Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Warum wir die Medizin nicht Ökonomen überlassen dürfen, auch wenn es schon zu spät ist

with 3 comments


Kürzlich feierten sich die wesentlichen Planer unseres Gesundheitssystems und ihren
Beschluß eine Gesundheitsreform abschliessen zu wollen nahezu besinnungslos.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=68260

Sehen wir einmal von ein paar in eigener Sache agierenden und politisch gut vernetzten Gesundheitsökonomen wie Herrn Dr. Köck (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53877) ab, werden Ärzte zur Entwicklung des Gesundheitssystems nicht mehr gefragt.
Selbst wenn man in zum Teil verständlicher Verärgerung über deren Standesvertretung (Ärztekammer), auf deren Mitsprache der Einfachheit lieber verzichtet – während die Wirtschaftskammer selbstverständlich ein wesentlicher Player bleibt – erklärt das nicht, weshalb man glaubt, auch ohne der Expertise der in der täglichen Routine arbeitende Ärzte auskommen zu können.

Außer

Ja, außer wenn man jedes Fachwissen automatisch als parteiisch desavuiert und – wie ja auch in anderen Bereichen des Lebens – ausschließlich auf den schneidenden Geist des Managers vertraut.

Ein Beispiel wäre der aktuelle Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG) für Wien, der am Schreibtisch von Ebner Hohenauer HC Consult | Consulting entstand,
von der Landespolitik noch an die aktuellen „Freundeskreise“ angepasst
aber selbstverständlich nicht mit den eigenen Ärzten/Abteilungsleitern diskutiert wurde.
Ganz im Gegenteil bis zur Beschlussfassung in zwei Tagen wird das Papier selbstverständlich geheim gehalten.

Umschichtung der Betten aus den öffentlichen Spitälern in den privaten Bereich Schließungen von Abteilungen Verlagerung von Großgeräten ohne entsprechenden Infrastruktur Zentrumsbildung ohne Bereitstellung der erforderlichen Infrastruktur Kommentarlose Rücknahme von bereits zugesagter Verlagerung von Abteilungen und Verlagerung von Abteilungen und neue Verlagerungen ohne Rücksprache mit den beteiligten Abteilungen … 

Alles zu managen auf Grund der (auch schon hier diskutierten) miserablen Datenlage des vorhandenen Zahlenmaterials aus der eigenen EDV.

Es ist selbstverständlich klar, dass strategische Entscheidungen von oben fallen müssen, nur wenn dies ohne ausreichender Information passiert, ist das fatal.

Aber wer ökonomisch denkt, der kennt das Pareto Prinzip: http://de.wikipedia.org/wiki/Paretoprinzip

Das Paretoprinzip, benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923), auch Pareto-Effekt, 80-zu-20-Regel, besagt, dass 80 % der Ergebnisse in 20 % der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse benötigen 80 % der Gesamtzeit und verursachen die meiste Arbeit.

Und das lehrt der Ökonom,
da schwärmt der Manager,
dass man auch mit beschränkten Mitteln, den Großteil der Arbeit leisten kann.

Kritik aus dem Gesundheitsbereich wird dann als „Winken mit dem Leichentuch“ abgetan,
nur unterscheidet sich der Umgang mit Kranken halt von der Fließbandproduktion dadurch,
dass
Restriskio individuelles Leiden bedeutet.

Wenn ich halt nur 80% meiner Überschußproduktion zusammen bringe, dann deckt das in unseren Breiten ohnehin den Bedarf um ein Vielfaches;
Wenn ich nur 80% der Patienten kompetent betreue, dann werde ich bis zu 20% der Bevölkerung invalidisieren.

Drum ist das Pareto Prinzip im individuellen Zeitmanagement hilfreich, aber die, die es im Gesundheitssystem anwenden, halte ich für Verbrecher.
Aber wieder zurück zur Wikipedia:
Die Pareto-Verteilung beschreibt das statistische Phänomen, wenn eine kleine Anzahl von hohen Werten einer Wertemenge mehr zu deren Gesamtwert beiträgt als die hohe Anzahl der kleinen Werte dieser Menge.
Vilfredo Pareto untersuchte die Vermögensverteilung in Italien und fand heraus, dass ca. 20 % der Familien ca. 80 % des Vermögens besitzen. Banken sollten sich also vornehmlich um diese 20 % der Menschen kümmern und ein Großteil ihrer Auftragslage wäre gesichert.

Und zum Schluß der Literaturhinweis: Koch, Richard: Das 80/20-Prinzip. Mehr Erfolg mit weniger Aufwand

Alles kein Problem, solange die Ärzte nicht erkennen, dass für ihre Prozessverantwortung 100% schlagend werden, halt doch ein Unterschied zu Ökonomen und Manager ..

Link: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67919
Abb.: Turiner Leichentuch http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Turin_shroud_negative-positive.JPG&filetimestamp=20090621233138

3 Antworten

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  1. Anonymous

    26. Juni 2012 at 20:45

    • Ich sehe in diesem Blogbeitrag keinen Widerspruch, bestenfalls eine „systembedingte“ Indifferenz

      medicus58

      26. Juni 2012 at 21:06

  2. […] Warum wir die Medizin nicht Ök […]


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