Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Natürlich gilt die Unschuldsvermutung, aber nicht für Wähler

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Wer einen von jeder fachlichen Qualität freizusprechenden, PR-getrimmten Egomanen wählt, der sich mit einer ebensolchen, treu ergebenen Schar an die Macht putschte, darf sich nicht wundern.

Wer Aufstieg und Fall der Haiders und Grassers miterlebte, die zu irgendeinem Zeitpunkt einem Herrn Schüssel den Platz an der politischen Macht verdankten, und dem der Aufstieg von Sebastian Kurz nicht nachdenklich machte, für den gilt keine Unschuldsvermutung. Mildernde Umstände könnte er nur geltend machen, wenn er sich und seine Wahl mit den Alternativangeboten rechtfertigt.

Bemerkungen zu Van der Bellen – und den Zustand der Umstände

Wodurch unterscheidet sich Türkis von schwarz?

Welche Weichenstellung ein Bundeskanzler Kurz wirklich geschafft hätte

Faket die Faker oder die weiche Birne der Populisten

Zu Werner Faymann An das Publikum (Eine Collage)

Zu Ernst Strasser Funkstille aus Pröllistan

Written by medicus58

8. Oktober 2021 at 07:29

Warum musste Jörg Haider sterben?

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hAIDER nATI

 

Die Antwort ist klar, weil er in alkoholisiertem Zustand die Kontrolle über seinen Luxusschlitten verloren hat, nur geh’s darum eigentlich nicht.

Es geht darum, dass aktuell SPÖVP mit einem umstrittenen Verfassungsgesetz hohen Pensionen im staatsnahen Bereich, nicht zuletzt in der Nationalbank, gedeckelt haben (http://oe1.orf.at/artikel/377486).

Es gab wohl keinen anderen österreichischen Politiker, der sich so oft gegen diese Luxuspensionen in der Nationalbank ausgesprochen hat, wie der selbst ernannte Robin Hood der kleinen und Ordentlichen, der Jörgl eben.

1996 Nationalrat Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 10. Sitzung / Seite 16:

Abgeordneter Dr. Jörg Haider (Freiheitliche): Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Das Zustandekommen dieser neuen Bundesregierung ist wesentlich mit einem Belastungspaket für die österreichische Bevölkerung verbunden, das zur Konsolidierung des Bundeshaushaltes vor allem massive Mehrbelastungen für die Familien, für die Alleinverdiener, aber vor allem auch für das Gros der fleißigen Arbeitnehmer etwa durch Verschlechterungen der Arbeitnehmerbeiträge, durch Verschlechterung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes und ähnliches mehr beinhaltet.

Wir Freiheitlichen haben daher verlangt, daß sich diese Regierung, die uns heute ihre Erklärung abgeben wird, klar dazu bekennt, nicht nur die Bevölkerung zu belasten, sondern entsprechende Maßnahmen des Privilegienabbaues in jenen Bereichen durchzuführen, in denen seit Jahrzehnten Mißstände existieren, Hunderte Millionen Schilling zum Fenster hinausgeworfen werden und leistungsfremde Bezüge auf der Tagesordnung stehen.

Wir haben überhaupt kein Verständnis dafür, wenn im Koalitionsabkommen der beiden Regierungsparteien die Frage des Privilegienabbaues wiederum auf die lange Bank geschoben wird und – wie Herr Staatssekretär Schlögl angekündigt hat – die Frage der Belastung der Österreicher sofort kommt, aber eine Änderung derPolitikerprivilegien erst mit Jahresende zur Diskussion stehen soll. Auch gibt es nur eine reine Aufforderung an die anderen betroffenen Privilegienträger, etwa an NationalbankKammern,Sozialversicherungsträger. An diese gibt es nur ein formloses Schreiben, aber sonst passiert nichts. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Rufe bei der SPÖ: Bärentaler!)

Ich verstehe schon, daß Sie Probleme haben, das zu tun, aber wenn man den heutigen „Standard“ liest, kann man feststellen, daß die Notenbank von der Regierung in einem freundlichen Schreiben aufgefordert wurde, doch auch mit gutem Beispiel voranzugehen, wenn man doch schon die Österreicher belastet, selbst bei den Privilegien in der Notenbank Ordnung zu machen. Der Herr Notenbankpräsident sagt:Das kümmert uns nicht, wir sind ein unabhängiges Institut, die Regierung hat uns nichts vorzuschreiben.

Die Arbeiterkammer sagt: Wir werden schon irgendwann einmal darüber verhandeln.

Die Wirtschaftskammer des Herrn Maderthaner sagt: Wir sind einSelbstverwaltungskörper, und wir sind ohnedies sparsam – aber jeder weiß, daß in der Bundeswirtschaftskammer in den letzten Jahren zwar viel von Verwaltungsreform die Rede war, man sich jedoch die Abschaffung der Pragmatisierung der eigenen Beamten in der Bundeswirtschaftskammer mit 2 Milliarden Schilling für Sonderpensionen erkauft hat. Dieses Geld wurde noch dazu von der Außenhandelsförderung abgezweigt, obwohl angeblich die Exportwirtschaft angekurbelt werden soll! …

Der Herr Bundeskanzler wird empfindliche Maßnahmen, Einkommenskürzungen für den durchschnittlichen Österreicher heute hier bekanntgeben. Wie wollen Sie denn das verantworten, wenn in derOesterreichischen Nationalbank – und das ist nun einmal ein von diesen beiden Regierungsparteien beherrschtes Institut – jeder Millionär, jeder, der 1,5 oder 2,5 Millionen Schilling an Jahresverdienst hat, auch noch sein Mittagessen mit 100 S subventioniert bekommt?! Da lachen ja wirklich schön langsam die Hühner, besser: Es kommen dem anständigen Bürger in diesem Land die Tränen, daß das alles nicht geändert wird.
Hunderte Millionen Schilling für Privilegien, ein Sonder-Pensionsrecht in der Oesterreichischen Nationalbank, das uns alle – für nicht einmal 1000 Begünstigte – sage und schreibe 23 Milliarden Schilling kostet!

Da haben Sie nichts getan, da sind Sie nicht hineingefahren! Deshalb stellen wir diesen Fristsetzungsantrag, weil wir verhindern wollen, daßdie Frage des Privilegienabbaues auf die lange Bank geschoben wird, während die Belastungen der Österreicher durch diese neue Regierung sofort über die Bevölkerung hereinbrechen werden.

http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX/NRSITZ/NRSITZ_00010/fnameorig_114009.html

OTS 2005:
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20051116_OTS0124/haider-zu-nationalbank-gehaeltern-privilegiensumpf-wie-eh-und-je
u
m nur zwei Beispiele anzuführen.

Keine Angst, ich wurde auf meine alten Tage nicht Mitglied im Fanclub des Bärentalers, vielmehr handelt es sich hier m.E. nur um einen erneuten Beweis für meine schon einmal hier geäußerte These:

Im Rückblick-SPIEGEL: Sind es nicht die Demokraten, die die Demokratie gefährden? http://wp.me/p1kfuX-qg

Hätte SPÖVP, die nun unter dem Druck der Krise die Verfassung bemühen müssen, um die zu erwartende Einsprüche gegen den akuten Eingriff in „wohlerworbene Rechte“ abzusichern, bereits vor 20 Jahren in den von ihnen Kontrollierten Bereichen die gesetzlichen Grundlagen für eine gerechte Entlohnung gelegt, also genau das getan, was Haider von ihnen eingefordert hatte, wäre die FPÖ heute auch mit Haider, nicht viel mehr als das politische Hintergrundrauschen, das sie auch vor ihm war.

Hitler, Haider, Stronach uva

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WolfStronach

Hitler, Haider, Stronach normalerweise kommen die Schlüsselworte (keywords) irgendwo am Ende eines Beitrages, heute wollen wir das mal ändern.

Die Genannten, so wie auch viele anderen in der an bunten Vögeln reichen politischen Geschichte unseres Landes, sprachen/sprechen sich gegen den Berufspolitiker aus und ernten- nicht ganz unverständlich im Lande der überwiegend kontinuierlich verlaufenden politischen Karrieren (Land der Sekretäre http://www.amazon.de/Republik-Sekret%C3%A4re-Seilschaften-Machthaber-%C3%96sterreich/dp/390043655X) – Zuspruch des Mannes von der Strasse.

Alle drei und viele andere sprachen/sprechen sich gegen die aus, die in ihrem ganzen Leben „nichts anderes gemacht hat als hauptberuflich Politik zu machen“ und setzten dem den Quereinsteiger entgegen, der sich „zuerst in wirklichen Leben bewährt hat“.

Der gerade aktuelle (bunte) Vogel, der auch gern vom ORF zur Quotensteigerung, Marke „Haut den Frank„, das Mikrofon geeicht wird, hat gestern in der ZIB2 auch wieder gegen den Berufspolitiker wettern dürfen. http://www.heute.at/news/politik/art23660,866948,2 

Keine Frage, auch mir geht der ÖVPSPÖ Appratschik ebenso auf den Geist wie der Birkenstock-Empörte, hauptberufliche Gut-Mensch und Dauerempörte. Nur stellt sich doch die Frage, ob es gesellschaftlich relevante Berufe gibt (geben kann), für die man so gar keine Ausbildung benötigt.

Ja, wir Ärzte erleben es jeden Tag, dass Autorität von „Mr. Gesundheit“ 
(http://de.wikipedia.org/wiki/Hademar_Bankhofer_(Autor)) in Gesundheitsfragen 20 Doppelblindstudien ersetzt und der Wirkungsnachweis der „kleinen rosa Pillen“ bei der Nachbarin zum sofortigen Krankenscheinentzug führt, wenn diese nicht verordnet wird …

Auch ich diletiere auf so manchem Gebiet hier, für das ich KEINE Lehrbefugnis habe, aber ich mache dies meist mit einer Fülle an Referenz-Links, um meine Privatmeinung in den allgemeinen (oder auch nur speziellen) Konsens einzubetten.

Worauf ich viel eher hinaus will, ist die gefährliche Negation, dass man vor einer öffentlichen Meinungsäußerung, zumindest ansatzweise sein Geschäft gelernt haben sollte.

Konkret: Auch der Beruf eines Politikers sollte doch gelernt werden.

Uncle Frank mag einwenden, dass er ja auch nicht gelernt hat Milliardär zu werden und es trotzdem wurde (vielleicht auch weil viele Politiker, die er bezahlt hat ihren Job eben nicht gelernt haben; Milliardär eben.

Keine Frage, es lernen in allen Professionen, selbstverständlich auch in der Politik, viele Naturtalente umher, aber wenigen würde es einfallen sich unter das Messer eines Autodidakten zu legen oder in das Flugzeug eines PC-geschulten Hobbypiloten zu setzen …

Könnten wir im Zeitalter der Selbstdarsteller, Instant-Genies und Marktschreier wieder einmal darauf Rücksicht nehmen, das hinter all dem Blendwerk, der Rhetorik , der NLP, der werbewirksamen Kurzantworten und sonstiger PR auch etwas Handwerk stehen sollte, wenn wir uns darauf verlassen müssen? 

Written by medicus58

10. April 2013 at 19:48

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7.3. 2011: Kärntner Ortstafeln: Heute ist Faschingsmontag

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Zur Einführung eine kurze Chronik (http://derstandard.at/1297819390555/Chronologie-Ewiger-Streit-um-die-Schilder http://derstandard.at/1297818209312/Kaernten-Endloses-Spiel-um-die-richtige-Zahl-der-zweisprachigen-Tafeln )

1955: Im Staatsvertrag sichert Österreich den Slowenen und Kroaten besondere Minderheitenrechte zu, unter anderem zweisprachige Ortsbezeichnungen.

Juli 1972: Die Regierung Kreisky beschließt die Aufstellung von zweisprachigen Ortstafeln in 205 Kärntner Ortschaften mit zumindest 20 Prozent Anteil slowenischsprachiger Bevölkerung. Die Aufstellung im September führt zum so genannten Ortstafelsturm, „Deutsch-Kärntner“ demolieren oder beschmieren die Tafeln.

Juli 1976: Im Volksgruppengesetz der Regierung wird ein Slowenen-Anteil von 25 Prozent als Voraussetzung für die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln festgelegt. Ein Jahr später sieht eine Topografieverordnung 91 Ortstafeln vor. Nur 72 werden infolge tatsächlich aufgestellt.

Dezember 2001: Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) bezeichnet die 25-Prozent-Quote als zu hoch und hebt Teile des Volksgruppengesetzes und der Topografieverordnung auf. Ermöglicht hatte dies der Slowenenfunktionär Rudi Vouk, der ein Strafmandat beim VfGH bekämpft hat, das er im einsprachig beschilderten Ortsgebiet von St. Kanzian erhalten hatte.

Dezember 2005: Das Höchstgericht gibt einer erneuten Beschwerde von Rudi Vouk recht und fordert die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln in Bleiburg und Ebersdorf. Landeshauptmann Jörg Haider umgeht die VfGH-Entscheidung, indem er die Ortstafeln von Bleiburg verrückt. Der VfGH beurteilt dies später als unzulässig.

August 2006: Unter dem Motto „Kärnten wird einsprachig“ lässt Haider zweisprachige Ortstafeln entfernen und durch deutsche Ortsschilder mit kleinen slowenischen Zusatztafeln ersetzen.

Februar 2007: Die slowenischen Zusatztafeln von Bleiburg und Ebersdorf werden innerhalb des blauen Feldes der Tafel angebracht. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt leitet Erhebungen wegen Verdachts des Amtsmissbrauchs gegen Haider und seinen Stellvertreter Gerhard Dörfler ein – das Verfahren gegen Dörfler wird Jahre später (2009) eingestellt.

März 2009: Haider-Nachfolger Gerhard Dörfler will die 25-Prozent-Slowenen-Klausel der Kreisky-Regierung in Verfassungsrang heben.

September 2010: Dörfler stellt die Aufstellung weiterer zweisprachiger Ortstafeln in Aussicht. Auslöser war einmal mehr der VfGH, der sich zeitgleich mit Beschwerden betreffend zwölf Kärntner Ortschaften beschäftigte.

Oktober 2010: Dörfler kann sich eine Lösung bis 2012 vorstellen. Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) hatte vorgeschlagen, sich auf eine fixe Anzahl zweisprachiger Ortstafeln in der Bandbreite von 141 bis 163 zu einigen.
Jänner 2011: Am 29. Jänner hatten FPK-Chef Uwe Scheuch und Dörfler ihre eigenen Vorstellungen präsentiert – aus Sicht der regierenden Partei geht es um „eine Bandbreite von 141 bis 149 Tafeln“. In dieser Größenordnung waren auch die Vorstellungen von Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) gelegen.

Februar 2011: Schwere Verstimmung bei den Gesprächen über die Ortstafeln: Die Kärntner Slowenen legen einen ersten Vorschlag über 273 Schilder vor. Gerhard Dörfler ist „schwer enttäuscht“.

Das Standardforummitglied „hanSteiner“ schrieb am 19.2.2011: Ich finde man sollte sich bei diesen Zahlen auch folgendes vor Augen halten: Es gibt in Kärnten ca. 2.829 Ortschaften und 130 Gemeinden im Durchschnitt also 21 Ortschaften pro Gemeinde. Kärnten hat 580.000 Einwohner, wenn man die acht größten Städte abzieht 316.000, das macht im Durchschnitt 112 pro Ortschaft. Bei aktuell 90 Tafeln wohnen also statistisch 10000 Menschen in Orten mit zweisprachigen Tafeln, realistisch viel weniger, da die zweisprachigen Orte meist noch kleiner sind also auf jeden Fall unter 1,7%. Sogar die „völlig indiskutable“ aber eigentlich ganz normale Lösung würde also für nicht mehr als 3% aller Einwohner den zweiten traditionellen Ortsnamen auf ihrer Ortstafel bringen. Steht das in irgendeiner Relation zum Grad der Aufregung in der Politik?
Ich bin aber überzeugt, dass LH Dörfler letztendlich als der Kärntner in die Geschichte eingeht, der zweisprachige Osrtstafeln aufstellen läßt, denn er hat es schließlich amtlich, dass er (Gesetze) nicht sinnverstehend lesen kann, da wird es ihm auch egal sein, was auf den Tafeln drauf steht.

Written by medicus58

24. Februar 2012 at 17:47

(Ver)a(r)schermittwoch

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Dass der Aschermittwoch den Beginn der Fastenzeit markiert, ist einem katholisiert aufwachsenden Österreicher kaum fremd. 

Somit ist uns auch das alttestamentarische Bild: „Ich richtete mein Gesicht zu Gott, dem Herrn, um ihn mit Gebet und Flehen, bei Fasten in Sack und Asche, zu bitten.“ (– Dan 9,3) mehr als vertraut.

Nach all dem Gefeiere des zurück liegenden Faschings, zumindest der 48% der Wiener, zu denen ich nicht gehöre (siehe gestrigen Eintrag: 
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52574) steht dem Christenmenschen schon etwas Besinnung und schlechtes Gewissen an.

Weshalb sich der Aschermittwoch auch zum Feiertag des Wutbürgers
(Zitat  Ulrich Hottelet vom 9. März 2011 Link unten) gewandelt hat, und am politischen Aschermittwoch ohne Sack und Asche nach Herzenslust die rhetorische Sau durchs Dorf getrieben und “ das „Grundbedürfnis des Wutbürgers nach Emotionalisierung, Personalisierung und Zuspitzung“  befriedigt werden muss, dafür musste schon Wikipedia bemüht werden:

Seinem Ursprung nach ist er eine bayerische Institution. Die Wurzeln des politischen Aschermittwochs liegen im 16. Jahrhundert: 1580 trafen sich bayrische Bauern erstmals in Vilshofen an der Donau zum Vieh- und Rossmarkt und feilschten dabei nicht nur über die Preise, sondern diskutierten auch heftig die Themen des Tages, darunter seit dem 19. Jahrhundert auch die königlich-bayerische Politik.

Aha, …

Weiter im Originaltext Hottelet: Die Freunde differenzierter, sachorientierter und rational abwägender Argumente in der Politik, sprich des Gebrauchs des Floretts statt des Dreschflegels, mögen sich von der Dampfhammer-Rhetorik leicht angewidert abwenden und sie ignorieren. Doch sie sind in der Minderheit, hat man allzu oft den Eindruck. Notorisch erinnert die Berichterstattung vom politischen Aschermittwoch alljährlich in nostalgischer Verklärung an Franz Josef Strauß (un-)selig, der seinerzeit die Biermaße genießenden Massen seiner Fans in der Passauer Nibelungenhalle zu Begeisterungsstürmen brachte. 

Nach Österreich hat diesen Brauch „die vom Himmel gefallenen Sonne aller Kärntner“, DER JÖRG, gebracht.

2004: „Chirac, Blair und Schröder kommen mir vor wie die Drei Tenöre. Sie sind nicht mehr ganz taufrisch, sauteuer wenn sie auftreten, und sie vergreifen sich immer öfter im Ton“ 

In der Vergangenheit oft kopiert und doch nicht erreicht von nachfolgenden Zahntechnikern. gibt es trotzdem auch heuer eine Neuauflage um
19:00 Uhr – Jahnturnhalle, 4910 Ried im Innkreis …
 

Urprünglich war die bemüht unerschrockene Phrasendrescherei eher ein Betätigungsforum Wuchtel-schleudernder Rechter-Recken, jedoch wird der Termin inzwischen von allen politischen Richtungen zum schenkelklopfenden Reinsagen verwendet.

Aber fragen wir uns noch einmal, wieso das so gut funktioniert. Ulrich Hottelets Analyse der Lust an Emotionalisierung, Personalisierung und Zuspitzung trifft zwar das Phänomen, m.E. nicht aber die Ursache.
Dazu müssen wir wieder an die biblischen Wurzeln des Ganzen zurückkehren: 

Im Denken der drei großen Abrahamitischen Religionen, vorrangig im Christentum und überbordend in der Katholischen Ausformung, spielt der ständige Druck der kollektiven Schuld, die Last der Erbsünde eine zentrale Rolle, aus der wir alle nur kurzfristig (und mit etwas schlechtem Gewissen) ausbrechen dürfen … CARNE VALE = LEB WOHL FLEISCH

Und jetzt nehmen wir ganz rasch einen scheinbaren Themenwechsel vor:

Die Proteste der Allgemeinbevölkerung gegen die Sparpakete der letzten Jahre sind doch relativ moderat gewesen …  

Als am 28. März 2009 zu Protesten unter dem Titel 
„Wir zahlen nicht für eure Krise!“ Am 28. März wird überall demonstriert. Sogar in Wien
aufgerufen wurde, war die Teilnehmermenge überschaubar (6000 laut Polizei, 20.000 laut Organisatoren, …. sorry, als freiwilliger und nicht für irgendeine Partei gekommener Teilnehmer muss ich eher der Polizei Recht geben, was auch das Youtube Video zeigt http://www.youtube.com/watch?v=FFEhzWn15V0

Drei Jahre später gibt es nicht einmal mehr einen Aufruf zu Protesten und der Slogan ist vergessen.  Googeln Sie mal danach!

UND WARUM ????

Jetzt schliesst sich der Kreis … das eingeimpfte schlechte Gewissen wirkt:

Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt.
Der Wohlfahrtsstaat hat übertrieben.
Wer Leistungen vom Staat (der Schule, der Universität, dem Krankenhaus, …) will muss dafür bezahlen.

Wir alle haben von den Finanzspekulationen profitiert, jetzt müssen wir eben alle unseren Beitrag leisten.

Der Profit der Banken wird gegen den auf Fremdwährungskredit Häusel-bauenden Mittelständler augerechnet,

die Liechtenstein’sche Stiftung gegen die staatliche Bausparprämie,

größzügige Standortförderungen internationaler Konzerne gegen die Kinderbeihilfe

WIR ALLE MÜSSEN JETZT UNSEREN BEITRAG LEISTEN, WEIL SIND WIR UNS DOCH EHRLICH, EIN BISSCHEN SCHULDBEWUSSTSEIN HABEN SIE DOCH AUCH, ODER?

Und so dürfen wir uns im Fasching ein bißchen austoben, am Aschermittwoch noch freuen, dass immer mehr Politiker uns scheinbar nach dem Mund reden, aber dann 

zurück ins Glied Systemerhalter

Zähne zusammenbeissen Wutbürger

vielleicht noch ab und an ein Kabaret (Wutbürger Düringer) , aber dann spucken wir wieder in die Hände …

Geier Sturzflug – Bruttosozialprodukt 1983
Wenn früh am Morgen die Werksirene dröhnt
und die Stechuhr beim Stechen lustvoll stöhnt
in der Montagehalle die Neonsonne strahlt
und der Gabelstaplerführer mit der Stapelgabel prahlt
ja dann wird wieder in die Hände gespuckt
wir steigern das Bruttosozialprodukt
http://www.youtube.com/watch?v=RUdyqJuJOAs 

NA ABER, DAS HAT DOCH NUN WIRKLICH NICHTS MEHR MIT UNSEREM THEMA ZU TUN ….

Glauben Sie vielleicht. Sie glauben ja auch, dass Sie für Ihre eigene Krise zahlen ….

Was war 1983 ….

Günter Pehl Deutsche Wirtschaft 1982/83
Die weltweite Wirtschaftskrise dauert an — weiterhin schrumpfende Produktion und hohe, wachsende Arbeitslosigkeit
Alle Industriestaaten befinden sich in der größten und am längsten andauernden Weltwirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren.
http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1982/1982-12-a-758.pdf

Na, klingelt es? Wir werden wir jetzt aus der Krise kommen? Na richtig, mit Wirtschaftswachstum sagt Herr Aiginger „Zum Wirtschaftswachstum verdammt “ (http://kurier.at/wirtschaft/4479282-aiginger-zum-wirtschaftswachstum-verdammt.php)

und deshalb feiern Sie bitte mit mir heute den VERARSCHERMITTWOCH 
und gehen dann sofort wieder an die Arbeit, so Sie noch eine haben …
Andere Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Aschermittwoch 
http://www.cicero.de/berliner-republik/politischer-aschermittwoch-der-feiertag-des-wutb%C3%BCrgers/41753
https://medicus58.wordpress.com/2012/02/15/wutburger/ 
http://de.wikipedia.org/wiki/Politischer_Aschermittwoch
http://www.wien-konkret.at/politik/nachruf/joerg-haider/doerfler/ 
http://www.news.at/articles/0409/11/75863/aschermittwochsrede-2004-haider
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2295654/strache-rundumschlag-gegen-koalition-orf.story 
http://www.augustin.or.at/article1174.htm

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