Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Gewalt

Spinnen die Griechen?

leave a comment »


Die wollen doch allen Ernstes ihre Schulden nicht zurück zahlen!

Ja, wo gibt’s denn sowas?

Na überall in unserer spätkapitalistischen Welt!

ENRON (http://de.wikipedia.org/wiki/Enron) hat Milliarden $ in den Sand gesetzt.
Allein LEHMAN BROTHERS (http://de.wikipedia.org/wiki/Lehman_Brothers) hat zwar über 222 Millionen $ vor Gericht aus der Insolvenz von Enron erstritten, ist aber selbst insolvent geworden und hat Schulden von 200 Milliarden $ nicht zurückzahlen können… und an den“giftigen Papierln der Brüder“ laborieren wir noch immer…

Der Platz fehlt, um alle Milliardenpleiten der letzten zehn Jahre aufzuzählen,
das Prinzip pflanzt sich jedoch bis zur kleinen Baufirma hinunter, die aufhört zu existieren, wenn es um die Bezahlung von Gehältern, Steuern und Abgaben geht …

aber wenn die Griechen nicht die Kredite zurückzahlen können,
die unter heftiger Beratung durch Goldman Sachs und JP. Morgan (http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Finanzkrise)
zum Großteil an andere geflossen sind, dann geht das einmal gar nicht …

Da muss man schon durchgreifen, weil was in der Welt der Banken und Großindustrie geht, darf denn dem Mann von der Straße nicht auch erlaubt werden, …. sonst kippt das System

Der Grieche muss für die Euro-Scheine arbeiten und seine Schulden bezahlen!
Er kriegt keinen 0%-Kredit von der Zentralbank,
er muss den Gürtel enger schnallen, denn er macht schließlich das ganze Jahr Urlaub, wo wir nur für 14 Tage hinkommen.

http://www.youtube.com/watch?v=ii_Kx-mExBg
http://www.youtube.com/watch?v=zo2TgnKTI_0

Ich sehe in den Videos nicht in erster Linie Polizeigewalt oder Molotow-Cocktails vermummter Gewaltbereiter, ich sehe Griechen, die gegen Griechen einen Stellvertreterkrieg führen; einen Stellvertreterkrieg gegeneinander statt gegen die, die für die aktuelle Situation in ungleich größerem Ausmaß Verantwortung tragen, als der „Nebenjob-Beamte“ oder „steuerhinterziehende Tavernenwirt“, der uns in den Medien immer vorgeführt wird.

Die, die für ihren eigenen Vorteil ein Lügengebäude betreiben, dass sie als freien Markt bezeichnen, an dem niemand anderer als sie selbst Profite zieht, die gewusst haben, dass das Wirtschaftswunder Südeuropas auf sehr viel Schein beruht, die bleiben der Straße fern.

Deshalb zum Abschluß ein Video zur passenden Musik der „Kaiser Chiefs“
„I Predict A Riot“ http://youtu.be/4RAJoTx1v9o

und ganz aktuell: „I saw my first Sieg Heil“  http://www.businessinsider.com/this-week-in-athens-i-saw-my-first-sieg-heil-2012-5

Written by medicus58

12. Mai 2012 at 18:47

Wir sind friedlich – was seid ihr?

with 2 comments


Was auf dem Screenshot aussieht, als würden sich Einsatzkräfte um eine gestürzte Frau kümmern, war eigentlich etwas ganz anderes. 

Gestern, am 26.April, fanden in Wien zwei Räumungen auf zwei verschiedenen Universitätsgeländen statt:

Beitreiber des Projekts Grossstadtgemüse – http://grossstadtgemuese.wordpress.com/
http://tuewi.action.at/de/gemuese
eines Forschungsprojekts der Bodenkultur- wurden ohne Vorwarnung von der seit 2 Jahren bewirtschafteten Teilfläche eines Grundstückes in der Gerasdorferstr.105 im 21. Bezirk durch einen privaten Sicherheitsdienst vertrieben und Privateigentum zerstört, http://youtu.be/qmkRCdsLZHw
da parallel dazu eine andere Besetzung Landbesetzung der SoliLa (SOLIdarisch LAndwirtschaften Jedlersdorf)
http://youtu.be/loiPjRS_bws
geräumt werden sollte.
Blog und Erfahrungsberichte:
http://17april.blogsport.eu/
http://platzda.blogsport.eu/2012/04/26/raumung-solila-2/
Zeitungsberichte:
http://derstandard.at/1334796288491/Wien-Floridsdorf-Boku-liess-besetztes-Feld-von-privaten-Sicherheitskraeften-raeumen
http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/752794/Boku-laesst-von-Studenten-besetztes-Feld-raeumen

Gestern wurde auch die WEGA (http://yfrog.com/5zf1vz) eingesetzt, um Studierende, die parallel zu einer Sitzung des Senats der Wiener Universität demonstrieren, aus dem Universitätsgebäude zu vertreiben.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=57093
Zeitungsberichte:
http://studi.kurier.at/news/2559-studis-blockierten-senatsstizung.php
http://www.vienna.at/proteste-gegen-studiengebuehren-auf-der-ringstrasse-am-donnerstagabend/3234803
http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/752921/Uni-Wien_Studiengebuehren-werden-wieder-eingefuehrt
Ich bin in beide Vorfälle nicht persönlich involviert, ich bin nur über die Bilddokumente entsetzt, so dass ich sie hier dokumentieren möglich.
Nachdem zur großen Erleichterung von BuMi Töchterle nun eine Uni nach der anderen Studiengebühren beschliesst, bleibt die Frage offen, ob diese Gebühren nicht direkt an die Hel-Wacht oder den Club der Freunde der Wiener Polizeit überwiesen werden sollten ….

Vergleiche auch:
http://paper.li/15o_vienna/1335350539
http://danielweber.at/2012/04/30/erganzende-stellungnahme-vom-projekt-grossstadtgemuse-zur-landbesetzung-in-wien-floridsdorf/ 

hEUte hOErt dEr fAScHinG AuF

with one comment


In den SN erfährt man Bemerkenswertes:

Der in Deutschland gebräuchlichere Begriff Karneval leitet sich ab von Fleisch – lateinisch carne – und vale – lateinisch für ade. Das heißt also ’Lebe wohl Fleisch’

Die bei uns gebräuchlichere Bezeichnung Fasching, bezeichnet hingegen einfach den letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit. Na, Prost.

http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/chronik/artikel-welt-chronik/artikel/die-wurzeln-des-verkleidens-4545/

Vienna Online, weiß dafür ganz genau, was wir Wiener so im Fasching treiben: Knapp die Hälfte, nämlich 48% der Bewohner der Bundeshauptstadt, besucht heuer Faschingsfeste, Umzüge, Bälle oder veranstaltet private Partys.Vor allem jüngere Menschen und Personen mit Kindern im Haushalt unternehmen häufig etwas in der Faschingszeit – so eine aktuelle Telefon-Umfrage von Makam, bei der 500 Personen interviewt wurden. http://www.vienna.at/1090/umfrage-so-feiern-die-wiener-den-fasching/3174045

Die Süddeutsche titelt fröhlich „Fasching in Dachau Nüchtern betrachtet“ und schwadroniert weiter: „Es ist Fasching in Dachau und das Blut ist rote Farbe. Diese Schnittwundenoptik ist einer der Trends auf dem diesjährigen Fasching. So wie auch Sträflingskleidung und Bauarbeiteranzüge, …“

So ähnlich wie unlängst mit dem Ball der Oberösterreicher und seinem Plakat über Braunau (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=51269) finde ich es bemerkenswert, dass offenbar die Konnotationen zu bestimmten Ortsnamen verloren gegangen sind. Wie auf (http://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/) nachzulesen, diente das KZ Dachau als Modell für alle späteren Konzentrationslager und als „Schule der Gewalt” für die Männer der SS, unter deren Herrschaft es stand. In den zwölf Jahren seines Bestehen waren hier und in zahlreichen Außenlagern über 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. 41.500 wurden ermordet.

Der Trend der „Schnittwundenoptik“ im Dachauer Fasching kommt mir etwas deplaziert vor, aber andererseits ist Dachau halt eine „Große Kreisstadt“ im gleichnamigen oberbayerischen Landkreis und für viele inzwischen kein Synonym mehr, für Konzentrationslager … http://de.wikipedia.org/wiki/Dachau

Man kann sich darüber freuen oder man kann sich darüber wundern … In jedem Fall: Im Gegensatz zum Leben, hört der Fasching nie auf, oder der Karneval.

Written by medicus58

21. Februar 2012 at 16:36

Gewaltfreie „Wutbürger“ geht das? Mahatma Gandhi

leave a comment »


Wutbürger ist von der deutschen Gesellschaft für Sprache zum Wort des Jahres 2010 gewählt worden. (http://www.tagesschau.de/inland/wortdesjahres106.html).

Wie bei allen Schlagworten sind sich zwar alle einig, sie augenblicklich häufig zu verwenden, jedoch meist uneins, was sie so genau bedeuten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wutb%C3%BCrger

Als „verbissener Blogger gegen das Böse in der Welt“ fühlt man sich mit der Thematik ja auch gleich selbst betroffen. 

Noch mehr Unterzund bekommt man durch Wortmeldungen, wie der des 93-jährigen Stephane Hessel, Widerstandskämpfer, KZ Buchenwald Überlebender und Mitverfasser der Menscherechtserklärung 1948:

„Wir alle müssen darüber wachen, dass unsere Gesellschaft eine Gesellschaft bleibt, auf die wir stolz sein können.“ 
„Ich wünsche jedem Einzelnen von ihnen ein eigenes Empörungsmotiv. Denn das ist kostbar. Wenn etwas Sie empört, wie mich der Nazismus empörte, werden Sie militant, stark und engagiert.“

http://derstandard.at/1295571430771/Franzoesische-Streitschrift-Empoert-euch

Gleichzeitig verlangt er , dass diese Empörung gewaltfrei sein soll… 

Und wie bitte soll denn das funktionieren, fragt sich Otto Normalverbraucher, der sich die Empörten nur entweder hektisch bombenbastelnd oder nikotinsüchtig und ergebnislos herumdiskutierend vorstellen kann.

Das gibt einem die seltene Möglichkeit aus aktuellem Grunde sein Herrgottswinkerl zu befüllen.

Mohandas Karamchand Gandhi (http://de.wikipedia.org/wiki/Mohandas_Karamchand_Gandhi) hat mit seiner Theorie und Praxis gezeigt, wie so was gehen kann. 

Die Grundbedeutung von Gewaltfreiheit ist Festhalten an der Wahrheit, Kraft der Wahrheit (Satyagraha). […] Bei der Anwendung von Gewaltfreiheit entdeckte ich schon sehr früh, dass die Wahrheitssuche es nicht erlaubt, dem Gegner Gewalt anzutun. Er muss vielmehr durch Geduld und Mitgefühl von seinem Irrtum abgebracht werden.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltlosigkeit

Natürlich klingt das im Zeitalter der Selbstmordattentäter und Massenvernichtungswaffen fast ebenso kindisch wie mein Lieblingsartefakt zur Geschichte Gandhis: Man findet es in einem Haus in Bombay in dem er einige Jahre zu Gast war, dem  Manibhavan http://www.gandhi-manibhavan.org/

Gandhi schrieb am Vorabend des 2. Weltkrieges an „Herr(n) Hitler, Berlin, Germany“ in eindringlichen Worten, dass er es in der Hand hätte, der Welt einen Krieg zu ersparen und er den Appell eines Menschen ernst nehmen soll, der für sich der Gewalt entsagt hat.
http://dusktodusk.co.uk/wp-content/uploads/2010/07/ghandi-s-letter-to-hitler1.jpg 

(So nebenbei ist das Dokument ein netter Gegenbeweis gegen alle, die noch immer behaupten, man hätte nicht wissen können, dass Hitlers Politik zu Krieg führen würde. Ein Anwalt im fernen Indien hat das offenbar schon wissen können … Gleiches gilt für seinen Artikel gegen die Judenverfolgung in Deutschland aus 1938 ….) 

OK, bei „Herrn Hitler“ hat der „Wutbürger“ Gandhi  versagt, aber sein primärer Empörungsgrund, das damals noch starke Britische Empire, gab letztlich Indien auf. Wesentliche Schritte waren so simple Aktionen wie das britische Verbot zu mißachten und seine Stoffe selbst und nicht in Manchester zu spinnen und das Salz am eigenen Strand zu gewinnen und nicht zu importieren.
http://de.wikipedia.org/wiki/Salzmarsch
http://www.chacha.com/question/what-was-ghandi’s-spinning-wheel-campaign

Man sitzt zwar viele Jahre im Gefängnis, aber gewaltloser Widerstand kann funktionieren, auch wenn eine andere Ikone der Bewegung (Nelson Mandela) in seiner Biografie zugibt, dass er nach Jahren frustraner Diskussionen selbst Gewalt als Mittel des Widerstandes anerkennen musste, aber das ist eine andere Geschichte.

Written by medicus58

15. Februar 2012 at 11:15

%d Bloggern gefällt das: