Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Zur Debatte über die Privatmedizin oder deutsche Verhältnisse ziehen ein

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Es ist der Sozialministerin der FPÖVP Regierung halt wieder mal passiert: Nein, nicht der gestrige Auftritt, in dem die für Herbst 2018 angekündigte „große Pflegereform“ mit medialem Getöse auf nächstes Jahr verschoben wurde, sondern das Hoppala davor, das nun weggeredet werden musste:
Keine Bevorzugung von Sonderklassepatienten in Ambulanzen

Konkret steht in den Erläuterungen für die geplante Novelle des
Krankenanstalten und Kuranstaltengesetzes
folgender Passus (wieso das dauert novelliert werden muss um die Gesetzeskonformität der politisch gewünschten Änderungen im Gesundheitssystem notdürftig zu erhalten, steht auf einem anderen Blatt) :

 „Zur Unterstützung der Umsetzung des spitalsambulanten Abrechnungsmodells haben die Länder die Möglichkeit, die Einhebung von Sonderklassegebühren für jene Leistungen vorzusehen, die bisher stationär erbracht und für die die Verrechnung von Sonderklassegebühren möglich war, die nunmehr aufgrund des spitalsambulanten Abrechnungsmodells ambulant zu erbringen sein werden. Der Einhebung solcher Sondergebühren haben adäquate Leistungen gegenüberzustehen.“ 

Pflichtschuldig erhob sich die Warnung der Opposition vor der Zweiklassenmedizin und empört verteidigt sich die Regierung, dass es die ja sicher nicht geben wird. Welche Farbe die beiden gerade tragen ist unerheblich, die verlogene Debatte wird seit Jahrzehnten geführt und keinen stört es, dass ja nicht nur das Gesundheitssystem (Privatkrankenhäuser, -versicherungen, -ordinationen, …)
sondern schon längst auch das Bildungssystem
(Privatkindergärten, -schulen, -universitäten, Fachhochschulen, …),
verschiedene hoheitliche Aufgaben (Flüchtlingsbetreuung -Drasenhofen),
und das Pensionssystem (Zweite und Dritte Säule) –
streng nach neoliberalem Fahrplan – „dem Markt geöffnet wird„. 

Jetzt kann man ja das alles mit gewissen Argumenten auch ganz gut finden und von mehr Privat weniger Staat, Professionalität, Synergie oder Effizienzsteigerung faseln; Diesem Nebeneinander von Staat und Privat verdankt auch Ihr Medicus den Teil seines Einkommens, den seine öffentliche Dienstgeberin nicht bezahlen möchte oder kann. (Sonderklassen- oder Privatordination betreibe ich übrigens keine).
Was aber keinesfalls OK ist, ist die schmierige Vermischung zwischen den Bereichen.
Und damit meine ich nicht die angedachte Sonderklasse im Ambulanzbereich, denn das hat (unter dem wohlwollenden Auge der Ärztekammer und der öffentlichen Betreiber) ganz andere Beweggründe, weshalb das nun in das Gesetz rutschen soll:
Hier geht es um die (vor allem onkologische) Leistungen, die ganz früher stationär, dann tagesklinisch und nun ambulant erbracht werden sollen. Das würde den Sonderklasseversicherungen viel Geld ersparen und die öffentliche Hand hätte den Gehaltsverlust der angestellten Ärzte übernehmen müssen oder hätte noch mehr unbesetzbare Stellen.

Was ich als schmierige Vermischung meine, ist einerseits die fehlende Abdeckung bestimmter Versorgungsleistungen durch die Pflichtversicherung (Zahn, Auge, Schilddrüse, Gyn, Haut, Kinderpsych, …), weil man sich darauf verlassen konnte, dass sich die Versicherten daran gewöhnt haben dafür selbst zu berappen. Andererseits geht es hier um die stillschweigend erhöhten Transferleistungen der öffentlichen Hand an nicht-staatliche Betreiber

Bei meinen digitalen Streifzügen durch die Untiefen der Medizin bin ich unlängst aber auf ein vielsagendes Dokument gestoßen:
Auf der offiziellen Homepage einer Abteilung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses wird ganz prominent (siehe Screenshot) für die Anmeldung zu einer Chefarztbehandlung geworben.
Nein, dabei handelt es sich NICHT um die Chirurgische Universitätsklinik!

Jetzt ist dies in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert
Erstens wird die „Zweiklassen-Medizin“ auf der Homepage eines Gesundheitsdienstleistungsanbieters der öffentlichen Hand (sowohl des Landes (KAV) als auch des Bundes (BMWF) beworben.
Zweitens verrät das wording und die Wikipedia doch sehr deutlich, aus welchem Nachbarstaat der Abteilungsleiter kommt. 

Ein Chefarzt ist in Deutschland ein Arzt in leitender Funktion, in der Regel in einem Krankenhaus.
Die österreichische Bezeichnung dafür ist Primarius, Primararzt oder Primar.
Chefarzt hat in Österreich umgangssprachlich eine andere Bedeutung:
Arzt einer Krankenkasse, der z. B. die Kontrolle des Krankenstandes vornimmt[1] sowie gesundheitsökonomische Belange (vor allem betreffend Heilmittel, Pharmaka, Gesundheitsprodukte) kontrolliert, – vergleichbar dem deutschen Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.

Googeln Sie mal nach „Chefarztbehandlung“ und Sie werden interessante Diskussionsbeiträge dazu finden, aber unter diesem Begriff keinen aus Österreich.
In unserem Nachbarstaat scheint es inzwischen üblich, dass an Universitätskliniken der Chefarzt im Webauftritt um Privatpatienten wirbt. Die von dort an unsere Universitätskliniken berufene Kollegenschaft, scheint das nun auch gleich mit zu importieren: 

Universitätsklinikum Regensburg
Privatambulanz und Chefarztbehandlung

RWTH Uniklinik Aachen

Universitätsklinikum Heidelberg

Universitätsklinikum Essen

Universitätsklinikum Gießen Marburg

Written by medicus58

6. Dezember 2018 at 07:55

Mehr Privat statt Staat im Krankenhaus?

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Im Zuge dessen, was uns als „Reform“ verkauft wird,  wurden von Tückischblau die Mittel für private Krankenanstalten auf 146 Millionen Euro aufgestockt.
Das medial transportierte Hauptproblem scheint darin zu liegen, dass da HC Strache seinem Freund Worseg öffentliche Gelder zusteckt.

Der freiheitliche Parlamentsclub verteidigt hingegen pflichtschuldig die Maßnahme: FPÖ-Povysil: „Privatkrankenhäuser tragen einen wesentlichen Teil zur Sicherung unseres Gesundheitssystems bei“

Und auch die Wirtschaftskammer, die private Institute und Krankenanstalten vertritt, freut sich nahezu wortgleich:
Fachverband der Gesundheitsbetriebe weist Kritik an der Aufstockung des PRIKRAF zurück

In Wahrheit ist es – unabhängig wo man politisch selbst im Spannungsfeld zwischen Neoliberalismus und Planwirtschaft steht – nicht so sehr das Problem, ob Tückischblau nun das Gesundheitssystem teilprivatisieren  oder Strache einem ihm persönlich nahe stehenden Döblinger Privatkrankenhaus was zustecken wollte.
Vielmehr ist die auch durch die Wiener rot-grüne Stadtregierung zunehmende betriebene Einbindung der privaten (und konfessionellen) Player in die Gesundheitsversorgung problematisch, weil KEINER dieser Träger die teuren Ränder einer Vollversorgung anbietet und dieses Rosinenpicken durch unsere (angeblich) Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (LKF)  noch begünstigt wird:

Private Player warben seit Jahrzehnten um Geburten, schickten aber im Problemfall die Kinder in die Neonatologien der öffentlichen Trägern. 
Seit Jahren entdecken Private die Onkologie, ohne die entsprechende (teure) Diagnostik und teure neue Therapien selbst anzubieten.
Das künstliche Kniegelenk ist rasch eingebaut, die Komplikationen landen dann beim öffentlichen Träger.
In vielen privaten Belegspitälern ist außerhalb der Kernarbeitszeit die fachärztliche Kompentenz, die Leistungen von Labor und Röntgen mehr als dünn, bzw. oft überhaupt nicht vorhanden.
Treten Komplikationen auf, werden die Patienten dann flugs in die „öffentliche Hand“ abgeschoben

Natürlich können, die das alles nur deshalb, weil die Gesundheitspolitik (warum auch immer) vergessen hat, die Vorhaltekapazität der großen öffentlichen Träger adäquat abzugelten.
Das ist der viel größere Skandal, jedoch ungleich komplexer medial abzuhandeln.

Written by medicus58

7. Oktober 2018 at 12:23

Speed kills – Stadt Wien – Freundschaft

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Wir haben letzten Sonntag hier berichtet, wie viele Monate zwischen der Erkenntnis eines Wiener Bürgermeisters und einer Gesetzesvorlage vergehen: 16 Monate

Die Begutachtungsfristen für die beiden nun vorgeschlagenen Gesetze enden aber in 16 Tagen (am 17.5.2018), weil es schnell gehen muss, klar.

Neben dem Gesetz, mit dem das Wien Kliniken-Errichtungsgesetz und das Wien Kliniken-Zuweisungsgesetz erlassen sowie die Wiener Stadtverfassung, das Wiener Krankenanstaltengesetz 1987, das Wiener Gesundheitsfonds-Gesetz 2017, das Wiener Sozialhilfegesetz, die Dienstordnung 1994, die Besoldungsordnung 1994, die Vertragsbedienstetenordnung 1995, das Wiener Bedienstetengesetz, das Wiener Personalvertretungsgesetz, das Wiener Gleichbehandlungsgesetz und das Wiener Zuweisungsgesetz geändert werden (Wiener Anstaltsgesetz 2018)

ist auch das
Gesetz, mit dem das Verfassungsgesetz über die Voraussetzungen für die Veräußerung von Anteilen an der Anstalt Wien Kliniken erlassen wird (Wien Kliniken – Anteilsgesetz, WK-AG) 

nicht uninteressant. Das Werk hat grad mal 2 Paragraphen

Artikel I §1
(Verfassungsbestimmung) Zu einem Beschluss des Gemeinderates über die Veräußerung der Anstalt Wien Kliniken, von Teilen an dieser bzw. deren Umwandlung in eine andere Gesellschaft und die Veräußerung der Anteile an dieser ist die Anwesenheit der Hälfte der Mitglieder sowie eine Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen erforderlich. Dies gilt auch für sonstige Verfügungen, die im Ergebnis einer Veräußerung gleich oder ähnlich sind.

Artikel II
(Verfassungsbestimmung) Art. I tritt am 1. Jänner 2019 in Kraft.
Der Landeshauptmann: Häupl
Der Landesamtsdirektor: Hechtner

In der Präambel ist zu lesen:
Ziele und wesentlicher Inhalt:
Festlegung erhöhter Quoren für eine Veräußerung von Anteilen an der Anstalt Wien Kliniken.
Auswirkungen des Regelungsvorhabens:
Eine Veräußerung von Anteilen wird dadurch erschwert.

Also scheinen die Warnungen vor einem Verkauf der Wiener Krankenanstalten an private Betreiber, die ich hier immer wieder ausgesprochen habe falsch?

Nicht notwendigerweise. Die finanziellen Rahmenbedingungen im öffentlichen Gesundheitswesen, dort wo Vollversorgung angeboten wird, sind so schlecht, dass ohnehin kein Investor daran denkt dort sein Geld zu versenken.
Erst kürzlich hat das VAMED Chef Wastler ganz deutlich gesagt:
Vamed-Konzern will AUVA-Spitäler nicht übernehmen
Das österreichische Erstattungssystem lasse es – im Gegensatz zum deutschen – nicht zu, in der Akutversorgung Gewinne zu erwirtschaften.  

Ist aber kein Beinbruch, denn betreiben tut die VAMED schon eine Reihe von scheinbar öffentlichen Krankenanstalten für konfessionelle und kommunale Träger.
Wird der KAV privatisiert? Ein Indizienprozess bei dem wir baden gehen

Auch an der Therme Wien Ges. m. b.H. hält die Stadt Wien in Form der Wien Holding nur mehr 35% und Vienna Insurance Group 15%, Erste Group Bank 15% und UniCredit Bank Austria 15% sowie VAMED-KMB Krankenhausmanagement und Betriebsführungsges.m.b.H 19,99% (Link). Die Kosten für die enorme Standortaufwertung durch den U-Bahn Anschluss, trägt die Stadt Wien aber zu 100%.
So rechnen sich dann Investitionen rasch wieder ….

Freundschaft

Bezüglich allfälliger Einsprüche finden sie hier die E-Mail Adressen: https://www.wien.gv.at/recht/landesrecht-wien/begutachtung/index.htm

Written by medicus58

1. Mai 2018 at 18:33

Das Muster Post für den Wiener Krankenanstaltenverbund

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simpa

Während mögliche Privatisierungen (http://wien.orf.at/news/stories/2806801/) des Wiener Krankenanstaltenverbundes inzwischen kaum mehr bezweifelt werden,
scheint noch unklar, wohin die Reise wirklich gehen wird. Da kann uns vielleicht ein Blick ins Archiv helfen, denn

Zeig mir welche Berater Du einlädst und ich sag Dir, was Du vor hast!

Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … https://medicus58.wordpress.com/2012/03/13/nach-dem-kock-auch-den-bock-zum-gartner/

Reich wird, wer das Seine jedem verkauft: Die Gesundheitsberater https://medicus58.wordpress.com/2014/07/06/reich-wird-wer-das-seine-jedem-verkauft-die-gesundheitsberater/

I had a Dream: KAV for Sale https://medicus58.wordpress.com/2014/02/11/i-had-a-dream-kav-for-sale/

Am 17.12.2014 lud der KAV Herrn DI Georg Mündl zu seiner Führungskräftetagung, der zuerst von seiner Berufskarriere schwadronierte,
die ihn auf der Mobilfunk-Welle von max.mobil (vom Startup zur Hyper Growth Company) über HT mobile (Kroatien) ab 2012 zum Sr Vice President – Mail Solutions der Austrian Post Group machte.

Danach machte er die Anwesenden glauben, dass er die 24h Selbstbedienungszonen erfunden hätte,
als Beweis, dass man Kundenzufriedenheit durch Automatsierung auch ohne Personal erreichen kann:

Schließlich zog er folgende Conclusio:

Es muß (sic) eine Vision (sic) einen Plan geben

Veränderung muß (sic) bewußt (sic) gewollt werden
Staheholder müssen im Boot sein

Das Neue muß (sic) kommuniziert werden,
immer wieder (Wiederholen!)

Erfolge kommunizieren!

Spaß bei der Arbeit & Motivation

Sie können nun nachdenken, wie der Transformationsprozess damals bei der Post ablief (https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Post)
und ihre Schlüsse bezüglich des KAV ziehen,
ich möchte aber eher auf die letzten beiden Empfehlungen des Vortragenden zurück kommen und Ihnen persönliche Erlebnisse berichten:

Vor einigen Wochen wollte ich in einem der 24h SB Bereiche der Post ein Paket aufgeben.
Ich maß und wog das Ding und bezahlte das berechnete Porto.
Ich klebte den Ausdruck auf das Paket und las den Barcode beim Einwurf ein,
nur um zu erfahren, dass das Fach überfüllt war,
und ich somit mein Paket zwar bezahlen durfte,
aber doch am nächsten Tag zum Schalter musste, um es abzugeben.

Auf eine logische Verbindung zwischen Porto-Automat und Einwurf-Automat hat Herr DI Mündl offenbar vergessen oder versehentlich den Programmiere zu früh gekündigt.
Erfolge kommunizieren!

Kürzlich erfuhr ich von noch einer bizarreren Geschichte:
Ein gemessenen und gewogenen Paket wurde bezahlt,
danach das ausgedruckte Porto-Aufkleber aufgeklebt.
Auch hier scheiterte der Versuch das Paket auch einzuwerfen,
weil der Barcode nicht lesbar war.
Auch hier wurde am nächsten Tag versucht, das Paket am Schalter
EINEM MITARBEITER, ja ein paar gibt’s noch,
zu übergeben, der aber die Annahme ebenfalls verweigerte,
weil der automatische Aufkleber-Ausdrucker einen wesentlichen Teil des Streifens abgeschnitten hat.
Der Mitarbeiter bestand darauf, dass das Porto nochmals bezahlt wurde und verwies auf eine Beschwerdestelle,
bei der man unter Vorlage des beschädigten Porto-Aufklebers Ersatz einfordern könnte.

Blöd, denn dort benötigt es dann halt noch einen Mitarbeiter.

Zeig mir welche Berater Du einlädst und ich sag Dir, was Du vor hast!

Written by medicus58

5. November 2016 at 09:49

Zieht sich da jemand rechtzeitig zurück um nicht dabei gewesen zu sein?

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kavhgiigdaZieht sich da jemand rechtzeitig zurück um nicht dabei gewesen zu sein

kavhgiigdb

Written by medicus58

4. November 2016 at 16:30

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Die Leere nach dem Sturm bzw. die Lehre aus dem Sturm

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smile

Nachdem Stadträtin Wehsely
sowohl den Wiener Ärztekammerpräsidenten als auch seinen Stellvertreter ausmanövriert, abgefotzt (Lohn der Genossen: ÄK Chef Szekeres zum Abschuss freigegeben http://wp.me/p1kfuX-UT) und zuletzt einseitig der politischen Arena verwiesen hat (http://wien.orf.at/news/stories/2709529/), ist das öffentliche Interesse am Dienst- und Besoldungspaket für die angestellten Ärzte im Wiener Krankenanstaltenverbund gegen Null gesunken. Damit hat die Gesundheitsstadträtin und ihre trojanischen (Berater)Pferde die Grundlagen geschaffen, die Krankenhäuser des KAV auf eine reine Akut- und Basisversorgung herunter zu fahren ohne dass es der wählenden Bevölkerung überhaupt bewusst wird, was da gespielt wird.

Die Durchschnittsverdiener (Proleten kommt so schlecht) vor dem Anmeldeschalter pöbeln bestenfalls ihresgleichen hinter der Scheibe an, wenn die Wartezeiten auf medizinische Versorgung nicht mehr in Tagen und Wochen, sondern in Monaten und Jahren gemessen wird, durchschauen aber die politische Absicht nicht, wenn gleichzeitig „ihre“ Stadträtin (http://wien.orf.at/news/stories/2707273/) den Plänen eines Privatspitals neben dem AKH ostentativ offen gegenüber steht.
Die „Ösi Roten“ haben von Blairs „New Labour“ gelernt und Wehsely ist nicht die einzige die hier in Österreich, das öffentliche Krankenanstaltensystem für die Privatisierung freischießen möchte. LH Voves, versucht dies seit Jahren (http://wp.me/p1kfuX-lV,  http://www.kpoe-steiermark.at/steirische-spitaeler-droht-neuerliche-schliessungswelle.phtml), schließlich hat er nicht nur Eishockey gespielt sondern auch bei der Merkurversicherung seine Brötchen verdient.
Anders als Voves, der aus seinen Plänen öffentlich nie ein Hehl gemacht hat, umgab sich Wehsely vorsorglich mit Berater, die die Privatisierung als alternativlos vorbereiten:

Reich wird, wer das Seine jedem verkauft: Die Gesundheitsberater http://wp.me/p1kfuX-P7
Dr. Ebner – Die “objektive” Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw
Warum wir die Medizin nicht Ökonomen überlassen dürfen, auch wenn es schon zu spät isthttp://wp.me/p1kfuX-lq
Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … http://wp.me/p1kfuX-cy
Wer macht da den Köck zum Gärtner? http://wp.me/p1kfuX-cs

Als Wehsely Ende Jänner einseitig eine Einigung zwischen Gewerkschaft, Personalvertretung und Ärztekammer verkündete, in Wahrheit haben alle Verhandler nur vorbehaltlich der Unterstützung ihrer Gremien unterzeichnet (http://wien.orf.at/news/stories/2691951/), hat sie bereits den nächsten Etappensieg eingefahren.
Dass sie es darüberhinaus für notwendig hielt, den Boulevard noch mit der sachlich völlig falschen Schlagzeile „25% mehr Geld für weniger Arbeitszeit“ (Wir werden alle reich: Ob an Geld oder Erfahrung ist noch offen http://wp.me/p1kfuX-Tm) zu bedienen, entsprang mehr ihrer politischen Sozialisierung in Faymanns Tradition als einer echten Notwendigkeit.
(Für die Uneingeweihten, für die überwiegende Mehrheit der Ärzte bedeutet diese „Reform“ eine Minimierung der Verluste und keine Gehaltserhöhung; die Abteilungsvorstände verdienen dann weniger als ihre langgedienten Fachärzte und das augenblicklich vom Komplizen Meidlinger kolportierte Primarärztegehalt von 8793€ für 48h Arbeitszeit (http://kurier.at/chronik/oesterreich/wer-im-spital-wie-viel-verdienen-soll/129.539.783) ist sachlich falsch:
PÄ haben eine rund um die Uhr Bereitschaft und keine 48h Tätigkeit und keiner, der von extern (z.B. nach einer universitären Karriere) in den KAV wechselt, schafft es in diese Gehaltstufe zu kommen (Wenn Kollege Meidlinger mir gegenüber sein Brutto-Jahresgehalt offenlegt, das übrigens ausschließlich vom Steuerzahler bezahlt wird (bemerkenswerten Karriere des 51-Jährigen Meidlingerhttp://wp.me/p1kfuX-UX) bin ich gerne bereit meinen Jahresausgleich öffentlich zu machen, in Schweden müssten wir das beide ohnehin!)

Wer sich fragt, warum der Druck in Richtung Posten- und Dienstradstreichungen und verlängerten Tagespräsenzen augenblicklich nachgelassen hat, während in den ersten Workshops Generaldirektion und EHC-Berater Schulter an Schulter massiv die Ärztlichen Direktoren und Abteilungsvorstände zu Konzessionen gedrängt haben, hat noch immer nicht begriffen, dass es Wehsely ohnehin geschafft hat ihren Plan zum Selbstläufer zu machen und bereits ihre politischen Ziele erreicht hat.
Der Rest ist Schweigen und alternativlos.

Schließlich hat der Gemeinderat mit den Stimmen der Grünen das Besoldungsschema durchgewinkt (Das rote Osterei für den KAV http://wp.me/p1kfuX-Wd), obwohl die Rot-Grüne Koalition in dieser Sitzung durch frechen Abgeordneten“raub“ (Wer glaubte, Ärzte wären nur wehleidig, möge sich Demokratieverständnis der Wiener SPÖ im Gemeinde… http://wp.me/p1kfuX-W0) eigentlich zu Grabe getragen wurde.
Wehselys Wunschpaket ist durch. 
Nachträgliche Geplänkel, pardon Nachschärfung, nahmen ohnehin nur mehr einige unverbesserlich Gutmeinende ernst und vielleicht zieren sich noch einige Personalvertreter, die politisch massiv von ehemaligen und noch aktiven Gewerkschaftsgranden eingeforderte Kapitulation, pardon Betriebsvereinbarung, zu unterzeichnen (Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! http://wp.me/p1kfuX-UXÄrzte wissen nicht was sie wollen http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4724168/Hundstorfer_Aerzte-wissen-selber-nicht-was-sie-wollen). In Wirklichkeit ist der Zug abgefahren. Der politische Aal (und Ex-Stadt Wien Gewerkschafter und Ex-ÖGB Chef) Hundstorfer war sich seiner Sache, schließlich hat er das Gesetz formuliert, bereits vor einen Jahr sicher („Einigkeit“ statt Beschluss  http://orf.at/stories/2232676/).

ÖGB Präsi Foglar, dem zwar für andere Berufsgruppen im öffentlichen Dienst selbst die 40 Stundenwoche zu viel scheint (http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1348521/Foglar_Weg-mit-40StundenWoche-im-Staatsdienst) hat keinerlei gewerkschaftliche Probleme, wenn die g’stopften Ärzte mit Opt out, dank Hundstorfers Gesetz bis zu 60 Stunden (max 72h/Woche) arbeiten und sorgt sich nun ausschließlich um die Pflege,  in deren Arbeitszeiten übrigens nicht am 1.1.2015 gesetzlich eingegriffen wurde (http://www.springermedizin.at/artikel/47092-spitalsaerzte-foglar-sieht-pfleger-benachteiligt).

Ja und GD „Prof“ Janßen hat zwar sein strahlend weißes Macher-Image gegen eine bisweilen hektische Blässe getauscht,  seit er sich mit seinen geförderten Wohnverhältnissen, Gerüchten um das KH Nord (Sonnenfinsternis über dem KAV http://wp.me/p1kfuX-Vo) und aufmüpfigen Turnusärztevertretern herumschlagen muss, er kann sich aber sicher sein, seine Zielvereinbarungen einfahren zu können:

Unter den nunmehrigen Rahmenbedingungen, kann sich die Stadt Wien sicher sein, dass sich die gewünschten Personalreduktionen durch Kündigungen und fehlende Bewerbungen von selbst einstellen werden.

Eine Zustimmung der Personalvertretung hat sich erübrigt …

Das Downsizing auf eine reine Akut- und Basisversorgung wird sich unter den herrschenden Budget- und Personalplanungen automatisch einstellen und
der Ausbau der Privatmedizin wird letztendlich als alternativlos darstellbar sein,
weil die öffentliche Hand, das einfach nicht auf die Reihe kriegt.

OK, und die Omi ohne Zusatzversicherung wird mit dem diabetischen Fuß halt in den PHCs abliegen.

Unverhohlene Kooperationen mit privaten Investoren sind da nur der Anfang (Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk http://wp.me/p1kfuX-Vz).

Wer so blöd war, sein ganzes Berufsleben lukrativere Angebote auszuschlagen, weil er sich überwiegend der wissenschaftlichen Lehre einer öffentlichen Universität und der öffentlichen Gesundheitsversorgung verbunden gefühlt hat, der hat einfach auf’s falsche Pferd gesetzt.

Wer aber mit seinem Kreuzerl am Wahltag diesem Gesocks verhilft an der Macht zu bleiben, der sollte entweder wohlhabend sein oder wenigstens nicht Seinesgleichen am Schalter anpöbeln und dem Boulevard zu mehr Inseraten verhelfen.

 

Die Privatisierung von Gesundheitseinrichtungen und ihre Folgen
http://www.beigewum.at/wordpress/wp-content/uploads/036_martin_rammele.pdf
Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten… http://wp.me/p1kfuX-l1

I had a Dream: KAV for Sale

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For sale

 

Keine Ahnung was der Grund dafür war, zu schweres Essen, ein Glas zu viel, jedenfalls wachte ich heute nach einem gräßlichen Alptraum schweißgebadet auf. Nur schemenhaft kann ich mich noch an die Einzelheiten erinnern, aber ich bemühe mich sie aufzuschreiben, ehe sie sich wieder in mein Unterbewusstsein vertschüssen.

Bis gestern ging ich davon aus, dass sich die Rathausmehrheit sehr wohl bewußt wäre, dass sie ihre nunmehr fast 100 jährige politische Dominanz im „Roten Wien“ im wesentlichen dem Dreigestirn Müllabfuhr, Gemeindebau und Krankenhaus verdankt.Steuermillionen für Jahrmarktsveranstaltungen wie das Donauinselfest oder den Eintraum sind dagegen eher neuzeitliche Marginalien. Oder im Umkehrschluss, dass ihnen die Wähler unter den Bürgern und Mitarbeitern der „stadtnahen Betriebe“ abhanden kommen werden, wenn sie diese Bereiche nicht mehr besitzen.

Mit den knapper werdenden Budgets und den zunehmenden Belastungen der Spitäler durch die politisch abgefeierte Sanierung der Krankenkassen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34434) wurde es natürlich immer schwieriger, die nicht unbeträchtlichen Summen aufzubringen, um die Standorte des Wiener Krankenanstaltenverbundes z(KAV) umindest am Laufen zu halten.
Aus politischer Rücksichtnahme auf die Parteifreunde in der Wiener Gebietskrankenkasse war es natürlich undenkbar, von dort einen größeren Beitrag für die ambulante Versorgung der Wiener in den KAV-eigenen Spitalsambulanzen zu fordern oder den Menschen einfach reinen Wein über die prekäre Lage einzuschenken und zuzugeben, dass die Vorhalteleistungen herunter gefahren werden müssen. Das war selbstverständlich außer Diskussion, es kommen immer wieder Wahlen.

Bis zu meinem gestrigen Traum, glaubte ich, dass man nur planlos vor sich hinwurstelte und war bereit sich mit der politischen Unfähigkeit abzufinden und auf bessere Zeiten zu hoffen. Zwischen den weißen Laken reifte aber die Erkenntnis, dass hier ein ganz anderes Spiel abläuft:

Die rege Bautätigkeit an vielen KAV Standorten

Von Imhotep zu den heutigen Deppen http://wp.me/p1kfuX-lh
Eine große Familie baut sich viele Häuser http://wp.me/p1kfuX-kg
Die Stadt Wien will nur das Beste für Patienten http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67609

schien mir der unbeholfene Versuch einer Wirtschaftsbelebung nach den Konzepten der 70er Jahre zu sein. Heute im eigenen Angstschweiß aufwachend, sah ich plötzlich klarer:

Die letzten zwei bis drei Jahrzehnte waren davon geprägt, dass die Politik (in Ost und West) ehemals weitgehend geschlossene Kapitalkreisläufe (Verstaatlichte Industrie, Umlageverfahren im Pensionsversicherungssystem, öffentliches Gesundheitssystem, städtische Wasserwirtschaft, …) für externes Kapital geöffnet, also entweder verscherbelt („privatisiert“) oder mit staatlicher Förderung die Menschen in den Privatbereich gelotst (Private Pensionskassen) hat.
Der Mechanismus war immer der gleiche und kann in Reinkultur anrussischen Oligarchen aber letztlich auch an der Kärntner Hypostudiert werden: Gesellschaftliches Vermögen wurde ohne demokratische Legitimation für Einmaleffekte an Private abgegeben, Gewinne wurden privatisiert, Kosten kommunalisiert.

Doch nun zu meinem Albtraum:

Wir schreiben das Jahr 2020. Das Spitalskonzept 2030 (die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklarationhttp://wp.me/p1kfuX-K9) sind größtenteils umgesetzt und Wien strotzt vor lauter neugebauten, vom Fächerkanon aber ausgehöhlten Krankenhausstandorten.
Viel Geld wurde auf Empfehlung verschiedener Beraterfirmen in Neubauten investiert, da man sich durch die geringeren Erhaltungskosten auf längere Sicht enorme Einsparungen versprach. Dass diese versprochenen Einsparungen beim schon 2007 begonnenen Geriatriekonzept leider bis heute die Investitionskosten nicht hereingebracht haben, war nicht das Hauptproblem. Dieses besteht eher darin, dass man das Geld nicht hatte, das hier ausgegeben wurde und man dies durch irgendwelche PPP- oder Leasing-Konstrukte, Querfinanzierungen aus anderen Töpfen verschleiert, aber letztendlich durch nur Schuldenvermehrung aufbringen wird können.
Bei all den Ausgliederungen hat man das früher auch so gemacht, aber durch die strenger gewordene Budgetpfade wird es zukünftig nicht mehr möglich sein, sich durch weitere Kapitalaufnahmen ein weiteres Jahr drüber zu retten.

Ob die man diesen Weg aus Unvernunft, aus dem Bestreben sich des eigenen Personals, dessen man nicht mehr Herr zu werden glaubt oder bereits mit der festen Absicht auch das öffentliche Krankenhauswesen auf den Markt werfen zu können, begangen hat, konnte ich im Halbschlaf nicht mehr auseinanderhalten.

Jedenfalls lief alles auf den Punkt zu, wo sich die Politik auf das Trefflichste aus ihrer Verantwortung ziehen kann:
Die Alternativlosigkeit wurde erreicht, um das Gesundheitswesen nach deutschem Vorbild zu privatisieren.

In Deutschland hat zwischen 1991 – 2010 der Anteil der von der öffentlichen Hand betriebenen Krankenhäusern von 46 % auf 30,5% abgenommen (http://de.wikipedia.org/wiki/Krankenhaus).
In Österreich sind zwischen 1990 und 2009 in öffentlichen Krankenanstalten 20,5% der Krankenbetten reduziert worden und haben in profitorientierten Krankenanstalten um 92,5% zugenommen, bestehende Krankenhäuser der öffentlichen Hand wurden aber- vermutlich als Furcht vor politischen Reaktionen – noch nicht sichtbar privatisiert.

Zwar wurde die
Betriebsführung ist zu einem großen Teil oder gänzlich an private Unternehmen abgegeben,
in den Strukturplänen gewinnbringende Schwerpunkte (Routineoperationen, Geburtshilfe, …) in private Häuser verlagert oder
der Betrieb ambulanter Einrichtungen (Dialyse, …) zwar von der öffentlichen Hand finanziert, aber von Dritten betrieben, …

Von einzelnen lokalen Vorstössen einmal abgesehen, traute sich kein österreichischer Politiker zuzugeben, dass man die Krankenhäuser „gerne aus der öffentlichen Hand gibt“, aber genau darauf steuern sie hin.

Nach all der hektische Investitionstätigkeit, diese Ein- und Vorgriffe auf Geld das man nicht hat und auch nie zurückzahlen kann und die bisherige Einbindung Privater schafft man sehr bewußt vollendete Tatsachen, die als einzige Alternative in die fast vollständige Privatisierung des Krankenhauswesens führen müssen.

„Fast vollständig“ deshalb, weil es zwar eine gesetzliche Verpflichtung der Kommunen gibt, eine entsprechende Versorgung aufrecht zu erhalten, aber selbst Einrichtungen wie die AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) es sich ohne weiteres leisten können, ohne Rücksprache mit anderen „ihren Versorgungsauftrag“ selbst zu definieren. D.h. um das was nicht gewinnbringend ist, also z.B. „die Oma Osteomyelitis im diabetischen Fuß„, wird sich der private Anbieter nicht wirklich prügeln, das darf ruhig weiterhin im öffentlichen Bereich liegen. Über die unkomplizierte Geburt freut sich der Verwalter schon mehr, denn da winken so lange Gewinne, so lange nicht eine komplizierte Nachbetreuung des Frühchens oder seiner Mutter anzusehen ist, jedoch fliegt dann ohnehin der Hubschrauber das öffentliche Spital an.

In meinem Traum sah ich das alles kommen,
die Gesundheitspolitiker, die sich eben noch für die enormen Investitionen in unsere Krankenhäuser abfeiern haben lassen und die sich nun mit Verweis auf die leeren Kassen freuen, die Häuser für einen symbolischen Euro in die professionellen Hände erfolgreicher Privatanbieter abgeben zu können,
und die Vertreter privater Krankenhauskonzerne, die sich zufrieden zurücklehnen können, weil sie ihre Aufgabe in der Führung und dem Aufsichtsrat der öffentlichen Krankenhausverbände erfüllt haben.

Der Titel dieses Beitrages entsprang einer Assoziation zu Cole Porters berühmten: Love for Sale http://en.wikipedia.org/wiki/Love_for_Sale_(song)

Links: 

KAV http://wp.me/s1kfuX-kav/


Umstrukturierungen im Krankenhaus und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen
 http://www.forba.at/data/downloads/file/578-FORBA_FP%2005_11.pdf

Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals http://wp.me/p1kfuX-l1 

Written by medicus58

11. Februar 2014 at 19:19

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