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Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 6: Der Dank)

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Der neue Generaldirektor möge bei bei seiner Bestellung wem auch immer danken, seiner Familie, seiner Rücksichtslosigkeit,
seinen Lehrern und seinen Mitarbeitern aber niemandem im System.

Meinetwegen dem Bürgermeister, denn dessen Ablaufdatum ist absehbar,

aber nicht einer Partei, ohne der er nichts wäre – will sagen geworden wäre“,

nicht Gewerkschaft oder einer Personalvertretung, die sich in der Vergangenheit zu oft als Personaltzertretung (Dienstplanverhandlungen, Pflegegesetze, …) und Partner der Macht als Partner des Personal entpuppt hat,

nicht einer Firma, die in reger Geschäftsbeziehung zur Stadt Wien steht
oder einem Immobilienentwickler, der auf die Nachnutzung des KAV-schen Immobilienbesitzes wartet,
oder einem privaten oder konfessionellen Investor, der Eigeninteressen an den Rosinen des öffentlichen Gesundheitswesen hat

und, bitte, auch nicht dem CV, den Freimaurern, dem Opus, den Bilderbergern, Templern, Assassinen, Illuminati, Scientologen, Rotariern … etc., von denen zu Recht oder zu Unrecht immer wieder behauptet wird, dass bei ihnen die Fäden zusammenliefen.

Eigentlich würde man sich einen Generaldirektor oder eine Generaldirektorin wünschen, die niemandem im Wort, bei niemandem eine Rechnung offen hat und der seine bisherige Karriere abseits der hiesigen Seilschaften der Stadt geschafft hat, was diese Miniserie im Blog endgültig in die Sphäre der reinen Wunschträume hebt.

Written by medicus58

16. Juli 2017 at 17:35

Così fan tutte: Pharma Fahmy

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Kauf mich arzt

Bereits vor Erscheinen seines Buches Die Pharma-Falle: Wie uns die Pillen-Konzerne manipulieren füttert der Wiener Neurologe Fahmy Aboulenein die Medien mit Headlines:

„Der wahre Skandal spielt sich im gesetzlichen Rahmen ab“
(http://kurier.at/lebensart/gesundheit/neurologe-fahmy-aboulenein-attackiert-im-buch-die-pharmafalle-die-pharma-industrie/191.462.118)

„Ein Arzt bekommt von einem Pharmariesen Geld für einen lobenden Artikel über ein neues Medikament und er braucht ihn nicht einmal selbst zu schreiben. Das ist verdeckte Korruption und doch nur ein kleines von vielen Beispielen dafür, wie die Pharmaindustrie unsere Ärzte teils subtil und teils ganz offen manipuliert. Fahmy Aboulenein, Neurologe und MS-Spezialist, hat genug davon.“
https://www.falter.at/event/604802/fahmy-aboulenein-die-pharma-falle 

Aboulenein schätzt, dass zwei Drittel der in der westlichen Welt verschriebenen Medikamente überflüssig sind.
http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/4962641/Der-Filz-zwischen-Pharmafirmen-und-Aerzten

„Die Phamakonzerne bestechen die Ärzte nicht mehr wie früher plump mit Bargeld, sondern nutzen die Grauzonen des Gesundheitssystems, um dieser für sich wichtigsten Zielgruppe wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen“, so Aufdecker Aboulenein. „Teilweise beziehen Ärzte aus solchen Tätigkeiten mehr Einkünfte als aus ihrer eigentlichen ärztlichen Tätigkeit.
Und weil es alle tun, hat keiner mehr ein schlechtes Gewissen dabei.“
http://gesundheitsnews.at/die-machenschaften-der-pharmaindustrie-neues-buch-ueber-das-geschaeft-mit-der-gesundheit/

Jetzt soll hier gar nicht bestritten werden, dass es all die „Mietmäuler“ (bezahlte Vortragende, die bestimmte Produkte empfehlen), Auftragsstudien, Gefälligkeitsgutachten, unnötige aber honorierte Beobachtungsstudien in der Ordination oder Expertenkonsense , Aufwandsentschädigungen für Advisory Boards attraktive Kongress-Destinationen, etc. etc. gab und vermutlich noch immer gibt.
Ob das auch schon aus jedem Hausarzt oder Fortbilder einen hochbezahlten Lobbyisten der Pharmaindustrie macht?

Auch dieser Blog hat sich immer wieder mit dem Thema der Korruption im Gesundheitswesen auseinander gesetzt:

Jänner 2013: Ärzte: Unser Image ist im Arsch, soviel scheint sicher
https://medicus58.wordpress.com/2013/01/06/arzte-unser-image-ist-im-arsch-soviel-scheint-sicher/

November 2014: USA: Ist Ihre Arzt korrupt, muss nicht immer die Pharmaindustrie dahinter stehen
https://medicus58.wordpress.com/2014/11/20/usa-ist-ihre-arzt-korrupt-muss-nicht-immer-die-pharmaindustrie-dahinter-stehen/

Juni 2015: Sponsoring österreichischer Ärztefortbildung. Systematische Analyse der DFP-Fortbildungsdatenbank https://medicus58.wordpress.com/2015/06/03/sponsoring-osterreichischer-arztefortbildung-systematische-analyse-der-dfp-fortbildungsdatenbank/

Was mir aber beim emotionalen ZIB2 Auftritt „Pharmakonzerne kaufen Ärzte“ des Kollegen (http://tvthek.orf.at/program/ZIB-2/1211/ZIB-2/12392834/Pharmakonzerne-kaufen-Aerzte/12392863) und den hier angeführten Zitaten massiv kontraproduktiv erscheint,
ist die hier gewählte, intellektuell flache und generalisierende Zugangsweise.

Klar ist:

Die großen Player in der Pharmaindustrie sind börsennotiert und gewinnorientiert.
Ihr Budget für „Werbemaßnahmen“ ist prozentuell an die erwarteten oder zu erhaltenden Umsätze gebunden.

Wohl kaum praktikabel aber vielleicht sogar wünschenswert könnte man natürlich verlangen, dass im öffentlich finanzierten Bereich nur gemeinnützige Firmen tätig werden dürfen, aber ausschließlich der Pharmaindustrie, nicht aber der Versicherungswirtschaft, den Medien, der Bauwirtschaft, der Waffenindustrie, den Geräteherstellern, …. etc. vorzuwerfen, dass sie alle legale Wege ausnützen um ihren Umsatz und damit ihren Gewinn zu erhöhen,
ist eine so einseitige Sicht, dass wohl auch die Beweggründe für diese Sicht zu hinterfragen sind.

Auch die Generalisierung, dass es alle tun, ist nicht nur falsch, selbst wenn schon jeder von uns mal einen Pharmakugelschreiber oder ein paar Brötchen nach einem Vortrag auf Pharmakosten abbekommen hat, sondern behindert eine sauberer Aufarbeitung des Problems.

Man muss kein ausgewiesener Logiker oder Dialektiker sein um zu erkennen, dass Thesen die alles einschließen („alles ist Politik“, „Alles ist Korruption“), jeden Diskurs beenden, da es wohl keine Alternative mehr, keine Antithese mehr gibt, über die es noch zu sprechen lohnt.

Konkret, wenn alle, ohne jeden Unterschied, ohne jede Graduierung korrupt sind, dann werft sie ins Gefängnis und verbietet die Branche.
Ende der Debatte!

Mit einem etwas differenzierteren Zugang hätte Kollege Aboulenein aber in seinem ureigensten Bereich, der Neurologie, einen einfachen Lösungsweg finden können, um unterscheiden zu können, wo es wirklich um Korruption geht, oder wo es sich um Querfinanzierungen handelt, ohne die sehr sinnvolle Aktivitäten in der Medizin (Finanzierung von Grundlagenforschung, Finanzierung von produktunabhängiger Fortbildung, …) schlagartig beendet würden.

Solange die Neurologie in Ermangelung spezifisch wirksamer Medikamente mehr oder weniger nur zwischen einigen billigen Vitamin B Präparaten wählen konnte, wird kaum ein Konzern Ihn oder irgendeinem anderen Arzt als Dank für seine Verschreibepraxis nach Hawaii zum Surfen geschickt haben. Seit er als MS-Experte nun auch sehr teure monoklonale Antikörper (Alemtuzumab) verschreiben konnte, oder auch nicht, wurde er natürlich als Umsatzmaximierer interessant.
Aboulenein beschreibt in seinem Buch auch die Vorgänge, wie das ehemalige Krebsmedikament als MS-Mittel plötzlich viel teurer wurde, übrigens eine Geschichte die hier schon im August 2012 zu lesen war (Warum setzt man meinem Gewinnstreben Grenzen und lässt die Pharma machen was sie will? https://medicus58.wordpress.com/2012/08/27/warum-setzt-man-meinem-gewinnstreben-grenzen-und-lasst-die-pharma-machen-was-sie-wollen/  ).
Weshalb er aber aus seinem eigenen Erfahrungen in seinem Sonderfach nicht den einzig richtigen Schluss zieht, dass in der Pharma- wie bei jeden anderen Industrie – nur dort Geld für umsatzsteigernde Bestechung budgetierbar ist wenn es auch entsprechend hohe Umsätze gibt und man sich auf diese relativ wenigen Bereiche zu konzentrieren hat, wenn man Korruption bekämpfen möchte, ist mir nicht nachvollziehbar.

So plakativ und auf den ersten Blick für den Laien vielleicht überzeugend seine Forderung nach einem Verbot von Vertreterbesuchen ist, das Problem wird kaum dadurch bekämpft, wenn der Turnusarzt keinen Kugelschreiber und keinen Sonderdruck aus dem New England Journal mehr bekommt.
Ob die Absage aller wissenschaftlichen Kongresse, auch die in weniger spektakuläreren Destinationen als Hawaii, die zu mehr als der Hälfte durch die Austellermieten bezahlt werden, obwohl die Teilnehmergebühren für Einzelpersonen inzwischen schon viele Hundert Euro kosten, im Sinne der medizinischen Wissensvermittlung wären, mag ich bezweifeln

Jedes Whistleblowing führt zu Kollateralschäden, klar.

Aber ob die Generalbeschädigung eines Berufsstandes der richtige Weg ist, um seine persönlichen Erfahrungen zu verarbeiten, nur weil man halt auch mal ein teures Medikament verschreiben durfte, mag ich noch viel mehr bezweifeln.

 

Written by medicus58

8. April 2016 at 16:26

Sponsoring österreichischer Ärztefortbildung. Systematische Analyse der DFP-Fortbildungsdatenbank

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Sponsoring

Das nachfolgend verlinkte Dokument (Wild, C., Küllinger, R. und Hintringer, K. (2015): Sponsoring österreichischer Ärztefortbildung. Systematische Analyse der DFP-Fortbildungsdatenbank. Decision Support Document 87) dem diese Abbildung entnommen wurde gibt ein erstes Schlaglicht, wer in Österreich in das immer größer werdende Geschäftsfeld „Ärztliche Fortbildung“ einzahlt. http://eprints.hta.lbg.ac.at/1053/

Neben einem (weitgehend von der Arztakademie übernommenen) Überblick über die Organisation der Fortbildungsveranstaltungen, zeigt die Analyse auch ganz gut, in welchen Bereichen ein externes Sponsoring wirklich relevant ist, eben bei den „High-Cost und High Volume“ Produkten.
Verdächtigen Sie also Ihren Arzt nicht der Korruption, wenn er ihnen aus einer Fülle möglicher Therapien eine empfiehlt, die nicht mehr kostet, als vergleichbare Optionen, aber hinterfragen Sie insbesondere im Bereich der Privatmedizin und insbesondere in Rheumatologie, Endokrinologie und Onkologie „allzu innovative“ Empfehlungen.

Man könnte an der Analyse sehr viel Detailkritik anbringen, insbesondere weil nicht verglichen wurde, ob es bei der Fortbildungsveranstaltung überhaupt oder überwiegend um Produkte des Sponsors ging, aber als erster Überblick über die heimische Situation ist es lesenswert.


Weitere Links zum Thema auf diesem Blog:

April 2015: Wirkungsorientierte Folgenabschätzung der Ärzteausbildung: Geiz war geil http://wp.me/p1kfuX-Wj
April 2014: Entwertung der Ausbildung durch das Geschäft mit der Fortbildung http://wp.me/p1kfuX-Mx
April 2013: Gelddruckmaschine ärztliche Fortbildung http://wp.me/p1kfuX-Cy

Written by medicus58

3. Juni 2015 at 17:27

USA: Ist Ihre Arzt korrupt, muss nicht immer die Pharmaindustrie dahinter stehen

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costeffective

Vor zwei Tagen brachte die New York Times einen Beitrag unter dem Titel:
How Medical Care Is Being Corrupted
den sich unser Versorgungsspezialisten auf’s Nachtkasterl legen sollten.

Kurz zur Einleitung:

Es scheint nahezu allen Stakeholders im Gesundheitssystem, also diejenigen, die früher als Strippenzieher bezeichnet wurden, unerträglich, dass Ärzte entscheiden dürfen, welche Therapie für ihre Patienten die beste ist.

Zugegeben, wie in jedem anderen Bereich, fanden sich auch in der KollegenInnenschaft genügend Subjekte, die bei ihren Entscheidungen nicht frei vom Blick auf den eigenen Vorteil waren und gerade das auf den Rezeptblock kritzelten, was Ihnen als Operateur oder Medikamentenverschreiber nützte, bzw. die teuer erstandene Ausrüstung ihrer Ordination amortisierte.

Da sich direkte Eingriffe medial nicht so gut machen, obwohl sie in Form von diagnostischen Pfaden und Deckelungen ohnehin en masse bestehen, enschloss man sich in fast homoöpathischer Tradition die angebliche Krankheit (Ärztekorruption) mit einer in hoher Dosierung krankmachenden Substanz auszutreiben, indem man sich sogenannte Incentives bediente.
Medial publik und sogleich mit dem Sessel des Hauptverbandes belohnt wurde bei uns Peter McDonald von der SVA-Versicherten, der seinen Versicherten einen Bonus für einen gesundheitsbewussten Lebensstil versprach. Weniger publik wird der enorme Druck des Hauptverbandes auf die niedergelassenen Ärzte, um in ihren Verschreibungen stets die kleinste Packungsgrösse und da das günstigste Genericum zu verschreiben…

In den USA ist man da schon längst weiter und versucht nicht nur den sich scheinbar wohlverhaltenden Patienten „Zuckerln“ zu zahlen, sondern auch Vertragsärzte durch „Boni“ zur Verschreibung bestimmter Therapien gebracht werden.
Die NYT holt z.B. WellPoint, eine der größten privaten Krankenversicherungen, vor den Vorhang, der seinen Ärzten monatlich (!) 350$ zahlt, wenn sie zu einer bestimmten Krebstherapie greifen. Dass die dadurch für die Versicherer erzielte Ersparnis größer als 350$ sein wird, erklärt sich wohl von selbst.

Während es in den US selbstverständlich geworden ist (Physician Payments Sunshine Act) allfällige vertragliche Bindungen von Ärzten an die Pharmaindustrie offen zu legen, werden umgekehrt die Versicherungen nicht gezwungen, ihre Druckmittel auf ihre Vertragsärzte offen zu legen.

Auch bei uns sehen immer mehr das Heil in Versicherungssystemen in denen der Patient innerhalb eines geschlossenen Systems versorgt wird, weil dann der einzelne Arzt nicht mehr in Versuchung kommt, durch vermehrte Überweisungen und Verschreibungen sein Einkommen zu steigern. Was da aber völlig ausgeblendet wird, ist dass es beileibe nicht nur die Ärzte sind, die in dem System korruptionsanfällig sind. Der Nachfolgende Leserkommentar zeigt die Problematisch exemplarisch und gibt mir wieder etwas länger Mut, weiterhin im öffentlichen Gesundheitswesen zu arbenten, trotz allem….

Roger Savannah, Georgia
Ich bin so glücklich, dass meine medizinische Karriere vorbei ist. Meine letzten 8 Jahren arbeitete ich als Geburtshelfer und Gynäkologe im der Choctaw Nation of Oklahoma (einem selbstverwalteten indigenen Gebiet).
Das waren die besten Jahre einer 40 -jährigen Karriere , weil ich nicht mit den in dem Artikel erwähnt Versicherungsangelegenheiten befassen musste. Ich war angestellt und meine Entlohnung blieb die gleiche, ob ich nun 5 Operationen pro Woche oder gar keine durchführte. Es gab keine Anreize etwas zu tun oder nicht zu tun. Jeder Patient wurde ein Individuum und sein Behandlungsplan war auf seine Bedürfnisse zugeschnitten.
Vergangene Woche war ich jedoch auf der anderen seite der medizinischen Versorgung.
Eine Hautärztin, den ich konsultierte, diagnostizierte in meinem Gesicht und am Hals viele kleine präkanzeröse Läsionen . Sie behandelte 7 davon mit flüssigem Stickstoff. Warum behandelte sie nur 7, obwohl sie etwa18 gefunden hat?
Da Medicare nur die Behandlung von 7 Läsionen in einer Sitzung zahlt! Es hätte sie nur ca. 5 Minuten mehr gekostet, um den Rest zu behandeln, aber sie würde dafür nicht bezahlt werden. Wäre sie eine angestellte Ärztin gewesen, hätte ich nicht zwei weitere Male in ihre ordination machen müssen.

I am so happy that my medical career is over. My last 8 years I worked as an OB-GYN for The Choctaw Nation of Oklahoma. Those were the best years of a 40 year career because I did not have to deal with some of the insurance issues mentioned in the article. I was salaried and my pay remained the same whether I performed 5 surgeries a week or none at all. There were no incentives to do or not do. Each patient was an individual and each had a treatment plan tailored to her needs.
I was on the receiving end of care this past week. A dermatologist that I saw diagnosed many precancerous small lesions on my face and neck. She treated 7 of these with liquid nitrogen. Why treat only 7 when she found about 18? Because Medicare will only pay for 7 lesions at a time! It would have taken her about 5 more minutes to treat the rest but she would not have been paid for it. Had she been salaried I would not have to make two more trips to her office.

Zum Nachlesenhttp://www.nytimes.com/2014/11/19/opinion/how-medical-care-is-being-corrupted.html?

Written by medicus58

20. November 2014 at 19:39

Die Abkassierer der 24-Betreuung sind unter uns

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Rolli

Ist ist schon einige Zeit her, als wir uns hier mit dem Phänomen auseinandergesetzt, dass die Anzahl der Menschen die in Österreich „in Pflege stehen“ mehr als doppelt so hoch ist, wie im Durchschnitt der OECD Länder: „Pflegehelferinnen aus dem Ostenhttp://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33704 . Langsam, spätestens als öffentlich wurde, dass in der Familie des damalige Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel unangemeldet eine Pflegerin beschäftigt wurde, begannen hektische Bemühungen das, was bereits flächendeckend statt fand „Der Arbeitsstrich der 24 Pflege“ (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=63115) zu legalisieren.

Während wohl jedem klar war, dass es heute nahezu unmöglich war eine aufwendige Betreuung „der Alten“ zu gewährleisten, seit diese weder an die „Hausfrau und Mutter“ des „alleinverdienenden Haushaltsvorstandes“ zu delegieren ist, weil diese ebenfalls im Berufsleben steht und die frühere Akzeptanz, die Alten entweder am Land in die Ausnahm oder in der Stadt in die Versorgung zu stecken, kollidierte dies mit den Berufsinteressen der diplomierten Pflegeberufe, die sich gesetzlich eine Art Alleinanspruch auf „die Pflege“ gesichert haben. Mühevoll bastelte man an entsprechenden Gesetzen, die das, was die 24h Betreuung zu leisten hat (Putzen, Kochen, Helfen, Waschen, Füttern, ….) von der medizinischen Pflege mehr schlecht aber zu Recht differenzieren.
So war der Weg frei, sich des Arbeitsproletariats arbeitsloser Frauen aus (zuerst vorzugsweise) der Slowakei, (inzwischen auch) aus Polen, Rumänien, der Ukraine und immer weiter aus dem Osten Europas zu bedienen. Dass die Überalterung in diesen Gebieten inzwischen ein ähnliches Ausmaß erreicht hat, wie bei uns, es aber dort die soziale Absicherung viel schlechter bestellt ist, als bei uns, d.h. sich die Frage stellt, wer denn dort die Alten pflegt, soll hier einmal nicht weiter diskutiert werden.

Im heutigen Beitrag geht es um all die Einheimischen, die den ohnehin relativ niedrigen Lohn der meist als Ich-AGs arbeitenden Frauen weiter schmälern.

Eine kurze Anfrage an „Prof. Google“ zeigt die Fülle an Agenturen, die sich im Vermittlungsgeschäft etabliert haben. Der Konsument hat zuletzt 77 getestet und unter denen sind diejenigen, die vom Entlassungsmanagement zweier Wiener Großspitäler empfohlen werden, gar nicht dabei!
Verstehen Sie mich richtig, natürlich ist eine sorgfältige Personalselektion und -vermittlung eine Leistung, die auch honoriert werden muss. Wie wir aber gleich sehen werden, ist die Qualität der Vermittlung sehr zu hinterfragen, insbesondere da keinerlei Garantieleistung damit verbunden ist und die betreffenden Einzelpersonen oder Firmen sich durch die kontinuierliche Beteiligung an den laufenden Geldflüssen nach abgeschlossener Vermittlung ein IMHO nicht zu rechtfertigendes Dauereinkommen sichern.

Players in the field:
a) Diplomierte Krankenschwester hängt den Beruf an den Nagel und macht sich selbstständig:  Die meisten Anbieter scheinen mir von ehemaligen diplomierten Krankenschwestern mit persönlichen und sprachlichen Verbindungen in den ehemaligen Ostblock gründet worden zu sein.
b) Gemeinnützige Vereine und Einrichtungen Verschiedene privaten und öffentliche Gruppierungen (Caritas, Hilfswerk, FSW, ..) vermitteln ebenfalls in- und ausländische BetreuerInnen, wobei man sich hier ebenfalls häufig Dritter bedient, die die Personen dann aussuchen.

Was leisten die Vermittler?

Glaubt man den Internettauftritten und den persönlichen Gesprächen, werden Bewerberinnen „auf Herz und Nieren geprüft“, ehe sie einem vorgeschlagen werden. Eigene Erfahrungen lassen hier große Zweifel aufkommen. Eine (nach eigener Aussage) studierte Kernphysikerin und ehemalig beim Slowakischen Rundfunk in leitender Position angestellte, nun zur Pflegerin konvertierte Person entpuppt sich als psychiatrisch schwerst auffällig und offenkundig alkoholabhängig. Nachträglich ist da der Agentur (einer diplomierten Krankenschwester) schon einiges komisch vorgekommen … In einer gemeinnützigen Organisation, die auf ihrer Homepage verkündet, dass sie sich bei der Personalrekrutierung eines professionellen Personaldienstleisters bedient, erfährt man, dass es schon einmal vorkommen kann, dass sich die am Telefon als sehr gut befundenen Deutschkenntnisse dann vor Ort nicht nachvollziehen lassen, weil vielleicht jemand ganz anderer als die nun vermittelte Betreuerin abgehoben hat. Ganz kann man ja nie ausschließen, dass es in dem Dorf eben einen gibt der gut Deutsch kann und die Telefonate für alle abwickelt … Aber für all das gibt es keine Garantieleistung des Vermittlers, schließlich schließt man ja nicht mit dem Vermittler sondern mit der selbstständig agierenden Betreuerin einen Arbeitsvertrag. Die in dem unten verlinkten Konsumentartikel angeführten Leistungen der Vermittler (behördliche Anmeldung, Einführung in den Haushalt, Behördenwege, Erhebung des Pflegebedarfs …) existieren meiner Erfahrung nach mitunter nur auf dem Papier. Die Erhebung des Pflegebedarfs = Einstufung in die Pflegestufe wird beim Förderantrag ohnehin von „offizieller Seite“ vorgenommen.

Woran verdienen die Vermittler?

Klar, zuerst einmal für ihre Vermittlungsleistung. Diese wird entweder als Einzelzahlung pro Vermittlung, oder pro Vermittlung von zwei Pflegerinnen innerhalb von 1-3 Monaten oder als Jahresmitgliedsbeitrag, oder als Mischung aus all den Formen eingehoben. Kosten von bis zu 1.240 € für die Erstvermittlung und Jahresgebühren von 1.500 € sind mit bekannt! Dazu kommen oft noch versteckte Kosten (siehe unten). Dass die Agentur auch von den Betreuerinnen eine Vermittlungsprämie abkassiert, erfährt man meist erst später, wenn man sich über mangeldne Jobzufriedenheit wundert.

Damit ist aber noch nicht Schluss:

Viele Agenturen (auch die gemeinnützigen Vereine !) kassieren auch pro geleistetem Betreuungstag mit. Nochmals sei in Erinnerung gerufen, dass die meisten Betreuerinnen als selbstständige Einzelunternehmer handeln und die Vermittler keine Leistungen für sie erbringen, die dieses Mitkassieren rechtfertigen.

Qualitätssicherung als nettes finanzielles Zubrot Aus der oben angeführten Problematik, dass die diplomierten Pflegeberufe sich aus diesem Geschäft nicht gänzlich hinausdrängen lassen wollten und – völlig nachvollziehbar – die öffentliche Hand, die diese Betreuungsverhältnisse auch finanziell unterstützt, eine gewisse Sicherheit braucht, dass eine qualifizierte Betreuung erfolgt, hat sich eine laufende Qualitätssicherung etabliert, für die je nach Geschäftsmodell natürlich oft extra bezahlt werden muss. Für den 10 minütigen Besuch einer diplomierten Krankenschwester, die „nach dem Rechten sieht“, fallen dann schon mal extra 75 € pro Monat an. Wenn Sie draufkommen, dass Besuche in rechnung gestellt werden, die nie stattgefundne haben, dann haben Sie ein Problem. Selbst wenn Sie nicht per Mitgliedsgebühr an den Vermittler gebunden sind ist der wechsel nicht so einfach, weil evtl. die Betreuerinnen an ihn vertraglicg gebunden sind, was Sie spätestens zu diesem Zeitpunkt realisieren! Eine Gewährleistung der Qualität bekommt man aber nicht. Zumindest von einer bestimmten Agentur kann ich beweisen, dass unter dem Titel der Qualitätssicherung nun verpflichtende Kurse angeboten werden, die die Betreuerinnen zusätzlich zu zahlen haben. Wohlgemerkt, als Betreuerin kann legal ohne hin nur jemand arbeiten, der eine entsprechende Ausbildung (meist im Heimatland) nachweisen und sie in Östterreich anerkennen kann. Selbst einfache medizinische Tätigkeiten, diejeder Patient selbst an sich durchführt, dürfen von den Betreuerinnen ohnehin nicht vorgenommen werden, da sie gesetzlich diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen sowie PflegehelferInnen auf ärztliche Anordnung vorbehalten sind. Es kann ihnen also passieren, dass sie für die tägliche Heparinspritze trotz 24 Betreuung noch eine mobile Krankenschwester anheuern müssen!

Da mach ich doch auf Taxiunternehmen

Natürlich müssen die Betreuerinnen, die sich i.d.R. alle 14 Tage abwechseln, auch wieder „in den Osten“. Wer keine guten öffentlichen Verbindungen hat, ist hier auf die in den Herkunftsländern boomenden Taxi- und Busunternehmer angewiesen. Diese Kosten fallen meist zusätzlich zum vereinbarten Taggeld an und variieren zwischen 50 und 150€ alle 14 Tage. Aber auch hier haben die in Österreich ansässigen Vermittler Lunte gerochen und einige steigen auch in diese Geschäft ein, in dem sie „ihre“ Betreuerinnen vertraglich verpflichten ausschließlich „ihr“ Transportunternehmen zu benutzen. Kein schlechtes Geschäft, da es ja für jede Hin-fahrt auch mind. einen Passagier für die Rückfahrt gibt. Begründet wurde das im Einzelfall damit, dass man so eine größere Sicherheit für die Betreuerinnen bieten würde, dass sie auch pünktlich an ihren Einsatzort kämen.

Wenn Sie also auf Internetangebote stoßen
24Stundenpflege zu Hause – Österreichweit bereits ab 35 €
Legal und verantwortungsbewusst,

dann  denken Sie sich Ihren Teil.

Und wenn Ihnen dann Gedanken wie
Abzocke
Ausbeutung
Arbeitsstrich und
Neokolonialismus

in den Sinn kommen, dann geht es Ihnen wie mir!

Eine gute Übersicht über die Kosten einiger Anbieter finden Sie hier in einer (eigentlich kostenpflichtigen ) Ausgabe des Konsument, die uns freundlicherweise das Land Salzburg ins Netzt gestellt hat … http://www.salzburg.gv.at/24-stunden-betreuung_konsument_2.pdf

Links:
Generationenvertrag
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31468
Generationenvertrag II oder das Sandwich http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31563
Generationenvertrag III http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32059
Generationenvertrag IV: Im nächsten Leben werde ich ein Gemüse oder ein Metall http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32622

Hilfreiche Informationen:
http://www.bmask.gv.at/site/Soziales/Pflege_und_Betreuung/24_Stunden_Betreuung/
  http://www.pflegedaheim.at/cms/pflege/attachments/2/8/6/CH1848/CMS1237213583778/24stdbetreuung[1]1.pdf

Written by medicus58

12. Januar 2013 at 14:41

Strasser Ernst und seine Unschuldvermutung

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20.3.2011) hatte er sich endlich einen eigenen Eintrag hier im Satanswinkerl verdient: Erich Strasser Ende 2012 steht er endlich vor einem Richter.

BM Inneres 1968 bis 1975 war er Sekretär des Parlamentsklubs der Partei, von 1975 bis 1991 Generalsekretär des Österreichischen Wirtschaftsbundes, von 1979 bis 1989 Abgeordneter zum Nationalrat und von 1987 bis 1989 auch Klubobmann-Stellvertreter. In dieser Zeit war er an den Koalitionsverhandlungen der ÖVP mit der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) zur Weiterführung der großen Koalition nach der Nationalratswahl 1986 und an Österreichs Beitrittsverhandlungen zum EWR und mit der Europäischen Union beteiligt.
EU Abgeordneter: gegen den an Vorzugstimmen erfolgreicheren Karas Fraktionsführer der ÖVP geworden.
Nachdem er in eine journalistischen Falle getappt wurde musste er am 20.3. zurücktreten.
 
E-MAIL AFFÄRE
In dem Falter zugespielten Daten wird klar, wie Strasser das Ministerium umgefärbt hat. siehe auch Interview unten aus 2009

Strasser schweigt zu Auftragsvergabe für Blaulicht-Funksystem
Der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament und frühere Innenminister Ernst Strasser will zu neuen Vorwürfen im Zusammenhang mit einem Zuschlag für das digitale Behördenfunknetz Tetron, den er als Ressortchef 2004 einem Konsortium aus Telekom Austria, Alcatel und Motorola verschafft haben soll, nichts sagen. Laut „profil“ schloss Motorola 2005 einen Beratervertrag mit einer panamaischen Briefkastenfirma in der Höhe von 2,6 Millionen Euro ab. Am Rande der Auftragsvergabe sollen „klammheimlich Millionen geflossen“ sein. Auf APA-Anfrage ließ Strasser über seine Pressesprecherin lediglich ausrichten, dass er 2005 nicht mehr Innenminister gewesen sei.
Die panamaische Briefkastengesellschaft Valex von Alfons Mensdorff-Pouillys britischem „Wahlonkel“ Timothy Landon, vertreten durch einen Genfer Treuhänder, habe vom Deutschland-Ableger des US-amerikanischen Elektronikkonzerns Motorola 2005 den Auftrag erhalten, in Österreich den Aufbau des Behördenfunknetzes zu begleiten, die Technologie flächendeckend zu promoten und nebenher auch noch dem Innenministerium in Wien regelmäßig zur Verfügung zu stehen. Im Gegenzug erklärte sich Motorola bereit, Valurex an jedem tatsächlich verkauften Endgerät für das Blaulicht-Funksystem mit bis zu fünf Prozent zu beteiligen, wobei die Gesamtprovision den Betrag von 2,6 Millionen Euro exklusive Umsatzsteuer nicht überschreiten durfte, berichtet das Nachrichtenmagazin. 2011, knapp vier Jahre nach Zerfall der schwarzblauen Koalition, nutzen lediglich die Einsatzkräfte Tirols, Wiens und Niederösterreichs sowie Justizwache, Teile des Bundesheers und die Fernmeldetechniker des Infrastrukturministeriums den neuen Digital-Standard, so „profil“. Die Steiermark ist nach wie vor mit dem Ausbau beschäftigt, die übrigen Bundesländer wollten davon bisher nichts wissen.
http://derstandard.at/1297818532118/Beraterhonorare-Strasser-schweigt-zu-Auftragsvergabe-fuer-Blaulicht-Funksystem
Ex-Mitarbeiter von Ernst Strasser kamen nach einem zweifelhaften Behördenfunk-Auftrag in diversen Funktionen der erfolgreichen Bieter unter:
http://derstandard.at/1297822106648/Tetron-Bei-Strasser-hat-es-gefunkt
PÖSTCHEN ZWISCHEN MINISTERIUM UND EU JOB:
„Westbahn“-Gesellschaft von Haselsteiners Gnaden
„Group 4“ FALTER INTERVIEW 5/2009
Ernst Strasser über seine Firmen, seine Mails und verwöhnte Brüsseler Bürokraten http://www.florianklenk.com/?s=strasser

Falter: Was haben Sie eigentlich nach ihrem Engagement als Innenminister getan?
Strasser: Ich war geschäftsführender Gesellschafter einer Tochter der Vienna Capital Partners (VCP). Wir haben saubere Kraftwerke in Bulgarien und Rumänien finanziert. Danach habe ich meine Anteile verkauft und meine Geschäftsführung zurückgelegt. Ich wollte mich um meine eigene Firma kümmern.
Falter: Sie sind auch Präsident der Russisch-Österreichischen Freundschaftsgesellschaft.
Strasser: Das war ich schon, als ich noch Innenminister war.
Falter: Sie lobbyierten in dieser Funktion etwa für die Casinos Austria, damit diese in der russischen Teilrepublik Baschkortostan eine Lottolizenz bekommen. Haben Sie dabei gut verdient?
Strasser: Ich versuchte neue Märkte für österreichische Unternehmen zu erschließen.
Falter: Einer ihrer Partner ist auch der ehemalige LiF-Chef Alexander Zach. Gegen ihn wird wegen Schmiergeldzahlungen in Osteuropa ermittelt.
Strasser: Ich bin Minderheitsgesellschafter einer Firma von Zach

Strasser: Ich habe eine Beratungs- und Beteilungsgesellschaft, zog mich aber aus den operativen Geschäften zurück. Dann kam das Angebot von Josef Pröll, für die EU-Wahl zu kandidieren. Ich werde als Politiker keine Lobbyingaufträge annehmen.

Falter: Kommen wir zu Ihren berüchtigten Interventions-Mails. Haben Sie je für Parteifreunde interveniert?
Ernst Strasser: Sicher. Warum auch nicht? Es ist doch klar, dass man Leuten hilft, die ein berechtigtes Anliegen haben, etwa einen Job suchen….
Falter:..aber Sie tun es nur, wenn die Person das richtige Parteibuch hat. Einmal, als einem roten Parteigänger geholfen werden sollten, fragten sie ihren Mitarbeiter per Mail, ob er „farbenblind“ sei. Nicht die besten kommen zum Zug, sondern die Ihnen und Ihrer Partei stehen. Ein sagenhafter Feudalismus.
Strasser: Falsch. Ich habe versucht, den Leuten, die mit Sorgen zu mir kommen, zu helfen. Ich weiß nicht, was daran seltsam sein soll.
Falter: Hilfe zu leisten, das ist noch verständlich. Aber Sie betreiben klassische Parteibuchwirtschaft..
Strasser: Die ist doch lange vorbei!
Falter: Ihre Mails zeigen das Gegenteil.
Strasser: Das sagen Sie, dass das meine Mails sind.
Falter: Von wem sind sie sonst?
Strasser: Ich bin nicht die Polizei. Ich kann nicht beurteilen, ob es meine Mails sind.
Falter: Ich habe sie in Ausdrucken mit. Hier sehen Sie…
Strasser:… entweder wurde das Amtsgeheimnis oder das Briefgeheimnis verletzt.
Falter: Herwig Haidinger, der von Ihnen eingesetzte und später abgesetzte Chef des Bundeskriminalamts, rügte Korruption im Innenministerium. In den Mails ist von Jagdausflügen auf Luxusschlösser, finanziert durch den Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly, die Rede.
Strasser: Herwig tut mir leid. Irgendetwas muss mit ihm passiert sein. Er ist wohl verzweifelt oder enttäuscht.
Falter: Wie kontern Sie seine Vorwürfe?
Strasser: Dazu nehme ich nicht Stellung.
Falter: Sie waren auch bei Mendsorff-Pouilly eingeladen.

Strasser: Die Auseinandersetzung mit der Caritas ist mir entglitten.
Falter: Sie nannten sie eine „unmenschliche Organisation“.

Falter: Wolfgang Schüssel, Erhard Busek, Franz Fischler – sie alle unterstützen nun den erfahrenen EU-Parlamentarier Ottmar Karas. Trifft Sie das?
Strasser: Im Gegenteil. Das bringt Bewegung, das bringt Stimmen.

Falter: Welche historischen Leistungen wollen Sie in Europa vorantreiben?
Strasser: Wir wollen nun den Spekulanten, die über den großen Teich gekommen sind, das Handwerk legen.
Falter: Es sind die gleichen Spekulanten, die nach Meinung des ÖVP-Finanzministers Karlheinz Grasser unsere Pensionssysteme verwalten sollten. Haben Sie das schon vergessen?

Strasser: Ich bin für die einfachen Leute da, nicht für den Brüsseler Elfenbeinturm.

SEIBANE WAGUE
Während Strassers Amtszeit als Innenminister kam am 15. Juli 2003 der Mauretanier stammende Asylwerber Seibane Wague bei einem Polizeieinsatz ums Leben. Strasser sicherte Polizeibeamten „volle Loyalität“ für ihr, später vom unabhängigen Verwaltungssenat Wien und vom Verwaltungsgerichtshof als rechtswidrig und als Folter erkanntes Vorgehen, zu.

INVESTOR
2005 – 2008 war Strasser Manager beim Wiener Investmenthaus Vienna Capital Partners (VCP).
Seit 2005 ist er Eigentümer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens CCE-Consulting GmbH. Diese Firma ist auch Gesellschafter der Advisory Partners OG, der BCD Business Consulting & Development GmbH, der EXPERT Managementberatung Russia GmbH und der ZSA Strategy Consultants GmbH (vormals Eurocontact Consulting GmbH). Seit 2007 ist Strasser mit 10 % am Beratungsunternehmen CIN-Consult Unternehmensberatung GmbH des ehemaligen Meinl-Gutachters Thomas Havranek beteiligt. In der für Abgeordnete des Europäischen Parlaments verpflichtenden Erklärung der finanziellen Interessen hat  Strasser aber nur CCE-Consulting GmbH und BCD GmbH deklariert.
PR-Berater und Lobbyisten Peter Hochegger hat Strasser zwischen 2006 und 2008 100.000 Euro gezahlt, weil er lt. Strasser geholfen hätte, „ein Problem zu beseitigen.“
im Herbst 2005 wird Strasser als Mitarbeiter der Tiroler Agentur Hofherr Communikation als Lobbyist für das Energieunternehmen TIWAG tätig,

SUNDAY TIMES FALLE
Neues Video legte nahe, dass Strasser mindestens 500.000 Euro pro Jahr alleine für Lobbyaufträge verdiente, selbst gab er zu bereits für 5 Kunden zu arbeiten. Er verteitigte sich zuerst, dass er eine Geheimdienstaktion aufdecken wollte ..
Nun steht auch die Frage im Raum, weshalb ein EU Parlamentarier ganz offiziell eine Lobbyingargentur bereiben darf. Strassers Unternehmen „CCE“ hat im Jahr 2008 rund 675.925 Euro verdient, im Jahr davor nur geringfügig weniger.
http://kurier.at/nachrichten/2083444.php

Videos auf YouTube:
http://www.youtube.com/watch?v=Zyg7m1J7O80
http://www.youtube.com/watch?v=MOZzjfVOYA8

http://derstandard.at/1297820843889/Medienberichte-Neue-Vorwuerfe-gegen-Strasser
http://derstandard.at/1297820910907/Lobbying-Affaere-Ernst-Strasser-tritt-zurueck

Über Strassers Lobyying für die TIWAG:

http://derstandard.at/1297822026005/Neue-E-Mails-Ernst-Strasser-intervenierte-bei-Josef-Proell-fuer-Kraftwerksbetreiber

http://dietiwag.org/index.php?id=3600

Strasser’s patschertes Leben (köstlich!):
http://www.profil.at/articles/1112/560/292462/das-leben-ernst-strasser


Standard Time Line:
http://derstandard.at/1353207015665/Timeline-Ernst-Strasser

ZU FRÜH GEFREUT?
Florian Klenk schreibt im Falter, dass das alles möglicherweise gar nicht strafrechtlich verfolgbar sein könnte und aus der Unschuldsvermutung eine – zumindest in den Augen der Justiz Unschuldsgewissheit würde.
http://www.falter.at/falter/2012/11/20/gerechtigkeit-fuer-ernst-strasser/

am 14.1.2013 wird Strasser jedoch in erster Instanz zu 4 Jahren Haft verurteilt :
http://kurier.at/politik/inland/urteil-im-lobbygate-prozess-vier-jahre-haft-fuer-ernst-strasser/2.558.169

Über andere im Satanswinkerl: siehe

http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33473

Written by medicus58

26. November 2012 at 06:37

Vassilakou untergräbt Glaubwürdigkeit der Grünen

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In einem von der Zivilgesellschaft Österreichs allgemein gelobten Abschlussbericht der Grünen über den abgewürgten Untersuchungsausschuss
(http://www.peterpilz.at/data_all/BerichtUAKORR.pdf?PHPSESSID=a1b80bc711bd4560a017be6b3f617992), wird im Kapitel Inserate staatsnaher Unternehmen zu recht kritisiert, dass die 2/2010 beschlossenen „Richtlinien für die Öffentlichkeitsarbeit und Informationsmaßnahmen der Bundesregierung und Bundesministerien“ von SPÖVP mißachtet wurden.

Die Grünen heben dort explizit hervor, dass
Der Sachinhalt der Öffentlichkeitsarbeit und der Informationsmaßnahmen absolute Priorität und in den Augen unbefangener Beobachter eindeutig zu überwiegen hat.

Damit bezieht sich der Abschlußbericht der Grünen insbesondere auf die unnötige bildliche Darstellung der Politikerköpfe, die auch in der Öffentlichkeit so wie hier im Blog seit Jahren kritisiert wurde:
Stoppt die Impertinenz http://wp.me/p1kfuX-97
Heute mache ich es mir leicht  http://wp.me/p1kfuX-e4
Als gäb’s kein Morgen und wär das Gestern nie passiert: Inserate eines Wr. Wohnbaustadtrats http://wp.me/p1kfuX-lC
Dossier lesen! http://wp.me/p1kfuX-u6

Natürlich ging es bei Faymann, Berlakovic, Platter et al. um große Summen, mit denen befreundet Medien, Verlage und Einrichtungen gefüttert wurden,
aber ein Kernpunkt der Grünen Kritik war auch die unnötige Zurschaustellung des eigenen Konterfeis ohne zusätzlichen Informationsgewinn:

Stellvertretend für viele andere Kampagnen während FAYMANNs Amtszeit werden an dieser Stelle Inserate mit Sujets des Bundespressedienstes näher analysiert. Inhalt dieser Inserate waren entweder nur Kontaktnummern und -adressen des BKA oder Advertorials
In der Krone gab es während FAYMANNs Amtszeit insgesamt vier 16-wöchige Kampagnen zur Bewerbung der BKA-Servicestellen, bei denen auch FAYMANN selbst immer wieder mit Foto abgebildet wurde. Der Informationsgehalt dieser Inserate – insbesondere jener, auf denen nur eine Telefonnummer und eine Homepage-Adresse stand – war äußerst gering. Es stellt sich daher die Frage, ob die hohen Kosten dafür gerechtfertigt waren.

Das oben abgebildete Foto, in dem uns unsere Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin Vassilakou entgegenlächelt, entstand in der Passage der U2/U3 Station Volkstheater.
Das multimediale „Plakat“ mit zwei Flachbildschirmen und Endlosvideos teilt den Benützern der U-Bahn mit, dass der größte Teil des innerstädtischen Verkehrs in Wien auf die Öffis entfällt.

Weshalb dem Benützer der Öffis überhaupt mitgeteilt werden muss, dass auch viele andere die Öffis benutzen, ist mir unverständlich.
Dass dies gerade in einer der Stationen geschieht, in der sich zu Stoßzeiten die Massen drängen und die Emotionen hoch gehen, wenn es wieder zu „unregelmäßigen Zugsfolgen“ gekommen ist, empfinde ich als provokant.
Wenn ich dort zwei, drei dicht gefüllte Züge vorbei winke, ehe ich mich in den dritten zwänge, dann benötige ich diese Information am allerwenigsten.
Auf das milde Lächeln der zuständigen Stadträtin kann ich, wie vermutlich viele andere, gerne verzichten.

NOCHMALS

Natürlich ist diese absurde Egomanie einer grünen Stadträtin nicht mit den auf finanziell ungleich höherem „Niveau“ abgelaufenen „Machenschaften“ zu vergleichen, deren parlamentarische Aufarbeitung von SPÖVP im U-Ausschuss abgedreht wurde.

Nur kann ich meine Enttäuschung über die Entwicklung der Wiener Grünen, die ich auch hier immer wieder erklärte, nur nochmals wiederholen:

Ich sehe ROT für die Grünen (http://wp.me/p1kfuX)
Wenn die Grünen, die überwiegend von denkenden und lesenden Menschen gewählt werden (sorry Polemik und Überheblichkeit), das Gedächtnis ihrer Wähler unterschätzen, sind sie am besten Wege in die Fußstapfen der SPÖ zu treten.
Eine mangelnde Alternative muss kein hinreichender Grund für die Grüne Alternative sein.
zuerst im November 2010 hier geschrieben http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32221

Sorry Maria, aber somit wanderst Du als erste Grüne in Satanswinkerl,
nicht wegen der Summen an Steuergelder, die Du verschleudert hast,

sondern wegen der Unsummen an Hoffnungen,
die Du und die Wiener Grünen seit ihrer Machtbeteiligung begraben hast!

Written by medicus58

15. November 2012 at 18:19

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