Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Aufwertung der Pflege my ass

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Noch dröhnt es in den Ohren, denn der 4.12. 2018 ist ja noch gar nicht so lange her:
ÖVP und FPÖ wollen „menschenwürdige und hochwertige Pflege“ in Österreich sicherstellen. Das steht im Vortrag an den Ministerrat, den Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) am Mittwochvormittag abgeben wird. Ein Masterplan-Pflege kommt Ende 2019.

Die jetzigen Warnstreiks in 75 Betrieben waren in diesem Masterplan wohl nicht vorgesehen.

Die Verhandlungen betreffen rund 100.000 Beschäftigte im privaten Sozial- und Gesundheitsbereich: Pflegekräfte, Mitarbeiter in der Behindertenhilfe, der Senioren- und Jugendhilfe, die in Organisationen wie der SPÖ-nahen Volkshilfe, dem ÖVP-nahen Hilfswerk oder der Lebenshilfe; größter Arbeitgeber ist die Senecura Gruppe mit 81 Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in Österreich oder in Wien das „Kuratorium Wiener Pensionistenwohnhäuser“. Nicht in die Sozialwirtschaft eingebunden sind die Caritas, die Diakonie und das Rote Kreuz, die eigene Kollektivvertragsverhandlungen führen.

Wie es der Pflege in solchen mehr oder weniger private Einrichtungen geht, hat kürzlich an Hand der Geburtshilfe eine deutsche Ärztin dargelegt.

Aber vielleicht habe ich mich geirrt und das alles hat unsere weise A-Sozialministerin schon längst alles eingeplant in ihrer neoliberalen Voraussicht, das alles am besten selbst lösen sollen: Schon jetzt wird der Großteil der pflegebedürftigen Menschen – rund 80 Prozent – zu Hause betreut.

Ist ja vielleicht eh ganz gerecht, solange uns niemand in die Vermehrung dreinredet, dass wir dann für die sorgen müssen, die in Ermangelung heute vorhanderner Ablenkungsstrategien halt Kinder in die Welt gesetzt haben. Was ich halt so schwer auf die Reihe kriege, weshalb wird dann in einem Land leben, das eine der höchsten Abgabenquoten der Welt hat ..

Und noch was gehört hinzugefügt, streiken tun da jetzt mal die, die nicht direkt im stadt- und staatsnahen Bereich arbeitenden und auch nicht die bei den zum Teil mit Gottes Lohn entlohnenden Arbeitgebern, sondern die dazwischen. Gehen wir aber nicht davon aus, dass es den andren sooo viel besser geht…

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Written by medicus58

9. Februar 2019 at 23:04

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Ärzteausbildung: Selbst der Billa beruft sich auf den Meisterbäcker

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Pfeiferl

Seit Tagen läuft ein Werbespot in dem einer etwas blässlichen, namenlosen Semmel der Eintritt in die BILLA-Filiale verwehrt wird, weil man sich ihrer Qualität nicht sicher sein kann, da sie schließlich nicht von einem Meisterbäcker stammt.
Beim Essen scheint also selbst im Supermarkt allen klar, dass nix Genießbares rauskommen kann, wenn ein Semmerl von Ökonomen, Politikern und Versicherer geknetet wurde. Bei der Ärzteausbildung sind wir hier weniger wählerisch.

Das, was nun der Kammertag der Österreichischen Ärztekammer verabschiedet hat (http://derstandard.at/2000017723893/Aerztekammer-stimmt-Aerzteausbildung-zu), ist nur zum geringsten Teil das Produkt der Meister, also der Fachärzte der jeweiligen Sonderfächer, sondern das, was die sogenannte Artikel 44 Kommission im Bundesministerium wollte und die Kammerfunktionäre nicht verhindern wollten (oder konnten).

Die Basisausbildung für alle sichert einmal, dass bis nächstes Jahr konservative und chirurgische Fächer genügend „Weißmäntel“ bekommen. Die Lehrziele strotzen vor Gemeinplätzen,so dass damit jede Abteilung auch des kleinsten Landspitals den Anschein von anwesenden Ärzten erwecken kann. Was sie dabei lernen sollen, was sie nicht ohnehin schon im KPJ gesehen haben, bleibt eines der Mirakel dieses Meilensteins.

Die danach unbedingte Entscheidung für Allgemeinmedizin oder für ein bestimmtes Fach, kanalisiert zwangsweise mehr Ärzte in die Allgemeinmedizin, weil es sich um einen ziemlichen Glückstreffer handeln muss, dass gerade die Ausbildungsstelle in meinem Wunschfach vakant ist, wenn ich die 9 Monate Basisausbildung hinter mir habe. Der früher mögliche Übertritt während der Ausbildung zum Allgemeinmediziner in ein bestimmtes Fach, soll nun explizit nicht mehr möglich sein. Da waren schon alle inkl. der Spitalserhalter dahinter, weil sie einem fertigen Praktischen Arzt in der Facharztausbildung einfach mehr zahlen müssen als einem frischer Studienabgänger! Aber auch der Hauptverband wünscht sich weniger Fachärzte, schließlich kommt ihm – trotz lächerlicher Refundierungen in beiden Fällen – der Besuch beim Allgemeinmediziner auch billiger als beim Facharzt.

Das Streichen der Gegenrotationen ist ebenfalls ein Kniefall unserer Kämmerer vor den Spitalserhaltern. Was kann ein Neurochirurg denn schon auf einer Neurologie, ein Internist auf einer Chirurgie, ein Dermatologe auf einer Diabetesambulanz, ein Radioonkologe auf einer Onkologie, … etc. lernen, das macht alles nur Probleme für die Personalabteilungen.

In dieser Artikel 44 Kommission des BuMin, die den Prozess maßgeblich beeinflusste, setzten
die Gesundheitspolitiker der Länder und die Spitalserhalter durch,
dass sie auch für ihr kleinstes Renommierspital noch JungärztInnen finden, die den Schein einer ärztlichen Versorgung aufrechterhalten, auch wenn sie halt nur einen sehr eingeschränkten Einblick in das jeweilige Sonderfach bekommen (man nennt das Modularisierung).
Es durfte der Hauptverband sicher stellen,
dass sehr bald viele Allgemeinmediziner am Markt erscheinen und sich für ihre Primärversorgungszentren melden und die Anzahl der Fachärzte sinkt, bzw. sich diesen die Patienten privat zahlen.
Die Allgemeinmediziner durften sich freuen, dass sie in ihren Lehrpraxen bald günstige Helferlein haben werden,
die sie nun in all den Qualifikationen schulen werden, die sie selbst während ihres Turnus nicht gelernt haben und bisher in die Ambulanzen schickten (warum die Ärztekammer zu allem anderen Ja und Amen gesagt hat, ohne dass sie die verlangten 12 Monate Unterstützung für die Lehrpraxis bekommen haben, bleibt ein Rätsel).

Die Bundesfachgruppen, also die frei gewählten und gesetzlich verankerten Vertreter der einzelnen Sonderfächer, die bisher sagen durften, was ihrer Meinung nach eine zukünftige Kollegin oder ein zukünftiger Kollege LERNEN UND KÖNNEN muss, wurden seitens der Ärztekammer praktisch übergangen. An ihre Stelle übertrugen die Kämmerer den sogenannten „akkreditierten wissenschaftlichen Gesellschaften“ die Aufgabe das Ziel der Ärzteausbildung zu definieren. Dabei handelt es sich um Vereine, deren Interesse weniger in der täglichen Praxis ihrer Fächer als in der Forschung liegt. Deshalb existiert jetzt auch ein – wenig definiertes – wissenschaftliches Modul, in dem der zukünftige Facharzt für seine Praxis (!) ausgebildet werden soll …..

Gerade ein Monat gab es eine Einsichtsmöglichkeit in die neuen Rasterzeugnisse und für die Diskussion ein völlig untaugliches Online-Forum, dann strichen Bundesministerium, Gesundheitspolitiker, Hauptverband, Ökonomen und ein paar politisch vernetzte Ärztekämmerer nach Belieben durch, was ihnen nicht passte.

Weshalb dieser (angebliche) Meilenstein nun vom Kammertag beschlossen wurde, ist schwer verständlich und für mich nur dadurch erklärbar, dass auch hier andere, als wirklich fachliche Gründe die Oberhand behielten.
Die nächsten Monate werden zeigen, welchen Mühlstein man zukünftigen Arztgenerationen umgehängt hat.
Vielleicht stellen sich dann auch noch andere die Frage, weshalb der politische Einfluss auf die Qualität der Ärzteausbildung direkt proportional zum ökonomischen Interesse und indirekt proportional zur fachlichen Qualifikation ist.

Aber vielleicht kommt erst der Aufschrei, wenn auch die Krankenpflege bemerkt, dass hinter der politisch seit Jahren betriebenen Akademisierung der Pflege keine Aufwertung, sondern ein politisch gewolltes Downsizing  steckt.

Eine akademische Führungskraft hat dann mit einer Reihe von Hilfskräften die Leistung billiger zu erbringen, als jetzt eine Gruppe nicht-akademischer, aber höher qualifizierter Pflegekräfte.
Die heute geäußerten Gedanken des NÖ Gesundheits- und Finanzlandesrats Sobotka über die Qualifikation, die die Pflege im Operationssaal benötigt, ist da ein klares Vorzeichen. Seiner Meinung nach gibt es auch im OP genügend einfache Aufgaben, für die dann weniger qualifiziertes Personal ausreichen würden als jetzt. Sobotka ist übriges studierter Musikpädagoge!

 

Links:

Was sich der Stöger hier wieder erlaubt hat … http://wp.me/p1kfuX-GM

Wirkungsorientierte Folgenabschätzung der Ärzteausbildung: Geiz war geil http://wp.me/p1kfuX-Wj

Wickel oder Neustart der Ärzteausbildung: Komm auf die Schaukel, KollegIn http://wp.me/p1kfuX-Sc

Entwertung der Ausbildung durch das Geschäft mit der Fortbildung http://wp.me/p1kfuX-Mx

Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a http://wp.me/p1kfuX-IC

KPJ und so weiter: Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ

Die wahre Reform der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-Ex

Zur Ökonomisierung des Gesundheitswesens

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Hörenswertes Ö1 Kolleg von Margarethe Engelhardt-Kranjek über die Hintergründe der aktuellen Ärzte- und Pflegeproteste, die weit über die reine Gehaltsdebatte hinausgeht, auch wenn der Titel Fit trotz Profit vielleicht anderes erwarten ließ:
http://oe1.orf.at/programm/404659

Für alle Interessierten wärmstens zu empfehlen und ein Beweis, dass es doch gar nicht so schwierig ist das Problem zu überblicken!
Wenn das eine promovierte Kulturwissenschaftlerin (http://oe1.orf.at/team/margaretheengelhardtkrajanek) schafft, weshalb kriegen das unsere Gewerkschafts- und Kammervertreter nicht hin?

Direktlink http://goo.gl/2bzNwR

Written by medicus58

18. Mai 2015 at 07:24

Das Image der Ärzte: Was haben wir falsch gemacht?

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Ihr Arzt der Arsch

„Ärzte: Unser Image ist im Arsch, soviel scheint sicher“  tippte ich hier vor über zwei Jahren (http://wp.me/p1kfuX-yq).

Seither hat sich wenig geändert. Als die angestellten Ärzte in den letzten Monaten gegen Arbeitsverdichtungen und Einkommensverluste protestierten, nachdem sich auch die österreichische Politik in letzter Minute dazu entschlossen hat die EU Arbeitszeitregelungen nachzuvollziehen, ohne jedoch entsprechende Begleitmaßnahmen einzuleiten, brandete ihnen der blanke Hass der Gesundheitspolitik entgegen:

Landeshauptmann Pühringer (OÖ) „Ich werde euch in die Pfanne hauen, dass das Fett nur so spritzt.“ http://www.nachrichten.at/nachrichten/fotogalerien/cme172068,1201642

Gesundheitsstadrätin Wehsely (W): „Da wird das allgemeine gesundheitspolitische Waterloo ausgerufen. Da werden verschiedene Kammerinteressen bedient, aber gleichzeitig auch die Patienten verunsichert“ Nachsatz: „Hauptsache, es gibt Aufruhr.“ Weiters kritisiert sie, dass die Standesvertretung immer wieder versuche, Reformen zu verhindern. Die Ärztekammer sei ein „instabiler Partner“

Eine Phalanx aus Ex-Gewerkschaftsgrößen wie Hundstorfer und Oberhauser, ExHauptverbandschef Schelling, die Krankenkassengrößen  McDonald und Reischl und die Gesundheitspolitiker Pühringer (OÖ), Wehsely (W) und Rezar (B) versucht den Ärztekammerpräsidenten Wechselberger unter Druck zu setzen:

Die gegenwärtigen Aussagen von einigen Vertreterinnen und Vertretern der Ärzteschaft rund um die aktuellen Auseinandersetzungen zu Arbeitsbedingungen von Spitalsärztinnen und Spitalsärzten, zu drohenden Leistungseinschränkungen und Versorgungsengpässen tragen dazu bei, den Menschen das Gefühl zu geben, dass dieses sehr gute Gesundheitssystem in Gefahr sei. …
Als Verantwortungsträger in der östereichischen Gesundheitspoltiik weisen wir Verhaltensweisen, die geeignet sind, das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in das Gesundheitssystem zu schwächen und den eingeschlagenen Reformkurs entschieden zurück!
http://diepresse.com/files/Brief_Wechselberger.pdf

 

Anders klingt es, wenn unmittelbar danach die Pflegevertreter, deren Arbeitszeiten sich übrigens nicht geändert haben, eine Lohnerhöhung verlangen, weil sie nun diejenigen Tätigkeiten übernehmen müssen, die international stets von der Pflege erledigt wurden und nur in Österreich aber bisher an Turnusärzte ausgelagert wurden:

Tiroler Pflegern platzt der Kragen http://www.tt.com/politik/landespolitik/9854766-91/tiroler-pflegern-platzt-der-kragen.csp

Prompt bringt Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (T) der ausgezeichneten Arbeitsleistung des Pflege- und Gesundheitspersonals an den Tiroler Spitälern eine hohe Wertschätzung entgegen. „Die Forderung der Pflegerinnen und Pfleger sowie des Gesundheitspersonals der Landes- und Bezirkskrankenhäuser nach einer besseren Entlohnung nehme ich sehr ernst„. https://www.tirol.gv.at/meldungen/meldung/artikel/ohne-pflege-und-gesundheitspersonal-keine-medizin/

AKh-Betriebsratschef fordert 20 Prozent plus für Pflegepersonal http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/landespolitik/AKh-Betriebsratschef-fordert-20-Prozent-plus-fuer-Pflegepersonal;art383,1623133
und in Oberösterreich starten die Verhandlungen mit den Pflegekräften über höhere Gehälter. Es geht um knapp 24.000 Beschäftigte und ein Gehaltsvolumen in der Größenordnung von 900 Millionen Euro. Ein gänzlich neues Gehaltsschema soll für das Pflegepersonal in Kärnten ausgearbeitet werden. Die Eckpfeiler sollen bis Herbst stehen. In Kärnten hat das allerdings weniger mit Arbeitszeitproblemen zu tun als vielmehr mit den zusätzlichen Aufgaben, die die Pflegekräfte in den letzten Jahren übernommen haben. 
http://www.vienna.at/nach-den-spitalsaerzten-fordern-auch-die-pflegekraefte-mehr-geld/4263377

 

Nur die Älteren werden sich noch an den „Pflegeskandal Lainz“ erinnern, der sich fast auf den Tag genau, vor fünfundzwanzig Jahren aufgeflogen ist:

„Wer mich ärgert, bekommt ein Gratisbett beim lieben Gott“
http://www.spiegel.de/einestages/oesterreichs-groesster-pflegeskandal-die-todesengel-von-lainz-a-962376.html

Drei Hilfsschwestern haben Dutzende Pfleglinge ermordet.

Entdeckt wurde das Verbrechen nur durch die Aufmerksamkeit von Primarius Pesendorfer und seine Ärzte: Gerade Pesendorfer habe ihn, Stacher, „auf einen mehr oder weniger vagen Verdacht“ angerufen, worauf dann die Polizei eingeschaltet worden sei. (http://www.news.at/a/20-jahre-pflegeskandal-lainz-so-42-patienten-274581)

Gedankt hat ihm die Wiener Politik nicht, ganz im Gegenteil: Für den „Jahrhundertskandal“ im Allgemeinen Krankenhaus in Wien-Lainz hat Bürgermeister Helmuth Zilk den nach seiner Auffassung Verantwortlichen benannt. Es ist der Chefarzt der I. Medizinischen Abteilung, Franz Xaver Pesendorfer. (http://www.zeit.de/1989/29/nie-geplaudert)

Primarius Pesendorfer wurde umgehend suspendiert und erst durch die Disziplinarkommission und den Verwaltungsgerichtshof rehabilitiert. Danach verließ er die Dienste der Stadt Wien.

Für die Pflege änderte sich vorerst einiges zum Positiven:
Die Pflegehelfer-Ausbildung wurde als Mindestanforderung im stationären Bereich verlangt und die Zahl der Ausbildungsstunden auf 1600 verzehnfacht.
Der diplomierten Pflege wurden Abteilungshelferinnen zur Seite gestellt, um sie für medizinisch höherwertige Tätigkeiten als Bettenmachen und Nachtkästchen reinigen frei zu spielen.
Und wenn mir meine Erinnerung keinen Streich spielt, gab es auch eine Gehaltsreform
Dann wurde das Krankenhaus in „Hietzing“ und das Pflegeheim richtig idyllisch in „Geriatriezentrum am Wienerwald“ umbenannt, damit sich die Beschäftigten wieder mit dem Haus identifizieren können.

Und wie passt das zusammen?

Für Missstände im Gesundheitssystem wird von der Politik die Verantwortung immer den Ärzten umgehängt, während man deren Einflussmöglichkeiten auf die spitalsinternen Abläufe immer stärker beschneidet:
Weg mit den Primarii! http://wp.me/p1kfuX-HX
Der Eier-legende-Woll-Milch-Primarius http://wp.me/p1kfuX-AC
Master-Betriebsorganisation im KAV: Da fährt die Eisenbahn drüber http://wp.me/p1kfuX-NS

 

Natürlich liegt die Lösung nun nicht darin, in die Fußstapfen der „Lainzerinnen“ zu treten, denn letztendlich wurde auch der Pflege die zugestandenen „Erleichterungen“ wieder aberkannt:

2010 verordnete der KAV einen Aufnahmestopp für die 1690 Abteilungshelferinnen, die nach dem Lainzer Skandal eingeführt wurden: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20101203_OTS0059/aufnahmestopp-fuer-1690-dienstposten-im-alleingang-verordnet

Die wirkliche Lösung wäre ein Schulterschluss zwischen Ärzten und Pflege und (das wär nun wirklich eine Sensation) ein Schulterschluss zwischen ärztlicher und Pflegedirektion innerhalb der Kollegialen Führungen, um die seit Jahrzehnten gepflogene Politik des gegenseitigen Ausspielens zu unterlaufen.

Natürlich benötigen die angestellten Ärzte dringend auch eine schlagkräftige Gewerkschaft, denn die oben angeführten Beispiele zeigen eindeutig, dass die gewerkschaftliche Vertretung der Pflege einen offenkundig stärkeren Einfluss auf die Gesundheitspolitiker hat als die Ärztekammer. Natürlich werden wir die größere Anzahl an mobilisierbaren Wählerstimmen in der Pflege numerisch nie ausgleichen können, jedoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Pflege erkennt, dass sie bei aller „Wertschätzung“ und „akademischen Aufwertung“ am Ende des Tages wenig Konkretes und nur leere politische Versprechen erhält.

Written by medicus58

8. April 2015 at 20:16

Was sich der Stöger hier wieder erlaubt hat …

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ÖBIG Pflegeexperten
Wir haben uns schon daran gewöhnt, dass uns zwar in der TV-Werbung 
Der Hofstädter, der was eine Marke von Billa und Merkur ist, das zu Tode gestreichelte nachhaltige Henderl persönlich ins Einkaufstaschl legt, während wir in den Filialen von den -vermutlich mies bezahlten- Anlernkräften nicht einmal erfahren können wo heute nach der letzten Umschlichtung das cellophanverschweisste Industriegeflügel gelagert wird.

Diese Tendenz höherqualifizierte Arbeiten von minderqualifizierten Mitarbeitern und damit billiger verrichten zu lassen ist auch im Gesundheitssystem im Gange und so kommen wir zu Gesundheitsminister Stöger..

Bereits 2008 hat der britische Gesundheitsminister mit Planungen begonnen (http://www.heise.de/tp/blogs/3/110249) die aus dem kaputt gesparten Gesundheitssystem NHS geflüchteten Ärzte durch Krankenschwestern zu ersetzen und angedacht, dass diese doch auch kleine Operationen selbst durchführen könnten.

Wie jetzt bekannt wurde, hat der österr. Gesundheitsminister schon ein Jahr später seine „Mietexperten“ im GÖG Ges.m.b.H (damals noch ÖBIG) ebenfalls darüber nachdenken lassen, wer die Arbeit der in Zukunft fehlenden Ärzte denn machen könnte (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33160). 

In den letzten Tagen haben jetzt auch einheimische Medien Wind davon bekommen, so dass BuMin Stöger sofort abwimmelte, dass er nicht daran dächte das Ärztegesetz, das nicht ganz zu Unrecht bestimmte medizinische Tätigkeiten den dafür ausgebildeten Ärzten vorbehält, zu umgehen.
Nebbich, welcher Minister gibt denn zu, ein bestehendes Gesetz zu mißachten, jedoch erfährt man von den seit Jahren an dem OPUS 

Gesundheits- und Krankenpflegeberufe: Konkretisierung der Reformansätze Aufgaben- und Kompetenzprofile zu den Spezialisierungen
Projektkoordination: Elisabeth Rappold, Ingrid Rottenhofer
Fachliche Begleitung durch das BMG: Meinhild Hausreither, Paul Resetarics
Projektassistenz: Heike Holzer

Werkenden, dass sie ausdrücklich die Vorgabe hatten sich nicht an die bestehenden gesetzlichen Regelungen zu halten
Gesetze können ja schließlich geändert werden.

In diesem Auftragswerk des BuMin werden z.B. „Perioperative Pflegeexperte“ erfunden,

(allein die Namenswahl wird dazu führen, dass der geplante „Facharzt für Allgemeinmedizin“ bald ebenfalls in „FacharztEXPERTE für Allgemeinmedizin„umgetauft werden muss, um nicht gegen die Pflege rein begrifflich abzustinken,

die zukünftig zum Beispiel 

den „Hautschnitt vor Operationen“ durchführen dürfen; blöd nur, wenn dann der Operateur den Schnitt gerne 3 cm höher hätte …

und ein Röntgenbild interpretieren dürfen, um danach eine Therapie einzuleiten; blöd nur, wenn die Verschattung eine Ödem und keine Lungenentzündung ist und eher Diuretika als Antibiotika angezeigt wären …

Viele andere Absurditäten dieses angeblich bedarfs-  und kompetenzorientieren Skill- und Grade-Mix sollen hier gar nicht referiert werden, vielmehr fasziniert die Methode, wie man hier Gesundheitsberufe hinters Licht führt und mit ihrem Minderwärtigkeitsgefühl schamlos Politik betreibt.

Gebelendet von dem Versprechen es würde auf sie etwas vom angeblichen Glanz der Götter in Weiß abfallen, gaukelt man ihnen einen sozialen und finanziellen Aufstieg vor, den es so nicht geben wird.
 
Einerseits ist (Gott-sei-Dank) von dem Glanz der Götter in Weiß ohnehin nicht mehr viel übrig, andererseits zeigt die Erfahrung bei anderen Gesundheitsberufen, dass die trotz Akademisierung nicht mehr verdienen und letztendlich irgendwer die bisherige Arbeit machen muss, denn all die Theoretisierer und Wissenschaftler heilen nicht den durchgebrochenen Blinddarm, die Pneumonie oder den Herzinfarkt. Insbesondere haben wir im Gegensatz zu den USA oder den Emiraten kein Geld für eine Schar an Hilfskräften, die die ganz unwissenschaftlichen Tätigkeiten am Patienten ausüben, wie Füttern und Gesäßreinigung.

Wir haben den Prozess der Akademisierung, Kompetenzvertiefung und Kompetenzerweiterung bei den medizinisch-technischen Berufen (Physikalistinen, Laborpersonal, RadiologietechnologInnen, ..) schon hinter uns, denen ebenfalls per MTD Gesetz das eigenverantwortliche Tätigwerden erlaubt wurde.

Immer mehr „Master“ und „Dr. med. sci.“ erkennen aber nun, dass nur wenige Unterschlupf in den Reihen des GÖG oder den FHs finden, die anderen aber ohne Gehaltserhöhung die selben Tätigkeiten wie bisher ausüben müssen.

Dass in manchen Fällen die Routinequalität der Arbeit schlechter als früher wurde, weil man sich offenbar „zu gut für die Routine“ wähnt, ist nur meine unmaßgebliche – weil nicht notwendigerweise zu verallgemeinernde – Erfahrung.

Ganz absurd ist es, dass sich die Pflege (oft ohnehin nur die Pflegedirektorin) weigert im Nachtdienst ganz banale, schon jetzt mit dem gesetzlichen Berufsbild vereinbare Tätigkeiten durchzuführen:

subkutane Heparingabe (was i.d.R. sogar Angehörige daheim durchführen)oder das Umhängen von Infusionsflaschen, wenn die erste leer ist ….

aber nun noch mehr Kompetenzen einfordern.
Andererseits hat sicher jeder Arzt am Anfang seiner Ausbildung von einigen, erfahrenen Krankenschwestern viel gelernt. 
Auf Intensiv- oder Dialysestationen habe ich mehrfach erlebt, dass die Einschätzung der neurologischen Situation von schwer kranken Patienten durch die Pflege, die stundenlangen Kontakt zum Patienten hatte, mitunter besser war als durch den Konsiliarneurologen…

Persönlich hatte und habe ich auch nie ernsthafte Konflikte mit der Pflege und wurde im Nachtdienst i.d.R. nicht zum Heparinspritzen geholt, weil ich vorab immer klargestellt habe, dass ich natürlich käme, wenn sie der Meinung wären, dass sie die Verantwortung für „den Eingriff“ nicht übernehmen könnten.

Medizin ist ein multidisziplinäres Tun, wo jeder Beitrag gleichwertig für das Ziel, die erfolgreiche Behandlung eines Kranken ist. Trotzdem ist nicht jeder – auch von seiner Ausbildung und nicht zuletzt von seiner Haftungsfähigkeit – dafür geeignet jeden Schritt dieses Prozesses zu vollziehen.

In den aktuellen Aussgaen des Bundesministeriums zur Fachärzteausbildung wird auf ein modulares System übergegangen und billigend in Kauf genommen, dass die zukünftigen Facharzte nicht mehr in allen Aspekten ihres Faches gleich tief ausgebildet werden.
Aus Erzählungen sind mir noch Zustände bekannt, wo die Krankenschwestern an Patientennachthemden Knöpfe angenäht haben und die Zytostatika selbst angemischt haben
Ich wurde einmal von so einer „erfahrenen Schwester“ gefragt, ob den „Milligramm“ und „MilliMol“ des Ztostatikums nicht ohnehin dasselbe wären. Keiner will das wieder zurück.
Die Pflege hat sich – ausgehend vom anglikanischen Raum und dort auch weiter fortgeschritten als bei uns – zu einer Pflegewissenschaft weiterentwickelt. Diese hat andere Aufgaben als „Hautschnitte anfertigen“ und „Röntgenbilder zu befunden“.
Ich möchte mit einem akuten Cerebralinsult von einem qualifizierten Neurologen in einer Stroke Unit behandelt werden, weiß aber, dass ich nach der Akutphase auf die Qualifikation von anderen Berufen angewiesen bin, um meine größtmögliche Mobilität zu erhalten. Im Falle einer Hirnmassenblutung vertraue ich aber auf einen guten Neurochirugren und Intensivmediziner.

„Was sich der Stöger da erlaubt hat“ ist meines Erachtens fahrlässig und richtet sich sowohl gegen die Ärzteschaft, was wir gewöhnt sind, aber wird auf lange Sicht auch die Pflege frustrieren. Ich sage voraus, dass diese Akademisierung und Kompetenzaufwertung der Pflege dazu führt, dass man zukünftig nicht hinter der Pflegedirektorin, Oberschwester und Sttationsschwester nicht mehr diplomiertes Krankenpflegepersonal haben wird, das von nicht-diplomierten Stationshelferinnen unterstützt wird, sondern dass man der kompetenzaufgewerteten akademischen Pflegeexpertin nur mehr minderqualifiziertes Personal zur Seite stellt und sie mit ihrem vermeidlichen Prestigegewinn „im Regen der Routine“ alleinläßt. Erst dann wird es zu Kosteneinsparungen kommen.

Die Nachbesetzung von diplomierten Krankenschwestern- und -pflegern durch Stationshelferinnen ist in so manchem Krankenhausverbund bereits gelebte Realität. 

Wenn das von den Pflegeexperten realisiert wurde, dann werden die aus ihren akademischen Wolken gefallenen Pflegepersonen vielleicht wieder solidarisch mit uns Ärzten gegen diese Entwicklungen ankämpfen, 
nur dann wird es zu spät sein.

Written by medicus58

18. September 2013 at 19:36

Die Abkassierer der 24-Betreuung sind unter uns

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Rolli

Ist ist schon einige Zeit her, als wir uns hier mit dem Phänomen auseinandergesetzt, dass die Anzahl der Menschen die in Österreich „in Pflege stehen“ mehr als doppelt so hoch ist, wie im Durchschnitt der OECD Länder: „Pflegehelferinnen aus dem Ostenhttp://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33704 . Langsam, spätestens als öffentlich wurde, dass in der Familie des damalige Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel unangemeldet eine Pflegerin beschäftigt wurde, begannen hektische Bemühungen das, was bereits flächendeckend statt fand „Der Arbeitsstrich der 24 Pflege“ (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=63115) zu legalisieren.

Während wohl jedem klar war, dass es heute nahezu unmöglich war eine aufwendige Betreuung „der Alten“ zu gewährleisten, seit diese weder an die „Hausfrau und Mutter“ des „alleinverdienenden Haushaltsvorstandes“ zu delegieren ist, weil diese ebenfalls im Berufsleben steht und die frühere Akzeptanz, die Alten entweder am Land in die Ausnahm oder in der Stadt in die Versorgung zu stecken, kollidierte dies mit den Berufsinteressen der diplomierten Pflegeberufe, die sich gesetzlich eine Art Alleinanspruch auf „die Pflege“ gesichert haben. Mühevoll bastelte man an entsprechenden Gesetzen, die das, was die 24h Betreuung zu leisten hat (Putzen, Kochen, Helfen, Waschen, Füttern, ….) von der medizinischen Pflege mehr schlecht aber zu Recht differenzieren.
So war der Weg frei, sich des Arbeitsproletariats arbeitsloser Frauen aus (zuerst vorzugsweise) der Slowakei, (inzwischen auch) aus Polen, Rumänien, der Ukraine und immer weiter aus dem Osten Europas zu bedienen. Dass die Überalterung in diesen Gebieten inzwischen ein ähnliches Ausmaß erreicht hat, wie bei uns, es aber dort die soziale Absicherung viel schlechter bestellt ist, als bei uns, d.h. sich die Frage stellt, wer denn dort die Alten pflegt, soll hier einmal nicht weiter diskutiert werden.

Im heutigen Beitrag geht es um all die Einheimischen, die den ohnehin relativ niedrigen Lohn der meist als Ich-AGs arbeitenden Frauen weiter schmälern.

Eine kurze Anfrage an „Prof. Google“ zeigt die Fülle an Agenturen, die sich im Vermittlungsgeschäft etabliert haben. Der Konsument hat zuletzt 77 getestet und unter denen sind diejenigen, die vom Entlassungsmanagement zweier Wiener Großspitäler empfohlen werden, gar nicht dabei!
Verstehen Sie mich richtig, natürlich ist eine sorgfältige Personalselektion und -vermittlung eine Leistung, die auch honoriert werden muss. Wie wir aber gleich sehen werden, ist die Qualität der Vermittlung sehr zu hinterfragen, insbesondere da keinerlei Garantieleistung damit verbunden ist und die betreffenden Einzelpersonen oder Firmen sich durch die kontinuierliche Beteiligung an den laufenden Geldflüssen nach abgeschlossener Vermittlung ein IMHO nicht zu rechtfertigendes Dauereinkommen sichern.

Players in the field:
a) Diplomierte Krankenschwester hängt den Beruf an den Nagel und macht sich selbstständig:  Die meisten Anbieter scheinen mir von ehemaligen diplomierten Krankenschwestern mit persönlichen und sprachlichen Verbindungen in den ehemaligen Ostblock gründet worden zu sein.
b) Gemeinnützige Vereine und Einrichtungen Verschiedene privaten und öffentliche Gruppierungen (Caritas, Hilfswerk, FSW, ..) vermitteln ebenfalls in- und ausländische BetreuerInnen, wobei man sich hier ebenfalls häufig Dritter bedient, die die Personen dann aussuchen.

Was leisten die Vermittler?

Glaubt man den Internettauftritten und den persönlichen Gesprächen, werden Bewerberinnen „auf Herz und Nieren geprüft“, ehe sie einem vorgeschlagen werden. Eigene Erfahrungen lassen hier große Zweifel aufkommen. Eine (nach eigener Aussage) studierte Kernphysikerin und ehemalig beim Slowakischen Rundfunk in leitender Position angestellte, nun zur Pflegerin konvertierte Person entpuppt sich als psychiatrisch schwerst auffällig und offenkundig alkoholabhängig. Nachträglich ist da der Agentur (einer diplomierten Krankenschwester) schon einiges komisch vorgekommen … In einer gemeinnützigen Organisation, die auf ihrer Homepage verkündet, dass sie sich bei der Personalrekrutierung eines professionellen Personaldienstleisters bedient, erfährt man, dass es schon einmal vorkommen kann, dass sich die am Telefon als sehr gut befundenen Deutschkenntnisse dann vor Ort nicht nachvollziehen lassen, weil vielleicht jemand ganz anderer als die nun vermittelte Betreuerin abgehoben hat. Ganz kann man ja nie ausschließen, dass es in dem Dorf eben einen gibt der gut Deutsch kann und die Telefonate für alle abwickelt … Aber für all das gibt es keine Garantieleistung des Vermittlers, schließlich schließt man ja nicht mit dem Vermittler sondern mit der selbstständig agierenden Betreuerin einen Arbeitsvertrag. Die in dem unten verlinkten Konsumentartikel angeführten Leistungen der Vermittler (behördliche Anmeldung, Einführung in den Haushalt, Behördenwege, Erhebung des Pflegebedarfs …) existieren meiner Erfahrung nach mitunter nur auf dem Papier. Die Erhebung des Pflegebedarfs = Einstufung in die Pflegestufe wird beim Förderantrag ohnehin von „offizieller Seite“ vorgenommen.

Woran verdienen die Vermittler?

Klar, zuerst einmal für ihre Vermittlungsleistung. Diese wird entweder als Einzelzahlung pro Vermittlung, oder pro Vermittlung von zwei Pflegerinnen innerhalb von 1-3 Monaten oder als Jahresmitgliedsbeitrag, oder als Mischung aus all den Formen eingehoben. Kosten von bis zu 1.240 € für die Erstvermittlung und Jahresgebühren von 1.500 € sind mit bekannt! Dazu kommen oft noch versteckte Kosten (siehe unten). Dass die Agentur auch von den Betreuerinnen eine Vermittlungsprämie abkassiert, erfährt man meist erst später, wenn man sich über mangeldne Jobzufriedenheit wundert.

Damit ist aber noch nicht Schluss:

Viele Agenturen (auch die gemeinnützigen Vereine !) kassieren auch pro geleistetem Betreuungstag mit. Nochmals sei in Erinnerung gerufen, dass die meisten Betreuerinnen als selbstständige Einzelunternehmer handeln und die Vermittler keine Leistungen für sie erbringen, die dieses Mitkassieren rechtfertigen.

Qualitätssicherung als nettes finanzielles Zubrot Aus der oben angeführten Problematik, dass die diplomierten Pflegeberufe sich aus diesem Geschäft nicht gänzlich hinausdrängen lassen wollten und – völlig nachvollziehbar – die öffentliche Hand, die diese Betreuungsverhältnisse auch finanziell unterstützt, eine gewisse Sicherheit braucht, dass eine qualifizierte Betreuung erfolgt, hat sich eine laufende Qualitätssicherung etabliert, für die je nach Geschäftsmodell natürlich oft extra bezahlt werden muss. Für den 10 minütigen Besuch einer diplomierten Krankenschwester, die „nach dem Rechten sieht“, fallen dann schon mal extra 75 € pro Monat an. Wenn Sie draufkommen, dass Besuche in rechnung gestellt werden, die nie stattgefundne haben, dann haben Sie ein Problem. Selbst wenn Sie nicht per Mitgliedsgebühr an den Vermittler gebunden sind ist der wechsel nicht so einfach, weil evtl. die Betreuerinnen an ihn vertraglicg gebunden sind, was Sie spätestens zu diesem Zeitpunkt realisieren! Eine Gewährleistung der Qualität bekommt man aber nicht. Zumindest von einer bestimmten Agentur kann ich beweisen, dass unter dem Titel der Qualitätssicherung nun verpflichtende Kurse angeboten werden, die die Betreuerinnen zusätzlich zu zahlen haben. Wohlgemerkt, als Betreuerin kann legal ohne hin nur jemand arbeiten, der eine entsprechende Ausbildung (meist im Heimatland) nachweisen und sie in Östterreich anerkennen kann. Selbst einfache medizinische Tätigkeiten, diejeder Patient selbst an sich durchführt, dürfen von den Betreuerinnen ohnehin nicht vorgenommen werden, da sie gesetzlich diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen sowie PflegehelferInnen auf ärztliche Anordnung vorbehalten sind. Es kann ihnen also passieren, dass sie für die tägliche Heparinspritze trotz 24 Betreuung noch eine mobile Krankenschwester anheuern müssen!

Da mach ich doch auf Taxiunternehmen

Natürlich müssen die Betreuerinnen, die sich i.d.R. alle 14 Tage abwechseln, auch wieder „in den Osten“. Wer keine guten öffentlichen Verbindungen hat, ist hier auf die in den Herkunftsländern boomenden Taxi- und Busunternehmer angewiesen. Diese Kosten fallen meist zusätzlich zum vereinbarten Taggeld an und variieren zwischen 50 und 150€ alle 14 Tage. Aber auch hier haben die in Österreich ansässigen Vermittler Lunte gerochen und einige steigen auch in diese Geschäft ein, in dem sie „ihre“ Betreuerinnen vertraglich verpflichten ausschließlich „ihr“ Transportunternehmen zu benutzen. Kein schlechtes Geschäft, da es ja für jede Hin-fahrt auch mind. einen Passagier für die Rückfahrt gibt. Begründet wurde das im Einzelfall damit, dass man so eine größere Sicherheit für die Betreuerinnen bieten würde, dass sie auch pünktlich an ihren Einsatzort kämen.

Wenn Sie also auf Internetangebote stoßen
24Stundenpflege zu Hause – Österreichweit bereits ab 35 €
Legal und verantwortungsbewusst,

dann  denken Sie sich Ihren Teil.

Und wenn Ihnen dann Gedanken wie
Abzocke
Ausbeutung
Arbeitsstrich und
Neokolonialismus

in den Sinn kommen, dann geht es Ihnen wie mir!

Eine gute Übersicht über die Kosten einiger Anbieter finden Sie hier in einer (eigentlich kostenpflichtigen ) Ausgabe des Konsument, die uns freundlicherweise das Land Salzburg ins Netzt gestellt hat … http://www.salzburg.gv.at/24-stunden-betreuung_konsument_2.pdf

Links:
Generationenvertrag
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31468
Generationenvertrag II oder das Sandwich http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=31563
Generationenvertrag III http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32059
Generationenvertrag IV: Im nächsten Leben werde ich ein Gemüse oder ein Metall http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32622

Hilfreiche Informationen:
http://www.bmask.gv.at/site/Soziales/Pflege_und_Betreuung/24_Stunden_Betreuung/
  http://www.pflegedaheim.at/cms/pflege/attachments/2/8/6/CH1848/CMS1237213583778/24stdbetreuung[1]1.pdf

Written by medicus58

12. Januar 2013 at 14:41

Der Arbeitsstrich der 24h Pflege

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Im Sommer 2006 brach erstmals die politische Debatte über illegale Altenbetreuung hoch, als im  Vorfeld der Nationalratswahlen bekannt wurde, dass auch in der Familie von
Wolfgang Schüssel, der vorher einen „Pflegenotstand“ abgestritten hat, eine Slowakin illegal beschäftigt wurde. http://www.news.at/articles/0633/30/148663/pflegeskandal-schuessel-oevp-kanzler-pflegerin

In einigen juristischen Schnellschüssen wurden ein Hausbetreuungsgesetz geschaffen und Gesundheits- und Krankenpflegegesetze, Ärztegesetz, Gewerbeordnung und Bundespflegegeldgesetz einer Novellierung unterzogen. Es musste auch ein Spagat dafür gefunden werden, dass die „Kompetenz und der Kollektivvertrag der diplomierten Pflegeberufe“ unangetastet blieben es aber trotzdem legal möglich war, dass die Altenbetreuerinnen neben ihrer Tätigkeit als Putzfrau, Köchin und Gouvernante auch noch „pflegerische Tätigkeiten“ übernehmen können.

Im Rahmen der legalen 24-Stunden-Betreuung dürfen Haushalts- und Betreuungstätigkeiten sowie einfache pflegerische Tätigkeiten durchgeführt werden, spezielle pflegerische Tätigkeiten verlangen die Miteinbeziehung einer diplomierten Pflegekraft. Dem wird u.a. dadurch entsprochen, dass viele der Vermittlungsagenturen von österr. Diplomkrankenschwestern geführt werden.
Nachdem die Aufregung wieder abgeebbt ist, kommt das Thema in den österreichischen Medien kaum mehr vor. Vermutlich nicht so sehr, weil die gefundenen Lösungen so gut funktionieren , sondern weil man im Herrn Karl’schen Sinn „lieber nicht mehr davon spricht“.

 Man schätzt, dass dzt. 16.000 -18-000 slowakische Altenbetreuerinnen in Östereich in der Altenpflege tätig sind.

(http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/728667/16000-Slowakinnen-als-Altenpfleger-in-Oesterreich , http://www.compresspr.at/node/207538)

Schätzungen über die Gesamtzahl der in Österreich legal und illegal arbeitenden Altenbetreuerinnen schwanken  zwischen 20.000 und 60.000.

Die Kostenfür die Vermittlungsagenturen schwanken beträchtlich; alle verlangen eine erstmalige Vermittlungsgebühr, monatliche und jährliche Gebühren, Qualitätssicherungsbeiträge, … etc. Die meisten privaten Agenturen, treten in Form von Vereinen auf, werben mittels Internetauftritt,   Annoncen und Werbeschaltungen in Bezirkszeitungen. Ein weiterer Vertriebsweg läuft über das „Entlassungsmanagement“ der Krankenanstalten, das explizit einzelne Vereine empfiehlt.Auch unter den großen Anbietern herrscht eine große Fluktuation, eine exakte Zahl der in Österreich tätigen Vermittlungsagenturen ließ sich auch über die Wirtschaftskammer selbst nicht eruieren.
Das Hausbetreuungsgesetz sieht die Wahlmöglichkeit vor, die Personenbetreuung selbständig oder unselbständig auszuüben. In der Praxis hat sich allerdings nur das Selbständigenmodell durchgesetzt. Die selbständigen Betreuungskräfte können die Vorteile einer freiberuflichen Tätigkeit nicht beurteilen, da sie keine Wahlmöglichkeit bezüglich des Beschäftigungsverhältnisses haben. Die Vermittlungsagenturen bestimmen über die Art der Beschäftigung und legen auch die Tageshonorare für die PersonenbetreuerInnen fest. Die Vorteile der Selbständigkeit, wie etwa die freie Aushandlung des Gehalts, der Arbeitszeiten und die Flexibilität in der Arbeitsgestaltung, können im Rahmen der Personenbetreuung nicht genutzt werden. Die staatlichen Regelungen haben die Bevorzugung des Selbständigenmodells forciert, da für die Personenbetreuung wichtige arbeitsrechtliche Grundlagen mit dem Gewerbe nicht berücksichtigt werden müssen und die kollektivvertraglichen Gehaltsregelungen nicht gelten. Angesichts eines Tageshonorars in Höhe von ca. ! 60 hat die Betreuungtätigkeit einen prekären Charakter. Auch wenn die BetreuerInnen

Unterkunft und Verpflegung während ihrer Einsatzdauer zur Verfügung gestellt bekommen, ist ein Tageslohn von ! 60 für eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit eine unterbezahlte Tätigkeit. Dennoch stellt es für osteuropäische Personen einen großen finanziellen Unterschied dar, wenn das Einkommen im Heimatland als Vergleich herangezogen wird. http://www.care-ring.or.at/wp-content/uploads/2010/12/Diplomarbeit_GudrunBauer.pdf

Da legal angestellte Betreuerinnen als Selbstständige „Ich-AGs“ agieren und somit direkt mit dem Auftraggeber (zu pflegende Person, Angehörige) ein Vertragsverhältnis eingehen können, bleibt die Notwendigkeit der Vermittlungsagenturen oft zu hinterfragen. Aus eigenen Recherche zeigte sich, dass die Bewerberselektion mancher Agenturen eher oberflächlich, um nicht zu sagen unprofessionell erfolgt. Die Verträge mit den Vermittelten sind äußerst heterogen, viele müssen von ihrem Einkommen auch noch einen Teil an den österreichischen Vermittler abliefern, obwohl dieser kaum irgendeine Gegenleistung bietet:
Die Vermittlungsgebühr kostet rund 1.200 Euro pro Jahr. Es hat sich schon unter den 24-Stunden-BetreuerInnen herumgesprochen, dass einem die Agentur im Notfall nicht weiterhilft. Die Agenturen wissen, wenn eine Frau aufhört, warten schon zehn andere. http://www.vida.at/servlet/ContentServer?pagename=S03/Page/Index&n=S03_17.2.1.a&cid=1278067528159

Neben den österreichischen Vermittlungsagenturen, existieren meist auch im Herkunftsland der Bewerberinnen lokale Vermittlungsagenturen, die ebenfalls für ihre Dienste Entlohnung fordern. Daneben hat sich auch ein florierendes Transportwesen (Sammelbusse, Taxis) für die anreisenden Betreuerinnen in ihren Heimatländern entwickelt.
Im Rahmen einer Erhebung zu Kosten und Leistungen hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) 77 Anbieter von 24-Stunden-Betreuung mit Firmensitz beziehungsweise Adresse in Österreich kontaktiert – 45 davon gaben nähere Auskünfte.
Die Kosten für einen Betreuer bewegen sich bei den befragten Institutionen – je nach Anforderung und Leistungsspektrum – zwischen 40 und 115 Euro pro Tag zuzügl. An- und Abreisevergütung.
http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument%2FArtikel%2FDetail&cid=318879833113

Über die Kosten und Leistungen der Vermittlungsagenturen ergab sich ein sehr heterogenes Bild.
Eigene Erfahrungen zeigen einen zunehmenden Wildwuchs in diesem Bereich. Immer mehr Agenturen verlangen auch nach der Vermittlung einen Tagsatz von den Betreuerinnen, bestehen auf die Inanspruchnahme des eigenen (!) Transportunternehmens, verrechnen für einen 10-minütigen „Kontrollbesuch einer Diplomkrankenschwester unter dem Titel „Qualitätssicherung“  70 € vom Betreuten und verpflichten die Betreuerinnen -ohne rechtliche Grundlage- zu regelmäßigen, kostenpflichtigen „Fortbildungskursen“, ….   Es wäre Zeit sich mit diesem Geschäft wieder etwas näher auseinanderzusetzen!

Nicht, dass uns gefallen wird, was wir da sehen:
Wir benützen die ökonomische Zwangslage osteuropäischer Frauen, um unseren Pflegenotstand zu lösen, so wie wir unsere Konsumgüter kostengünstig in chinesischen Sweatshops erzeugen lassen, werden das Problem aber damit nicht dauerhaft lösen.

Nicht, dass es eine Patentlösung für das Problem geben wird:

Die Löhne in der Slowakei steigen, so dass immer mehr Frauen aus Bulgarien und der Ukraine rekrutiert werden müssen. Die Anreisekosten steigen und verringern den Nettoverdienst.

Aber wir sollten uns langsam fragen, ob wir tatenlos zuschauen wollen, dass auch zahllose in- und ausländische Agenturen an den Pflegehelferinnen aus dem Osten (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33704) mitverdienen, wenn schon nicht aus Solidarität, so doch aus unserem eigenen Interesse.

Links:

https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/resources/documents/Deutsch_24_Stunden.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/24-Stunden-Betreuung_(%C3%96sterreich)
http://portal.wko.at/wk/format_detail.wk?AngID=1&StID=377055&DstID=338

Written by medicus58

28. Mai 2012 at 17:27

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