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SARS CoV2 – Der Reichstagsbrand des 21.Jahrhundert? 2/2

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Im ersten Teil habe ich erklärt, dass es sich hier um keine Verschwörungstheorie handelt, aber prinzipiell zu erwarten ist, dass jedes großes Ereignis politische Folgen hat und politisch missbraucht werden kann.

Persönliche Grundrechte außer Kraft gesetzt

Einschränkungen der persönlichen (Bewegungs-)freiheit sind in der Bekämpfung eines durch Tröpfcheninfektion verbreitbaren Agens, das auch ohne Wirt eine gewisse Zeit in der Umwelt überlebt, unumgänglich, jedoch kann ich nur wiederholen, was sich schon ab Februar sagte:

Fürchtet Euch nicht vor dem Virus aus China sondern dem in unserer Politik
Covid 19: Möge die Kur nicht schlimmer als die Krankheit werden,
Das Coronavirus ist nicht unser einziger Gegner
„Die Leute begreifen das nicht“: Eigenverantwortung, Schockieren oder Entmündigung
Mundmasken für die Regierung gefordert

Stellvertretend für viele kritische Juristen empfehle ich folgende Links:
Parlamentarische Selbst­entmächtigung im Zeichen des Virus
Der Bundespräsident hat das verfassungsmäßige Zustandekommen eines offensichtlich verfassungswidrigen Gesetzes beurkundet.

Da das Virus aber bis zur kompletten Durchseuchung, einer medikamentösen Therapieoption oder Impfung uns wohl noch Monate begleiten wird, wäre eine Neubewertung all dessen was unter der Annahme einer „Auferstehung vor Ostern“ als kurzfristige Maßnahme durchgewinkt wurde, dringlich zu empfehlen.

Und wer jetzt mit der Lebensrettung argumentiert, dem sei in Erinnerung gerufen, wie viele Leben es gekostet hat, um uns diese Rechte zu erkämpfen. Man darf das nicht kampflos abgeben.

Ende des Neoliberalismus oder Anfang der nächsten Stufe?

Stephan Schulmeister sah in der COVID-19 Pandemie das Ende des Neoliberalismus und auch wollen eine Schwäche des neoliberalen Kapitalismus sehen. Ich bin da sehr pessimistisch, da meiner Wahrnehmung nach noch wenige Menschen die hinter uns liegenden Umwälzungen überhaupt bemerkt haben (Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals). Vergleiche dazu auch das 2018 erschienene Buch: Warum schweigen die Lämmer?
An den nachfolgenden Beispielen versuche ich darzustellen, weshalb ich befürchte, dass COVID-19 Entdemokratisierung, Entsolidarisierung, Neoliberalisierung und Entmündigung weiter befeuern wird.

Home Office – Entsolidarisierung

Social Distancing ist ohne Home Office nicht denkbar ohne einen endgültigen shut down der Wirtschaft zu riskieren. Für Arbeitgeber kann der (scheinbar) erfolgreiche Probegalopp aber zum Erfolgsmodell werden. Arbeitnehmer beuten sich im Home Office aus, verwenden ihre Produktionsmittel (Handy, PC, Strom, Internetvertrag Wohnfläche, …) und ersparen Immobilienkosten. Interaktionen verlaufen kontrolliert, den Tratsch am Kaffeeautomaten wird es auf Skype nicht geben. Persönliche Probleme bleiben privat, die Arbeitsbedingungen arbeitsmedizinisch unkontrolliert. Die Verfügbarkeit ist ausgeweitet.

Bargeld abschaffen – Online kaufen

Aktuell wollen viele Lebensmittelgeschäfte ihren Mitarbeiter den Kontakt mit Bargeld ersparen und viele bekommt man ausschließlich im Onlinehandel. Monate vor der COVID-19 Pandemie bestanden zunehmende Tendenzen das Bargeld abzuschaffen und vom Schwarzgeld über Falschgeld und Terrorismusbekämpfung bis zum Umweltschutz wurde für den Übergang auf Buchgeld ins Treffen geführt, um bei jeder Transaktion mitverdienen zu können (Kapitalismus 21.0; Rückdelegieren und Mitschneiden).
Den Befürwortern der Bargeldabschaffung konnte nichts Besseres passieren als die COVID-19 Pandemie, um uns zu dressieren. Auch die Anonymiserung des Kaufvorganges lernen nun all diejenigen, die bisher Amazon et al. widerstanden und ihren Bedarf regional deckten,

Differenzierte gesellschaftlichen Prioritäten werden offenbar

Was evidenzbasiert und alternativlos an den Anordnungen der Regierungen daherkommt, reflektiert einfach die herrschenden Machtverhältnisse.

Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“

Schulen und Universitäten wurden sogleich stillgelegt, da waren kaum Kapitalinteressen gefährdet. Dass man gerade unteren Schichten die Aufstiegsschancen beschneidet wurde mit dem Schutz der Älteren weg argumentiert, der aber bislang nicht erreicht wurde.
Andererseits (trotz aller Vorwürfe der Corona-Parties jüngerer Erwachsener) erfolgt die Wiederinbetriebnahme des Bildungssystems von oben nach unten:
Die VerliererInnen in dem System Coronakrise sind wieder einmal die SchülerInnen der Mittelschulen. Für Bildungsminister Heinz Fassman gilt die höchste Priorität bei der Öffnung von Schulen der Matura.

Fernstudium für die Massen und persönliche Betreuung nur mehr an Privatuniversitäten.

Während für die Wirtschaftskammern klar war: Arbeit auf Baustellen muss weiterlaufen! obwohl wohl kaum jemand glauben kann, dass bei gemeinsamer schwerer körperlicher Arbeit Aerosolbildung und Mindestabstände eingehalten werden können, wurden kleine Dienstleister von Anfang an zugesperrt.

Für Kindergärten, Bildung und Kultur war gleich Schluss, in den Thermen und Schwimmhallen großer Betreiber konnten am 11.März noch bis zu 100 Menschen gemeinsam schwitzen und plantschen, und erst am 15. März schlossen die letzten großen Betreiber.

Von Anbeginn ging es um den Schutz von Strukturen (Schützen wir unsere Spitäler, Schützen wir das Gesundheitssystem vor dem Kollaps), wäre es um den Schutz der Strukturerhalter gegangen, hätten diese nun ausreichend Mundmasken, Schutzanzüge und -brillen. Und sagen Sie nicht, dass das die Aufgabe der Ärztekammer gewesen wäre, denn Ärzte sitzen nicht im Krisenstab und die Arbeiterkammer hat den Supermarktkassiererinnen auch keine Masken bereitgestellt.

Gewöhnen wir uns an die Autorität, die uns angeblich schützt

Von Beginn an trommelte Innenminister Nehammer von „empfindlichen Strafen„, dass es selbst seinem Vorgänger Kickl schwummrig wurde, und dem kann man ja kaum ein verkrampftes Verhältnis zur Machtausübung nachsagen. Teil der Disziplinierungsmaßnahmen sind in Österreich und Deutschland Strafen, wer sein Auto wäscht (als ob dieses oder irgendwer dadurch angesteckt würde), wer zufällig Freunde im Park trifft , einen Kaffee auf einer Parkbank einnimmt oder allein mit seinem Hund auf der Donauinsel joggt, wobei letzteres angeblich nichts mit Corona zu tun hat sondern eine normale Amtshandlung darstellt.

Wozu früher gelbe Sterne angenäht wurden reicht heute eine App

Über 300.000 haben sich inzwischen die angebliche Rot Kreuz App heruntergeladen, um sich vor Corona zu schützen. Auch wenn entsprechende Apps seit 2011 (also schon für die gute alte Influenza „FluPhone„) in Gebrauch sind fehlt trotz zig-facher anekdotischer Hinweise aus China und Süd-Korea bis heute der Beweis, dass dieser „elektronische Judenstern“ den Anwendern irgendetwas gebracht hat. Die URL www.fluphone.org ist übrigens wieder zu haben ….
Haben Sie sich schon einmal vorgestellt was passiert, wenn sie einen Supermarkt betreten und Dutzende Handys vor einem Kontakt mit Ihnen warnen?

Die Massenpsychologie weiß seit Kollegen Dr. Le Bon dass die Mitglieder einer hochemotionalisierten Masse ihre Kritikfähigkeit einbüßen, die sie als Individuen im Zustand der seelischen Ruhe haben.

In der Angst vor dem neuen Virus gehalten wird autoritären Tendenzen, dem Verlust an bereits erkämpften individuellen Rechten, Nationalismen, Sündenböcken und Privilegien für die mächtigeren Mitspieler kaum ein Widerstand entgegengebracht. Ob der Widerstand, noch sinnvoll ist, wenn klar wird, wer für die Kollateralschäden ziu bezahlen hat, bleibt abzuwarten.

Die Auseinandersetzung darüber, was nach der Pandemie kommt, wird uns nicht erspart bleiben. Was wir jetzt nicht verteidigen können, werden wir denen, die es uns weggenommen haben, nicht mehr entreißen können, denn dann sind viele von uns ökonomisch zu schwach.

Mehr Privat statt Staat im Krankenhaus?

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Im Zuge dessen, was uns als „Reform“ verkauft wird,  wurden von Tückischblau die Mittel für private Krankenanstalten auf 146 Millionen Euro aufgestockt.
Das medial transportierte Hauptproblem scheint darin zu liegen, dass da HC Strache seinem Freund Worseg öffentliche Gelder zusteckt.

Der freiheitliche Parlamentsclub verteidigt hingegen pflichtschuldig die Maßnahme: FPÖ-Povysil: „Privatkrankenhäuser tragen einen wesentlichen Teil zur Sicherung unseres Gesundheitssystems bei“

Und auch die Wirtschaftskammer, die private Institute und Krankenanstalten vertritt, freut sich nahezu wortgleich:
Fachverband der Gesundheitsbetriebe weist Kritik an der Aufstockung des PRIKRAF zurück

In Wahrheit ist es – unabhängig wo man politisch selbst im Spannungsfeld zwischen Neoliberalismus und Planwirtschaft steht – nicht so sehr das Problem, ob Tückischblau nun das Gesundheitssystem teilprivatisieren  oder Strache einem ihm persönlich nahe stehenden Döblinger Privatkrankenhaus was zustecken wollte.
Vielmehr ist die auch durch die Wiener rot-grüne Stadtregierung zunehmende betriebene Einbindung der privaten (und konfessionellen) Player in die Gesundheitsversorgung problematisch, weil KEINER dieser Träger die teuren Ränder einer Vollversorgung anbietet und dieses Rosinenpicken durch unsere (angeblich) Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (LKF)  noch begünstigt wird:

Private Player warben seit Jahrzehnten um Geburten, schickten aber im Problemfall die Kinder in die Neonatologien der öffentlichen Trägern. 
Seit Jahren entdecken Private die Onkologie, ohne die entsprechende (teure) Diagnostik und teure neue Therapien selbst anzubieten.
Das künstliche Kniegelenk ist rasch eingebaut, die Komplikationen landen dann beim öffentlichen Träger.
In vielen privaten Belegspitälern ist außerhalb der Kernarbeitszeit die fachärztliche Kompentenz, die Leistungen von Labor und Röntgen mehr als dünn, bzw. oft überhaupt nicht vorhanden.
Treten Komplikationen auf, werden die Patienten dann flugs in die „öffentliche Hand“ abgeschoben

Natürlich können, die das alles nur deshalb, weil die Gesundheitspolitik (warum auch immer) vergessen hat, die Vorhaltekapazität der großen öffentlichen Träger adäquat abzugelten.
Das ist der viel größere Skandal, jedoch ungleich komplexer medial abzuhandeln.

Written by medicus58

7. Oktober 2018 at 12:23

UK-Thatcher-UK V2.0

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Downingstreet

Die Bedeutung der Britischen Inseln als Auslöser meiner „Wanderlust“ habe ich schon erwähnt. 
Meine ersten Besuche lagen Jahre vor Thatchers Machtübernahme und setzten sich bis heute fort. 

http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=77183 
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=77469
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=83932 

In den 70ern stand der gelernte Wiener, für den das Drängeln in den Warteschlangen, die mißmutigen Verweise auf Zuständigkeiten und ein habituelles Mißtrauen  genetisch verankert schien, ziemlich fassungslos vor britischer Freundlichkeit und Offenheit

Ein Freund von mir stand z.B. einmal in einem der peripheren Bezirke von Greater London und hantierte umständlich mit einem großen Stadtplan, um zu seiner Destination zu finden, als neben ihm ein kleiner MG stehenblieb und der Fahrer fragte, ob er ihn wohin mitnehmen könnte. (Nein, er wurde weder ausgeraubt noch vergewaltigt)
Als ich mit Rucksack und Jeans Richtung Stonehenge wandern plötzlich von einem monsunartigen Regenguß überrascht wurde, blieb neben mir ein Mini stehen und die Fahrerin nahm mich, naß, unrasiert und langhaarig wie ich war, einfach mit.
Und BritRail war für den Interrailer einfach ein Traum (Lokale Fahrpläne in Scheckkartenform!).
Selbst auf London Heathrow hatten die Busfahrer ein nettes Wort auf den Lippen:
Als ein gehetzter Fahrgast fragte, ob das der Bus nach Peking, meinend ob das der Bus zum BA Flug in die chinesische Hauptstadt, wäre, grinste der Fahrer und bejahte zuerst grinsend. Als der glückliche Fahrgast sich und sein Gepäck in das Fahrzeug gewuchtet hatte, präzisierte er aber lächelnd, dass der Bus schon in diese Richtung unterwegs wäre, man aber den größeren Teil der Reise besser doch fliegen sollte …

Unvergesslich blieb mir später, nach einigen Jahren Thatcher, die Reaktion eines anderen Busfahrers, der einen gehetzten Fluggast auf die Frage, ob er denn zu Terminal 3 führe einfach bampig anwies, die Beschilderung des Fahrzeugs zu lesen, die Türen schloss und ihn stehen ließ.

Offenkundig verirrten Touristen wurden in London auch kaum mehr Hilfe angeboten, obwohl sich das zuletzt etwas gebessert haben dürfte. 
Und das britische Eisenbahnsystem mit einander konkurrierenden Privatlinien, horrenden Preisen und undurchsichtigen Verbindungen läßt seine frühere Qualitäten kaum mehr erahnen.

Natürlich ist diese Entwicklung nicht ausschließlich Thatchers Schuld, 
so wie der Golf- und der Falklandkrieg nicht ihr Verdienst waren. 
Ich habe aber diese Details so erlebt und fand Ken Loach’s Sager:

Lasst uns ihr Begräbnis privatisieren!
Macht eine Ausschreibung und akzeptiert das billigste Angebot!
http://topsy.com/dangerousminds.net/comments/lets_privatize_her_funeral_film_director_ken_loach_on_plans_for_thatchers 
durchaus mit meinen Gefühlen kompatibel ..

Die Stimmung auf Twitter nach der Todesmeldung der „Iron Lady“ wurden hier ganz gut dargestellt:
http://rabble.ca/babble/international-news-and-politics/late-margaret-thatcher

Für einen politisch korrekteren Nachruf kann ich nur den Guardian empfehlen:
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/apr/08/margaret-thatcher-death-etiquette 

Es gibt wenige Menschen, die für die gesellschaftliche Verböserung und Endsolidarisierung Europas in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderst so exemplarisch waren, wie die ehrgeizige Krämerstochter mit unbezwingbarem Sendungsbewußtsein. 
Möge nicht nur sie sondern auch ihre Ideologie zu Grabe getragen werden.

Written by medicus58

9. April 2013 at 07:35

Wahlkampfthema Wohnen, damit kennt sich jeder aus

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Balkon 2

Ich bin ein misstrauischer Mensch, ich weiß.

Wenn einer der größten Immobilienmakler der Stadt (http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/kordiconomy/57921/Muzicant_Realitaeten-verkaufen-Realitaeten-schaffen) ein Plädoyer für gerechteres und billigeres Wohnen verfasst (http://derstandard.at/1363706690905/Plaedoyer-fuer-gerechteres-und-billigeres-Wohnen),
wenn sich die Grün Stadträtin Vassilakou aus der Parkpickerl Diskussion mit dem Geniestreich von Mietzinsobergrenzen von 7 €/m2 (http://diepresse.com/home/panorama/wien/1311289/Gruene_Wiener-sollen-ueber-Mietobergrenze-abstimmen) verabschiedet und
sich plötzlich ÖVP und SPÖ gegenseitig erinnern, dass die Wohnbauförderung doch eher für den Wohnbau und nicht fürs Spekulieren und Kreisverkehreröffnen zu verwenden wäre, dann werde ich misstrauisch.

 

Tausende Wohnungen mehr (wie vor jeder Wahl), die maroden Pensionskassen sollen den Wohnbau fördern (nachdem sie Ihr Geld an der Börse verlieren durften), die Vermieter sollen die Makler zahlen (tun sie eh schon)  http://orf.at/stories/2174781/2174756/ und bald wird wieder erwähnt werden, dass der Abgeordnete Peter Pilz widerrechtlich im Gemeindebau logiert (http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1296111/Oesterreich_Pilz-hat-sich-Wohnung-erschwindelt).

Neu war in diesem Zusammenhang nur die „schwarze Regurgitation“ von Ex-FPÖ/BZÖ Vizekanzlerin Susanne Riess (http://www.heute.at/news/politik/art23660,864524), die man sicher beim Bausparer Wüstenrot verwahrt glaubte.

 

Fast reflektorisch will man bei den im Minutentakt einschlagenden Vorschlägen im beginnenden Wohnwahlkampf (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/top_news/536217_Koalition-startet-Wohnwahlkampf.html) ausrufen:
Bitte, helfen Sie mir nicht, es ist schon jetzt schwer genug!

Weil was am Ende stehen wird, egal wessen Vorschläge die meisten Stimmzettel einfangen, lehrt uns die Geschichte der letzen 30 Jahre:

Es geht nur darum, neue Geldmittel aus den gesellschaftliche Bereiche, die noch nicht gänzlich für private Kapitalspielchen geöffnet wurden, dem Zugriff der Finanzindustrie zu öffnen. Der Staat soll dies alles mit Steuermittel fördern und den Bürgern vorspielen, dass das alles zu ihrem Besten wäre.

Nach dem Pensionssystem, das vom Umlageverfahren zu großen Teilen in ein Kapitaldeckungssystem umgebaut wurde und seine Beiträge in Börsenspekulation verbrannt hat, und dem Gesundheitssystem, das zur angeblichen Effizienzsteigerung mit öffentlichen Geldern privatisiert wird, sollen nun auch der Wohnbau neoliberal eingefärbt werden: Der Steuerzahler zahlt Förderungen, die Privaten kassieren die Gewinne solange es gut geht, am Ende zahlen wir alle für die Scherben. 

 

(Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals http://wp.me/p1kfuX-l1)

 

 

  

Written by medicus58

3. April 2013 at 17:01

Outsourcing im Dienstleistungssektor: Mach die Arbeit und schick uns das Geld!

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Der Anteil des Diensleitstungssektor liegt in den reichen Staaten der  Welt bei ca. 2/3 des BIP:
http://www.welt-in-zahlen.de/laendervergleich.phtml?indicator=68
Mit anderen Worten leben die reichsten Gesellschaften nicht mehr vordringlich von der industriellen Produktion (Industriestaaten) sondern
von einer natürlichen Person oder einer juristischen Person erbrachten Leistung zur Deckung eines Bedarfs.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dienstleistung

Das in der kapitalistischen Gesellschaft häufig dieser Bedarf erst durch massive Werbung geweckt wurde, soll heute nicht weiter verfolgt werden. Vielmehr, dass wir hier in einen anderen Widerspruch hineingelaufen sind, nämlich dass gerade in diesen Staaten die Lohnkosten naturgemäß sehr hoch sind, insbesondere dort, wo sich ein sogenannter Wohlfahrtsstaat entwickelt hat, der sich durch kreative Gewinnverschiebung multinationaler Konzerne fast ausschließlich durch Lohn- und Einkommensteuer finanziert.

Fassen wir zusammen:

In unseren Gesellschaften verlagern wir den Hauptteil unserer Tätigkeiten in einen Bereich, der -weil personalintensiv- eigentlich zu teuer ist.
Um nun die Gewinne zu sichern, muss ein Großteil der manuellen Tätigkeiten wieder an den Kunden ausgelagert werden.

Beispiele gefällig?

Früher gingen Sie auf Ihre Bank, übergaben einfach die Überweisungsscheine und nahmen ihre Kontoauszüge und die abgestempelten Überweisungsscheine wieder in die Hand.
Heute mühen Sie sich mit den im Vorraum ihrer Bankfiliale augestellten Geräten ab und erledigen all das, was die EDV nicht zusammenbringt.
Wenn Sie nun einwerfen, dass das aber praktischerweise auch um Mitternacht geschehen kann, darf ich Sie darauf hinweisen, dass viele von Ihnen früher vom Arbeitgeber sogar „Bankstunden“ bekamen, um all das während Ihrer Arbeitszeit zu erledigen.

Ich rief früher mein Reisebüro an und eröffnete, dass ich im August nach Papua Neuguinea wollte (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=77662), erfuhr mögliche Verbindungen am Telefon, entschied mich für eine und erhielt einen Erlagschein, den ich in den nächsten Tagen einmal einzahlte. Eine Woche vor dem Abflug lagen alle Tickets in gedruckter Form bei mir im Postfach. Die freundliche Frau J. bei Atlantis-Reisen habe ich in dem guten Jahrzehnt, als ich dort gebucht habe, kaum je persönlich zu Gesicht bekommen. Heute klicke ich mich stundenlang durch verschiedene Suchmaschinen, bekomme ein e-ticket und bange jedesmal bei Kettenflügen, dass die Maschine beim Einchecken mich auch erkennt und begreift, dass ich meine Koffer gerne druchchecken möchte, wenn ich auf meinem Flug 3x umsteigen muss.

Wenn ich einen Ersatzteil für meinen Kühlschrank benötigte, ging ich früher zum Elektrohändler, schilderte ihm, was kaputt gegenangen war und holte den Ersatzteil nach einer Woche bei ihm ab. Der hersteller hat was verdient, der Elektrohändler hat was verdient und ich war sicher, das richtige Teil zu bekommen.
Heute klicke ich eine halbe Stunde bei Bosch.de herum, bis ich es schaffe auf Bosch.at (andere Mehrwertsteuer !) die Explosionszeichnung meines Kühlschranks zu finden und mühsam die Katalognummer des Zwischenbretts zu entziffern, das kaputt gegangen war. Leider muss ich im Bündel auch noch das Unterbrett mitkaufen, das ich eigentlich gar nicht benötige. Klarerweise muss ich mich für den Vorgang mit Passwort anmelden bzw. einen neuen Kundenaccount erstellen, weil sich die EDV nicht erinnert, dass ich vor zwei Jahren schon mal hier was bestellt habe.
Das Teil wird dann nicht von der Post (Auslagerung !) sondern von einem privaten Paketdienst dem Farbenfachgeschäft nebenan zugestellt, wovon ich aber erst bei der Reklamation erfahre, weil der Verständigungszettel leider im Postfach des Nachbarn landete.

Dass das Auslagern auch im öffentlichen Bereich (auch in SPÖ dominierten Kommunen) immer stärker dazu benutzt wird, sich der unliebsamen Arbeitnehmerrechte zu entledigen, habe ich hier schon einmal angesprochen:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=75164
Auch, dass sich durch die Zunahme an möglichen Vertragsabschlüssen die Möglichkeiten zur Korruption erweitern, wurde hier am Beispiel des Wiener AKH schon gezeigt: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31675

Auch im Gesundheitswesen wird ausgelagert, was das Zeug hält und die Personalleasingfirmen bereitstellen können.
Große Krankenanstaltenverbünde der Länder (z.B. GESPAG) überlassen den Betrieb mancher ihrer Häuser Fremdfirmen (z.B.: VAMED).
Große Krankenanstaltenverbünde der Länder (z.B. KAV) gaukeln den Wählern in Inseraten neu geschaffene Infrastruktur vor, für die sie mittels PPP (http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlich-Private_Partnerschaft), Sale and Lease Back (http://de.wikipedia.org/wiki/Sale-Lease-Back) und Operate Lease (http://de.wikipedia.org/wiki/Operatives_Leasing) zwar an Private Zahlen, aber kaum mehr Durchgriff auf die Art der Führung haben.

Durch Ausgliederungen und Fremdvergaben (z.B. EDV: Supergau im KAV http://wp.me/p1kfuX-vj) sprechen Mitarbeiter immer nur mehr mit den gewinnorientierten Firmen  und nicht mehr direkt mit ihren übergeordneten Stellen. Diese hören auch nicht mehr auf ihre eigenen Mitarbeiter, die nach jahrzehntelanger Erfahrung vielleicht eher die Prozesse kennen, als frisch von der FH ausgespukte Projektbetreuer, die sich auf Kosten ihrer Auftraggeber in die Materie einarbeiten.

Kurz, auch im medizinischen Dienstleistungssektor glaubt man sich etwas zu ersparen, wenn man das Kerngeschäft, eben die Leistung eines Dienstes auslagert.

Einmal soll das der Patienten sein, der sich seine Befunde im ELGA zusammenglauben soll: im papierlosen Spital kriegt er irgendwan halt keinen ausgedruckten Arztbrief, weil im dann erklärt werden wird, das diese Doppelgleisigkeit zu teuer ist.
Ein andernmal ist das der Abteilungsvorstand, der immer neuen Leih-Reinigungskräften erklären muss, dass ein teures medizinisches Gerät nicht besser wird, wenn es mit einem feuchten Ausreibefetzen behandelt wird.

Eigentlich warte ich nur mehr darauf, bis mir eines Tages der Bäcker auf meinem Wunsch nach einer Semmel einen Patzen Teig in die Hand gibt und den Weg in die Backstube auf mein GPS überspielt …

Dann weiß ich,
dass ich endgültig in der Dienstleistungsgesellschaft 2.0 angekommen bin!

LINK:
Outsourcing – kein Mittel zum Personalabbau
http://www.stuttgart.ihk24.de/linkableblob/979502/.5./data/Outsourcing_von_Dienstleistungen_STUDIE-data.pdf;jsessionid=A577E968273DAD92C1AC3D4487EEEC4B.repl23

Written by medicus58

27. November 2012 at 19:30

Wir haben aus dem Fall Südamerikas nichts gelernt

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Eigentlich handeln die Beiträge hier in der Kategorie „Reisen“ von Erlebnissen, die zum Teil Jahrzehnte zurück liegen. Das heutige Bild der Auslage einer Bank in Colonia (Uruguay) ist zwar auch schon 15 Jahre alt, führt uns aber geradewegs in die Gegenwart.
Heute ist die Inflationsrate in Uruguay mit ca. 8% relativ gering
(http://www.indexmundi.com/uruguay/inflation_rate_(consumer_prices).html) und lag selbst in den späten 90er jahren mit ca. 15% 1997 nicht allzu hoch, als ich dieses Bild schoss.
Die 21% Zinsen für eine Einlage von 360 Tagen, jedoch noch viel mehr die
18% für eine Einlage von nur 30 Tagen reflektieren die gerade überstandene ökonomische Talfahrt.

Uruguay war der erste Sozialstaat Südamerikas. Wie in vielen südamerikanischen  Ländern unterstütze die (mit tätiger Hilfe der USA eingesetzte) Militärregierung auch Uruguay die neoliberalen Wirtschaftsreformen der „Chicago Boys“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Chicago_Boys).

Die Folge waren der Ausverkauf an ausländische Investoren (einschließlich der Rücklagen der Sozialversicherung), die großflächige Verarmung des Mittelstandes und die Destruktion staatlicher Strukturen, von denen sich die meisten südam. Staaten Ende der 90er Jahre zwar kurzfristig aber nicht andauernd erholten. Uruguay stürzte gemeinsam mit seinem Nachbarn Argentinien 2002 wieder in die nächste Krise aus der es sich wie Argeninien nie wirklich erholt hatte.
All dies wurde von Europa nicht als Gegenbeweis der neoliberalen Ideologie gesehen, sonder als rein lokales Problem; spätestens seit 2008 sollten wir uns auch fragen, ob wir aus der Entwicklung Südamerikas in den letzten Jahrzehnten die richtigen Schlüsse ziehen sollten.

PS_ Ein Beitrag nicht nur aber auch für Bloggerfreund EP —

Written by medicus58

27. September 2012 at 17:55

Veröffentlicht in Finanzkrise, Reisen

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Ranking: Die zwanghafte Schwanzparade für alle

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Ranking
ist laut (http://de.wikipedia.org/wiki/Rangordnung) eine Reihenfolge mehrerer vergleichbarer Objekte, deren Sortierung eine Bewertung festlegt.
Eh gewusst, nur ist das was früher der Zeitvertreib einiger Statistiker und Sportjournalisten inzwischen im Mainstream angekommen und greift unaufhaltsam auf unser ganzes Leben über.

Schon die Kabaretisten „Die Hektiker“ äzten über den Ranking-Zwang des Magazin NEWS und sprachen dereinst von den 7 Millionen wichtigsten Österreichern, während es Florian Scheuba und Clemens Haipl später in Buchform billiger geben und nur mehr von den 100.000 wichtigsten Österreichern schreiben: http://www.amazon.de/Die-100-000-wichtigsten-%C3%96sterreicher-Welt/dp/3707601188

An die Rankingorgien seit Beginn der Finanzkrise haben wir uns auch schon gewöhnt:
RAT MAL WER ZUM RANKING KOMMT (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44995) und
wir wundern uns auch nicht mehr über einander widersprechendeBest of Listen“ in der Unterhaltungsindustrie.

Jetzt ist ja der zwanghafte Längenvergleich ist ja für pubertierende Knaben am Pissoir nichts wirklich Neues und hält sich sowohl am Stammtisch als auch im universitären Millieu:
Ich war unlängst selbst überrascht, noch jemand zu finden, der diesen Uralt-Witz nicht kennt, wobei meie Fassung etwas anders läuft als auf „Lustige Sprüche aus dem Hörsaal“: http://www.lustigestories.de/stories/hoersaal.php?

Treffen der Universitätsprofessor und sein Student zufälligerweise am Pissoir aufeinander.
Um das Eis zu brechen, beginnt der Student: „Sehen Sie Herr Professor, hier kann ich mir sogar in Ihrer Gegenwart etwas herausnehmen.“
Worauf er trocken zur Antwort erhält: „Jedoch werden Sie auch hier den Kürzeren ziehen, junger Freund.“

Vermutlich ist es der neoliberale Konkurrenzwahn, der uns seit über drei Jahrzehnten predigt,
dass jeder einzelne ständig im Wettkampf mit dem Rest der Menschheit zu stehen hat
, als ob dadurch etwas anderes als
eine  Zunahme narzißtischer Persönlichkeitsstörungen und depressiver  Erkrankungen bewirkt würde (Vergleiche: Das Unbehagen in der Gesellschaft http://www.suhrkamp.de/buecher/das_unbehagen_in_der_gesellschaft-alain_ehrenberg_58561.html) und negiert, dass
kein Mensch unter Dauerstress kreativ und produktiv bleiben kann.

Solange das individuelle Messen an globaler Bedeutung sich nur auf die Anzahl der Facebookfreunde beschränkte
(mein persönlicher Account schrammt mit 71 Freunden an der Grenze zum Autismus)
und die Zugriffszahlen auf den eigenen Blog (zumindest bei manchen Providern) nicht öffentlich sind
(meine beiden (gespiegelten) Blogs halten aktuell bei 44.255)
war das soziale Versagen noch nicht so evident,
seit es aber unzähliche Twitter-Utilities gibt, die einen gnadenlos die eigene nationale und internationale Bedeutung aufzeigen
kann man ja nur mehr zu Lockangeboten greifen, wie sie aktuell auf Justtweetit.comhttp://justtweetit.com/cool-twitter-tools/how-do-you-rank-on-twitter/)
zu finden sind, die einen für 5 US$ mit 25.000 zusätzlichen Usern aufpeppen, bzw. für  schlappe 15 bucks 38.000 Twitter-Follower in Aussicht stellen.
(Laut Twitaholic.com ist @GTLMedicus international am 791,518. und national (in Wien) am 166. Rang)

Aber mit nur 5 $ habe ich euch alle im Sack, …. oder am … oder …. aus!

Links:
http://thenextweb.com/socialmedia/2012/08/10/study-shows-tens-thousands-purchased-fake-twitter-followers/?
25 Jahre Hektiker  http://www.youtube.com/watch?v=bYZ8XsGK7Zc

Written by medicus58

12. August 2012 at 19:15

Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals

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Spätestens seit den Zeiten der Französischen Revolution (1789 bis 1799) wird mit dem Begriff einer “Revolution” eine radikale, für alle augenfällige Änderung eines bestehenden Systems innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes verstanden. Hier wird jedoch übersehen, dass sich Revolutionen auch über einen längeren Zeitraum erstrecken konnten, wie zum Beispiel die Industrielle Revolution von ca. 1750 bis 1850. Jedoch verlief auch diese Revolution “nicht unbemerkt”, ihre Protagonisten konnten und wollten ihrer Absichten nicht verheimlichen, die breite Masse erkannte den revolutionären Charakter nicht nur an ihren Spätfolgen, sondern bereits während der „Umwälzung“.

In den letzten Jahrzehnten (!) ist jedoch eine, in ihrer Radikalität völlig unterschätzte Revolution abgelaufen, die erst jetzt durch einige ihrer Folgen und noch immer nicht in ihrer Radikalität und Totalität ins öffentliche Bewusstsein gelangte:
Eine Revolution, in der das Kapital die Herrschaft über alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens errungen hat. Nennen wir sie, vorbehaltlich einer besseren Bezeichnung:

Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals.

Viele sprechen von einer neoliberalen Revolution, was aber den Kern verfehlt, da neoliberales Gedankengut zwar das Vokabular vorgab, die letztendliche Entmachtung der staatlicher Autorität aber den Neolibs ihres staatlichen Regulators beraubte und somit auch diese Theorie nur zum Steigbügelhalter einer übergeordneten Bewegung degradierte (Lenin hätte von “nützliche Idioten” gesprochen).

Die Zutaten dieser Revolution sind:
Kapitalismus,
Globalisierung,
Neoliberalismus,
Deregulierung/Privatisierung/Freihandel und
Religiöser Fundamentalismus
.

in gewisser Weise also eine Gegenrevolution zur „klassischen Aufklärung“.
Deshalb steht dieser Artikel auch in diesem Bereich des Blogs.

Unter Kapitalismus wird hier eine quasireligiöse Denkweise verstanden, in der Kapital nicht nur als dritter Produktionsfaktor neben Arbeit und Boden gesehen wird, sondern als ein sich ohne persönliche Arbeitsleistung (durch Zins, Spekulation, …etc. jedenfalls) selbst vermehrender Wert. Dass damit der Energieerhaltungssatz der Naturwissenschaften missachtet wird, stört den Ökonomen nicht, jedoch davon später. Der Kapitalismus bedingt auch eine Produktionsweise, die nicht auf Bedürfnisbefriedigung ausgelegt ist, sondern nur durch Überproduktion und stetes Wachstum lebensfähig bleiben könnte, was wieder, siehe oben, innerhalb eines geschlossenen Systems unmöglich ist. Da letztendlich alles kaufbar gemacht wird, bestimmt der Besitzer des Kapitals die sozialen, politischen, rechtlichen und kulturellen Verhältnisse der Gesellschaft, er kauft sie also. Wesentliche Güter, für die kein Markt existiert oder aufgebaut wurden, werden negiert und allfällige (ökologische, soziale, …) Kollateralschäden der Allgemeinheit überlassen.

Unter Globalisierung wird hier keine Internationalisierung der Welt verstanden -wie sie Teilen der Linken angestrebt- sondern eine einseitig durch die Macht des Kapitals erzwungene und durch neue Technologien begünstigte weltweiten Öffnung von nationaler Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation gesehen. Eine Internationalisierung würde hingegen alle auftretenden gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Probleme zur gemeinsamen Sache machen. In der globalisierten Welt der Kapitalismus werden Gewinne privatisiert, alle anderen Probleme jedoch nationalisiert, das ist der wesentliche Unterschied zum Internationalismus der Linken.
Triebfeder der Globalisierung war der, dem Kapitalismus innewohnende Zwang zu kontinuierlichem Wachstum und zur Profitsteigerung: beides ließ sich innerhalb der “ersten Welt” nicht mehr gewährleisten. Durch Globalisierung konnte die Produktion von Verbrauchsgütern in Billig-Lohn-Länder (mit weniger scharfen Umwelt- und Sozialgesetzen) verschoben werden, während die Verkaufgewinne weiterhin in Hoch-Preis-Ländern anfallen. Zusätzlich ermöglichte die Ausweitung der Märkte, die Überschussproduktion kapitalistischer Marktwirtschaft nicht einstampfen zu müssen, sondern in den erschlossenen Märkten (mit geringeren Spannen) ebenfalls zu Geld machen zu können. Die schrankenlose Verbringung des Kapitals erleichterte es zusätzlich, Steuern und Abgaben entweder überhaupt “off shore” oder zumindest in jenen Staaten anfallen zu lassen, wo die Abgabenquote geringer war als dort, wo die Gewinne eingefahren wurden.

Unter Neoliberalismus wird hier der angelsächsische Neoliberalismus der Mont Pelerin Society verstanden, der mit religiösem Eifer jeden staatliche Einfluss auf das Wirtschaftsleben und den Ausgleich mit gewachsene Interessensvertretungen (Gewerkschaften) zu zerstören sucht und auf die heilsbringende Macht des freien Markt setzte, der durch eine marktgerechte Regelordnung des Staates vor Monopolbildungen geschützt wird. Damit reagiert er zwar auf ein Grundproblem des Kapitalismus, dass der erfolgreichste Spieler zwingend zum Monopolist wird, ist aber in seinem Glauben unfassbar infantil, indem er dieses unvermeidbare Endziel des “Besseren” kurz vor seiner Erfüllung durch “Väterchen Staat”, den er vorher massiv beschnitten hat, unterbunden sehen will. Irgendwie erinnert das an herumtobende Kinder, die sich darauf verlassen wollen, dass es im Zweifelsfall der „Papa schon richten wird“. Dass dies prinzipiell nicht funktioniert, hat u.a. die “Zerschlagung” von AT&T gezeigt (http://de.wikipedia.org/wiki/AT%26T ), die sehr bald wieder aus den zerschlagenen Töchtern zusammengewachsen ist.

Wenn
Alexander Rüstow, der „Erfinder“ des Begriffes „Neoliberalismus“ im deutschen Sprachraum postuliert:„Der neue Liberalismus … fordert einen starken Staat, einen Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört.” entlarvt er den Neoliberalismus als quasireligiöse Ideologie, die an die “Gottheiten” Markt und Staat glaubt, die plötzlich „als einzige objektiv und frei von persönlichen Interessen“ handeln. Dies ist umso bemerkenswerter, als unter dem Vorwand seiner Effizienzsteigerung der Staat systematisch seiner ökonomischen („Mehr Privat weniger Staat“) und personeller Ressourcen („Beamtenabbau“) beraubt wurde.
Dass die
Körperschaftssteuern, also eigentlich die Steuern, die die Wirtschaft an den Staat für Dienstleistungen, die sie von ihm will, abliefern sollte, in den letzten Jahrzehnten immer mehr gesunken sind, schien unsere Neolibs auch nicht aufzufallen.
Die
Privatisierung strukturell wesentlicher Systeme (Bahn, Post, Telekom, Gesundheitssystem, …) lief nicht nur in Österreich über korrupte Kanäle und nahm „dem Staat“ auch noch die Möglichkeit zur Strukturpolitik.
Die
Umstellung der Gesundheits- und Pensionssystemevom Umlageverfahren auf ein Kapitaldeckungsverfahren und die Privatisierung dieser Bereiche eröffnet dem Kapital einen riesigen Markt und bot ihm dadurch ungeahnte Spekulationsmöglichkeiten, nachdem (vor allem in den USA und UK) viele andere, traditionell staatliche Bereiche privatisiert wurden (Strafvollzug, Polizei, Kriegsführung, …) bleibt nur noch der Sozialstaat als Hoffnungsmarkt.

Die Deregulierung, also der zunehmende Abbau aller Schranken des Kapital-, Waren- und Dienstleistungsverkehres, wurde mit sendungsbewusstem Eifer verfolgt. Während es innerhalb der Europäischen Union noch als Teil einer notwendigen Harmonisierung aufgefasst werden kann und durch das hohle Versprechen von Reisefreizügigkeit (die aber wie aktuell auch sehr schnell zurückgenommen wird) und Verbilligung von Verbrauchgütern (Made in China) verkauft wurde, war es gegenüber der Dritten Welt reiner Neokolonialismus. Die Beseitigung von Handelshemmnissen wird fälschlicherweise als Wirtschaftsmotor angepriesen, wobei seit den 50er Jahren (!) das derart erzeugte Wachstum überwiegend nicht die Produktion, sondern nur die Ausweitung des Handels betraf, oder in anderen Worten wächst seit den 50er Jahren der Handel schneller als die Produktion.

Die Deregulierung des Finanzmarktes führte überdies dazu, dass ein immer größerer Anteil der Finanzbewegungen sich nur mehr kurzfristiger (inner- und außerbörsliche) Spekulation widmet und (auch vor der letzten Krise) nicht mehr der “Realwirtschaft” dient. Die Werkzeuge der Deregulierung wurden im Zuge der Konferenz von Bretton-Woods 1944 zum Zwecke des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg geschaffen, aber schon nach weniger als 2 Jahrzehnte (in erster Linie von den USA) als Werkzeug für eine Revolution des globalisierten Kapitalismus zweckentfremdet:
IWF/IMF (Internationaler Währungsfond) Weltbank US Dollar als Leitwährung/Goldbindung
Der
IWF sollten den 187 Mitgliedsstaaten als “lender of last resort” helfen, wobei  später auf Initiative der USA, die auch eine Sperrminorität im IWF haben, die Konditionalität eingeführt wurde und dadurch die Gewährung von Hilfskrediten kein automatisches Rechtsondern an Bedingungen gebunden werden konnte. Die verordneten wirtschaftspolitischen Maßnahmen (Kürzung der Staatsausgaben, Abwertung, Abbau von Handelsbeschränkungen und Handelskontrollen, Abschaffung von Preissubventionen für Grundbedarfsartikel, Haushaltskürzungen, Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einrichtungen, Beamtenabbau, Abbau von Subventionen) werden als Washington Consensus (http://de.wikipedia.org/wiki/Washington_Consensushttp://de.wikipedia.org/wiki/Washington_Consensus) zusamengefasst und ermöglichten somit unter Umgehung demokratischer Prozesse einen direkten Eingriff des Kapitals auf die Staatsführung. Allende’s Chile ist nur ein Beispiel, wie unter Zuhilfenahme der CIA ein Staat wirtschaftlich und militärisch zerschlagen wurde, um nach Installierung eines genehmen Regiemes (in diesem Fall die Militärdiktatur Pinochets) sich durch gezielte Wirtschaftshilfe auch den Zugang zur Rohstoffausbeutung zu sichern.
Die
Weltbank (http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbank) steht nur IWF Mitgliedern offen und bezeichnet eine in Washington angesiedelte, durch einen gemeinsamen Präsidenten verbundene Bankengruppe (IBRD, IFC, MIGA, ICSID), die ursprünglich wie der IWF den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg finanzieren sollte. Heute ist das wesentliche Ziel der Weltbank die Förderung der Privatisierung. Auch nach einer Änderung der Stimmrechte im Jahre 2010 haben die USA weiterhin den größten Stimmenanteil und somit das Sagen.

In Bretton Woods wurde auch im „White Plan
der
US $ als Referenzwährung festgelegt, zu der alle anderen Währungen (innerhalb gewisser Grenzen) ein fixes Wechselverhältnis hatten. Weiters wurde ein fixes Tauschverhältnis zwischen US$ und Gold festgelegt. Für die entstandene Gleichstellung zwischen Dollar und Unze hatte sich die US-Zentralbank, freiwillig verpflichtet, den Dollar zu dem Kurs (35 Dollar je Unze) zu kaufen oder zu verkaufen. Diese „Golddeckung“ wurde aber unter Nixon aufgehoben, als offenkundig wurde, dass dieses Versprechen mangels Goldreserven nicht eingelöst werden konnte.

Das ebenfalls 1947 beschlossen Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (englisch General Agreement on Tariffs and Trade; GATT) sollte in gegenseitigem Abtausch Zölle und Handelsschranken abzubauen (http://de.wikipedia.org/wiki/GATT). Im Gegensatz zu den vorgenannten Strukturen handelte es sich um keine Internationale Organisation sondern um einen vökerrechtlicher Vertrag. Die unterschiedliche ökonomische Stärke der beteiligten Ökonomien ermöglichte es auch hier, ökonomisch schwächere Märkte unter Druck zu setzen und für essentielle Strukturen (z.B. Wasserrechte) einen Markt zu eröffnen.

Weitere Meilensteine der Entwicklung waren in den USA 1999 die Aufhebung der im  Glass-Steagall Act (http://de.wikipedia.org/wiki/Gnass-Steagall_Act) festgelegten institutielle Trennung zwischen Kommerzbanken (Einlagen- und Kreditgeschäft) und Investmentbanken durch den Gramm-Leach-Bliley Act (http://en.wikipedia.org/wiki/Gramm–Leach–Bliley_Act) der es ermöglichte, dass nun das klassische Bankgeschäft, Investmentbanking und Versicherungsgeschäfte in einem Institut ablaufen konnte. Dieser Schritt wird von vielen als wesentlich für das Entstehen der 2007 Subprime Krise gesehen.

Bei religiösem Fundamentalismus denkt man heute nur an Kopftuchzwang und Taliban. Die infantile Glaube der letzten Jahrzehnte an interesselos agierenden Göttern, wie sich selbst regelnden Märkte oder abgehalfterte und trotzdem objektiv agierenden Staat, die protestantischen Ethik anglikanischer Prägung, die im wirtschaftlichen Erfolg ein göttliches Zeichen der Auserwähltheit sehen wollte, der bedingungslose Glauben an die menschenunabhängigen Gesetze der neuen Ökonomie mit all ihren Fetischen und die inzwischen allgemein akzeptierte Alternativlosigkeit dieses Weges, der auch Weite Teile der Sozialdemokratie verfallen sind (Blair, Schröder, Dritter Weg, …) hat Züge eines religösen Fundamentalismus. Die scheinbare Unantastbarkeit zentraler Axiome und katapultierte uns hinter die zentralen Erkenntnisse der Aufklärung.

Zusammenfassend hat die
lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals

den demokratischen Prozess umgangenKapitalismus braucht keine Demokratie” (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=55365),

die klassischen Verhandlungspartner (Gewerkschaften, Kammern, NGOs, Zivilgesellschaft…) marginalisiert,

eine gigantischen Umverteilung der Arbeitsleistung in der Welt bewirkt
(hochwertige Dienstleistung und Technologie in der Ersten Welt,
niederwertige Dienstleistungen und Massenproduktion in Schwellenländer),

Politiker
zu Gehilfen scheinbar alternativloser ökonomischer Sachzwänge degradiert bzw. Schlüsselstellen der Politik durch Repräsentanten der Finanzwirtschaft infiltriert
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=68494)
,

unbemerkt von der Masse der Wähler
den europäischen Sozialstaat zur Wettbewerbsgesellschaft umgebaut,

zu einer massiven Expansion der Finanzmärkte,
einer Deregulierung des Arbeitsmarkts mit sinkenden Lohn- und steigenden Kapitaleinkommen geführt und

die Gesundheits-, Bildungs- und Altersvorsorgesysteme zu Märkten gemacht, die durch den Übergang zum Kapitaldeckungssystem zusätzliche Summen auf die Finanzmärkte schwemmte
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=55113 http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54648).


Und warum funktioniert das so gut?

Auf einen Aspekt (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=58262) wurde hier schon hingewiesen:
Eine der Falscheinschätzungen des Kommunistischen Manifests war offenkundig, dass einerseits die Steigerung der Produktivität so groß werden konnte, dass die Befriedigung der primären Bedürfnisse der „breiten Masse“, also Nahrung und Bekleidung so billig wurde, dass nahezu jeder sie mit seinem Lohn befriedigen konnte und andererseits der Kapitalismus von der großindustriellen Produktion für anderer Großindustrien auf die Produktion von Konsumgüter umstellte, die wiederum auch die sekundären Bedürfnisse, wie Mode, Unterhaltungsindustrie, …  für breite Teile der westlichen Gesellschaften erschwinglich wurden.

Auf den gut funktionierenden Selbstbetrug der Mittelschicht hat z.B. Ulrike Herrman in ihrem Buch „Hurra,wir dürfen zahlen“ sehr plakativ hingewiesen: Reichtum in unser Gesellschaft ist (nicht mehr) anstößig, er darf nur nicht die eigenen Illusion bedrohen, selbst im Aufzug nach oben zu sitzen.
Auch die Soziologie wandte sich von den ökonomisch definierten Klassen ab und erforschte Sinus-Milieus die sich nicht mehr durch ähnliche ökonomische Möglichkeiten sondern durch ähnliches Konsumverhalten definierten.
Berthold Vogel
wies in Das Problem der Exklusion (Hamburger Edition 2006) darauf hin, dass heute nicht mehr thematisiert wird, dass es Herrscher und Beherrschte, Ausbeuter und Ausgebeutete gibt sondern gerade in der Krise der Mittelstand dazu tendiert sich selbst zur Elite zu zählen, da sie sich bereits als herausgehoben zählen, nur weil sie nicht zu den Ausgestoßenen (Arbeitslosen) zählen. 


Dass diese Revolution so glatt über die Bühne gehen konnte ist selbstverständlich auch ein Versagen der tonangebenden Kräfte links der jeweiligen politischen Mitte, von Tony Blairs „New Labour“ bis zu Clinton’s Demokraten, die zum Teil kräftiger an der Umsetzung der genannten Schritte gearbeitet haben als Reagan und Thatcher.
Wenn nicht persönliche Unredlichkeit und Gier auf lukrative Positionen für die Zeit nach der politischen Funktion die wahre Begründung für dieses zur eigenen Weltanschauung eigentlich kontradiktorische Verhalten war, dann kann es nur an der
fehlenden intellektuellen Weiterentwicklung linker Ideologie gelegen haben, weshalb der für jeden Demokraten erfreuliche
Zerfall der kommunistischen Diktatur in Russland die Linke völlig blauäugig der nächsten Heilslehre in die Arme getrieben hat.


Und warum wird das alles nicht auf Dauer funktionieren?

Aus naturwissenschaftlicher Sicht, weil das für unser derzeitiges System unabdingbare schrankenlose Wachstum dem Energieerhaltungssatz geschlossener Systeme widerspricht (http://de.wikipedia.org/wiki/Energieerhaltungssatz) und mit der weitgehend Öffnung aller Bereiche für den kapitalistischen Markt die Grenzen des Systems erreicht sind.

Aus humanistischer Sicht, weil selbst monetäre Gewinne und Macht offenbar keine dauerhafte Befriedigung verschaffen, sonst würden Menschen, die sie erreicht haben, nicht zwanghaft und und unstillbar nach deren Vermehrung streben.

Aus ökologischer und kybernetischer Sicht
, weil alle bisherigen Versuche gemeinschaftlich genutzte Ressourcen im Markt einzupreisen (Emissionsrechtehandel: http://de.wikipedia.org/wiki/CO2-Zertifikate) gescheitert sind und hoch komplexe gesellschaftliche und ökologische Systeme sich nicht soweit dekonstruieren lassen, dass alle Parameter marktgerecht ausgepreist werden können. Aus diesem Grunde müssen systemkritische Bereiche (natürliches Trinkwasser, saubere Atemluft, Saatgut, Bildung, Gesundheits- und Altersversorgung, öffentlicher Transport, … etc.) vor spekulativen Zugriffen bewahrt werden.

Aus sprachkritischer Sicht, weil Finanzprodukte keine Produkte sind,
hier nichts hergestellt wird, sondern nur Umschichtungen zwischen Gewinnern (und Verlierern) institutionalisiert werden.

Peter „Red“ Rabl

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Wer vor seinem dreißigsten Lebensjahr niemals Sozialist war, hat kein Herz. Wer nach seinem dreißigsten Lebensjahr noch Sozialist ist, hat keinen Verstand.
Benedetto Croce

Varianten dazu finden sich auf (http://dossier.dunker.de/2004/nr14/kein-herz.html)

Peter Rabls Bio (* 11. Juni 1948) scheint zunehmend eine Umkehrung dieses Satzes.
Ex-Schwiegersohn des langjährigen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher (http://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Bacher),
journalistische Karriere bei überwiegend rechts-konservativ-bürgerlichen Medien mit starkem Hang zum „raffeisigen Giebelkreuz“ Niederösterreichische Nachrichten,
Wochenpresse,
Kurier.

OK, als Herausgeber des Profil nahm er sich schon mal was heraus:

Peter Rabl 43, Herausgeber des österreichischen Nachrichtenmagazins Profil, sorgte vergangene Woche mit einem Trick der Yellow Press für „einen rauschenden Absatz“ seines Journals. Rabl ließ nicht nur Nuditäten auf die Titelseite seines Blattes heben, sondern gleich ein offenbar kopulierendes Paar, dessen Genitalbereich mit einem Rubbel-Aufkleber abgedeckt war (Foto). Per Fußnote erfuhren Profil-Leser: „Das Rubbeln ist für Jugendliche unter 18 Jahren nicht gestattet.“ Doch neugierige Rubbler aller Altersklassen wurden getäuscht. Statt einen Blick auf Geschlechtsteile erhielten sie, nachdem die Folie wegradiert war, eine an Selbsterkenntnis reichende bevölkerungsstatistische Information: „25 % aller Österreicher sind Voyeure.“

vermeldete DER SPIEGEL 35/1991 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13490450.html

Aber  als „Paradelinker“ ging Peter Rabl in seiner ersten Lebenshilfe nicht ganz durch.
Nur was ist jetzt los?

Rabls Gezwitschere der letzten Tage hätte auch aus der Sektion 8 (www.sektionacht.at) kommen können:

Als Moderator trat er am 9.5.  im Club 2 “Sparen oder Schulden machen – was rettet Europa?” forsch gegen neoliberale Tendenzen auf: (http://storify.com/a_sator/sparen-oder-schulden-machen-was-rettet-europa ; http://www.youtube.com/watch?v=muJJT-5Z8SU )
„Die Vermögen sind in den letzten Jahren auch immer um 5,6,7% gestiegen. Müssen die nicht einen Teil wieder hergeben?“, führt Rabl weiter aus. und seine Schlussworte
„Die nächsten 10 bis 20 Jahre werden “unschön” werden. Ziehen wir uns warm an. Schlafen sie gut. Gute Nacht.” beeindruckten selbst einen Margaretner KP Bezirksrat (http://wien.kpoe.at/news/article.php/20120512161541520/print ).

Am 17.5. outet er sich erneut als vom Mont Pelerin (http://de.wikipedia.org/wiki/Mont_Pelerin_Society) herabgestiegener Gott-sei-bei-uns der Neolibs, wenn er uns ermahnt: Erinnert sich halt keiner an die dot-com bubble 2000/01. Geschichte und Lernen bleibt ein Gegensatz #Spekulation Wenn er sich am18.5. von der ÖVP Finanzministerin distanziert „Lacina & Edlinger waren jedenfalls besser. Keiner so Näpfen-süchtig und Blamage-gefährdet wie #Fekter“

spricht er letztlich nur Common Sense über den Nonsens der Shortly without Delay Zaster Mitzi (http://wp.me/p1kfuX-fe) nach, aber Lacina als Vorbild ist ja schon sehr knapp links der Mitte (die in unserem Land ohnehin weit rechts liegt).
Auch sein Artikel vom 19.5. könnte noch als primär liberaldemokratisch, durchgehen: Mehr direkte Demokratie als Antwort auf postdemokratische Elitenherrschaft

(http://kurier.at/nachrichten/4496687-das-recht-geht-vom-volk-aus-aber-wie.php)

Aber ein: Die bösen Keynesianisten dürfen aber nach dem Crash immer den Scheißdreck wegräumen – siehe Roosevelts New Deal

vom 23.5. ist schon fast links revolutionär, wobei er noch eins drauf setzt, wenn er die Lektüre von Schulmeister im Falter empfiehlt: wie neoliberale Hayek-Gang über Jahrzehnte Wissenschaft, Politik und Medien indokrinierten. Dafür gab´s Nobelpreise!

Es muss da wirklich was passiert sein, wenn er am 25.5. retweetet Ein Teil der Weisheit besteht auch darin, sich einem Teil der gängigen Wahrheit zu widersetzen.

Wenn Rabl gleichzeitig „Krone“ Pandi verarscht, dass er „auch 2013 als persönlich Nicht-Geladener vor den Toren des Sauschädel-Events herumstehen“ wird, dann könnte man noch glauben, dass Rabl ein positives Andenken an den Sauschädel-König Österreichs, EX-Raffeisen-Boss Konrad (http://www.horizont.at/home/horizont-access/detail/kurier-ein-coup-des-christian-konrad.html) bewahrt hat, für den er doch lange Zeit die Schlagzeilen gebastelt hat.
Mit dem folgenden höchst blasphemischen Tweet wird er dem passionierten Mariazell-Wanderer Konrad, dem bis zuletzt das ganze politische Establishment des Landes an den Rocksaum der Gottesmutter nach trippelte kaum gefallen:

Hallo Papst! Erfinder der #TV_Fernbedienung gestorben. Der Mann gehört heilig gesprochen: Santo subito

Jetzt ahnt der Kundige, dass hier eine mentale Revolution im Gange ist.

Höhepunkt der Mai-Revolution des Peter Rabl, ist ein aktueller Beitrag im Kurier:

Umverteilung in die falsche Richtung

Super-Reiche profitieren auch in der Krise, ihr Beitrag zur Lösung wird fällig. Staatsschulden sind Privatgewinne

Die 90 Prozent der Normalverdiener und Vermögenslosen hat in den letzten 15 Jahren finanziell verloren, die steigende Inflation reduziert ihre realen Einkommen und den Wert ihrer Sparguthaben noch stärker.

Da ist es mehr als gerecht, die großen Vermögen auch mit Besteuerung der Substanz zu beteiligen. Schon 1 Prozent brächte jährlich in der Eurozone an die 400 Milliarden ein. Die jährlichen Vermögenszuwächse machen ein Mehrfaches aus.

Sozialneid und Enteignung sehen anders aus.
http://kurier.at/nachrichten/4497626-umverteilung-in-die-falsche-richtung.php

Was da der gute alte Benedetto (http://de.wikipedia.org/wiki/Benedetto_Croce) wohl sagen würde?
Das Volk sollte jenen wählen, der offen zugibt, Fehler gemacht zu haben, und nicht denjenigen, der alle List darauf verwendet, begangene Fehler zu vertuschen.

Vielleicht ist Peter „Red“ Rabl schon soweit, auf Basis dieses Spruchs politische Konsequenzen aus dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu fordern? Zutrauen würde ich es ihm langsam.

Man sieht sich auf der Jesuitenwiese (beim Volksstimmefest).

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen?

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Seit gefühlten Jahrhunderten, wahrscheinlich erst seit etwa 10 – 15 Jahren belästigen uns alle News Sendungen mit der Mitteilung, um wie viele Punkte der ATX, DAX, Nikkei, Dow Jones oder WTFE (what the fuck ever) gefallen wäre …

ob in der ZIB, der sehr geschätzen Ö1 Journale und wo auch immer …

Erstens gab es das früher nicht, und die Welt drehte sich trotzdem weiter.

Zweitens befriedigen die gegebenen Erklärungen, weshalb diese Veränderungen aufgetreten wären (Die Anleger waren … ), bestenfalls chronisch kiffende Hauptschule B Absolventen.

Drittens hoffe ich, dass die Entscheidungen professioneller Anleger nicht auf dieser nichtssagenden Information basieren, sonst würde ich mein Kapital akut versaufen.

Viertens ist die punktuelle Berichterstattung von Indices, deren Berechnungsgrundlage sich überdies im Zeitverlauf ändert, ohne Angabe der statistischen Vertrauensbereiche, kompletter Schwachsinn.

Für diese Neoliberale Gehirnwäsche will ich keine ORF/GIS Gebühren blechen …

Aber wie konnten wir früher ohne diese Info leben?

Gut, soweit ich mich erinnere …

Written by medicus58

7. Mai 2012 at 18:58

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