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Mit 70 soll Schluss sein? Das Nachspiel zum Schlusspfiff

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Jeder kennt den Emeritus, der noch mit 80 durch die Gänge der Universität streifte und noch 2010 forderte  Der Standard 
Lasst die Uni- Professoren länger arbeiten!

Wir wollen nun nicht die Anekdoten der Chirurgen und Schauspieler bemühen, die praktisch im OP oder auf der Bühne das Leben aushauchten. Weshalb trotz sichtbarer Altersdefizite das Publikum beider zufrieden (und lebendig) den Ort des Geschehens verlassen konnte, erklärt sich durch die tägliche Erfahrung mit dementen Patienten, die ihre Alltagsroutine weitgehend problemlos bewältigen, während ihr Mini-Mental-Status bereits besorgniserregend ist. 

Obwohl wir seit mindestens einem Jahrzehnt wissen, dass wir zwischen 2017 und 2024 eine Pensionswelle unter Ärzten zu erwarten haben (siehe Beitrag vom 15.2.2010) haben Regierung und Ärztekammer durch Studien- und Ausbildungsreform den Nachwuchs kontigentiert.  
Ehe nun der berechtigte Einwand kommt, dass wir in Österreich eh im OECD Vergleich zu viele Ärzte haben: Das stimmt zum Teil, das wird aber zum Großteil durch das insuffizienten System bedingt und das hat zwischenzeitlich niemand verbessert.

In typischer Manier löst man kein Problem sondern verschafft sich durch Übergangsregelungen die Zeit, in der man auf ein Wunder hofft, dass sich das alles dann schon irgendwie ausgehen wird. Das war bei der Ärztearbeitszeit so und auch 2009 im Sozialrechtsänderungsgesetz so, wo sich Regierung und Ärztekammer einigten:

Dass es heute noch zehn Ärztinnen und Ärzte mit GKK-Vertrag gibt, die älter als 70 Jahre sind, ist einer Einschleifregelung zu verdanken, die 2009 auf Drängen der Ärztekammer Steiermark aufgenommen wurde: Für Ärztinnen und Ärzte, die vor dem 1. Jänner 2010 das 60. Lebensjahr vollendet haben, gilt als Altersgrenze das vollendete 70. Lebensjahr, frühestens jedoch ab dem 1. Jänner 2019. Link

Pünktlich „warnen aber nun Kammerfunktionäre erneut vor Zwangspensionierung„:

Derzeit würden knapp fünf Prozent der Kassenvertragsärzte und -ärztinnen 70 Jahre oder älter sein, sagte Helga Azem, Standesvertreterin bei der Österreichischen Ärztekammer, im Ö1-Morgenjournal. Im kommenden Jahr kommen nochmals sieben Prozent dazu, die die Altersgrenze erreichen werden. Wegen der „Zwangspensionierung“ komme ein „großes Versorgungsproblem auf die Patienten zu“, so Azem weiter.

Fluglinien dürfen ihre Piloten mit 65 Jahren zwangspensionieren, das hat der Europäische Gerichtshof entschieden und ich kenne keinen Fluggast, der das schlecht findet, geklagt hat damals ein Lufthansa-Pilot.
Aber so ein Flieger ist natürlich auch viel teurer als ein Kassenpatient

Dabei ist das ohnehin alles Spiegelfechterei: 
Junge Ärzte wollen zu den bestehenden Konditionen weder Kassenverträge noch Stellen in den Krankenhäusern und angestellte Ärzte verlassen lange vor ihrem gesetzlichen Pensionsalter die Spitäler.

Written by medicus58

29. Oktober 2018 at 16:19

Wünsche an den neuen KAV Generaldirektor (Teil 2: Hilfe gegen den Helpdesk)

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Schon vor vier Jahren habe ich hier unter KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht beschrieben,
welche überproportionalen Einfluss die IT-Verantwortlichen auf Struktur- und Ablaufentwicklung im Wiener Krankenanstaltenverbund haben.

Die vor wenigen Tagen von der Kronen Zeitung  berichteten Kostensteigerungen in diesem Bereich:

313 Millionen Euro muss die Stadt Wien in den nächsten fünf Jahren für die EDV der Spitäler ausgeben …Teuerung bei Service und Wartung Plus von 74 Prozent droht

wurden mW von keinem anderen Medium aufgegriffen, unwahrscheinlich scheinen sie nicht. Oft hat man den Eindruck, dass es leichter wäre einen zusätzlichen PC als ein EKG zu bekommen.

Völlig demoralisierend sind die täglichen Abstürze, Latenzzeiten und verschwindenden Daten, über die man sich dann bei einem Helpdesk beschweren darf.
Obwohl konstatiert werden muss, dass die dort abhebenden Mitarbeiter inzwischen zu vielen Standardfehler in Outlook und Co. ganz kompetent geworden sind und hier rasch per Remote-Zugriff helfen, wird man bei allen komplexen Fragen mit einer Ticketnummer und dem Versprechen abgespeist, dass man das Problem weitergeben wird. Betrifft das Problem aber vor anderen Firmen zugekaufte oder überhaupt gewartete Programme oder Hardware findet man sich rasch in einer Parallelwelt.

Ich erspare uns nun mehr Beispiele und verweise auf nachfolgende Links. Meine zweite Bitte an den zukünftigen Generaldirektor wäre also eine Klärung,
wer im Krankenhaus denn den Kernprozess trägt und wer eigentlich nur zur Unterstützung dieser Menschen da ist!
Oder haben Sie schon einen Hund gesehen, der von seinem Schwanz gewedelt wird?

Links:
KAV-IT: Ohne Worte
Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall
Ein Tag im KAV
KAV: Wo bleibt die Informationspflicht der Bevölkerung, wenn Spitäler still stehen?
Meine Dienstgeberin gendert: KarteireiterInnen
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher

Written by medicus58

3. Juli 2017 at 16:51

Veröffentlicht in Allgemein, Gesundheitssystem

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Die Politik plant und die Ärzte ziehen weiter

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gone-fishing

Es wäre ja erheiternd, wenn es nicht so traurig wäre. In Niederösterreich erleben wir exemplarisch das Desaster der Gesundheitspolitik, wenn sie glaubt ihre Luftschlösser ohne Mitarbeit der Ärzteschaft bauen zu können.

Einerseits wäre das der feuchte Wachtraum aller Effizienzsteigerer und One-fits-all-Fetischisten, die interdisziplinäre Aufnahmestation. Auch in Wien wird ja Stadträtin Wehsely nicht müde dieses Konzept als Lösung für alle überfüllten Spezialambulanzen anzupreisen. Im Krankenhaus Wiener Neustadt wurde beim Neujahrsempfang im Jänner 2014 die Eröffnung der interdisziplinären Aufnahmestation zuerst für das 2. Quartal 2014 versprochen. Erst im Oktober 2015 wurde dann wirklich eröffnet, ohne dass es ausreichendes und ausreichend qualifziertes Personal dafür gab.

Hallo Sonja, aufwachen!

Patienten beklagen sich über elendslange Wartezeiten, das Personal schafft die Bewältigung der Arbeit nur mit massiver Arbeitsüberlastung. Immer wieder sind Assistenz- bzw. Turnusärzte eingesetzt, die über kaum Erfahrung verfügen.

Aktuell spricht man vom zusperren:
http://bestpointofservice.at/2016/01/19/station-steht-vor-dem-aus/ 

Parallel dazu geht aber ein anderes Prestigeobjekt den Bach hinunter. Nach dem Willen der Politik sollte Wiener Neustadt ein Krebszentrum vom Europäischem Format entstehen. Der aus dem AKH abengagierte Kollege verließ aber das Haus bereits (Immerhin besser als so mancher designierte Primar des Krankenhauses Nord, der bereits vor der Eröffnung das Handtuch geworfen hat!) und sein radioonkologisches Pendant zieht es auch wieder fort.

Geholt als eine Schlüsselfigur für das geplante Krebskompetenzzentrum, kann Wolfgang Köstler nicht länger als etwas mehr als ein Jahr im Spital gehalten werden.

http://www.noen.at/nachrichten/lokales/aktuell/wiener_neustadt/Primar-verlaesst-Klinikum-Wr-Neustadt;art2575,707793 

Egal, man hat ja immer noch niederösterreichs Milliardenprojekt Medaustron (http://www.medaustron.at/) um dem Krebs endgültig den Gar auszumachen.

Written by medicus58

2. Februar 2016 at 06:15

Milliarden für Bakterien sind der neue Krebs

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hta

In Deutschland spricht man seit Tagen davon (http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2015-01/antibiotika-resistenzen-keime-entdeckung), nun schwappte die Meldung auch nach Österreich herüber und man zählt die Patienten, die an multiresistenter Bakterien (Hospitalismuskeime) versterben (http://www.focus.de/gesundheit/toedliche-keime-weiterer-patient-stirbt-zwoelf-patienten-in-kieler-klinikum-gestorben_id_4432759.html).
In Universitätsklinikum Kiel spricht man aktuell von 12 Toten, Zeit-Online hat aber schon am 7.1. viel mehr zu bieten:

 Recherchen von ZEIT ONLINE, DIE ZEIT und CORRECT!V haben erst kürzlich ergeben, dass allein in Deutschland jedes Jahr wohl Tausende mehr Menschen an den Folgen solcher Keiminfektionen sterben als offiziell bekannt. Das Auffinden neuer Antibiotika drängt.

Bei einer Anhörung im Europäischen Parlament warnen Experten der Initiative CDI Europa und die EU-Abgeordnete Karin Kadenbach(SPÖ) davor, dass
Europaweit jede vierte Clostridium-difficile-Infektion übersehen wird und jährlich 27.000 Menschen daran versterben.
http://derstandard.at/2000010782772/Krankenhauskeime-Die-stille-Gefahr

US-Präsident Barack Obama will 2016 1,2 Milliarden (1,07 Milliarden Euro) für die Forschung im Kampf gegen Antibiotika-resistente Keime ausgeben.
Weitere 47 Millionen Euro (41,80 Mio. Euro) sollten den Behörden zur Verfügung gestellt werden, um neue Medikamente zu bewerten. Das Verteidigungsministerium bekommt unter diesem Titel 75 Millionen Dollar, die Landwirtschaft 77 Millionen und Veteranen (?!?) 85 Millionen Dollar. http://derstandard.at/2000010931825/Obama-verspricht-12-Milliarden-Dollar-fuer-Kampf-gegen-toedliche-Keime

Jetzt ärgert mich seit meinem Studium (Tarivid is gut für’s Glied http://wp.me/p1kfuX-JA) die unkritische Anwendung von Antibiotika von Arzt und Patient und ich bin auch davon überzeugt, dass der massiven Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung das Problem mit verschärft.  Auch dass wir einerseits völlig überzogene Hygienemaßnahmen am falschen Ort ergreifen, wenn jedes Salatblatt in der Werksküche im Einweggeschirr serviert werden muss, während im Krankenhaus eine häufigere Händedesinfektion auch im nicht-chirurgischen Bereich viel mehr bringen würde, gestehe ich gerne ein.
Mich überkommt nur bei all den Horrormeldungen (Das Ende der Antibiotika; Krankenhauskeime: Die stille Gefahr) nur der böse Gedanke, dass hier politisch Milliarden an Steuergeld als Querfinanzierung der Pharmaforschung locker gemacht werden sollen, während andere, weniger spektakuläre Investitionen im Gesundheitssystem unterhalb der Reizschwelle der politischen Geldgeber sind.

Ähnliches erleben wir im Bereich der Onkologie: Kaum eine Versorgungsstruktur ist im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG http://www.bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Gesundheitssystem_Qualitaetssicherung/Planung_und_spezielle_Versorgungsbereiche/Oesterreichischer_Strukturplan_Gesundheit_OeSG_2012 ) so detailliert ausgearbeitet wie die onkologische Versorgung, auch wenn z.B. rehabilitative Maßnahmen, Diabetikerschulungen, Arbeitsmedizinische Interventionen, … mit weniger Kapitaleinsatz vermutlich mehr erreichen würde.

Before we have been so rudely interupted

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Passwort

 

Sollte es dem geneigten Leser erleichternd aufgefallen sein, dass meinGesudere zuletzt nur spärlich in die Blogosphere gelangte, so steht das in gewissen Zusammenhang mit unserem heutigen Thema; will heissen,
aus der Erklärung basteln wir uns einen Blogbeitrag.

Den heutigen Titel borgte ich übrigens von William Connor, einem Journalisten des Daily Mirror, der nach Ende des Zweiten Weltkriegs seine Kolumne wieder mit den Worten aufnahm:
„As I was saying before I was so rudely interrupted, … 
[Wie ich sagte bevor ich so grob unterbrochen wurde, … ]“.

Keine Angst, meine Schreibpause begründet sich nicht durch den Krimkrieg V 2.0, über den sich nun alle zu wundern scheinen, nachdem sie die Ukraine tatkräftig in diese Lage gezerrt bzw. geschoben haben.

Es lag auch nicht an einer persönlichen Niederlage im aktuellen Krieg zwischen kleinen Erbsubstanzpartikel, vulgo Viren, und meinem Immunsystem, obwohl die aktuelle Grippewelle durchaus was damit zu tun hat, weil sie sämtliche Mitarbeiter, die an der Schnittstelle zwischen Patient und EDV agieren sollten, dahingerafft hat.

Nebbich, möge der gelernte Wiener nun greisenhaft grumbeln.
Es macht schon Freude sich gazellengleich über das eherne Alliterationsverbot  (im eigentlichen Sinn das Tautogramm-Verbot) der schreibenden Zunft hinwegzusetzen …
Krankenstände gab es doch schon immer und jemand anderer musste einspringen …

„Eh“, stimmt das EDV-gebrannte Kind, nur war das, wie so viel, halt früher einfacher …

Kommt nun ein Springer – i.d.R. eine Springerin, auf das vakante Feld(Anmeldeschalter für die Nicht-Initiierten), auf dem der Patient den EDV Systemen eines Krankenhauses nähergebracht werden soll, also seinee-card gesteckt und mit allerhand Zusatzinformationen, wie Überweiser, gewünschte Untersuchung, Kontaktperson inkl. Handynummer, … etc. „eingegeben“ werden soll, stellt sich heraus, dass das schlicht und einfach nicht geht …

Keine Frage, eine Berechtigung für das lokale EDV System lässt sich ja noch schnell irgendwo her besorgen, aber dann happert es an
den Berechtigungen für die entsprechenden Kostenstellen oder
an der Berechtigung für den elektronischen Anmeldekalender oder
an der Berechtigung für irgend eine andere Ecke von SAP, KIS, Impuls, RIS, LIS, PACS oder NIS …

Die Schlange wird größer, der Unmut verhält sich dazu exponentiell, bis man sich zum Äußersten entschliesst, zum Albtaum aller Krankenhaus-Informatiker:

Der Springer meldet sich mit fremdem User und Passwort an

und alle hoffen, dass die Grippewelle wieder vorbeigeht!

Bei uns im Gesundheitswesen ist täglich Fasching

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Fasching

 

Wenn heute 3.2.2014) der KURIER in einem kurzen Artikel
Rezepte gegen Flucht der Ärzte fordert:
http://kurier.at/meinung/kommentare/innenpolitik/rezepte-gegen-flucht-der-aerzte-gefordert/54.013.746

und ein Leserkommentar forsch fordert

ich gehe soweit, dass ärzte, die nicht am land arbeiten wollen, überhaupt die approbation entzogen werden sollte, denn denen gehts eben NICHT um für die patienten da zu sein, das ist ja ortsunabhängig, sondern um alles andere.

Während letzte Woche bei einer Veranstaltung der Österr. ÄrztekammerPräsident Niedermoser die neue Ärzteausbildung damit verteidigt, dass

wir sie an die deutsche angepasst haben, damit den migrationswilligen österreichischen Kollegen keine Schwierigkeiten entstehen.

Ja, das ist dieser Ärztekammervertreter, der bereits vor drei Jahren im Zuge der tschechischen Ärztestreiks die dortigen Kollegen eingeladen hat in Österreich freie Arztstellen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516) einzunehmen!

Wenn man dann von deutschen Strategien gegen den Ärztemangel folgendes Lösungsszenario aus der IT-Ecke liest:

So könnte es bald deutschlandweit funktionieren: Zuhause haben Patienten mit Herzschwäche eine Waage, sowie ein EKG- und ein Blutdruckmessgerät. Täglich messen sie ihre Werte und leiten die Daten von ihrem Wohnort auf dem Land in Brandenburg an die Berliner Charité weiter. Von dort können Ärzte und Pfleger telefonisch eingreifen, in Absprache mit Ärzten vor Ort etwas an der Medikation ändern oder einen Notarzt losschicken.

http://www.news.de/gesundheit/855507166/strategien-gegen-aerztemangel-auf-dem-pruefstand/1/
Dann wissen wir, im Gesundheitssystem ist der Fasching am kommenden Aschermittwoch sicher nicht vorbei. Setzen wir uns unsere Pappnasen auf, trinken wir uns in Stimmung und hofen auf eine lange Gesundheit und ein akutes Ableben dann, wenn es am Schönsten ist.

Link: Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=103603

Written by medicus58

3. März 2014 at 07:15

I had a Dream: KAV for Sale

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For sale

 

Keine Ahnung was der Grund dafür war, zu schweres Essen, ein Glas zu viel, jedenfalls wachte ich heute nach einem gräßlichen Alptraum schweißgebadet auf. Nur schemenhaft kann ich mich noch an die Einzelheiten erinnern, aber ich bemühe mich sie aufzuschreiben, ehe sie sich wieder in mein Unterbewusstsein vertschüssen.

Bis gestern ging ich davon aus, dass sich die Rathausmehrheit sehr wohl bewußt wäre, dass sie ihre nunmehr fast 100 jährige politische Dominanz im „Roten Wien“ im wesentlichen dem Dreigestirn Müllabfuhr, Gemeindebau und Krankenhaus verdankt.Steuermillionen für Jahrmarktsveranstaltungen wie das Donauinselfest oder den Eintraum sind dagegen eher neuzeitliche Marginalien. Oder im Umkehrschluss, dass ihnen die Wähler unter den Bürgern und Mitarbeitern der „stadtnahen Betriebe“ abhanden kommen werden, wenn sie diese Bereiche nicht mehr besitzen.

Mit den knapper werdenden Budgets und den zunehmenden Belastungen der Spitäler durch die politisch abgefeierte Sanierung der Krankenkassen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34434) wurde es natürlich immer schwieriger, die nicht unbeträchtlichen Summen aufzubringen, um die Standorte des Wiener Krankenanstaltenverbundes z(KAV) umindest am Laufen zu halten.
Aus politischer Rücksichtnahme auf die Parteifreunde in der Wiener Gebietskrankenkasse war es natürlich undenkbar, von dort einen größeren Beitrag für die ambulante Versorgung der Wiener in den KAV-eigenen Spitalsambulanzen zu fordern oder den Menschen einfach reinen Wein über die prekäre Lage einzuschenken und zuzugeben, dass die Vorhalteleistungen herunter gefahren werden müssen. Das war selbstverständlich außer Diskussion, es kommen immer wieder Wahlen.

Bis zu meinem gestrigen Traum, glaubte ich, dass man nur planlos vor sich hinwurstelte und war bereit sich mit der politischen Unfähigkeit abzufinden und auf bessere Zeiten zu hoffen. Zwischen den weißen Laken reifte aber die Erkenntnis, dass hier ein ganz anderes Spiel abläuft:

Die rege Bautätigkeit an vielen KAV Standorten

Von Imhotep zu den heutigen Deppen http://wp.me/p1kfuX-lh
Eine große Familie baut sich viele Häuser http://wp.me/p1kfuX-kg
Die Stadt Wien will nur das Beste für Patienten http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67609

schien mir der unbeholfene Versuch einer Wirtschaftsbelebung nach den Konzepten der 70er Jahre zu sein. Heute im eigenen Angstschweiß aufwachend, sah ich plötzlich klarer:

Die letzten zwei bis drei Jahrzehnte waren davon geprägt, dass die Politik (in Ost und West) ehemals weitgehend geschlossene Kapitalkreisläufe (Verstaatlichte Industrie, Umlageverfahren im Pensionsversicherungssystem, öffentliches Gesundheitssystem, städtische Wasserwirtschaft, …) für externes Kapital geöffnet, also entweder verscherbelt („privatisiert“) oder mit staatlicher Förderung die Menschen in den Privatbereich gelotst (Private Pensionskassen) hat.
Der Mechanismus war immer der gleiche und kann in Reinkultur anrussischen Oligarchen aber letztlich auch an der Kärntner Hypostudiert werden: Gesellschaftliches Vermögen wurde ohne demokratische Legitimation für Einmaleffekte an Private abgegeben, Gewinne wurden privatisiert, Kosten kommunalisiert.

Doch nun zu meinem Albtraum:

Wir schreiben das Jahr 2020. Das Spitalskonzept 2030 (die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklarationhttp://wp.me/p1kfuX-K9) sind größtenteils umgesetzt und Wien strotzt vor lauter neugebauten, vom Fächerkanon aber ausgehöhlten Krankenhausstandorten.
Viel Geld wurde auf Empfehlung verschiedener Beraterfirmen in Neubauten investiert, da man sich durch die geringeren Erhaltungskosten auf längere Sicht enorme Einsparungen versprach. Dass diese versprochenen Einsparungen beim schon 2007 begonnenen Geriatriekonzept leider bis heute die Investitionskosten nicht hereingebracht haben, war nicht das Hauptproblem. Dieses besteht eher darin, dass man das Geld nicht hatte, das hier ausgegeben wurde und man dies durch irgendwelche PPP- oder Leasing-Konstrukte, Querfinanzierungen aus anderen Töpfen verschleiert, aber letztendlich durch nur Schuldenvermehrung aufbringen wird können.
Bei all den Ausgliederungen hat man das früher auch so gemacht, aber durch die strenger gewordene Budgetpfade wird es zukünftig nicht mehr möglich sein, sich durch weitere Kapitalaufnahmen ein weiteres Jahr drüber zu retten.

Ob die man diesen Weg aus Unvernunft, aus dem Bestreben sich des eigenen Personals, dessen man nicht mehr Herr zu werden glaubt oder bereits mit der festen Absicht auch das öffentliche Krankenhauswesen auf den Markt werfen zu können, begangen hat, konnte ich im Halbschlaf nicht mehr auseinanderhalten.

Jedenfalls lief alles auf den Punkt zu, wo sich die Politik auf das Trefflichste aus ihrer Verantwortung ziehen kann:
Die Alternativlosigkeit wurde erreicht, um das Gesundheitswesen nach deutschem Vorbild zu privatisieren.

In Deutschland hat zwischen 1991 – 2010 der Anteil der von der öffentlichen Hand betriebenen Krankenhäusern von 46 % auf 30,5% abgenommen (http://de.wikipedia.org/wiki/Krankenhaus).
In Österreich sind zwischen 1990 und 2009 in öffentlichen Krankenanstalten 20,5% der Krankenbetten reduziert worden und haben in profitorientierten Krankenanstalten um 92,5% zugenommen, bestehende Krankenhäuser der öffentlichen Hand wurden aber- vermutlich als Furcht vor politischen Reaktionen – noch nicht sichtbar privatisiert.

Zwar wurde die
Betriebsführung ist zu einem großen Teil oder gänzlich an private Unternehmen abgegeben,
in den Strukturplänen gewinnbringende Schwerpunkte (Routineoperationen, Geburtshilfe, …) in private Häuser verlagert oder
der Betrieb ambulanter Einrichtungen (Dialyse, …) zwar von der öffentlichen Hand finanziert, aber von Dritten betrieben, …

Von einzelnen lokalen Vorstössen einmal abgesehen, traute sich kein österreichischer Politiker zuzugeben, dass man die Krankenhäuser „gerne aus der öffentlichen Hand gibt“, aber genau darauf steuern sie hin.

Nach all der hektische Investitionstätigkeit, diese Ein- und Vorgriffe auf Geld das man nicht hat und auch nie zurückzahlen kann und die bisherige Einbindung Privater schafft man sehr bewußt vollendete Tatsachen, die als einzige Alternative in die fast vollständige Privatisierung des Krankenhauswesens führen müssen.

„Fast vollständig“ deshalb, weil es zwar eine gesetzliche Verpflichtung der Kommunen gibt, eine entsprechende Versorgung aufrecht zu erhalten, aber selbst Einrichtungen wie die AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) es sich ohne weiteres leisten können, ohne Rücksprache mit anderen „ihren Versorgungsauftrag“ selbst zu definieren. D.h. um das was nicht gewinnbringend ist, also z.B. „die Oma Osteomyelitis im diabetischen Fuß„, wird sich der private Anbieter nicht wirklich prügeln, das darf ruhig weiterhin im öffentlichen Bereich liegen. Über die unkomplizierte Geburt freut sich der Verwalter schon mehr, denn da winken so lange Gewinne, so lange nicht eine komplizierte Nachbetreuung des Frühchens oder seiner Mutter anzusehen ist, jedoch fliegt dann ohnehin der Hubschrauber das öffentliche Spital an.

In meinem Traum sah ich das alles kommen,
die Gesundheitspolitiker, die sich eben noch für die enormen Investitionen in unsere Krankenhäuser abfeiern haben lassen und die sich nun mit Verweis auf die leeren Kassen freuen, die Häuser für einen symbolischen Euro in die professionellen Hände erfolgreicher Privatanbieter abgeben zu können,
und die Vertreter privater Krankenhauskonzerne, die sich zufrieden zurücklehnen können, weil sie ihre Aufgabe in der Führung und dem Aufsichtsrat der öffentlichen Krankenhausverbände erfüllt haben.

Der Titel dieses Beitrages entsprang einer Assoziation zu Cole Porters berühmten: Love for Sale http://en.wikipedia.org/wiki/Love_for_Sale_(song)

Links: 

KAV http://wp.me/s1kfuX-kav/


Umstrukturierungen im Krankenhaus und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen
 http://www.forba.at/data/downloads/file/578-FORBA_FP%2005_11.pdf

Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals http://wp.me/p1kfuX-l1 

Written by medicus58

11. Februar 2014 at 19:19

Nachtigall ick hör dir trapsen, nur die Ärztekammer hört das nicht

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Nacht

 

An diesem Samstag eröffnet in Herrenberg bei Stuttgart eine zentrale Notfallpraxis, die die Spitäler des Klinkverbundes Südwest entlasten soll, will heissen die Patienten abfangen, damit sie nicht die eigenen Notfallambulanzen besuchen.

Mehr als 300 Ärzte aus dem gesamten Landkreis sind zum Notdienst in dieser oder verpflichtet, bezahlt wird das System von allen Kassenärzten, wobei die Einrichtung selbst Teil des Krankenhausverbundes.

„In zwei Monaten haben wir dann flächendeckend alle Kreise im Land mit zentralen Notfallpraxen an Krankenhäusern ausgestattet“, sagt Kai Sonntag , der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Lediglich im Kreis Tübingen wehren sich die niedergelassenen Ärzte bisher gegen eine Zentralisierung ihrer Wochenenddienste. Dort organisieren weiterhin mehrere Ärzte untereinander die Sonntagsbereitschaft.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.notfallpraxis-im-notfall-stets-ins-krankenhaus.5957cdb6-ad7f-45aa-b369-ed8ebcfcf705.html

Persönlich vertrete ich ohnehin die Ansicht, dass die allgemeinmedizinische Versorgung in der Einzelordination für Ballungsräume problematisch ist, nur hier wird der extramurale Bereich in die Pflicht genommen, um in einem angestellten Verhältnis die Spitäler zu entlasten.
Dass sich das Berufsbild des einsam agierenden Alleswissenden Allgemeinmediziners als freier Beruf aber schon längst aufgehört hat, haben unsere Kammerfunktionäre noch nicht realisiert. Sie verteidigen mit hohem finanziellen Aufwand (aus unseren Pflichtgebühren) einen Status, der schon längst ausgehöhlt wird. Dort wo es der Politik passt, z.B. dass ein Hausarzt rund-um-die-Uhr für seine Patienten da sein muss und sich dies nur durch einen von ihm selbst organisierten Ärztenotdienst erleichtern kann, hält man gerne an dem Bild fest, damit man ihn wie an diesem deutschen Beispiel gezeigt, an den Kosten einer Spitalsentlastung beteiligen kann.

Eine wirkliche Interessenvertretung der Ärzte würde zur Kenntnis nehmen, dass wir unseren Beruf eben nicht mehr wirklich als „freier Beruf“, wie z.B. Rechtsanwälte ausüben.
Die Vorteile dieser Berufsgruppen haben wir verloren, die Nachteile wirken sich aber immer stärker aus.

Written by medicus58

31. Januar 2014 at 19:01

Rudolfstiftung: Nichts scheint mehr unmöglich

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Heute 20_1_2014

 

Sie kennen vielleicht den alten Witz, wie man einen misstrauischen Patienten in Panik versetzen kann? Sagen Sie ihm einfach, dass alles in Ordnung ist!

So ähnlich kommt mir die mediale Aufarbeitung der Gratiszeitung heute.at vor, wenn sie titelt:

Rudolfstiftung: Stadt nennt Gerüchte „Blödsinn“

Natürlich ist es nicht wahr, dass das kürzlich renovierte Spital ersatzlos geschliffen wird, wird Stadträtin Wehsely zitiert …
http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,976181

BTW, ich kann mir das auch nicht vorstellen, aber in der Belegschaft scheint das vor Ort so befürchtet zu werden. Wie Leser dieses Blogs wissen, befürchte ich zwar eine Aushöhlung, nicht aber die komplette Schließung …

Aber letztendlich ist dies egal, wenn ein System einmal so instabil ist, dann ist alles befürchtbar und nichts scheint unmöglich …

Für gefahrengeneigte Bereiche, wie die Medizin, ist es hochproblematisch, wenn die Beschwichtigung der Belegschaft über den Boulvard und nicht über interne Kanäle erfolgen.
Wozu leistet sich der KAV eine Presseabteilung und die Stadt Wien für viele Millionen eine ständige PR Berieselung?

Klartext und das was gesagt wird, sollte mal für ein paar Jahre halten, wäre so eine Strategie, aber Weihnachten ist vorbei …

Written by medicus58

20. Januar 2014 at 17:34

KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht

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Prozessmanagement

Über den Risikofaktor medizinische Informatik habe ich hier schon mehrfach geschrieben: http://wp.me/p1kfuX-uw
Meistens ging es um die lähmenden Auswirkungen auf den Patientenbetrieb: VI Control-Alt-Delete : Be patient, patient. http://wp.me/p1kfuX

Aber der auch hier angekündigte und inzwischen vollzogene Hinauswurf von Gen.Dir.Stv. Koblmüller (Bombenstimmung im KAV http://wp.me/p1kfuX-w1) zeigte, dass es hier nicht nur um die Umsetzung medizinischer Prozesse in digitale workflows ging, wie es eine Aussendung vom 27.5.2010 des Rathauses anzudeuten schien:
„impuls.kis“ vernetzt IT-Systeme Besonderes Augenmerk von „impuls.kis“ liegt auf dem Datenaustausch zwischen den verschiedenen IT-Systemen des KAV. Damit können zukünftig rund 16.000 NutzerInnen rasch medizinisch notwendige Informationen abrufen. http://www.wien.gv.at/rk/msg/2010/05/27009.html

Vielmehr ist es das Eingeständnis der im Wiener Krankenanstaltenverbund Verantwortlichen, über die Abläufe in ihrem Konzern nur ungenügend informiert zu sein und sowohl die Feststellung des Ist-Zustandes als auch die Umstrukturierung, genannt Standardisierung in die Hände der IT, sowohl der Firma Systema als auch der KAV-eigenen KAV-IT zu geben. Gemeinsam mit den zukünftigen NutzerInnen werden die Prozesse standardisiert, in „impuls.kis“ konzipiert und gemeinsam mit dem oberösterreichischen Software-Anbieter systema umgesetzt.

Wohl einzigartig ist es, dasst die Konzernführung sowohl IST-Erhebung als auch Definition des SOLL-Zustandes in die Hände einer externen Firma gegeben hat.
Natürlich sind Dutzende Mitarbeiter in verschiedenen Sitzungen angehört worden, jedoch kannten diese weder die Zielsetzung noch den exakten Auftrag der Dienstgeberin. In vielen Fällen hörten diese nur, dass dieses und jenes eben nicht beauftragt, oder eben von einem der anonymen Ausschüsse ohne nähere Begründung abgelehnt wurde.
Deshalb fehlen an manchen Abteilungen wesentliche Module des Systems, liegen Hunderte Fehlermeldungen unbearbeitet irgendwo und es werden irgendwelche workarounds erfunden, weil man auf manche Professe (Diätberaterinnen) schlicht und einfach vergessen hat.
An vielen Probeabteilungen werden wesentliche Teile des Systems einfach nicht verwendet, weil sie nicht funktionieren oder unheimlich langsam sind.
Doch die Zeit drängt, weil das uralte Krankenhausinformationssystem des KAV nächstes Jahr endgültig heruntergefahren werden muss, weil niemand mehr die Verantwortung für die Funktionalität übernehmen kann.
Gleichzeitig läuft mit Ende 2013 der Vertrag mit der Firma Systema aus, so dass noch schnell – ungeachtet der bisher aufgetretenen Probleme – alle KAV-Häuser auf das IMPULS-KIS umgestellt werden müssen.
Ausstehende Sitzungen werden ersatzlos gestrichen, Systema Mitarbeiter werden schon abgezogen oder verlassen vorsorglich überhaupt die Firma.

Masseverwalter des Chaos ist die KAV-IT, die auf dem Impuls-Logo ohnehin gleich hinter Systema genannt wird, aber sich bisher bei Problemen eher mit dem Hinweis auf die Systema zurückgelehnt hat. Die Erfahrung lehrte, dass die KAV-IT schon bisher mit der Wartung der bestehenden Infrastruktur heillos überlastet ist. Zu Sicherheit wird sie im Sommer auch in einen anderen Bezirk umziehen, so dass sie schon jetzt verkündet, in dieser Zeit in erster Linie mit sich selbst beschäftigt zu sein.
Nun stellt präsentiert die KAV-IT ihre Vorstellungen über die Zeit nach Ende des IMPULS Projektes und man staunt:
Beschwerdemanagement, Vorschlagswesen, Fehlermeldungen, Verbesserungsanträge … all das soll in Zukunft in der KAV-IT zusammenlaufen.
Die KAV-IT prüft, bewertet und allein dadurch, das sie sich diese Filterfunktion nimmt, hat sie maßgeblichen Einfluß, welche Meldungen überhaupt bis zum Management dringt.
Ein einzigartiger Fall, dass die EDV eines Unternehmens ganz offen über die Strukturen entscheidet, die sie in diesem Betrieb haben möchte und nicht mehr das Konzernmanagement entscheiden kann, welche Strukturen die EDV zu realisieren hat.

Oder auf gut Wienerisch: Gibt’s net, hamma net, kennen mir net …

Management by Process Management …

Written by medicus58

15. März 2013 at 19:46

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