Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Finanzkrise

Aua, VA: weshalb sagt denn keiner das Richtige?

with 9 comments


Wer entweder aufmerksam das Regierungsübereinkommen von Tückisch-Blau oder um Zeit zu sparen am 17. Jänner diesen Blog gelesen hat:
Gesundheit: Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms
wusste, was man mit der Unfallversicherung vor hatte:

Und wieder hört man die Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer trappsen:
vereinbarten Lohnnebenkostensenkung im Ausmaß von 500 Millionen Euro
(Absenkung des Unfallversicherungsbeitrags auf 0,8%)
und der AUVA geht es an den Kragen, bzw. den Unfallpatienten!

Wer überdies schon am 22. Dezember 2017 hier das Porträt der Frau Gesundheits- und Sozialministerin überflogen hat:
Was das Christkind wirklich bringt ist nicht Rechtes Abbiegen bei Rot
wusste, dass jemand mit dieser Vita das Programm auf Biegen und Brechen exekutieren wird.

Wie schon beim augenblicklich schon wieder weitgehend verdrängten BVT Skandal, kommen zu all den ideologischen Beweggründen einer rechts konservativen, neoliberalen Regierung auch sehr persönliche Motive der Hauptakteure dazu.
Dass sich der Innenminister neben der üblichen Umfärbungsaktion auch ohne fragen zu müssen einen Überblick verschaffen wollte, was denn die Behörden über seinen eigenen rechten Rand alles weiß, ist ebenso nicht ausgeräumt wie der Verdacht,
dass sich die Gesundheitsministerin, die vor ihrer Berufung zur Ministerin erfolglos einen AUVA-Generaldirektorenposten einklagte (Kleine Zeitung),
bei ihrer vorzeitigen Verkündigung die AUVA aufzulösen auch noch ein paar persönliche Rechnungen begleichen will!

Wie immer, wenn es um regionale (föderale) Seilschaften geht, schließen sich akut die Reihen scheinbarer Gegner, um gemeinsam jede Änderung zu verhindern:
Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen
Föderalismus und Kammern, das unselige Pärchen Teil 2 oder deren Selbsthilfe

Einen guten Überblick über das, was hinter dem Konfliktherd AUVA faktisch steht, gibt heute der Standard.
Was aber ärgert ist die sachlich am Hauptthema vorbeigehende öffentliche Argumentation derer, die es besser wissen müssten, aber einiges Verschweigen, um ihre Schäfchen im Trockenen zu halten.

Ärztekammerpräsident Szekeres
greift sogar zu einer für seine Verhältnisse fast Kronenzeitung-reife Wuchtl„Man darf sich dann nicht mehr den Fuß brechen.“
Er weiß es aber als Wiener Kammerpräsident, dass für das Gangbettenproblem des Wiener Krankenanstaltenverbundes nicht nur die Grippeviren sondern zu einem großen Teil die schon in den letzten 10 Jahren zurückgefahrenen Leistungen der AUVA Unfallspitäler (Rettungskontingente, Stationssperren, Wochenendbetrieb, …)  verantwortlich waren. Das hat er weniger öffentlichkeitswirksam kundgetan.

Seit Jahren, also auch schon ganz munter unter Rot-Schwarz (Voll daneben: Lohnnebenkosten) haben Bundesregierungen alles versucht die Lohnnebenkosten der Arbeitgeber zu senken,
aber ihren Wähler peinlich verschwiegen, dass es sich dabei um IHRE soziale Absicherung handelt, früher hätte man übrigens noch Wohlfahrtsstaat gesagt.:
Arbeitsübereinkommen 2017-18: 
Nach der schrittweisen Senkung der Lohnnebenkosten im Ausmaß von 1 Milliarde Euro werden die Lohnnebenkosten noch einmal gesenkt.
war übrigens hier auf diesem Blog schon im Februar 2017 zu lesen.
Also wenn sich nun die SPÖ medienwirksam gegen die Absicht von Tückisch-Blau aufregt, hätte sie auch vor einem Jahr gleich wieder ihren noch relativ frisch gebackenen Christian Kern wegputschen können!
Sorry, auch der  Doublespeak des Wirtschaftskämmerers Biach ist doch zum Kotzen, der im Gegensatz zur Ministerin jetzt schon weiß, wie die AUVA ein Drittel ihres Budgets, also die ominösen 500 Mille einsparen kann:
„100 Mille eh noch heuer, den Rest muss halt jemand anderer zahlen“.
Dass der jemand natürlich genau die Krankenversicherungen sein werden, die schon jetzt regelmäßig Miese schreiben, verschweigt er wortreich.

Dabei wäre es so einfach und ich ersuche sie einmal ganz scharf nachzudenken, weshalb das Folgende in KEINER WORTMELDUNG auch nur angedacht wird.

Klar, durch Veränderungen in der Arbeitswelt machen klassische „blutige“ Arbeitsunfälle am Hochofen und in der Künette nicht mehr 1,3 Prozent der Lohnsumme aus, die die Arbeitgeber nun einzahlen müssen.
Dass sie sich mit diesem Geld aber auch gleich eine Vollkaskoversicherung erkaufen, dass sie von den (im Rahmen ihrer Berufstätigkeit) zu Schaden gekommenen Arbeitnehmern nicht verklagt werden können, steht auf einen anderen Blatt.

Für die statutengemäße Versorgung der Arbeitsunfälle sind die aufgebauten Strukturen der AUVA mit ihren Spitälern, Ambulanzen und Rehazentren überdimensioniert
(die Ärztegehälter und -dienstzeiten zumindest früher übrigens auch viel komoder als in anderen öffentlichen Bereichen),
so dass es für alle Seiten, AUVA, Krankenversicherungen und Finanzminister von Vorteil war, auch die Versorgung von Verkehrs- und Freizeitunfällen zu übernehmen.
(als ich in den 80ern im Wiener Rettungswesen arbeitete, zumindest damals auch viel professioneller als im Hanusch oder KAV ….)

Im Gegensatz zu den klassischen „blutigen“ Arbeitsunfällen haben andere berufsassoziierte Erkrankungen (der Begriff Berufserkrankungen ist da zu eng gefasst), wie Burnout, Kontakt- und Inhalationsallergien, teilweise (nicht alle) Erkrankungen des Bewegungsapperates zugenommen und manche psychiatrische und psychosoziale Störungen werden vermehrt durch den Arbeitsalltag ausgelöst oder aggraviert. Diese zunehmenden Kosten werden aber fast ausschließlich vom öffentlichen Gesundheitssystem und nicht von den Arbeitgeberbeiträgen zur AUVA bezahlt. Um das nicht allzu laut werden zu lassen, hat man vorsorglich schon vor Jahren (und ohne hörbaren öffentlichen Aufschrei) die Arbeitsmedizinische Forschung eingedampft!
Schließt man nun auch die AUVA und ihre Strukturen ersatzlos, hat man nach der Bankenkrise wieder Gewinne privatisiert und Kosten kommunalisiert.

Die einzige Lösung dieses unwürdigen Herumgeschiebes von Rechnungen
Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da
wäre eine Finanzierung des öffentlichen Sozial- Pflege- und Krankenwesens aus einer Hand.
Das hören Sie aber von niemandem im augenblicklichen medialen Getöse.

Der einzige Nachteil, alle anderen medial geäußerten Gegenargumente von Kammern, Interessensvertretungen, Politikern, Selbsthilfegruppen, … gemachten Gegenargumente sind als Klientelpolitik leicht entlarvbar, wäre aber der Verlust von freundschaftlich vergebbaren Pöstchen in diesem undurchdringbaren Netzwerk!

Ja, und davor fürchten sich alle, die Kammerpräsidenten, die Landeskassen, die Gesundheitspolitiker, denn womit könnte man sich denn dann noch bei Freunden bedanken, ohne dies in der eigenen Bilanz zu offensichtlich werden zu lassen.
Wenn aber nun ein kleiner Teil dieses Netzwerkes gerade deshalb zerstört wird, weil sich eine Ministerin nun an denen rächen kann, die ihr kein Pöstchen gegeben haben,
dann hat das schon etwas Shakespeare’haftes.
Unser aller Eintrittskarten zu dieser Tragöde sind aber leider ziemlich teuer.
Wenn es aber – ungewollt – im Rahmen dieser Vendetta dazu kommt, dass immer mehr Menschen sich fragen, weshalb wir keine einheitliche Planung und Finanzierung für diese Kernaufgaben, dann könnte man sich ja fast schon mit dieser Regierung anfreunden ….

Written by medicus58

7. April 2018 at 14:29

Gibt es eine Synergie der Defizite?

with one comment


Eines dürfen Berater und Experten per definitionem nie sein: ratlos.
Deshalb haben sie immer eine Rat für uns, so absurd er bei genauerem hinsehen auch ist.

Überlastete und gesperrte Ambulanzen, Gangbetten, Kunstfehler, Wartezeiten für promovierte Ärzte, fehlendes technisches Personal, … dass der Spitalsbereich in der heutigen Form nicht funktioniert bedarf kaum großer Erklärungen.

Ja, und dass das sogenannte extramurale Bereich nicht funktioniert ist in jedem Wartezimmer leicht zu demonstrieren.
Offene Kassenstellen, nach dem Ende ihrer Ausbildung ins Ausland flüchtende Ärzte, ein rasch wachsender Wahlärztebereich in bestimmten Sonderfächern bei denen Pflichtversicherte wenigstens noch 80% der oft absurd niedrigen Kassentarife zurück bekommen und der immer größer werdenden Sektor der Privatambulanzen und –ordinationen, in denen sich diejenigen, die es sich leisten können, so lange rasche Behandlung finden, solange diese noch Profit verspricht.

Vor diesem Hintergrund hören wir von seit Jahren von zwei Lösungsmodellen:

Gesundheitspolitiker und die von ihr eingesetzten sogenannten Patientenanwälte allen voran der Jurist Bachinger verlangen mehr Synergie zwischen den landespolitisch kontrollierten Spitälern und den von den Krankenkassen kontrollierten Ordinationen, Ersatz der Ärzte durch Pflegepersonen (als ob die, wenn sie höher qualifiziert sind und mehr Verantwortung übernehmen das zum heutigen Salär machen würden), mehr EDV und Telefonberatung (weil je weniger ich von einer Materie etwas verstehe, desto eher vertraue ich ihr Lösungskapazität zu) und irgendwann einmal die Primärversorgungszentren (zum Beispiel das im 22. Bezirk, das so gut versteckt wurde, dass es kaum jemand finden wird (oder soll))

Die Wirtschaftskammer benutzt bezahlte Studien, dass es nun einfach einer dritten Säule bedarf, die nicht zufälligerweise als Private-Public-Partnership den Gesundheitsmarkt für das Rosinen-picken von privatem Kapital erschließen soll:
Das ACG (ÄrzteCentrumGraz), dessen Realisierungspotential im Rahmen einer Private-Public-Partnership als zielführend zu erachten ist, kann nicht
nur diesem Auftrag in Zukunft nachkommen, sondern verspricht gleichzeitig ein wichtiger Impulsgeber für den
Wirtschaftsraum Graz zu werden und trägt darüber hinaus zur boomenden Entwicklung im Bereich „Human
Technologies“ maßgeblich bei. http://wko.at/wien/drittesauele.pdf

Zum ersten Lösungsvorschlag geht mir einfach nicht ein wieso die Addition von -1 und -1 plötzlich +2 sein soll, also weshalb die Addition von Defiziten zu ihrer Elimination führen soll.
Und beim Lösungsweg hat mir noch niemand erklären können, weshalb die Einbindung von privaten aber naturgemäß auf Gewinn hoffenden Investoren dieses System verbessern soll. Gelder, von denen nach all den aufgeflogenen Offshore Skandalen (Panama Papers, …) und der politisch tolerierten Steuervermeidung großer Kapitalien hinterfragt werden darf, ob sie nicht dort wo sie verdient wurden auch anteilsmäßig in diese Gesellschaft zurück fließen sollten, die diese Gewinne erst ermöglicht hat. Wer jetzt „Kommunismus“ schreit, sollte einmal – so er unselbstständig Erwerbstätiger ist einen Blick in seine Steuererklärung macht, wie viel er von seinem Gehalt hier einzahlen muss.
Wer weiter schreit macht dieser systematischen Ausblutung unseres Wohlfahrtsstaates die Mauer und mag sich gemeinsam mit Erzbischof Schönborn einen Beichttermin vereinbaren.  

 

Link:  Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da

Written by medicus58

10. März 2018 at 11:58

Drittmittel, der unbekannte Dritte in der Medizin

with 6 comments


Drittmittel, der unbekannte Dritte in der Medizin, oder warum wir uns das Gesundheitssystem nicht durch die Forschung finanzieren lassen sollten!

Als 2014 die Wiener Zeitung berichtete, dass das Pentagon universitäre Forschung in Österreich finanziert, begann man auch hierzulande darüber nachzudenken, ob jedes scheinbar auf der Straße liegende Geld von den die finanziell ausgehungerten Universitäten aufgeklaubt werden soll. Die Debatte verebbte jedoch rasch.

Daran, dass das Phänomen nicht nur Auswirkungen auf die technische und geisteswissenschaftliche Forschung hat, wollte man in Österreichs Medizinuniversitäten gar nicht erinnert werden, oder wie es Markus Müller, der Rektor der Medizinischen Universität Wien, formulierte: 
„Wir können uns diese Frage nicht leisten.“

Angesichts der finanziellen Ausstattung der Hochschulen seien Drittmittel schlicht notwendig: Rund 95 Prozent des Budgets der Med-Uni gingen allein in Personalkosten auf.

Folgerichtig wurde der Grad an eingeworbenen Drittmittel ein Performanzindikator der Wissenschaftlichen Forschung und eine wesentliche Voraussetzung jeder wissenschaftlichen Karriere. So spornte man den wissenschaftlichen Nachwuchs an, die Finanzierung der in die Selbstverwaltung entlassenen Universitäten zu sichern. Gleichzeitig wurde aber auch Druck aufgebaut, dass Patienten mit gerade passenden Erkrankungen die Teilnahme an laufenden wissenschaftlichen Studien angeboten wird. Klar, die Geldgeber brauchen rasch Resultate (z.B. für die behördliche Registrierung ihrer Produkte).
2007 fasste das eine Arbeit in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie so zusammen:
Ressourcen innerhalb und zwischen Universitäten und in der außeruniversitären Forschung werden angesichts der Finanzknappheit im Wissenschaftssystem zunehmend in Abhängigkeit von Forschungsleistungen verteilt. … Drittmitteleinkommen als relativ einfach zu erhebender Performanzindikator spielt in allen neuen leistungsbasierten Verteilungsverfahren eine große Rolle.

Wir wollen aber hier nicht den Verlust der unabhängigen freien Forschung beweinen, wie das Die Zeit getan hat
Werden die Hochschulen zu Sklaven der Wirtschaft?
denn das Interesse der Allgemeinheit an den heeren Zielen der Wissenschaft ist überschaubar.

Es ist den meisten auch einerlei, ob eine technische Universität oder Fachhochschule ihre Dienste an die Auto- oder Waffenindustrie verkauft.
Ein Artikel aus 2015 im Standard, „Gekaufte Wissenschaft“: Drittmittel für Hochschulen immer wichtiger, der die Größenordnung des Problems aufzeigte hatte im Forum 25 Kommentare, was dort als unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelten kann:
An den Universitäten stiegen die Drittmittelerlöse zwischen 2007 und 2013 um 47,1 Prozent auf 597,5 Mio. Euro, wie aus dem „Forschungs- und Technologiebericht 2015“ hervorgeht. Damit beträgt der Anteil der Drittmittel an den gesamten Umsatzerlösen der Unis 16,5 Prozent. Jeder fünfte Uni-Beschäftigte ist über Drittmittel angestellt. Für die Fachhochschulen (FH) gibt es keine damit vergleichbare Zahlen, sie messen den Anteil der Drittmittel an den Gesamtausgaben für F&E: Diese haben sich an den FH zwischen 2002 und 2013 mehr als vervierfacht und betragen nun 89,4 Mio. Euro. Der Anteil der Drittmittel an den F&E-Ausgaben lag bei 25 Prozent, wie die Fachhochschul-Konferenz (FHK) auf Anfrage der APA mitteilte.

Fremdfinanzierung in der Medizin, Stichwort Pharmagelder, löst jedoch auch bei Otto-Normalverbraucher eine heftige Reaktion aus, wobei sich die Kritik immer auf die (angeblich) gekauften Ärzte konzentriertCosì fan tutte: Pharma Fahmy.
Manchmal beschäftigt sich die Debatte auch mit anderen, auf den ersten Blick unbedachten Drittmittelflüssen: Pharma zahlt PatientInneninitiativen € 1.435.059
Letztendlich bleiben das aber boulevardeske Randthemen.

Ein gefährlicher Aspekt der aus Drittmitteln finanzierten Medizin fehlt in der öffentlichen Debatte völlig, obwohl er zu einer schleichenden und inzwischen ziemlich relevanten Änderung der Patientenversorgung führte und einen immer größeren Kreis an Patienten betrifft.
Inzwischen versuchen immer mehr Krankenanstaltenträger sich und die immer teureren Therapien über eine zunehmend lückenlose Rekrutierung von „passenden Patienten“ für laufende Firmen-finanzierte Studien zu finanzieren. Auf den ersten Blick ist das ja auch wirklich verführerisch. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie stellt der Auftraggeber nicht nur das teure Produkt gratis zur Verfügung, er muss auch meist auch eine Reihe anderer Kosten (Bluttest, Bildgebende Diagnostik, ….) abdecken, da er diese Befunde ja z.B. für die behördliche Registrierung seines Produkts benötigt. Ja und in manchen Fächern fallen auch Zusatzeinkommen für die Studienleiter ab.

Ganz extrem ist dies in der Onkologie, wo immer größere Einheiten geschaffen werden, um ….. ja warum wohl?

Natürlich macht es für die Patienten Sinn, dass sie, auch wenn ihre Diagnose in einem kleineren Spital gestellt wird, nach dem letzten Stand der Wissenschaft behandelt werden. Dazu benötigt es aber nicht notwendigerweise Big Brother, bestenfalls einen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur oder einen kurzen Telefonanruf. Ich stelle nun die These auf, dass es neben allen wissenschaftlichen Argumenten, letztendlich um den Versuch geht, Drittmittel für die Abdeckung des auch des nicht-universitären Routinebetriebes zu lukrieren und letztendlich die Patienten immer weniger Chance haben werden, nach dem gesicherten State-of-the-Art behandelt zu werden.
Ich weiß schon, da sich nach der letzten Studienreform inzwischen jedes kleine Kreisspital als universitäres Lehrspital begreift, sich ab der zweiten Abteilung als Klinikum bezeichnet und ohnehin jedes Bundesland seine Medunis erfindet, verwischen sich die Grenzen. Aber prüfen wir meine These einmal an Hand der Onkologie:

2011 wurde das Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien gegründet, das sich zu seinem 5-jährigen Bestehen darüber freute 21 Tumorboards mit über 7.600 PatientInnen pro Jahr zu koordinieren und zu administrieren.
Auf der höchst professionellen Homepage wird dem Besucher versichert, dass das CCC die kompetente, interdisziplinäre medizinische Versorgung von KrebspatientInnen mit klinischer und grundlagenwissenschaftlicher Forschung sowie Lehre auf höchstem akademischem Niveau verbindet. Um gleich nachzusetzen:
Darüber hinaus haben sie zudem die Möglichkeit, an den neuesten nationalen und internationalen Forschungsprogrammen teilzunehmen.
Klar, da braucht man nicht nach Afrika oder Indien ausweichen, um Medikamente zu testen, da sprechen wir von Fallzahlen, die auch bei uns rasche Ergebnisse versprechen.
Klar, der Patient hätte so eine Chance als erster von einer neuen Therapie zu profitieren, aber mitunter auch nicht.
Erwarten sich Patienten im öffentlichen Gesundheitssystem ein Roulettespiel? 

2017 freute sich die Wiener Gesundheitsstadträtin, dass mit dem CCC für die Tumor-Forschung und Behandlung von KrebspatientInnen eine einzigartige neue Kooperation zwischen Wiener KAV, AKH und MedUni entstanden ist, als ob das AKH mit seiner MedUni nicht ohnehin Teil des KAV wäre.
Wien wird damit zu einem der relevanten Krebs-Forschungszentren in Europa.
Ja und dann staunt man über soviel Ehrlichkeit:
Mit dieser Einrichtung werden künftig noch mehr und größere krebsspezifische Studien möglich sein.
Und weil man schon dabei war, kamen auch gleich die Vinzenz-Gruppe mit dem St. Josef-Spital in Wien-Hietzing als Kooperationspartner dazu, denn natürlich sieht man auch dort den ökonomischen, pardon, klinischen Benefit. 

2018, also vor wenigen Tagen freute sich der oben schon zitierte Rektor der Meduni Wien (übrigens Klinischer Pharmakologie, gebürtiger Klagenfurter mit Wohnsitz auch in Kärnten) über eine weitere Erweiterung:
Wir bündeln in der Onkologie, die hoch spezialisiert ist, die Kräfte. Wir verbinden das Klinikum Klagenfurt und das Cancer Comprehensive Center der Uni Wien, damit Kärnten in einem Cluster auf Expertise zugreifen kann.
… und die Studienkoordination auf noch mehr Patienten ….

Eine Diskussion über Risiken und Vorteile durch die Teilnahme an einer wissenschaftlichen Studie würde den Rahmen dieses Beitrag sprengen. Eine relativ objektive Darstellung findet sich hier: Krebsratgeber

Die Fülle an neuen Krebsmedikamenten und ihre exorbitanten Kosten sprengen wirklich die Budgets der Krankenhäuser, aber der Weg über Drittmittel schein mir extrem gefährlich.
Wenn bald jeder Patient in eine wissenschaftliche Studie eingeschleust wird, dann schrumpft die Chance auf eine Behandlung nach den letzten Stand der Wissenschaft auf die Hoffnung in die Kontrollgruppe gelost zu werden.
Ob unter dem ökonomischen Druck noch eine ergebnisoffene Patientenaufklärung möglich ist, mag ebenfalls bezweifelt werden.
Langfristig ist der Weg ohnehin zum Scheitern verurteilt, weil irgendwann die Geldgeber auch wieder welches verdienen wollen!

In den Jahrzehnten in denen sie die Drittmittel in die wenigen Universitäten gepumpt haben und ihre Gewinne in der Peripherie einstreifen konnten, war das System in Balance, die jetzige Entwicklung scheint mir diese jedoch zu gefährden.
Ja, und deshalb denke ich, dass es für uns alle besser wäre, würden wir die Medizin (wie übrigens auch die Schulen, Universitäten, Museen, ….) lieber solidarisch aus Steuermittel finanzieren – und dort wo das offenbar nicht mehr geht die Warum-Frage aufwerfen, als uns noch weiter in die Lebenslüge einer Drittmittelfinanzierung zu verlieren.

Gesundheit: Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms

leave a comment »


Habemus Basti et Bumsti!
Wir haben aber auch ein Regierungsprogramm und mit Beate Hartinger-Klein eine Gesundheitsministerin, die mir als Garant dafür scheint, das in ihrem Bereich auch wortwörtlich umzusetzen.
Lesen wir also den Punkt Gesundheit des Regierungsprogrammes (Originaltexte in kursiv) und machen uns so erste Gedanken, was denn damit gemeint sein kann:

soll allen Bürgern ein niederschwelliger 
Zugang zu bestmöglicher medizinischer Versorgung sichergestellt werden.

Niederschwelliger als jetzt (jeder kann in ein öffentliches Spital gehen und hat das Recht von einem Arzt begutachtet zu werden, freie Arztwahl im niedergelassenen Bereich, 1x /Quartal freie Facharztwahl), kann es ja eigentlich nicht mehr gehen,
wenn wir nicht auf BeNeLux oder Skandinavien umschwenken wollen. Die wahre Absicht heißt in meinen Augen: vermehrte
Erstkontakte nicht mit einem Arzt sondern mit „aufgewerteten nicht-ärztlichen Berufen“, weil angeblich billiger.

Die Digitalisierung und Telemedizin werden dazu verstärkt eingesetzt; eHealth Anwendungen und Angebote erleichtern den Menschen den Zugang und helfen zukünftig, die Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft zu erhöhen

Passt dazu: Zuerst googeln, dann Selbsthilfe, dann  Helpdesk und nur wenn es dann noch unbedingt sein muss kostenverursachender Kontakt mit dem traditionellen Gesundheitssystem, am besten mit der Pflege.
Ja, wenn dann noch Geld übrig ist, denn dem Ganzen liegt das Missverständnis zugrunde, dass Digitalisierung und Telefondienste vergleichsweise nichts kosten.

Und wer das alles für reine Hirngespinste hält, der sei auf den österreichischen Pilotversuch Teweb und einen ganz aktuellen, kritischen FAZ Artikel verwiesen: Bei Anruf Diagnose
Und dass die FAZ nun sehr wirtschaftsfeindlich und links positioniert ist, kann man wohl kaum behaupten.

Moderne Prävention als praktische Krankheits- und Unfallverhütung arbeitet darauf hin, eine spezifische gesundheitliche Erkrankung oder Schädigung durch gezielte Maßnahmen möglichst zu verhindern.

Über die Problematik der impliziten Schuldzuweisung an den Kranken, einfach selbst nicht genug für seine Gesundheit getan zu haben (Gesundheitskompetenz (Health Literacy) und Eigenverantwortung stärken (Bewegung, Ernährung, schädliche Substanzen, Spielsucht), habe ich schon einmal in der ÖKZ geschrieben (Gesundheit ist Pflicht), das hier zu wiederholen würde zu viel Raum benötigen.
Die Frage, ob es für die Wirkung flächendeckender Präventionsprogramme über mehrere Gesellschaftsschichten und lange Zeiträume eine ausreichende Evidenz gibt, kann man rasch beantworten: Nein
Interessant wird aber die Frage im Zusammenhang mit dem von oben her abgesagten Total-Rauchverbot in der Gastronomie. Wer sich freut nun doch weiter paffen zu können, wird sich eventuell die Immuntherapie seinen Lungenkrebses bald selbst blechen dürfen.
Sagen Sie nicht, Sie wären nicht gewarnt worden!

Über weite Strecken geht es dann mit dem Wording weiter, dass schon bisher die Wirtschaftskammer in den ÖSG einbrachte (Primärversorgung, Einbindung von Apothekern und Pflege, Evaluierung aller bestehenden Selbstbehalte im Gesundheitssystem mit Untersuchung auf Lenkungswirkung und Neukonzipierung von ökonomischen Anreizen im Gesundheitswesen), doch dann horcht man auf:

§-2-Kassenverträge sollen auch in Spitälern ermöglicht werden

Nichts wirklich Neues, versuchte man in vielen Spitälern (im Nord sogar ehe es in Betrieb geht), scheint aber nun zum Normalzustand zu werden.

Spannend wird es naturgemäß unter der Überschrift Reform der Sozialversicherungen

Die Abschaffung der Mehrfachversicherungen macht zwar Sinn, zielt aber vor allem auf diejenigen kleinen Versicherungen, zu deren finanzieller Stütze das Konstrukt eingeführt wurde.
Die Zusammenlegung aller Gebietskrankenkassen zur ÖKK leakte bereits früher, Landeshauptleute, Berufs- und Betriebskrankenkassen haben aber offenbar ein Hintertürl:

Wahrung der länderspezifischen Versorgungsinteressen sowie die speziellen Anforderungen der unterschiedlichen Berufsgruppen in den einzelnen Versicherungssparten berücksichtigt

Was hinter dem Passus steckt:
Eine einheitliche Prüfung der Lohnabgaben sowie eine einheitliche Abgabenstelle für die Einhebung aller lohnabhängigen Abgaben werden die Erreichung der Zielsetzungen nachhaltig unterstützen.
konnte man schon bei Klaus Kappacher nachlesen: Die Matchbälle

Und dass man damit den Landesärztekammern ihre stärkste Waffe nimmt, wenn nicht jede mehr mit ihrer eigenen Gebietskrankenkasse Tarife ausmachen kann, ist sicher nicht zufällig passiert.
Gemeinsam mit der beabsichtigten Absenkung der Pflichtmitgliedbeiträge wird die Ärztekammer nicht gerade gestärkt!

Und wieder hört man die Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer trappsen:
vereinbarten Lohnnebenkostensenkung im Ausmaß von 500 Millionen Euro
(Absenkung des Unfallversicherungsbeitrags auf 0,8%)
und der AUVA geht es an den Kragen, bzw. den Unfallpatienten!

Unbeirrbar betet man wie SPÖVP weiterhin Ausbau von Digitalisierung und Telemedizin an. Die Kassen der IT werden rauchen: Schließlich fand auch die jetzige Regierung nichts mehr dabei, dass man auch während der Woche ein Unfallröntgen ohne Fachärzte für Radiologie betreiben kann, solange eine Telefonverbindung (nach Indien?) besteht.
Das Konzept alles billiger, in dem man den Arzt möglichst weit vom Patienten ansiedelt konnte offenbar auch in diese Regierung herüber gerettet werden!

eRezept, eBefund, eMedikation, eTransportschein – E-Card am Handy forcieren
Verstärkter Einsatz von künstlicher Intelligenz (Content Analytic), um die Verwaltung und
Wissenschaft sowie die Versicherten noch besser zu unterstützen
Telefon- und webbasierte Erstversorgung flächendeckend ausbauen

Überarbeitung der Berufsrechte der verschiedenen Gesundheitsberufe, um ein effektiveres Angebot für den Patienten zu ermöglichen (Stärkung der nichtärztlichen Gesundheitsberufe nach internationalem Vorbild)

Und klar: Mehr Hayek, mehr Privat, weniger Staat – Anbieter mit Gewinnabsicht werden die Kosten dämpfen
Rahmenbedingungen für private Gesundheitsdiensteanbieter (finanzielle Weiterentwicklung
des PRIKRAF)

Ja, und wer die jetzige Gesundheitsministerin, ehemalige Controllerin der Steiermärkischen Krankenanstalten, unter blau/schwarz Hauptverbandschefin, dann Deloitte Mitarbeiterin und zu letzt im Healthcare Consulting tätige Frau Mag. Hartinger kennt, der weiß dass durch unser Gesundheitssystem ein scharfer Wind wehen wird, was vereinzelt sogar zu begrüssen sein wäre, wenn dieser nicht so deutlich vom Mont Pèlerin herunter wehen würde.

.

Beraten – Verraten: Das wahre Problem hinter externen Beratern

with 4 comments


Seit Jahren werden die Beraterkosten im KAV kritisiert, mal vom Rechnungshof, mal von den Medien.
Die Krone brach die alt bekannte Tatsache nun auf eine für den Normalo leicht vollziehbare Formel herunter:
30.000 €/Tag: Spardiktat bei Rettung, Rekordgagen für Berater

Seit Jahren beschäftigt sich auch dieser Blog mit dem Thema:

3/2017 Der KAV beschäftigt die falschen Berater

11/2016 Das Muster Post für den Wiener Krankenanstaltenverbund 

2/2016 Hilfe, wer berät mich in meiner Ratlosigkeit? 

10/2014 KAV: Wir sparen – koste es was es wolle

7/2014 Beratungsleistungen im KAV: Ein Millionengeschäft

6/2014 Reich wird, wer das Seine jedem verkauft: Die Gesundheitsberater

1/2014 Accenture im KAV: Wir zahlen doppelt für den Strick an dem sie uns aufhängen 

12/2012 Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem 

5/2012 Die planlose Planwirtschaft im Gesundheitswesen

2/2012 Sicherheitsberater: Widerstand zwecklos

Ex-Siemens Manager und jetzige Stv Generaldirektor Balazs wischte die inkriminierten Zahlungen an externe Berater mit den angeblich ernormen Einsparungen vom Tisch, die diese zugekaufte Expertise ermöglichten:

Mehr als die Hälfte der Beraterkosten stamme aus einem Projekt zur Optimierung der Sachkosten. „Dort haben wir es geschafft, über die letzten zwei, drei Jahre mehr als 130 Millionen Euro nachhaltig mit genau diesen Maßnahmen einzusparen“
http://wien.orf.at/news/stories/2858495/

Es mag bezweifelt werden, dass er dabei die wieder eingestampften Projekt Unit-Dose-System gemeint hat, wo der KAV Millionen verloren hat (http://wien.orf.at/news/stories/2754735/).
Auch die externe Beratung um das KH Nord scheint nicht als Erfolgsgeschichte: Nordlichter, weshalb der Stadt für Ärzte und Pflege kein Geld mehr bleibt .

Ja, und das Impuls-Projekt, der Versuch der GD mit Hilfe Externer gleichzeitig den ihr unbekannten Ist-Zustand der laufenden Prozesse in ihrem Unternehmens festzustellen, diese zu standardisieren und in ein einheitliches Softwarekorsett zu pressen und dieses auf ein relativ unabhängig von einer anderen Firma zu gekauften Krankenhausinformationssystem aufzusetzen, das wird es wohl auch nicht gewesen sein.

Worauf sich wahlweise GD oder Rathaus in ihrer Verteidigung beziehen, ist das SOUND Projekt, das die Einsparungen gebracht haben soll. Außer einer einfachen Summengrafik, lässt sich aber keine substantielle Analyse zu den behaupteten Einsparungen finden und selbst KAV-eigene Controller winken zu diesem Thema nur genervt ab. Irgendwie erinnern die behaupteten Millionen-Einsparungen an die gerade im parlamentarischen Untersuchungsausschuss „zerlegten“ Gegengeschäften im Zuge der Eurofighter Beschaffung, von der uns Vizekanzlerin und FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer am 3.3.2002 in der ORF-Fernseh-„Pressestunde“ noch versprach:
Für den Ankauf der Abfangjäger seien Gegengeschäfte, „die mehr als 100 Prozent ausmachen“ Bedingung….
http://www.airpower.at/news02/news0203.htm

Immer wieder fällt mir da der Sager eines unter Finanzminister Grasser leidenden Spitzenbeamten zu den damals zu Hundertschaften engagierten Beratern im Finanzministerium ein:
Der schaut Dir auf Deine Uhr und sagt Dir wie spät es ist.

Was aber viel schwerer wiegt, als die Millionen, die da an mehr oder weniger befreundete, mehr oder weniger fähige Berater verpulvert wurden, ist die Frustration der eigenen Mitarbeiter, denen hier jede Kompetenz abgesprochen wurde, selbst „ihren Betrieb zu optimieren“.

Wer auf externe Berater setzt, sollte sich Fragen, ob er angesichts seiner fehlenden Kompetenz nicht auf der falschen Position sitzt und weshalb er seinen Mitarbeitern nicht mehr über den Weg traut ….

Written by medicus58

4. August 2017 at 19:12

Der Abstand zwischen Arzt und Patient wird größer

with 2 comments


Einer der Grundpfeiler der „Gesundheitsreformen“ besteht auch darin, dass nicht jeder Patient sofort einem Arzt gegenübersteht, sondern zuerst Health literacy geschult sich selbst oder durch „informierten Laien“ Heilung zu erlangen, vielleicht einem Helpdesk telefonieren oder schlimmstenfalls mit einer Pflegekraft in Kontakt treten soll; nicht weil in diesen Instanzen mehr medizinische Kompetenz anzutreffen ist, sondern weil diese Personen einfach weniger kosten als Ärzte.

Die Ökonomie blickt auch neidisch in diese Länder, wo außerhalb des Spitals kaum noch Fachärzte zu finden sind. Klar, die Sozialversicherungen kosten ein Facharzt, der auch eine längere Ausbildung durchlaufen musste, als ein Allgemeinmediziner, einfach deutlich weniger.
Das alles muss bei banalem Schnupfen ja nicht schlimm enden, aber es ist definitiv die Antithese zur uns Ärzten oft vorgeworfenen Absicherungsmedizin, ohne dass noch so ganz klar wird, wer in diesem Spiel nun welche Verantwortung trägt.

In den diagnostischen Fächern fällt es den Patienten kaum mehr auf, aber dort ist die räumliche Trennung zwischen Arzt und Patient schon viel weiter gediehen. Klar, keiner wird erwarten, dass ihm der Labormediziner selbst Blut abnimmt, und das ist in machen Fällen auch gut so, nur wissen die wenigsten, dass die meisten Labors Teile der Blutproben in verschiedenste Labors schicken, weil das die Kosten der Einzelbestimmung deutlich drückt, auch wenn dem Patienten ein Befund mit einem einheitlichen Briefkopf ausgehändigt wird. ELGA wird das sicher bald offenbaren.

Auch in der Radiologie sitzt kaum noch der Facharzt nebenan in seinem  dunklen Kämmerchen und befundet einsam vor sich hin.
Was bei uns des nachts zwar in immer mehr Spitälern aber noch relativ selten vorkommt, ist in anderen Ländern gelebter Standard: Teleradiologie

Digitale Bildgebung und rasche Datennetze machen es möglich, dass Großgeräte bis in die späten Abendstunden betrieben werden, weil dort, wo der Arzt befundet, vielleicht schon wieder die Sonne aufgeht.
Viele Patienten in den USA freuen sich, dass der schriftliche CT-Befund praktisch in Echtzeit vorliegt, da irgendeiner der indischen Radiologen grad unbeschäftigt ist.
In den USA hat Medicare hier einen gewissen Riegel vorgeschoben, dass solche Leistungen nur dann refundiert werden, wenn die Endvidierung wieder vor Ort statt findet, aber das lässt sich ja organisieren:
http://www.auntminnie.com/index.aspx?sec=sup&sub=imc&pag=dis&ItemID=117743

All das geht langsam aber offenbar unaufhaltsam voran, die Medizin wird unter ökonomischen Druck dort, effizienter, wo ausschließlich an abrechenbare Leistungen gedacht wird. Dass vielleicht der direkte Kontakt zwischen Arzt und Patienten in vielen Fällen die Erbringung dieser Leistung obsolet gemacht hätte, das wäre Old School.

2012: Fordismus im Spital: Das Geld liegt auf der Strasse? 

 

Written by medicus58

19. Juli 2017 at 07:51

Fragt einmal, was der Staat für Euch tun muss …

with 3 comments


sparefroh

Als Babyboomer glaubt man ja so an einiges,
an den Sparefroh und die Sicherheit der Sparbücher
(http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/deutsche-einlagensicherung-selbst-ein-sparbuch-ist-nicht-sicher-13937441.html),
an die Unkapputbarkeit von Staaten, Länder und Kommunen, OK, Kärnten, aber sonst… , 
an die Unabhängigkeit der Universitäten (http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/5105470/Ist-die-Leitung-einer-Denkfabrik-nur-eine-Nebenbeschaeftigung)
und nur mehr vereinzelt an die Sicherheit der Daseinsvorsorge
(Pensionen + 0,8% http://derstandard.at/2000046565131/Kommission-empfiehlt-Pensionserhoehung-um-0-8-Prozent, Metallerverhandlungen: Gewerkschaft forder 3%, Arbeitgeber bieten 1,5% http://orf.at/stories/2363663/).

Bei allem Skeptizismus glauben wir uns aber sicher, dass wenigstens die anderen Komponenten der Daseinsvorsorge (https://de.wikipedia.org/wiki/Daseinsvorsorge) von unseren angeblichen Wohlfahrtsstaaten garantiert werden!

Mit anderen Worten, dass wir für all die Abgaben und Steuern, die die Mittelschichte zu leisten hat, bestimmte für die Allgemeinheit wichtige Infrastruktur entweder „vom Staat“ betrieben oder zumindest garantiert wird:
Verkehrs- und Beförderungswesen,
Gas-, Wasser-, und Elektrizitätsversorgung, Müllabfuhr, Abwasserbeseitigung,
Bildungs- und Kultureinrichtungen,
Feuerwehr, Krankenhäuser, Friedhöfe, Bäder , …

Die gerade in Österreich und vor allem in Wien erlebbare Dominanz der Kommunalen Unternehmen (https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunales_Unternehmen) scheint uns auch zu versichern, dass da eine gütige Hand über uns wacht.

Und auf den ersten Blick scheint das ja alles wirklich so:

Selbstverständlich regelt die Bundesverfassung, dass  z.B. Wachkörper, also bewaffnete oder uniformierte oder sonst nach militärischem Muster eingerichtete Formationen, denen Aufgaben polizeilichen Charakters einschließlich der Feuerwehr (Artikel 78 d) einzurichten sind und die Länder haben eigene Feuerwehrgesetze, die regeln,
dass selbstverständlich eine Orts-(Stadt)feuerwehr einzurichten ist.
Die Besorgung der Aufgaben der örtliche Feuer- und Gefahrenpolizei obliegt der Gemeinde. Sie hat sich hiezu der Feuerwehr zu bedienen. (z.B. §2 Burgenländisches Feuerwehrgesetz)

Ja und in Wien regelt die Wiener Stadtverfassung sogar, dass die Stadt fast alle Toiletten zu errichten und zu betreiben hat:
§103 (1) Die Bezirksvertretung, der Finanzausschuss der Bezirksvertretung und der Bezirksvorsteher verwalten die Haushaltsmittel in folgenden Angelegenheiten:
19. Errichtung von städtischen Bedürfnisanstalten, ausgenommen Bedürfnisanstalten in Fußgängerpassagen, auf der Donauinsel, auf dem rechten und linken Donaudamm sowie die Anlagen am Großmarkt Wien.
20. Betrieb der städtischen Bedürfnisanstalten, ausgenommen Bedürfnisanstalten auf der Donauinsel, auf dem rechten und linken Donaudamm sowie die Anlagen am Großmarkt Wien.

Aber wo steht, dass die öffentliche Hand dafür zu sorgen hat, dass der Bürger im Bedarfsfall ein Spitalsbett vorfindet?

Also ich stelle seit langem vielen Personen in meinem Umfeld diese Frage und bekam natürlich jede Menge Antworten, die sich aber bei genauer Recherche als unzureichend herausgestellt haben.

Auch das vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen betriebene Öffentliche Gesundheitsportal (www.gesundheit.gv.at) bleibt vage:

Die Sicherung der Gesundheit ist in Österreich eine öffentliche Aufgabe und das Gesundheitssystem ist öffentlich organisiert.
Das bedeutet: Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherung und gesetzliche Interessenvertretungen (z.B. Kammern, Patientenanwaltschaft etc.) sind für verschiedene Teilbereiche des Gesundheitswesens verantwortlich: z.B. Gesetzgebung, Verwaltung, Finanzierung, Leistungserbringung, Qualitätskontrolle, Ausbildung etc.
Die Gesundheitsleistungen werden aber sowohl von öffentlichen als auch von privaten Einrichtungen erbracht.

Geht man aber all den Fährten nach, findet man meist, wer welche Gesetze und Verordnungen erlassen kann, aber nicht wirklich wer was leisten muss!

Natürlich haben alle Patienten das Recht auf einen gleichen Zugang und ihre Rechte sind in vielen Gesetzen verankert:

  • Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)
  • Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG)
  • Ärztegesetz (ÄrzteG)
  • Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG)
  • Hebammengesetz (HebG)
  • Heimaufenthaltsgesetz (HeimAufG)
  • Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz (KAKuG)
  • Krankenanstaltengesetze (KAG) der Länder
  • Patientenverfügungsgesetz (PatVG)
  • Psychologengesetz (PsychologenG)
  • Psychotherapiegesetz (PsychotherapieG)
  • Sachwalterrechts-Änderungsgesetz 2006 (SWRÄG 2006)
  • Strafgesetz (StGB)
  • Unterbringungsgesetz (UbG)
  • Zahnärztegesetz (ZÄG)

und selbstverständlich findet man auch eine Patientencharta (wie eh alles im Gesundheitswesen ein Art 15a BVG Vereinbarung), die letztendlich aber auch nur regelt, wer und wie das Bestehende in Anspruch nehmen darf. Natürlich hat jedes Bundesland seine eigene Patientencharta, weil alles ist im Föderalismus teilbar, sogar die Patientenrechte ….

Seit der Jahrtausendwende gab sich die öffentlich Hand sogar gewissen Vorgaben, in dem sie ihre eigenen Berater-Thinktanks z.B. in der Gesundheit ÖSterreich GmbH (https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/GesundheitOesterreich_LN.html) gründete,
um den von öffentlichen Aufträgen abhängigen Einrichtungen einfach diktieren zu können, was sie gerade für adäquat, effektiv und effizient hält.
Sicher, im Gegensatz zum 20. Jahrhundert existieren nun erste echte Planungsansätze, die theoretisch der Bürger dann auch einfordern könnte, aber tut er das?
Natürlich nicht! Über- und Unterversorgung existiert trotz ÖSG (=Österr. Strukturplan Gesundheit) und RSGs (=Regionale Strukturpläne für Gesundheit in jedem Bundesland), ohne dass hier irgendjemand Handlungsbedarf sieht.

Auf Wunsch kann ich gerne Gutachten verschiedener dieser Berater beibringen, in denen sie sich gegen ihre eigenen Pläne aussprechen …..

Aber das ist in Zeiten, in denen die Kommunen Pleite sind und verzweifelt versuchen, sich der Bürde einer kostenintensiven stationären Gesundheitsversorgung zu entledigen, nicht die wirkliche Frage.
https://www.fiskalrat.at/dam/jcr:9e18a2cc-360b-4d24-9a44-b221a968e582/studie-gemeindeausgliederungen-final-5_juni_2012_tcm163-248845.pdf

Wenn all die Gerüchte der „KAV-Privatisierung„, also irgendeine Form der Ausgliederung, Auslagerung, Übertragung bis zur kompletten Verschenkung an Befreundete, dann gewinnt die Frage dieses Beitrags ganz plötzlich eine hohe Aktualität.

Fragt einmal, was der Staat für Euch tun muss …

Weil wir kein Recht mehr darauf haben, dann ist es schnell weg.

Written by medicus58

29. Oktober 2016 at 16:45

%d Bloggern gefällt das: