoperierte Konvulut sehen und betasten kann, sind nicht Ausgeburten MEINER Phantasie sondern punktuell selbst erlebt. Auch die bildgebenden Diagnostik wird im anglikanischen Raum an Radiologen in Indien ausgelagert, die zwar die digitalen Bilder in optimaler Qualität sehen können, aber nie den Patienten selbst gesprochen oder angegriffen haben.

3.) Die Verantwortung der öffentlichen Hand für das Gesundheitssystem wird von dieser immer stärker delegiert
Neben meinem Unverständnis, weshalb wir in einem Land mit einer der höchsten Abgabenquoten von unserem Staat nicht verlangen können, dass er die verfassungsgemäße Verantwortung für das Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen übernimmt, muß man auch die Frage stellen, bei wem denn die Letztverantwortung bleibt und weshalb sich die operativ tätigen Ärzte und Pfleger (gendern Sie wenn Sie wollen) sich das noch gefallen lassen.

4.) Bisherige Reformen in den Krankenanstaltenverbünden führten stets zu einer Verschiebung des Personals vom Kerngeschäft hin zur Verwaltung
Wie im KAV, so auch in den anderen Verbünden, ziehen die Verwaltungsstrukturen immer mehr Personalressourcen an sich, agieren zunehmend immer hektischer und diktatorischer, verschanzen sich aber gleichzeitig hinter der scheinbaren Alternativlosigkeit der den privaten Consultingfirmen diktierten Strukturpapieren.
Der Abbau von Stellen im Kerngeschäft beginnt beim Einsparen von ärztlichen Direktoren und führt weiter zum Einsparen von Abteilungsvorständen. Angesichts der grundgehälter dieser Positionen kann es hier nicht um eine relevante finanzielle Einsparung gehen;
Hier geht es darum, diejenigen, die noch relativ nahe am operativen Geschäft sind und mit sachlich fundierten Einwänden so manches Schreibtischkonzept entzaubern zu können, aus dem Weg zu räumen.
Der Beitrag „ökonomischer Aufpasser“ bestand meist in einem Mehr an EDV, durch das man glaubte, Personal einsparen zu können (http://www.hg2.at/166/news/sie-wurden-gekoblmuellert/). In Wahrheit band es noch mehr Kräfte des Kerngeschäfts und behinderte die Arbeit des verbliebenen Personals.

Ob diese Kluft zwischen „Generälen und der Truppe“ den „Kampf“ um ein effizientes und dem ökonomischen Stand unserer Gesellschaft angepasstes Gesundheitssystem zuträglich ist?
Nein!
Ist dieser Prozess dann wenigstens gestoppt, wenn man die angeblichen Spitzenverdiener unter den Ärzten los ist?
Nein!
Er geht weiter:
Nach der „Akademisierung“ der Medizinisch-Technischen-Dienste und der Zusicherung der „eigenverantwortlichen (d.h. ohne ärztlichen Anordnung erlaubten) Berufsausübung“ im letzten MTD Gesetz, hat BuMin Stöger nun eine Novelle des nun MAB-Gesetzt getauften Regelwerkes im Köcher, wo es z.B. erlaubt sein wird, dass Computertomografen und Magnetresonanztomografen auch von „angelerntem Personal“ betrieben werden dürfen, wenn dieses unter der Aufsicht von EINEM Radiologietechnologen steht, möglicherweise wie im obigen Beispiel des Hausmeisters:
Bald genügt auch ein Radiologietechnologe für die ganze Steiermark.
http://www.radiologietechnologen.at/

Nachtrag 3.7.2012: Auch in geht die Spitalszusammenlegung (Salzkammergut Klinikum) mit „eingesparten“ Kollegialen Führungen weiter:
http://www.salzi.at/2012/07/aus-den-krankenhausern-bad-ischl-gmunden-und-vocklabruck-wird-das-klinikum-salzkammergut/

Written by medicus58

29. Juni 2012 at 18:08

Warum wir die Medizin nicht Ökonomen überlassen dürfen, auch wenn es schon zu spät ist

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Kürzlich feierten sich die wesentlichen Planer unseres Gesundheitssystems und ihren
Beschluß eine Gesundheitsreform abschliessen zu wollen nahezu besinnungslos.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=68260

Sehen wir einmal von ein paar in eigener Sache agierenden und politisch gut vernetzten Gesundheitsökonomen wie Herrn Dr. Köck (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53877) ab, werden Ärzte zur Entwicklung des Gesundheitssystems nicht mehr gefragt.
Selbst wenn man in zum Teil verständlicher Verärgerung über deren Standesvertretung (Ärztekammer), auf deren Mitsprache der Einfachheit lieber verzichtet – während die Wirtschaftskammer selbstverständlich ein wesentlicher Player bleibt – erklärt das nicht, weshalb man glaubt, auch ohne der Expertise der in der täglichen Routine arbeitende Ärzte auskommen zu können.

Außer

Ja, außer wenn man jedes Fachwissen automatisch als parteiisch desavuiert und – wie ja auch in anderen Bereichen des Lebens – ausschließlich auf den schneidenden Geist des Managers vertraut.

Ein Beispiel wäre der aktuelle Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG) für Wien, der am Schreibtisch von Ebner Hohenauer HC Consult | Consulting entstand,
von der Landespolitik noch an die aktuellen „Freundeskreise“ angepasst
aber selbstverständlich nicht mit den eigenen Ärzten/Abteilungsleitern diskutiert wurde.
Ganz im Gegenteil bis zur Beschlussfassung in zwei Tagen wird das Papier selbstverständlich geheim gehalten.

Umschichtung der Betten aus den öffentlichen Spitälern in den privaten Bereich Schließungen von Abteilungen Verlagerung von Großgeräten ohne entsprechenden Infrastruktur Zentrumsbildung ohne Bereitstellung der erforderlichen Infrastruktur Kommentarlose Rücknahme von bereits zugesagter Verlagerung von Abteilungen und Verlagerung von Abteilungen und neue Verlagerungen ohne Rücksprache mit den beteiligten Abteilungen … 

Alles zu managen auf Grund der (auch schon hier diskutierten) miserablen Datenlage des vorhandenen Zahlenmaterials aus der eigenen EDV.

Es ist selbstverständlich klar, dass strategische Entscheidungen von oben fallen müssen, nur wenn dies ohne ausreichender Information passiert, ist das fatal.

Aber wer ökonomisch denkt, der kennt das Pareto Prinzip: http://de.wikipedia.org/wiki/Paretoprinzip

Das Paretoprinzip, benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923), auch Pareto-Effekt, 80-zu-20-Regel, besagt, dass 80 % der Ergebnisse in 20 % der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse benötigen 80 % der Gesamtzeit und verursachen die meiste Arbeit.

Und das lehrt der Ökonom,
da schwärmt der Manager,
dass man auch mit beschränkten Mitteln, den Großteil der Arbeit leisten kann.

Kritik aus dem Gesundheitsbereich wird dann als „Winken mit dem Leichentuch“ abgetan,
nur unterscheidet sich der Umgang mit Kranken halt von der Fließbandproduktion dadurch,
dass
Restriskio individuelles Leiden bedeutet.

Wenn ich halt nur 80% meiner Überschußproduktion zusammen bringe, dann deckt das in unseren Breiten ohnehin den Bedarf um ein Vielfaches;
Wenn ich nur 80% der Patienten kompetent betreue, dann werde ich bis zu 20% der Bevölkerung invalidisieren.

Drum ist das Pareto Prinzip im individuellen Zeitmanagement hilfreich, aber die, die es im Gesundheitssystem anwenden, halte ich für Verbrecher.
Aber wieder zurück zur Wikipedia:
Die Pareto-Verteilung beschreibt das statistische Phänomen, wenn eine kleine Anzahl von hohen Werten einer Wertemenge mehr zu deren Gesamtwert beiträgt als die hohe Anzahl der kleinen Werte dieser Menge.
Vilfredo Pareto untersuchte die Vermögensverteilung in Italien und fand heraus, dass ca. 20 % der Familien ca. 80 % des Vermögens besitzen. Banken sollten sich also vornehmlich um diese 20 % der Menschen kümmern und ein Großteil ihrer Auftragslage wäre gesichert.

Und zum Schluß der Literaturhinweis: Koch, Richard: Das 80/20-Prinzip. Mehr Erfolg mit weniger Aufwand

Alles kein Problem, solange die Ärzte nicht erkennen, dass für ihre Prozessverantwortung 100% schlagend werden, halt doch ein Unterschied zu Ökonomen und Manager ..

Link: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67919
Abb.: Turiner Leichentuch http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Turin_shroud_negative-positive.JPG&filetimestamp=20090621233138

Die planlose Planwirtschaft im Gesundheitswesen

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Vor 16 Jahren, also 1996 haben sich der Bund und die Länder auf eine überregionale Krankenanstaltenplanung (einschließlich einer Planung der Großgeräte geeinigt und 1997 eine „Leistungsorientierte“ (=Diagnosengesteuerte) Krankenhausfinanzierung eingeführt. (http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsorientierte_Krankenanstaltenfinanzierung)

Die Politik leistete sich (formal unabhängigen) Think Tanks (ÖBIG heute GÖG, LBI HTA, … http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31614),
um sich hinter einer „Expertenmeinungen“ verstecken zu können.

Seit 2006 heißt dieses Planspiel Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG), der das Land in eine Reihe von Versorgungsregionen aufteilt und bestimmte Vorgaben definiert was, wo anzubieten ist. Der Idee lag u.a. auch ein Aufbrechen der Bundesländergrenzen zugrunde, um hinlänglich bekannte Doubletten an den Bundesländergrenzen (z.B. KH Hainburg, KH Kittsee (http://www.noen.at/news/politik/Spitaeler-Hainburg-Kittsee-VP-NOe-will-mehr-Kooperation;art150,349847) abzubauen.
Natürlich ist das ÖBIG/GÖG ein politisches Instrument, das sich zwar gern der Expertise der einzelnen medizinischen Experten bedient, aber letztlich doch tendenziell „gutachtet„, was von ihm politisch verlangt wird. Der relative Vorteil war jedoch, dass letztlich über eine österreichweite, einheitliche Planung gesprochen wurde (auch wenn z.B. die Spitalslandschaft von Linz bisweilen sehr kreative Definitionen nach sich zog …) und im Osten die gleichen Richtzahlen galten, wie im Westen. Naja, manchmal wurden „kreativen Formulierungen“ gefunden, wenn ein Landesgesundheitsreferent rülpste oder „intelligent korrigiert“, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen geändert haben.

Wie ein rezenter Presseartikel darstellt (http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/754718/Laenderpakt_Es-war-einmal-ein-Krankenanstaltenplan) hat sich aber die Diktatur des Länder durchgesetzt, und vor dem großen ÖSG werden nun viele kleine Regionale Strukturpläne Gesundheit (RSG) geschrieben (Maria Rauch-Kallat fecit, die vom Grafen, aber keine Sippenhaftung)
Die Detailplanung erfolgt in den Gesundheitsplattformen der Länder (Ärzte haben hier übrigens überhaupt nichts mehr zu reden) und ergeben die Regionalen Strukturpläne. Der ÖSG gibt nur mehr einen „gewissen Rahmen“ und Strukturqualitätskriterien (SQK) vor.

Was der Presseartikel nicht anspricht sind zwei wesentliche Punkte:

Erstens schert sich niemand mehr darum, ob die Vorgaben im ÖSG eingehalten werden:
Konkret werden z.B. Großgeräte betrieben oder Abteilungen geführt, auch wenn diese gar nicht im Plan vorgesehen sind, aber auch – seit die Finanzkrise auch im Gesundheitssystem angekommen ist – Großgeräte, die im ÖSG vorgeschrieben sind, einfach nicht angeschafft, oder SQK negiert „weil eben kein Geld da ist“.
Während früher der ÖSG von uns Ärzten eher negativ gesehen wurde, da er benützt wurde um bestehende Strukturen abzudrehen, wäre er jetzt hilfreich, um wenigstens einen Minimalbestand durch ausreichende Reinvestitionen zu sichern. Da ihm aber keinerlei „Rechtskraft“ zukommt, ist er für die Schuppentiere, oder wie Bronner und Qualtinger einst über die
Sinnhaftigkeit der Krankenkassen in der Not witzelten:

FREUND Der Körper ist ein Haushalt. Und die Krankenkasse …
TRAVNICEK … steckt’s Haushaltsgeld ein.
FREUND Ja – aber in der Not wird auch wirklich etwas geleistet.
TRAVNICEK Ja – Beiträge.

Der zweite Punkt, der in dem Presseartikel vergessen wurde, ist die Art und Weise, wie die Regionalen Strukturpläne erstellt werden:

Selbstverständlich werden diese Leistungen ausgeschrieben und von wirklich unabhängigen Experten entwickelt.  LOL

Während in früherer Zeit weisungsabhängige Beamte derartige Berechnungen anstellten und
in der nächsten Phase der scheinbaren Objektivierung von fast ausschließlich für die Behörde arbeitenden Think Tanks betraut wurde,
bedient man sich nun verschiedener privatwirtschaftlicher Consulter.

„Prima“, mögen unsere Neolibs ausrufen, „endlich Schluß mit der Packelei!“

Doch gemach, gemach … alles Fassade.
Die Politik bedient sich (bewußt oder unbewußt) hier ihrer Totengräber, oder wie Lenin sagen würde:
Die Totengräber bedienen sich ihrer „nützlichen Idioten“.

Nehmen wir als Beispiel den RSG Wien:

Erstellt wird er heuer durch EBNER HOHENAUER HC Consult http://ehc.co.at/ erstellt.

Offenbar ist man mit den Konsultationen zufrieden, weil sich der Wiener Krankenanstaltenverbund KAV schon für den Neubau des Krankenhaus Nord durch Ebner Hohenauer beraten läßt.
Also merke, die selbe Agentur berät bei der Errichtung eines Spitalsprojektes und gleichzeitig „achtet sie gut“, wie die Gesamtversorgung in der Region durch alle anderen Krankenhausbetreiber (Vinzenz, Barmherzige Brüder, Unfallkrankenhäuder ….) auszusehen hat.

Für wen das keine Unvereinbarkeit ist, der möge sich die anderen Projekte der Firma anschauen. Ebner Hohenauer HC hat auch schon die
RSGs der Steiermark und Vorarlbergs,
sowie Spitalsplanungen in Kärnten, Oberösterreich und Salzburg abgeliefert
:

Mit anderen Worten hat man dort schon einen guten Einblick in das Zahlenmaterial des Österr. Gesundheitswesens, für den andere einen guten Draht zu Anonymous haben müssten …

Dieses Wissen kommt der Firma zu nutze, wenn sie „private Gesundheitsdienstleister“ berät, wie sie noch stärker in diesen Markt eindringen können.

Beispiele gefällig:

Wirtschaftskammer
Oberösterreich Studie zu den Optimierungspotenzialen im Gesundheitssystem in Oberösterreich 2003
Verkauf des LKH West an die Ordensspitäler der Barmherzigen Brüder und/oder der Elisabethinen
Health Care Company
, Wien Wirtschaftliche und medizinische Machbarkeitsuntersuchung einer Neuausrichtung eines öffentlichen Krankenhauses in privater Trägerschaft in Wien 2002 – 2003
Bad Gleichenberg Therapie und Thermen AG Beratung der Neukonzeption, Neuerrichtung und Betrieb (Kurbetrieb und Kurhotel)

HCC, Gleichenberg, aber hallo!

Da schließt sich der Kreis zum neuen Aufsichtsgremiumsmitglied des KAV, den Herrn Prof. Köck mit seiner Health Care Company (https://medicus58.wordpress.com/2012/03/11/wer-macht-da-den-kock-zum-gartner/).

Wir erinnern uns an den eifrigen Privatisierer (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53958), der mit Haselsteiners (STRABAG) auch gern mit Raffeisen die Therme Bad Gleichenberg entwickelt hat
und mit Ebner die Beratungsfirma Koeck Ebner & Partner gegründet hat.
Wie ebenfalls auf diesem Blog berichtet, hat sich Köck aus der Firma, die dann in Ebner Hohenauer HC umgetauft wurde, erst zurück gezogen, als sich die steirischen Medien wegen der schlechten Optik aufgeregt haben.

Aber in Wien interessiert das kein Schwein!

In Wien lassen wir Köck im KAV aufsehen, seine Ex-Partner das Spital Nord planen und den RSG schreiben (der natürlich zuerst über den Schreibtisch des Generaldirektors und der Stadträtin geht, eher er veröffentlicht wird).
Das nenne ich Transparenz!

Aber das alles wird bald Makulatur sein, weil sich
im Wiener Gesundheitssystem die Langzeitplanung nahezu minütlich ändert.

Mit großem medialen Aufwand und Vorauseilendem Kotau der Grünen Gesundheitssprecherin Dr. Sigrid Pilz (https://medicus58.wordpress.com/tag/sigrid-pilz/) hat Gesundheitsstadträtin Wehsely Wiener Spitalskonzept 2030 http://www.argev-wien.at/uploads/Aktuelles/2011/Handout_Spitalskonzept2030.pdf ) präsentiert.

Zum Thema des Otto Wagner Spitals (vulgo Steinhof) wurde verkündet, dass ein Teil ins noch zu bauende KH Nord über siedeln wird, und der Rest sollte „perspektivisch gemeinsam“ mit dem Wilhelminenspital geführt werden. (Dieses wird übrigens von der Frau Bürgermeister als ärztliche Direktorin geführt, .. (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=38290  aber das tut nix zur Sache)

Inzwischen gilt es aber unter Insidern als beschlossene Sache, dass das ganze Otto Wagner Spital aufgelassen wird
seit Vizebürgermeisterin Vassilakou verkündete via Rathauskorrespondenz vulgo Kronen Zeitung (http://www.steinhof-erhalten.at/Medienberichte/kronenzeitung_13-5-2012.jpg ) von eine „Jahrhundertchance“ der Stadtentwicklung schwärmte, seit sie (!) mit Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely übereingekommen ist, sämtliche Spitalsabteilungen bis 2020 abzusiedeln.

Merke: Wenn eine Vizebürgermeisterin sich mit einer Gesundheitsstadträtin einigt, dann sind ÖSG, RSG, und Konzepte für das Jahr 2030 sowas von egal, denn dann besteht eine Jahrhundertchance, was sind da schon Jahrzehnte … und an das 2005 von der damaligen Vizebürgermeisterin Brauner verkündete Wiener Spitalskonzept kann sich auch keiner mehr erinnern.

Also, für die die einen langen Text nicht lesen sondern gleich zum letzten Absatz gehen:

Die Gesundheitsplanung in Österreich erfolgt ohne Mitspracherecht der Ärzte aber hängt am Gängelband der Länder (Landesregierungen, Landesgebietskrankenkassen).

Die privatwirtschaftlichen Berater bekommen noch Geld dafür, dass sie die Kennzahlen des Gesundheitssystems durchforsten und in ihren Beratungsleistungen an private Gesundheitskonzerne verkaufen.

Das Wiener Spitalskonzept 2030 ist ein Jahr nach seiner Verkündigung im März 2011 keinen Pfifferling mehr wert, so wie es seine Vorgänger waren.

Also g’sund bleiben, Leute!
Und wenn ihr speiben wollt, bitte nicht auf die Tastatur, das kann teuer werden …
aber am iPad ist es egal, das ist abwaschbar….

Written by medicus58

31. Mai 2012 at 17:23

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