Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Liederlich

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Als ich jung war, galt das gruppenhafte Liedersingen in meinem Umfeld schon eher als zwanghaft, trotzdem erklärte man auch uns noch mit Johann Gottfried Seumes:

„Wo man singet, laß dich ruhig nieder, / Ohne Furcht, was man im Lande glaubt; / Wo man singet, wird kein Mensch beraubt; / Bösewichter haben keine Lieder.“

Seit Monaten poppen – meist vor Wahlen – im Eck der Burschenschafter nun Dinge hoch wie:

Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million.

Rothschild hat das meiste Geld, schließlich muss in jedem Fache einer doch der Größte sein und so ist auch ohne Zweifel festgestellt das größte Schwein.

Entlastet ist der Nazipimmel, der frei blieb stets vom Rassenfimmel.

Jetzt mag die Justiz rasch entscheiden, ob derartige Ergüsse strafrechtlich relevant sind, oder „nur“ vulgärer und gefährlicher Müll sind. Wenn das alles (nach der Wahl) vermutlich rechtlich wieder im Sande verläuft, ohne dass ein Bösewicht gestellt wird, dann bleibt aber schon noch – losgelöst von allen rechtlichen und politischen Aspekten – die Frage offen, ob es den Verfassern und Sängern nicht aufgefallen ist, welch grottenschlechte und holpernde Reimchen das sind.

Da wird dem Deutschtum mit Versen gehuldigt, die Goethe und Schiller nichtmal im Vollrausch aus Feder und vermutlich auch nicht aus dem Mund gegwollen wären.

Auf einem Niveau, für das sich ein Taferlklassler schämen müsste, haben sich selbsternannte Eliten offenbar vor gar nicht langer Zeit mit sowas Mut zugesungen oder sich zumindest ohne Furcht, was man im Lande glaubt erheitert.

Sollte die Justiz entscheiden, dass das keine Bösewichter waren, die diesen liederlichen Lieder gesungen haben, so sind sie aber allemal strunzdumme Deppen, die die deutschen Sprache verhunzt haben.

Written by medicus58

6. November 2019 at 20:02

Faket die Faker oder die weiche Birne der Populisten

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Zufällig finden sich diese Woche zwei köstliche Beweise, wie weich die Birne jener ist, die uns stets mit großem Getöse versprechen die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu berichten, während sie selbst auf jeden dummen Fake reinfallen und wie diese Erkenntnis ins Volk zu bringen ist. Nein, es geht nicht primär um das Ibiza-Video, mit dem sich offensichtlich die FPÖ selbst in die Luft gesprengt hat, so wie ich es mir bereits 2013 in meiner kranken Fantasie ausgemalt habe (Der FPÖ Wähler). Aber irgendwie dann doch auch.

Die sich thematisch und stilistisch noch im Selbstfindungsprozess befindliche ORF SendungGute Nacht Österreich“ demonstrierte wie schnell der mit Steuergeldern gefütterte Boulevard auf billige Fakes rein fällt, wenn die Quote winkt: https://www.derstandard.at/story/2000109484431/peter-klien-zeigt-mit-fake-skorpion-panikmache-von-krone-oesterreich (ab 10:30)

Den Vogel schoss aber am Freitag die ZDF Heute Show ab, die uns bildlich vor Augen führte, dass auch die Rest-FPÖ auch ohne Strache und Gudenus sich zum Narren machen, wenn man glaubt unter sich zu sein.
Man schickte einfach einen gefakten Reporter des „Alternativen Fernsehen Deutschlands (AfD TV)„, den genialen Fabian Köster, zu den Blauen.
(Für die mit der AfD und dem running Gag der Heute Show nicht so vertauten Ösis: Der AfD Politiker, den sie auf Aufforderung Kösters so anfeuern heißt natürlich Björn Höcke, aber:
Im März 2015 gab die Thüringer Allgemeine Höckes Vornamen irrtümlich mit „Bernd“ an. Nachdem Höcke sich darüber öffentlich empört hatte, benutzte Oliver Welke in der heute-show absichtlich den falschen Vornamen. Andere Satiriker taten es ihm nach. Später benutzten auch Sprecher der Tagesschau, das heute-journal, B.Z.DWDL.deFAZNeue Osnabrücker ZeitungNordwest-ZeitungSpiegel TV, Hamburger MorgenpostHuffpostMünchner MerkurSüdwestrundfunk und weitere absichtlich oder versehentlich den falschen Vornamen. Auch der FDP-Politiker Hans-Ulrich Rülke nannte im Oktober 2017 in einer Landtagsrede mehrfach den falschen Vornamen und bekräftigte auf Nachfrage: „Der Mann heißt Bernd. Ich weiß es definitiv aus der heute-show.“ Am 25. Januar 2018 erschien der Name „Bernd Höcke“ sogar in einer Pressemitteilung des Bundestages, die noch am selben Tag korrigiert wurde. Oliver Welke feierte dies in der heute-show als ultimativen Erfolg seines running gags.

Unsere Blauen, die sich dem deutschen Gast gegenüber natürlich bewundernd über den brauen Bruder AfD äußerten, vorzuführen, dass sie in Wirklichkeit keine Ahnung haben, wer dort das sagen hat, in dem sie gröllend „Bernd, Bernd“ skandieren und dass sie selbst genauso in eine plumpe Falle tappen wie ihr Ex-Heiliger Strache, ist schon ein Höhepunkt dessen, was aufklärerische Satire leisten kann.

Bei mir verdichtet es den Glauben, dass im 21.Jahrhunderte Erkenntnisse nicht mehr über (wissenschaftliche) Argumentation sondern zunehmend über Bilder zu betreiben ist:

EU Wahl: Idioten voten

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Wer’s kann, kann über zwanghaftes Reime spotten wie einst Christian Morgenstern im

ÄSTHETISCHEN WIESEL:

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.
Wißt ihr weshalb?
Das Mondkalb verriet es mir im stillen:
Das raffinierte Tier
tat´s um des Reimes Willen.

Wer mit weniger zufrieden war, den mögen schon die Islam-Daham Verse der FPÖ belustigt haben, nur stellt sich mir beim aktuellen Plakat zur EU Wahl schon die Frage, weshalb die tratitionsbewahrende Heimatpartei sich nun englischen Vokabulars bedient, um

für Österreich auf zu stehen?

Offenbar früher aufzustehen, als die anderen Wiener dies laut unseres Bundeskanzlers zu tun pflegen.

Weshalb fordert der photo-geshoppte Spitzenkandidat nicht auf:

ihn zu wählen, damit er uns gegen die angeblichen EU-Chaoten beschützt.

Also gegen Chaoten, die laut Duden ihre politischen Ziele auf radikale Weise mit Gewaltaktionen und gezielten Zerstörungsmaßnahmen durchzusetzen versucht.

Nein, der Beschützer des christlichen Abendlandes, der deutschen Leitkultur und der gasmaskenkompatiblen Kopfbehaarung will

nicht gewählt sondern gevotet werden.

Warum nur?

Morgenstern hätte da so eine Vermutung gehabt.

Written by medicus58

7. Mai 2019 at 10:36

Veröffentlicht in Was im Alltag so alles nervt

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Kaffee-Tratsch oder akkordierte Investigation?

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Am 7. März 2019, 10:34 deckt FP-Seidl per Presseaussendung auf:
Kaffeewärme-Check um 18.000 Euro im KH-Nord spiegelt Sittenbild der KAV-Geldvernichter wider

Definitiv eine #MeeToo Aktion, im Sinne von Shakespeares Lasst mich den Löwen auch spielen, denn die Krone hat schon um 8:54 aufgedeckt:
Projektteam prüfte Wartezeit bei Kaffeeautomaten

Die pinke Opposition liest offenbar weder Heute noch Krone aber eventuell die blaue Konkurrenz, denn erst um 11:02 ging die Presseaussendung der NEOS los, grammatikalisch verwirrend aber nicht ohne Schmäh:
NEOS Wien/Wiederkehr zu KH-Nord Kaffeeautomaten: Teuerste Melange-Tester aller Zeiten

Wobei die Krone auch von den eigenen Kollegen abgeschrieben haben, weil Heute schon am 6.3. 16:44, definitiv online dann am 7.3. um 7:00 entdeckte:
Um so „brühende“ Fragen wie die Wartezeit auf einen Kaffee und die Vorwärmzeit des Automaten zu klären, setzte der KAV ein externes Projektteam ein.

Jetzt mag man sich fragen, wer da von wem abschreibt, aber die selbst ernannte Qualitätspresse hinkt da gewaltig nach, denn Der Standard ging erst um 12:31 dem neuen Skandal nach:
18.500 Euro für Kaffeetest: Nächste Aufregung um Spital Nord und lockte in den ersten 7,5 h 389 Forumbeiträge an.

Fast könnte man glauben, dass die ORF Kritiker diesen zu Recht als Rotfunkt bezeichnen, denn der schloss sich dem allgemeinen Kaffeetratsch erst um 18:04 an und mit grad mal 4 Zeilen Text an.

Ehe nun der Konsum der braunen Bohnen eine Blutdruckkrise auslöst erlaube ich mir hinzuzufügen, dass bei einem Projekt dieser Dimensionen wie einem neuen Krankenhaus weder ein Energetiker noch ein Kaffeautomat die Bilanz rot macht.
Wenn man dem P.T. Publikum die wirklichen Probleme nicht zumuten kann oder mag, dann führt der wöchentliche Zeitungs- und Politikskandal nur zur Abstumpfung, aber vielleicht ist es gerade das, was beabsichtigt wird ….

Written by medicus58

7. März 2019 at 20:53

Wär’s das, 2018?

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Jahresrückblicke befassen sich mit dem was wichtig war und nicht mit dem was wichtig sein hätte können. Vielleicht nennt man sie im post-Farkasch’en Zeiten deshalb auch nicht man mehr Jahresbilanzen, um sich neben der Haben-Liste das hier unumgängliche Soll und somit den Bilanzselbstmord zu sparen.

Was hätte 2018 nicht alles bringen können:

Den ersten grünen Bundespräsidenten, der einlöst, was alle seine Vorgänger vor ihrer Wahl versprochen haben, einen aktiven Präsidenten und nicht nur einen weiteren Staatsnotar. VdB unterschrieb bis jetzt alles brav (Indexierung der Familienbeihilfe) und versteckte sich bei CETA hinter dem Europäischen Gerichtshof, um zum Jahreswechsel plötzlich mehr Budget für das Bundesheer zu verlangen. Bis jetzt wären ihm sogar noch die Fußstapfen eines Klestil zu groß.

Die Türkis-Blaue Regierung, die den großkoalitionären Proporz aufbrechen hätte können, der in diesem Land alles, vom Schulsystem bis zu den Abendnachrichten so fest im Griff hat wie anderswo es nur die Mafia schafft, hätte rein theoretisch ja auch etwas Neues bringen können, wären die Mitspieler und ihre Worthülsen nicht schon seit Jahren bekannt gewesen. Gekommen ist weder echte Schul-, Gesundheit-, Sozial-, Rechts- noch Demokratiereform sondern auf allen Gebieten eine politische Umfärbung ohne Rücksicht auf Kollateralschäden (BVT, Gebietskrankenkassen,…).

More of the same mit besserer Medien- und Meinungskontrolle und ein Wunschkonzert der Finanziers.

Die Hoffnung, dass einem Ex-ÖBB Manager die SPÖ ebenso auf den Leib geschneidert sein könnte, wie sein slim-fit Sakko, hat sich ebenso nicht erfüllt wie die Annahme, dass die, die mit sprachlicher Eloquenz brillieren, am Ende noch wissen wofür sie sich bewerben oder wovon sie zurücktreten sollen. Vielmehr zeigte sich, dass slim-fit und Schweigen auch nach fast zwei Jahrzehnten noch als Sch(l)üssel zur Wahlkabine funktionieren.

Eine Selbstdemontage der Grünen (werde ich nicht Vizekanzler mach ich halt das Feigenblatt bei Novomatic), war zu erwarten, zu hoffen war, dass die bunte Bewegung (wir sind keine Partei) , die der Silberrücken Pilz JETZT aufgestellt hat, ein guter Ersatz sein könnte. Bislang bekam man da aber in erster Linie einen Crashkurs in Familienaufstellung zu sehen.

Wie bei NEOS-GURU Strolz scheint die Politik immer mehr als Bühne für den kurzfristigen Ego-trip herhalten zu müssen, wem die Tanzfläche zwischen Flipchart und Rednerpult zu eng und der Beamer zu wenig hell wurde.

Es hätte viel bringen können dieses Jahr, hat es aber selbst dort nicht, wo wir zumindest am Papier die Wahl hatten.

Written by medicus58

30. Dezember 2018 at 11:52

Don’t Smoke, you hypocrites

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Die wissenschaftliche Evidenz, dass Rauchen ein Gesundheitsrisiko darstellt wird inzwischen nur mehr von den Dreistesten bezweifelt.
Seit mehr als einem Jahrzehnt ist es – zumindest wissenschaftlich – unbestritten, dass auch Passivrauchen ein Gesundheitsrisiko darstellt,
über dessen Höhe streitet nur mehr der Stammtisch je nach eigener Präferenz und Lebensstil.

Laut Statistik Austria (die letzten Zahlen sind aus 2014) raucht fast ein Viertel der österreichischen Bevölkerung (über dem 15. Lebensjahr) täglich, wobei es kaum einen Rückgang bei den Männern aber eine stete Zunahme bei Frauen zu bemerken ist. Zählt man die Gelegenheitsraucher und die Dunkelziffer dazu kann wohl angenommen werden, dass ein Drittel der Österreicher die anderen zwei Drittel anqualmt.

Die Faktenlage war auch schon vor 2001 ziemlich eindeutig, hat aber all die jetzt so gesundheitspolitisch Besorgten, Politiker wie Ärzte, relativ wenig aktiv werden lassen, solange die verstaatlichte Austria Tabak Gewinne abgeliefert hat und man ihr marode Betriebe wie den Schwechater Sportartikelhersteller (!) HTM anhängen konnte und Beppo Mauhart mit seinem Sponsorfüllhorn willens war. SP-Bundeskanzler Franz Vranitzky erklärte damals noch ganz offen die Austria Tabak zu „einem der wichtigsten Gewinnbringer für den Staat, weshalb eine Veräußerung eine ganz besondere Kapriole wäre“.
Auf Druck von EU-Vorgaben und den leeren Staatskassen wurde 1997 49,5 Prozent der Austria Tabak an der Wiener Börse verkauft und 2001 zu 100 % privatisiert und von der staatlichen ÖIAG an die britische Gallaher Group abgegeben. Zumindest damals verglich man den Deal mit dem BUWOG Skandal, heute ist das alles vergessen.

Seit – wie bei uns auch in vielen anderen europäischen Ländern – die Goldesel verkauft (vielleicht auch verschenkt) wurde, gebärden sich Politiker gerne als Schützer unserer Gesundheit, wenn es um Rauchverbote in der Gastronomie geht. 

Wäre dies aber so, dann hätte es unter SPÖVP bezüglich der Nichtraucherzonen in der Gastronomie nicht so ein Tauziehen gegeben!
Weshalb die FPÖ. angesichts aller anderen politischen Probleme dieses Landes, das Abendland am rauchumwehten Stammtisch retten möchte, muss sich unser Witzekanzler HC beantworten; mit Freiheit und Selbstbestimmung hat es aber sicher nichts zu tun, auch wenn uns „Kollegin“ Belakowitsch einzureden versucht.

Ärztekammer und Krebshilfe haben nun mit ihrer Don’t Smoke Abstimmung scheinbar eine Welle des Gesundheitsbewusstsein ausgelöst und aktuell standen über 270.000 Schlange, um rauchfreie Stammtische durchzusetzen. Erinnert sich noch wer, dass die Bewegung 2014 auf den am Lungenkrebs verstorbenen Kurt Kuch zurück geht, der aber selbst Kettenraucher war?

Gut so, nur halt auch irgendwie einseitig und jenseitig.

Nein, ich glaube nicht dass das alles NUR parteipolitisch motiviert ist, ich finde aber, dass all die Gesundheitsbewegten hier sehr einseitig agieren!

Sollen Sie der FPÖ eine Watsch’n geben, ist mir recht.
Machen wir die Gastronomie rauchfrei, als Nichtraucher habe ich kein Problem damit.

Tun wir aber bitte nicht so, dass wir hier besonderes Gesundheitsbewusstsein politisch durchsetzen!
Wäre dies aber so, dann hätte die Gesundheitspolitik schon längst die NOx-Diesel verboten, die nachweislich ihre behördliche Zulassung nur erschwindelt haben und im Normalbetrieb viel mehr Emissionen abgeben.  

Heute entscheidet ein deutsches Gericht über Dieselfahrverbote:
Wenn ein Dieselfahrverbot komme, hätten die Autobesitzer ein Recht darauf, bei den Herstellern Nachbesserung oder eine Rückgabe zu fordern

Bisher hat deutsche Politik jedoch der Autoindustrie die Mauer gemacht!
Gestern hat auch die Wiener SPÖ Gemeinderätin Sima einen bemerkenswerten Schluss gezogen, weshalb Wien keine Umweltzonen (=Fahrverbote für Diesel) einführt:  Gute Feinstaub- und Stickoxidwerte entziehen Umweltzonen die gesetzliche Grundlage: 2017 wurden die EU-Grenzwerte für Feinstaub an allen 13 Messstellen erneut klar unterschritten.

Und deshalb braucht man bei uns erst gar nicht auf den Betrug der Autoindustrie reagieren?
Und die Grünen halten still …

Also bitte, unterschreiben Sie das Volksbegehren oder nicht,
rauchen Sie oder besser nicht,
aber bezeichnen Sie das alles nicht als Gesundheitspolitik!

Wie immer geht es auch hier nur um Macht und Geld.

Hätten wir diese Diskussion geführt, solange die Austria Tabak noch im Staatseigentum gewesen ist, wäre sie wirklich politisch gewesen,
nämlich eine die aus Überzeugung auch gegen die eigenen finanziellen Interessen argumentiert.

Gesundheitspolitisch, aber auch im Sinne gelebten Konsumentenschutzes, wäre es vielleicht sinnvoller die durch Schummelsoftware erschwindelten behördliche Zulassungen aufzuheben und zu allfälligen Verwaltungsstrafen den Fahrzeugbesitzern die Möglichkeit von Schadensersatzforderungen zu ermöglichen.
Da schweigen die gesundheitspolitisch angeblich so Engagierten und richtet sich nach dem Willen der Lobbyisten:

Beifall spendet der ÖAMTC. Simas Absage an Diesel-Fahrverbote sei „ein guter Tag für 520.000 Autofahrer in Wien“.

Auch dass klammheimlich, so wie das Tabakmonopol, das Glückspielmonopol zuerst aufgeweicht, dann an politisch gut vernetzte einheimische Konzerne mit Sitz in NÖ verscherbelt wurde und jetzt überhaupt außer Landes verkauft wurde, hat eine gesundheitspolitische Seite, die niemand so aufregt, wie die Frage nach dem Rauch im Gastraum: der massive Anstieg von Spielsüchtigen.

Die Parallele zwischen Tschick und Chip sind doch offensichtlich. Beides sind ökonomisch und gesundheitspolitisch unerwünschte Verhaltensweisen, die aber offenbar nicht auszurotten sind. Aus diesem Grund machte es sehr viel Sinn durch entsprechende Monopole die Einnahmen direkt der Gesellschaft wieder zuzuführen, da sie ohnehin für die Kollateralschäden (Lungenkarzinome, Privatkonkurse) aufzukommen hat.

Das hat die neoliberale Deregulierungswut der letzten Jahrzehnte hinweggefegt.
Die Gewinne wurden privatisiert, die Kollateralschäden kollektiviert und fallweise dürfen sich Politiker an Nebenschauplätzen gesundheitspolitisch bewegt geben.

Vielleicht verstehen Sie nun, dass ich den Hype um Don’t smoke als Nichtraucher, Nicht-Dieselfahrer und Nicht-Spielsüchtiger, nicht nachvollziehen kann, falls Sie sich überraschenderweise gefragt haben. Und dass ich mir bessere Profilierungsfelder für unseren Kammerpräsidenten vorstellen könnte als das medienwirksame Recycling einer alten Kampagne aus 2014.

PS: Das Bild stammt übrigens von einem ganz anderen Beitrag: Feuer auf Papua Neuguinea 

Written by medicus58

22. Februar 2018 at 16:36

Die blauen Schläfer: Wir sprechen mit einem FPÖ Wähler

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Wie immer um Ausgewogenheit bemüht, suchen wir – wie schon 2013 – auch heuer vor den Nationalratswahlen das Gespräch mit den Wählern der kandidierenden Parteien. Während uns damals die Suche nach einem FPÖ Wähler in die Noble Wiener Vorstadt geführt hat, finden wir uns heuer in einer kleinen burgenländischen Gemeinde wieder.

Uns begrüßt ein jovial aussehender, etwas distanziert wirkender Mann mittleren Alters, der mir irgendwie bekannt vorkommt.
„Sagen Sie Hans zu mir!“

Sein grauer Anzug spannt um die Leibesmitte, also keine Rede von slim fit oder so. Der Hemdkragen in fadem Weiß ist ausgeschlagen, der Verzicht auf eine Krawatte scheint Programm. Er ist gepflegt, verströmt aber doch irgendwie Schweißgeruch.
Er hat als Polizist Karriere gemacht, hat sich aber auch schon früh politisch betätigt und saß im Vorzimmer mächtiger Gönner. Eine typische Karriere in der Republik der Sekretäre. Die Antwort auf meine Frage, welche seiner Aktivitäten für seine Karriere wichtiger war, bleibt inhaltlich unbeantwortet. Ein paar knappe Worthülsen hatte er aber offenbar vorbereitet.

Klar, dass wir bald auf Asylanten zu sprechen kommen: „Jeder Mensch, der illegal nach Europa kommt, muss in eines dieser Verfahrenszentren zurückgestellt werden. Wir müssen unsere Grenzen schützen, dazu benötigt es eben mehr Mittel, Notverordnungen können hier die rechtliche Legitimation bringen.

Als ich ihn frage, wie er sich denn die konkrete Umsetzung seiner Pläne vorstellen würde, scheinen die Grenzen zwischen Bundesheer und Polizei irgendwie durcheinander zu geraten. „Panzer sind ein abschreckendes Zeichen!“ Jedenfalls sollte diese Republik viel mehr für ihre innere und äußere Sicherheit ausgeben, da wurde in den letzten Jahren sehr viel versäumt.

Er käme aus einem Bundesland, das seit scheinbar ewig von der SPÖ regiert wurde und wäre das der Grund, weshalb er heuer sein Kreuzerl bei der FPÖ machen wird, versuchte ich ihn aus der Reserve zu locken. „Die SPÖ hat dieses Land zu dem gemacht, was es ist,“ erwiderte er und erinnerte an den legendären LH Theodor Kery, dessen Faible für Panzer und Maschinenpistolen indirekt für die Karriere eines Josef Cap mitverantwortlich war.

FPÖ und SPÖ arbeiten hier im Burgenland sehr konstruktiv zusammen„, er habe da keine Berührungsängste, schließlich teilt er mit dem SPÖ Landeshauptmann auch seine Vorliebe für den Fußball. Pragmatisch muss die Politik heute sein. Als Polizist könne er auch nicht immer mit allen Verhandeln, ob er einschreiten soll. Ihm ginge es darum, dass was bewegt wird und wenn etwas bewegt wird, will er es sein, der bewegt. Die Menschen wollen ja eigentlich nicht mit dem ganzen Unrat belästigt werden und wünschen sich jemanden, der sie beschützt, der vor ihnen steht und weiß was er tut, eben Führer-, pardon Führungsqualität bewiesen hat.

Als ich meinen Gesprächspartner aber konkret fragte, ob er denn auch Mitglied bei der FPÖ wäre, wirkte er verlegen und meinte, dass das aus anderen Gründen nicht so einfach wäre, schließlich gelte er ja unter seinen Freunden als Sozialist, nur müsse man heute die nationale Bedrohung endlich ernst nehmen und da wäre die FPÖ doch ein Garant dafür, dass dieses Land wieder ein Sozialismus einzieht, der sich in erster Linie um die eigenen Leute kümmert, also mit anderen Worten ein nationaler Sozialismus, ein ….

und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, mein Gesprächspartner war heute der Verteidigungsminister unserer Republik, Hans- Peter Doskuzil.

Written by medicus58

11. September 2017 at 18:18

Veröffentlicht in Nationalratswahl 2017

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