Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Lehrer am Todesstern

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Seit Jahren werden Spitzenköche mittels Sternchen, Hauben oder Gabeln benotet. Und Hotelsterne, so wenig sie auch aussagen, sind fixer Bestandteil jedes Reiseführers. Inzwischen wird jeder Würstelstand gerankt, selbst Sehenswürdigkeiten kriegen ihr Fett ab und sie können ihrem Hausarzt mittels Bewertung Ruhm oder Verderben bringen.

Nur wenn irgendjemand die Performance eines Lehrers außerhalb einer Matura Zeitung bewerten will, drehen Lehrer und Republik am Stand durch.

Erklär‘ mir das mal einer…

Lehrer, am Vormittag haben sie recht, am Nachmittag haben sie frei und abends ist ihr Himmel sternenfrei.

Written by medicus58

20. November 2019 at 08:51

Platz #2 auf Nature IST gut, aber

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ORF und Print Medien berichten (sichtlich) selbst verblüfft, dass das unter Orange-Blau auf Prölls „Wunsch“ nach Gugging/Klosterneuburg verortete AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY (IST) von der renommierten Zeitschrift Nature auf Platz 2 aller wissenschaftlichen Institute weltweit gerankt wurde.

In jedem Fall ist das ein bemerkenswertes Ergebnis, nur sollte man halt dazu sagen, dass dieser Platz nur dadurch zustande kommt, weil DIESE Liste den Output auch durch die Größe der Einrichtung dividiert:

Normalized Ranking

Ehe Sie nun Ihre Berufung an das MIT kübelieren und sich einen Fahrschein nach Gugging lösen sei hinzugefügt, dass das IST im nicht-normalisierten Ranking den 410.Platz einnimmt.

Auch gut, dass die Fördermillionen das ermöglichten, klingt aber weniger spektakulär.

2. Institute of Science and Technology Austria

Fractional count: 23.57, Article count: 54, Nature Index rank: 410

Written by medicus58

20. Juni 2019 at 18:51

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Spitalsranking: Freut Euch nicht zu früh

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Wer sich der Mühe unterzieht unsere Medien quer zu lesen erkennt sehr bald, wie viele der Berichte nicht journalistischem Interesse sondern der Message-Control der Politik entspringt.

Die aktuelle Jubelkampagne (Kurier, Österreich, Heute) über das gute Ranking Niederösterreichischer Kleinspitäler (Lilienfeld hat gewonnen, gefolgt von Hochegg) folgt wie bestellt auf die Medienberichte über das Trockentraining im KH Nord nur wenige Tage davor.

Patientenanwalt, eigentlich eher PatientenSTAATSanwalt, weil den kein Patient je gewählt hat, Landespolitiker und – Manager wird die hier im flotten Dreier zur Schau gestellte Freude ebenso vergehen, wie ihren Wiener Doppelgängern:

Man kann sich zwar so positive Berichte bestellen, aber sie bereiten nur die Bühne für die nächste Skandalgeschichte vor, denn

Die Qualität der Gesundheitsversorgung lässt sich nicht wie Hotelbewertungen primär an der Befragungen der Betroffenen messen, oder glauben Sie, dass die Qualität einer Entzugsklinik durch die Zufriedenheit der Patienten an der angeschlossenen Bar zu messen wäre?

Kleine Einrichtungen, die sich komplexer Fälle leicht in Richtung Zentralklinikum entledigen können, haben es leichter zu guten Noten zu kommen, und sind vermutlich auch weniger mit Aggression konfrontiert: Lokal gilt der Grundsatz, man trifft sich immer wieder, wohl eher als im fernen Schwerpunktspital.

Das wichtigste Gegenargument gegen den Jubel des Boulevard bleibt aber dessen Geschäftsmodells: Ich kenne keinen Skandalbericht über Vorfälle im Gesundheitssystem, bei dem dann derartige Jubelberichte als mildernde Umstände erwähnt wurde.

Dann wird dem Trio das Lachen rasch vergehen und sie werden wie immer die Schuld für Missstände nicht bei Politik und Management suchen, sondern auf die Gesundheitsberufe abschieben.

Written by medicus58

12. Mai 2019 at 11:34

Ärzte sind alles Falotten, bis auf meinen Hausarzt

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Kauf mich arzt
Internetportale, die (meist gegen Entgelt der Kollegenschaft) Adressen von „guten Ärzten“ vermitteln, boomen.
In Patientenportalen sind Empfehlungen und Warnungen inflationär.

Über das Bild, das wir in den Augen unserer Patienten haben, wurde hier schon öfters berichtet:

Wann schläft der Spitalsarzt? http://wp.me/p1kfuX-Cr
Schämt sich der Arzt seiner Kutsche? Eine subjektive Betrachtung http://wp.me/p1kfuX-DN
Ärzte unter Generalverdacht http://wp.me/p1kfuX-Hr
Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich http://wp.me/p1kfuX-jY
Online Praxen, dort hat Ihr Arzt noch Zeit für Sie http://wp.me/p1kfuX-fq

Ein Phänomen, dass aber immer wieder in persönlichen Gesprächen auftaucht und aktuell von der Meinungsforschung bestätigt wird, ist die feste Überzeugung, dass zwar alle Ärzte …. aber der eigene gut ist.
Anders ausgedrückt, wie es die Waschmittelwerbung formulieren würde:

85 Prozent würden ihren Arzt weiterempfehlen
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/internet_co/article/846880/bewertung-internet-85-prozent-wuerden-ihren-arzt-weiterempfehlen.html

Natürlich könnte dahinter auch ein gewisser Menschenhass stecken oder die verschlüsselte Botschaft sich seiner körperlichen Funktionalität so sicher zu sein, dass man sogar mit „diesem Arzt“ es bis heute geschafft hat,
aber hinter der aktuellen Meldung stecken professionelle Krankenversicherer.

Was offen bleibt ist die Frage – und ich bin mir der blutdrucksteigernden Wirkung der kommenden Aussage bewußt – ob der Patient überhaupt entscheiden kann, ob sein Arzt ein guter wäre.
Natürlich kann ein Patient entscheiden, ob sein Arzt ein Guter, ist, d.h.
ob ER sich bei IHR/IHM verstanden und ernst genommen FÜHLT, und das ist einmal schon sehr wichtig.

Würde jedoch dieses Kriterium entscheidend sein, dann wäre der Beiselwirt vom Eck, der mir selbst im angeheiterten Zustand, trotz boomender Blutfette und Harnsäurewerte, ein dampfendes Beuschel mit einem frisch gezapften Krügerl hinstellt, ein guter Mensch, ein Guter is es sowieso.

Haben wir wirklich uns schon so dem Konsumismus im Gesundheitswesen verschrieben, dass der recht hat, der kurzfristig zufrieden stimmt?

Etwas mehr Kritikfähigkeit auch an Versicherungsunternehmen, für die das Gesundheitswesen noch ein viel größeres Geschäft ist als für die meisten Ärzte, ist angebracht, die – im Gegensatz zum wirklich guten Arzt – ihren Erfolg in kurzfristigen Budgetperioden messen.

Das erinnert auch an das schale Gefühl, das wir jetzt nach einer eben geschlagenen Wahl haben, dass sich vieles nach einbringen der Stimmen rasch wieder anders darstellt als vorab versprochen.

Natürlich kann man dann seinen Arzt leichter wechseln als seine Regierung, nur soll man sich nicht der Illusion hingeben, dass sich letztendlich auch Ärzte dem Markt anpassen und zur Sicherung der Kundschaft schon einmal die Wartezeit im Wartezimmer mit einem Beuscherl zu verkürzen suchen.

Sie haben es dann aber nicht anders gewollt!

Written by medicus58

16. Oktober 2013 at 13:54

Schwanzparade reloaded : Ärztehonorarstreit in Deutschland

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Erst kürzlich habe ich mich hier über den heute vorherrschenden Zwang „alles ranken zu wollen“ unter dem Titel „Ranking: Die zwanghafte Schwanzparade für alle“ verbreitet (http://wp.me/p1kfuX-pr).
Seither ist dieser Artikel (ich fürchte eher auf Grund seiner Verschlagwortung und nicht wegen seines Inhalts) einer der am häufigsten aufgerufenen.
Dass das gegenseitige Auflisten inzwischen zur legalen Kriegsführung wurde, beweisen die immer beliebteren Restaurant– und Hotelbeurteilungsseiten (z.B.: http://www.holidaycheck.de ).

Auch Ärzte werden zunehmend im Internet von Ihren Patienten bewertet. Naturgemäß wird damit auch Geld verdient und allenthalben bekommt man auch die Aufforderung zur gegenseitigen (natürlich anonymen) Beurteilung der Kollegenschaft (NEWS-Verlag) aber auch von Anbietern, die einen gegen eine Registrierungsgebühr einen guten Startplatz in diesem Wettrennen versprechen.

Während derartige Seiten in den USA schon seit Jahren exitieren, hat
Deutschland erst relativ kurz aber inzwischen ebenso bundesweit nachgezogen: 
(auszugsweise)
http://www.sanego.de/Arzt/
http://www.jameda.de/
http://www.esando.de/
http://www.docinsider.de/partner/arztbewertung-wie-bewerte-ich
http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/aerzte-bewertung-jetzt-bundesweit-im-einsatz.html

Österreich hinkt da etwas nach, aber auch hier können Sie sich schon bei Ihrem Arzt bedanken oder ihm das Leben schwer machen:
(auszugsweise)
http://www.docfinder.at
http://www.arztbewertung.net/
http://www.arztbewertung.at/
http://www.medicalreport.at/medicalreport/

Glaubt man einer 2011 von der dt. Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Arztbewertungsportals jameda.de unter 1130 privaten Internetnutzern durchgeführten Umfrage, dann verwenden 22,6 % der deutschen Internetnutzer bei der Auswahl ihres Arztes dieses Instrument (http://www.aerztezeitung.de/news/article/652722/jeder-fuenfte-sucht-arzt-bewertungsportal.html).

Im aktuellen Streit der deutschen Ärzteschaft mit den Krankenversicherungen (http://wp.me/p1kfuX-rf) droht die Kollegenschaft nun an, auch die Krankenkassen einer im Internet (http://www.kbv.de/navigator/krankenkassen-navigator.html)
allgemein zugänglichen Bewertung
zu unterziehen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/aerzte-bewerten-krankenkassen-auf-online-portal-a-858442.html
http://www.stern.de/digital/computer/neues-krankenkassen-ranking-aus-aerztesicht-im-internet-1902297.html
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/neues-online-portal-aerzte-bewerten-krankenkassen-im-internet-11906444.html

Einerseits halte ich die Entwicklung ja für krank, weil natürlich jeder Hotelgast beurteilen kann, ob ihm das Zimmer und der Service gefallen hat, andererseits in der Medizin zwischen „gefallen“ und „gesund sein“ Welten liegen können, was unmittelbar nach erfolgter Konsumation der Dienstleistung dem Patienten noch gar nicht bewußt sein kann. Wer das nicht glaubt, möge die Patientenzufriedenheit nach Verschreibung einer Bockbier- und Stelzen-Diät beim aktuellen Oktoberfest austesten!

Aber ernsthaft, so schlecht finde ich das Krankenkassenrating durch die Ärzte ja nicht, denn die wenigsten Pflicht- oder Privatversicherten wissen so ganz genau, was denn ihre Versicherungspolizze abdeckt und was nicht bzw. für welche Leistung ihr Arzt eigentlich gar keine Refundierung erhält …

Die Anzahl der Krankenkassen ist in Österreich zwar geringer als beim deutschen Nachbar, aber etwas mehr Bewußtsein, was denn im Kleingedruckten steht und in der täglichen Praxis passiert, könnte dem KonsumentPatient“ nicht schaden …

ob der Patient eigentlich Konsument ist, das steht auf einem anderen Blogeintrag …
http://wp.me/p1kfuX-gf

Written by medicus58

1. Oktober 2012 at 16:05

Ranking: Die zwanghafte Schwanzparade für alle

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Ranking
ist laut (http://de.wikipedia.org/wiki/Rangordnung) eine Reihenfolge mehrerer vergleichbarer Objekte, deren Sortierung eine Bewertung festlegt.
Eh gewusst, nur ist das was früher der Zeitvertreib einiger Statistiker und Sportjournalisten inzwischen im Mainstream angekommen und greift unaufhaltsam auf unser ganzes Leben über.

Schon die Kabaretisten „Die Hektiker“ äzten über den Ranking-Zwang des Magazin NEWS und sprachen dereinst von den 7 Millionen wichtigsten Österreichern, während es Florian Scheuba und Clemens Haipl später in Buchform billiger geben und nur mehr von den 100.000 wichtigsten Österreichern schreiben: http://www.amazon.de/Die-100-000-wichtigsten-%C3%96sterreicher-Welt/dp/3707601188

An die Rankingorgien seit Beginn der Finanzkrise haben wir uns auch schon gewöhnt:
RAT MAL WER ZUM RANKING KOMMT (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44995) und
wir wundern uns auch nicht mehr über einander widersprechendeBest of Listen“ in der Unterhaltungsindustrie.

Jetzt ist ja der zwanghafte Längenvergleich ist ja für pubertierende Knaben am Pissoir nichts wirklich Neues und hält sich sowohl am Stammtisch als auch im universitären Millieu:
Ich war unlängst selbst überrascht, noch jemand zu finden, der diesen Uralt-Witz nicht kennt, wobei meie Fassung etwas anders läuft als auf „Lustige Sprüche aus dem Hörsaal“: http://www.lustigestories.de/stories/hoersaal.php?

Treffen der Universitätsprofessor und sein Student zufälligerweise am Pissoir aufeinander.
Um das Eis zu brechen, beginnt der Student: „Sehen Sie Herr Professor, hier kann ich mir sogar in Ihrer Gegenwart etwas herausnehmen.“
Worauf er trocken zur Antwort erhält: „Jedoch werden Sie auch hier den Kürzeren ziehen, junger Freund.“

Vermutlich ist es der neoliberale Konkurrenzwahn, der uns seit über drei Jahrzehnten predigt,
dass jeder einzelne ständig im Wettkampf mit dem Rest der Menschheit zu stehen hat
, als ob dadurch etwas anderes als
eine  Zunahme narzißtischer Persönlichkeitsstörungen und depressiver  Erkrankungen bewirkt würde (Vergleiche: Das Unbehagen in der Gesellschaft http://www.suhrkamp.de/buecher/das_unbehagen_in_der_gesellschaft-alain_ehrenberg_58561.html) und negiert, dass
kein Mensch unter Dauerstress kreativ und produktiv bleiben kann.

Solange das individuelle Messen an globaler Bedeutung sich nur auf die Anzahl der Facebookfreunde beschränkte
(mein persönlicher Account schrammt mit 71 Freunden an der Grenze zum Autismus)
und die Zugriffszahlen auf den eigenen Blog (zumindest bei manchen Providern) nicht öffentlich sind
(meine beiden (gespiegelten) Blogs halten aktuell bei 44.255)
war das soziale Versagen noch nicht so evident,
seit es aber unzähliche Twitter-Utilities gibt, die einen gnadenlos die eigene nationale und internationale Bedeutung aufzeigen
kann man ja nur mehr zu Lockangeboten greifen, wie sie aktuell auf Justtweetit.comhttp://justtweetit.com/cool-twitter-tools/how-do-you-rank-on-twitter/)
zu finden sind, die einen für 5 US$ mit 25.000 zusätzlichen Usern aufpeppen, bzw. für  schlappe 15 bucks 38.000 Twitter-Follower in Aussicht stellen.
(Laut Twitaholic.com ist @GTLMedicus international am 791,518. und national (in Wien) am 166. Rang)

Aber mit nur 5 $ habe ich euch alle im Sack, …. oder am … oder …. aus!

Links:
http://thenextweb.com/socialmedia/2012/08/10/study-shows-tens-thousands-purchased-fake-twitter-followers/?
25 Jahre Hektiker  http://www.youtube.com/watch?v=bYZ8XsGK7Zc

Written by medicus58

12. August 2012 at 19:15

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