Sprechstunde

über alles was uns krank macht

UK-Thatcher-UK V2.0

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Downingstreet

Die Bedeutung der Britischen Inseln als Auslöser meiner „Wanderlust“ habe ich schon erwähnt. 
Meine ersten Besuche lagen Jahre vor Thatchers Machtübernahme und setzten sich bis heute fort. 

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http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=83932 

In den 70ern stand der gelernte Wiener, für den das Drängeln in den Warteschlangen, die mißmutigen Verweise auf Zuständigkeiten und ein habituelles Mißtrauen  genetisch verankert schien, ziemlich fassungslos vor britischer Freundlichkeit und Offenheit

Ein Freund von mir stand z.B. einmal in einem der peripheren Bezirke von Greater London und hantierte umständlich mit einem großen Stadtplan, um zu seiner Destination zu finden, als neben ihm ein kleiner MG stehenblieb und der Fahrer fragte, ob er ihn wohin mitnehmen könnte. (Nein, er wurde weder ausgeraubt noch vergewaltigt)
Als ich mit Rucksack und Jeans Richtung Stonehenge wandern plötzlich von einem monsunartigen Regenguß überrascht wurde, blieb neben mir ein Mini stehen und die Fahrerin nahm mich, naß, unrasiert und langhaarig wie ich war, einfach mit.
Und BritRail war für den Interrailer einfach ein Traum (Lokale Fahrpläne in Scheckkartenform!).
Selbst auf London Heathrow hatten die Busfahrer ein nettes Wort auf den Lippen:
Als ein gehetzter Fahrgast fragte, ob das der Bus nach Peking, meinend ob das der Bus zum BA Flug in die chinesische Hauptstadt, wäre, grinste der Fahrer und bejahte zuerst grinsend. Als der glückliche Fahrgast sich und sein Gepäck in das Fahrzeug gewuchtet hatte, präzisierte er aber lächelnd, dass der Bus schon in diese Richtung unterwegs wäre, man aber den größeren Teil der Reise besser doch fliegen sollte …

Unvergesslich blieb mir später, nach einigen Jahren Thatcher, die Reaktion eines anderen Busfahrers, der einen gehetzten Fluggast auf die Frage, ob er denn zu Terminal 3 führe einfach bampig anwies, die Beschilderung des Fahrzeugs zu lesen, die Türen schloss und ihn stehen ließ.

Offenkundig verirrten Touristen wurden in London auch kaum mehr Hilfe angeboten, obwohl sich das zuletzt etwas gebessert haben dürfte. 
Und das britische Eisenbahnsystem mit einander konkurrierenden Privatlinien, horrenden Preisen und undurchsichtigen Verbindungen läßt seine frühere Qualitäten kaum mehr erahnen.

Natürlich ist diese Entwicklung nicht ausschließlich Thatchers Schuld, 
so wie der Golf- und der Falklandkrieg nicht ihr Verdienst waren. 
Ich habe aber diese Details so erlebt und fand Ken Loach’s Sager:

Lasst uns ihr Begräbnis privatisieren!
Macht eine Ausschreibung und akzeptiert das billigste Angebot!
http://topsy.com/dangerousminds.net/comments/lets_privatize_her_funeral_film_director_ken_loach_on_plans_for_thatchers 
durchaus mit meinen Gefühlen kompatibel ..

Die Stimmung auf Twitter nach der Todesmeldung der „Iron Lady“ wurden hier ganz gut dargestellt:
http://rabble.ca/babble/international-news-and-politics/late-margaret-thatcher

Für einen politisch korrekteren Nachruf kann ich nur den Guardian empfehlen:
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/apr/08/margaret-thatcher-death-etiquette 

Es gibt wenige Menschen, die für die gesellschaftliche Verböserung und Endsolidarisierung Europas in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderst so exemplarisch waren, wie die ehrgeizige Krämerstochter mit unbezwingbarem Sendungsbewußtsein. 
Möge nicht nur sie sondern auch ihre Ideologie zu Grabe getragen werden.

Written by medicus58

9. April 2013 um 07:35

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