Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘altenpflege

Aufwertung der Pflege my ass

with 3 comments


Noch dröhnt es in den Ohren, denn der 4.12. 2018 ist ja noch gar nicht so lange her:
ÖVP und FPÖ wollen „menschenwürdige und hochwertige Pflege“ in Österreich sicherstellen. Das steht im Vortrag an den Ministerrat, den Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) am Mittwochvormittag abgeben wird. Ein Masterplan-Pflege kommt Ende 2019.

Die jetzigen Warnstreiks in 75 Betrieben waren in diesem Masterplan wohl nicht vorgesehen.

Die Verhandlungen betreffen rund 100.000 Beschäftigte im privaten Sozial- und Gesundheitsbereich: Pflegekräfte, Mitarbeiter in der Behindertenhilfe, der Senioren- und Jugendhilfe, die in Organisationen wie der SPÖ-nahen Volkshilfe, dem ÖVP-nahen Hilfswerk oder der Lebenshilfe; größter Arbeitgeber ist die Senecura Gruppe mit 81 Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in Österreich oder in Wien das „Kuratorium Wiener Pensionistenwohnhäuser“. Nicht in die Sozialwirtschaft eingebunden sind die Caritas, die Diakonie und das Rote Kreuz, die eigene Kollektivvertragsverhandlungen führen.

Wie es der Pflege in solchen mehr oder weniger private Einrichtungen geht, hat kürzlich an Hand der Geburtshilfe eine deutsche Ärztin dargelegt.

Aber vielleicht habe ich mich geirrt und das alles hat unsere weise A-Sozialministerin schon längst alles eingeplant in ihrer neoliberalen Voraussicht, das alles am besten selbst lösen sollen: Schon jetzt wird der Großteil der pflegebedürftigen Menschen – rund 80 Prozent – zu Hause betreut.

Ist ja vielleicht eh ganz gerecht, solange uns niemand in die Vermehrung dreinredet, dass wir dann für die sorgen müssen, die in Ermangelung heute vorhanderner Ablenkungsstrategien halt Kinder in die Welt gesetzt haben. Was ich halt so schwer auf die Reihe kriege, weshalb wird dann in einem Land leben, das eine der höchsten Abgabenquoten der Welt hat ..

Und noch was gehört hinzugefügt, streiken tun da jetzt mal die, die nicht direkt im stadt- und staatsnahen Bereich arbeitenden und auch nicht die bei den zum Teil mit Gottes Lohn entlohnenden Arbeitgebern, sondern die dazwischen. Gehen wir aber nicht davon aus, dass es den andren sooo viel besser geht…

Werbeanzeigen

Written by medicus58

9. Februar 2019 at 23:04

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

Tagged with ,

Der Arbeitsstrich der 24h Pflege

leave a comment »



Im Sommer 2006 brach erstmals die politische Debatte über illegale Altenbetreuung hoch, als im  Vorfeld der Nationalratswahlen bekannt wurde, dass auch in der Familie von
Wolfgang Schüssel, der vorher einen „Pflegenotstand“ abgestritten hat, eine Slowakin illegal beschäftigt wurde. http://www.news.at/articles/0633/30/148663/pflegeskandal-schuessel-oevp-kanzler-pflegerin

In einigen juristischen Schnellschüssen wurden ein Hausbetreuungsgesetz geschaffen und Gesundheits- und Krankenpflegegesetze, Ärztegesetz, Gewerbeordnung und Bundespflegegeldgesetz einer Novellierung unterzogen. Es musste auch ein Spagat dafür gefunden werden, dass die „Kompetenz und der Kollektivvertrag der diplomierten Pflegeberufe“ unangetastet blieben es aber trotzdem legal möglich war, dass die Altenbetreuerinnen neben ihrer Tätigkeit als Putzfrau, Köchin und Gouvernante auch noch „pflegerische Tätigkeiten“ übernehmen können.

Im Rahmen der legalen 24-Stunden-Betreuung dürfen Haushalts- und Betreuungstätigkeiten sowie einfache pflegerische Tätigkeiten durchgeführt werden, spezielle pflegerische Tätigkeiten verlangen die Miteinbeziehung einer diplomierten Pflegekraft. Dem wird u.a. dadurch entsprochen, dass viele der Vermittlungsagenturen von österr. Diplomkrankenschwestern geführt werden.
Nachdem die Aufregung wieder abgeebbt ist, kommt das Thema in den österreichischen Medien kaum mehr vor. Vermutlich nicht so sehr, weil die gefundenen Lösungen so gut funktionieren , sondern weil man im Herrn Karl’schen Sinn „lieber nicht mehr davon spricht“.

 Man schätzt, dass dzt. 16.000 -18-000 slowakische Altenbetreuerinnen in Östereich in der Altenpflege tätig sind.

(http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/728667/16000-Slowakinnen-als-Altenpfleger-in-Oesterreich , http://www.compresspr.at/node/207538)

Schätzungen über die Gesamtzahl der in Österreich legal und illegal arbeitenden Altenbetreuerinnen schwanken  zwischen 20.000 und 60.000.

Die Kostenfür die Vermittlungsagenturen schwanken beträchtlich; alle verlangen eine erstmalige Vermittlungsgebühr, monatliche und jährliche Gebühren, Qualitätssicherungsbeiträge, … etc. Die meisten privaten Agenturen, treten in Form von Vereinen auf, werben mittels Internetauftritt,   Annoncen und Werbeschaltungen in Bezirkszeitungen. Ein weiterer Vertriebsweg läuft über das „Entlassungsmanagement“ der Krankenanstalten, das explizit einzelne Vereine empfiehlt.Auch unter den großen Anbietern herrscht eine große Fluktuation, eine exakte Zahl der in Österreich tätigen Vermittlungsagenturen ließ sich auch über die Wirtschaftskammer selbst nicht eruieren.
Das Hausbetreuungsgesetz sieht die Wahlmöglichkeit vor, die Personenbetreuung selbständig oder unselbständig auszuüben. In der Praxis hat sich allerdings nur das Selbständigenmodell durchgesetzt. Die selbständigen Betreuungskräfte können die Vorteile einer freiberuflichen Tätigkeit nicht beurteilen, da sie keine Wahlmöglichkeit bezüglich des Beschäftigungsverhältnisses haben. Die Vermittlungsagenturen bestimmen über die Art der Beschäftigung und legen auch die Tageshonorare für die PersonenbetreuerInnen fest. Die Vorteile der Selbständigkeit, wie etwa die freie Aushandlung des Gehalts, der Arbeitszeiten und die Flexibilität in der Arbeitsgestaltung, können im Rahmen der Personenbetreuung nicht genutzt werden. Die staatlichen Regelungen haben die Bevorzugung des Selbständigenmodells forciert, da für die Personenbetreuung wichtige arbeitsrechtliche Grundlagen mit dem Gewerbe nicht berücksichtigt werden müssen und die kollektivvertraglichen Gehaltsregelungen nicht gelten. Angesichts eines Tageshonorars in Höhe von ca. ! 60 hat die Betreuungtätigkeit einen prekären Charakter. Auch wenn die BetreuerInnen

Unterkunft und Verpflegung während ihrer Einsatzdauer zur Verfügung gestellt bekommen, ist ein Tageslohn von ! 60 für eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit eine unterbezahlte Tätigkeit. Dennoch stellt es für osteuropäische Personen einen großen finanziellen Unterschied dar, wenn das Einkommen im Heimatland als Vergleich herangezogen wird. http://www.care-ring.or.at/wp-content/uploads/2010/12/Diplomarbeit_GudrunBauer.pdf

Da legal angestellte Betreuerinnen als Selbstständige „Ich-AGs“ agieren und somit direkt mit dem Auftraggeber (zu pflegende Person, Angehörige) ein Vertragsverhältnis eingehen können, bleibt die Notwendigkeit der Vermittlungsagenturen oft zu hinterfragen. Aus eigenen Recherche zeigte sich, dass die Bewerberselektion mancher Agenturen eher oberflächlich, um nicht zu sagen unprofessionell erfolgt. Die Verträge mit den Vermittelten sind äußerst heterogen, viele müssen von ihrem Einkommen auch noch einen Teil an den österreichischen Vermittler abliefern, obwohl dieser kaum irgendeine Gegenleistung bietet:
Die Vermittlungsgebühr kostet rund 1.200 Euro pro Jahr. Es hat sich schon unter den 24-Stunden-BetreuerInnen herumgesprochen, dass einem die Agentur im Notfall nicht weiterhilft. Die Agenturen wissen, wenn eine Frau aufhört, warten schon zehn andere. http://www.vida.at/servlet/ContentServer?pagename=S03/Page/Index&n=S03_17.2.1.a&cid=1278067528159

Neben den österreichischen Vermittlungsagenturen, existieren meist auch im Herkunftsland der Bewerberinnen lokale Vermittlungsagenturen, die ebenfalls für ihre Dienste Entlohnung fordern. Daneben hat sich auch ein florierendes Transportwesen (Sammelbusse, Taxis) für die anreisenden Betreuerinnen in ihren Heimatländern entwickelt.
Im Rahmen einer Erhebung zu Kosten und Leistungen hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) 77 Anbieter von 24-Stunden-Betreuung mit Firmensitz beziehungsweise Adresse in Österreich kontaktiert – 45 davon gaben nähere Auskünfte.
Die Kosten für einen Betreuer bewegen sich bei den befragten Institutionen – je nach Anforderung und Leistungsspektrum – zwischen 40 und 115 Euro pro Tag zuzügl. An- und Abreisevergütung.
http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument%2FArtikel%2FDetail&cid=318879833113

Über die Kosten und Leistungen der Vermittlungsagenturen ergab sich ein sehr heterogenes Bild.
Eigene Erfahrungen zeigen einen zunehmenden Wildwuchs in diesem Bereich. Immer mehr Agenturen verlangen auch nach der Vermittlung einen Tagsatz von den Betreuerinnen, bestehen auf die Inanspruchnahme des eigenen (!) Transportunternehmens, verrechnen für einen 10-minütigen „Kontrollbesuch einer Diplomkrankenschwester unter dem Titel „Qualitätssicherung“  70 € vom Betreuten und verpflichten die Betreuerinnen -ohne rechtliche Grundlage- zu regelmäßigen, kostenpflichtigen „Fortbildungskursen“, ….   Es wäre Zeit sich mit diesem Geschäft wieder etwas näher auseinanderzusetzen!

Nicht, dass uns gefallen wird, was wir da sehen:
Wir benützen die ökonomische Zwangslage osteuropäischer Frauen, um unseren Pflegenotstand zu lösen, so wie wir unsere Konsumgüter kostengünstig in chinesischen Sweatshops erzeugen lassen, werden das Problem aber damit nicht dauerhaft lösen.

Nicht, dass es eine Patentlösung für das Problem geben wird:

Die Löhne in der Slowakei steigen, so dass immer mehr Frauen aus Bulgarien und der Ukraine rekrutiert werden müssen. Die Anreisekosten steigen und verringern den Nettoverdienst.

Aber wir sollten uns langsam fragen, ob wir tatenlos zuschauen wollen, dass auch zahllose in- und ausländische Agenturen an den Pflegehelferinnen aus dem Osten (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33704) mitverdienen, wenn schon nicht aus Solidarität, so doch aus unserem eigenen Interesse.

Links:

https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/resources/documents/Deutsch_24_Stunden.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/24-Stunden-Betreuung_(%C3%96sterreich)
http://portal.wko.at/wk/format_detail.wk?AngID=1&StID=377055&DstID=338

Written by medicus58

28. Mai 2012 at 17:27

Whistleblowing im Gesundheitswesen erlaubt, aber: Altenpflege

with one comment



Man darf als abhängig Beschäftigter Mißstände im Unternehmen seines Arbeitgebers öffentlich machen, sagen die Gerichte.

Nun bekommt eine Pflegerin, die Mißstände in einem „outgesourcten“ Berliner Altenpflegeheim öffentlich gemacht hat,
nach sieben (1) Jahren eine Abfindung.
2004 stellte Brigitte Heinisch einen Strafantrag gegen den Konzern.
Einen Monat später wurde sie gekündigt.
Erst im Juli 2011 gewinnt sie vor dem Europ. Gerichtshof für Menschenrechte und erreichte dadurch eine Wiederaufnahme des Kündigungsschutzverfahrens,
das nun mit einer Abfindung von 90.000 €, einem wohlwollenden Zeugnis und der Umwandlung der verhaltensbedingten in eine betriebsbedingte Kündigung endete.
http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article106375042/Vivantes-zahlt-90-000-Euro-an-Altenpflegerin.html
http://www.jungewelt.de/2012/05-26/036.php

Die Richter bezweifelten zwar nicht prinzipiell die geäußerten Vorwürfe (z.B. Heimbewohner lagen bis zum Mittag in Urin und Kot, andere wurden ohne richterlichen Beschluss in ihren Betten fixiert) monierte aber
den in der Strafanzeige formulierten Vorwurf, Mitarbeiter seien angehalten worden, Pflegeleistungen zu dokumentieren, die nicht erbracht wurden. Dies sei »nicht ausreichend substantiiert« gewesen, bemängelte Richter Guth in der Verhandlung.

Da fällt einem Zyniker doch sogleich der „fehlende schriftliche Nachweis eines Schießbefehls an der Berliner Mauer“ ein oder der fehlende „Führerbefehl zur Endlösung“ ein.

Interessant wäre es herauszufinden, wieviel Frau Heinisch der Rechtsbeistand in all den Verfahren gekostet hat, aber auch der EGMR hat ihr 15.000 € zugesprochen, so dass sie es sich leisten konnte im jetzigen Vergleich etwas „nachzulassen“.
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/erfolg-fuer-brigitte-heinisch-altenpflegerin-erhaelt-90-000euro-/6672302.html

Links zum Fall:
Altenpflege: Brigitte Heinisch in Berlin schlägt Alarm: http://www.anstageslicht.de/index.php?UP_ID=14&NAVZU_ID=57&STORY_ID=53
Interview 2011: http://www.youtube.com/watch?v=_C_TVNj5UhY
RBB-Bericht über Brigitte Heinisch 2011:  http://www.youtube.com/watch?v=V769gd7vdN0
3sat 2011 Altenpflegerin deckt Missstände im Altenheim auf: http://www.youtube.com/watch?v=ZYo6U3Vwk1M&

Buch: Satt und sauber:  http://www.amazon.de/Satt-sauber-Altenpflegerin-k%C3%A4mpft-Pflegenotstand/dp/3499623382
Ein Plädoyer für eine menschenwürdige Pflege Vor rund zehn Jahren hatte es harmlos angefangen. Brigtitte Heinisch wollte als Altenpflegerin einfach ihre Arbeit machen, so, wie sie es gelernt hatte, wie sie es für richtig und verantwortbar hielt. Doch die Realität sah anders aus: Bewohner lagen bis zum Mittag in Urin und Kot. Andere bekamen wegen des eklatanten Personalmangels nicht genügend zu essen und zu trinken. Brigitte Heinisch schlug intern Alarm – keine Reaktion. Und selbst als die Kontrolleure des Medizinischen Diensts kamen, änderte sich an den Zuständen im Heim kaum etwas. Also entschloss sich Brigitte Heinisch zu handeln … Brigitte Heinisch erzählt hier von ihrem Kampf gegen den Pflegenotstand und zeigt eindrücklich, auf welche Katastrophe wir zusteuern, wenn wir glauben, Pflegeheime könnten «Profitcenter» sein und alte Menschen per Fließbandpflege abgefertigt werden.

Andere Berichte über die Altenpflege:
BR: Ein „Pfleger“ berichtet darüber, wie in einem „Wohnheim für psychisch Kranke“ Insassen von den Wärtern körperlich mißhandelt wurden:
http://youtu.be/qs3HdlnRokc
Jaqueline (33) ist Altenpflegerin und hat 12 Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Sie informiert über die Missstände in Altenheimen:
http://youtu.be/KFQdXha9hnE 
MDR Missstände in Thüringer Altenheim MDR Umschau 22.11.2011:
http://youtu.be/9IE1U1q8zJI
Bewohner wurden geschlagen und ohne rechtliche Handhabe unnötig fixiert, kritische Mitarbeiter wurden entlassen.

Dass die Pflege alter verwirrter Menschen eine extreme psychische Herausforderung für alle Beteiligten darstellt wird kaum jemand bezweifeln, der sich jemals in dieser Situationbefunden hat, als Angehöriger, als PflegerIn oder als Arzt.
Die ökonomischen Probleme im Gesundheitswesen erschweren die Arbeit im gesamten Gesundheitswesen, insbesondere in der Altenpflege.
Outsourcing und Privatisierungen des Bereiches verstärken den ohnehin schon enormen Stress für alle Beteiligten.

Es wäre eine Illusion zu glauben, dass es sich hier um Einzelfälle handelt!
Vielmehr ist zu bedenken, dass es den Mitarbeiter im öffentlichen Dienstverhältnis schon
DIENSTRECHTLICH VERBOTEN IST, MIT KRITIK AN DIE ÖFFENTLICHKEIT ZU GEHEN!

Siehe auch zur Ökonomie der Privatisierten Medizin:
Pflegehelferinnen aus dem Osten http://wp.me/p1kfuX-4J
Die Wagner-Kur: Gesunde Geschäfte – Österreich – Report (ORF) – 17.5.2011 http://youtu.be/13gHJx863Tw
Wenn die Pflege zum Pflegefall wird: http://youtu.be/cNV_vrBtW1E

Written by medicus58

27. Mai 2012 at 16:33

%d Bloggern gefällt das: