Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Das Sch….haus

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Sie werden es nicht glauben Ihr Medicus stöbert durch alte Fotos und schlürft einen Crémant aus dem Elsass, sie wissen, den Champagner von außerhalb der Champagne …

Glauben Sie mir, ein hiesiger Schlumpfi wär besser, aber teurer … egal.

Dazu gibt‘ es übrigens 5 Alben von Carole King um 9.90 €. Sag mal einer, dass man Qualität heute nicht auch billig kriegt, weil sie kein Trottel mehr als solche erkennt, gilt für den Crémant wie für Carol King.

Ich erzähle dass alles um Ihnen eine Entschuldigung zu liefern, wieso ich Sie gerade mit diesem Foto der rund 130.000 auf meiner Festplatte gespeicherten belästige.

Aufgenommen habe ich es an den Klippen of Mohar, einer der spektakuläreren Naturschönheiten unseres Kontinents, vor etwa 5 Jahren.

Seit damals quält mich die Frage, was denn wir Männer denn, schon Jahre vor der MeToo-Bewegung auf einem Klo hinterlassen könnten, das eine Klofrau erschüttern könnte.

Ich kann mich noch gut an die Bahnhofstoiletten in Helsinki (1978) erinnern, die mit einer Art Saloon-Türe geschlossen wurden und die Putze, die ihrem Reinigungsauftrag dadurch nachgekommen ist, indem sie mit ihrem Mob zwischen meinen Beinen schrubbte, als ich versuchte die Reste meines Kalakkukus von mir zu geben.

Please be advises, these toilets may be serviced by a female attendant.

Nur wird eine irische Häuselfrau einer finnischen in wenig nahe stehen, wenn es um die scheinbar menschlichen Bedürfnisse geht. Ich erspare ihnen meine Unterhaltung mit einer Glasgow-er Häuselfrau 1977, die mir damals erzählte, dass sie früher als Hure gearbeitet hat, aber der neue Job, ihr besser gefällt, aber bitte liebe Geschlechtsgenossen, was macht ihr, am Häus`l, dass der Putze Probleme macht, und wenn ihr Carol King nicht kennt, kauft euch im Wühlkasten des nächsten Saturn, die frühen Alben der Carol King.

Keine Ahnung wie das zusammengehört, aber es würde die Welt besser machen, wenn ihr es versteht.

Written by medicus58

10. November 2019 at 21:03

Reiseapotheke war gestern

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Früher, also wirklich früher als es weder Internet noch Smartphones gab, empfahlen selbst Reiseführer für den Hardcore Tramper die Mitnahme einer Reiseapotheke, zu deren Grundausstattung neben Mückenschutz, Pflaster, Antipilzsalbe, NSAR, Repellent auch Imodium für die lange Busreise zählte, nachdem einen Montezuma Rache erwischt hat. Erfahrene Reisende nahmen (auch schon für den Italienurlaub) etwas Toilettenpapier mit, und weibliche Tramper ihre Monatshygiene, spätestens nachdem sich für diesen Bedarf der pittoreske Souk als unergiebig und das frustran Fragen danach als peinlich erwiesen hat.

Im Gegensatz zu vielen anderen war die Reiseapotheke Ihres Medicus aber (abhängig von der angesteuert Region) vergleichsweise dürftig mit den von anderen oft tonnenweise mitgeschleppten typischen rezeptpflichtigen Medikamenten wie Antibiotika bestückt, da man diese (so man die wesentlichen Stoffnamen parat hatte) in den entferntesten Ecken kaufen konnte. Ich fand damals im „hintersten Indien“ althergebrachte Antibiotika, für die heute in Europa Lieferengpässe bestehen. Die oft ins Treffen geführte Gefahr von Fälschungen, schien mir weniger ein Problem, eher dass man klarerweise nicht gerade das neueste Panzerschrank Ding verlangen durfte.

Selbst im China der. 80er Jahre ließ sich Jodtinktur für die Hautdesinfektion auftreiben.

Nur, soll davon eigentlich gar nicht die Rede sein, so dass Sie Ihre Pulverln für die nächste Gruppenreise nach Verona gerne einpackt lassen können.

Was sich heute zum richtigen Notfall auswachsen kann ist ein defektes Mobiltelefon.

Und dafür müssen Sie nichtmal Ihr gutes Stück im Mekong versenken. Das, wie ich selbst vor einiger Zeit bestaunen konnte, halten moderne Handys heute aus. Dass der überglückliche (chinesische) Besitzer dem mutigen Kambodschaner nicht mal Trinkgeld gab, nachdem dieser das verlorene Stück aus der braunen Brühe rettete, sei nur am Rande erwähnt. Tun Sie es unserem chinesischen Freund also nicht gleich, denn wäre ich Kambodschaner, mir wäre Ihr Verlust nun egal.

Aber auch wenn Sie meinen doch nicht so ungeschickt zu sein (welcher Trottel wirft sein Handy in den Fluss?): Da gibt es eine ganze Reihe von Handydefekten, vor denen Sie sich nicht sicher fühlen können:

Der Akku platzt in der Hitze, das Ladegerät gibt seinen Geist auf, das Verbindungskabel hat einen Bruch, nachdem Sie es mehrfach irgendwie in eine Fototasche gepresst haben. Natürlich gibt es dafür auch schon im kleinsten Dorf Ersatz, wie es die früher erwähnten Medikamente gab, weil schließlich auch der lokale Häuptling sein Handy hat. Aber ob Sie gerade die richtige Anschlussbuchse finden? Sie kennen Sie allein schon all die USB Varianten?

Wenn es den Akku zerfetzt hat, finden Sie den fest verbauten Akku Ihres Highend Smartphones gar nicht mehr so smart. Leider haben weder Apple noch Samsung einen zertifizierten Händler im Ort.

Nun, mögen Sie sagen, wäre das ja nicht so schlimm, schließlich telefoniere ich ohnehin selten aus dem Amazonasdelta.

Das schon, aber wo sind denn Ihre Bordkarten? Ah, in der Airline-App am Handy? Und wie erfahren Sie von der Verschiebung der Abflugzeit, was bei Billigfliegern immer mehr in Mode kommt, oder Ihren Online-Check-in, wie geht denn der, außer Ihre Unterkunft hat einen allgemein zugänglichen PC.

Auch wenn Sie das alles glauben niemals zu brauchen, haben Sie sich vielleicht schon an Google Maps als Navigationstool gewöhnt. Geht halt nicht, oder das Aufladen über die Powerbank, wenn das Handy am frühen Nachmittag schlapp macht, wenn Ihr Ladekabel (siehe oben) einen Bruch hat.

Selbst wenn Sie Ihr Handy nur als Kompass, zur Restaurant-Suche oder zur Vorbestellung Ihrer nächsten Übernachtung, als Eintrittskarte für die online gebuchte Sehenswürdigkeit, Fähre, Ausweisersatz, Passkopie,… etc. verwenden müssen. Und mal Hand aufs Herz, kennen Sie noch die Telefonnummern, mit denen Sie sich im Notfall in Verbindung setzen müssen, oder weiß die auch nur mehr Ihr Phone?

Also, meinetwegen nehmen Sie die gute alte Reiseapotheke mit, aber denken Sie auch an die Bedürfnisse Ihres Handys:

Internationalen Reisestecker, vielleicht zwei Ladegeräte, Ersatzkabel, ggf. Adapter für den besonderen Micro-, Mini-USB A-C, Powerbank, wenn der Akku nicht tauschbar, ein aktuelles Backup Ihres Handys in der Cloud, sicheres Case und vielleicht zusätzliches Billigsmartphone mit Kopie der wichtigsten Daten…

Sollten Sie selbst erkranken, gibt es im Notfall Schamanen, wenn Ihr Smartphone schwächelt kann der Urlaub rasch zum Abenteuer werden.

Bis jetzt fühlte ich mich immer etwas paranoid, weil ich mir immer alle Urlaubsbuchungen auch als Papierausdruck mitnehme, nach diesem Text fühle ich mich schon fast clever.

Written by medicus58

5. November 2019 at 18:30

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Online check-in: Geht es nur mir so?

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Früher ging man mit seinem Papierticket und einem Pass zum Schalter und das mehr oder weniger freundliche Personal erledigte den Check-in und beklebte das abzugebende Gepäck.
Der moderne Onan macht sich das heute selber.

Ich halte mich ja nicht gerade für einen kompletten Idioten im Umgang mit dem Internet, aber der Online Check-in löst bei mir zunehmend einen Merkel-schen Tremor aus.

Dass jedes Portal etwas anders aufgebaut ist, geschenkt, dass man im Zeitalter des Code-sharings letztendlich in ganz anderen Vögeln zu sitzen kommt, als man glaubte gebucht zu haben, mein Gott.

Auch das Abtippen von 99-stelligen alphanumerischen Codes und die Verwechslungsgefahr von E-Ticket-Nummer und Buchungscode, mit all dem lernt man zu leben, doch was mir kürzlich passierte parkinsonisierte mich dann doch krisenhaft:

Beim Versuch die Bordkarten für eine von einem deutschen Online-Reisebüro ( Bewertung 4.23/5.00 in trusted shops) gebuchten Flug auszudrucken erklärte mir sowohl das Portal der ersten Teilstrecke (LH) als auch jenes der zweiten (Condor, also auch irgendwie LH), dass es diese Buchungsnummer nicht in ihrem System gibt. Da auf der Rechnung noch so allerhand Codes zu finden waren (Kundennummer, Rechnungsnummer, eine Nummer ohne Bezeichnung und eine mit dem Präfix „EXP“) probierte ich diese ebenso frustran durch.

Der nachfolgende Dialog mit Deutschland könnte von einem begabten Kabarettisten ersonnen worden sein, und erinnert an Bestes von Ephraim Kishon („Hier ist kein Telefon„):

Ja, sie müssen versuchen über den Namen des Veranstalters einzusteigen.
Habe ich gemacht, das geht auch nicht.

Probieren Sie es einmal mit dem Namen dieses Veranstalters.
OK, aber gebucht habe ich bei Ihnen und mit dem Name des Mutterkonzerns habe ich es auch schon probiert. … Geht auch nicht.

Dann lassen Sie mal die zweite Stelle im Buchungscode weg und probieren Sie es nochmals.
Funktioniert auch nicht, aber ich starte das Portal einmal neu und versuche es dann nochmal mit dem kastrierten Buchungscode. ….. Jetzt klappt es.

Der junge Mann war sehr freundlich, ich versuchte es auch zu sein und ich hörte noch vom Umbau des EDV Systems, Anlaufschwierigkeiten, mit der neuen Version, … etc. und er wünschte mir einen schönen Flug.

Auf die Antwort, wie ich als Kunde drauf kommen kann, dass ich meine Tickets bei der Fluglinie nur finden kann, wenn ich einen Reiseveranstalter eingebe, mit dem ich nie bewusst in geschäftlichem Kontakt war und dann auch just die zweite Stelle des Buchungscodes weglassen soll, um an meine Bordkarten zu kommen, warte ich übrigens noch.

Ob ich nun zu blöd für diese Welt bin oder doch zu viele Blöde diese elektronische Parallelwelt im Griff haben, das dürfen Sie mir schreiben.

PS: Als schließlich der Online Check-in möglich wurde, sah ich zwar mein Ticket, bekam aber die Info, daß für DAS Ticket kein Online check-in möglich ist….

Written by medicus58

12. Juli 2019 at 09:31

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Dazugehören: Oder vom Missbrauch des Selbstverständlichen

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Wir sind von Opfern umgeben. Ganz im Sinne W. Ambros: A jede is a Minderheit, an jeden geht wos oh ..

Egal ob es das sexuelle Selbstbild, die ethnische Herkunft, die ökonomische Situation (den Begriff der Klasse haben wir ja inzwischen erfolgreich ausreden lassen),
alles eignet sich zur argumentativen Selbstimmunisierung der eigenen Forderungen. meist ohne Berücksichtigung der Rechte derer, die diese Forderungen begleichen müssen.

Die Klageführer verlangen auf Grund eines einzelnen Merkmals für sich den Schutz durch (zumindest in viele in unserem Kulturkreis unstrittige) Prinzipien wie Menschen- und Asylrecht oder dem Recht auf Gleichbehandlung und Gleichberechtigung.
Ob sie selbst das auch anderen gegenüber gewähren würden, bleibt unhinterfragt.

Je nach sozialem Biotop reicht es aus, sich durch eine Kurzbio als sexuell bedrängt (#meetoo), rassistisch verfolgt (#meTwo), … zu bezeichnen, um verlässlich Freunde und Feinde zu generieren.
Bezeichnend ist dabei, dass es kaum mehr um die Schwere der vorgebrachten Übertretungen geht:
Wer über das Meer kommt, ist da prinzipiell mal Flüchtling, wer hinterfragt, ob diejenigen die sich die Schlepper leisten konnten, wirklich die Hilfsbedürftigsten sind, lernt die Denkweise der Offenheit fordernden Aktivisten auf das schmerzlichste kennen.
Wer abgelehnt wurde, erklärt sich das prinzipiell ob seiner Andersartigkeit und nicht weil er vielleicht prinzipiell ein fieser Typ ist, der halt zufällig von woanders her kam.
Wer aus einem Bürgerkrieg flieht ist natürlich dort immer auf der „richtigen Seite“ gestanden, zu hinterfragen, ob er nicht vielleicht vor seinen Opfern flieht, gilt als diskriminierend.

Respekt und Unterstützung für das eigene Weltbild wird gefordert ohne zu hinterfragen, ob denn auch das Weltbild der aufnehmenden Gesellschaft respektiert wird, bzw. wie man sich selbst in Konfliktfällen verhält.

Fragen Sie einmal einen Muslim (außerhalb der Tourismusindustrie), was er denn von Ihrer Freiheit hält, sich mit einem Gulasch und einem Krügel Bier zu entspannen,
recherchieren Sie mal ein wenig über die Diskussionen in Mumbai (Bombay) zwischen Muslimen, die nichts dabei finden sich ein T-Bone Steak von Shivas Reittier Nandi abzubraten und den Hindus der Region.

Mögen Sie Flüchtlinge?

Natürlich funktioniert der Prozess in beiden Richtungen, so dass wir in der Wikipedia nachlesen können, dass sich seit den 2000er Jahren im deutschen Sprachraum der Opferbegriff auch als Schimpfwort im Sinne einer abwertende und verächtlichen Haltung gegenüber anderen (= Andersartigen) oder Verlierern verwenden lässt.

Bei all dem geht es um die drinnen und jene die hinein wollen, was angesichts einer angeblich immer kleiner werdenden Welt eigentlich absurd wirkt.
Es geht aber auch immer mehr um die Forderungen derer, die hinein wollen und den berechtigten und unberechtigten Aversionen jener, die drinnen sind.

Wer glaubt, dass das alles ausschließlich mit dem Verweis auf die selbstverständliche Verpflichtung zur Hilfsbereitschaft gegenüber einem Individuum in Not ist, verwechselt Erste Hilfe mit dem Wohlfahrtsstaat.
Allein die an Absurdität nicht zu überbietende Diskussion um die Seerettung im Mittelmeer wenige km vor der afrikanischen Küste und dem Weitertransport über ein paar hundert Kilometer nach Europa, zeigt dies exemplarisch.

Wer gebetsmühlenartig wiederholt, dass wir uns das leisten können, sollte sich einmal die Frage stellen, welchen Beitrag er zu dem Kuchen geleistet hat, dessen Verteilung er nun allein bestimmen möchte.

Viele Konzepte des 20. Jahrhundert wurden unter dem Eindruck der politischen Katastrophen zweier Weltkriege formuliert, waren aber ohnehin stets Makulatur, wenn sie ökonomischen Interessen im Wege waren:
In den postkolonialen und antikommunistischen Kriegen in SO-Asien und Afrika, den politischen Umstürzen im Mittleren Osten, Afrika, Mittel- und Südamerika mit all den dort installierten Diktatoren wurden Menschen- und Asylrechte immer mit Füssen getreten, nur war die Mobilität der ökonomisch Bessergestellten noch nicht so groß wie heute, das Geschäftsmodel Flüchtling noch eher auf die Befüllung thailändischer Bordelle beschränkt und noch nicht globalisiert wie heute.

Wenn wir uns heute Gedanken machen sollten, wie wir diese Prinzipien anwenden können ohne den Grundprinzipien einer humanistischen Gesellschaft untreu zu werden, dann geht es eigentlich nicht so sehr um eine Änderung dieser Grundrechte, sondern um eine Formulierung, wie sie verbindlich umzusetzen sind, die aber für beide Teile, denen, die eine Gesellschaft mit aufgebaut (und finanziert) haben und jenen, die in diese Gesellschaft kommen wollen oder müssen, praktikabel werden.

Dazu gehören klare Regeln, wo und wie ein Asylantrag zu stellen ist.
Wenn ich als Tourist in immer mehr Ländern dieser Welt bei der Einreise meine Fingerabdrücke abgeben muss, dann ist dies einem Asylwerber m. E. ebenfalls zuzumuten.
Wenn ich als Tourist deklarieren muss, mit welchen Barmitteln ich einreisen möchte, und ob ich mir Aufenthalt und Abreise auch leisten kann, dann ist das auch für Asylwerber zumutbar, auch wenn NGOs das in der Vergangenheit stets bekämpft haben.
Wer das Schlepperwesen dadurch unterbinden will, dass er Asylanträge nur außerhalb Europas annehmen möchte, muss hingegen ein zugängliches Netz vor Ort ermöglichen und kann nicht von irgendwelchen Camps in der libyschen Wüste faseln.
Wer aber glaubt, dass sein Status und seine Finanzierung als NGO oder Flüchtlingshelfer als prinzipiell sakrosankt zu gelten haben und andere Meinungen (Auch die Guten müssen sich Fragen gefallen lassen) auf das aggressivste desavouiert, sollte einmal prüfen, wie weit er sich noch selbst innerhalb eines Grundkonsenses einer aufgeklärte Demokratie befindet.

Wer ausschließlich die Rechte der einen Gruppe durchsetzen möchte, verletzt sehr bald die Grundrechte der anderen Gruppe.

Wer wo dazugehören will, kann dies nicht erzwingen.
Wer auf seine Rechte pocht, sollte sich auch seiner Verpflichtungen bewusst sein.

Die Freiheit des Einzelnen endet an der Fluchtdistanz des anderen,
aber auch die Flucht großer Gruppen kann die Freiheit des Einzelnen gefährden.

Written by medicus58

30. Juli 2018 at 16:38

Diebe in Iguazu – eine Reisewarnung

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Vor Beginn der Reisesaison häufen sie sich, die Warnungen vor den Gefahren in der Ferne.

Wie Urlauber zu Opfern wurden und wie Sie sich schützen können.
Diebe stahlen Hotelgast Geld, Schmuck – und Waffe

Auflage-steigernd werden wir so heftig davor gewarnt, was die Bösen dieser Welt mit den armen Touris so anstellen, dass man beinahe glauben könnte, die Warner wollen einfach, dass wir unsere Euros lieber in Euroland lassen,
als sie zu den Devisen-geilen Ausländern bringen.
Ja, wenn da nicht auch solche Schlagzeilen wären:
So beklauen Räuberbanden Berliner und Touristen

Halten Sie mich für einen Lügner, aber in all den hier im Blog schon erwähnten Destinationen (und noch ein paar Dutzend mehr) wurde ich als Tourist (egal ob als Tramper oder Kongresstourist) noch nie bestohlen.
Also fast.
Also bis auf ein einziges Mal,
und davon soll heute die Rede sein.

Es ist über zwei Jahrzehnte her und es passierte im fernen Brasilien, für wahr keines der all zu sicheren Reiseländer. Geschah mir wohl recht.

Es passierte aber nicht (was viel wahrscheinlicher gewesen wäre) in der Bonde im Stadtteil Santa Teresa von Rio, nein, dort warnten mich nur die Einheimischen davor, dass man in der Straßenbahn immer bestohlen wird.
Aber fürchten Sie sich nicht, seit 2011 verkehrt die Tram ohnehin nicht mehr.

Es passierte auch nicht in der Altstadt von Salvador de Bahia, vor der andere Reiseblogs warnen und was nach Einbruch der Dunkelheit wirklich ein etwas härteres Pflaster war.

Es passierte bei den Wasserfällen von Iguazú und es waren wirklich unverschämte RäuberInnen, die einen durch ihr liebliches Aussehen ablenkten und dann blitzschnell mit Teilen meiner Fotoausrüstung das Weite suchten.
Geistesgegenwärtig gelang es mir aber den feigen Überfall zu dokumentieren – und das möchte ich heute mit Ihnen teilen.

Das Foto zu Beginn des Beitrags zeigt einen der niedlichen Nasenbären, der an den verschlossenen Taschen meiner Fototasche schnüffelte während ich die zu Tale stürzenden Wassermassen fotografieren wollte.
Ach wie süß dachte ich mir, als ich eines der Tiere zu meinen Füssen wahrnahm und drückte gleich einmal ab.

Meine emotionale Ablenkung ausnützend grabschte sich nahezu gleichzeitig ein anderes Bandenmitglied den lose in einem anderen Fach liegenden Objektivdeckel meines Olympus 135 mm Objektivs.
Ich hatte die Kamera ja ohnehin noch in der Hand und drückte ab, nur bekam ich deshalb das vorwitzige Vieh nicht mehr zu fassen.

Sie sehen, die Warnungen vor den Dieben in der Fremde kommen nicht von ungefähr. Diese hinterhältigen Kreaturen warten nur darauf uns Touristen zu bestehlen!

Wenn Sie mich nun nach dem Ausgang der Geschichte fragen, nein, ich musste meine Fotos nicht der Polizei zur Fahndung übergeben (was bei einem Dia-Film) auch gar nicht so leicht gewesen wäre.
Der Dieb verlor nach einigen Metern das Interesse an seiner Beute und ich fand den Objektivdeckel im Unterholz.

Ja, und wenn Sie sich weiter gruseln wollen, dann empfehle ich Ihnen dieses köstliche Fundstück aus dem Netz:
Wie der Nasenbär zu einem der gefährlichsten Tiere in Europa wurde

Written by medicus58

9. Juni 2018 at 12:37

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Was für ein schräger Vogel

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Zwar muss man bisweilen aufpassen, um die fremde Welt nicht nur über den Sucher seiner Foto- u/o Videokamera zu sehen, aber auch für Ihren Medicus sind bildliche Urlaubserinnerungen Teil seiner Erholung.
Selbstverständlich gelten hier nicht die Anforderungen eines National Geographic Fotos oder einer Universum Folge aber einen gewissen Grad an technischer Perfektion muss so ein Urlaubsmitbringsel heute schon haben, um damit im realen Freundeskreis und den Sozialen Medien renommieren zu können.
Vielleicht eröffne ich hier einmal auch eine Rubrik über Videografie, um an die heroischen Frühzeiten zu erinnern, wo das verrauschte Urlaubsvideo nur durch das Überspielen von einem Gerät auf das andere möglich war. Auch wenn der Vergleich analoger mit digitaler Normen prinzipiell immer hinkt, löste die alte TV (PAL) Norm so ca. 450k Pixel pro Bild (allerdings interlaced) auf, von denen der VHS Standard ohnehin nur mehr weniger als 3/4 realisierte. Überspielungen machte das ganze nicht viel besser, so dass die stolzen Video-Erinnerungen aus den 80ern heute (ohne digitale Nachbearbeitung) kaum mehr herzeigbar scheinen.
(Für Versuche in Super 8 fehlte mir damals leider überhaupt das Geld und auch das analoge Dia(Film)material belastete das Urlaubsbudget schon ganz ordentlich. Andererseits, wer sich heute mit unkomprimiertem UHD oder echtem 4K Video spielt, legt für high-speed Speicherkarten auch schon einiges ab ….)
Egal was man sich diesbezüglich so antut, dem ambitionierten Urlaubsfilmer drohen auch noch ganz andere Probleme.
Trotz dem heute meist optimal funktionierenden Weißabgleich digitaler Aufnahmegeräte, den selbst Neonröhren oder hochalpine UV-Strahlung nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen, wird durch manche Erdbewohner bis ans äußerste gestresst. Ein Vertreter ist der Scharlachsichler ein quietschfarbener Piepser, dessen Signalfarbe selbst in freier Wildbahn irgendwie unwirklich wirkt.
Ein Blick auf Google zeigt, dass in den meisten seiner Abbildungen die Farbbalance irgendwie unnatürlich wirkt.
Als ich die Vögel zum ersten Mal erblickte glaubte ich kurzfristig einen Augenarzt zu benötigen, so knallte diese unwirkliche Farbe aus der Umgebung heraus.
Wenn Sie mir nicht glauben, der Zoo in Schönbrunn hat auch einige Exemplare zu bieten: https://www.zoovienna.at/tiere/voegel/roter-sichler/

Mein hier verwendetes Foto stammt aber nicht von dort 😉

Written by medicus58

27. Juli 2017 at 14:09

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Heute einmal die Dunkle Seite des Tourismus

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Das Programm der klassischen europäischen Bildungsreise beginnt bei irgendwelchen altertümlichen Ausgrabungen,
führt zu allerlei klerikalen und monarchistischen Gebäuden, um je nach Gegend mit einem Museumsbesuch bei einer Venus ohne Arme oder einer lächelnden Unbekannten seinen Höhepunkt zu finden.
Seit 1974 das London Dungeon in den U-Bahnbögen für touristisches Gruseln sorgt, ist der Reisende auch nicht mehr auf Kapuzinergruft  und das eine oder andere Ossarium angewiesen, wenn er einen dosierten Adrenalinkick benötigt.

Die nächste Stufe bedeuteten aber diejenigen Orte, in denen der Horror noch kürzlich gewütet hat.
Abgesehen davon, dass ein Besuch in der Glaubenskongregation des Vatikans nicht gestattet wird, wäre auch der dort archivierte Horror schon ziemlich in Vergessenheit geraten, da der letzte Scheiterhaufen auch schon vor einige Zeit verglost ist.

Reisen zu den Killing Fields sind beschwerlich und die klassische Verdun Tour hat man vielleicht auch schon hinter sich.
Besuche in den ehemaligen Konzentrationslagern des Dritten Reiches eignen sich auch weniger zum Massengruseln, da sie zu Recht eher die Schuldfrage aufwerfen.

Da eignen sich Orte an denen „die anderen“ gewütet haben viel eher und eines dieser Ziele liegt in Tartu, Estland.

Die Stätten des KGB Terrors werden dort als Sehenswürdigkeit vermarktet.
Mein Foto oben zeigt den unscheinbaren Eingang zu einem Privathaus im Jahre 2004, in dessen Kellern der KGB zwischen 1940 und 1954 Folterzellen betrieb.
Auf Flickr für die Ewigkeit erhalten, hat der Tourist die Möglichkeit sich als Gefangener zu fühlen oder ein halblustiges Videos zu drehen:

KGB Horror ist überhaupt ein Tourismusmagnet im Baltikum.
Auch in der Hauptstadt Tallin findet sich ein KGB Museum
https://www.visitestonia.com/de/museum-hotel-viru-und-kgb

und auch im nahen Litauen findet sich Ähnliches

und das KGB Museum in Vilnius interessiert offenbar auch den ostasiatischen Reisenden:

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Touren durch Abu-Ghuraib angeboten werden.

Written by medicus58

22. Juli 2017 at 18:27

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Kennen Sie Zhengzhou? mal wieder Reiseerinnerungen

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Heute breche ich ein Versprechen, dass ich vor 29 Jahren einem verschreckten Hotelmanager gegeben habe und hoffe,
dass dieser schon längst in Pension ist und nicht nachträglich belangt wird.

Kennen Sie
Zhengzou?

Zhengzou ist die Hauptstadt der Provinz Henan in der Volksrepublik China und beherbergt heute in seinem Kerngebiet rund 3,5 Millionen Menschen, im gesamten Verwaltungsgebiet leben über 8,6 Millionen. Keine Ahnung wie viele Menschen 1988 dort wohnten, aber ich erinnere mich an endlose Wohnsilos und wenig mehr. Eigentlich gab es keinen Grund als Individualreisende dort Halt zu machen, hätte die Schaffnerin, die uns beim Einsteigen die Pässe abgenommen hat, nicht schlicht und einfach vor über 100 km vergessen, uns rechtzeitig aus dem Zug zu werfen.
Unser Ziel waren eigentlich eigentlich die buddhistischen Longmen-Grotten bei Luoyang und der dortige Bahnhof, nur waren damals die wenigsten Bahnhöfe Chinas in für „Langnasen lesbarer Schrift“ gekennzeichnet, so dass man vor GPS und Google Map darauf vertrauen musste, dass die reschen Damen der Bahnverwaltung sich merkten, wo man aussteigen musste. In all den 6 Wochen hat das auch immer mehr odder weniger gut geklappt, nicht aber hier und wir zwei standen ziemlich verlassen inmitten einer völlig anonymen Millionenstadt, von der auch der Lonely Planet nicht allzu viel zu berichten wusste.

Touristenbüro? Vorerst Fehlanzeige?

Ein paar mühevoll hervorgewürgte Brocken Mandarin ernteten bei den zur Arbeit laufenden Einwohnern nur Kopfschütteln.
Nun gut, den Rucksack geschultert und darauf vertraut, dass doch innerhalb einer Tagesreise rundum den Bahnhof irgendwas wie ein Hotel zu finden sein müsste.

Es war damals gerade möglich sich in den meisten Gegenden Chinas ohne große Probleme frei zu bewegen, nur in Grenzregionen, z.B. in der Inneren Mongolei nördlich der Provinzhauptstadt, musste man sich der Dienste des staatlichen Reisebüros bedienen.
Nur war man außerhalb der typischen Touristendestinationen wie Peking, Shanghai oder Xian noch in keiner Weise auf unangemeldet aufkreuzende Individualtouristen eingestellt.
Entsprechend perplex reagierte der Portier, als wir in das erste Hotel stapften.

„Full“ schien das einzig englische Wort, das der Bewacher eines zig-stöckigen Beherbergungsbetriebes heraus brachte, obwohl der riesige Parkplatz vor dem Hotel nahezu leer gefegt schien.
Unmöglich, dass all die vielen Zimmer auf all den vielen Etagen ausgebucht waren, nur war der Mann offensichtlich bemüht Schwierigkeiten zu vermeiden und sagte „Full“.

Auch im nächsten Hotel spielte sich diese Szene ab, nur war ich jetzt, mit der Aussicht nach einer endlosen Zugfahrt müde und verschwitzt irgendwann von der chinesischen Polizei wegen Landstreicherei festgenommen zu werden, schon etwas bestimmter und verlangte nach dem Manager. Irgendwann kam dann auch wirklich ein Herr im Anzug, der gestenreich versicherte, dass sein Hotel bis Neujahr rammelvoll gebucht wäre.
Irgendwie kam die Diskussion aber dann auf das staatliche Touristenbüro und ob es in dieser Stadt eine Filiale gäbe.

„Wait“, war das nächste klar verständliche Wort, das das System für uns übrig hatte.

Nach einer längeren Wartezeit, betrat plötzlich ein anderer Herr im Einheitsanzug die Lobby, nein, nicht mehr im Mao-blau, sondern undefinierbar anthrazith-grau-blau und schlecht sitzend,
verständigte sich kurz mit der Rezeption, die ihn mit Fingerzeit zu uns schickte.
Nur zur Erklärung, wir waren selbstverständlich die einzelnen Europäer dort. Überhaupt, sahen wir während unserer Wartezeit keine 10 Hotelgäste in der Lobby, und wir verbrachten dort gut zwei Stunden!
Dass wir das Ziel seines Einsatzes waren, hätte er auch ohne Kindergartenabschluss herausfinden können.

Der Koffer-Mann entpuppte sich als die hiesige Verkörperung des staatlichen Touristenbüros,
versicherte uns des rettungslosen Füllungszustandes gerade dieses Hotels, versprach uns aber ein Zimmer in einem Gewerkschaftshotel ganz in der Nähe.
Er begleitete uns auch dorthin und  übergab uns der ebenfalls perplexen Rezeption.

Es war noch relativ früh am Vormittag und unsere Zimmer müssten noch gemacht werden, jedoch könnten wir doch noch ein Frühstück einnehmen.
Das Frühstück bestand, wie damals in den meisten chinesischen Hotels in denen wir unterkamen aus einer großen Schale Nudelsuppe mit verschiedensten Einlage.
Es dauerte ziemlich lange, bis uns die zwei dampfenden Schüsseln vor die lange Nase gestellt wurden, aber schließlich war man ja nicht auf uns gefasst, und überhaupt.
Nein, nach gut eineinhalb Stunden verzichteten wir auf die angeboten zweite Schüssel und verlangten schon etwas intensiver nach unserem Zimmer.

„Wait“

Das Hotelrestaurant war landestypisch riesig und kitschig, aber sichtlich erst kürzlich eingerichtet worden. Auch die Rezeption war neu und glänzte.
Das alles konnten wir lange bewundern, nur waren unser Zimmer noch immer nicht beziehbar. Jetzt ging der Lift nicht!

Diese scheinbare Notlüge des Managements nützte ich, um wenigstens einen Zimmerschlüssel zu ergattern, weil wir waren noch jung und würden natürlich mit der Aussicht auf eine kühle Dusche gerne die zehn, zwölf Stockwerke hinauf gehen.
Wir überwanden die hektischen Bemühungen der Rezeption uns davon abzuhalten, was gut war, weil auch in den nächsten Tagen der Lift nie in Betrieb war, denn …. das sahen wir irgendwo so ab Stockwerk zwei:
Die mittleren Etagen des Hotels waren noch eine Baustelle (siehe Bild),
die Zimmer dort, soweit ersichtlich noch ohne Putz. Auf den Treppenabsätzen lag Bauschutt, und die Betonwände harrten einer Bemalung.
Ich war so verblüfft, dass ich zur Kamera griff und das Stillleben abbildete.

Als wir schwer keuchend in „unsere Etage“ gelangten, überraschten wir eine Filmcrew, die in einem der dort schon fertig gestellten Zimmer offensichtlich einen Werbefilm über das bald gänzlich eröffnete Hotel drehten.
Unser Zimmer, also das, wo unser Schlüssel passte, war dafür bis auf zwei Betten, völlig leer. Noch ahnten wir nicht, dass alle beweglichen Einrichtungsgegenstände dieser Etage an den Ort der Dreharbeiten gebracht wurden.

Neben den Betten enthielt unser Zimmer nur noch eine fest verbaute die Klimaanlage. Leider passte ihr Stecker nicht in die daneben verbaute Dose.
Kein Problem für den Bastler! Den Stecker aufgeschraubt und die blanken Drähte in die Dose gesteckt, mit Zahnstocher fixiert und schon blies das Ding relativ kühle Luft in den stickigen, heißen Raum.
Die Dusche funktionierte zwar auf Anhieb, selbst der Wasserdruck war doch der hohen Etage ausreichend, nur läutete es nun alle paar Minuten an der Türe und die Hotelangestellten brachten wieder Stück für Stück der Einrichtung in unser Zimmer.
Ich kann mich noch an einen riesigen, bock-hässlichen, schwarz lackierten Ast erinnern, der offenbar eine Art Skulptur darstellen sollte.

Als wir endlich geduscht waren und das inzwischen mit Kästchen, Statuen und Ästen vollgerammelte Zimmer bestaunten klopfte es und draußen stand der Manager.
Zerknirscht berichtete er in stotterndem Englisch, dass ihm seine Mitarbeiter berichtet hätten, dass ich Fotos vom Stiegenhaus gemacht hätte und dass er mich um den Film bitten würde, denn schließlich hat er mit dem Hotel noch viel vor und wollte schlechte Werbung vermeiden. Wenn seine Vorgesetzten die Fotos zu Gesicht bekämen, wäre seine eben begonnene Karriere vorbei.
Das Hotel wäre noch gar nicht offiziell eröffnet und das Touristenbüro hätte in auch nicht kontaktiert – offensichtlich wussten die gar nicht, dass das Hotel noch nicht fertiggebaut war!
Man habe sich doch bemüht uns ein Frühstück zu servieren, obwohl er dafür gar keine Zuteilung bekommen habe, denn ohne Gäste gibt es keine Lieferung.
Das ganze trug er völlig zerknirscht ohne offensichtlich ehrlich besorgt vor.
Ich versprach ihm mit kräftigen Händedruck, dass ich das Foto nur meinen Freunde daheim zeigen werde und selbstverständlich niemals ein schlechtes Wort über „sein Hotel“ verlieren werde.
Also bitte, erzählen Sie niemanden diese Geschichte, denn das Personal war die nächsten zwei Tage dort wirklich rührend um unser Wohlergehen bemüht, am nächsten Morgen gab es wieder Suppe zum Frühstück, und die Verabschiedung vor unser weiterreise war herzlich.

 

 

Written by medicus58

27. Juni 2017 at 23:04

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Mampfurbastion – ein Trend der durch den Magen geht

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Nix, gegen gute Nahrung, aber irgendwie kommt mir der Grad an Aufmerksamkeit, den viele der Art ihrer Kalorienzufuhr widmen, schon etwas pathologisch vor.
Pizza war gestern, heute belegt man Naan.
Bekämpfte man in unseren Breiten noch bis vor einer halben Generation die Grün- und Rotalgen ausschließlich im heimischen Aquarium, gelten Grün- Rot- und Braunalgen inzwischen als unumgängliches Powerfood.

Pulverisierte Früchte des Affenbrotbaums binden unsere die Saucen,
Die Jackfruit ersetzt das gequälte Huhn aus der Massentierhaltung,
ja, eh gut.
Wer sich an den Meriten einheimischer Körndeln satt gegessen hat, greift ungeniert zu Quinoa, das in den letzten Jahren eine solche Preissteigerung hingelegt hat, dass es für den Indio vor Ort kaum mehr zu bezahlen ist.

Ich entsinne mich noch des abschätzigen Blicks, den man früher für die Erwähnung von Kokosfett erntete, so von wegen Amazonas-Abholzen und so.
Heute schwärmen die Propheten gehobener oraler Befriedigung von seinem Gehalt an Eiweiß, Kalium, Kalzium, Magnesium, Zink, Eisen, Selen, Kupfer, Phosphor, sowie den Vitamine A, B1, B2, B6, C und E,
es muss natürlich natürliches Kokosfett sein, nicht dieses raffinierte.

Die Fokussierung auf die eigenen Ernährung war schon immer als der Sex des Alters verschrien, jedoch ist die besessene Beschäftigung mit immer neuen Brain- und Superfruits heute das Hobby der Jüngeren, zumindest in Bobo-affinen Land- und Stadtstrichen.
Liefen früher die gesellschaftliche Trennlinien zwischen Marcuse und Spengler, trennen uns heute Burger und Baobab.
Die Aufmerksamkeit, die dem eigenen Gemampfe, also letztendlich dem eigenen Körper gegenüber gegenüber aufgewandt wird, erinnert in seiner Ich-Bezogenheit schon daran,
wie Woody Allen einmal die Selbstbefriedigung definiert hat:

Sex mit einem Menschen den man wirklich liebt.
Also im vorliegenden Fall: Mampfurbastion

Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Onan, dem Gatten der Tamar, denn dass war, wie Otto Grünmandl gesagt hätte, etwas ganz anderes.

PS: Das Bild zeigt übrigens eine Brotfrucht, nur falls Sie Ihren Gemüsehändler in den Wahnsinn treiben wollen.

Written by medicus58

8. April 2017 at 17:43

Abenteuer auf Vorbestellung

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Als ich 1992 dieses Foto am Dashashwamedh Ghat von Varanasi aufnahm, wütete die Tage vorher der Monsun so stark,
dass er mich in meinem Reiseplan schon zwei Tage zurückgeworfen hat. Natürlich hatte ich bei der Ankunft aus Patna
keine Hotelreservierung, wie auch in einem Land in dem damals Telefonverbindungen selbst zwischen den großen Städten
mehr einer Lotterie als einer Form geregelter Kommunikation glichen, denn
Damals war man noch einfach mal weg (https://medicus58.wordpress.com/2016/07/26/damals-war-man-noch-einfach-mal-weg/).

Ein wirkliches Problem war die Verspätung aber nicht, denn Hotelzimmer gab es genug und die Sehenswürdigkeiten besuchte man dann,
wenn man wirklich dazu Lust hatte.

Hatte man das Glück einige Tage in Florenz verweilen zu können, dann stellte man sich vor den Uffizien in Florenz dann an,
wenn die Schlange gerade nicht bis zum Ufer des Arno reichte.

Schon vor einigen Jahren hörte ich; Ich, der in den 80er und 90er Jahren mindestens einmal jährlich den Big Apple am Hudson River
besucht hatte, dass man inzwischen bereits Wochen vor der Anreise ein Online-Ticket für die Freiheitsstatue (man beachte den inneren Witz von wegen Freiheit)
buchen musste und sich selbstverständlich exakt an den dort gewährten time slot zu halten hätte.
Noch dachte ich, dass das halt mit der Regelwut der US-Amerikaner nach 9/11 zu tun hätte, aber weit gefehlt.

Ob man einen Lift auf den Eiffelturm, ein Ticket für Versailles, die Baustelle der Sagrada Familia  besichtigen oder einfach mal in Barcelona den Park Güell schauen möchte,
nichts geht mehr ohne elektronischer Voranmeldung. Das Versprechen, dass dadurch einfach alles schneller gänge, ist spätestens dann entlarvt,
wenn man sich trotz eines elektronisch erworbene Tickets die Beine vor dem Schloß des Sonnenkönigs in den Bauch steht.

Da ja jeder sich so ein Ticket ausdrucken kann, ist es inzwischen selbstverständlich geworden, immer einen Lichtbildausweis dabei zu haben, von wegen Schengen und so.

Täglich besichtigen in 43 stets ausgebuchten Durchgängen maximal 1075 Besucher Leonardos Letztes Abendmahl im klimatisierten Refektorium des Dominikanerklosters S. Maria delle Grazie, Corso Magenta, Milano. Sollten Sie gerade Lust auf einen Abstecher nach Mailand haben, steht Ihnen für 19€ als frühester Termin eine Besichtigung in 10 Tagen zur Verfügung und klarerweise nur in den Randzeiten (8:15, 8:45 und 18:00). Für andere Optionen berappen Sie rasch ein kleines Vermögen, da offenbar alle touristenfreundlichen Termine bereits an Reisebüros verkauft sind, die Ihnen dann aber schon ein kleines Vermögen abknöpfen.

Aber, hallo!

Wenn ich schon Monate im vorhinein festlegen muss, wann ich wo zu sein habe, dann kann ich mich ja gleich einer Reisegruppe anschließen!
Auch dort  gehe ich auf die Toilette, wenn es der Reiseleiter erlaubt und genieße meinen Espresso, wenn es die anderen tun.

Jetzt komme mir keiner mit Sicherheit. Vor 9:00 pfeift sich im Park Güell keiner der gähnenden Wärter, wer da mit oder ohne Ticket hineingeht, da man beim hinausgehen dann ohnehin registriert wird. Und dem Selbstmordattentäter wird es nachträglich auch ziemlich egal sein, dass er vorher E-Mail-Adresse und Mobil-Nummer angeben musste.

Mich beschleicht einfach der Verdacht, dass man nun eine Technologie anwenden möchte, weil man sie hat und irgendwer im Hintergrund gerne Stricherlisten führt und Daten zusammen führt.
Klar, Google, Tripadviser und Co. wissen nun ganz genau und teilen uns das auch im Browser mit, dass sich Besucher zB. bis zu 1,5h im Park Güell aufhalten und dass die beliebteste Besuchszeit um die Mittagszeit liegt – Big Data!

Wenn Sie die Anlage kennen, hätten es Sie aber wohl verwundert, wenn jemand 7€ berappt hätte und nach 10 Minuten wieder das Weite gesucht hätte oder dort drei Stunden für die gerade mal drei fertiggestellten Gebäude benötigt hätte. Eben, wie so oft bei den Big Data handelt es sich um Informationen, die sich mit Menschenverstand auch ohne EDV gewinnen hätten lassen, sorry IT-Freaks.

Übrigens beträgt die Wartezeit auf den Zutritt zu Gaudis Fliesenparadies augenblicklich nur 2 Tage, wenn Sie früh aufstehen wollen oder können!
Einfach spontan nach der letzten Tapas vorbeischauen war gestern, in den Zeiten, wo man noch wirklich reiste und nicht am Gängelband der Regulierungswut hing. ….

 

Written by medicus58

2. November 2016 at 13:46

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