Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Was hat denn ein Virus mit der Politik zu tun?

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Ich stamme ja noch aus einer Zeit, in der das Credo galt, alles wäre irgendwie politisch. Seit ein paar Jahrzehnten macht man den Nachgeborenen vor, nichts wäre politisch, beides zeigt mehr über die Beweggründe der jeweiligen Prediger auf, als dass es zu im Alltag brauchbaren Alternativen führt.

Wenn wir uns aber die absurde Diskussion über die Nebenwirkungen des AstraZeneca Impfstoffes ansehen, dann wird schnell klar, dass die föderal-nationalistische Pandemiebekämpfung mit supranationalem Bestell- und Zulassungsverfahren, schon irgendwie was mit den politischen Zuständen in Europa zu tun hat:

Wenn am Ende alle glauben ihre Interessen durchgebracht haben, ist das Problem größer, statt kleiner geworden. Ein Rückblick:

Erste Fälle von eher seltenen Thromboseformen treten in engem Zusammenhang zur Impfung auf, eine junge Frau ist tot. Unser Nationales Impfgremium, bzw. einige seiner Vertreter negieren jeden kausalen Zusammenhang und (welche Vergewaltigung statistischer Methoden) vergleichen die Fälle mit der Gesamtinzidenz.

Richtig wäre zu diesem Zeitpunkt gewesen, einen Zusammenhang als nicht ausgeschlossen zu sehen und auf das höhere Risiko einer Erkrankung Ungeschützter zu verweisen.

Nationale Impfgremien in ganz Europa entscheiden ganz unterschiedlich, die Europäische Behörde sieht trotz neuer Fälle keinen kausalen Zusammenhang und das österreichische Impfgremium schließt sich, anders als die deutschen Weisen der EMA an.

Neue virale, erste politische (Auer) Leichen, neue nationale Entscheidungen in verschiedenen Ländern: war der Impfstoff für die Alten früher nicht zugelassen, soll er jetzt für die jüngeren Frauen Gift sein (harte Fakten dafür fehlten), nach langen Beratungen entscheidet sich das Nationale Impfgremium auf die Entscheidung der Europäischen Behörde.

Der Rest ist Geschichte: Europa sieht kausale Zusammenhänge und ändert den Beipacktext. Das nationale Impfgremium tagt lange, sorgfältig, wiegt ab und schließt sich der EMA an. Andere Länder entscheiden anders, erste kaufen Sputnik V.

Föderale Durchführung nationalistischer Alleingänge im Rahmen der Europäischen Union hat was von fucking for virginity.

Unter der Entscheidung, zwar freie Grenzen für Kapital und Dienstleistungen aber schon längst nicht mehr für Bürger, ihre Gesundheit und Wohlfahrt, bremst u. a. jede effektive Pandemiebekämpfung und sichert nichts als die Arbeitsplätze sinnloser Kleingremien.

Andererseits aber eh egal, weil AstraZeneca erneut Lieferschwierigkeiten hat.

Written by medicus58

8. April 2021 at 16:13

Veröffentlicht in Gesundheitssystem

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Von glühenden Europäern, warum immer mehr LKWs für den IS fahren werden und interessante Daten der OECD

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Wer ist heute kein glühender Europäer:

Politiker, Gewerkschafter, Interessensvertreter, …
Selbst diejenigen, die vor der EU-Abstimmung noch gegen einen Beitritt waren, von der FPÖ bis zu den Grünen, glühen oder behaupten es wenigstens,
nur noch ein paar glühen vor Ärger.

Verstehen Sie mich richtig, ich hielte einen EU-Austritt Österreichs nun, fast auf den Tag genau 24 Jahre vor unserem Beitritt auch für keine prickelnde Idee, nur würde ich mir schon ein paar Antworten auf einige Fragen oder noch besser Aktivitäten Brüssels in die richtige Richtung wünschen!

Heute wird die tükisch-blaue Regierung durch die Lockerung der Arbeitsgesetze (12h Tag, 60h Woche) gezeigt, was innerhalb des gesetzlichen Rahmens der EU möglich ist.
Ende Mai hatte das Europaparlament eine neue Richtlinie verabschiedet, die entsandte Arbeitnehmer besser vor Sozialdumping schützen soll. Fernfahrer wurden dabei jedoch ausgenommen – für sie sollten Vorschriften im Rahmen eines geplanten „Mobilitätspakets“ verankert werden.

Die EU-Kommission legte nun dem EU Parlament ein Mobilitätspaket zur Abstimmung vor, das
die maximal tägliche Lenkzeit von LKW- und Buslenkern auf zwölf Stunden ausdehnt,
ihnen erst nach drei Wochen statt nach zwei Wochen das Recht für 45 Stunden am Stück Ruhezeit gibt,
die Zwölf-Tage-Ausnahme von der Wochenruhe im internationalen Fern- und Reisebusverkehr auch auf den nationalen Verkehr ausweitet und
das lückenlose Verbot, die reguläre Wochenruhe von 45 Stunden in der drei-Quadratmeter-Fahrerkabine zu verbringen aufhebt.

Das Parlament hat vorerst den Vorschlag in den zuständigen Ausschuss rückdelegiert, weg ist das Thema noch längst nicht und es wird klar, wohin die Reise gehen soll:
Weniger Schutz von Arbeitnehmern vor Ausbeutung durch Arbeitgeber und sich selbst, sowie Lohndumping und Arbeitsmonadentum durch die Ausnahmen für grenzüberschreitend tätigen Bus- und Lkw-Fernfahrer.

Natürlich lassen Gewerkschafter und Arbeiterkämmerer die Muskeln spielen, nur lässt hier eine andere Meldung aus den Tiefen der OECD Statistiker aufhorchen:

Nach der 2008 Krise, sonnen sich die OECD Länder in einem Wirtschaftsaufschwung. von denen bei den unselbständig Erwerbstätigen relativ wenig ankommt.
Wenn für den einzelnen noch scheinbar ungehemmter Konsum drinnen ist, ermöglicht das überwiegend die in Billiglohnländer ausgelagerten Werkbank und absurde Preisverwerfungen.
Während das Wachstum ohne Vollbeschäftigung (job less growth) bis vor kurzem noch durch die Digitalisierung und Automatisation erklärt wurde, die auch ohne zusätzliche Mitarbeiter ein Wirtschaftswachstum ermöglicht, lässt nun die OECD damit aufhorchen, dass wir auch inzwischen auch in Europa ein wageless growth beobachten. So neu ist das nicht, wir kennen das schon lange aus den USA als Mc-Jobs oder working poor und es darf angenommen werden, dass das auf Europa überschwappte, weil wir auch deren Ideologie und Gesellschaftssystem zunehmend übernehmen.

Die Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten sinkt. Doch die meisten Arbeitnehmer profitieren davon nicht.

„Das Lohnwachstum war nur halb so stark, wie es vor der großen Rezession bei vergleichbaren Arbeitslosenquoten war“, schreiben die OECD-Experten – und zwar in allen 34 OECD-Staaten

Als Erklärung wird (im zitierten wie in anderen Artikeln) auf das GAFA Phänomen verwiesen, eben, dass Wachstum und Kapitalzuwächse vor allem zu den „elektronischen Dienstleistern“ wie Google, Amazon, Facebook und Apple fließt. IMHO ist das aber eher ein Problem der aktuellen Steuergesetze, dass deren Gewinne an der nationalen Besteuerung vorbeifließen und erklärt mir nicht so ganz die niedrigen Löhne.

Das seit spätestens seit den 80er Jahren evidente Auseinanderklaffen von Produktivität und Löhnen kann man schon längst auch auf Wikipedia lesen, dazu hätte es die OECD Experten nicht benötigt:

Und das führt uns zu den Interessensvertretern (Gewerkschafter, Arbeiterkammer), die seit Jahrzehnten im Rahmen ihrer Kollektivvertragsverhandlungen es offenbar nicht geschafft haben, den unselbstständig Erwerbstätigen einen gerechten Anteil heraus zu verhandeln, der natürlich über Einkommens- und Verbrauchsteuern wieder den Wohlfahrtsstaat finanzieren könnten.

Vielleicht sollten die mal ihre eigenen Videos anschauen ….

Die Neoliberalisierung der Europäischen Komission ist letztendlich Folge des Wahlverhalten der EU Bürger (plus 25.000 Lobbyisten mit einem Jahresbudget von 1,5 Milliarden Euro). Woran es liegt, dass dem unsere Interessenszertreter nichts entgegen zu setzen haben, sollten wir einmal näher beleuchten,
ehe uns der erste LKW – ohne allahu akbar Rufe – zusammenstaucht.

Links:
Was sagt uns Diskrepanz zwischen erzielbarem Einkommen und Therapiekosten?
Haben Sie die Revolution verpasst? Die lautlose Diktatur des globalisierten und deregulierten Kapitals

Written by medicus58

5. Juli 2018 at 18:08

Veröffentlicht in Allgemein

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Europas Vertrauenskrise: Einer der zum Schießen einreist

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Europastudio

Paul Lendvai versammelte in seinem Europastudio wieder einmal eine Gruppe von „wichtigen“ Journalisten“ von „angesehenen europäischen Medien“ (FAZ, NZZ, …) um über die Ursachen von Europas Vertrauenskrise zu diskutieren.
Unter wiederholter Anrufung von Nitsche, Hegel und Churchill zerbrach man sich den Kopf, weshalb die Menschen das Friedensprojekt der Europäischen Union so gar nicht schätzen. Etwas uneinig war man, ob der Widerstand nur Sache des kleinen Mannes oder vielleicht auch doch von Teilen der Eliten ist.

Wie stets in derlei Erörterungen, brachte der Herr Professor wieder das Totschlag-Argument vor, dass die Menschen sich schon daran gewöhnt haben innerhalb von Europa die bestehenden  Nationalgrenzen nach Belieben überschreiten zu dürfen, dass sie diese Freiheit gar nicht mehr als wesentlichen Gewinn der Euorpäischen Einigung erkennen.

Möglicherweise liegt es daran, dass Lendvai und seine Gesprächspartner zwar in Zeitungen schreiben, diese aber nicht lesen, sonst würden sie die Löchrigkeit des Arguments erkennen.

Die Abreise des Österr. Fußball-Nationalteams zur EM 2016 nach Frankreich verzögerte sich letzten Mittwoch deshalb, weil Offensivspieler Martin Harnik seinen Reisepass im Hotel vergessen hatte und ihm das Dokument vom Hotel zum Flughafen nachgebracht werden musste. http://diepresse.com/home/sport/fussball/euro/5007089/Harnik-vergisst-Pass_OFBAbreise-mit-Verzogerung?
Das zeigt doch sehr schön, dass wir europäische Grenzen im Schengenraum wie auch vor unserem EU-/Schengen-Beitritt nur mit dem Zücken eines Reisepasses überwinden dürfen.
Visa zwischen Österreich und Frankreich benötigte man zu meinen Lebzeiten ohnehin nicht. Also was hat sich da für den Einzelnen geändert, das er nun als großen Gewinn erkennen soll?
Im kleinen Grenzverkehr, wurden Einheimische auch schon früher einfach durch gewunken.

Über diese eigenartige Diskrepanz habe ich mich hier schon im Mai 2011
Das können wir uns Schengen https://medicus58.wordpress.com/2011/05/19/das-konnen-wir-uns-schengen/

und im November 2013 Gedanken gemacht
Grenzen https://medicus58.wordpress.com/2013/11/20/grenzen/  .

Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit der angespannten Sicherheitslage um die EM 2016.
Den Grenzbeamten möchte ich gerne kennen lernen, der einen im Rahmen der Nationalmannschaft reisenden Fußballer, dessen Identität wohl jeder seiner Gruppe glaubhaft bestätigen könnte, die Einreise verweigern muss, weil er ihn ohne Reisepass für eine Sicherheitsbedrohung erachtet.

Millionen passierten in den letzten Monaten europäische Grenzen ohne Ausweisleistung und Registrierung.

Ein österreichischer Fußballer aus einem Schengenland braucht aber einen Reisepass um in ein anderes Schengenland zu fliegen, obwohl seine Identität völlig klar war und er sogar zugeben würde, dass seine einzige Absicht war, in Frankreich möglichst viel herum zu schießen:
Tore aber, nur Tore und (mit größter Wahrscheinlichkeit) nix anderes.

 

 

 

 

 

 

 

Written by medicus58

12. Juni 2016 at 12:42

Wehselys Coup: Wien lässt sich Demontage der öffentlichen Spitäler von der EU finanzieren!

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Kav

Fest steht, dass am kommenden Dienstag (19.1.2016) Stadträtin Wehsely wiedereinmal das Spitalskonzept 2030 anpreisen wird.

Dieser Sachverhalt wäre an sich eher die Fortsetzung eines Treppenwitzes, über dessen ersten Stufen hier schon mehrfach berichtet wurde:

Als Wehsely am März 2011
https://www.wien.gv.at/gesundheit-soziales/spitalskonzept.html
http://www.wienkav.at/kav/ZeigeText.asp?ID=36461
dieses scheinbar zukunftrsträchtiges Programm verkündete, handelte es sich um – sachlich sinnvolle –Schließung einiger kleinerer Spitäler.

„Die Qualität der Akutversorgung besteht nicht darin, ein Spital um die Ecke zu haben.“

Die Zentralspitäler (AKH, WSP, KHL, KFJ, RUD, DSP und irgendwann KH Nord) sollten zukünftig mit ihrem kompletten Fächerkanon die stationäre Versorgung sichern.

Wir wollen in Zukunft nicht mehr 12 Häuser in Konkurrenz, sondern sieben (!) kooperierende Spitalsorganisationen.

2012 wurden (unter kräftiger Beteiligung der Wiener Gesundheitsstadträtin) die bundespolitischen Weichen (im Österr. Strukturplan Gesundheit) gestellt, das Leistungsspektrum von Schwerpunktkrankenhäusern auszuhöhlen:
Die Potemkinschen Spitäler http://wp.me/p1kfuX-n8
Nun gibt die Politik die Potemkinschen Spitäler langsam zu, schiebt aber Verantwortung auf Ärzte
http://wp.me/p1kfuX-Br

2014 war dann klar, dass auch in Wien die sieben (6 Schwerpunktkrankenhäuser und 1 Zentralkrankenhaus) das Geschichte sind und die Spitäler unter dem Titel „Schwerpunktbildung“ so ausgehöhlt werden, dass nur mehr jeweils zwei Spitäler gemeinsam das Leistungsspektrum eines Schwerpunktkrankenhaus bieten werden (Wien entledigt sich der Unbequemen an der Front http://wp.me/p1kfuX-J2).
Paarbildung, hieß das plötzlich und nun waren es nur noch vier (3 Pärchen, die jeweils ein Schwerpunktspital darstellten und 1 Zentralspital, das AKH).
Der Kahlschlag hätte eigentlich viel größer ausfallen sollen und die Rudolfstiftung komplett gesperrt werden (http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,976181) was aber der Bezirk vorerst verhindern konnte. Ende des Jahres fand man sogar nicht unspaßige Wortschöpfungen um zu vernebeln, dass es sich hier um eine signifikante Verschlechterung in der Patientenversorgung handelt (KAV: Superkalifragilistisch Expealigorisch http://wp.me/p1kfuX-RB). Etwas, was Ende 2015 sogar der Wiener Ärztekammerpräsident sehr deutlich machte: KAV / ÄK Hick Hack http://wp.me/p1kfuX-13T

Dass Wehsely nun zu Beginn 2016 die neueste Version des Spitalskonzeptes (Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration http://wp.me/p1kfuX-K9; Schwerpunktbildung ist das gesundheitspolitische Codewort für Einsparung http://wp.me/p1kfuX-13f) verkündet, wäre eigentlich nur der übliche Alte Wein in Englischen Schläuchen (AGB der Gesundheitsreform müssen her http://wp.me/p1kfuX-D7).

Sie wird aber sicher nicht die ersatzlose Streichung einer ganzen Reihe von Fachabteilungen in den Vordergrund stellen,
gegen den nicht nur die Protestbriefe der betroffenen Abteilungsleiter und des Mittelbaus sondern auch schon welche der niedergelassenen Ärzte im Rathaus eintrudelten.

Sie wird sicher nicht erklären, wie die geplanten interdisziplinären Belegstationen den funktionieren sollen, wenn grad mehrer Fächer akut ein Bett belegen müssen und
sie wird sicher nicht erklären, dass mit der Master-Betriebsorganisation
(Master-Betriebsorganisation im KAV: Da fährt die Eisenbahn drüber http://wp.me/p1kfuX-NS
Hurra, Terminambulanz! Ein Geschenk vom frisch gebackenen KAV Chef http://wp.me/p1kfuX-RP
Spezialisierung zur Qualitätsverbesserung ist out, im Spital gibt’s fachärztlichen Pannendienst http://wp.me/p1kfuX-Pr)
in Zukunft Ärzte nur mehr die Verantwortung tragen dürfen, die Prozesse aber von anderen gesteuert werden.

Es mag auch bezweifelt werden, dass Wehsely sich dafür loben lassen wird, das es zukünftig in ganz Wien nur mehr eine Augenabteilung geben wird,
in vielen Häusern bald für multimorbide Patienten keine fachspezifische Versorgung für dermatologische, neurologische, urologische, opthalmologische oder otologische Probleme mehr vorgehalten wird.

Wir werden auch kaum Informationen darüber bekommen, wie viele Nachtdienste bereits gestrichen wurden, ehe noch die versprochenen zentralen Notaufnahmen personell und strukturell ausgebaut wurden und
welchen Grad an fachärztlicher Betreuung ein mit Magenbeschwerden eingelieferter Patient in einem KAV Haus ohne Kardiologen erfahren wird, der sich als akuter Hinterwandinfarkt entpuppt hat

All das wird Wehsely vermutlich nicht so deutlich ansprechen.

Es werden Wetten angenommen, dass sie freudig verkünden wird, dass die augenblickliche Zerschlagung des öffentlichen Krankenhauswesens in Wien finanziell von der Europäischen Investitionsbank unterstützt werden wirdhttp://kurier.at/wirtschaft/wirtschaftspolitik/molterer-haben-gewaltiges-stueck-arbeit-vor-uns/175.074.361

Komisch nur, dass dieser Fond mehr Beschäftigung fördern sollte.
Offenbar sind dabei aber nicht die Gesundheitsberufe sondern die Bauwirtschaft gemeint (Eine große Familie baut sich viele Häuser http://wp.me/p1kfuX-kg).

Lang, lang ist’s her, als Wehsely noch mit Gen.Dir. Marhold glücklich lächelte, dass die Europäische Investitionsbank einen 300 Millionen Eurokredit für das 2015 in Teilbetrieb gehende Krankenhaus Nord rausrücken sollte.
http://www.wienkav.at/kav/khn-pm/ZeigeText.asp?ID=32787 

Jetzt geht’s um deutlich mehr Knete. Jetzt geht’s um die Renovierung, Sanierung und Ausbau des Wilhelminenspitals, des Kaiser-Franz-Josef-Spitals und des Krankenhauses Hietzing im Rahmen des Wiener Spitalkonzepts 2030
http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/oesterreich/4904826/Neuer-EUFonds-fordert-Wiener-Spitaeler?_vl_backlink=/home/nachrichten/oesterreich/4904633/index.do

Es darf nur gehofft werden, dass es die Europ. Investitionsbank mit den angegebenen Zeithorizonten nicht so genau nimmt (Nordlichter, weshalb der Stadt für Ärzte und Pflege kein Geld mehr bleibt http://wp.me/p1kfuX-X3).

Written by medicus58

15. Januar 2016 at 21:50

Am Ende übernimmt der Bürger die Rechnung, in Griechenland, so wie anderswo

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Athen

Klar, Schulden müssen bezahlt werden,
außer man ist eine Bank, eine Firma, ein Aggressor, eine Armee, …, dann übernimmt der Bürger mit seinen Steuern die Rechnung

Konten bleiben unberührt, wenn dort ein paar Millionen gebunkert wurden und noch dazu, wenn diese Konten auf einer Schweizer oder eine EU Bank eröffnet wurden.
Konten bleiben unerreichbar, wenn darauf nur kleine Notgroschen, Pensionen oder Gehälter liegen, es war in Zypern so, es ist in Griechenland so, es wird überall in der EU so sein.

Das Wachstum von Schulden ähnelt dem Wachstumsverhalten von Malignomen,
es kommen Gebühren und Zinsen dazu, für die wiederum Zinseszinsen zu bezahlen ist. Natürlich ist das jedem Grundschüler klar, außer er benötigt eine größere Wohnung, ein Haus, eine Unterbringung für seine Kinder, eine Pflege für seine Eltern.

Der Spiegel stellt die richtige Frage:
Wie kommt nun die Summe von 82 bis 86 Milliarden Euro zustande?
(http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/warum-griechenland-ploetzlich-86-milliarden-euro-braucht-a-1043431.html)

Der Finanzbedarf Griechenlands scheint sich in den vergangenen Monaten vervielfacht zu haben. Im April sprachen Experten noch von 30 bis 40 Milliarden Euro, die nötig seien, um das Land über die kommenden drei Jahre zu bringen. Anfang Juli kam der IWF in seiner Analyse schon auf 50 Milliarden Euro. Der Hilfsantrag, den die griechische Regierung noch in der vergangenen Woche stellte, sprach von 53,5 Milliarden Euro. 
Merkel antwortet ganz offen:
Die Situation habe sich in den vergangenen sechs Monaten erheblich verschlechtert, sagte die Bundeskanzlerin. Der Finanzumfang sei deshalb so groß, „weil die Banken leider durch die Vorgänge der vergangenen Wochen in Mitleidenschaft gezogen wurden“.

Die Konsequenzen sind scheinbar klar:
Kaum ein Euro wird den griechischen Bürger erreichen, fast das ganze Geld wird an die institutionellen Gläubiger gehen.
Aber auch kein Euro geht an die anderen EU Bürger, mit deren Steuergeld eigentlich die sogenannten institutionellen Gläubiger überhaupt Kredite vergeben konnten.
Die Gewinne der Euro-Zentralbanken, die rechtzeitig griechische Staatsanleihen gekauft haben beträgt laut Spiegel insgesamt 7,7 Milliarden Euro bis 2018.
Gewinne, die nur möglich sind, solange man sich darauf verlassen kann, dass die EU Bürger mit ihren Steuern das Spiel am Laufen halten.

Die mediale Berichterstattung, die seit Jahren von den „faulen Griechen“ schreibt, die sich jetzt überschlägt vor Schadenfreude,
weil  ein griechischer Finanzminister zum Rücktritt gezwungen wurde, nachdem ihn die anderen EU-Minister in einem ungeheuerlichen Vorgang, vor die Tür gesetzt haben,
weil Tsipras nun „noch härtere Auflagen“ durch sein Parlament bringen muss, weil er zuvor auf einem Referendum bestanden hat,
weil man es den letzten linken Strömungen in der EU nun zeigen kann, nachdem sich die Sozialdemokraten diesseits und jenseits des Kanals schon vor Jahren zu „nützlichen Idioten“ des globalen Ausverkaufs von Staatseigentum konvertiert wurden.

Keiner stellt die Frage nach der Mitverantwortung der Geldgeber, denen natürlich seit Jahrzehnten klar war, dass diese griechische Ökonomie niemals die aufgenommen Gelder zurückzahlen wird können.

Wenn Frau Merkel und ihre Nachbeter jetzt dauern vom Vertrauensverlust sprechen, sollten wir einmal die Frage stellen, weshalb wir diesen Politikern noch vertrauen sollen, die Banken und nicht die Bürger retten.
Noch hat die Politik ihr Vertrauen nicht verloren, dass die EU Bürger für die Verluste eines Systems gerade stehen, das dem Einzelnen nicht garantiert, dass er an sein eigenes Girokonto kommt.

Letztendlich frage ich mich, mit welchem Trick die Töchter ausländischer Banken (z.B. Raiffeisen) mit dem Verweis auf Liquiditätsprobleme, die Auszahlung der Konten verweigern …
Vermutlich mit den selben Werkzeugen, mit denen sie ihre Haftungen für die Hypo Alpe Adria dem Steuerzahler umhängten.
Griechenland ist überall – wenn das die Bürger begreifen, dann wird Merkel realisieren, was wirklicher Vertrauenverlust ist.

Written by medicus58

13. Juli 2015 at 19:46

Veröffentlicht in Finanzkrise

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Bank Run: hatten wir hier schon vor über drei Jahren

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pic

Im Februar 2012 erinnerte ich mich angesichts der aktuellen Krisensituation in Euroland an Frank Capras Der Tag an dem die Bank gestürmt wurde – American Madness  aus dem Jahre 1932 (http://wp.me/p1kfuX-8q).

Irgendwie erschreckend, dass der Text eben sowenig an Aktualität eingebüßt hat, wie die Quintessenz des Films:

Der dem Banker persönlich bekannte Schuldner “Mr. Jones” ist nicht Schuld an der Krise.

Bei all der Verhetzung, den tendenziellen Homestories über braun gebrannte Finanzminister, dem lächerlichen Streit, wer denn zuerst vom Tisch aufgestanden wäre und wer wen vor die Türe geschickt hat, sollten wir nie vergessen, dass

das Geld, das sich augenblicklich die griechischen Bankomaten weigern an die Sparer zurückzugeben
zuvor wirklich eingezahlt und mit größter Wahrscheinlichkeit auch mit geleisteter Arbeit verdient wurde
.

Das hat nichts damit zu tun, ob dieses Geld nicht zum Teil versteuert hätte werden sollen.
Das Geld auf Girokonten dessen Rückgabe an den rechtmäßigen Eigentümer nun verweigert wird, ist im Gegensatz zum reinen Buchgeld vieler Finanzprodukte und vieler Stiftungskonstruktionen, der direkte Gegenwert einer von Privatpersonen erbrachten Arbeitsleistung.

Auch wenn nicht ganz abgestritten werden kann, dass all die „griechischen Joneses“ die Regierungen gewählt haben, die das Land in diese Situation gebracht haben, sollten wir uns klar machen, dass praktisch alle Staaten, Länder und Städte dieser Welt akut zahlungsunfähig wären, wenn ihre Schulden heute fällig gestellt würden.  Weiters handelt es sich bei all den Milliardenkrediten überwiegend um Buchgeld, das institutionelle Geldgeber einem Staat gegeben haben, dessen eingeschränkte Kreditfähigkeit bekannt war und das sie Griechenland nur deshalb gegeben haben, weil es einerseits sofort wieder in die eigene Tasche zurückgeflossen ist (Rüstungsindustrie, Exportfinanzierung, …) und andererseits weil sich die Finanzindustrie darauf verlassen konnte, dass die Politik die Bürger zwingen würde, zumindest für die Zinsen der Kredite aufzukommen.

Was nun auch immer in Griechenland weiter passiert, wir sollten uns durch mediale Ablenkungsmanöver, die die Schuld ausschließlich den faulen griechischen Bürgern, den steuerflüchtigen Reedern, der links-linken Syriza oder einem angeblich unfähigen und trotzigen Tsipras (FAZ Danke, Herr Tsipras http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/kommentar-zur-griechischen-schuldenkrise-danke-herr-tsipras-13673517.html) zuschreiben wollen, nicht irre machen lassen, dass augenblicklich die Widersprüche eines kapital- und elitengesteuerten Wirtschaftssystems aufbrechen und wir europäische Lösungen brauchen, unabhängig davon, ob IWF, EZB oder die Deutsche Bank Griechenland aufkauft oder nicht.
Wir sollten in unserem eigenen Interesse darüber diskutieren, ob es klug war in der Europäischen Union primär die Freizügigkeit des Kapitals zu garantieren und für andere anfallenden Kollateralschäden den Nationalstaat (und seine Bürger) aufkommen zu lassen.
Wir sehen diese Widersprüche auch im Steuer- und Bildungswesen (Kosten der ausländischen Hörer an Universitäten), dem Gesundheits- und Sozialversicherungssystemen und im Flüchtlingswesen, …  bei denen die Aufteilung der Kosten von EU-Regeln sehr ungerecht auf die Nationalstaaten überwälzt werden.
Das ist keine Aufforderung des laufende EU-Austritts-Volksbegehren zu unterstützen, aber ein Appell an die einzelnen Bürger sich die Spielregeln von EU- und Euroland einmal ernsthaft anzuschauen und zu überlegen, zu welchen Gunsten diese formuliert wurden. Letztendlich verlassen auch wir uns darauf, dass uns der Bankomat das Geld auszahlt, das wir uns mit unserer Arbeitsleistung zuvor bereits verdient haben.
Tut er es nicht, hat irgendwer den Wert unserer Arbeit einbehalten.

Es mag bezweifelt werden, dass die notwendigen Analogieschlüsse all der anderen“Joneses“ außerhalb Griechenlands auf ewig durch mediale Propagandaschlachten verhindert werden können.

Und wenn sich die „Müllers“ und „Meiers“, die „Duponts“, die „Jan Janssen und Piet Pietersens“, die „Kowalskis und Novàks“ und die „Jeti-Tant` aus Apetlon“ plötzlich klar werden, wie einfach es ist, ihre Girokonten zu enteignen, dann wird uns „Grexit“ nachträglich als Sturm im Olivenglas erscheinen.

Lesenswert:
New York Times: Paul Krugman (https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Krugman)
I would vote no, for two reasons.
http://mobile.nytimes.com/blogs/krugman/2015/06/28/grisis/

Written by medicus58

29. Juni 2015 at 07:47

Exportschlager: Demokratie der Millionäre

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Wahl

 

Es bestand ja schon seit der Antike der nicht unbegründete Verdacht, dass sich Politiker nach ihrem aufopferungsvollen Dienst am Wähler als Millionäre in den wohverdienten Ruhestand zurückziehen.
Die aktuelle Präsidentenwahl in der Slowakei, wo ein parteiloser Millionär zum Staatsoberhaupt gewählt wurde, relativiert die obige Aussage jedoch.

Auch der Milliardär Andrey Babis, den die Tschechen kürzlich aus dem Stand zu 18 Prozent der Stimmen verholfen haben, hatte sein Konto schon übervoll ehe er in die Politik ging. Unter den 14 Personen, die sich nach dem Umsturz nun um das Amt des ukrainischen Präsidenten hat auch ein Schoko-Milliardär die Nase vorne.

Jetzt hatte auch Italiens Berlusconi schon seinen finanziellen Schäfchen aufgeföhnt, eher er gewählt wurde und bei uns hat sichOnkel Strohsack mit seiner Portokasse auch einige Parlamentssitze kaufen können, so dass wir vorsichtig sein müssen, wenn wir uns über die jungen osteuropäischen Demokratien das Maul zerreissen, jedoch fällt auf, dass das was unsere Medien als Export demokratischer Verhältnisse preisen nach einem ziemlicheinheitlichen und unschönen Muster ablaufen:

Es gelingt zwar nicht immer auf den ersten Anlauf, der ukrainische Schoko-Milliardär Poroschenko galt schon als Geldgeber der ersten Ukrainischen Revolution von 2004, die aus heutiger Sicht weniger zu Demokratie als zu „prowestliche Korruption“ und beinahe NATO-Beitritt führte.

Letztlich erklimmen in Osteuropa unter kräftiger Mithilfe der EU immer mehr finanzstarke Politiker die staatlichen Führungspositionen und trachten danach den „eisernen Vorhang“ weiter gegen Osten zu schieben.
Mehr oder weniger lange dem Warschauer Pakt entflohen, zeigen sie sich als glühende Beitrittskandidaten zum westlichen Verteidigungsbündnis, das letztendlich eine Vorfeldorganisation des US-amerikanischen Militärs ist.

Wenn wir uns aber fragen, nach welchem Vorbild dieser Prozess abläuft,
hilft ein Blick in den Westen:

Von Kennedy bis Bush stellten in den letzten Jahrzehnten überwiegend extrem wohlhabende Familienclans die US-Präsidenten. Im US-amerikanischen Kongress sitzen mehr Millionäre als Nicht-Millionäre (http://www.opensecrets.org/news/2014/01/millionaires-club-for-first-time-most-lawmakers-are-worth-1-million-plus.html).
Man schätzte, dass 2012 ein Sitz im Repräsentantenhaus 1,7 Milliarden US$ kostete, übrigens ohne signifikante Unterschiede zwischen Demokraten und Republikanern.

Was hier mit nicht unbeträchtlichem Aufwand an europäischem Steuergeld in den Osten unter dem Titel „Demokratie“ exportieren wird, hat wenig mit dem zu tun, was in Mitteleuropa seit dem 2. Weltkrieg darunter verstanden wurde.
Es wäre schön, wenn einmal das Europäische Parlament befragt würde, ob das in seinem Sinn ist.

Written by medicus58

31. März 2014 at 06:46

Kapital gut, Ficken schlecht? Wie ist das nun mit dem freien Verkehr?

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Freies Ficken
Vorausschicken möchte ich, dass es in der Welt, wie ich sie mir wünsche, keinen entgeltlichen Sex geben würde, aber gerades deshalb:

Irgendwie doch inkonsequent, nicht? Waren, Dienstleistungen und Kapital wird in der Europäischen Union das Grundrecht des freien Verkehrs verbrieft. Aber auch außerhalb von Europa werden schrittweise alle Schranken abgebaut, die angeblich einen freien Handel unterbinden. Ganz aktuell soll im Transatlantische Freihandelsabkommen (TAFTA, manche sagen auch Wirtschafts-NATO dazu) Indien gezwungen werden, die Agrarsubventionen auf Getreide zu senken, mit denen es sicherstellen möchte, dass sich der Tagelöhner in Orissa (heute eigentlich Odisha) seine Schale Reis leisten kann, weil es sich halt für „Uncle Ben’s Instant Rice“ nicht ganz ausgeht.

Gleichzeitig führen wir in Europa eine Diskussion über das Verbot der käuflichen Liebe. Frankreich versucht dies aktuell nach schwedischem Vorbild durch Kriminalisierung der Freier. (http://diepresse.com/home/panorama/welt/1494326/Prostitution_Frankreich-verbietet-kaeuflichen-Sex).
In Wien setzt man auf die bewährte Verkehrspolitik: Parken und Pudern in Wien – Beispiele einer erfolgreichen Stadtverdrängung http://wp.me/p1kfuX-uV

Erklärt wird dies auf den ersten Blick durchaus schlüssig mit der dem Gewerbe anhaftenden Umgebungskriminalität (Menschenhandel, Drogen, Erpressung, Gewalt, Illegalität, …).

Die Vorstellung, dass plötzlich alle Rumäninnen freiwillig ihre Selbstverwirklichung im Fließbahnsex mit angeheiterten Österreichern finden, ist ja wirklich absurd, nur ist es nicht genauso absurd, dass wir es „dem kleinen Mann“ verwehren für sein persönliches Glück ein bisschen über andere Menschen „drüber zu steigen“, während wir dieses Recht Konzernen und der Finanzindustrie gesetzlich zusichern?

Ich höre schon die Gegenstimmen, dass da wieder einmal Äpfel mit Birnen (oder vielleicht Eier mit Bananen) verglichen werden, doch gemach …

Wenn nicht gerade wieder einmal in Bangladesch eine Textilfabrik einstürzt oder sich ein chinesischer Foxconn Arbeiter aufhängt, ist es uns egal, wie die Produkte in Niedriglohnländer hergestellt werden, die zollfrei in Hochpreisländern die Gewinne erzielen, die dann off shore an unseren Steuerbehörden vorbei gebunkert werden, Hauptsache keine Barrieren. Hier darf der Markt regieren und sagen Sie mir bitte nicht, dass es einen substantiellen Unterschied macht, ob eine Bangladeshi, die nie einen Reisepass hatte, für 15 Cent pro Stunde ihr T-Shirt näht, oder ihnen eine blutjunge Roma, der man den Pass abgenommen hat, für 20 € ihren Schniedel massiert.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/demonstrationen-und-streiks-50-000-textilarbeiter-in-bangladesch-verlangen-mehr-lohn-12585573.html

Als Demokrat würde ich die gleichen Rechte für Freier und Kapitalisten fordern,
als Moralist wünsche ich mir einen vergleichbaren Codex für Geld- und Sexgeschäfte.

Written by medicus58

6. Dezember 2013 at 07:30

Strasser Ernst und seine Unschuldvermutung

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20.3.2011) hatte er sich endlich einen eigenen Eintrag hier im Satanswinkerl verdient: Erich Strasser Ende 2012 steht er endlich vor einem Richter.

BM Inneres 1968 bis 1975 war er Sekretär des Parlamentsklubs der Partei, von 1975 bis 1991 Generalsekretär des Österreichischen Wirtschaftsbundes, von 1979 bis 1989 Abgeordneter zum Nationalrat und von 1987 bis 1989 auch Klubobmann-Stellvertreter. In dieser Zeit war er an den Koalitionsverhandlungen der ÖVP mit der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) zur Weiterführung der großen Koalition nach der Nationalratswahl 1986 und an Österreichs Beitrittsverhandlungen zum EWR und mit der Europäischen Union beteiligt.
EU Abgeordneter: gegen den an Vorzugstimmen erfolgreicheren Karas Fraktionsführer der ÖVP geworden.
Nachdem er in eine journalistischen Falle getappt wurde musste er am 20.3. zurücktreten.
 
E-MAIL AFFÄRE
In dem Falter zugespielten Daten wird klar, wie Strasser das Ministerium umgefärbt hat. siehe auch Interview unten aus 2009

Strasser schweigt zu Auftragsvergabe für Blaulicht-Funksystem
Der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament und frühere Innenminister Ernst Strasser will zu neuen Vorwürfen im Zusammenhang mit einem Zuschlag für das digitale Behördenfunknetz Tetron, den er als Ressortchef 2004 einem Konsortium aus Telekom Austria, Alcatel und Motorola verschafft haben soll, nichts sagen. Laut „profil“ schloss Motorola 2005 einen Beratervertrag mit einer panamaischen Briefkastenfirma in der Höhe von 2,6 Millionen Euro ab. Am Rande der Auftragsvergabe sollen „klammheimlich Millionen geflossen“ sein. Auf APA-Anfrage ließ Strasser über seine Pressesprecherin lediglich ausrichten, dass er 2005 nicht mehr Innenminister gewesen sei.
Die panamaische Briefkastengesellschaft Valex von Alfons Mensdorff-Pouillys britischem „Wahlonkel“ Timothy Landon, vertreten durch einen Genfer Treuhänder, habe vom Deutschland-Ableger des US-amerikanischen Elektronikkonzerns Motorola 2005 den Auftrag erhalten, in Österreich den Aufbau des Behördenfunknetzes zu begleiten, die Technologie flächendeckend zu promoten und nebenher auch noch dem Innenministerium in Wien regelmäßig zur Verfügung zu stehen. Im Gegenzug erklärte sich Motorola bereit, Valurex an jedem tatsächlich verkauften Endgerät für das Blaulicht-Funksystem mit bis zu fünf Prozent zu beteiligen, wobei die Gesamtprovision den Betrag von 2,6 Millionen Euro exklusive Umsatzsteuer nicht überschreiten durfte, berichtet das Nachrichtenmagazin. 2011, knapp vier Jahre nach Zerfall der schwarzblauen Koalition, nutzen lediglich die Einsatzkräfte Tirols, Wiens und Niederösterreichs sowie Justizwache, Teile des Bundesheers und die Fernmeldetechniker des Infrastrukturministeriums den neuen Digital-Standard, so „profil“. Die Steiermark ist nach wie vor mit dem Ausbau beschäftigt, die übrigen Bundesländer wollten davon bisher nichts wissen.
http://derstandard.at/1297818532118/Beraterhonorare-Strasser-schweigt-zu-Auftragsvergabe-fuer-Blaulicht-Funksystem
Ex-Mitarbeiter von Ernst Strasser kamen nach einem zweifelhaften Behördenfunk-Auftrag in diversen Funktionen der erfolgreichen Bieter unter:
http://derstandard.at/1297822106648/Tetron-Bei-Strasser-hat-es-gefunkt
PÖSTCHEN ZWISCHEN MINISTERIUM UND EU JOB:
„Westbahn“-Gesellschaft von Haselsteiners Gnaden
„Group 4“ FALTER INTERVIEW 5/2009
Ernst Strasser über seine Firmen, seine Mails und verwöhnte Brüsseler Bürokraten http://www.florianklenk.com/?s=strasser

Falter: Was haben Sie eigentlich nach ihrem Engagement als Innenminister getan?
Strasser: Ich war geschäftsführender Gesellschafter einer Tochter der Vienna Capital Partners (VCP). Wir haben saubere Kraftwerke in Bulgarien und Rumänien finanziert. Danach habe ich meine Anteile verkauft und meine Geschäftsführung zurückgelegt. Ich wollte mich um meine eigene Firma kümmern.
Falter: Sie sind auch Präsident der Russisch-Österreichischen Freundschaftsgesellschaft.
Strasser: Das war ich schon, als ich noch Innenminister war.
Falter: Sie lobbyierten in dieser Funktion etwa für die Casinos Austria, damit diese in der russischen Teilrepublik Baschkortostan eine Lottolizenz bekommen. Haben Sie dabei gut verdient?
Strasser: Ich versuchte neue Märkte für österreichische Unternehmen zu erschließen.
Falter: Einer ihrer Partner ist auch der ehemalige LiF-Chef Alexander Zach. Gegen ihn wird wegen Schmiergeldzahlungen in Osteuropa ermittelt.
Strasser: Ich bin Minderheitsgesellschafter einer Firma von Zach

Strasser: Ich habe eine Beratungs- und Beteilungsgesellschaft, zog mich aber aus den operativen Geschäften zurück. Dann kam das Angebot von Josef Pröll, für die EU-Wahl zu kandidieren. Ich werde als Politiker keine Lobbyingaufträge annehmen.

Falter: Kommen wir zu Ihren berüchtigten Interventions-Mails. Haben Sie je für Parteifreunde interveniert?
Ernst Strasser: Sicher. Warum auch nicht? Es ist doch klar, dass man Leuten hilft, die ein berechtigtes Anliegen haben, etwa einen Job suchen….
Falter:..aber Sie tun es nur, wenn die Person das richtige Parteibuch hat. Einmal, als einem roten Parteigänger geholfen werden sollten, fragten sie ihren Mitarbeiter per Mail, ob er „farbenblind“ sei. Nicht die besten kommen zum Zug, sondern die Ihnen und Ihrer Partei stehen. Ein sagenhafter Feudalismus.
Strasser: Falsch. Ich habe versucht, den Leuten, die mit Sorgen zu mir kommen, zu helfen. Ich weiß nicht, was daran seltsam sein soll.
Falter: Hilfe zu leisten, das ist noch verständlich. Aber Sie betreiben klassische Parteibuchwirtschaft..
Strasser: Die ist doch lange vorbei!
Falter: Ihre Mails zeigen das Gegenteil.
Strasser: Das sagen Sie, dass das meine Mails sind.
Falter: Von wem sind sie sonst?
Strasser: Ich bin nicht die Polizei. Ich kann nicht beurteilen, ob es meine Mails sind.
Falter: Ich habe sie in Ausdrucken mit. Hier sehen Sie…
Strasser:… entweder wurde das Amtsgeheimnis oder das Briefgeheimnis verletzt.
Falter: Herwig Haidinger, der von Ihnen eingesetzte und später abgesetzte Chef des Bundeskriminalamts, rügte Korruption im Innenministerium. In den Mails ist von Jagdausflügen auf Luxusschlösser, finanziert durch den Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly, die Rede.
Strasser: Herwig tut mir leid. Irgendetwas muss mit ihm passiert sein. Er ist wohl verzweifelt oder enttäuscht.
Falter: Wie kontern Sie seine Vorwürfe?
Strasser: Dazu nehme ich nicht Stellung.
Falter: Sie waren auch bei Mendsorff-Pouilly eingeladen.

Strasser: Die Auseinandersetzung mit der Caritas ist mir entglitten.
Falter: Sie nannten sie eine „unmenschliche Organisation“.

Falter: Wolfgang Schüssel, Erhard Busek, Franz Fischler – sie alle unterstützen nun den erfahrenen EU-Parlamentarier Ottmar Karas. Trifft Sie das?
Strasser: Im Gegenteil. Das bringt Bewegung, das bringt Stimmen.

Falter: Welche historischen Leistungen wollen Sie in Europa vorantreiben?
Strasser: Wir wollen nun den Spekulanten, die über den großen Teich gekommen sind, das Handwerk legen.
Falter: Es sind die gleichen Spekulanten, die nach Meinung des ÖVP-Finanzministers Karlheinz Grasser unsere Pensionssysteme verwalten sollten. Haben Sie das schon vergessen?

Strasser: Ich bin für die einfachen Leute da, nicht für den Brüsseler Elfenbeinturm.

SEIBANE WAGUE
Während Strassers Amtszeit als Innenminister kam am 15. Juli 2003 der Mauretanier stammende Asylwerber Seibane Wague bei einem Polizeieinsatz ums Leben. Strasser sicherte Polizeibeamten „volle Loyalität“ für ihr, später vom unabhängigen Verwaltungssenat Wien und vom Verwaltungsgerichtshof als rechtswidrig und als Folter erkanntes Vorgehen, zu.

INVESTOR
2005 – 2008 war Strasser Manager beim Wiener Investmenthaus Vienna Capital Partners (VCP).
Seit 2005 ist er Eigentümer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens CCE-Consulting GmbH. Diese Firma ist auch Gesellschafter der Advisory Partners OG, der BCD Business Consulting & Development GmbH, der EXPERT Managementberatung Russia GmbH und der ZSA Strategy Consultants GmbH (vormals Eurocontact Consulting GmbH). Seit 2007 ist Strasser mit 10 % am Beratungsunternehmen CIN-Consult Unternehmensberatung GmbH des ehemaligen Meinl-Gutachters Thomas Havranek beteiligt. In der für Abgeordnete des Europäischen Parlaments verpflichtenden Erklärung der finanziellen Interessen hat  Strasser aber nur CCE-Consulting GmbH und BCD GmbH deklariert.
PR-Berater und Lobbyisten Peter Hochegger hat Strasser zwischen 2006 und 2008 100.000 Euro gezahlt, weil er lt. Strasser geholfen hätte, „ein Problem zu beseitigen.“
im Herbst 2005 wird Strasser als Mitarbeiter der Tiroler Agentur Hofherr Communikation als Lobbyist für das Energieunternehmen TIWAG tätig,

SUNDAY TIMES FALLE
Neues Video legte nahe, dass Strasser mindestens 500.000 Euro pro Jahr alleine für Lobbyaufträge verdiente, selbst gab er zu bereits für 5 Kunden zu arbeiten. Er verteitigte sich zuerst, dass er eine Geheimdienstaktion aufdecken wollte ..
Nun steht auch die Frage im Raum, weshalb ein EU Parlamentarier ganz offiziell eine Lobbyingargentur bereiben darf. Strassers Unternehmen „CCE“ hat im Jahr 2008 rund 675.925 Euro verdient, im Jahr davor nur geringfügig weniger.
http://kurier.at/nachrichten/2083444.php

Videos auf YouTube:
http://www.youtube.com/watch?v=Zyg7m1J7O80
http://www.youtube.com/watch?v=MOZzjfVOYA8

http://derstandard.at/1297820843889/Medienberichte-Neue-Vorwuerfe-gegen-Strasser
http://derstandard.at/1297820910907/Lobbying-Affaere-Ernst-Strasser-tritt-zurueck

Über Strassers Lobyying für die TIWAG:

http://derstandard.at/1297822026005/Neue-E-Mails-Ernst-Strasser-intervenierte-bei-Josef-Proell-fuer-Kraftwerksbetreiber

http://dietiwag.org/index.php?id=3600

Strasser’s patschertes Leben (köstlich!):
http://www.profil.at/articles/1112/560/292462/das-leben-ernst-strasser


Standard Time Line:
http://derstandard.at/1353207015665/Timeline-Ernst-Strasser

ZU FRÜH GEFREUT?
Florian Klenk schreibt im Falter, dass das alles möglicherweise gar nicht strafrechtlich verfolgbar sein könnte und aus der Unschuldsvermutung eine – zumindest in den Augen der Justiz Unschuldsgewissheit würde.
http://www.falter.at/falter/2012/11/20/gerechtigkeit-fuer-ernst-strasser/

am 14.1.2013 wird Strasser jedoch in erster Instanz zu 4 Jahren Haft verurteilt :
http://kurier.at/politik/inland/urteil-im-lobbygate-prozess-vier-jahre-haft-fuer-ernst-strasser/2.558.169

Über andere im Satanswinkerl: siehe

http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33473

Written by medicus58

26. November 2012 at 06:37

Das Neue Europa

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Surft man die „Kinderecke“ der Europäischen Union an,
ja sowas gibt’s wirklich (http://europa.eu/kids-corner/countries/flash/index_de.htm), lesen wir:

Die EU: Worum geht es da eigentlich?
Als der Zweite Weltkrieg im letzten Jahrhundert zu Ende ging, beschlossen die Politiker in Europa zusammenzuarbeiten, um ihre Probleme zu lösen. Sie wolltem dem Krieg ein für allemal ein Ende bereiten, damit die Menschen ihr Leben wieder aufbauen konnten …
Eine Möglichkeit, dies zu tun, so dachten sich die Politiker, bestand darin zu kontrollieren, wie viel Kohle und Stahl jedes Land bekommen würde…
Die Politiker hofften aber auch, dass Länder die so viel miteinander zu tun haben, keinen Grund mehr haben würden, sich zu bekriegen, eben weil die Wirtschaft in der ganzen Region stärker sein würde und die Menschen gute Arbeitsplätze, Nahrung und Sicherheit hätten.
Und weißt Du was? Sie hatten Recht. …
Um in Frieden zu zusammenzuleben, muss jeder den anderen so akzeptieren, wie er ist. Jedes Land lebt nach seinen eigenen Traditionen, seiner Sprache und seiner Kultur.
Dies ist im Motto der EU „In Vielfalt geeint“ ganz treffend zusammengefasst.

Liest man aber aktuelle Wortmeldungen die von Grexit bis zur Ablösung der gesamten PIIGS (http://de.wikipedia.org/wiki/PIIGS) Staaten ( Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien),
verfolgte man die gestrige Diskussion Im Zentrum (http://tvthek.orf.at/programs/1279-Im-Zentrum) in der auch die Mutmaßungen des Kronen Zeitung Kolumnisten Kurt Seinitz als Diskussionsbeitrag galten, der mutmaßte, dass die Demokratie für die griechische Gesellschaft vielleicht gar keine adäquate Regierungsform mehr wäre *) bzw. dem Exkurs der Journalistin Alkyone Karamanolis lauschte, die die griechische Geschichte seit dem oströmischen Reich als Beweis für eine persitierende Orientalisierung und politische Rückständigkeit interpretierte, dann,

ja dann kommen einem schon Zweifel, über die moralischen Grundlagen dieses Neuen Europas.

Blicken wir auf die Karte dieses Europas MINUS PIIGS und lesen wir nochmals in der Kinderecke, was denn das ganze eigentlich soll, dann

ja dann kommen einem Zweifel, oder besser,

dann verzweifelt man.

Dieser Eintrag ist die Fortsetzung zum gestrigen Blog: http://wp.me/p1kfuX-il

*) Der Text ist nicht online zu finden, lautete aber so: „Immer öfter stellt sich die Frage, ob die Demokratie wirklich die geeignete Staatsform für das militant-anarchische Volk dieses pseudoeuropäischen Staates ist“( „Kronenzeitung, 18.05.2012, „Klartext“ Kurt Seinitz )

Written by medicus58

21. Mai 2012 at 08:17

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