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über alles was uns krank macht

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Nach Humbold nur mehr Humbug: Med-unis

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Bis zu 13.000 €/Semester und Du kannst auf die staatlichen Unis pfeifen ….

http://derstandard.at/2000053030649/Privatunis-Vorbehalte-gegen-Med-Unis-light

Written by medicus58

23. Februar 2017 at 07:24

Bekenne was sie dich gelehrt haben, Doktor!

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Kinderuni (3) 21072012

Die letzte politische Wortmeldung im immer wieder aufflammenden Kampf ums Doktorat zwischen Universitäten mit Promotionsrecht und den FHs (=Fast Hochschulen) kommt von der Wissenschaftssprecherin der Grünen (und ehemaligen ÖH Politikerin) Sigrid Maurer:
„Den Begehrlichkeiten der Fachhochschulen, selbst Doktoratsstudien anbieten zu dürfen, muss eine klare Absage erteilt werden.“
Auch die Universitätenkonferenz ist der Überzeugung, dass das Promotionsrecht das Privileg der öffentlichen Universitäten ist und spricht sich des Weiteren gegen eine „Entdifferenzierung“ innerhalb des Hochschulraumes aus.
http://derstandard.at/2000031068928/Der-ewige-Kampf-ums-Doktorat

Ausnahmen gibt es aber ohnehin schon: Das Institute of Science and Technology Austria (IST Austria), die Donauuniversität Krems und einige Privatuniversitäten verleihen schon Doktorate ohne dass sie eine den klassischen Universitäten vergleichbare Forschungsleistung aufweisen.

Eine Diskussion, die in Deutschland schon längst Tradition hat:

Herr Prof. Dr. (FH)
http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/promotion-an-fachhochschulen-herr-prof-dr-fh-12856566.html

Während es im täglichen Umgang eher den Anschein hat, dass akademische Titel in erster Linie dazu da sind, die eigene Geschäftstätigkeit aufzuwerten und sich damit das Recht auf den besten Tisch beim Szenenwirt erzwingen zu können, dokumentiert das Doktorat i.e.L. die Tatsache „geleehrt“ (lat. doctus) worden zu sein bzw. im Idealfall auch gelehrt zu sein. Die Promotion bescheinigt die Fähigkeit zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten und ist in der Regel die Voraussetzung für eine Habilitation, also die Befugnis in seinem Wissensgebiet selbst zu lehren!

Natürlich gilt das für die in vielen Staaten eingeführten berufspraktischen Doktor-Studiengänge zur Vertiefung oder Erweiterung eines vorherigen Bachelorstudiums nicht so streng, wo Absolventen ohne zusätzliche Promotionsleistung ein sogenanntes Berufsdoktorat, zum Beispiel Medical Doctor (M.D.) oder Juris Doctor (J.D.) erlangen können.

Der sogenannte Bologna-Prozess zur Vereinheitlichung der europäischen Hochschulabschlüsse mündete in einem System von drei Hierarchiestufen (Bachelor, Master, Doktor), und der offenkundige politische Wille die i.e.L. staatlich subventionierten Universitäten durch (irgendwann) von den Hörern selbst finanzierten FHs zu ersetzen, führt zu einem selbst für Insider kaum mehr übersehbaren Titelfülle:

Bakkalaureus/Bakkalaurea (Bakk. phil., Bakk. rer. soc. oec., Bakk. techn) bis 2006, seither Bachelor (B.Sc., B.A., B.Eng., B.Ed., B.BA., LL.B.). Nein, Bachelorette ist außerhalb von RTL ungebräuchlich.

Magister/Magistra  ohne oder mit (FH) Zusatz je nachdem wo das Masterstudium absolviert wurde (Mag. phil., Mag. rer. soc. oec., Mag. art., Mag. (FH)) oder seit 2006 gleich Master (M.Sc., M.A., M.Eng., M.Ed., LL.M).

Ja, und manche Doktorate sind halt eigentlich Master, also nur in der zweiten Hierarchiestufe (Zweiter Zyklus – Ebene 2 (Master-Ebene https://de.wikipedia.org/wiki/Akademischer_Grad#Bologna-Prozess_in_Europa). Sorry, Diplom-Ingenieur bzw. Diplom-Ingenieurin und Doktor der gesamten Heilkunde / Doktor der Zahnheilkunde sind „gleich viel wert“, also kämpfen sie beim Nobel-Italiener um denselben Tisch.

Erst die Dr. phil., Dr. rer. soc. oec., Dr. techn. bzw. seit 2006 die PhDs erklommen die Dritte Ebene der neuen akademischen Hierarchie und sind die „eigentlichen Doktoren“.

Damit ist der Verwirrung aber noch nicht genug.
Seit Jahren wächst die Kritik am Wildwuchs der einzelnen Studiengänge an FHs und klassischen Unis, die offenbar mehr die Erwartungshaltung des Publikums als wissenschaftlichen (oder wirtschaftlichen) Bedürfnissen folgen:
Österreich 2007: Kritik am „Wildwuchs“ von Weiterbildungslehrgängen an Universitäten, Fachhochschulen oder bei Privatanbietern http://derstandard.at/2552347/AK-Kritik-an-Wildwuchs-bei-Uni-Weiterbildungslehrgaengen
Aktuell brandet die Kritik auch in Deutschland wieder hoch:
Viele Bachelor-Studiengänge sind sehr speziell. Ihre Zahl wächst stetig: Nicht wenige Hochschulen meinen, sie könnten so Studenten anlocken. Doch allzu frühe Spezialisierung kann problematisch sein. 
Die Presse brachte dazu folgende lokale Beispiele:
Der in diesem Semester startende zweijährige Universitätslehrgang „Akademischer Dyskalkulie Therapeut“ der Privatuniversität UMIT ist komplett ausgebucht.
Masterlehrgang Osteopathie FHG – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol (FHGesundheit). Der berufsbegleitende Lehrgang dauert fünf Semester (zu jeweils 1750 Euro) und schließt mit dem Titel Master of Science in Osteopathie ab.
http://diepresse.com/home/bildung/weiterbildung/4824697/Damit-vier-plus-vier-nicht-44-bleibt?_vl_backlink=/home/bildung/weiterbildung/index.do
Am Ende der Leiter, bei den Professoren, wird der Wildwuchs des pseudoakademischen Gestrüpps noch dichter.

Professur (lat. profiteri in der Bedeutung „sich öffentlich als Lehrer zu erkennen geben“,
oder wie Bertl sagte Bekenner (Dr. Herbert Schmeiszer http://wp.me/p1kfuX-6U )
bezeichnet im deutschen Sprachraum primär eine Funktion im Lehrkörper einer Hochschule und ist KEIN akademischer Titel.
Auch der nicht unbedeutende Unterschied zwischen Universitätsprofessor und Professor wird von vielen gerne nonchalant verschwiegen.

In Österreich unterscheiden wir (https://de.wikipedia.org/wiki/Professor#Professuren_in_.C3.96sterreich):

Universitätsprofessor (Univ.-Prof.) ist die aktuelle Bezeichnung (Funktionsbezeichnung, kein Amts- oder Berufstitel) für in einem Berufungsverfahren an Universitäten bestellte Professoren.
Universitätsprofessor als Berufstitel existiert seit 2002 und wird nach einem Prüfungsverfahren, das zumindest an der Medizinuni auch eine dem Habilitationsverfahren nicht unähnliche wissenschaftliche Leistung erwartet, durch den Bundespräsidenten verliehen. Dadurch unterscheidet es sich vom Berufstitel Professoren ohne universitäre Berufstätigkeit, der auch vom Bundespräsidenten verliehen wird, aber keine wissenschaftliche Leistung voraussetzt, wie zum Beispiel im Falle von Herrn Professor Hademar Bankhofer.
Sie können in diesem Lande, dank Kaider Franz Josef I. auch ohne formelle Verleihung den Amtstitel „Professor“ erhalten, wenn sie pragmatisierter Lehrer an allgemein- und berufsbildenden höheren Schulen der Entlohnungsgruppen LPA und L1 sowie Lehrer der Entlohnungsgruppen l pa und l 1 sind. Eine andere Möglichkeit ist der 2009 eingeführte Assistenzprofessor (Ass.-Prof., was aber oft nicht so genau genommen mit Prof. abgekürzt wird, um das ordinationsschild zu zieren) ist ein (noch) nicht-habilitierte Universitätslehrer, nicht zu verwechseln mit dem Gastprofessor, der auch gerne im Titel geführt wird, um eine wissenschaftliche Qualifikation vorzuspiegeln.

Ja, und weil in diesem Blog auch so viel vom Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes Professor Dr. Udo Janßen (Mann, ist der Mann gut, der nun im KAV aufräumt …. http://wp.me/p1kfuX-Kd) die Rede ist:
Der Arzt, Gerontologe, Klinikingenieur, Betriebswirt, Wirtschaftsjurist, und Arbeits- und Organisationspsychologe bekam seinen Professor (nicht Universitätsprofessor) von der FOM (früher Fachhochschule für Oekonomie und Management: die Hochschule für Berufstätige) für allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Health Care Management.

Diesen Titel trägt er auch stolz auf der HP des KAV: http://www.wienkav.at/kav/gd/personen_show.asp?ID=20531
o
ffen bleibt jedoch die Frage,
ob er neben seiner Tätigkeit als Generaldirektor eines 30.000 Personen Konzerns noch seiner Lehrverpflichtung nachkommen kann und wenn nicht,
ob er die Funktionsbezeichnung dann noch zu Recht trägt …

Egal, ob Hademar Bankhofer oder Udo Janßen, die Undurchsichtigkeit der akademischer Titel ist politisch soweit vorangetrieben worden, dass man darin schon eine gewisse Absicht vermuten kann.

Und wer ab 2017 sein Medizin- oder Pharmaziestudium in Wien absolvieren möchte und pro Semester 11.000 € überweisen kann, der inskribiert einfach an der Sigmund Freud Privatuniversität.
http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/4765495/Privatuni_Ab-Herbst-Medizinstudium-fur-11000-Euro der

Ganz aktuell plant die Eier-legende-Woll-Milch-Universität auch noch ein Jusstudium:
http://derstandard.at/2000031109616/Sigmund-Freud-Privatuni-soll-Jus-Studium-anbieten

In Salzburg winkt die Paracelsus Medizinische Privatuniversität, in Krems die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften.

Eine Form der Zwei-Klassen-Medizin, zu der sich die Politik offenbar offen bekennt.

Und wer fälschlich glaubt, dass es sich bei Privatdozenten um Universitätsdozenten mit Privatordination handelt, möge sich hier informieren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4tsdozent 

Fassadenpolitik erreicht inzwischen die Universitäten

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bürgerkrieg

Seit Jahren verwende ich hier den Begriff der Potemkinschen Spitäler (Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes http://wp.me/p1kfuX-8V, http://wp.me/p1kfuX-n8 ), um darauf hinzuweisen, dass die Gesundheitspolitik zwar den Schein einer fachärztlichen Vollversorgung in den öffentlichen Spitälern aufrechterhalten möchte, aber spätestens seit dem ÖSG 2012 die rechtlichen Grundlagen dafür geschaffen werden, auch schwer Kranke der fachlichen Kompetenz eines Allgemeinmediziners zu überlassen.
Ein Konzept, dass vorher ausschließlich in den gewinnmaximierten Privatkrankenanstalten zu finden war, die im Notfall aber ihre Patienten dann rasch in ein öffentliches Spital verlegen konnten.

Gestern hat nun SPÖVP mit Unterstützung ihrer neoliberalen Gesellen im Nationalrat die Rahmenbedingungen geschaffen, dass Derartiges auch im Olymp der medizinischen Krankenhausversorgung möglich wird, an den Medizinischen Universitätskliniken.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151216_OTS0186/rufbereitschaft-von-fachaerztinnen-in-unikliniken-wird-ermoeglicht
Auch in Zentralkrankenanstalten muss künftig nicht mehr rund um die Uhr in jedem einzelnen Sonderfach ein Facharzt vor Ort anwesend sein. Vielmehr genügt es, wenn in den Nachtstunden bzw. vorübergehend auch im Wochenenddienst und an Feiertagen eine Rufbereitschaft eingerichtet ist. Das sieht eine Novelle zum Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz vor, die heute vom Gesundheitsausschuss des Nationalrats mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, NEOS und Team Stronach angenommen wurde. Damit werden für Zentralkrankenanstalten wie z.B. dem AKH künftig ähnliche Regelungen gelten wie jetzt schon für Schwerpunktkrankenhäuser.

Beruhigend wird hinzugefügt, dass ja ohnehin Innere, Chirurgie, Kinder-  und Intensivstation noch von einem Facharzt besetzt sein werden. Röntgenbilder können ja notfalls -wie in den USA- auch in Indien befundet werden und wer braucht einen Facharzt, der noch um Mitternacht einen Malariabefall im Blutausstrich ausschließen kann.
Da halten wir’s halt wie Scarlett O’Hara in Vom Winde verweht:

Darüber denke ich morgen nach. Morgen ist auch noch ein Tag.

Na, und irgendwie bewegt sich unsere Gesundheitssystem ja auch in Richtung 19. Jahhundert zurück. Schau’n mir mal, ob wir es auch noch bis zum Bürgerkrieg schaffen.

Vergleiche dazu auch: http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/794003_Universitaeten-ohne-Fachaerzte.html

Written by medicus58

29. Januar 2016 at 20:45

Das plötzliche Ende fundierter Kritik

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Und das war’s? Neuer Rektor und alles wird gut?
Ich weiß nicht…..

IM WÜRGEGRIFF VON MACHT UND GIER (2008-2016)

Quelle: FROHES FEST UND EINEN GUTEN RUTSCH !

Written by medicus58

31. Dezember 2015 at 19:26

Veröffentlicht in Allgemein

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Weihnachten im KAV: Leise rieselt das Vertrauen

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Trio

Eine ausgewogene Balance der Loyalität zwischen Führung und Belegschaft sowie eine enge Abstimmung zwischen Strategie der Führung und operativer Aufgabenerledigung der Basis ist für jeden Betrieb essentiell.

Im öffentlichen Dienst hat dies eine jahrhundertelange Tradition, als die Mächtigen sich noch bewusst waren, wie sehr sie auf die Expertise „Ihrer Beamten“ angwiesen waren und nicht glaubten, sich fehlende eigene Kompetenz von politisch befreundeten „Beratern“ zukaufen zu können. Für die Bundesverwaltung sah Clemens Jabloner, Universitätslehrer und der ehemalige Präsident des Verwaltungsgerichtshofs ,
das besondere Vertrauen, welche das Verhältnis zwischen der Beamtenschaft eines Ministeriums und dessen politischer Führung einst prägte, als weitgehend verloren an:
http://www.wienerzeitung.at/meinungen/analysen/775336_Was-schieflaeuft-in-Oesterreich.html

Die Führung des Wiener Krankenanstaltenverbundes könnte Jabloner als weiteres Beispiel dienen, wie man höchst professionell einen im Kern funktionierenden öffentlichen Bereich – aus welchen politischen Absichten auch immer – nachhaltig demoliert,
in dem Mitarbeitern systematisch über- und hintergeht.

Selbstverständlich könnte man mir, der sein Berufsleben überwiegend, aber nicht ausschließlich (!), im öffentlichen Bereich verbracht hat, hohe Subjektivität vorwerfen, geschenkt, ….
aber Gleiches könnte man dem hier abgebildeten Trio infernal mit mindestens eben soviel Recht vorwerfen:
Personen, die ihr ganzes Berufsleben ausschließlich im parteipolitischen Umfeld verbracht haben, oder selbst weder direkt ärztliche Verantwortung übernommen haben noch auf erfolgreiches Management im Gesundheitswesen verweisen können, haben nicht viel mehr Anspruch auf Objektivität als diejenigen, die in der täglichen Praxis der öffentlichen Gesundheitsversorgung stehen, also Einstand – mögen die Argumente sprechen.

Hier wurde ausführlich darüber berichtet, mit welchen PR-Tricks die Dienstgeberin versucht hat der Öffentlichkeit weiß zu machen, dass es in Wien möglich wäre:

  1. die EU-weiten Regeln zur ärztlichen Arbeitszeiten kurz vor einer Strafe aus Brüssel einzuhalten, trotzdem
  2. das ärztliche Einkommen auf international vergleichbares Niveau anzuheben (+30%, LOL), überdies
  3. die Nachtdiensträder im KAV einzusparen (112) und
  4. ohne mit immer weniger Turnusärzten das Leistungsspektrum der Spitäler für die Bevölkerung zu erhöhen.

Wien 2015: Wählen wir eigentlich Wehsely? http://wp.me/p1kfuX-121
Dem Wiener Gesundheitssystem droht der Kollaps http://wp.me/p1kfuX-11T
Dreimal NEIN bei der Urabstimmung http://wp.me/p1kfuX-UG 

Innerhalb der letzten Woche setzte die Dienstgeberin zwei weitere Maßnahmen, ohne jede Vorinformation, geschweige den Dialog mit den Betroffenen, die, würden das Vorgesetzte an der Basis ebenso machen, den täglichen Betrieb in der Sekunde lahmlegen.
Es gibt wohl nur mehr wenige Mitarbeiter, deren Burn-out nicht auch von kritischen Gutachtern attestiert würde. Soviel zur Aussage unseres GD, der zwar allen unter ihm Fehlende Managementfähigkeiten vorwirft, dessen Weisungen schon in der Vergangenheit überfallartig, mitten in den Sommerferien erfolgten und bis heute nicht wirklich umgesetzt wurden!

Nachdem in den letzten Monaten schon Dutzende Nachtdiensträder in den öffentlichen Spitälern teils durch direkten Druck auf die Abteilungsleitungen, teils indirekt durch fehlende Personalzuteilungen eingespart wurden, und die versprochenen Gehaltssteigerungen auf Basis der weiterhin innerhalb der neuen Dienstzeitregeln leistbaren Überstunden (10 Millionen € pro Monat und noch meutern, die Ärzte sind unersättlich http://wp.me/p1kfuX-Yn) endgültig als Farce entlarvt wurde, werden nun auch in den Pflegeheimen des KAV doppelte Diensträder gestrichen (http://diepresse.com/home/panorama/wien/4888939/Wien-kurzt-Aerztedienste-). Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob die doppelten Dienste in jedem Fall erforderlich waren, jedenfalls hat sie die Dienstgeberin und die Personalvertretung offenbar seit Jahrzehnten für notwendig erachtet. In jedem kollegial geführten Betrieb hätte man sich vor einer kommentarlosen Weisung mit den Betroffenen zusammen gesetzt und die offenbar neuen Erkenntnisse besprochen, die nun zu einer Reduktion Anlass geben. Da man sich aber traditionell auf die Parteidisziplin von Personalvertretung und Gewerkschaft verlassen kann, glaubt man seitens der Dienstgeberin zu Recht sich derlei Schnickschnack sparen zu können (Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! http://wp.me/p1kfuX-UX).
ja und wenn auch die Gesundheitsministerin am Ticket der roten Gewerkschaft in die Regierung gesegelt ist, dann (wie wir für den Fall der Bereitschaftsdienste an Universitätskliniken gleich sehen werden) werden wir überhaupt kein Recht, ich meine natürlich keinen Richter brauchen; denn beides repräsentieren wir eh…

Die Übernahme der Infusionen durch die Pflege, so wie es das KAV nachträglich darstellte, kann es wohl kaum sein (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151217_OTS0101/wr-landtag-sp-wagner-aerztliche-versorgung-ist-in-allen-pflegewohnhaeusern-sichergestellt), da meiner – diesbezüglich zugegebenen eingeschränkten lokalen Wahrnehmung –  die Infusionstherapien in den Pflegeheimen kaum die Ausmaße eines Akutspitals erreichen und sich die ärztliche Tätigkeit wohl auf ganz andere Fragen konzentriert.
In Wirklichkeit handelt es sich dabei um ein seit Jahren verfolgtes System der Aushöhlung ärztlicher Versorgung während der Nachtstunden. Schon im ÖSG 2012 wurden „reduzierte Organisationsformen“ (Die Potemkinschen Spitäler http://wp.me/p1kfuX-n8 ) sanktioniert. Alle, die sich nun über den nächsten Streich einer mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, NEOS und Team Stronach beschlossenen „Rufbereitschaft an Universitätsklinik“ (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151216_OTS0186/rufbereitschaft-von-fachaerztinnen-in-unikliniken-wird-ermoeglicht) wundern, hätten die letzten Jahre diesen Blog lesen sollen!

Wenige Tage nach dem Kahlschlag in den Pflegeheimen erkennt der KAV, der (siehe oben) auf Beratung von Ebner & Hohenauer (Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw) schon vor einem Jahr wusste, dass er 112 Nachtdienste einsparen kann, weil die (Originalton Wehsely) „Ärzte nicht fürs Schlafen bezahlt werden„, plötzlich die Notwendigkeit einer „Tätigkeits- und Belastungsanalyse“ der Ärzte: 

Ein Mitarbeiter der Generaldirektion des Wiener Krankenanstaltenverbunds hat an Chirurgen iPhone-ähnliche Geräte ausgeteilt, die jeder Arzt ab 1.1.2016 im Nachtdienst mit sich zu führen hat. Dieses Gerät soll zwischen 5 und 15 Minuten, je nach Einstellung, piepsen und den Arzt auffordern, seine gerade durchgeführte Tätigkeit einzugeben. In Ruhephasen kann man es deaktivieren. Die betroffenen Kollegen wurden weder gefragt, noch wurde diese Überwachungs-Maßnahme angekündigt. Es gab keine Kommunikation. Nach meinem Wissensstand wusste außer der ärztlichen Direktorin (die auch in der Primarärztesitzung nichts davon erwähnte), niemand davon.
http://schuetzenwirunserespitaeler.at/einsparungen-ueberwachung-und-neue-ideen-um-aerzte-zu-frustrieren/

Natürlich ist es das Recht der Dienstgeberin festzustellen, ob die (vom Steuerzahler) bezahlte ärztliche Arbeitskraft ökonomisch eingesetzt wird! Das Entlarvende an diesen Vorgängen ist nur, dass stets zuerst das Downsizing beschlossen wird und nachträglich mit hochbezahlten Beratern eine Begründung für den Kahlschlag nachgeliefert werden muss, weil

  1. den Mitarbeitern prinzipiell misstraut wird,
  2. man seitens der Dienstgeberin keinen klaren Versorgungsauftrag formuliert, um sich einer Diskussion über dafür erforderlichen Ressourcen zu entziehen und
  3. am Ende den Ärzten nichts als die Gesamtverantwortung überlässt.

Das ging viele Jahre gut, weil man sich auf eine besondere Loyalität der im öffentlichen Gesundheitssystem Tätigen verlassen konnte und erfolgreich die verschiedenen Gruppen (Abteilungsleiter, Mittelbau, Pflege, MTDG, …) gegeneinander auszuspielen wusste.
Klar, einige Ärzte benutzen ihre Position im öffentlichen System zur Füllung der Privatordination oder Belegspitäler, jedoch die Mehrheit hat mehr oder weniger bewusst auf die höheren Einkommensmöglichkeiten in anderen in- und ausländischen Systemen verzichtet,
weil ihnen eine öffentliche Gesundheitsversorgung jenseits markt- und gewinngesteuerter Krankenhausbetreiber ein persönliches Anliegen ist.

Die anfänglich lächerlich geringen und auch gegen Karriereende im internationalen Vergleich meist nicht allzu hohen Einkommen im öffentlichen Dienst können kaum Motivation für eine Tätigkeit im KAV sein.
Die im Leitbild vollmundig angesprochene persönliche Wertschätzung kommt jetzt auch nicht gerade zwingen herüber, wenn der einzige Kontakt mit der Generaldirektion die Direktiven sind, die uns durch externe Berater ausgerichtet werden.
Und die Möglichkeiten der medizinischen (geschweige wissenschaftlichen) Entfaltung können es angesichts der seit einem Jahrzehnt auf minimalem Niveau eingefrorenen Reinvestitionsbudgets auch kaum sein.

Noch schwindelt man sich bei Abteilungsbesetzungen über das auf Null gesunkene Interesse durch Abteilungszusammenlegungen und –schließungen herum, jedoch würde eine Analyse des Bewerberkreises für Neuausschreibungen innerhalb des letzten Jahrzehntes schonungslos offenlegen, dass das öffentliche Gesundheitswesen kaum noch für „die Besten der Besten“ in ihren Fächer interessant ist.
Über das fehlende Interesse der Medizinabsolventen konnte man ohnehin in den letzten Wochen vieles lesen (Wie lange glaubt Ihr noch, dass das hineingeht? http://wp.me/p1kfuX-13d).

Es wird Zeit den Pflichtversicherten und Steuerzahlern schonungslos klar zu machen, welchen Grad an Gesundheitsversorgung die öffentliche Hand ihnen in Zukunft zur Verfügung zu stellen die Absicht hat und,
dass wir Ärzte (aber auch die Pflege) unter diesen Rahmenbedingungen nicht mehr das zu leisten im Stande sein werden, was uns eigentlich in den öffentlichen Dienst gebracht hat:
Hochqualitative Versorgung aller Menschen unabhängig ihrer Herkunft, ihres Geschlechtes, ihres sozialen Status, ihrer Religion und ihres Alters sowie ihrer besonderen Bedürfnisse.  

Und wenn die im öffentlichen Dienst Tätigen wirklich die von mir suspezierten altruistischen Motive haben, dann sollten sie sich ernsthaft fragen,
wie lange sie zu diesen Vorgängen stillschweigen dürfen, wenn sie zwar nach § 7. (1) Beamten-Dienstrechtsgesetz in ihrer Angelobungsformel  einst gelobten,
die Gesetze der Republik Österreich befolgen und alle mit ihrem Amte verbundenen Pflichten treu und gewissenhaft erfüllen werden“,
andererseits im Hippokratischen Eid (den zugegeben die wenigsten wirklich jemals ablegten) schworen
Verordnungen zu treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil“ und „sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Eid_des_Hippokrates

Written by medicus58

20. Dezember 2015 at 16:30

Das sogenannte Böse, oder hat es die Wiener Uni immer schon gewusst?

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50_Schilling_1998_Konrad_Lorenz

Die Uni Salzburg widerruft jetzt das Ehrendoktorat des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz, denn man kam zur Erkenntnis, dass
Der weltbekannte Verhaltensbiologe und Forscher über Graugänse sich klar zur Nazi-Ideologie bekannt hat.
Dies lasse „Herrn Lorenz als unwürdig erscheinen, als Ehrendoktor der Universität Salzburg geführt zu werden.“ 
http://salzburg.orf.at/news/stories/2747997/

Nun ja, die inkriminierten Anbiederungen waren schon seit vielen Jahen bekannt und auch auf Wikipedia nachzulesen (https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Lorenz) und doch zog die Uni Salzburg erst jetzt, die ihrer Meinung nach moralisch und wissenschaftlich gebotene Konsequenz.

Meinen Lebensweg kreuzte Lorenz zweimal.
Das erste Mal war ich etwa 13 Jahre alt und las auf Empfehlung der Mutter eines Schulfreundes sein bereits 1963 erschienenes Buch „Das sogenannte Böse“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Das_sogenannte_B%C3%B6se). Die Familie meines Schulfreundes war sicher weit entfernt von rechter Rassenideologie und ihr Interesse an den populärwissenschaftlichen Büchern Lorenz erklärte sich eher aus einem damals durch einschlägige Fernsehsendungen (https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Koenig_(Verhaltensforscher)) angefachte Interesse an vergleichender Verhaltensforschung. Mich hat damals vor allem beeindruckt, wie differenziert man sich dem überwiegend negativ konnotierten Begriff der Aggression nähern kann.

Mein zweite Begegnung mit Konrad Lorenz fand viele Jahre später statt.
Die Rettung hatte einen alten Mann auf eine Tragbahre mitten am Gang einer Wiener Universitätsklinik abgestellt. Er trug die damals üblichen Spitalshemden und war nur notdürftig mit einer Rettungsdecke verhüllt. Dutzende Menschen, Patienten wie Spitalsmitarbeiter, zwängten sich links und rechts an ihm vorbei. Er nahm von all dem keine Notiz und lag regungslos, etwas zusammengekauert auf seiner Bahre. Trotz seines charakteristischen weißen Bartes und des markanten Gesichtes schien den Mann niemand zu erkennen. Ein Blick auf die neben ihm liegende Krankengeschichte, er war stationär an der Wiener Poliklinik aufgenommen und viel zu früh für eine Spezialuntersuchung an das AKH gebracht worden, identifizierte ihn als Konrad Zacharias Lorenz (* 7. November 1903).
Es mag bezweifelt werden, dass sich das offenkundiges Desinteresse, das die Universität Wien damals Lorenz entgegenbrachte, bereits eine erste akademische Distanzierung von dessen politischer Vergangenheit war und unsere Alma mater somit bereits 1989 vollzogen hat, wozu die Salzburger noch weitere 26 Jahre benötigten.
Da kurz vorher ein Lokalpolitiker ziemlich von allen „Granden der Klinik“ umschwänzelt wurde, konnte sich ein „kleiner Assistenzarzt“ nur wundern, wie dieses Land mit seinen Nobelpreisträgern und einem Autor der ihn Jahre früher sehr beeindruckt hat, umgeht.
Es fand sich einen leerstehendes Kämmerchen finden und bot Lorenz somit ein bisschen Privatsphäre. Er bedankte sich mit einem freundlichen Lächeln und wirke fast überrascht über diese „Sonderbehandlung“. Mir schien damals, dass er sich auch damit abgefunden hätte, wenn er die ganze Zeit auf einer „Gangbahre“ verbringen hätte müssen. Wenige Wochen später war Konrad Lorenz tot.

Wie gesagt, die Entscheidung der Salzburger Universität mag aus heutiger Sicht nachvollziehbar sein, mit meinen Erinnerungen an einen bescheidenen Menschen, der noch kurz vor seinem Tod eine stille Größe vermittelte, ist sie schwer kompatibel. Irgendwie musste ich das loswerden.

PS: Für die Nachgeborenen, 1989 existierte die Wiener Meduni noch nicht und „wir“ waren als Medizinische Fakultät Teil der Universität Wien

Bildnachweis: „50 Schilling 1998 Konrad Lorenz“ von Perseus1984 – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:50_Schilling_1998_Konrad_Lorenz.jpg#/media/File:50_Schilling_1998_Konrad_Lorenz.jpg

Written by medicus58

17. Dezember 2015 at 19:45

Ärzteausbildung: Selbst der Billa beruft sich auf den Meisterbäcker

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Pfeiferl

Seit Tagen läuft ein Werbespot in dem einer etwas blässlichen, namenlosen Semmel der Eintritt in die BILLA-Filiale verwehrt wird, weil man sich ihrer Qualität nicht sicher sein kann, da sie schließlich nicht von einem Meisterbäcker stammt.
Beim Essen scheint also selbst im Supermarkt allen klar, dass nix Genießbares rauskommen kann, wenn ein Semmerl von Ökonomen, Politikern und Versicherer geknetet wurde. Bei der Ärzteausbildung sind wir hier weniger wählerisch.

Das, was nun der Kammertag der Österreichischen Ärztekammer verabschiedet hat (http://derstandard.at/2000017723893/Aerztekammer-stimmt-Aerzteausbildung-zu), ist nur zum geringsten Teil das Produkt der Meister, also der Fachärzte der jeweiligen Sonderfächer, sondern das, was die sogenannte Artikel 44 Kommission im Bundesministerium wollte und die Kammerfunktionäre nicht verhindern wollten (oder konnten).

Die Basisausbildung für alle sichert einmal, dass bis nächstes Jahr konservative und chirurgische Fächer genügend „Weißmäntel“ bekommen. Die Lehrziele strotzen vor Gemeinplätzen,so dass damit jede Abteilung auch des kleinsten Landspitals den Anschein von anwesenden Ärzten erwecken kann. Was sie dabei lernen sollen, was sie nicht ohnehin schon im KPJ gesehen haben, bleibt eines der Mirakel dieses Meilensteins.

Die danach unbedingte Entscheidung für Allgemeinmedizin oder für ein bestimmtes Fach, kanalisiert zwangsweise mehr Ärzte in die Allgemeinmedizin, weil es sich um einen ziemlichen Glückstreffer handeln muss, dass gerade die Ausbildungsstelle in meinem Wunschfach vakant ist, wenn ich die 9 Monate Basisausbildung hinter mir habe. Der früher mögliche Übertritt während der Ausbildung zum Allgemeinmediziner in ein bestimmtes Fach, soll nun explizit nicht mehr möglich sein. Da waren schon alle inkl. der Spitalserhalter dahinter, weil sie einem fertigen Praktischen Arzt in der Facharztausbildung einfach mehr zahlen müssen als einem frischer Studienabgänger! Aber auch der Hauptverband wünscht sich weniger Fachärzte, schließlich kommt ihm – trotz lächerlicher Refundierungen in beiden Fällen – der Besuch beim Allgemeinmediziner auch billiger als beim Facharzt.

Das Streichen der Gegenrotationen ist ebenfalls ein Kniefall unserer Kämmerer vor den Spitalserhaltern. Was kann ein Neurochirurg denn schon auf einer Neurologie, ein Internist auf einer Chirurgie, ein Dermatologe auf einer Diabetesambulanz, ein Radioonkologe auf einer Onkologie, … etc. lernen, das macht alles nur Probleme für die Personalabteilungen.

In dieser Artikel 44 Kommission des BuMin, die den Prozess maßgeblich beeinflusste, setzten
die Gesundheitspolitiker der Länder und die Spitalserhalter durch,
dass sie auch für ihr kleinstes Renommierspital noch JungärztInnen finden, die den Schein einer ärztlichen Versorgung aufrechterhalten, auch wenn sie halt nur einen sehr eingeschränkten Einblick in das jeweilige Sonderfach bekommen (man nennt das Modularisierung).
Es durfte der Hauptverband sicher stellen,
dass sehr bald viele Allgemeinmediziner am Markt erscheinen und sich für ihre Primärversorgungszentren melden und die Anzahl der Fachärzte sinkt, bzw. sich diesen die Patienten privat zahlen.
Die Allgemeinmediziner durften sich freuen, dass sie in ihren Lehrpraxen bald günstige Helferlein haben werden,
die sie nun in all den Qualifikationen schulen werden, die sie selbst während ihres Turnus nicht gelernt haben und bisher in die Ambulanzen schickten (warum die Ärztekammer zu allem anderen Ja und Amen gesagt hat, ohne dass sie die verlangten 12 Monate Unterstützung für die Lehrpraxis bekommen haben, bleibt ein Rätsel).

Die Bundesfachgruppen, also die frei gewählten und gesetzlich verankerten Vertreter der einzelnen Sonderfächer, die bisher sagen durften, was ihrer Meinung nach eine zukünftige Kollegin oder ein zukünftiger Kollege LERNEN UND KÖNNEN muss, wurden seitens der Ärztekammer praktisch übergangen. An ihre Stelle übertrugen die Kämmerer den sogenannten „akkreditierten wissenschaftlichen Gesellschaften“ die Aufgabe das Ziel der Ärzteausbildung zu definieren. Dabei handelt es sich um Vereine, deren Interesse weniger in der täglichen Praxis ihrer Fächer als in der Forschung liegt. Deshalb existiert jetzt auch ein – wenig definiertes – wissenschaftliches Modul, in dem der zukünftige Facharzt für seine Praxis (!) ausgebildet werden soll …..

Gerade ein Monat gab es eine Einsichtsmöglichkeit in die neuen Rasterzeugnisse und für die Diskussion ein völlig untaugliches Online-Forum, dann strichen Bundesministerium, Gesundheitspolitiker, Hauptverband, Ökonomen und ein paar politisch vernetzte Ärztekämmerer nach Belieben durch, was ihnen nicht passte.

Weshalb dieser (angebliche) Meilenstein nun vom Kammertag beschlossen wurde, ist schwer verständlich und für mich nur dadurch erklärbar, dass auch hier andere, als wirklich fachliche Gründe die Oberhand behielten.
Die nächsten Monate werden zeigen, welchen Mühlstein man zukünftigen Arztgenerationen umgehängt hat.
Vielleicht stellen sich dann auch noch andere die Frage, weshalb der politische Einfluss auf die Qualität der Ärzteausbildung direkt proportional zum ökonomischen Interesse und indirekt proportional zur fachlichen Qualifikation ist.

Aber vielleicht kommt erst der Aufschrei, wenn auch die Krankenpflege bemerkt, dass hinter der politisch seit Jahren betriebenen Akademisierung der Pflege keine Aufwertung, sondern ein politisch gewolltes Downsizing  steckt.

Eine akademische Führungskraft hat dann mit einer Reihe von Hilfskräften die Leistung billiger zu erbringen, als jetzt eine Gruppe nicht-akademischer, aber höher qualifizierter Pflegekräfte.
Die heute geäußerten Gedanken des NÖ Gesundheits- und Finanzlandesrats Sobotka über die Qualifikation, die die Pflege im Operationssaal benötigt, ist da ein klares Vorzeichen. Seiner Meinung nach gibt es auch im OP genügend einfache Aufgaben, für die dann weniger qualifiziertes Personal ausreichen würden als jetzt. Sobotka ist übriges studierter Musikpädagoge!

 

Links:

Was sich der Stöger hier wieder erlaubt hat … http://wp.me/p1kfuX-GM

Wirkungsorientierte Folgenabschätzung der Ärzteausbildung: Geiz war geil http://wp.me/p1kfuX-Wj

Wickel oder Neustart der Ärzteausbildung: Komm auf die Schaukel, KollegIn http://wp.me/p1kfuX-Sc

Entwertung der Ausbildung durch das Geschäft mit der Fortbildung http://wp.me/p1kfuX-Mx

Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a http://wp.me/p1kfuX-IC

KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ

Die wahre Reform der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-Ex

Bitte setzten Sie sich durch Frau Pilz

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PatientenPilz

Wer hoffte, dass der Wahnwitz der neuen Medunis in jedem Schrebergarten unserer Landespolitiker (Med-Unis: Neue Spielwiese der Provinzpolitiker? http://wp.me/p1kfuX-l5) mit der Linzer Meduni ( In Linz beginnt’s: Lei Lei http://wp.me/p1kfuX-PO ) sein Ende gefunden hat, dem sei die Hoffnung hiermit verdorben.

Angeblich gegen den Willen des Wiener Bürgermeisters, bekommt nun auch noch die Bundeshauptstadt ein „ambitioniertes Universitätsprojekt“.

Die Sigmund Freud Privatuniversität (http://www.sfu.ac.at/), die sich in den letzten 10 Jahren mit allerlei Pscho-Studien zur größten österreichischen Privatuniversität Österreichs gemausert hat und sich ihrer Niederlassungen in Paris, Berlin, Ljubljana, Mailand und Linz rühmt, wird ab Herbst 2015 auch Studienlehrgänge in Human- und Zahnmedizin, sowie in Pharmazie anbieten.
Den Anfang soll ein Bachelor in Humanmedizin machen, der dann in ein Masterstudium in Zahnmedizin oder Pharmazie führen soll.

Die praktische Ausbildung soll an den Patienten der Barmherzigen Brüder, an Standorten der Vinzengruppe und dem „Musterspital“ der Wiener Gebietskrankenkasse, dem Hanusch-Spital erfolgen, womit auch gleich einmal klar ist, wer Interesse an dem Projekt haben dürfte.
59 (!) Lehrstühle wären schon mit 170 habilitierten Lehrenden um den Rektor Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Pritz  besetzt, die ihre Aufgabe aber überwiegend als Nebenbeschäftigung ausüben werden.

Da stellt sich doch gerade heute die Frage, dürfen’s denn das ??, wenn aktuell die Patientenanwältin Pilz alle Nebenbeschäftigungen von Ärzten verbieten will …
http://kurier.at/chronik/wien/pilz-nebenbeschaeftigung-von-aerzten-einschraenken/96.162.741

und zum ersten Mal wäre es gut für die medizinische Versorgung in diesem Land, wenn sich Frau Pilz durchsetzen würde …

Sigrid Pilz: Von Traumjobs kann man nie genug kriegen http://wp.me/p1kfuX-wh

< end of sarcasm>

Written by medicus58

10. November 2014 at 20:50

Ansturm zum Medizinstudium als gäb’s kein Morgen

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Für die agierenden GesundheitspolitikerInnen erfreulich ist der Zustrom zum Medizinstudium ungebrochen:
Nur jeder Achte kommt durch: 12.600 traten zum härtesten Ausleseverfahren einer Uni an
http://kurier.at/politik/inland/ansturm-aufs-medizin-studium/73.379.071

Ganz aktuell setzt die Medistart (Kennen Sie Medistart der UNIRAG?
http://wp.me/p1kfuX-O3
noch nach und trommelt via APA:

Medizin-Studium: Studienbeginn im Oktober 2014 jetzt noch möglich
Unis in Bratislava, Valencia, Vilnius etc. bieten europaweit anerkanntes Studium ohne NC & Wartezeit

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140706_OTS0021/medizin-studium-studienbeginn-im-oktober-2014-jetzt-noch-moeglich

Das ist gut so, weil immer mehr von uns, die seit Jahren in diesem Beruf stehen, sich in verschiedene Nischen (Ausland, Wahlarzt im Innland, Alterna(t)ivmedizin, Wissenschaft, Pharmaindustrie, Beratungsleistung, Gesundheitsökonomie, …) wegstehlen.

Wenn ich mich aber frage, ob ich unter den herrschenden Bedingungen erneut als wissenschaftlich und praktisch Arbeitender in die Humanmedizin gehen würde, dann wäre die Antwort eindeutig:

Sicher nicht.

Nein, nicht die Arbeitsbelastung, die in meinem bisherigen Leben zwischen 60 und 120 Wochenstunden oszillierte.

Nein, nicht die Bezahlung, die zwischen einer lächerlichen Null und kurzfristig durchaus überadäquat oszillierte.

Nein, nicht die zunehmend fordernden und bisweilen aggressiven Patienten, denen von ihren Gesundheitspolitikerinnen und Versicherungen vorgegaukelt wird, dass für alle ihre Forderungen genügend Ressourcen vorhanden wären.

Nein, nicht die Verantwortung, die zu tragen nie das Problem darstellte, sondern die Endverantwortung für einen Gesamtprozess, die Ärzten aufgebürdet wird, während sie aus allen organisatorischen und finanziellen Entscheidungen über den Gesamtprozess gedrängt werden.

Das habe ich satt, und deshalb würde ich heute einen anderen Beruf ergreifen.

Kennen Sie Medistart der UNIRAG?

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NEOS

 

Ob die EU nun ein Friedensprojekt ist oder man sich ein derartig fehlkonstruiertes Gebilde nur in friedlichen Zeiten leisten kann, sei einmal beiseite gelassen. Gerade den Jüngeren wird immer wieder in Erinnerung gerufen, dass sie es der EU zu verdanken haben, Teile oder ihr ganzes Studium überall in Europa absolvieren zu können.

Selbstverständlich ist das Kennenlernen anderer Mentalitäten  am besten dadurch möglich, dass man eine gewisse Zeit in anderen Ländern lebt, so dass ein einheitlicher europäischer Studienraum im Prinzip eine gute Sache darstellt, jedoch zeigt sich auch hier ein Konstruktionsfehler der gegenwärtigen EU.

Die Möglichkeit zum Studium in anderen Ländern wird zentral verordnet, die Bezahlung und die Durchführungsbestimmungen bleiben Ländersache: 

Auf dem Deutschen Ärztetag in Düsseldorf am 29.05.2014 hat sich der
Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, bei der
Auslandsagentur MediStart über das Medizin-Studium im Ausland informiert.
Der Ärztepräsident zeigte sich beeindruckt von den Möglichkeiten des
Auslandsstudiums ohne Numerus Clausus und Wartezeit
. Mit MediStart ist für deutsche und österreichische Studienbewerber ohne Rücksicht auf die Abiturnote bereits der Studienbeginn zum Oktober 2014 an einer EU-Universität in englischer Sprache möglich, z.B. in Valencia,
Budapest, Bratislava oder Riga.
MediStart berät in Deutschland und Österreich Abiturienten, Studenten
und ihre Eltern zum Studium in Humanmedizin, Zahnmedizin und
Tiermedizin an EU-Universitäten ohne Numerus clausus und Wartezeit.
Zu den MediStart-Beratern zählen renommierte Hochschullehrer und
erfahrene Studienplatzberater mit vielfältigen Kontakten im In- und
Ausland. Als 100%iges Tochter-Unternehmen der UNIRAG
Aktiengesellschaft mit Sitz in Hamburg ist MediStart unabhängig von
den Interessen in- und ausländischer Hochschulen und damit
ausschließlich dem Abiturienten selbst verpflichtet.
UNIRAG ist übrigens die „Akademische Prozessfinanzierungs Aktiengesellschaft“
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140601_OTS0008/medizin-studium-im-ausland-aerztepraesident-montgomery-informiert-sich-bei-medistart-auf-dem-deutschen-aerztetag-zum-auslandsstudium-ohne-nc-wartezeit-bild

Fassen wir also zusammen:

Von oben wird ein einheitlicher Studienraum verordnet ohne für die finanzielle Bedeckung zu sorgen.
Bezahlt werden die Universitäten natürlich weiterhin von den Steuerzahlern der einzelnen Länder.
Privatwirschaftlich agierende Beraterfirmen entstehen und lenken die Studentenströme dorthin, wo die Hürden (Numerus Clausus, Sprachbarriere, Anerkennung, …) am geringsten sind.
Die finanziell ausgehungerten Universitäten helfen sich dadurch, dass sie Teile ihrer Lehrverpflichtung (und die entstehenden Kosten) auf die öffentlichen Spitäler überwälzen (Wie sich die Medunis auf Kosten der öffentlichen Spitäler abbürsten http://wp.me/p1kfuX-NQ).

Irgendwann wird man sich dann kopfschüttelnd beschweren, dass die Steuerzahler die Politik wieder hin zu mehr Nationalität drängen.

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