Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Obama Care -oder wie sich eine Schicht verleugnet

with one comment


Jetzt ist das US-amerikanische Gesundheitssystem in vielen Aspekten nicht mit dem europäischen vergleichbar und beim Kampf um 
Obamas Gesundheitsreform (Obama Care) 
geht es (wie immer in ökonomischen und/oder politischen Diskussionen im Gesundheitssytem) mehr um prinzipielle gesellschaftliche Probleme als um die Medizin.

Trotzdem möchte ich -ohne den Versuch einer detailierteren Auseinandersetzung (siehe Links)- mit dem Problem kurz darüber reflektieren:

Prinzipiell geht es um die Frage, ob eine Gesellschaft ihre Mitglieder (per Strafe) verpflichten kann, sich solidarisch an der Gesundheitsversorgung aller zu beteiligen.

Es besteht kein Zweifel, dass Solidarität kurzfristig denen was bringt, die wenig haben und denen was kostet die mehr haben.

Da in praktisch allen Gesellschaften Kapitals (gerechter oder ungerechter Weise sei nun einmal dahin gestellt) sehr asymmetrisch verteilt ist und sich bei etwa 10% der Bürger konzentriert (USA: oberne 10% haben 60%), ergibt sich zwangsweise, dass durch solidarische Maßnahmen immer die Mehrheit der Bevölkerung profitiert.

Individualistische Ansätze, die eine Versicherungspflicht/Pflichtversicherung im Gesundheitswesen  als Bevormundung sehen, haben offenbar keine Probleme, dass sie zu einer KFZ Haftpflicht verdonnert sind, um Schäden, die sie anderen verursachen, abzudecken, also warum das Geschrei im Gesundheitswesen?

An dem Problem, weshalb also die Mehrheit der Wähler in demokratischen Ländern (aus der ökonomischen Unter- und Mittelschicht) gegen ihre offenkundigen Interessen mobilisierbar ist, haben sich schon viele den Kopf zerbrochen.

Ein rezenter und sehr popolärwissenschaftlicher, d.h. von vielem soziologischen Kauderwelsch befreiter Versuch ist Ulrike Herrmanns Buch: Hurra, wir dürfen zahlen: Der Selbstbetrug der Mittelschicht
(http://www.amazon.de/Hurra-wir-d%C3%BCrfen-zahlen-Mittelschicht/dp/393806045X) in dem sie zum Schluß kommt, dass 

einerseits in unseren Gesellschaften die wahre Verteilung des Kapitals so geschickt steckt wurde, dass sich (auch in Umfragen) viele des Mittelstandes nur einen kleinen Schritt von der Oberschicht entfernt wähnen und sich somit eher nach oben als nach unten solidarisieren und

andererseits in Krisenzeiten
die Angst des Mittelstandes aus seiner Position in die Unterschicht abzurutschen, so groß ist, 

dass er sich immer aggressiver von den 
illegalen Einwanderern, 
Immigranten,
Arbeitslosen,
Hilfsarbeitern,
alleinerziehenden Müttern,
Praktikanten und
projektfinanzierten Ich-AGs 
distanziert, um sich genen seinen eigenen Fall zu immunisieren
(„Die sind ja selber Schuld, mir kann das nicht passieren„). 

Bedenkt man aber die langfristigen Konsequenzen einer entsolidarisierten Gesellschaft (steigende Kosten durch zu späte Therapiemaßnahmen, steigende Ausgaben gegen individualkriminalität, steigende Kosten für Propagande, wenn Sein und Schein weiter auseinander driftet ,…), 
kommt Solidarität der gesamten Gesellschaft billiger.

Dazu passend, eine rezent veröffentlichte Studie zur  „sozioökonomische Struktur der PKV-Versicherten“ in Deutschland (http://www.wip-pkv.de/veroeffentlichungen/studien-details/studien-ansicht/detail/studien-uid/135.html) die zeigte, dass es nicht die „Reichen“ sind, die in Deutschland eine Privatversicherung haben: 
Nur 20 % aller PKV-Versicherten hatten im Jahr 2008 Einnahmen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze (4.012,50 Euro/Monat). Damit kann widerlegt werden, dass in der PKV hauptsächlich Personen mit hohen Einkommen versichert sind.

Diese Analyse wurde vom Wissenschaftlichen Institut der PKV erstellt, so dass die Autoren selbstverständlich zu einer anderen Schlußfolgerung kommen, als Sie hier lesen können:

Wer wirklich reich ist, pfeift auf eine private (Zusatz-)versicherung, der zahlt das alles ganz locker in bar, Solidarität kommt den anderen zugute. 

Solange die Mehrheit unserer (aber natürlich auch der US-amerikanischen) Gesellschaft nicht begreift, dass sie gegen ihre Interessen instrumentalisiert und manipuliert  wird, wird sie für die Kollateralschäden der Entsolidarisierung aufkommen müssen.

Links
http://de.wikipedia.org/wiki/Obamacare#Gesundheitsreform_2010 
http://www.bessereweltlinks.de/index.php?cat=9846&thema=Armut_und_Reichtum_in_den_USA 

Republikanische Sicht: 
Through legislative mandates, ObamaCare requires private citizens to purchase health insurance, involuntarily fund abortions, and pay for sex offenders to use Viagra under the threat of legal sanctions if they do not

If a mandate was the solution, we can try that to solve homelessness by mandating everybody to buy a house.“

http://www.conservapedia.com/ObamaCare

Eine Antwort

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  1. Ich wollte einfach еinen netten Gruss hinterlassen. Binn gerade aauf еure Websiete
    gestossen.


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