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Künstliche Intelligenz oder AI my ass

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Artificial Intelligence scheint ja auch in der Medizin gerade der heißeste Scheiß zu sein, aber was ich gerade auf der SMS App meines Android entdeckt habe machte mich sprachlos. Aber dafür scheint das ja auch programmiert worden zu sein.

Wenn mein Gegenüber auch so was installiert hat, können sich die zwei Handys mal ein Date vereinbaren und ich spritz mir in Ruhe das Botox, damit ich später meinem AI geschönten Selfie ähnlich schaue.

Written by medicus58

19. Januar 2019 at 12:19

Ehe für alle: Konservative haben gesiegt, ohne es zu begreifen

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Während in Deutschland die Politik die Ehe für alle einführte, ließ man bei uns den Formalisten im Verfassungsgerichtshof  den Vortritt. Irgendwie passend zu dem Land in dem Prozesse über politische Verantwortung (z.B. BUWOG) über viele Jahre an Formalfehlern scheitern müssen, um sich nur ja nicht direkt mit der Materie auseinandersetzen zu müssen.

Die „fortschrittlichen Kräfte“ jubeln über den vermeintlichen Sieg, die FPÖVP grummeln und der Erzbischof von Wien badet genüsslich im Fettnäpfchen und schwadroniert von der „besonderen Natur der Ehe“ und denkt ans Kinder machen bzw. wie er es formulierte:
Kinder hervorzubringen, zu hüten und aufzuziehen und damit die Generationenfolge zu sichern.

Natürlich scheint es gut nachvollziehbar, dass es niemandem zuzumuten ist, wie es Günter Tolar gestern in der ZIB2 sagte, sich outen zu müssen, wenn er am Amt angeben muss, dass er verpartnert und nicht verheiratet ist, nur nimmt Wunder, wie wenig geschichtsbewusst, der sozialdemokratisch engagierte Tolar ist, wenn er glaubt, dass das Dilemma durch die Ehe für alle gelöst werden soll und sich damit zum Fürsprecher der Staatsgewalt macht.

So sehr hat die Sozialdemokratie (und die Grünen) den Staat verinnerlicht, sieht sich schon selbst als Staat, der ihr nur durch ein Missverständnis der Wähler immer kurzfristig weggenommen wird (NRW17), als dass sie noch im entferntesten daran denken, dass es Dinge gibt, die die Staatsmacht einfach nix angehen sollen.

Die staatliche Ehe gehört abgeschafft! forderte Alexander Grau (Philosoph, Kultur- und Wissenschaftsjournalist) schon 2013 und erklärte in einem lesenswerten Artikel die Gründe, weshalb die Ehe (egal zwischen wem) Privatsache sein sollte und für alle (steuer- und erbschafts)rechtlichen Dinge der Notar die bessere Anlaufstelle für alle wäre.

Fragt man sich aber, weshalb denn der Staat so sehr auf der Institution Ehe geharrt, dann fällt einem doch rasch das geflügelte Wort von der Ehe als Keimzelle des Staates ein, das seit mindestens zwei Jahrhunderten gerade von konservativer Seite tradiert wird. Auch wenn – der Entwicklung sei Dank – sich die Fortsetzung der staatlichen Autorität im Familienvorstand rechtlich nicht mehr fortschreiben hat lassen, war auch das ein klares Signal, weshalb die Autorität so interessiert war, Menschen nicht als Individuen sondern als Paare bzw. Familienverbände zu sehen.
Eine fehlende Pflegevorsorge hätte der Staat auch nicht so lange übersehen können, wenn er sich nicht lange auf pflegende Angehörige und auf deren Mitfinanzierung verlassen hätte wollen.

Einerseits hat unser konservativer Erzbischof nicht Unrecht, dass es auch dem Staat um die geschützte Nachproduktion von Staatsbürgern geht.
Andererseits ist die gegenseitige Versorgungs- und Unterhaltsverpflichtung von Ehepartner ein Garant dafür, dass nicht in jedem Fall der Staat einspringen muss, wenn eine Person nicht mehr selbst für sich sorgen kann.

Also aus Sicht von Kirche und Staat ist die Institution Ehe nicht zu Unrecht wichtig. Auch aus diesem Grund wurde es (rechtlich) viel einfacher gemacht eine Ehe zu beginnen, als sie zu beenden!

Ein Sieg individueller Lebenskonzepte wäre es gewesen, wenn der Staat die Verpartnerung für alle als Rechtsinstitut eingeführt hätte und allfällige Eheschließungen danach den jeweiligen Religionen, Sekten, Gurus, Predigern oder wem auch immer überlassen hätte.

Dass sich nun, sollte es Basti und Bumsti nicht gelingen ein rechtliches Hintertürl zu finden, auch gleichgeschlechtliche Partner unter das staatlich gewollte Joch begeben dürfen, um im Trennungsfall viel Geld in Rechtsanwälte zu investieren, um eine allfällige Schuldfrage klären zu können und vielleicht erstmals erfahren, wie den die gesetzlichen Vorgaben der Gütertrennung aussehen, das scheint mir kein wirklicher gesellschaftspolitischer Fortschritt zu sein. Das zu glauben ist wohl eher die Folge einer katholisch/autoritären Indoktrinierung als einer aufgeklärten Geisteshaltung.

Written by medicus58

6. Dezember 2017 at 18:21

Schwierig, aber wir haben auch 2017 einen Grünwähler gefunden

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Schon 2013 sprachen wir mit den Wählern  der damals kandidierenden Parteien und auch vor der (wie immer vorzeitig stattfindenden) Neuwahl, wollen wir das so halten.

Wieder beginnen wir mit einem Grünwähler, was aber selbst dort, wo sie einst im Dutzend ausgewildert wurden, in Wien Neubau, nicht mehr so einfach war.
Zyniker erklärten das damit, dass viele der ehemals 24/7 unter dem Sonnenschirm u/o Heizschwammerl versammelten Freigeister nun doch einen Beruf angenommen haben, um sich das online bestellte Model 3 von Tesla leisten zu können. Das mag bezweifelt werden.
Auch die Annahme, dass die meisten nun ihren Lebensunterhalt damit verdienen, ihr Innenstadt-Loft über airbnb zu vermieten und mit dem verdienten Geld in die Seestadt gezogen sind, erklärt das scheinbare Aussterben der grünaffinen Lehrerkinder aus dem Wiener Speckgürtel nur teilweise.

Als ich nach langem Suchen nun doch einem Exemplar auf der Mahü begegnete, und nachdem ich ihm versicherte, dass er mich mit seinem Vorderrad nur unerheblich gestreift hatte und ich eben leicht blute, da mich mein Arzt auf „Blutverdünnung“ gesetzt hatte, entwickelte sich ein Gespräch.

Mitte vierzig, Bezirksrat für die Grünen im Siebenten, aber nicht mehr lange, denn er bemüht sich um eine Wohnung im Heumarkt-Projekt, weil da die unverbaubare Aussicht einfach „klassisch“ ist.

Ja, die Chancen sind für die Grünen augenblicklich nicht so gut, obwohl doch die Mahü funktioniert und wir mit dem Sascha den Bundespräsidenten stellen. Am Getreidemarkt muss auch kein Radfahrer mehr im Stau stehen und dass die 365 Euro Jahresnetzkarte im Jahr 2020 366 Euro kosten wird, ist nur so ein Gerücht der Opposition.

Klar gibt er Pilz die Schuld an den grünen Turbulenzen, aber ich merke erst als er kein Wort über Opportunismus verliert , dass er mit seinen Ausfällen über das hohes Gehalt, die mediale Geilheit, die Streitlust und die Abgehobenheit nicht die von der Stadtregierung eingesetzte Patientenanwältin meint, sondern den Mitbegründer seiner Partei, der nun eine eigene Bewegung gegründet hat.

Bei der Frage, ob er sich durch Lunaceks Slogan Sei ein Mann, wähl eine Frau angesprochen fühlt, weicht er aus, dass die Parteiführung ohnehin nach der Wahl neu geordnet wird.

Beim Thema Leistbares Wohnen verweist er auf seinen Parteikollegen Chorherr – nicht nur im Heumarkt – sondern auch in der Donaustadt und „eh überall“ wo was gebaut wird, zu helfen. Wenn der grüne NR Abgeordnete Steinhauser nun auf der Parteihomepage  Günstigerer Boden durch neue Raumordnungs- und Widmungsregelungen fordert, wird einem schon klar, weshalb den Grünen das Verständnis für die Anliegen der Bürgerinitiativen für die Steinhof-Gründe und anderswo im Laufe der Regierungsbeteiligung etwas abhanden gekommen ist.
Das sind lauter so sendungsbewusste Handarbeits- und Bio-Lehrer, die halt den Blick auf das Ganze verloren haben“ distanziert sich mein Grünwähler in bewundernswertem Pragmatismus von den 12,4% Österreichern, denen seine Partie, sorry, Partei ihre Klubförderung verdankt.

Dass die Werbekosten der Stadt Wien unter Rot-Grün ungeahnte Höhen erreicht haben, findet er schon OK, man habe sich eben nur das geholt, was den Grünen für die langen Hungerjahre in der Opposition zustand. Schließlich wäre man, ebenso wie in anderen Bundesländern nur der kleine Koalitionspartner, der halt nicht alles verhindert konnte. Aber zumindest konnten sie einige ihrer Leute in wesentlichen Bereichen als Radfahr-, Fußgänger-, Genderbeauftragte und PatientInnenanwältInnen installieren, die sich alle bewährt hätten, oder hätte ich in den letzten Jahren irgendwas von denen gehört? Nein, die arbeiten eben ruhig für uns alle vor sich hin.

Mit der Frage, mit wem denn seine Partei nach den Wahlen koalieren soll, tut er sich relativ leicht, denn „das Wichtigste ist, nachdem wir die eine Seite des Ballhausplatzes haben, dass wir auch in die andere kommen.“ Dafür ist der Sascha auch ein Garant, denn wenn er die FPÖ draußen hält, dann werden die Stimmen der Grünen gebraucht, um eine Koalition zu zimmern, mit wem auch immer.

Als er dann beginnt, von den geplanten Gesetzesvorhaben der Grünen gegen Hass im Internet zu schwärmen, wird es mir langsam mulmig, wenn ich an die Möglichkeit einer Zusammenarbeit der Grünen mit BuMin Sobotka denke.

PS: Wenn Sie es nicht erkannten, das Logo dieser Beitragsserie aus 2013 stellt Wahl-Urnen in Form von Müll-Sammelbehältern dar …

Written by medicus58

5. September 2017 at 17:30

Wir verlieren unsere Vergangenheit und trotzdem eine Sonntagsgeschichte

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Legion sind die Schriften, die uns Kinder des digitalen Zeitalters darauf hingewiesen haben, dass sich unsere Spuren schneller verlaufen würden als diejenigen unserer Vorfahren. Es liegt in der Natur analoger Zeitzeugnisse, dass sie selbst noch lesbar sind, wenn sie zum Teil dem malmenden Bücherskorpion zum Opfer gefallen sind.

Natürlich könnte ich ohne den Kleinen Stowasser (Angsträume befallen mich bei der Vorstellung es gäbe auch einen großen Bruder dieses Werkes) Keine Zeile von Cäsars Gallischem Kriegsberichten entziffern (vermutlich auch nicht mit dem Kleinen Stowasser), aber solange mein Augenlicht noch halbwegs funktioniert, könnte man das Ding lesen!

Das Problem unseres papierlosen Zeitalters ist also nicht nur der mögliche Verlust der Quelle, sondern auch die häufige Notwendigkeit dafür ein noch geeignetes Abspielgerät zu haben. Jedes für sich ist ziemlich nutzlos. Ihre alten Urlaubsdias lassen sich zur Not noch gegen die Nachttischlampe begutachten, versuchen Sie das mal mit ihrer Foto-CD des letzten Jahrzehnts.
Als Ihr Medicus kürzlich daran erinnert wurde, dass er doch während der Gymnasialzeit (wollen wir nicht ins Detail gehen, aber das liegt mehr als vier Jahrzehnte zurück) mit einigen seiner Mitschüler ein Hörspiel geschrieben und produziert hat und man das doch jetzt unheimlich gerne hören wolle, wird unvermittelt in das beschriebene problem gestützt.

Das Opus wurde damals auf zwei tragbaren Kassettenrecordern aufgenommen und auf ein Compact Cassette C-60 der Firma Philips verewigt.
Übrigens war diese Cassette „Made in Austria“ (nur so in Parenthese ….).
Einer dieser Kassettenrekorder segnete schon im vorigen Jahrhundert das Zeitliche, der zweite fristet als tragbares Radio am Dachboden sein Leben, seit er seine Ernährung auf Tonband umgestellt hat und dieses bei jedem Abspielversuch unwiederbringlich in sein Räderwerk mampfte, fiel er als Abspielgerät aus. Auch das Profi-Tape-Deck, dass sich ihr Medicus später gönnte, verreckte vor Jahren unwiederbringlich, bzw. weigerte sich seine elektronische Steuerung das zu tun, was man in die Bedienungstasten hämmerte.
Aber das war dann auch kein großes Problem, denn so um 1985 erstand ich ein DENON DR M22, dass für einen Preis von rund 6300 OS  in der Stereoplay 6/1985 als  Spitzenklasse III bejubelt wurde und mit computergesteuerte, geräuschlose Servo-Motortechnik, Hinterbandkontrolle (!!!), automatischer Bandsortenwahl (Normal, Chrome, Metal) und Vormagnetisierungsregler (BIAS-Tuning) glänzte. Auf dem spielte ich, mit aber immer geringerer Frequenz, meine Kassettensammlung ab. Zuletzt meist um besondere Schätze zu digitalisieren, ich gebe es ja zu, ich habe das Deck in den letzten drei Jahren nicht mehr angerührt!

Nach einiger Wühlarbeit fand ich sogar die Kassette mit dem dereinst selbst produzierten Hörspiel wieder (glaube nicht, dass ich meine Steuerakten aus dem vorigen Jahrhundert so in Ehren gehalten habe) und legte sie in das Denon Deck.

Nix passierte, nix drehte sich nur so ein strenger Brandgeruch machte sich breit … Panik.

Ein Blick ins Netzt machte mich noch desperater. Kein namhafter Hersteller hat mehr ein „vernünftiges“ Abspielgerät für Kompaktkassetten im Angebot.
Während es nach dem Scheintot der Langspielplatte wieder genug high end Abspielgeräte und Neupressungen gibt, hat die CD die CompactCassette offenbar erfolgreich getötet.

Mein Hörspiel habe ich dann über einen noch zufällig aufgefundenen Walkman digitalisiert, was ich mit den „Reineisen MCs mit Dolby C Rauschunterdrückung machen soll, war mir aber unklar. Die No-Names, die ein einziger Elektrohändler im Sortiment führte, schienen mir qualitativ ein Abstieg, der Rest schien Schweigen.

Aber es ist eine Sonntagsgeschichte, der Himmel ist blau und ich möchte mich in die Sonne legen, so dass ich es kurz mache.

Ich schraubte mein DENON auseinander, tapste auf einige Schalter, sah, dass sich der Hauptmotor ohne Geruchsentwicklung in Bewegung setzte und putzte weiter und siehe da, plötzlich reagierte die Mechanik wieder auf die Sensortasten.

Ein für mich nicht unwesentliches Stück meiner „elektronischen Vergangenheit“ wurde wieder hörbar, die Frage ob das damals Produzierte gut, schlecht oder irgendwo dazwischen lag, kann anhand des Originals beurteilt werden.
Ein völlig irrelevanter Schritt für die Menschheit, ein bisschen Freude für mich.

PS: Checken Sie mal, ob sie sich nicht auch fälschlicherweise sicher sind, ihre elektrische (digitale) Vergangenheit noch im (Zu)Griff zu haben!

Written by medicus58

28. Mai 2017 at 14:22

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An das Publikum (Eine Collage)

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1931

O hochverehrtes Publikum,
sag mal: Bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: „Das Publikum will es so!“
Jeder Filmfritze sagt: „Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!“
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
„Gute Bücher gehn eben nicht!“
Sag mal, verehrtes Publikum:
Bist du wirklich so dumm?

So dumm, daß in Zeitungen, früh und spät,
immer weniger zu lesen steht?
Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;
aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;
aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn
könnten mit Abbestellung drohn?
Aus Bangigkeit, es käme am Ende
einer der zahllosen Reichsverbände
und protestierte und denunzierte
und demonstrierte und prozessierte…
Sag mal, verehrtes Publikum:
Bist du wirklich so dumm?

Ja dann…
Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmässigkeit.
Hast du so einen schwachen Magen?
Kannst du keine Wahrheit vertragen?
Bist also nur ein Griesbrei-Fresser-?
Ja, dann…
Ja, dann verdienst dus nicht besser

(Kurt Tucholsky)

14.6.2004 (!)

Molterer: „Anstand“ verpflichtet Gusenbauer zu Rücktritt

19.7.2008

Das Netzwerk des Werner Faymann: Wie Freunde ihn ins Kanzleramt bringen wollen

13.4.2011

Rücktritt von Josef Pröll Scheitern einer Zukunftshoffnung

5.6.2011

Spindeleggers Netzwerk besteht aus Cartellverband und sozialliberalen Christen

9.5.2016:
Faymann ist Geschichte – Der Fahrplan für die nächsten Wochen

13.5.2017

„Mitterlehner nach allen Regeln der Kunst abmontiert“

1977 Heroes

I, I will be king
And you, you will be queen
Though nothing, will drive them away
We can beat them, just for one day
We can be heroes, just for one day

We’re nothing, and nothing will help us
Maybe we’re lying, then you better not stay
But we could be safer, just for one day
Oh-oh-oh-ohh, oh-oh-oh-ohh, just for one day

(David Bowie)

Da glurrt einen doch der blanke Wahnwitz an

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Flowchart

Dass die Stadt Wien völlig überraschend Pleite ist, wissen Zeitungsleser seit langem, für die Stadtregierung und den Magistrat kam das aber offenbar etwas plötzlich. D
er Rechnungshof rechnet dem „Konzern Wien“ gerade vor, wie die Finanzschulden zwischen 2008 und 2012 von 1,46 Milliarden € auf 4,25 Milliarden angewachsen sind und kritisiert die Budget-Prognosen bis 2016 als unnachvollziehbar. Überdies bemängelt er das Fehlen tragfähigen Mittelfristplanung. Der Zeitraum zwischen 2012 und 2016 harrt noch einer Prüfung.
http://kurier.at/politik/inland/pruef-rohbericht-rechnungshof-zeigt-chaos-im-konzern-wien-auf/113.864.580

Wobei das alles nur die Spitze des Eisberges ist: Dazu kommen die ausgelagerten Schulden in den Firmen und Beteiligungen der Stadt. Die Verbindlichkeiten von Wiener Wohnen, Wien Kanal und dem Krankenanstaltenverbund gibt der RH mit 3,12 Milliarden Euro an – und geißelt die Intransparenz:
Vermögen und Schulden dieser Unternehmen „waren der Stadt Wien zuzurechnen, eine gesamthafte Darstellung fehlte im Rechnungsabschluss„.

Insgesamt leistet sich der „Konzern Wien 219 Teilbilanzen für drei Großunternehmungen (Wiener Wohnen, Wien Kanal, KAV) und 224 weitere Unternehmungen, was schwerlich als gänzlich ohne Absicht „passieren“ kann.
Der RH fand auch heraus, dass die Stadt Wien (ohne Gegenleistung) allein für dem Komplex Bank Austria zusätzlich noch (Stand 2012) mit 8,5 Milliarden Euro haftet.

Während das Land Kärnten aber wenigstens eine jährliche Provision für die Haftungen von der Hypo kassiert hat, verzichtet Wien überraschenderweise auf diese Einnahmequelle.

Egal, zu Jahresbeginn 2016 dämmerte es offenbar doch, dass was  passieren musste und man verkündete „die größte Verwaltungsreform der Geschichte“ und WiSta ward geboren: http://kurier.at/chronik/wien/wien-startet-groesste-verwaltungsreform-der-geschichte/194.075.741

Alle Prozesse sollen hinterfragt werden und alles soll für alle besser werden.

Auf der Ideenbörse des Magistrats tummeln sich so einschneidende Vorschläge, wie dass bei Sitzungen im Magistrat zukünftig Kaffee und Kekse eingespart werden sollen.

Auch die Abteilungsleiter des KAV erreichte vor Wochen eine Mail, die Presse berichtete, in der innerhalb einer Woche Vorschläge für eine 10%-ige Einsparung des gerade in den Zielvereinbarungen akzeptierten Budgets 2016 verlangt wurden.

Den vorläufigen Höhepunkt der hektischen Betriebsamkeit bot jedoch eine Mail, in der Anfang Juni ein neuer Prozess im KAV etabliert wurde:
Sollte eines der zum Teil schon sehr betagten Ultraschallgeräte ausfallen, wird ein einem mehrstufigen Verfahren geprüft, ob man das Ding überhaupt ersetzen muss. 

Kurz zusammengefasst soll das so gehen:

Fällt das Gerät aus, ist von den Ärzten ein mehrseitiges Formular auszufüllen,
in dem die Anzahl der täglichen Untersuchungen
(wäre eigentlich in einem modernen RIS auf Knopfdruck ablesbar, nur hat sowas der KAV halt nicht flächendeckend!),

die Regelbetriebszeit, Gerätebezeichnung, Schallkopfausstattung
(sollte das nicht aus der Inventarliste hervorgehen?,
haben Ärzte nichts anderes zu tun?,
wäre das laut aktuellem Master-Plan Aufgabe der Stationsassistentinen- schwestern, die für die täglichen Abläufe zuständig sind?
)

auszufüllen und eine mehrzeilige Fehlerbeschreibung anzugeben
(waren nicht einmal Ärzte für die PAtientenfehler und Techniker für die Gerätefehler zuständig?).

Danach geht der Prozess mit Unterschrift des Arztes UND Unterschrift des Abteilungsvorstand
(sonst haben die ja eh nix zu tun!)
an die Medizintechnik im Haus, die auch ein paar Blätter ausfüllen darf und sich vor dem weiteren Prcedere einmal bei der zentralen Medizintechnik zwecks Prüfung der Alternativen rückversichern muss.

Dann prüft die lokale Medizintechnik selbst weiter und suchen eine Alternative.
(dass, sollte wider Erwarten am Ende eine Beschaffung heraus kommen, inzwischen die angegebenen Untersuchungen nicht durchgeführt werden können und wer das den Patienten erklären soll, verschweigt das Flowchart)

Unklar bleibt, ob einbrauch ma net“ aus dem Munde der Medizintechnik eine valide Alternative ist, um den Prozess zu beenden. Wenn sich niemand traut, statt eines Ultraschalls zum Beispiel eine Diaphanoskopie zu empfehlen, dann muss die Kollegiale Führung,
wohlgemerkt alle, also neben dem Ärztlichen Direktor auch Pflegedirektion, Verwaltungsdirektor und Technischer Direktor den Reinvestantrag unterschreiben.

Dann wandert das Schriftstück in den Vorstandsbereich Health Care Management.
Der prüft und auch wenn dort keine Lösung zu finden war, wird das Schriftstück auch von dort unterschrieben, um es dann dem Generaldirektor Stellvertreter persönlich vorzulegen.

Natürlich hat auch der noch die Möglichkeit eine alternative Lösung zu finden und das ganze abzuwürgen. Gelingt ihm das nicht, dann unterschreibt er eine Beschaffung.
Ob die dann unter dem aktuellen Budgetrestriktionen erfolgt mag nicht nur ein Pessimist bezweifeln.

Wenn Sie bisher weitergelesen haben, dann haben Sie Kafkas Roman Der Prozess sicher schon dreimal gelesen. Ich habe es nur auf einmal gebracht.

Das scheint mir schon ein Glanzstück, wie das Zeitbudget des Personals effizient eingesetzt wird, um ein paar Ultraschallgeräte einzusparen.

Ähnliches gilt für Dutzende andere Projekte (Sound!), wo enorm viel Zeit von verschiedenen Personalgruppen damit verbracht wird Listen zu schreiben, nur weil der KAV kein vernünftiges Warenwirtschaftssystem zusammenbringt.

Ärzte schreiben im Nachtdienst Tätigkeitsprotokolle über ihre laufende Tätigkeit, um zu beweisen, dass sie mit der Routine voll ausgelastet sind (merken Sie die Perfidie dieses Catch 22?).

Wir verbringen Stunden, die uns von der Patientenbetreuung abgehen, um hochbezahlten, jedoch völlig uninformierten externen Beratern die Medizin zu erklären, nur damit sie uns letztendlich mitteilen, dass wir nicht managen können.

Das kann nicht die Realität sein, das ist ein Albtraum.

Kafka hätte heute seinen Roman wohl Das Prozess-Management  genannt.

„,Wie ein Hund!‘ sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben.“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/kafkas-saetze-51-scham-bedeutet-hoffnung-1667164.html

Written by medicus58

14. Juni 2016 at 21:48

Wir bleiben Kinder in den Körpern von Greisen

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Ich meine damit nicht die Progerie (https://de.wikipedia.org/wiki/Progerie), ich meine auch nicht, dass uns irgendwann das Kreuz weh tut, die Leber nicht mehr alles mitmacht und das ehedem pralle Tattoo schlapp an unserer Außenhaut hängt.

Ich meine, dass wir stets über die gleichen, ja über die selben, Fehler, Menschen und Situationen stolpern, uns immer wieder erneut einreden, dass wir aus unserer Lebenssituation ausbrechen können, wenn wir nur dies oder jenes endlich ändern würden.

Wir werden nicht weiser, wodurch auch?!

Wir lernen nicht, weil wir uns nicht ändern, wodurch auch?!

Das Davonlaufen fällt uns nur immer schwerer, weil uns die Gelenke schmerzen.

Wir bleiben Kinder in den Körpern von Greisen, keine Ahnung wer das schon früher gesgat hat, Google lässt aus.

 

Written by medicus58

17. Oktober 2015 at 22:32

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Und dann macht’s Klick: Gedanken über Ärzte und Blogger

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maus

Jetzt führe ich seit fast 5 Jahren einen Blog.
Wie bekannt nistete ich mich zuerst auf einem inzwischen eingestellten Server ein (Ende eines Blogs http://wp.me/p1kfuX-Sf) und wechselte zuerst zögerlich und dann konsequent auf wordpress.com.

In diesen Jahren erlebten meine Artikel etwa 200.000 „Klicks„.
An meinem besten Tag (2.3.2015) war dies sogar über 2.800 mal der Fall.

Da stellt sich schon die Frage, ob man denn als Arzt für seine Umgebung nicht mehr tun sollte, als sich um ein paar Mausklicks bemühen.

Dann stolperte ich über das Freeware-Tool MouseClickr
(http://www.softpedia.com/get/System/System-Info/Mouse-Clickr.shtml),
das ohne Installation auf jedem Rechner brav die Mausklicks mitzählt, die wir alle täglich ausführen müssen, um in unserer voll durchdigitalisierten Arbeitswelt, unseren Job zu machen.

Für einen angestellten Arzt bedeutet das neben der inzwischen für uns alle üblich gewordenen Durchsicht der Mailbox auch einen Blick auf die Mitteilungen der Generaldirektion, deren Weisungen in immer kürzeren Abständen zum Geltungsdatum eintrudeln.
Aber auch in der Patientenversorgung geht nichts mehr ohne den Griff zum digitalen Nagetier.

Einloggen in das KIS,
Abfragen der Befunde der stationären oder ambulanten Patienten,
Anmelden des Patienten im RIS für die verschiedenen Röntgenuntersuchungen,
im LIS für die gewünschten Laboruntersuchungen.
Überprüfung und elektronische Signatur des Arzt- oder Ambulanzbriefes,
Suchen eines Operationsberichtes im Medarchiv, weil der Patient behauptete in einem anderen Krankenhaus vor einem Jahr „am Krebs“ operiert worden zu sein,
die Befunde des Arztes in Ausbildung gehören noch korrigiert und vidiert,
und dann kommt der Krankenträger auch nur, wenn er mittels EDV angefordert wird….

Um also überhaupt ärztlich tätig werden zu können, sind unendlich viele Mausklicks erforderlich.

Natürlich nicht unendlich viele, mit MouseClickr ließ sich das sehr leicht messen.

Pro Tag kamen somit im Mittel 8000 Klicks auf der linken Maustaste und 1500 Klicks auf der rechten Maustaste zusammen.

Insgesamt als 9500 Klicks pro Arbeitstag!

Also pro Jahr mache ich beruflich als Arzt mehr Klicks als ich bei meinen Blog-Lesern in 5 Jahren auslösen konnte.
Was man daraus nun auch immer ableiten möchte, eines sei den angehenden Kollegen und Kolleginnen ins Stammbuch geschrieben:
Während früher der Tennisarm als typische Berufserkrankungen des Arztes gelten konnte, sind wir zukünftig mehr von Karpaltunnelsyndromen bedroht. < irony off>

Written by medicus58

26. Juli 2015 at 11:03

Kriminelle und Juristen verarschen uns die Welt

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Juwelier

Heute betrat ich ein Uhren- und Juwelenfachgeschäft, um die Batterie meiner Armbanduhr fachmännisch wechseln zu lassen, so wie ich es mit dem guten Stück schon viele Jahre zu tun pflege. Nein, am Service der Firma hatte ich nichts auszusetzen, vielmehr bewegten mich zwei an sich banale Beobachtungen dazu, zum Keyboard zu greifen:

Erstens begrüßte mich am Eingang wie schon in den vergangenen Jahren ein Securitas Mitarbeiter mit fließenden Russischkenntnissen und gefülltem Pistolenhalfter. Kein Wunder bei den häufigen Überfällen auf vergleichbare Geschäfte dieser Branche. Ein kleinerer Laden in der selben Strasse, den ich vor Monaten zu betreten versuchte um einen dort gekauften Ring ändern zu lassen, hatte überhaupt die Türe verschlossen und die einzige Mitarbeiterin des Ladens, drehte erst den Schlüssel um, als sie sich durch Gesichtskontrolle sicher glaubte, dass ich ihr keine überziehen wollte.

Zweitens musste ich bei Übergabe meiner Uhr extra unterschreiben, dass ich das Geschäft explizit authorisierte, meinen Prater(=umgangssprachlich in Wien für Armbanduhr) aufschrauben zu dürfen. Ich bekam zwar keine Bestätigung, in die Hand, dass ich das -ehemals nicht ganz billige – Stück aus der Hand gegeben habe, was mir nicht so wichtig war, weil ich dem Geschäft eben seit Jahren vertaue, aber irgendein Rechtsgelehrter verlangt offenbar von einem Uhrmacher diesen unsinnigen Nachweis.
Mir erschließt sich jedoch keine Möglichkeit eine Batterie zu tauschen, ohne das Gehäuse der Uhr zu öffnen. Für mich ergäbe sich diese Berechtigung implizit aus der Formulierung des Auftrages, viel deutlicher noch als die – ebenfalls von einem kranken Rechtsverständnis getriebenen Hinweise, sein Meerschwein nicht in der Mikrowelle trocknen zu dürfen oder den Haarfön nicht gegen die Badeente zu tauschen.

Und wie, können Sie, sollten Sie bisher weitergelesen haben, fragen, passen die beiden Beobachtungen zusammen und gerade in diese Kolumne dieses Blogs?

In beiden Fällen fühle ich mich von kranken Kräften in meinem Umfeld zu Handlungen gezwungen, die mir widersinnig, absurd, nachgeradezu entwürdigend vorkommen.

Als ich, z.B. in Ciudad del Este, Paraguay, sah, dass dort jede Bank und jedes Geschäft von Bewaffneten bewacht wird, war das in Wien noch undenkbar.

Als ich, z.B. bei der Einreise in die USA, mich noch wunderte, welche absurde Fragen vor der Einreiseerlaubnis beantwortet werden mussten, trieb bei uns die Bürokratie zwar auch schon wirre Blüten, jedoch ersparte man sich noch derartige Unsinnigkeiten, man möge gefälligst angeben, ob man in der geheimen Absicht einzureisen wünschte, den Präsidenten des Landes umzubringen. Logisch gehört das für mich in die Rubrik:
„Wer nicht da ist, der möge die Hand heben!“ 

In einem Fall zwingen uns Kriminelle im anderen Fall Juristen eine Umwelt auf, die mir zutiefst zuwider ist und deren innere Notwendigkeit sich erst durch das Auftreten der jeweiligen Gruppierungen ergeben hat.

Written by medicus58

17. Mai 2014 at 13:49

Before we have been so rudely interupted

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Passwort

 

Sollte es dem geneigten Leser erleichternd aufgefallen sein, dass meinGesudere zuletzt nur spärlich in die Blogosphere gelangte, so steht das in gewissen Zusammenhang mit unserem heutigen Thema; will heissen,
aus der Erklärung basteln wir uns einen Blogbeitrag.

Den heutigen Titel borgte ich übrigens von William Connor, einem Journalisten des Daily Mirror, der nach Ende des Zweiten Weltkriegs seine Kolumne wieder mit den Worten aufnahm:
„As I was saying before I was so rudely interrupted, … 
[Wie ich sagte bevor ich so grob unterbrochen wurde, … ]“.

Keine Angst, meine Schreibpause begründet sich nicht durch den Krimkrieg V 2.0, über den sich nun alle zu wundern scheinen, nachdem sie die Ukraine tatkräftig in diese Lage gezerrt bzw. geschoben haben.

Es lag auch nicht an einer persönlichen Niederlage im aktuellen Krieg zwischen kleinen Erbsubstanzpartikel, vulgo Viren, und meinem Immunsystem, obwohl die aktuelle Grippewelle durchaus was damit zu tun hat, weil sie sämtliche Mitarbeiter, die an der Schnittstelle zwischen Patient und EDV agieren sollten, dahingerafft hat.

Nebbich, möge der gelernte Wiener nun greisenhaft grumbeln.
Es macht schon Freude sich gazellengleich über das eherne Alliterationsverbot  (im eigentlichen Sinn das Tautogramm-Verbot) der schreibenden Zunft hinwegzusetzen …
Krankenstände gab es doch schon immer und jemand anderer musste einspringen …

„Eh“, stimmt das EDV-gebrannte Kind, nur war das, wie so viel, halt früher einfacher …

Kommt nun ein Springer – i.d.R. eine Springerin, auf das vakante Feld(Anmeldeschalter für die Nicht-Initiierten), auf dem der Patient den EDV Systemen eines Krankenhauses nähergebracht werden soll, also seinee-card gesteckt und mit allerhand Zusatzinformationen, wie Überweiser, gewünschte Untersuchung, Kontaktperson inkl. Handynummer, … etc. „eingegeben“ werden soll, stellt sich heraus, dass das schlicht und einfach nicht geht …

Keine Frage, eine Berechtigung für das lokale EDV System lässt sich ja noch schnell irgendwo her besorgen, aber dann happert es an
den Berechtigungen für die entsprechenden Kostenstellen oder
an der Berechtigung für den elektronischen Anmeldekalender oder
an der Berechtigung für irgend eine andere Ecke von SAP, KIS, Impuls, RIS, LIS, PACS oder NIS …

Die Schlange wird größer, der Unmut verhält sich dazu exponentiell, bis man sich zum Äußersten entschliesst, zum Albtaum aller Krankenhaus-Informatiker:

Der Springer meldet sich mit fremdem User und Passwort an

und alle hoffen, dass die Grippewelle wieder vorbeigeht!

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