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Gangbetten – Liebe Kunden wir eröffnen in Kürze Kassa 3

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Wieder rügt der Rechnungshof den KAV für Gangbetten, wieder darf (immer ein anderer) KAV-Verantwortlicher vor der Kamera etwas von „Bettenmanagement“ und „klinischer Notwendigkeit“ sprechen um anschließend zu ver-sprechen, „darauf ganz genau zu schauen„.
Brennpunkt ist wieder einmal die Unfallchirurgie.

Warum im angeblichen rot-grünen Bollwerk gegen die tückisch-blaue Regierung, der Stadt Wien, niemand sagt oder sagen darf, dass ein Teil des Problems daraus resultiert, dass die Leistungen der AUVA seit Jahren herunter gefahren werden und den anderen Krankenanstalten aufgebürdet wird, um Lohnnebenkosten zu sparen, ist einfach erklärt.
Dieser Prozess lief auf Druck von Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer schließlich auch unkommentiert während der rot-schwarzen Regierung!

Ob man das nun gut findet, weil die Anzahl der reinen Arbeitsunfälle, für die die AUVA gegründet wurde, zurück gehen,
oder schlecht finden, weil die parallel zunehmenden arbeitsbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Psyche unhinterfragt dem allgemeinen Versorgungssystem aufgebürdet werden, ist ein gesundheitspolitisches Problem und somit
nicht von den Krankenhausträgern sondern von der Politik zu lösen!
Da die Landespolitik aber das Management der Krankenhausträger (und der ORF Landesstudios) aussucht, werden diese sich hüten sowas anzusprechen!

Auch eine andere, ganz primitive Wahrheit, die jeder von uns fast täglich im Supermarkt und nur fallweise im Gangbett erlebt, ist der Zusammenhang zwischen Aufwand, Effizienz und Ergebnis einer Versorgung.
Das ist im Kern wieder nichts Politisches sondern ein mathematisch zu formulierender Zusammenhang.

Die Parallele zwischen Supermarkt und Gesundheitssystem liegt nun darin, dass die jeweilige Inanspruchnahme sehr fluktuierend ist.
Arbeitende Normalos kaufen selten am späten Vormittag ein, bei Glatteis brechen mehr Schenkelhälse.
Das führt uns zur Warteschlangenformel.

Vereinfacht kann man sie auch (wie schon einmal hier angesprochen) so darstellen:

Auslastung / (1 – Auslastung) = erwartete Anzahl der Kunden an der Kasse

Die „primitive Wahrheit„, die zumindest den Verantwortungsträgern einmal ins Stammbuch zu schreiben ist, dass unter diesen Bedingungen, schon bei einer durchschnittlichen 80-prozentigen Auslastung der Kassenkraft mit einem phasenweise auftretenden Anzahl von 4 Kunden an der Kasse zu rechnen ist.
Für die Beckmesser: Auslastung * erwartete Anzahl der Kunden an der Kasse = erwartete Länge der Schlange = 0,80 * 4,0 = 3,2, d.h.
in manchen Fällen werden trotz eigentlich schon relativ hoher Systemauslastung immer wieder drei Patienten im Gangbett liegen!

Jede weitere Steigerung der Auslastung lässt phasenweise die Warteschlangen explodieren (z.B. 90% Auslastung der Kassenkraft = 9 Kunden).
Erst bei einer kaum finanzierbaren durchschnittlichen Auslastung der Kassenkräfte von 50 Prozent erreicht man das „Ideal“ von durchschnittlich nur einem Kunden pro Kasse bzw. einem systematisierten Bett pro Patient!

Wie man das Problem angeht, erleben wir bei Lidl, Billa, Hofer et al.  Seit einiger Zeit spielen die dort ein ständiges Kassa auf Kassa zu Spiel, um zwischen den Spitzenzeiten die Mitarbeiter mit anderen Arbeiten zu beschäftigen. Das führt wiederum dazu, dass Kunden auf den Gängen über immer mehr Paletten mit nur teilweise eingeschlichteten Produkten stolpern.
In den Krankenhäusern versucht man das Problem mit interdisziplinären Stationen und immer mehr Transferierungen zu lösen, was inzwischen zu einem überproportionalen Organisationsaufwand bei sinkender Effizienz führt, wenn ein Patient am Tag vor seiner Entlassung auf eine fachfremde Station transferiert wird, wo sich kaum jemand mit seinen speziellen Bedürfnissen zum Entlassungszeitpunkt auskennt.

Bei allem Verständnis dafür, dass die Verantwortlichen ja nach außen etwas dazu sagen müssen und deshalb immer hektischer an der internen Organisation herumdoktern, irgendwann werden es auch die Supermärkte begreifen, dass die Kollateralschäden durch hin- und herlaufender Mitarbeiter (Stress bei Mitarbeitern und Frust bei Kunden durch permanent unterbrochene Arbeitsabläufe, Folgefehler, Unübersichtlichkeit …) und der ebenfalls exponentiell ansteigende Organisations- und Überwachungsaufwand sich nicht rechnet.
Je höher der Spezialisierungsgrad einzelner Mitarbeiter wird, und da sind wir im Gesundheitssystem, desto früher wird dieser Punkt erreicht sein.
Meines Erachtens ist er in den Wiener Krankenhäusern schon längst überschritten und wir reiben uns nur mehr mit dem Organisieren und Optimieren auf.

Also abseits des politisch korrekten Geschwubels wäre es einmal erfrischend zu hören:

Das sind die Rahmenbedingungen, das sind die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen,
damit sind bestimmte Dinge machbar, wobei jede Organisationsänderung wieder zu anderen Kollateralschäden führt.
Machen Sie uns bitte für fachliche Fehler aber nicht für Dinge außerhalb unseres Einflussbereiches verantwortlich und
lernen Sie Mathematik, junger Mann,
um Kreisky zu paraphrasieren.

Würde man aber das sagen, wäre die Karriere sowohl im Gesundheitsmanagement als auch in der Politik abrupt beendet.

Links zum Thema:
Gangbetten gibt’s net
Indische Betten: Die Betten am Ende des Ganges (Director’s Cut)
Rock ’n’ Roll in der Geriatrie; Warum Wien bald mehr neurochirurgische Gangbetten hat
SP-Wagner: Engagiertes KAV-Personal stellt PatientInnen-Versorgung jederzeit sicher
Der scheinbare Sieg: Verkürzte Wartezeiten in der Radiologie
Ist 2030 schon vorbei, oder? Bemerkungen zum Wiener Spitalskonzept 
Selten liegt es daran, dass man es nicht besser wüsste 

 

Written by medicus58

18. Januar 2018 at 18:00

Häupl wird gehen, na und?

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Der Blätterwald rauscht, die SPÖ Kampagne zur Nationalratswahl strauchelt, der Wiener Bürgermeister hat am 26.8.2017 der APA mitgeteilt, dass er Ende Jänner 2018, also in 5 Monaten als Wiener SPÖ Chef zurücktreten wird, bald danach auch als Bürgermeister.
Überraschend kam das nicht, schließlich hat er schon im April verkündet, dass er spätestens drei Monate nach der Nationalratswahl die Ämter des SPÖ-Vorsitzenden und Bürgermeisters übergeben will.

Ja, so macht man es, rechtzeitige Ankündigung, Rücktritt erst nachdem ein Nachfolger, eine Nachfolgerin gefunden wurde
(sich durchgeboxt hat, überlebt hat, ….).
Ist einem das Schiff wichtig, dann lässt man es nicht führungslos, schließlich müssen doch täglich wichtige Entscheidungen getroffen werden, Weichen gestellt, Posten besetzt und Aufträge vergeben werden. Ist für all das kein Generaldirektor notwendig, kann man den Posten ja gleich einsparen.

Bemerkenswert, wenn diese Strategie andernorts in dieser Stadt nicht so gefahren wird.

Am 20.3.2017 trennte sich die Stadt vom Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes.

5 Monate, 1 Woche, 3 Tage bzw. 163 Tage oder 23 Wochen, 2 Tage später (heute ist der 29.8.2017) wurde die vakante Position noch nicht einmal ausgeschrieben!

Gesundheit ist unsere Stärke verspricht der KAV auf seiner Homepage, vorausschauende Führung scheint da weniger erforderlich, für eine der mit elf Spitälern, drei Geriatriezentren (und dem Sozialtherapeutischen Zentrum Ybbs) sowie acht Pflegewohnhäusern (KAV) größten Gesund­heitsein­richtungen in Europa. 

Kennen Sie einen Großkonzern der Welt, der es sich leisten konnte so lange ohne Führung zu sein?
oder will ohnehin niemand, dass der KAV geführt wird sondern ausschließlich Befehle ausführt?

Würden diese aber statutengemäß aus dem Gemeinderat kommen, dann ist das Zögern auch wieder unverständlich, denn wir haben einen gewählten Gemeinderat, der die Ausschreibung doch fordern könnte!
Wir haben auch eine zuständige Stadträtin, die doch ein großes Interesse haben sollte, den Posten zu besetzen, dessen wesentliche Aufgabe die Kommunikation mit der amtsführenden Stadträtin der Geschäftsgruppe für Soziales, Gesundheit und Frauen, der Magistratsdirektion und anderen Dienststellen des Magistrates ist, um im Rahmen dieser Zusammenarbeit allgemeine Strategien, Rahmenbedingungen und Richtlinien für den KAV zu erarbeiten und umzusetzen.

All die am Papier maßgeblichen Stellen sollten eigentlich arbeitsfähig sein und ein großes Interesse an einer raschen Nachbesetzung des Generaldirektorpostens im KAV haben. Es sei denn, der KAV würde als Vorfeldorganisation der Wiener SPÖ betrachten werden, dann macht es wiederum Sinn abzuwarten, wie das Spiel dort ausgeht ….

sieht das sonst niemand so?

 

Written by medicus58

29. August 2017 at 17:52

Ärztekammerwahl Wien 2017: Die Kandidaten sind aus dem Sack

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kammer

Seit 20.2. sind der WÄK alle für die Ärztekammerwahl am 25. März 2017 kandidierenden 17 Listen bekannt.
Heute, am 2.3., also etwa drei Wochen vor dem Wahltermin und kurz bevor in unser aller Briefkästen die Unterlagen für die Briefwahl eintrudeln,
tauchen in einer FB Gruppe die Listenbezeichnungen auf.

Seit längerem wurden auf diesem Blog, nachdem  einer Art Gebrauchsanleitung vorangestellt wurde, die grafikfreien (um Doubletten und inhaltsärmeren Aussagen bereinigten) Originaltexte der Webauftritte der kanditierenden Listen dargestellt:

Team Szekeres vormals Sozialdemokratische Ärztevereinigung
Vereinigung Österreichischer Ärztinnen und Ärzte
Grüne Ärztinnen und Ärzte
Wahlgemeinschaft Ärzte für Ärzte
Kammer light
Team Reisner (kandidiert 2017 als Einzelperson in Wien und als Liste in NÖ)
Asklepios Union

Komitee – Freie Ärzteplattform
Aeskulap
BÖI
10 Liste TFT
11 Wahlärzte Wiens
12 ÖHV – Landesgruppe Wien
13 Liste Raunig – Liste für Hausärzte
14 Team Wien
15 AKHInitiative

16 Plattform Ärztinnen +/- 60 (kein Link)
17 Union Wiener Ärzte (kein Link)

Unter ferner liefen wurden die kleineren noch in der WÄK agierenden Listen dargestellt
Kammerinitiative 0,3%,
Liste TFT – Turnusärzte für Turnusärzte und Assistenten
Österreichischer Hausärzteverband
Facharzt- und Turnusliste WSP
Allgemeinmedizin für Wien – Liste Jachimowicz, Jens
Wohlfahrtsfonds – Nein, Danke !

Offizielle Kundmachung der Wahlvorschläge auf der HP der WÄK vom 7.3.2017 (!)

Auf Basis dieser Kompilationen habe ich versucht in 4 Teilen die wesentlichen Aussagen und artabhebenden Statements herauszufiltern.
Wenn Sie sich also rasch ein Bild über Ihre Wahlmöglichkeiten machen wollen oder einfach lesen wollen, was Ärzte glauben, dass ihre Kammer tun sollte, lade ich Sie eine diese beiden Zusammenfassungen hier nachzulesen:
Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 1
Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 2 
Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 3 
Wiener Ärztekammerwahl 2017: Was wird uns versprochen? Teil 4 

Es ist geplant, dass die Eigendarstellungen der Listen auch noch von der WÄK ausgesandt werden, nur müssen sich die KollegInnen langsam ranhalten, wenn es ihnen darum geht, dass sie von informierten Ärzten gewählt werden, oder haben wir uns auch schon an die Häupl Doktrin (Wahlen sind Zeiten fokusierter Unintelligenz) gewöhnt und glauben ohnehin nicht mehr, dass sich irgendjemand vor seiner Entscheidung auch noch mit Fakten belasten will?

Written by medicus58

2. März 2017 at 19:29

Anmerkungen zur hektischen Debatte um die Strahlentherapie

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radonk

Augenblicklich überbietet sich ja die Gesundheitspolitik Ostösterreichs mit der Ankündigung immer neuer Bestrahlungseinrichtungen (http://derstandard.at/2000051304733/Strahlentherapie-KAV-verspricht-13-Geraete-bis-Jahresende) und man kann sich nur wundern wie Einrichtungen, deren Planung, Aufstellung und Bewilligung bekanntlich einige Zeit benötigt.
Auslöser der Debatte schien ein RH-Bericht zu sein, der die Unterversorgung anprangerte. In einem Radiointerview verteidigte sich GD Janßen wenig empathisch (http://www.krone.at/nachrichten/wien-kav-boss-reagiert-mit-zynismus-auf-kritik-ist-schicksalhaft-story-550279):
„Das ist sicherlich schicksalhaft und eigentlich nicht zu vertreten, aber wir können die Versäumnisse der letzten Jahre nur Zug um Zug bereinigen. In den letzten zehn Jahren hätten entsprechende Entscheidungen getroffen werden müssen.“

Ja, und das mag die Leser dieses Blog überraschen, da gebe ich ihm Recht, dass es sich hier um Versäumnisse seiner Vorgänger handelt, nur hat er sich wieder einmal nicht wirklich informiert. Das Problem liegt viel länger als nur ein Jahrzehnt zurück.

Wir schreiben den 1. Oktober 1998 als Prof. Werner Dobrowsky die Leitung der Strahlentherapie im KH Lainz (nun Hietzing) von seinem Vorgänger Alth übernimmt, der dem Institut seit 1971 vor stand. Kurz darauf werden Gerüchte laut, dass die Stadt Wien die Abteilung schließen will, kein wirkliches Einstandsgeschenk für den frisch ernannten Primarius und er mobilisierte gemeinsam mit seinem Team gegen diese Pläne. Begründet wurde die beabsichtigte Schließung mit der seit 1996 zur Verfügung stehenden, neu gebauten und erweiterten Strahlentherapie im KFJ und überdies wurde 1996 auch die Strahlentherapie im Donauspital eröffnet. Diese hatte aber nur einen einzigen Beschleuniger, für mehr war auch kein Platz, denn die Abteilung wurde erst nachträglich in den Neubau „hinein gezwängt“.
Als der frisch in Lainz (Hietzing) installierte Primar Dobrowsky während seiner „Probezeit“ eine Pressekonferenz abhielt, um auf den zunehmenden Bedarf für sein Fach hinzuweisen und eine Standortgarantie für seine Abteilung verlangte, gefiel das der Stadt Wien so wenig, dass man sich bereits im September 2000 von dem aufmüpfigen Abteilungsleiter trennte, der seither in Newcastle, einem der größten Spitäler des NHS als „Consultant Clinical Oncologist“ arbeitet.
Auch unter seinem Nachfolger verstummten die Gerüchte nicht und zwischenzeitlich plante man überhaupt den gesamten Spitalsstandort zu schließen.
Jetzt brüstet man sich mit den zu Jahresende 2017 den Betrieb aufnehmenden Beschleunigern in Hietzing, verschweigt aber geflissentlich, dass diese Eröffnung nur deshalb erforderlich wurde, weil die seit Jahren immer wieder umgeplante Erweiterung des Standortes im Donauspital nicht in die Gänge kam. Unter den unzähligen Versionen des Wiener Spitalskonzeptes 2030 finden sich schließlich auch einige, die den Standort Hietzing schließen wollten, sobald die Erweiterung im Donauspital in Betrieb gegangen war. Schließlich sah das KH Hietzing keinen onkologischen Schwerpunkt mehr vor ….. aber all das ist ohnehin Makulatur, jetzt werden beide Standorte mit neuen Geräten ausgestattet, onkologisches Zentrum hin, Schwerpunktbildung her.
Errichten lässt man sich das alles ohnehin als PPP (https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlich-private_Partnerschaft), weil Geld und Kreditwürdigkeit hat man schon längst verspielt.

Aber eines kann man nicht behaupten, dass seit dem Abgang von Kollegen Dobrowsky niemand mehr von der Unterversorgung von Strahlentherapiepatienten im Osten Osterreichs gewarnt hätte:

2001 Wiener Grüne fordern Ankauf eines neuen „Linearbeschleunigers“
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20010711_OTS0055/gruene-pilz-akuter-handlungsbedarf-fuer-strahlentherapie-in-wien

2002 Fragestunde Wiener Gemeinderat
Im Bereich der Strahlentherapie merkte sie (Pittermann) an, dass voraussichtlich im Jahr 2005 in Krems eine eigene Strahlentherapiestation eröffnet werden wird, somit auch gewisse Entlastungen in diesem Bereich zu erwarten seien. Abschließend betonte sie, dass sie mit der ausweichenden Haltung Niederösterreichs in den Finanzbelangen ebenfalls unzufrieden sei.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20020626_OTS0089/wiener-gemeinderat-1

2013 Strahlentherapie: Ärztekammer warnt vor Unterversorgung
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130629_OTS0002/strahlentherapie-aerztekammer-warnt-vor-unterversorgung

2015 Strahlentherapie: Österreichs Krebspatienten unterversorgt http://derstandard.at/2000027967233/Strahlentherapie-Oesterreichs-Krebspatienten-unterversorgt

2017 Kurt Wagner (SPÖ): Alle Jahre wieder: Unsachliche Oppositionskritik zu Stadtrechnungshofberichten
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170118_OTS0133/kurt-wagner-spoe-alle-jahre-wieder-unsachliche-oppositionskritik-zu-stadtrechnungshofberichten

Und um den Kommentatoren zuvor zu kommen: Was sollen diese Erinnerungen an einen ehemaligen Kollegen?

Sie zeigen uns, dass die Probleme der Gesundheitsversorgung wirklich nicht allein durch den Abgang Wehselys und Janßens behoben oder die nun angekündigte Kuscheltour der aktuellen Stadträtin gelöst werden können, auch nicht durch das „Rauswerfen aufmüpfiger Primarärzte“ sondern nur durch einen radikalen Systemwechsel.
Erst wenn die Verantwortlichen endlich erkennen, dass man die von motivierten Ärzten aufgezeigten Probleme nicht ewig mit irgendwelchem Polit- und Propagandatheater verdrängen, wird diese Stadt wieder ihrer sozialen Tradition gerecht.

Es mag bezweifelt werden, dass dieses Wendemanöver von den augenblicklich an der Macht befindlichen Akteuren noch geschafft wird.

Written by medicus58

26. Januar 2017 at 18:31

Indische Betten: Die Betten am Ende des Ganges (Director’s Cut)

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Spitalsbett

Die mediale Aufregung über die Gangbetten im KAV ist groß und SP Volksanwalt Kräuter prüft (http://diepresse.com/home/panorama/wien/5150777/Gangbetten_Volksanwalt-prueft-Stadt-Wien).

Aufgeregt, aber offensichtlich ohne exakte Recherche entrüstet sich der Kurier, dass „Grippekranke Dermatologie-Patienten anstecken“ (https://kurier.at/chronik/wien/gangbetten-chaos-massnahmen-wirkungslos/240.100.342).

Die Politik macht, was sie neuerdings immer macht, die Stadtträtin dankt den Mitarbeitern und nennt alles eine politische Kampagne  (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170109_OTS0106/wehsely-danke-an-die-mitarbeiterinnen-des-kav-wien-fuer-ihre-hervorragende-arbeit), kündigt aber sogleich ebenfalls eine eigene Prüfung an.
Dabei erfährt man, dass in der neuen gesundheitspolitischen Geheimwaffe, dem einzigen PHC Wiens am Sonntag ohnehin nur 4 (!!!) Patienten Hilfe suchten (http://derstandard.at/2000050418456/Grippewelle-Trotz-Sonntagsoeffnung-nur-vier-Patienten-in-Praxis).

Eigentlich wäre das alles doch ganz einfach, wenn auch nicht so einfach, wie die von der Stadtregierung ernannte „Patientenanwältin Pilz“ es sich macht, wenn sie meint, dass die niedergelassenen und angestellten Ärzte einfach nicht auf Weihnachtsurlaub gehen hätten dürfen (http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5149493/Gangbetten_Pilz-sieht-Fehler-bei-Urlaubsplanung).

Im Prinzip gebe ich zwar Wehsely Recht, dass hier offensichtlich eine Kampagne läuft und der KAV Ohrfeigen bekommt, die er zwar mehr als verdient, jedoch nicht für die aktuelle Situation (Grippewelle früher und stärker als erwartbar, Widerspruch zwischen Effizienz und Vorhaltekapazität, …).

Den Dauerbrenner Gangbetten habe ich hier schon 2012, unter Gangbetten, gibt’s net (https://medicus58.wordpress.com/2012/04/19/gangbetten-gibts-net/) und 2015 unter Wehsely-Leak V 2.0 oder Indische Betten: die Betten am Ende des Ganges https://medicus58.wordpress.com/2015/04/20/wehsely-leak-v-2-0-oder-indische-betten-die-betten-am-ende-des-ganges/) thematisiert.

Der KAV Führung und seine Stadträtin verdient die medialen und politischen Ohrfeigen, weil sie in früheren Jahren das Problem negiert oder auf die organisatorische Unfähigkeit der Ärzte geschoben haben, nicht weil die aktuelle Situation ohne hellseherische Fähigkeiten und enormes Budget anders hätte bewältigt werden können.

Da gab es z.B. 2012 eine unvergessliche Pressekonferenz mit dem früheren GD Marhold, in der gerade fotografierte Gangbetten dem schweigend neben ihm sitzenden Ärztlichen Direktor als Organisationsverschulden angehängt hat und sein für jeden Insider absurdes Versprechen durch eigenes Eingreifen Gangbetten wegzuzaubern (http://wiev1.orf.at/stories/205524).

Wenn der jetzige GD Janßen plötzlich das Offensichtliche ausspricht: dass Gangbetten grundsätzlich „in jedem Land in Zentraleuropa anzufinden“ seien, „weil die Kapazitäten der Spitäler endlich sind und nicht immer auf den maximal zu erwartenden Versorgungsbedarf ausgerichtet sind. Denn das würde bedeuten, in der Regel eine Überkapazität fahren zu müssen“ .
(http://wien.orf.at/news/stories/2818327/),
mag darüber jubeln, dass nun endlich ein echter Manager, oder in seinen Worten ein teurer Spieler gekauft
(http://derstandard.at/2000050277334/Trotz-Abloesegeruechten-KAV-Chef-Janssen-sieht-sich-fest-im-Sattel) wurde, der die Dinge beim Namen nennt.

Andererseits spricht auch Janßen im selben Interview über seine Kritiker als, die sich sich in den vergangenen Jahren „ihre Nische errichtet“ hätten und von  „Menschen, die sagen: ‚Muss ich das (die Veränderungen, Anm.) haben oder zieht die Leiche des Generaldirektors noch an mir vorbei?'“.

Und weiter: „Wer in der Kirchturmspitze ist, darf sich nicht darüber beklagen, dass die Raben einen ankrähen.“

Blöd halt nur, wenn  die Kirchturmspitze eigentlich nur die Spitze eines Eisbergs ist und die Raben im Archiv kramen.

Also, kein Mitleid für die Geohrfeigten!

Written by medicus58

11. Januar 2017 at 07:40

Neues Organ entdeckt, nein, nicht das Großhirn

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Doktorrolle

Dass die Medizin immer teurer wird, beschert uns im Quartalsrhythmus Gesundheitsreformen und eine unüberschaubare Anzahl an Experten, die diese Kostenflut einzudämmen versprechen.
Dabei liegt es doch auf der Hand, dass der Fortschritt halt seinen Preis hat.
Die Alarmglocken mögen bei den Zuständigen und Sich-Zuständig-Fühlenden läuten,
seit eine neue medizinische Sensationsmeldung durch die Medien geistert,
die ohne Zweifel erneut Kosten aufwerfen wird.

Leider online nicht mehr auffindbar, aber vor zwei Tagen fand ich zuerst in der Gratiszeitung HEUTE die Jubelmeldung,
dass Ärzte ein neues Organ entdeckt hätten.
Was mir zuerst als typisches APA-Hoppala erschien, fand ich aber auch auf Gesundheit.at (http://www.gesund.at/a/neues-organ-mesenterium), einer Seite, die von sich behauptet,
dass dort Ein Team aus Medizin-Redakteuren und medizinischen Experten eine qualitativ hochwertige laiengerecht verfasste medizinische Berichterstattung sichert.

Unter Hurra, Hurra Ein neues Organ ist da liest man euphorisch:
Kleinere Fortschritte stehen in der Wissenschaft ja nahezu an der Tagesordnung, die neueste Entwicklung ist aber doch sehr beeindruckend.
Denn mit dem sogenannten Mesenterium haben Forscher tatsächlich ein neues Organ entdeckt.
(Der Link hier stammt aus dem Artikel und führt gleich zu einer anderen medizinischen Sensation)

Recherchiert man weiter erfährt man, dass es sich dabei um das Gekröse handelt, ein „Aufhängeband“ innerer Organe, das seit Jahrhunderten jeder Medizinstudent im Seziersaal seit Leonardo da Vinci bewundert.
Auch Wikipedia kennt dieses Ding, ohne aber darob in vergleichsweisen Jubel verfallen zu sein:

Umgangssprachlich wird das Wort Gekröse auch synonym für den Ausdruck Innereien gebraucht,
der heute meist negativ oder ekelhaft belegt ist
. (https://de.wikipedia.org/wiki/Gekr%C3%B6se )

Wissenschafter waren seit 2012 (!) damit beschäftigt herauszufinden, dass das Gekröse nicht aus Einzelteilen besteht, sondern ein großes Ganzes darstellt, so dass nunmehr in der Bibel der Anatomie,
nein Gray’s Anatomy ist im Gegensatz zu Grey’s Anatomy kein Werberahmenprogramm, das Gekröse als Organ anführt wird.

Bravo

Selbst CNN jubelt (http://edition.cnn.com/2017/01/04/health/new-organ-mesentery/) und
TIME Magazine ist die Story online eine nette Animation wert (http://time.com/4621074/mesentery-organ-human-body/).

Liest man den Originaltext der wissenschaftlichen Sensation in The Lancet (http://www.thelancet.com/journals/langas/article/PIIS2468-1253(16)30026-7/fulltext) erkennt man, dass Arbeit von der irischen Universität Limerick stammt.

Die Gegend war in Form verblüffender Reimchen, eben den Limericks, stets gut für so manchen Schmunzler:

An old man from Denver named Lee
Had a prostate as big as a tree.
Because of his plight,
His sphincter was tight,
And it took him two hours to pee.

Andere Beispiele auf: https://howardjbennett.com/medical-humor/take-one-as-needed-medical-limericks/

Jetzt will ich die bahnbrechenden Erkenntnisse der Kollegenschaft in einer der Top-Zeitschriften der medizinisch-wissenschaftlichen Literatur nicht klein reden
(Ich selbst habe es dort nie zu einer Originalarbeit sondern nur zu einem abgedruckten Letter-to-the-Editor geschafft)
und erkenne durchaus die Brisanz der Erkenntnisse,
auch wenn selbst die Autoren zugeben, außer der nun als zusammenhängend erkannten Struktur noch nicht viel mehr erkannt zu haben.
Ich verstehe auch ihre Schlussfolgerungen, dass da noch viel Forschungsarbeit vor uns liegt, um zu verstehen, ob diese neue Auffassung eines alten Körperteils nun in der Praxis irgendwas bedeutet.

Schlussendlich zeigt dieser kleine Ausflug an die vorderste Front der medizinischen Wissenschaft, wo der Fortschritt herkommt und weshalb er halt seinen Preis hat.
Lasset die Forschungsgelder in Richtung des Gekröses fließen, vielleicht entdecken wir dereinst auch die Bedeutung des Wurmfortsatzgekröses.

(Für die die sich nicht mehr daran erinnern Können, auch der Blinddarm hatte zu meiner Studienzeit noch sein Meso.)

Written by medicus58

6. Januar 2017 at 13:01

Hat der weiße Murl seine Schuldigkeit getan?

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kh-nord

Noch ehe der Endbericht des Rechnungshofs vorliegt und noch ehe die neue Organisationsform des KAV gefunden wurde, gibt sich der Mann, der nun im KAV aufräumt …. https://medicus58.wordpress.com/2014/01/16/mann-ist-der-mann-gut-der-nun-im-kav-aufraumt/) mit 1.1.2017 (!) eine neue Geschäftsordnung.
Es mag auf den ersten Blick bezweifelt werden, dass GD Janßen das Schriftstück freiwillig herausgegeben hat.
In gewisser Weise bindet ihn die Neufassung zwar mehr an das Spitalskonzept 2030 seiner Stadträtin und schreibt ihm ein paar zusätzliche Aufgaben („integrierte Managementsysteme„) hinein, um der RH Kritik, er bekäme sein Salär für nix, da er alle Agenden an seine Vorstandskollegen abgetreten hätte, zu entkräften.

Angesichts all seiner Ausbildungen kann ihm kaum entgangen sein, dass ein zusätzlicher Absatz auf Seite 7 der neuen Geschäftsordnung geeignet ist seine Rolle als Opferlamm festzuschreiben:

Darüber hinaus obliegt dem Generaldirektor bzw. der Generaldirektorin die Bauherrenfunktion für das Programm Krankenhaus Nord.

Es könnte natürlich auch sein, dass sich der studierte Arbeits- und Organisationspsychologe auf diese Weise einen Job auf Lebenszeit sichern wollte, denn dass irgendjemand im Vollbesitz seiner geistigen und politischen Kräfte Janßens Job unter diesen Rahmenbedingungen anstrebt, nur um die Verantwortung für dieses Desaster (Krankenhaus Nord: Am teuersten Rohbau Wiens http://www.krone.at/wien/krankenhaus-nord-am-teuersten-rohbau-wiens-krone-vor-ort-story-539522) zu schultern, würde wundern.

Also entweder fällt Janßen hier dem Überlebenswillen seiner Stadträtin zum Opfer, oder sein Studienschwerpunkt Krisenmanagement an der  European Business School trägt Früchte ….

 

PS: Das Bild zeigt die vergleichbaren Stellen beider Dokumente, das bis zum Jahreswechsel gültige und das neue
PPS: Murl ist Wienerisch für den (schwarzen) Mohren

 

Written by medicus58

1. Januar 2017 at 23:05

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