Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Mehr Privat statt Staat im Krankenhaus?

with 4 comments


Im Zuge dessen, was uns als „Reform“ verkauft wird,  wurden von Tückischblau die Mittel für private Krankenanstalten auf 146 Millionen Euro aufgestockt.
Das medial transportierte Hauptproblem scheint darin zu liegen, dass da HC Strache seinem Freund Worseg öffentliche Gelder zusteckt.

Der freiheitliche Parlamentsclub verteidigt hingegen pflichtschuldig die Maßnahme: FPÖ-Povysil: „Privatkrankenhäuser tragen einen wesentlichen Teil zur Sicherung unseres Gesundheitssystems bei“

Und auch die Wirtschaftskammer, die private Institute und Krankenanstalten vertritt, freut sich nahezu wortgleich:
Fachverband der Gesundheitsbetriebe weist Kritik an der Aufstockung des PRIKRAF zurück

In Wahrheit ist es – unabhängig wo man politisch selbst im Spannungsfeld zwischen Neoliberalismus und Planwirtschaft steht – nicht so sehr das Problem, ob Tückischblau nun das Gesundheitssystem teilprivatisieren  oder Strache einem ihm persönlich nahe stehenden Döblinger Privatkrankenhaus was zustecken wollte.
Vielmehr ist die auch durch die Wiener rot-grüne Stadtregierung zunehmende betriebene Einbindung der privaten (und konfessionellen) Player in die Gesundheitsversorgung problematisch, weil KEINER dieser Träger die teuren Ränder einer Vollversorgung anbietet und dieses Rosinenpicken durch unsere (angeblich) Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (LKF)  noch begünstigt wird:

Private Player warben seit Jahrzehnten um Geburten, schickten aber im Problemfall die Kinder in die Neonatologien der öffentlichen Trägern. 
Seit Jahren entdecken Private die Onkologie, ohne die entsprechende (teure) Diagnostik und teure neue Therapien selbst anzubieten.
Das künstliche Kniegelenk ist rasch eingebaut, die Komplikationen landen dann beim öffentlichen Träger.
In vielen privaten Belegspitälern ist außerhalb der Kernarbeitszeit die fachärztliche Kompentenz, die Leistungen von Labor und Röntgen mehr als dünn, bzw. oft überhaupt nicht vorhanden.
Treten Komplikationen auf, werden die Patienten dann flugs in die „öffentliche Hand“ abgeschoben

Natürlich können, die das alles nur deshalb, weil die Gesundheitspolitik (warum auch immer) vergessen hat, die Vorhaltekapazität der großen öffentlichen Träger adäquat abzugelten.
Das ist der viel größere Skandal, jedoch ungleich komplexer medial abzuhandeln.

Written by medicus58

7. Oktober 2018 um 12:23

4 Antworten

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  1. Und die Ärzteschaft selbst, der es erlaubt ist – im Gegensatz zum übrigen Rest der Ökonomie – den Vormittag im AKH oder OWS etc als „Angestellter“ zu verbringen und am Nachmittag dann in der Wiener Privatklinik oder dem OSS oder einer privaten Ordination als Wahlarzt Geld zu scheffeln ? Die sind alle unschuldige Lämmer und an der bestehenden bzw. sich anbahnenden Misere ganz und gar unschuldig ? Gerade diese werden doch doppelt froh sein, dass sie als Belegärzte in privaten Kliniken nun noch weiter unterstützt werden. Die Patienten beklagen schon seit Jahren, diese von der Ärzteschaft selbst betriebene und von Ihnen angeprangerte Privatisierung im Gesundheitsbereich. Nach Ihrer Lesart wäre ja selbst eine private Ordination des Teufels. Bravo, ich bin auch dafür, dass vom Krankenhaus angestellte Ärzte weder einen Nebenbeschäftigung nachgehen dürfen, noch private Ordinationen betreiben sollen. Entweder oder. Ich arbeite ja auch nicht am Vormittag für das Bauamt und am Nachmittag für einen privaten Bauunternehmer. Und im Übrigen: Nichts ist umsonst, auch nicht das Vorhalten von Kapazitäten im Staatsbereich. Das sieht man doch am Krankenhaus Nord wo die Kosten aus dem Ruder laufen. Letztendlich verlangen Sie eine erhebliche Erhöhung der Prämien für die gesetzliche Krankenversicherung oder dass jeder eine Zusatzversicherung hat, damit die Investitionen und die zusätzlichen Kapazitäten beglichen werden können. Oder gar ein System wie die völlig marode, staatliche NHS in Grossbrittanien. Da schickt man dann die Patienten statt in ein privates Spital zur Arthrose OP gleich nach Frankreich weil die Kapazitäten zuhause nicht ausreichen.

    Konrad

    8. Oktober 2018 at 07:30

    • Danke für den ausführlichen Kommentar aber dazu eine kurze Richtigstellung:
      Wenn Sie da schon die Neben Beschäftigungen „reinbringen“, dann erhärtet das doch meinen Vorwurf, dass sich die Privatspitäler nicht nur keine eigenen teuren Einrichtungen sondern auch nicht eigene Spitzenärzte leisten. Betrieben werden sie von Kapitalgesellschaften sehr oft mit Beteiligung der Privaten KRANKENVERSICHERUNGEN!
      Privatordinationen sind mE völlig OK, solange sie einen echten Anteil an der Patientenversorgung haben und nicht nur Bypass zu einem schnelleren Termin im öffentlichen Krankenhaus sind.
      Das KH Nord ist an vielem schuld, hier scheint es mir eine Themenverfehlung.
      Ich habe keine Prämienerhöhung verlangt sonder eine gerechtere Verteilung. Ich kenne das NHS ganz gut. Es hat aber einen Vorteil: Die Finanzströme und die Verantwortung sind klarer als bei uns.

      medicus58

      8. Oktober 2018 at 07:43

      • Gerecht wäre, wenn es ein System gebe, in denen Ärzte nicht stolz auf ihre Praxishomepage schreiben, dass sie privat ordinieren, um mehr Zeit für ihre Patienten zu haben, wie ich es andauernd lese, sondern dass sie stolz sind, für alle Patienten ordinieren zu können und nicht nur für wenige Privilegierte.

        Forscher

        8. Oktober 2018 at 09:05

      • Die Gründe weshalb Ärzte (neben ökonomischen Aspekten) nebenberuflich eine Privatordi betreiben sind mannigfaltig. In einem Punkt treffen sie mit dem ihrer „Kunden“ zusammen: Unzufriedenheit mit der Grundversorgung im System. Ich für meinen Teil habe aber nie eine Privatordination angestrebt, u. a. weil mir auch die dort auftretenden Zwänge zuwider waren. Prinzipiell bin ich aber weder für noch gegen Privatordinationen, wenn sie einen Versorgungsauftrag erfüllen. Ich bin dagegen, wenn Patienten dort abgemacht werden und für die „wirkliche Medizin“ in die Krankenhäuser der öffentlichen Hand abgeschoben werden.

        medicus58

        8. Oktober 2018 at 09:17


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