Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Krankenhäuser

Praterstern und Krankenhaus

leave a comment »


Die 37 Grad am Praterstern werden erträglich gemacht, in vielen (nicht kühlbaren) Bereichen in den Wiener Krankenanstalten rinnt das Wasser primär Patienten und Personal von der Stirn.

Kein Witz: habe gerade die ersten Besucher gesehen, die ihren Angehörigen einen nagelneuen Ventilator ans Krankenbett bringen.

So ökologisch sinnvoll der Verzicht auf Klimaanlagen war, so sehr sollten langsam Alternativen installiert werden, um Arbeiten und Gesunden zu ermöglichen.

BTW, die zahllosen PCs ohne denen im Krankenhaus auch nix mehr geht, erleichtern das Problem auch nicht!

Written by medicus58

27. Juni 2019 at 15:31

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with , ,

Mehr Privat statt Staat im Krankenhaus?

with 4 comments


Im Zuge dessen, was uns als „Reform“ verkauft wird,  wurden von Tückischblau die Mittel für private Krankenanstalten auf 146 Millionen Euro aufgestockt.
Das medial transportierte Hauptproblem scheint darin zu liegen, dass da HC Strache seinem Freund Worseg öffentliche Gelder zusteckt.

Der freiheitliche Parlamentsclub verteidigt hingegen pflichtschuldig die Maßnahme: FPÖ-Povysil: „Privatkrankenhäuser tragen einen wesentlichen Teil zur Sicherung unseres Gesundheitssystems bei“

Und auch die Wirtschaftskammer, die private Institute und Krankenanstalten vertritt, freut sich nahezu wortgleich:
Fachverband der Gesundheitsbetriebe weist Kritik an der Aufstockung des PRIKRAF zurück

In Wahrheit ist es – unabhängig wo man politisch selbst im Spannungsfeld zwischen Neoliberalismus und Planwirtschaft steht – nicht so sehr das Problem, ob Tückischblau nun das Gesundheitssystem teilprivatisieren  oder Strache einem ihm persönlich nahe stehenden Döblinger Privatkrankenhaus was zustecken wollte.
Vielmehr ist die auch durch die Wiener rot-grüne Stadtregierung zunehmende betriebene Einbindung der privaten (und konfessionellen) Player in die Gesundheitsversorgung problematisch, weil KEINER dieser Träger die teuren Ränder einer Vollversorgung anbietet und dieses Rosinenpicken durch unsere (angeblich) Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (LKF)  noch begünstigt wird:

Private Player warben seit Jahrzehnten um Geburten, schickten aber im Problemfall die Kinder in die Neonatologien der öffentlichen Trägern. 
Seit Jahren entdecken Private die Onkologie, ohne die entsprechende (teure) Diagnostik und teure neue Therapien selbst anzubieten.
Das künstliche Kniegelenk ist rasch eingebaut, die Komplikationen landen dann beim öffentlichen Träger.
In vielen privaten Belegspitälern ist außerhalb der Kernarbeitszeit die fachärztliche Kompentenz, die Leistungen von Labor und Röntgen mehr als dünn, bzw. oft überhaupt nicht vorhanden.
Treten Komplikationen auf, werden die Patienten dann flugs in die „öffentliche Hand“ abgeschoben

Natürlich können, die das alles nur deshalb, weil die Gesundheitspolitik (warum auch immer) vergessen hat, die Vorhaltekapazität der großen öffentlichen Träger adäquat abzugelten.
Das ist der viel größere Skandal, jedoch ungleich komplexer medial abzuhandeln.

Written by medicus58

7. Oktober 2018 at 12:23

Doktor auf Abruf

with 3 comments


Kennen Sie die?
Was steht am Straßenrand und ist rot?
Nein, nicht Bundeskanzler Kern, der auf den ÖBB Ersatzverkehr wartet, sondern eine Hagenutte.

Was steht am Straßenrand und ist grün?
Nein, nicht der Radfahrbeauftragte mit einem Patschen, sondern eine Froschtituierte.

Was steht am Straßenrand und ist weiß?
Ein Arzt auf Rufbereitschaft.

Arzt-Bus

Was lange politisch vorbereitet und in einigen Bundesländern und Fächern schon lange exekutiert wurde, wird nun zum letzten Rettungsanker im finanziell maroden Wiener Krankenanstaltenverbund:
Die ärztliche Rufbereitschaft!

Jänner 2016: Fassadenpolitik erreicht inzwischen die Universitäten
https://medicus58.wordpress.com/2016/01/29/fassadenpolitik-erreicht-inzwischen-die-universitaeten/
Dezember 2015: Weihnachten im KAV: Leise rieselt das Vertrauen
https://medicus58.wordpress.com/2015/12/20/weihnachten-im-kav-leise-rieselt-das-vertrauen/
Juli 2014Spezialisierung zur Qualitätsverbesserung ist out, im Spital gibt’s fachärztlichen Pannendienst
https://medicus58.wordpress.com/2014/07/23/spezialisierung-zur-qualitatsverbesserung-ist-out-im-spital-gibts-facharztlichen-pannendienst/
Juli 2012: Die Potemkinschen Spitäler
https://medicus58.wordpress.com/2012/07/11/die-potemkinschen-spitaler

Ja, bitte, warum denn eigentlich nicht?
Die privaten Belegspitäler praktizieren das ja auch und scheffeln Gewinne indem sie nächtens nur einen Dr. med. univ im Dienst haben, den die Pflege anrufen darf, wenn sie nicht mehr weiter weiß….
Dem Gesetz ist Genüge getan und …

Krankenhaus Göttlicher Heiland freigesprochen, obwohl Mängel aufgedeckt wurden. 6.300 Euro Strafe wegen fahrlässiger Tötung – nicht rechtskräftig.
http://kurier.at/chronik/wien/urteil-im-kunstfehler-prozess-gegen-krenkenhaus-goettlicher-heiland-geldstrafe-fuer-turnusarzt/19.431.952

Ja, verlockend ist das ja auch, daheim bei seinen Lieben (vielleicht auch in der Ordi?) zu sitzen und dabei schnelles Geld mit der Rufbereitschaft (außerhalb der maximal 48 Wochendienststunden) zu verdienen , wenn eh nichts passiert …

Mein altes Herz wird wieder jung, wenn sich diese Goldenen Zeiten meiner Ausbildung wiederholen:
Das radiologische Institut, in dem viele Jahre lang der ägyptische MTF die Stellung hielt und schon mal das Lungenröntgen schoss, bis Kollege Facharzt dann doch in den Dienst kam.
Nur nur war das vor Jahrzehnten, wo CTs dort gar nicht durchgeführt werden konnten, nur wenige Radiologen überhaupt interventionell ausgebildet waren und im Ernstfall in unmittelbarer Nähe ein Zentralröntgen zumindest theoretisch den Patienten übernehmen konnte. Ein einziges mal habe ich es geschafft, dass dort doch akut eine Pulmonalisangiografie bei Verdacht auf Pulmonalembolie durchgeführt wurde.

Als im Akutlabor nächtens auch nur eine MTA (heute BA) Dienst versah, die mit der Frage, ob denn die blauen Pünktchen im Blutausstrich Blutplättchen oder Malaria-Erreger wären in einigen Fällen überfordert wurde, aber irgendjemand war dann schon im Dienst, der sich damit etwas auskannte, wenn das private Belegspital seine Patienten nächtens kostenschonend in das öffentliche Krankenhaus transferierte.

Oder die Chirurgie, in der man seinen Hämatokrit im Nachtdienst selbst in die Zentrifuge legen musste, um abschätzen zu können, wie viele Blutkonserven man noch bis morgen früh bestellen muss.

Die Kuranstalt, wo man bei Herzinfarktverdacht seine CK selbst bestimmen musste …. also nicht primär seine eigene CK, schon die des Kurgastes ….

Ja, auch ein Gerinnungs– oder Vergiftungsdienst waren (für ganz Österreich) nur telefonisch erreichbar, aber da ging es ja auch um Empfehlungen zu ganz spezifischen Bereichen und nicht um zeitkritische direkte Interventionen.

Blöd halt nur, dass sich die Zeiten, in denen manche der KAV Berater vielleicht auch mal in die stationäre Medizin gerochen haben, doch drastisch geändert haben:

Schwer kranke, instabile Patienten liegen nicht mehr ausschließlich im Zentralkrankenhaus.
Die Verweildauer der Patienten wurde kürzer, präoperative Vorbereitung? Da lachen ja die Hausinternisten!
Die Diensträder mit zwei fast fertigen Assistenzärzten und einem Turnusarzt als reines Beiwagerl für den Spritzendienst haben wir ja schon längst mit dem Segen des Stadtoberhaupts eingedampft:

382 Mediziner weniger bis 2018: Häupl verteidigt Stellenabbau der Spitalsärzte
http://www.heute.at/news/wirtschaft/Haeupl-verteidigt-Stellenabbau-der-Spitalsaerzte;art69352,1126677

Ja, und was hört man von unsere, hochbezahlten, grünen Patientenanwältin?

25.5.2016: Pilz: Bericht der Wiener Pflege- und PatientInnenanwaltschaft 2015
Viele Anfragen (!!!) beweisen hohes Interesse der Bevölkerung
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160525_OTS0182/pilz-bericht-der-wiener-pflege-und-patientinnenanwaltschaft-2015

Wir haben gespart, koste es was es wolle und sind jetzt sind so richtig effizient und trotzdem Pleite:

In einem internen Brief werden alle Primare aufgefordert, die Ausgaben ihrer Abteilungen deutlich zu reduzieren. Noch heuer sollen 24 Millionen Euro eingespart werden.
http://diepresse.com/home/panorama/wien/4986661/Sparauftrag-an-die-Wiener-Spitaeler

Überstundenverbot für Ärzte
http://diepresse.com/home/panorama/wien/4969427/Ueberstundenverbot-fur-Aerzte

Also jetzt 12,5 Stunden-Diensträder; tagsüber ein Facharzt, wenn das- so im Originalwortlaut aus der GenDir- wirklich erforderlich ist und in der Nacht ein anwesender Arzt mit ius practicandi und bestenfalls ein Facharzt, eine Fachärztin in Rufbereitschaft.
Das spart ungemein.

Wien: Kein Krebsarzt auf der Krebs-Station
http://www.xn--sterreich-z7a.at/chronik/Aerzte-Aufstand-Kein-Krebsarzt-auf-der-Krebs-Station/236102983

NÖ: Spitalsärzteumfrage: Personalknappheit und Dokumentationsaufwand sind gravierendste Probleme
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160504_OTS0090/noe-spitalsaerzteumfrage-personalknappheit-und-dokumentationsaufwand-sind-gravierendste-probleme

Zwar irgendwie komisch, dass noch niemand in einer Großstadt wie Wien die Vorhaltekapazität der Feuerwehr einzusparen vorgeschlagen hat und diese nur einberuft, wenn es wirklich brennt;
bei den Freiwilligen Feuerwehren hat sich das ja auch bewährt.
Die Nachtdienste im Verwaltungsbereich sind auch außen vor,
aber auf die (Originalton Stadträtin Wehsely) für’s Schlafen bezahlten Ärzte kann man ja leicht verzichten.

An all diejenigen KollegInnen, die sich nun für etwas Bereitschaftsgeld die Verantwortung für diese Potemkinschen Spitäler aufhalsen lassen, sollten aber folgendes bedenken:

Auch wenn Sie wegen Ausfall des Handy- oder Telefonnetzes nicht erreichbar waren, tragen Sie weiter die Verantwortung.
Auch wenn Sie wegen Ausfall oder Unfall ihres Transportmittels nicht rechtzeitig anwesend sein konnten, tragen Sie weiter die Verantwortung.
Wenn Sie man Ihnen auch im Falle unverschuldeter Komplikationen nachweisen kann, dass Sie unausgeschlafen waren, tragen Sie weiter die Verantwortung.
Wenn Sie man Ihnen auch im Falle unverschuldeter Komplikationen nachweisen kann, dass Sie nur ein Gläschen hatten, tragen Sie weiter die Verantwortung.

Bisher hat eigentlich die Dienstgeberin die Verantwortung:

Die Sicherung der Gesundheit ist in Österreich eine öffentliche Aufgabe und das Gesundheitssystem ist öffentlich organisiert. Das bedeutet: Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherung und gesetzliche Interessenvertretungen (z.B. Kammern, Patientenanwaltschaft etc.) sind für verschiedene Teilbereiche des Gesundheitswesens verantwortlich: z.B. Gesetzgebung, Verwaltung, Finanzierung, Leistungserbringung, Qualitätskontrolle, Ausbildung etc.
https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/DasGesundheitswesenimUeberblicktml_LN.html

Die Ärzteschaft steht langsam vor der Frage, ob sie sich für ein paar Kröten diese Verantwortung für eine Gesundheitssystem aufbürden lassen, das derartig ausgehöhlt und insuffizient gemacht wurde, dass eine verantwortungsvolle Patientenversorgung in den städtischen Krankenanstalten oftmals nicht mehr möglich ist.

Kennen Sie den?

Was steht am Straßenrand und ist gelb und abgestempelt?
Eine Postituierte.

 

Written by medicus58

30. Mai 2016 at 18:05

Schwerpunktbildung ist das gesundheitspolitische Codewort für Einsparung

with one comment


Konzept

Dass das Wiener Spitalskonzept 2030 nur mehr eine Mogelpackung für ein Hinunterfahren des intramuralen Gesundheitswesens ist und kaum mehr dem entspricht, was Stadträtin Wehsely 2011 verkündet hat, konnten Sie hier schon im Jänner 2014 (!) lesen. Fast zwei Jahre danach sind viele der schon damals angesprochenen Leistungsreduktionen auch in der aktuellen Presse zu lesen:

Wiener Spitäler: Kahlschlag bei Ambulanzen
http://diepresse.com/home/panorama/wien/4880609/Wiener-Spitaeler_Kahlschlag-bei-Ambulanzen?_vl_backlink=/home/index.do

Für die 4,3 Mill €, die allein 2015 der KAV für externe Berater ausgibt (http://diepresse.com/home/panorama/wien/4788981/Wien_Teure-Beratung-fur-Spitalsbetreiber?from=suche.intern.portal) liegt ein Masterplan vor, der nicht nur – und nicht unberechtigt – einige kleinere Standorte schließt, sondern stillschweigend und unter dem Vorwand einer Schwerpunktbildung die ehemaligen Schwerpunktspitäler bis zur Unkenntlichkeit aushöhlt.

Übrigens ein Prozess auf den hier schon 2/2012 hingewiesen wurde
(Reform=Stillschweigen zur Errichtung eines Potemkinschen Dorfes http://wp.me/p1kfuX-8V)
und 2014 in Anlehnung an die Musicalproduktion der Vereinten Wiener Bühnen als KAV: Superkalifragilistisch Expealigorisch (http://wp.me/p1kfuX-RB) bezeichnet wurde.

Neben der im Presseartikel völlig richtig angesprochenen Problematik, dass es z.B.  im Wilhelminenspital, im Donauspital und vielleicht irgendwann im KH Nord keinen Augen- oder Hautarzt geben wird, der im Falle komplexerer Augen- oder Hautverletzungen den Unfallchirurgen in der Versorgung von multipel Verletzten unterstützen kann, es sei denn der entsprechender Facharzt setzt sich in die U-Bahn oder ein Taxi und fährt durch ganz Wien, wirft die Schwerpunktbildung auch ein nahezu unlösbares Problem in der Ärzteausbildung auf.

Wer damit argumentiert, dass die auszubildenden Fachärzte ja von Spital zu Spital rotieren können, um schließlich in allen Schwerpunkten entsprechende Erfahrungen zu sammeln, der hat offensichtlich keine Ahnung von einem Spitalsbetrieb. Sehr häufige Erkrankungen, können zwar so ausgebildet werden, aber für etwas seltener Fälle, ist kaum zu garantieren, dass sich diese so regelmäßig einfinden, dass jeder Zurotierte diese in den 1-2 Monaten im jeweiligen Schwerpunkt auch zu Gesicht bekommt.

Überdies erlaubt dieses Konzept nicht, auch den neben den praktischen Fertigkeiten wahrscheinlich wesentlichsten Teil der ärztlichen Ausbildung zu lernen:
den Diagnosegang

Klar wird ein Chirurg seine Dickdarmoperationen in ein paar Wochen in einem entsprechenden Zentrum praktisch erlernen können, nur kommen die Patienten halt nicht in das Gesundheitssystem und tragen die entsprechenden Enddiagnosen wie Spruchbänder vor sich her.
Wer stellt denn dann noch all die speziellen Diagnosen, wenn überall nur mehr Spezialisten eine bestimmte Therapie möglichst fließbandgleich und somit kostengünstig abliefern. Wer kann denn die Jungen dann noch darin ausbilden, im Allgemeinen das Spezielle zu erkennen?
Ja natürlich, die Ausbildner in den Lehrpraxen! Nur haben die in ihrer Ausbildung Diagnosegänge gelernt, so wie sie vor ein bis zwei Jahrzehnten üblich waren.
Ja natürlich, das lernt man halt dann in den selbst zu bezahlende Fort- und Weiterbildung, die wie Schimmelpilze allenthalben hervor schießen. Nur wer programmiert denn diese Lehrprogramme?
Die Spezialisten?
Wie ging noch der Witz vom Biologiestudenten, der für die Prüfung nur die Würmer gelernt hat und die Frage nach der Einteilung der Säugetiere wie folgt beantwortete:
Elefanten sind Säugetiere mit einem Rüssel, der an Würmer erinnert,
und die Würmer teilt man ein.
Bleiben Sie in Zukunft besser gesund!

Written by medicus58

4. Dezember 2015 at 20:04

DIE OECD irrt, unsere Spitäler sind billig und werden jetzt ohnehin geschlossen

with 5 comments


Ein Hausmeister für die Steiermark

Wer es wissen will, den klärt heute die PRESSE darüber auf, weshalb uns unser Gesundheitssystem so teuer kommt (http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/4859167/Warum-das-Gesundheitssystem-zu-teuer-ist)

Mehr Spitalsbetten als andere OECD Länder
Zu wenig ambulante Operationen
Jährliche Gesundheitsausgaben 34,8 Milliarden.
Der Großteil (?!?)
(38,8 Prozent)  fließt in stationären Bereich
Nur (?!?) 25,2 Prozent in ambulanten Bereich
Arzneimittel: 12,2 Prozent (also eh ein Schnäppchen, wie die Pharmaindustrie sagt)
Rest: Langzeitpflege, Krankentransporte, medizinische Geräte, Verwaltung

Praktisch gleichzeitig stößt auch DER STANDARD in dieses Horn (oder sollte man schon von einer Eiterblase sprechen?)
http://derstandard.at/2000025065823/OECD-Bericht-Oesterreich-ein-Land-der-Spitalsbetten

Pro 1.000 Einwohner / 7,7 Krankenhausbetten (2013), mehr habe nur Japan (dort werden z.B. aber auch Altersheime hineingerechnet!) Pflegeheime, Korea, Russland und Deutschland.

Auf den Punkt brachten den eben veröffentlichten OECD Bericht aber die OÖ NACHRICHTEN:
Österreich, das Land der Spitalsbetten und Impfgegner
http://www.nachrichten.at/nachrichten/gesundheit/Oesterreich-das-Land-der-Spitalsbetten-und-Impfgegner;art114,2021660
schließlich rügte der Bericht auch die einheimische Impfmoral

Nur das NEUE VOLKSBLATT titelt noch „verständlicher“, wie wir Ösis uns verhalten:

Ziemlicher Durst und viel im Krankenhaus
http://www.volksblatt.at/politik/ziemlicher_durst_und_viel_im_krankenhaus_05112015/
s
chließlich liegt unser Alkoholkonsum knapp hinter Litauen und noch vor Russland, wobei ich mich frage, wie der touristische Alkoholkonsum der Russen in Österreich berücksichtigt wurde

Egal, zum x-ten Mal richtet uns die OECD aus, dass wir

zu viele Spitalsbetten und zu viele Ärzte haben,

wobei überraschenderweise unsere Gesundheitsausgaben (zumindest das was die OECD Rechnung berücksichtigt) mit 10,1% des BIP nur relativ knapp über dem OECD Durchschnitt (8,9%) liegen und doch deutlich unter dem der USA (16,4%) liegen.

Mit anderen Worten, wir haben in Ö ein vielleicht intramural wirklich überdimensioniertes aber vergleichsweise unterfinanziertes Gesundheitssystem.

Anders lässt sich die Diskrepanz zwischen angebliche enormer Überversorgung und unter-proportionalen Mehrkosten nicht erklären.

Das relativiert auch die gesundheitsökonomische Milchmädchenrechnung:
stationärer Aufenhalt teuer – ambulante Leistung billiger – schließt die Spitäler und alles wird gut

Die möglichen Ersparnisse sind vermutlich viel geringer wenn wir mehr Leistungen tagesklinisch machen, als in den Ländern, die kostendeckende Preise für Spitalsleistungen zahlen.   

Natürlich haben wir auch hinterfragbare Spitalsstandorte weil die Landesfürsten das so wollen, so wie die – verlässlich vom Gesundheitsökonom Pichlbauer in der Presse zitierten – Krankenhäuser Kittsee und Hainburg, und natürlich ist das System wie es ist, weil es das Resultat einer engen Verklammerung von Politik und Sozialversicherung ist, die dem Gesundheitssystem Dutzende Aufgaben (Wählerbefriedigung, Regionalförderung, wirtschaftliche Querfinanzierung, …) aufbürdet und somit eine realistische Kostenrechnung verhindert.
Aber das passierte nicht einfach, das ist Absicht!
So fällt eben nicht auf, dass dem PA Arzt z.B. eine rektale Untersuchung mit weniger als 3 € vergütet (Handschuh und Gleitmittel, sowie Ordinationshilfe, Ordination, … inklusive; Der typische Arzt ist ein Hausarzt mit Kassenverträgen und reich  http://wp.me/p1kfuX-jY).

Natürlich ist es dann billiger den Patienten ambulant untersuchen zu lassen, weil diese Untersuchung ohnehin kaum ein Arzt unter diesen Bedingungen durchführen wird.
Natürlich ist es für die Sozialversicherungen billiger die Leute im Krankenhaus zu versorgen, weil sie dort die Kosten auf den Steuerzahler überwälzen können, solange die Refundierung nicht aus einer Hand erfolgt. Die politisch infestierten Landesgesundheitsfonds und Zielsteuerungskommissionen  (http://www.bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Gesundheitssystem_Qualitaetssicherung/Institutionen/Die_Landesgesundheitsfonds) sind kein Ersatz für eine Refundierung aus einer Hand, ganz im Gegenteil, schließlich sind diejenigen, die dieses System wirklich tragen ohne Einfluss.

Was aber der OECD Bericht verschweigt, ist meines Erachtens viel kritischer als die 1,2% BIP, die wir in Österreich mehr als der OECD Durchschnitt in das Gesundheitssystem lenken:

Aktuell wird in diesem Land der Krankenhaussektor kannibalisiert ohne den für die Pflichtversicherten insuffizienten extramuralen Sektor für zusätzliche Aufgaben zu stärken.

Und man komme mir jetzt nicht mit den halbgaren Traumvorstellungen der PHCs (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? http://wp.me/p1kfuX-11t), die für manchen ohnehin nur ein Werkzeug sind „billige Ärzte“ ohne Standesvertretung anzuheuern und den in Wien kläglich gescheiterten Versuchen politischer Freunderlwirtschaft (Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk http://wp.me/p1kfuX-Vz).

In Wien wird das Spitalskonzept 2030 (Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration http://wp.me/p1kfuX-K9) aktuell so durchgeführt, dass eben nicht nur die kleinen Spitäler geschlossen und die Leistungen in die großen Schwerpunktspitäler verlagert werden, sondern dass auch die bestehenden Schwerpunktspitäler (WSP, KHL, KFJ, RUD, DSP und irgendwann mal KH Nord) ausgehöhlt werden, Diensträder gestrichen, Abteilungen zusammen- oder stillgelegt werden. Das Versorgungsproblem wird hier nicht nur das Fehlen der entsprechenden Fachabteilungen für die Patienten sein, sondern in erster Linie der Ausfall der Konsiliarleistungen für die bestehenden Abteilungen. Schließlich hat auch mal ein Tumorpatient eine dermatologische Fragestellung und die Geburtsklinik benötigt augenärztliche Hilfe für ihr Neugeborenenscreening …
In der Steiermark gewinnt das hier schon 2012 besprochene Zusammenstreichen (Es tut sich was, nur was? Spitäler im Um- und Abbau http://wp.me/p1kfuX-lV) endlich Fahrt:
http://www.kleinezeitung.at/s/steiermark/leoben/peak_leoben/4853828/KalwangBruck_Keine-Gespraeche-uber-Schliessung
In  rezent noch eine Geburtshilfe http://noe.orf.at/news/stories/2736300/
In Tirol prozessiert man nach der Schließung des Kitzbühler Spitals noch immer http://www.tt.com/panorama/gesellschaft/9569555-91/krankenhaus-kitzb%C3%BChel-nachwehen-klingen-ab.csp
Nun, Kärnten ohnedies http://kurier.at/politik/inland/sparpaket-in-kaernten-weniger-geld-fuer-die-spitaeler/143.225.688 

Und so weiter und so weiter …

Man kann die OECD beruhigen, die österreichische Gesundheitspolitik ist im Herunterfahren ihrer öffentlichen Spitäler ohnehin fleißig am Werk. Nur geht es hier nicht um eine effizientere Versorgung, sondern um eine Leistungsreduktion für die Pflichtversicherungen, einfach indem die Zugänglichkeit weder intra- noch extramural besteht.

Probeballons gabt es schon viele und da werden plötzlich auch Leistungen in Spitäler verlegt, wenn es der Politik ins Downsizing-Konzept passt.
Auch wenn z.B. beim  Versuch im Pinzgau die Verträge der extramuralen Radiologen nicht mehr zu verlängern und die Leistungen nur mehr im Spital anzubieten augenblicklich eine Art Stillhalteabkommen gefunden wurde (http://www.salzburg.at/themen/leben.html?nachrid=55585), zeigt diese Aktion, dass es der Politik letztendlich nicht darum geht, den OECD Vorgaben zu folgen und die extramurale Zugänglichkeit für die Versicherten zu stärken, sondern nur die Zugänglichkeit zu zugesicherten Leistungen zu erschweren.
Ein anderes Beispiel für die komplette Irrationalität unserer Gesundheitspolitik ist die Thyreologie.
Mit der Einführung der exogenen TSH Stimulation mittels menschlichem schilddrüsenstimulierenden Hormon in der Nachsorge nach differenziertem Schilddrüsenkarzinom, die problemlos extramural durchgeführt werden kann, verweigerte der Hauptverband eine extramurale Refundierung und beschloss, dass diese zwei i.m. Injektionen mit nachfolgender Blutabnahme NUR im Krankenhaus durchgeführt werden darf, weil es schließlich eine Folge der im Spital vorgenommenen Schilddrüsenentfernung darstellt. Dass diese Diagnostik erst 6 – 12 Monate NACH der Operation stattfindet, war belanglos. Man kanalisierte die Patienten wieder ins Spital, weil dort zahlt der Steuerzahler mit und die Untersuchung belastet nicht die Kasse der Kasse. Man muss sich diese Logik auf der Zunge zergehen lassen. Wer eine Schilddrüse operiert und das Pech hat, dabei ein Karzinom entfernt zu haben, büßt dafür, in dem er ein Jahr später ohne Refundierung eine Nachsorgeuntersuchung bieten muss; operiert er (vielleicht) sinnlos eine gutartige Schilddrüse, erspart er sich diese Kosten…
Die Wartezeiten für Schilddrüsenpatienten sind insbesondere im Osten unerträglich lange, weil die Pflichtversicherungen diese Leistungen kaum mittels Kassenverträgen refundieren. Die Aufsichtsbehörde setzt sich aber nicht für die Refundierung ein sondert genehmigt private Institute, in denen sich die Pflichtversicherten die Untersuchung selbst zahlen.
Die unzureichende Versorgung onkologischer Patienten mit Strahlentherapie (http://wien.orf.at/news/stories/2739429/) wird von der Landespolitik seit Jahren immer wieder abgestritten, auch wenn die Versorgung den Bundesvorgaben nicht entspricht.
Andererseits beschloss man, dass eine lebensverlängernde und problemlos ambulant zu verabreichende Radionuklidtherapie von Knochenmetastasen des hormonresistenten Prostatakarzinoms (http://www.xofigo.com/hcp/) NUR im Rahmen eines dreitägigen (!) stationären Aufenthaltes refundiert wird. Zur Sicherheit hat man aber z.B. in NÖ für keine einzige Abteilung eine Umgangsgenehmigung für diese Therapie angesucht, so dass man die Therapie überhaupt nicht anbieten kann.

Die Beispiele könnten beliebig vermehrt werden.

All diejenigen, die nun glauben, dass der „Health at a Glance“ Bericht der OECD als Munition für ein weiteres Herunterfahren der Spitalsleistungen taugt, sollten einmal erklären, welche Leistungen andere Gesundheitssystemen ihren Pflichtversicherten zugänglich machen und nicht nur die Anzahl der Spitalsbetten und ambulanten Kleinoperationen vergleichen.

Wenn die österreichische Gesundheitspolitik klammheimlich Leistungen von extra- nach intramural  verschiebt, nur um dann den OECD Bericht als Argument zu verwenden auch die intramuralen Leistungen herunter zu fahren und sich so die Refundierung gänzlich zu ersparen, hat das mit Effizienzsteigerung nichts zu tun sondern ist schlicht und einfach Rationierung.

Wenn wir uns nicht mehr leisten können oder wollen, ist das auch OK, nur sollte man es den Versicherten sagen und nicht darauf hoffen, dass sich die Bessergestellten diese Leistungen ohnehin privat dazukaufen. Das ist Betrug an allen Pflichtversicherten.

Written by medicus58

5. November 2015 at 21:46

Nachtigall …, wohin die Reise der öffentlichen Spitäler geht

leave a comment »


Oberösterreich investierte 1,950 Milliarden Euro in die heimischen Spitäler.
Davon gingen 835 Millionen Euro an die zehn Landeskrankenhäuser der gespag,
938 Millionen Euro an sieben Ordenskrankenhäuser und
knapp 178 Millionen Euro an das AKH Linz.

Mehr als zwei Milliarden für die Spitäler.

Ob man das gut oder (wie ich schlecht) findet:
Es wird unübersehbar, dass die Politik die Gesundheitsversorgung immer mehr in die Hände der konfessionellen und privaten Anstalten verschiebt.
Dann vergleiche man die dortigen Gehälter, Arbeitsbedingungen, Besetzungspolitik, … und häufig sehr selektiven Auswahl der angebotenen Leistungen und extrapoliere!

 

Written by medicus58

18. August 2015 at 08:11

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with ,

KAV: Wo bleibt die Informationspflicht der Bevölkerung, wenn Spitäler still stehen?

with 4 comments


kav

Dass die Gemeinde Wien Steuergeld mit vollen Händen hinauswirft, um im Boulevard Eigenwerbung zu betreiben, wurde hier schon oft kritisiert (Stoppt die Impertinenz http://wp.me/p1kfuX-97 ).

Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) stand da nie nach und inserierte ganzseitig „seine Krankenhäuser“ (http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?ID=23603) und jede Wortspende seiner Führung (Hurra, Terminambulanz! Ein Geschenk vom frisch gebackenen KAV Chef http://wp.me/p1kfuX-RP).

Argumentiert wird diese Querfinanzierung befreundeter Medien immer mit der Informationspflicht der Bevölkerung.

Wenn nun am kommenden Wochenende EDV Wartungsarbeiten das
Wilhelminenspital und das Otto-Wagner-Spital lahm legen
(http://www.wienkav.at/kav/ZeigeAktuell.asp?id=25430), versteckt das der KAV auf seiner Homepage.

Es wird für diese Zeit eine Rettungssperre ausgerufen und selbst für ambulante Patienten, die zum Beispiel kein Röntgen oder Labor benötigen (weil entsprechende Anforderungen in dieser Zeit eben nicht elektronisch funktionieren), …. kann es zu längeren Wartezeiten kommen.

PatientInnen, die sich bereits im Wilhelminenspital oder im Otto-Wagner-Spital stationär aufhalten, werden im Bedarfsfall für Untersuchungen an diesem Wochenende in andere Häuser gebracht

(weil für die rezent installierte Krankenhaus-EDV ganz offensichtlich keine praktikablen Ausfallskonzepte existieren!
KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht http://wp.me/p1kfuX-B4
Meine Paranoia mit der Spitals-EDV oder wenn alles steht, geht’s weiter wie bisher http://wp.me/p1kfuX-NF).

Für Patienten, die wegen einer akuten Fragestellung in diesem Zeitraum eines dieser Spitäler aufsuchen, verrät der KAV zwar auf seiner Homepage, welche Ausweichmöglichkeiten existieren, aber es mag bezweifelt werden, dass die Patienten sich im Notfall dort informieren.

Eine Presseinformation, eine APA Aussendung, geschweige ein ganzseitiges Inserat in HEUTE und ÖSTERREICH findet sich bis zur Stunde nicht. (Bitte Nachtrag unten beachten)

Während man die Sprengung eines Schornsteins am Gelände des Krankenhaus Nord zum Medienereignis mit Pressekonferenz machte
https://www.wien.gv.at/rk/msg/2011/05/04015.html

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20110503_OTS0071/erinnerung-43-meter-schornstein-am-kh-nord-gelaende-wird-gesprengt

von dem Stadträtin Wehsely sogar auf ihrer Homepage schwärmte
http://www.sonja-wehsely.at/turm-fallt-schornsteinsprengung-am-gelande-des-kh-nord/

regiert hier die „Augen-zu-und-durch-Mentalität“ und die „Aufklärungspflicht der Bevölkerung“ wird den Verantwortlichen erst wieder in den Sinn kommen, wenn es darum geht mit großem Getöse einen Blumentopf einzuweihen.

Nachtrag: Wie ich dankenswerterweise von einigen Lesern (siehe Kommentare) aufmerksam gemacht wurde, gibt es in der Druckversion einiger Zeitungen heute eine kurze Meldung dazu.
Im Falle des Kuriers handelt es sich dabei um eine kleine Nachricht (10 Zeilen) im Chronikteil, die von eingeschränktem Betrieb und möglichen Wartezeiten nur das oben genannte zitiert. Es handelt sich dabei um einen Text der Redaktion und nicht um eine Mitteilung des KAV. Meine Kritik bleibt daher aufrecht, dass zwar in ganzseitigen Inseraten PR gemacht wird aber wirklich wichtige Informationen nicht in vergleichbarer Weise mitgeteilt werden. Die Begründung, öffentliche Inserate würden der Information  der Bürger zuliebe geschaltet werden, ist für mich somit endgültig widerlegt.

Spezialisierung zur Qualitätsverbesserung ist out, im Spital gibt’s fachärztlichen Pannendienst

leave a comment »


Arzt

Über die seit einigen Jahren von der Gesundheitspolitik verfolgten stillen Aushöhlung der fachärztlichen Leistungen im Krankenhaus konnte der regelmäßige Leser dieses Blogs schon 2012 unter Die Potemkinschen Spitäler (http://wp.me/p1kfuX-n8) lesen.

Bei seiner heutigen Pressekonferenz (Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025), hat der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Obmann der Bundeskurie der angestellten Ärzte, Harald Mayer nun ebenfalls der Aufgabe der bisher gesetzlich festgelegten Einteilung

Standardkrankenanstalten (Chirurgie + Interne Betten),
Schwerpunktkrankenanstalten und
Zentralkrankenanstalten (die grundsätzlich allen dem jeweiligen Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechenden spezialisierten Einrichtungen enthalten)

das Wort geredet.

Weil Fachärzte offenbar zu teuer sind (egal, dass sie eine längere Ausbildung haben und meist die Endverantwortung für die schwierigeren Fälle haben), will man diese nur noch auf Abruf ins Spital holen, so eine Art medizinischer Bordsteinschwalbe. Für den Routinembetrieb reichen dann Ärzte ohne Spezialausbildung (heute also Praktiker, bald Fachärzte für Allgemeinmedizin).

Verstehen Sie mich richtig, hier geht es nicht um die fachliche Abwertung der „Allgemeinmediziner“, jedoch liegt es auf der Hand, dass der Einzelne nicht für alle medizinische Fragen eine so tiefe Kompetenz haben kann, wie sie erforderlich ist, wenn man offenkundig einen Patienten nicht mehr „mit den Mitteln der Praxis“ führen kann.

Wenn Harry Mayer, übrigens Facharzt für Unfallchirurgie, die fachärztliche Betreuung der Spitalspatienten (außer in einem Leitspital, schon wieder ein neuer Begriff) zukünftig in

Stationäre Betteneinheiten mit ambulanter fachärztlicher Betreuung

oder im
Regional-Krankenhaus mit Teilbesetzung und Rufbereitschaft

vorschlägt, die

aus einem Fachärztinnen/-ärzte-Pool, der für die gesamte Region zuständig ist (gespeist werden, deren) Mitglieder folglich auch pendeln müssen“,
stellt sich mir die Frage, ob er wirklich ein Vertreter der angestellen Ärzte ist, oder doch eher zum ÖAMTC wechseln sollte.

So absurd das Außenstehenden alles vorkommen möge, es ist eine klare politische Linie erkennbar:

Zuerst wurden von den Gesundheitspolitikern die reduzierten Organisationsformen in den Österr. Strukturplan Gesundheit aufgenommen.

Dann wird das in den Ländern in einer KH Betriebsordnung (Master-Betriebsorganisation im KAV: Da fährt die Eisenbahn drüber http://wp.me/p1kfuX-NSm) umgesetzt, die de facto nur mehr ein Belegarztkonzept darstellt.

Und nun schwenkt die Ärztekammer (ohne Diskussion mit den Betroffenen) auf die Linie ein und schlägt ein Nebenbeschäftigungskonzept für niedergelassene Ärzte vor.

Am Ende wird das Werkstück Patient auf ein Fließband gesetzt und kann nur hoffen, dass er rechtzeitig an der richtigen Montageeinheit vorbei kommt. Die Vorstellung, dass er hinter den Spitalsmauern für jedes der Sonderfächer (Innere, Chirurgie, Radiologie, Neurologie, Dermatologie, …) auch rund um die Uhr einen fachkompetenten Arzt vorfindet, kan ner sich abschminken.

Diese Vorhalteleistung wird nun auch von der Ärztekammer nicht mehr unterstützt. Ich frage mich, was man ihr für den Gesinnungwandel wohl angeboten hat.
Die geforderte Abschaffung der „Kollegialen Führung“ und Ersatz durch eine ärztliche Führungskraft kann es nicht sein:

Neu regeln würde die Bundeskurie außerdem die Führungsfrage: Die
Leitungsposition soll demnach nur ein Arzt oder eine Ärztin übernehmen können. Die kollegiale Führung, bestehend aus ärztlichem Direktor, Verwaltungsdirektor und der Leitung des Pflegedienstes, würde damit der Vergangenheit angehören.

Wenn das Harry Mayer glaubt, hat er und die ÖÄK die schon längst laufende Entwicklung in die Gegenrichtung wieder einmal verpennt.

Im KAV gärt es …

with 3 comments


KAV

In einem offenen Brief an die Generaldirektion des Wiener Krankenanstaltenverbundes sieht der Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (KMSfB/HG II) Bernhard Harreither (FSG) die aktuellen Zustände im KAV wie folgt.

Sehr geehrter Herr GD-Stv. Prof. Dr. Janßen,
Sehr geehrter Herr Dir. Balázs!

Gemäß § 8 (2) des Statuts der Unternehmung „Wiener Krankenanstaltenverbund“ legt die zuständige amtsführende Stadträtin unter Einbindung des Generaldirektors und Befassung des Aufsichtsgremiums jeweils für vier Jahre fest, welche strategischen Ziele der Magistrat Wien mit seiner Unternehmung „Wiener Krankenanstaltenverbund“ erreichen will.

Für die Jahre 2013 bis 2017 hat Frau Stadträtin Mag. Sonja Wehsely unter anderem im Bereich der Personellen Ziele folgendes vorgegeben:

Der KAV hat im Rahmen seiner Zuständigkeit und unter Einbindung der Personalvertretung eine fortschrittliche und SOZIALVERANTWORTLICHE Personalpolitik zu verfolgen.
Der KAV hat durch Führungsstil, professionelles Personalmanagement und Kommunikation VERTRAUEN UND ZUFRIEDENHEIT BEIM PERSONAL zu fördern.
Wo stehen wir ein Jahr nach Etablierung des Vorstandes?

In einer Unternehmung, die von Fremdfirmen – Ebner&Hohenauer, KPMG, Accenture, Act, Contrust, … um nur einige zu nennen – beherrscht wird. Wurde nicht betont, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KAV über enormes Wissen und Know-how verfügen und man daher KEINE Ressourcen – Geld und Abschöpfen von Wissen – an externe Berater verschenken möchte? Die Personalvertretung stellt fest, dass wir so viele externe Berater und Beraterfirmen wie nie zuvor im KAV haben, welche das Wissen unserer Kolleginnen und Kollegen absaugen und dann selbst teuer an die Unternehmung KAV verkaufen! ABER – mit dem Argument der Einsparung werden anstehende und von der Personalvertretung zugestimmte Beförderungen nicht weitergeleitet! Die Personalvertretung fragt Sie: Ist das sozialverantwortliche Personalpolitik???

Bei der Aufnahme der Tätigkeit des Vorstands wurde von einem Mitglied des Vorstandes eine Terminserie für einen regelmäßigen Jour fixe mit der Personalvertretung übermittelt. Ein Termin kann zustande, der nächstfolgende wurde ohne Begründung abgesagt. Die Personalvertretung fragt Sie: Ist diese Vorgehensweise eine Einbindung der Personalvertretung?

Der KAV hat seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefördert und Ausbildungskosten in Managementlehrgänge investiert, diese vorhandenen eigenen (!) Ressourcen werden NICHT genützt. Leitende MitarbeiterInnen verlassen den KAV, damit ist auch dieses Wissen und Know-how für den KAV verloren! Die Personalvertretung fragt konkret: Ist dies professionelles Personalmanagement?

Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten in Projekten und Teilprojekten betreffend die Umsetzung der neuen Strukturen mit, die Routinetätigkeiten, welche ebenfalls vorhanden sind und weiterlaufen müssen, sind jedoch ebenfalls zu erledigen – Doppel- und manchmal Dreifachbelastungen sind an der Tagesordnung. Diese nun schon lange andauernden zusätzlichen Belastungen führen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu psychischen und physischen Erschöpfungen, zumal mit den entstandenen Ergebnissen auch wenig wertschätzend umgegangen wird: diese werden negiert, verworfen, schubladisiert – und dann zusätzlich eine externe Beraterfirma beauftragt. Die Personalvertretung fragt dazu: Ist dies eine sozialverantwortliche Personalpolitik???

Die Arbeitsweise, der Arbeitsstil, die Kommunikationsbereitschaft und das Tempo, mit welcher Veränderungen vorangetrieben werden, sind im Vorstand so unterschiedlich, dass die Kolleginnen und Kollegen in hohem Ausmaß nicht nur irritiert und verunsichert, sondern auch förmlich zerrissen sind. Wie sollen sie gute Arbeit leisten, wenn es zu einem Thema völlig gegensätzliche Ansichten und Aufträge gibt???? Und Themen gibt es viele, wo der Vorstand keine gemeinsame Sichtweise gefunden hat! Die Personalvertretung fragt dazu: Glauben Sie, dass Sie durch Kommunikation das Vertrauen und die Zufriedenheit beim Personal fördern??

Nicht nur die mangelhaften Absprachen, sondern auch die mangelnde Wertschätzung und der bedenkliche Umgang miteinander prägen die Zusammenarbeit der Vorstände und sind leider nicht nur Gesprächsinhalt innerhalb der Generaldirektion, sondern auch innerhalb des KAV und leider auch schon außerhalb des KAV. Es bedeutet auch mangelnde Wertschätzung, Termine x-mal zu verschieben, Menschen stundenlang warten zu lassen und angekündigte Gespräche nicht selbst, sondern durch die Assistenz führen zu lassen, bzw. führen lassen zu wollen! Die Personalvertretung fragt dazu: Glauben Sie, dass dieses Vorgehen professionelles Personalmanagement widerspiegelt? Und die Zufriedenheit der Kolleginnen und Kollegen durch Kommunikation fördert?

Funktionierende Strukturen wurden und werden zerstört, der Qualitätsverlust ist bereits deutlich spürbar, die Organisation ist ein Trümmerhaufen! Ihr Handeln und auch Ihr NICHT-Handeln haben Auswirkungen auf die Gesamtunternehmung! Die Personalvertretung fragt Sie: Glauben Sie, dass Sie durch Ihren Führungsstil das Vertrauen und die Zufriedenheit beim Personal fördern???

Die Ergebnisse der Workshops im HCM – Bereich wurden nachher wieder umgearbeitet, die Kolleginnen und Kollegen, welche in den Workshops mitgearbeitet haben, dachten, dass das , was hier entsteht, auch etabliert wird. Sie fühlen sich nicht ernst genommen UND in einigen Bereichen der Generaldirektion werden diese „neuen Strukturen“ – OHNE ZUSTIMMUNG der Personalvertretung – bereits gelebt. Die Personalvertretung fragt Sie dazu konkret: Verfolgen Sie unter Einbindung der Personalvertretung eine fortschrittliche und sozialverantwortliche Personalpolitik?

Die Personalvertretung wird einer Organisationsänderung, welche zwar am Papier bunt dargestellt ist und lediglich einem Begriff entspricht, jedoch real wenig Lebensfähigkeit hat, nicht zustimmen! Die Personalvertretung wird nicht länger tatenlos zusehen, dass die Kolleginnen und Kollegen seit nunmehr einem Jahr nicht wissen, wo sie was/ wann arbeiten werden.

Die Personalvertretung fordert den sofortigen Stopp der anhaltenden Verunsicherung unserer Kolleginnen und Kollegen und fordert hiermit die Vorstände auf, zu einem von Wertschätzung und positiver Gesprächskultur geprägten Führungsstil zurück zu kehren, Eigeninteressen zurückzustellen und sich GEMEINSAM auf die Aufgaben zum Wohl des Wiener Krankenanstaltenverbundes zu konzentrieren und den Dialog zur Personalvertretung wieder aufzunehmen!

Mag sein, dass man das als die übliche gewerkschaftliche Begleitmusik zu einem change management process in einem öffentlichen Betrieb sieht oder dort sehr viele eigene Erfahrungen wiederfindet, das Wiener Rathaus hat ein großes Problem an der Spitze seines Gesundheitssystems.

 Link: http://www.gdgfsg.at/ unter Dienststellenausschuss KAV-GD: Offener Brief an den Vorstand

Ob sich die FSG auch nach den Wahlen im Mai noch so kämpferisch gibt, werden wir beobachten. Inhaltlich ist die Zustandsbeschreibung mehr als richtig.

Written by medicus58

6. Mai 2014 at 07:02

Wie lange kann sich die Gesundheitspolitik noch hinter Zertifikaten verschanzen?

leave a comment »


Arzt

Am 15. September hat Quality Austria GmbH dem Wiener Krankenanstaltenverbund das Zertifikat „Committed to Excellence“ im Donauspital Wien überreicht. Die Bewertungsgrundlage für das Zertifikat ist das international anerkannte EFQM-Excellence-Modell, das eine ganzheitliche Sicht auf Unternehmen und Organisationen ermöglicht. Mit dem Erhalt des Zertifikats befindet sich der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) unter den Pionieren der Spitalsverbünde Österreichs. www.qualityaustria.com/index.php

Ich freue mich, obwohl gleichzeitig die seit Monaten geplante Softwareumstellung auf eine neue Abteilungssoftware um 4 Monate verschoben wurde und alles still steht, weil die Umstellung von Windows XP auf Windows 7 alles lahm legt.

Um den hohen Stellenwert der Gesundheitsförderung im Krankenhaus zu unterstreichen, hat das Österreichische Netzwerk Gesundheitsfördernder Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen (ONGKG) einen Preis für herausragende Gesundheitsförderungsmaßnahmen in seinen Mitgliedseinrichtungen ins Leben gerufen.

Selbstverständlich sind auch einige KAV Häuser von der ONGKG ausgezeichnet worden, ich wage mir aber gar nicht vorzustellen, was denn die andere Spitäler fördern, wenn es nicht die Gesundheit ihrer Patienten ist.

Im Juli 2012 habe ich bereits unter Im Wiener Gesundheitswesen sind Zertifizierungen wie Totenscheine (wp.me/p1kfuX-mB) ausgeführt, dass es die meistzertifizierten Krankenhäuser sind, die geschlossen werden und bereits im Juni 2011 habe ich unter Die Qualität der Zertifizierung der Qualität (sprechstunde.meinblog.at/) darauf hingewiesen, dass in einer boomenden Zertifizierungsindustrie arbeitslose fachfremde Akademiker Tonnen von Papier produzieren, die die Verantwortlichen als Feigenblatt benutzen können um die ganz augenfälligen Probleme überdekcen zu können.

Bürgermeister Häupl weiss, dass er mit landesfürstlicher Mißgunstbezeugung die Kritik Prof. Hussleins am Personalengpass im AKH vom Tisch wischen kann (wien.orf.at/news/stories/2610608/), weil der Maulkorberlass der bei der Gemeinde Wien angestellten Ärzte (Husslein ist Bundesbediensteter) eine ähnliche „Medienarbeit“ verhindert.

Trotzdem ist vermutlich die Zeit vorbei, in de sich die Gesundheitspoltik die wahren Probleme hinter ein paar bunten und meist auch nicht ganz billigen Zertifikaten verstecken kann.

Wie die FAZ im Artikel Ärzte der Generation Y schreibt (www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/aerzte-und-kliniken/aerzte-der-generation-y-selbstbewusst-gut-bezahlt-und-gern-in-teilzeit-12622408.html), stirbt auch die genussvoll Selbstausbeutung betreibenden Ärzte langsam aus, die für ein paar Kröten und ein bißchen Egopolitur viele Defizite des Gesundheitssystems überspielen hilft.

„Babyboomer sind Workaholics, die alles ausdiskutieren müssen und immer gerecht sein wollen“, glauben die jungen Ärzte etwa, und die Generation X jammert ihnen schlicht zu viel.

Die Frage aus dem Titel dieses Blogbeitrags paraphrasierend stellt sich die Frage:
Wie lange glauben wir denn, dass Qualitätszertifikate einen gut ausgebildeten und motivierten Arzt ersetzen können?

%d Bloggern gefällt das: