Sprechstunde

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Jolly Jolie

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Jolly Jolie

In den letzten Jahren haben sich nur so manche Klatschreporter die Frage gestellt, ob Angelina Jolie trotz Schwangerschaften und Gewichtsreduktion ihre sekundären Geschlechtsmerkmale ohne Hilfe der plastischen Chirurgie in einer derartig ansprechenden Form halten konnte: http://news.makemeheal.com/celebrity-plastic-surgery/angelina-jolie-breast-implants/280
Nun hat sie sich als Trägerin eines mutierten BRCA1 Gens prophylaktisch das Brustparenchym entfernen lassen und wurde sie zum Testimonial für … ja was eigentlich?
Geht alle zum Gentest?
Auch berühmte Menschen kriegen Brustkrebs?
Ich mach’s und rede darüber?

Jedenfalls hat der ORF gestern in allen TV Nachrrichten das Thema rauf und runter georgelt, Experten geladen und wieder viele „aufgeklärte PatientInnen“ geschaffen.
Aber nicht nur der ORF, die ganze Welt drehte sich um, … also eigentlich umgekehrt, nicht die Welt drehte sich um die Brüste …
Morgen geht’s dann wieder um den Prozess wegen billiger Silikonimplantate: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/brustimplantate-aus-billig-silikon-haft-fuer-pip-gruender-gefordert-a-899850.html
Bei so viel Aufklärung brauchen wir sicher bald eine HELP Sendung zum Thema …

Faymann und Baumgartner: Der Absprung ins Nichts

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Felix Baumgartners gestriger Sprung war ja an sich etwas völlig Unösterreichisches,
auch wenn ich erst kürzlich darauf hingewiesen habe,
wie sehr RED BULL nun schon das Image Österreichs im Ausland (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=77329) prägt. 

WIR SIND FELIX

würde die Bildzeitung schreiben, wenn wir eine hätten,
so bleibts halt bei dem nur noch Altphilologen, Historikern und dem Restadel bekannten

TU FELIX Austria ….

Egal. 

Wir erlebten innerhalb von zwei Tagen, zwei Österreicher beim Absprung.

Am Samstag sprang Werner Faymann auf seinem Parteitag ab und errang als einziger Kandidat für den Parteivorsitz 83%, so dass die Süddeutsche schloss:
Sieger sehen anders aus:
http://www.sueddeutsche.de/politik/spoe-straft-kanzler-ab-sieger-sehen-anders-aus-1.1495812

Am Sonntag, pünktlich zur Zeit-im-Bild sprang Felix Baumgartner aus der Stratosphäre,
kam zwar auch ins Trudeln,
landete aber unversehrt in der US-amerikanischen Steppe und
DIE WELT spricht von der Siegerpose, bei der Landung.
http://www.welt.de/newsticker/news3/article109833627/Furchtloser-Felix-schafft-Rekordsprung-vom-Rand-der-Stratosphaere.html

Oberflächlich betrachtet kommt es darauf an, 
wer springt und wohin er springt.
Bei näherer Betrachtung erkennt man aber, 
dass es ganz vordringlich auf die Vorbereitung und das Team ankommt.
Und dieses ist (pardon Herr Mateschitz, pardon Herr Baumgartner) im zweiten Fall ziemlich unösterreichisch.
http://www.redbullstratos.com/the-team/

SOHO: Never judge a book by its cover

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Es war in den späten 70er Jahren in SOHO:
Nein, nicht in Manhattans Viertel „South Of HOuston Street (http://de.wikipedia.org/wiki/SoHo_(Manhattan), davon später, sondern in Londons SOHO, das damals noch nicht eines der angesagtesten Schwulenviertel der Stadt war, das begann erst in den 90ern, sondern das SOHO, das damals noch seiner früheren Geschichte als Prostituiertenviertel und zwielichtige Amüsiermeile voll gerecht wurde.
Es war die Zeit, in der der Punk (http://de.wikipedia.org/wiki/Punk) nicht zuletzt von dort aus begann die Welt zu erobern. Während heute die Überreste des Marktgetriebes rasch beseitigt werden, stapfte man damals noch die ganze Nacht durch die fauligen Salatblätter und wurmstichigen Äpfel, die Händler und Kundschaft tagsüber kurzerhand auf die Straße gewischt haben. Mit einem Wort, als gut behüteter Schüler glaubte man sich dort mitten drinn in der „Dreigroschenoper“ und wähnte sich an Rande verbotener Abenteuer.

Ich saß damals in einer der unzähligen herabgekommenen Sandwichbuden und knabberte mich durch ein Erdnußbutter-Sandwich, als plötzlich die Türe aufsprang und ein Typ in das Lokal wankte: Schwarzes Leder, Nieten und Ketten überall, es klirrte; das Dutzend Sicherheitsnadeln, das er sich durch die sichtbaren Teile seines Körpers gerammt hatte, ließ unschwer darauf schliessen, dass er ähnliches auch mit seinen unsichtbaren Körperpartien veranstaltet hat. Eine Narbe, die sich quer durch sein Gesicht furchte, schien noch relativ frisch, so bläulich-rot hob sie sich von der ungesunden, punkertypischen Blässe seiner Gesichtshaut ab, umrahmt von zottigen, kohlrabenschwarz gefärbtem Haar. 
Seine Lederstiefeln knarrten, die zwei Dutzend Schnallen darauf schepperten, als er sich zu einem freien Tisch begab.
Die Gespräche der wenigen Anwesenden verstummten in der Sekunde … es war klar, die eben eingetretene Veränderung bedeutete „trouble“ ….

Der Besitzer des Ladens, so schien es mir zumindest, eilte verschüchtert und devot auf seinen ungebetenen Gast zu und brachte ihm den Kartondeckel, auf dem die wenigen Spezialitäten des Etabissements handschriftlich verzeichnet waren; Vermutlich prüfte er im Geiste noch schnell,ob sein Laden auch die nun sicher eingeforderte Menge an Bier auch vorrätig hätte, wenn, ja wennn der Gast nicht überhaupt nach schärferem verlangen würde, nach Hochprozentigem, für das sein Laden keine Lizenz hatte und das dann willkommener Anlass für den offenbar unmittelbar bevorstehenden Aggressionsabbau sein würde:

Trouble

Mir war auch etwas flau in der Magengegend, denn so amüsant eine Lokalschlägerei auf der Leinwand sein kann, dabei Beteiligter – noch dazu in einem fremden Land – war keine gute Option, obwohl damals das britische Gesundheitssystem noch seinen guten Ruf hatte, den es in den nachfolgenden Reformen unter Thatcher zu Recht eingebüßt hat.

Der Gast verweigerte die Annahme der Speisekarte und bestellte, ohne Rückfrage nach dem Lagerstand des Lokals, mit leiser Stimme: Ein Glas Wasser.

Er trank es, zahlte und verließ „klirrend“ das Lokal.

Es war in den frühen 80er Jahren in SOHO:
Früher Abend, ein Theaterbesuch irgendwo in der Shaftsbury Ave stand bevor und der Magen war leer. Ein kleiner „nordafrikanische“ Take away Laden bot gebratene Lammkeule mit Okra an und ich konnte nicht widerstehen an einem der drei Tische Platz zu nehmen. Es wurde die beste Lammkeule meines Lebens, zartes Fleisch, gute Würzung, … aber das ist nicht die Geschichte. Der Laden, wie viele in der Gegend, verstand sich ganz offenkundig primär als Versorger der Umgebung und nicht als Speiselokal. Dauernd läutete das Telefon und kurz darauf setzte sich einer der jungen Männer in Trab und brachte die in Pappkartons abgefüllten Köstlichkeiten in die Wohnungen der Umgebung. Die drei Eßplätze des Lokals waren mit billigen Gartenmöbeln ausgestattet und sollten offenbar nur das „Extra-Pfund“ machen, sollte sich doch ein zufälliger Gast in das Lokal verirren.
Sehr einladend war es ja nicht, billige Leuchtstoffröhren tauchten alles in ein bläulich weißes Licht, mich, die Papierservietten, das billige Alubesteck und die drei oder vier Damen am anderen Tisch.
Nachdem mein erster Heißhunger gesättigt war und ich meiner Umgebung mehr Aufmerksamkeit schenken konnte, viel mir auf, dass nicht jeder Anruf von einer nachfolgenden Auslieferung begleitet war. Mitunter erhob sich eine der anwesenden Damen, ging vor das Lokal, rief in den ersten Stock hinauf und kehrte wieder zu ihrer Limo zurück. Ab und an verließ auch eine der Damen mit kurzem Gruß das Lokal, jedoch schien die Geamtanzahl konstant, weil kurz danach wieder eine andere zu dem „Damenkränzchen“ stieß.
Als ich dem treiben einige Zeit folgte – und als ich mich darauf konzentrierte, die herüberfliegenden Gesprächsfetzen zu verstehen, war mir klar, weshalb die anwesenden Grazien vor ihrem Abmarsch noch schnell den Lidstrich erneuerten oder das Lippenrot auffrischten:
Dieses Lokal hatte neben Lammlenden auch noch andere fleischliche Genüsse zu bieten und war die Drehscheibe eines florierenden Call Service der käuflichen Liebe. Zu diesem Zeitpunkt schritt die Polizei bereits scharf gegen den Straßenstrich in SOHO ein, so dass es offenbar sicherer war, sein Gewerbe auf Abruf in einem Take-away Lokal auszuüben.
Allfällige Vorstellungen über das olfaktorische Erlebnis der Kunden überlasse ich ihnen gerne, aber -wie gesagt- die Lammkeule war vorzüglich.

Es war in den frühen 90er Jahren in SOHO:
Wieder stand ein Theaterbesuch bevor und Stärkung tat not. Da es um eine Nachmittagsmatinee handelte verschlug es meine Freundin und mich in eine kleine Bäckerei zum Cream Tea (http://de.wikipedia.org/wiki/Cream_tea), jene britische Tradition, bei der Unmengen von „Clotted Cream“, Marmelade und Süßgebäck verzehrt wird. Wir fielen eher zufällig in den Laden hinein, weil er in unmittelbarer Nähe des Theaters lag, fühlten uns aber sofort wohl. Der „Hausbrauch“ war offenbar, dass sich jeder Gast von den überall herumstehenden Köstlichkeiten nehmen durfte, was er wollte, da man darauf vertraute, dass er dem Kassier beim Eingang dann auch wahrheitsgemäß Art und Anzahl der Scones and Cakes gestand.
Der Laden war gesteckt voll, jedoch öffnete sich sofort nach unserem Eintreten eine Lücke an einem der Tische und wir wurden von den anderen Gästen mit offenen Armen in ihren Kreis aufgenommen. Wenn es nunmehr auch bei uns Mode wurde, irgendwelches Backwerk mit zentimeterhohen Aufbauten einr fetten Creme zu verzieren und die Cupcakes inzwischen die bodenständigen Kalorienbomben aubgelöst haben ( http://www.cupcakeberlin.de/), dann scheint es im Retrospekulum, dass wir damals bei der Geburt dieser Modeerscheinung dabei waren. Was da an pinen und lilafarbenen Cremes auf kleine Küchlein dressiert wurde, mit welchen quietsch-rote Kirschen oder in Zuckerlösung erstarrten Veilchenblätter das alles verziert wurde, das hatte schon etwas. Die fröhlichen Gäste priesen uns die Vorzüge immer neuer Kreationen an udn nötigten uns auch diese zu probieren, so dass wir letztendlich nur knapp am diabetischen Koma vorbei schrammten. Mitten in der Unterhaltung fielen meiner Begleitung und mir auf, dass meine Freundin das einzige weibliche Wesen in diesem Lokal war. Das hinderte andere Anwesende nicht, ihre gegenseitige Zuneigung diskret, aber auf den zweiten Blick eindeutig, zu Schau  zu stellen. Nun wurde uns auch die etwas buntere Kleidung, das etwas gepflegtere Aussehen der Herren und die etwas überdrehtere Stimmung des Lokals bewußt, die man damals mit seinem Schulenglisch, noch ohne Konnotation nur mit einem einzigen Vokabel beschreiben konnte: „gay“
In den späten 90er jahren hätte das niemand mehr überrascht, aber damals hatte SOHO noch ein anderes Image. Egal, wir wurden herzlich aufgenommen und sogar auf das eine oder andere Küchlein eingeladen. Wir beide, meine Freundin und ich ….

Written by medicus58

6. September 2012 at 06:25

Veröffentlicht in Reisen

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Die Uni brennt und im Spital raucht’s auch

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Gestern gab’s wieder eine Uni-Besetzung, von der die APA dann auch mit einiger Verspätung berichtete.
Der Grund war diesmal ein bemerkenswerter:
Studenten der Internationalen Entwicklung haben am Donnerstag das Audimax der Universität Wien für mehrere Stunden besetzt. Sie forderten ein Weiterbestehen des Bachelorstudiums Internationale Entwicklung.
Das Rektorat hatte angekündigt, nur das Masterstudium weiterführen zu wollen.
http://derstandard.at/1334530915494/Studenten-protestierten-gegen-Rektorat-Uni-Wien-Polizei-raeumte-besetztes-Audimax

Na wo gibt’s denn so was …. für mehr Studienbeihilfen und weniger –gebühren, für den Weltfrieden zu demonstrieren, war man von den akademischen Azubis schon gewöhnt, aber dass sie für MEHR Bolognia protestieren, das verwundert ebenso, wie das Fakt, dass dieser Beitrag hier in der Gesundheitssystems-Spalte gelangte …

Wir machen uns hier nun auch des „Überraschungsverbotes“ schuldig, das das Grazer OLG der ersten Instanz vorgeworfen hat und deshalb das Urteil gegen UWE Scheuch aufgehoben hat (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34247) aber das gehört ja wieder ins Satanswinkerl, so dass auch für diesen Bereich wieder Werbung betrieben wird.

Zurück zum Gesundheitswesen und seinen Querverbindungen in die Welt der Bildung a la bolognese.

Es gab Zeiten, da wurde Krankenpflege und medizinisch-technische Berufe (RöntgenassistenIn, medizinisch Technische AssistentIn, …)
an Schulen und letztere später an Akademien unterrichtet,
die meist großen Spitäler angeschlossen waren und – das war vielen ein Dorn im Auge – letztlich aus dem Krankenhausbudget finanziert werden musste. So ganz falsch war das aber nicht, denn im Rahmen der praktischen Ausbildung „halfen“ die Azubis in eben diesen Spitälern mit bzw. die Ärzte, KrankenpflegerInnen, Techniker, Physiker, …etc. unterrichteten gegen sehr geringes Entgelt unmittelbar nach (manchmal auch während) ihres Hauptjobs im Spital. Eine österreichische Lösung halt.

Im Zuge des Bolognia-Prozesses, der für sehr vieles als Begründung herangezogen wurde wofür er vielleicht gar nicht gedacht war, sahen die Verantwortlichen der Gesundheitsbudgets die Möglichkeit, sich der Kosten dieses Schul- und Akademiebetriebes zu entledigen und verkauften das als dann den Betroffenen als Aufwertung, d.h. Akademisierung dieser Berufe.

Als äußerliches Zeichen wurde die „Assistenz“ aus den Berufsbezeichnungen der medizinische-technischen Dienste (MTD) entfernt, ein sachlich m.E. hinterfragbares Recht zur eigenständigen Berufsausübung wurde ins MTD Gesetz geschrieben (die „Physiko“ diagnostiziert die Ursache ihrer Rückenschmerzen, entscheidet welche Therapie hier angewandt wird und bestätigt sich gleich selbst in der Verlaufskontrolle) und aus den Radiologieassistenten (RTA) wurden die RadiologietechnologInnen (RT), aus den medizinisch-technischen AssistentInnen (MTA) im Labor wurden die die BAs (Biochemische AnalytikerInnen), .. .etc.

Die Fachhochschulen (FHs) waren geboren (http://de.wikipedia.org/wiki/Fachhochschule)
UND ein Wildwuchs im Angebot an Lehrgängen jeglicher Art
UND (trotz stattlicher Förderungen des FH Sektors durch die öffentliche Hand) Semestergebühren in stattlicher Höhe, die die Azubis natürlich nun selbst zu bezahlen haben.

Für die MTDs ist dieser Prozess abgeschlossen, für die Pflegeberufe beginnt er langsam wirksam zu werden.

Hat man sich z.B. in Wien entschlossen den Pflegeberuf zu ergreifen und hat mind. 10 Schulstufen der Grundschule erfolgreich absolviert, dann zahlt die Stadt Wien die nachfolgende 3-jährige Ausbildung und diese endete mit einem Diplom, das zur Berufsausübung im gehobenen Dienst der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege berechtigt.
Da aus einer Reihe von Gründen dieser Beruf nicht allzu attraktiv war bzw. viele AbsolventInnen den Beruf nur bis zur Familiengründung ausüben, wurden insbesondere in Wien seit Jahrzehnten ganze Horden von Pflegekräften von den Philippinen und dem ehemaligen Ostblock „importiert“.

Strebt man jedoch nach Höherem findet man nun an den FHs genügend Möglichkeiten sich, unabhängig der wirklichen Familienplanung, Bachelor zu nennen.
Zuerst z.B. 4 Semester berufsbegleitend bis zum Master of Science in Advanced Nursing Counseling (MSc) (
120 ECTS-Credits) für 10.800 € und dann 6 Semester Vollzeit, d.h. Sie scheiden aus dem Berufsleben aus) zum Bachelor of Science in Health Studies (BSc) (180 ECTS-Credits) für € 363,36 + ÖH Beitrag pro Semester.

Es würde den Platz hier sprengen, wenn man alle einschlägigen Kurse hier anführen würde, aber auf http://www.fh-campuswien.ac.at/studium/ können Sie sich gerne ein Bild machen.
Die FH Campus Wien ist mit ca. 3800 Studierenden eine der größten Fachhochschulen in Österreich, jedoch letztendlich nur eine von vielen: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Universit%C3%A4ten_und_Fachhochschulen, von denen die meisten Kurse im weiten Feld der Gesundheitswissenschaften bzw. der Life Science anbieten.

Jetzt mag man einwenden, dass denn das alles eh unheimlich supi wäre, denn ein mehr an Ausbildung kann doch nicht schlecht sein?!

Doch, das ist es:
Unterschiedliche Berufe haben einen unterschiedlichen Bedarf an

Kenntnissen“ = theoretische Wissen
Erfahrungen“ = empirischen Wahrnehmungen  in aktiver oder passiver Rolle
Fertigkeiten“ = Fähigkeit etwas auch (manuell) eigenverantwortlich zu tun

Selbstverständlich, handelt sich ja bei den FHs um „wissenschaftliche“ Einrichtungen, so dass wir von dort mit einer Fülle an „Arbeiten“ überschwemmt werden, die durchaus ambitioniert sein können, jedoch, in Zeiten da die universitäre Forschung im Bereich der Medizin kaum mehr finanzierbar ist, irgendwo oberflächlich bleiben müssen.

Nie wird nach der Evidenz gefragt, ob denn das Erstellen einer wissenschaftlichen Arbeit zu einer besseren Performance in einem Beruf führt, der im täglichen Leben keine „Forschung“ sondern „Handeln“ auf Basis der erforschten Wissensbasis erfordert.

Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich gibt es einen Bedarf an Forschung in den Pflegewissenschaften, jedoch ist für mich sehr hinterfragbar, ob die Mehrheit der Menschen, deren primärer Impuls es war „Menschen zu pflegen“, von tieferen Kenntnissen der Multivarianzanalyse profitieren, weder persönlich noch in ihrer täglichen Arbeit.

Und das führt uns wieder zum aktuellen Ausgangspunkt:

Sowohl in einem IMHO (in my humble opinion) mehr theoretisch als praktisch ausgerichteten Fach, eben den Internationalen Beziehungen, als auch in den überwiegend praktisch orientierten Ausbildungen nicht-ärztlichen Berufe in der Medizin gibt es einen extremen Trend in Richtung einer Akademisierung,.

In der Ärzteausbildung hingegen hält sich das Gespenst des „Medizin Bachelors“ http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/491057/MedizinBachelor_Aerzte-gegen-ein-bisschen-Medizin , wird auch auf europ. Ebene weiter diskutiert (http://www.wissenschaftsmanagement-online.de/converis/artikel/1210).

So weit sind wir in Ö noch nicht, aber der hier schon einmal angeprangerte OÖ Ärztekammerpräsident Niedermoser (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516) hat diese Haltung gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit (Dr. Türk) durch dieModularisierung“ der postpromotionellen Ärzteausbildung weitergeführt, wo (Originalzitat:)

„Halt nicht mehr jeder Facharzt alles in seinem Fach können muss.“

Also stellt sich die Frage, ob sich nicht auch die Medizinstudenten mit den Audimaxbesetzern (#unibrennt) solidarisieren sollen, denn der Trend vom soliden Erlernen des Handwerks hin zu Theoretisierung und oberflächlichen „Akademisierung“ ist hier wie dort unübersehbar.

Das Büro der http://unibrennt.at/  befindet sich übrigens auch in der SPITALgasse, am Fuße des AKH….

Bildnachweis: HP Screenshot von #unibrennt

VideoDokuhttp://youtu.be/DMtgSoTva_I

Nachtrag 21.7.2012
Neues Angebot „Donau-Universität“ Krems
Spirituelle Begleitung in der globalisierten Gesellschaft
Akademische/r Experte/in
Master of Arts
http://www.donau-uni.ac.at/de/studium/spirituelle_begleitung/index.php

22.1.2011 Kreisky: Nicht noch eine Laudatio

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Um seinen „100. Geburtstag“, fürwahr ein makabres Datum für einen Verstorbenen, gibt es ohnehin eine Fülle von Wortmeldungen, also wozu noch seinen Senf drauf geben?.
Zwischen
Mutter-Kind-Pass, http://de.wikipedia.org/wiki/Mutter-Kind-Pass Abschaffung von Studiengebühren, http://de.wikipedia.org/wiki/Studiengeb%C3%BChren#.C3.96sterreich Fristenlösung, http://de.wikipedia.org/wiki/Fristenl%C3%B6sung#Gegenw.C3.A4rtiger_Stand_in_.C3.96sterreich Demokratisierung von Schule und Universität, 40-Studen-Woche, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Entkriminalisierung der Homosexualität, etc., etc.

und
politischen Vergangenheit mancher Minister des Kaninetts Kreisky I (Rösch Innenminister, Frühbauer Verkehrsminister, Moser Bauten, Öllinger Landwirtschaft) Kreisky-Peter-Wiesenthal-Affäre http://www.doew.at/thema/wiesenthal/pelinka.pdf Volksabstimmung über KW Zwentendorf http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Zwentendorf Konferenzzentrum dem in seinem Sog emporgekommenen Personen Udo Proksch, Karl Blecha, etc., etc…..

kann man sich viel aussuchen, was man Kreisky innenpolitisch vor- bzw. nachwerfen kann.
Ein Punkt ist aber für mich unbestritten. Damals (siehe Foto) hatte die Sozialdemokratie in Europa drei Männer, die trotz oder wegen all der Brüche in ihren Biografien und Ideologien
eine Weltbild hatten, es ausformulierten und, versuchten die Welt nach diesem Bild (um) zu formen.

Hätte man dieses Weltbild Ideologie genannt, hätten sie vermutlich auch kein Problem damit gehabt, nur haben Sie an dieser Ideologie selbst Hand angelegt. Wir lassen uns aber heute vormachen, dass der neoliberale Pragmatismus der alternativlose Weg ins Heil wäre. Selbstverständlich ist auch das Ideologie, nur entspricht es der Sprachregelung aller Religionen mit alleinigem Wahrheitsanspruch, sich als Religion und den Rest als fehlgeleitete Sekten zu bezeichnen.
Wenn heute so geistige Flachwurzler wie Christian Ortner in Die Presse http://diepresse.com/home/meinung/quergeschrieben/christianortner/626973/Die-Aera-Kreisky-geht-doch-noch-zu-Ende-Ideologie-des-Pluenderns wider der Faktenlage das „NLP Gelabere“ der Schuldenpolitik dieser Jahre herunter betet:
Zum hundertsten Geburtstag Bruno Kreiskys sind in Europa die rauchenden Ruinen einer Wirtschaftspolitik zu besichtigen, zu der er sich noch kokett bekannt hat: Schulden machen, solange es geht.
dann zeigt das doch nur, dass die heutigen Prediger des Neoliberalismus zur Erklärung des Zusammenbruchs ihres Systems Politiker anschwärzen müssen, die seit Jahrzehnten entmachtet sind. All das nur, weil die gegenwärtige Krise der neuen Weltordnung mit den Konzepten ihrer eigenen Säulenheiligen (von Hayek, Friedman, …etc.) nicht schlüssig erklärbar ist und man jede Lernfähigkeit verloren hat.
Nur zur Klarstellung: Die Schuldenstände Österreichs stiegen nach Kreiskys Alleinregierungen noch viel unverfrorener an, selbst wenn man sich Zahlen aus dem Lager seiner Gegner besorgt:
Schuldenstände in % BIP 2010 EUR 198.400.000.000 70,1% 2000 EUR 138.040.000.000 66,5% 1990 EUR 76.518.000.000 56,1% 1980 EUR 27.002.000.000 35,4% 1970** EUR 3.421.000.000 ~15% http://www.staatsschulden.at/

Spielt man sich mit den Daten der ÖNB: http://www.staatsschuldenausschuss.at/de/daten/datenangebot.jsp sieht man dass Finanzierungssaldo des Staates in % des BIP 1976: 3,7 1980: 2,0 1990: 3,4 2000: 3,5 2010: 2,7 betrug, also unabhängig von Kreisky um einen konstanten Wert schwankte. Alles andere ist bewußte Lügenpropaganda, Herr Ortner!
Darüber hinaus muss man aber noch diskutieren, wer denn die Nutznießer der Schulden waren, also ob den Steuerzahlern ihr Geld in Form von Infrastruktur, Gesundheit, …etc. zurückgegeben wurde, oder ob durch Gruppenbesteuerung, Stiftungsrecht, … das Geld vom unselbständig Erwerbstätigen an Multinationale Konzerne und „die Reichen“ ins Ausland umverteilt wurden bzw. die Schulden trotz Verschleuderung von Volksbesitz (Privatsierungen seit Ende der 90er-Jahre) anstiegen.
ALSO: Der Bruno hat sich nicht ganz fürs HERRGOTTSWINKERL qualifiziert, wobei ich wenig Probleme habe, einen Großteil seiner Gegner in das SATANSWINKERL zu stellen. Kein Portrait sondern ein Triumvirat als Bildbeispiel, weil das was für mich ohne Zweifel im Gedächtnis bleibt: INTELLEKT UND LERNFÄHIGKEIT
„Weiterreden mit jenen, gegen die man ist – eines Tages kann daraus überraschend Gutes kommen.“ (Bruno Kreisky)
http://www.zitate-zitat.de/zitat.php/10376
Ach hätten heutige Entscheidungsträger ein wenig von beidem!

http://www.christian-felber.at/artikel/pdf/Was_ist_Neoliberalismus.pdf http://derstandard.at/1293369987124/Ansichtssache-Jedem-sein-eigener-Kreisky?sap=2&_slideNumber=5&_seite=

Written by medicus58

24. Februar 2012 at 17:23

Maskiert unsere Menschlichkeit nur unsere Unmenschlichkeit?

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Dieser Eintrag, bezieht sich auf die schlichte Anfrage aus http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=44850 , ob ich mich denn nicht angesprochen fühlen würde, von:

Ehrenamtliche Ärzte gesucht: http://amber.diakonie.at/ Wäre das was für Sie?

NOPE, auch wenn ich nun is Satanswinkerl komme

Ich bin prinzipiell gegen „Caritas“ (= tätige Nächstenliebe, nicht prinzipiell gegen die gleichnahmige Organisation) als Ersatz für „Menschenrechte“ (=gesetzliche Absicherung für gesundheitliche, soziale, … Hilfe)

Nach KAG hat jeder (also nicht nur Ösis) beim Betreten einer öffentlichen Krankenanstalt das Recht im Akutfall behandelt zu werden. Dies kompromislos einzufordern, bringt mehr als nur die, die sich artikulieren können, mit caritativer Hilfe mundtot zu machen und am System nix zu ändern … Hat die Person Flüchtlingsstatus, dann hat die Rechnung von der Öffentlichkeit übernommen zu werden. Punkt

(OK, ich höre es förmlich: Scheissgesinnung der Linken, die Welt (als Ganzes) verändern wollen, aber dabei über die Leichen (des Individuums) zu gehen.)

Wenn dann Rechnungen für den Spitalsbesuch ausgestellt werden (was eh selten passiert, da i.d.R. für wirklich wichtige Dinge die Kosten vom Träger übernommen werden) bin ich dafür diese Rechnung zu bekämpfen: im Sinne: Erste Hilfe hat gratis zu erfolgen.
Ein Parallelsystem zur Multi-Klassen-Medizin zu schaffen, bringt auf lange Sicht nix.

Klingt extrem unmenschlich, wenn man es so schreibt und ist für mich nicht die Richtschnur im Einzelfall, aber im Prinzip meine gesellschaftspolitische Position.
Illustrierende Beispiele würden den Rahmen sprengen, (Familienangehörige mit terminalen Krebserkrankungen werden nach Österreich geholt, …) aber Humanität zu spielen, bei denen, die es geschafft haben „her zu kommen“ und nicht zu hinterfragen, was mit den (offensichtlich ökonomisch schlechter gestellten) Menschen ist, die es nicht geschafft haben ein Mehrfaches des durchschnittlichen Jahreseinkommens aufzubringen, um „zu uns“ geschleppt zu werden, ist nur in Samt gehüllte Fremdenfeindlichkeit der konservativen Art.

Natürlich bleibt das Todschlagargument, man kann am Rücken des einzelnen nicht den Krieg gegen das Unrecht der Welt austragen.

Dem ist nur entgegen zu halten, dass man durch das Wegschaffen der augenfälligen Ungerechtigkeiten der Welt ein Ghetto schafft, dass die gegenwärtigen Zustände derartig schönt, dass sie unhinterfragt bleiben und somit den Menschen, die nicht immigrieren konnten, jede Chance nimmt ihre Situation zu verbessern.

Das Unrecht ist am Ort des Geschehens zu bekämpfen und nicht durch ein Abschwächen seiner Folgen.

Mit dieser Meinung habe ich es schon als Schüler zu einem Preis bei einem Redewettbewerb gebracht und mir jede Chance für’s Finale verbaut 😉

PS: Übrigens glaube ich in meiner dzt. Stellung mehr leisten zu können, als woanders…., was auch für viele KollegInnen gilt, von denen ich weiss, dass sie sich bei ähnlichen Organisationen engagieren, …. aber ich weiß, gegen das Gute kann man nichts einwenden, auch wenn es Unrecht schafft bzw. einbetoniert.

BTW, das Photo habe ich in einem Township bei Capetown aufgenommen

und noch ein Nachtrag: http://derstandard.at/1317019497544/Anhaltezentren-Fluechtlinge-werden-erst-in-Europa-krank

Written by medicus58

16. Februar 2012 at 18:54

Franz Kafka

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Franz Kafka

Begleitet mich seit etwa 40 Jahren, und verdichtet für mich die Welt, wie kaum jemand anderer.

Die offenbar von so wenigen gefühlte Diskrepanz zwischen Sein und Schein unser Welt, hat niemand in eine so kurze Form bringen können, wie er. 
Zwei Sätze nur. Ich wäre glücklich, dies auch zu können, so bleibt mir nur die Gegugtuung, es wenigstens lesen zu können.
Auf der Galerie
Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem Pferde schwirrend, Küsse werfend, in der Taille sich wiegend, und wenn dieses Spiel unter dem nichtaussetzenden Brausen des Orchesters und der Ventilatoren in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft sich fortsetzte, begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden Beifallsklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind – vielleicht eilte dann ein junger Galeriebesucher die lange Treppe durch alle Ränge hinab, stürzte in die Manege, rief das: Halt! durch die Fanfaren des immer sich anpassenden Orchesters.
Da es aber nicht so ist; eine schöne Dame, weiß und rot, hereinfliegt, zwischen den Vorhängen, welche die stolzen Livrierten vor ihr öffnen; der Direktor, hingebungsvoll ihre Augen suchend, in Tierhaltung ihr entgegenatmet; vorsorglich sie auf den Apfelschimmel hebt, als wäre sie seine über alles geliebte Enkelin, die sich auf gefährliche Fahrt begibt; sich nicht entschließen kann, das Peitschenzeichen zu geben; schließlich in Selbstüberwindung es knallend gibt; neben dem Pferde mit offenem Munde einherläuft; die Sprünge der Reiterin scharfen Blickes verfolgt; ihre Kunstfertigkeit kaum begreifen kann; mit englischen Ausrufen zu warnen versucht; die reifenhaltenden Reitknechte wütend zu peinlichster Achtsamkeit ermahnt; vor dem großen Salto mortale das Orchester mit aufgehobenen Händen beschwört, es möge schweigen; schließlich die Kleine vom zitternden Pferde hebt, auf beide Backen küßt und keine Huldigung des Publikums für genügend erachtet; während sie selbst, von ihm gestützt, hoch auf den Fußspitzen, vom Staub umweht, mit ausgebreiteten Armen, zurückgelehntem Köpfchen ihr Glück mit dem ganzen Zirkus teilen will – da dies so ist, legt der Galeriebesucher das Gesicht auf die Brüstung und, im Schlußmarsch wie in einem schweren Traum versinkend, weint er, ohne es zu wissen.

… alles gibt mir zu denken“ (Tagebucheintrag)
http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Kafka

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 10:19

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