Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Gangbetten

Gangbetten – Liebe Kunden wir eröffnen in Kürze Kassa 3

with 3 comments


Wieder rügt der Rechnungshof den KAV für Gangbetten, wieder darf (immer ein anderer) KAV-Verantwortlicher vor der Kamera etwas von „Bettenmanagement“ und „klinischer Notwendigkeit“ sprechen um anschließend zu ver-sprechen, „darauf ganz genau zu schauen„.
Brennpunkt ist wieder einmal die Unfallchirurgie.

Warum im angeblichen rot-grünen Bollwerk gegen die tückisch-blaue Regierung, der Stadt Wien, niemand sagt oder sagen darf, dass ein Teil des Problems daraus resultiert, dass die Leistungen der AUVA seit Jahren herunter gefahren werden und den anderen Krankenanstalten aufgebürdet wird, um Lohnnebenkosten zu sparen, ist einfach erklärt.
Dieser Prozess lief auf Druck von Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer schließlich auch unkommentiert während der rot-schwarzen Regierung!

Ob man das nun gut findet, weil die Anzahl der reinen Arbeitsunfälle, für die die AUVA gegründet wurde, zurück gehen,
oder schlecht finden, weil die parallel zunehmenden arbeitsbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Psyche unhinterfragt dem allgemeinen Versorgungssystem aufgebürdet werden, ist ein gesundheitspolitisches Problem und somit
nicht von den Krankenhausträgern sondern von der Politik zu lösen!
Da die Landespolitik aber das Management der Krankenhausträger (und der ORF Landesstudios) aussucht, werden diese sich hüten sowas anzusprechen!

Auch eine andere, ganz primitive Wahrheit, die jeder von uns fast täglich im Supermarkt und nur fallweise im Gangbett erlebt, ist der Zusammenhang zwischen Aufwand, Effizienz und Ergebnis einer Versorgung.
Das ist im Kern wieder nichts Politisches sondern ein mathematisch zu formulierender Zusammenhang.

Die Parallele zwischen Supermarkt und Gesundheitssystem liegt nun darin, dass die jeweilige Inanspruchnahme sehr fluktuierend ist.
Arbeitende Normalos kaufen selten am späten Vormittag ein, bei Glatteis brechen mehr Schenkelhälse.
Das führt uns zur Warteschlangenformel.

Vereinfacht kann man sie auch (wie schon einmal hier angesprochen) so darstellen:

Auslastung / (1 – Auslastung) = erwartete Anzahl der Kunden an der Kasse

Die „primitive Wahrheit„, die zumindest den Verantwortungsträgern einmal ins Stammbuch zu schreiben ist, dass unter diesen Bedingungen, schon bei einer durchschnittlichen 80-prozentigen Auslastung der Kassenkraft mit einem phasenweise auftretenden Anzahl von 4 Kunden an der Kasse zu rechnen ist.
Für die Beckmesser: Auslastung * erwartete Anzahl der Kunden an der Kasse = erwartete Länge der Schlange = 0,80 * 4,0 = 3,2, d.h.
in manchen Fällen werden trotz eigentlich schon relativ hoher Systemauslastung immer wieder drei Patienten im Gangbett liegen!

Jede weitere Steigerung der Auslastung lässt phasenweise die Warteschlangen explodieren (z.B. 90% Auslastung der Kassenkraft = 9 Kunden).
Erst bei einer kaum finanzierbaren durchschnittlichen Auslastung der Kassenkräfte von 50 Prozent erreicht man das „Ideal“ von durchschnittlich nur einem Kunden pro Kasse bzw. einem systematisierten Bett pro Patient!

Wie man das Problem angeht, erleben wir bei Lidl, Billa, Hofer et al.  Seit einiger Zeit spielen die dort ein ständiges Kassa auf Kassa zu Spiel, um zwischen den Spitzenzeiten die Mitarbeiter mit anderen Arbeiten zu beschäftigen. Das führt wiederum dazu, dass Kunden auf den Gängen über immer mehr Paletten mit nur teilweise eingeschlichteten Produkten stolpern.
In den Krankenhäusern versucht man das Problem mit interdisziplinären Stationen und immer mehr Transferierungen zu lösen, was inzwischen zu einem überproportionalen Organisationsaufwand bei sinkender Effizienz führt, wenn ein Patient am Tag vor seiner Entlassung auf eine fachfremde Station transferiert wird, wo sich kaum jemand mit seinen speziellen Bedürfnissen zum Entlassungszeitpunkt auskennt.

Bei allem Verständnis dafür, dass die Verantwortlichen ja nach außen etwas dazu sagen müssen und deshalb immer hektischer an der internen Organisation herumdoktern, irgendwann werden es auch die Supermärkte begreifen, dass die Kollateralschäden durch hin- und herlaufender Mitarbeiter (Stress bei Mitarbeitern und Frust bei Kunden durch permanent unterbrochene Arbeitsabläufe, Folgefehler, Unübersichtlichkeit …) und der ebenfalls exponentiell ansteigende Organisations- und Überwachungsaufwand sich nicht rechnet.
Je höher der Spezialisierungsgrad einzelner Mitarbeiter wird, und da sind wir im Gesundheitssystem, desto früher wird dieser Punkt erreicht sein.
Meines Erachtens ist er in den Wiener Krankenhäusern schon längst überschritten und wir reiben uns nur mehr mit dem Organisieren und Optimieren auf.

Also abseits des politisch korrekten Geschwubels wäre es einmal erfrischend zu hören:

Das sind die Rahmenbedingungen, das sind die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen,
damit sind bestimmte Dinge machbar, wobei jede Organisationsänderung wieder zu anderen Kollateralschäden führt.
Machen Sie uns bitte für fachliche Fehler aber nicht für Dinge außerhalb unseres Einflussbereiches verantwortlich und
lernen Sie Mathematik, junger Mann,
um Kreisky zu paraphrasieren.

Würde man aber das sagen, wäre die Karriere sowohl im Gesundheitsmanagement als auch in der Politik abrupt beendet.

Links zum Thema:
Gangbetten gibt’s net
Indische Betten: Die Betten am Ende des Ganges (Director’s Cut)
Rock ’n’ Roll in der Geriatrie; Warum Wien bald mehr neurochirurgische Gangbetten hat
SP-Wagner: Engagiertes KAV-Personal stellt PatientInnen-Versorgung jederzeit sicher
Der scheinbare Sieg: Verkürzte Wartezeiten in der Radiologie
Ist 2030 schon vorbei, oder? Bemerkungen zum Wiener Spitalskonzept 
Selten liegt es daran, dass man es nicht besser wüsste 

 

Written by medicus58

18. Januar 2018 at 18:00

Indische Betten: Die Betten am Ende des Ganges (Director’s Cut)

with one comment


Spitalsbett

Die mediale Aufregung über die Gangbetten im KAV ist groß und SP Volksanwalt Kräuter prüft (http://diepresse.com/home/panorama/wien/5150777/Gangbetten_Volksanwalt-prueft-Stadt-Wien).

Aufgeregt, aber offensichtlich ohne exakte Recherche entrüstet sich der Kurier, dass „Grippekranke Dermatologie-Patienten anstecken“ (https://kurier.at/chronik/wien/gangbetten-chaos-massnahmen-wirkungslos/240.100.342).

Die Politik macht, was sie neuerdings immer macht, die Stadtträtin dankt den Mitarbeitern und nennt alles eine politische Kampagne  (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170109_OTS0106/wehsely-danke-an-die-mitarbeiterinnen-des-kav-wien-fuer-ihre-hervorragende-arbeit), kündigt aber sogleich ebenfalls eine eigene Prüfung an.
Dabei erfährt man, dass in der neuen gesundheitspolitischen Geheimwaffe, dem einzigen PHC Wiens am Sonntag ohnehin nur 4 (!!!) Patienten Hilfe suchten (http://derstandard.at/2000050418456/Grippewelle-Trotz-Sonntagsoeffnung-nur-vier-Patienten-in-Praxis).

Eigentlich wäre das alles doch ganz einfach, wenn auch nicht so einfach, wie die von der Stadtregierung ernannte „Patientenanwältin Pilz“ es sich macht, wenn sie meint, dass die niedergelassenen und angestellten Ärzte einfach nicht auf Weihnachtsurlaub gehen hätten dürfen (http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5149493/Gangbetten_Pilz-sieht-Fehler-bei-Urlaubsplanung).

Im Prinzip gebe ich zwar Wehsely Recht, dass hier offensichtlich eine Kampagne läuft und der KAV Ohrfeigen bekommt, die er zwar mehr als verdient, jedoch nicht für die aktuelle Situation (Grippewelle früher und stärker als erwartbar, Widerspruch zwischen Effizienz und Vorhaltekapazität, …).

Den Dauerbrenner Gangbetten habe ich hier schon 2012, unter Gangbetten, gibt’s net (https://medicus58.wordpress.com/2012/04/19/gangbetten-gibts-net/) und 2015 unter Wehsely-Leak V 2.0 oder Indische Betten: die Betten am Ende des Ganges https://medicus58.wordpress.com/2015/04/20/wehsely-leak-v-2-0-oder-indische-betten-die-betten-am-ende-des-ganges/) thematisiert.

Der KAV Führung und seine Stadträtin verdient die medialen und politischen Ohrfeigen, weil sie in früheren Jahren das Problem negiert oder auf die organisatorische Unfähigkeit der Ärzte geschoben haben, nicht weil die aktuelle Situation ohne hellseherische Fähigkeiten und enormes Budget anders hätte bewältigt werden können.

Da gab es z.B. 2012 eine unvergessliche Pressekonferenz mit dem früheren GD Marhold, in der gerade fotografierte Gangbetten dem schweigend neben ihm sitzenden Ärztlichen Direktor als Organisationsverschulden angehängt hat und sein für jeden Insider absurdes Versprechen durch eigenes Eingreifen Gangbetten wegzuzaubern (http://wiev1.orf.at/stories/205524).

Wenn der jetzige GD Janßen plötzlich das Offensichtliche ausspricht: dass Gangbetten grundsätzlich „in jedem Land in Zentraleuropa anzufinden“ seien, „weil die Kapazitäten der Spitäler endlich sind und nicht immer auf den maximal zu erwartenden Versorgungsbedarf ausgerichtet sind. Denn das würde bedeuten, in der Regel eine Überkapazität fahren zu müssen“ .
(http://wien.orf.at/news/stories/2818327/),
mag darüber jubeln, dass nun endlich ein echter Manager, oder in seinen Worten ein teurer Spieler gekauft
(http://derstandard.at/2000050277334/Trotz-Abloesegeruechten-KAV-Chef-Janssen-sieht-sich-fest-im-Sattel) wurde, der die Dinge beim Namen nennt.

Andererseits spricht auch Janßen im selben Interview über seine Kritiker als, die sich sich in den vergangenen Jahren „ihre Nische errichtet“ hätten und von  „Menschen, die sagen: ‚Muss ich das (die Veränderungen, Anm.) haben oder zieht die Leiche des Generaldirektors noch an mir vorbei?'“.

Und weiter: „Wer in der Kirchturmspitze ist, darf sich nicht darüber beklagen, dass die Raben einen ankrähen.“

Blöd halt nur, wenn  die Kirchturmspitze eigentlich nur die Spitze eines Eisbergs ist und die Raben im Archiv kramen.

Also, kein Mitleid für die Geohrfeigten!

Written by medicus58

11. Januar 2017 at 07:40

Wehsely-Leak V 2.0 oder Indische Betten: die Betten am Ende des Ganges

with 3 comments


 

Spitalsbett

Einer der Beweggründe diesen Blog zu beginnen war für mich die unerträgliche Diskrepanz zwischen medialer Darstellung und der täglich erlebten Realität in unserem Gesundheitssystem.

Die nun plötzlich wieder hochkommende Diskussion über das
Gangbett, das es eigentlich nie gegeben hat und das dann offiziell abgeschafft wurde, ehe es in diesen Tagen wieder aufgestellt wurde,
ist ein solcher Mythos.

Fast genau vor drei (!!) Jahren, im April 2012 erlaubte ich mir unter dem Titel Gangbetten gibt’s net (http://wp.me/p1kfuX-fC) eine Binsenweisheit zu vermerken:

Es gibt im optimierten, effizient gemachten Krankenhaus nur zwei Optionen, entweder stehen oft viele Betten leer, oder sie stehen in Spitzenzeiten am Gang.

Auslöser waren die Fotos eines FPÖ Mandatars, der Gangbetten im Donauspital dokumentiert hat, deren Existenz vom Krankenanstaltenverbund zuerst dementiert, dann als Managementfehler der Verantwortlichen gebrandmarkt und in der Folge per Weisung des damaligen Generaldirektors Marhold abgeschafft wurden.

Dabei waren schon damals Gangbetten ein „gefundenes Fressen“ für die Oppositionsparteien:

5. Juli 2007 VP-Korosec: Gangbetten im SMZ-Ost seit Jahren traurige Realität
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20070705_OTS0156/vp-korosec-gangbetten-im-smz-ost-seit-jahren-traurige-realitaet

25. Aug. 2008 FP-Mahdalik: Gangbetten in der „Allgemeinen Chirurgie“ des SMZ-Ost?http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20080825_OTS0126/fp-mahdalik-gangbetten-in-der-allgemeinen-chirurgie-des-smz-ost 

20. April 2009 FP-Mahdalik, Ebinger: Gangbetten – nicht an SMZ-Ost-Führung abputzen!
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090420_OTS0072/fp-mahdalik-ebinger-gangbetten-nicht-an-smz-ost-fuehrung-abputzen

20. April 2009 VP Korosek: Wenn es um Gangbetten geht, war Wiens oberster Spitalschef seit seinem Amtsantritt im März 2005 nie um eine Ausrede verlegen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090420_OTS0164/vp-korosec-ad-gangbetten-wehsely-und-marhold-haben-versagt

21. Februar 2011 FP: Auch Gangbetten sind in Wiens Spitälern offensichtlich Normalität und nicht mehr Ausnahme
http://www.fpoe.at/news-detail/news/fp-ebinger-keine-einsparungen/offset128/69/

Ganz forsche Kritik an dieser Vogel Strauß-Politik kam auch von der Grünen Sigrid Pilz (Sigrid Pilz: Von Traumjobs kann man nie genug kriegen http://wp.me/p1kfuX-wh)

Und als Letztes, Frau Stadträtin: Wenn Sie sich mit dieser Haltung – ich will das alles nicht wissen! – als Vorstandsvorsitzende oder Aufsichtsratsvorsitzende bewerben würden, beispielsweise in einer Bank oder bei der BAWAG, würde man Sie mit dieser Haltung nicht nehmen. Den Wiener Patienten und Patientinnen und dem Krankenanstaltenverbund muten Sie das zu – zum Schaden der Bevölkerung! (Beifall bei den GRÜNEN.)
https://www.wien.gv.at/mdb/ltg/2006/ltg-005-w-2006-06-29-018.htm

nur war das halt 2006, ehe sie Patientenanwältin wurde und seither Schulter an Schulter mit der roten Stadtregierung gegen die Ärzte kämpft!

Wir sehen, auch wenn der Boulevard 2015 ganz überrascht aufheult:

Horror: Wiener Kranke landen in Gangbetten
http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/wien/Horror-Wiener-Kranke-landen-in-Gangbetten/185272721

steht das Gangbett, allen medialen Beteuerungen zum Trotz in den Wiener Spitälern seit vielen Jahren herum.

Bemerkenswert ist aber, dass Rathaus und KAV nun, als eine Fotoinitiative der Wiener Spitalsärzte (http://kurier.at/chronik/wien/wiener-aerzte-hickhack-um-fotos-von-gangbetten-in-mehreren-spitaelern/125.488.730) das Problem wieder ins öffentliche Bewusstsein brachte, in ihren ersten Reaktionen erneut auf Verweigerung und Denunziation setzten:

„Stimmt so nicht“
„Das ist eine stark verzerrte Darstellung.“
„Es ist ärgerlich, dass Leute Fotos raufstellen, die so nicht stimmen“, heißt es auch aus dem Pressebüro des KAV. 

Wie schon in der medialen Aufbereitung der letztendlich grandios gescheiterten Pseudoverhandlungen um das neue Dienst- und Besoldungspaket der KAV Ärzte glauben die Verantwortlichen unverbesserlich, dass man mit großem PR Aufwand die Realitäten vernebeln kann.
Dort war es der Versuch Nebenabsprachen und Kleingedrucktes zu verheimlichen (Wehsely Leak: Ist die Mauschelei am Ende? http://wp.me/p1kfuX-TO), hier ist es der Versuch, das was seit Jahren Patienten und Gesundheitsberufe in den Wiener Spitälern hautnah erleben, einfach wegzureden.

Und erneut meldet sich die Opposition zu Wort:
VP-Korosec ad Wehsely: Frau Stadträtin, hat der KAV nun Gangbetten oder nicht?
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150420_OTS0083/vp-korosec-ad-wehsely-frau-stadtraetin-hat-der-kav-nun-gangbetten-oder-nicht

Korosec: „In der Beantwortung einer Anfrage, die die ÖVP Wien im März 2014 gestellt hat, bestreiten Sie noch, dass es Gangbetten gibt. Wörtlich heißt es hier: ‚Die PatientInnen des KAV sind in den dazu vorgesehenen PatientInnenzimmern untergebracht. In den Gängen besteht keine Möglichkeit zur Unterbringung von Betten. Die Gänge dienen natürlich auch als Transportweg für die Betten.‘ Jetzt hingegen setzen Sie eine Taskforce ein, sodass dieser unsägliche Zustand beendet wird“.

Angesichts dieser Entwicklungen, scheinen sich Häupl und Wehsely vielleicht doch zu sehr auf das mehrheitsfördernde Wiener Wahlrecht zu verlassen, dessen Reparatur sie zuletzt gerade noch verhindern konnten. (Wer glaubte, Ärzte wären nur wehleidig, möge sich Demokratieverständnis der Wiener SPÖ im Gemeinde… http://wp.me/p1kfuX-W0)
Natürlich kann man diese Indischen Betten erneut in den hintersten Winkel des Ganges verschwinden lassen, jedoch besteht irgendwann die Gefahr, dass bei diesem Seiltrick auch der letzte Geduldsfaden reißt.

Written by medicus58

20. April 2015 at 17:41

Gangbetten gibt’s net

with 9 comments



Es gibt im optimierten, effizient gemachten Krankenhaus nur zwei Optionen,
entweder stehen oft viele Betten leer,
oder sie stehen in Spitzenzeiten am Gang.

Dass wird politisch abgestritten und deshalb findet sich regelmäßig jemand, der das gegenteil in die Medien trägt. Zuletzt, so sagt man, war das im Wiener Donauspital ein FPO Bezirkspolitiker, der Fotos von Gangbetten der Presse zuspielte, nachdem Marhold deren Existenz abstritt.. Danach sprach der Generaldirektor wie immer in diesen Fällen von lokalen Managementfehlern (Seit 22.00 Uhr soll es im SMZ Ost keine Gangbetten mehr geben), weil ja alles nur nie das System Schuld tragen kann (http://wiev1.orf.at/stories/205524) und man vergass die Sache wieder bis sie wieder in die Medien kam: http://wien.orf.at/news/stories/2529565/  
In den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) stehen immer mehr Gangbetten.
In den ersten beiden Monaten des Jahres lagen 6.700 Menschen am Gang, um 1.000 mehr als im Vorjahr.

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely verkennt das Problem wieder einmal total,
indem sie die falsche Worthülse hervor zieht: Ein Problem sind für sie etwa die Öffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte. Die limitierten Öffnungszeiten der Ordinationen fürhen zu überfüllten Ambulanzen! Wenn man aber nicht davon ausgeht, dass ein nicht aufnahmepflichtiger Patient nur deshalb in ein Spitalsbett gelegt wird, damit er nicht die Sitzbänke der Ambulanz verstellt, dann haben die Ordis nix mit den Gangbetten zu tun. Viel eher mit der fehlenden Versorgung mit Pflegebetten, was aberwieder in ihren Bereich fällt und nicht in den des Bundes. Da aber beide nicht über die ausreichende finanzielle Bedeckung verfügen, schiebt man sich halt das problem solange gegenseitig zu, bis es wieder für einige Monate vergessen wird.
Zumindest in de Öffentlichkeit, denn die im System arbeitenden leiden arbeitstäglich darunter.

Was es noch in die Medien geschafft hat sind die Ergebnisse einer IFES-Befragung im KAV: http://wien.orf.at/news/stories/2529542/  

70% der insgesamt 1.414 Befragten klagten in erster Linie über Personalmangel durch Einsparungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren.

30 Prozent der JungärztInnen gaben an, dass sie nicht noch einmal den Weg des Mediziners einschlagen würden.

Die Zunahme an bürokratischen Aufwand (mißglückte EDV Roll outs) nimmt Zeit für die direkte Patientenversorgung.

Das Durchschnittsalter der Beschäftigten in der Geriatrie liegt bei mehr als 50 Jahren.

78 Prozent der Befragten sind schon Opfer von Aggression und Gewalt geworden. Besonders in den Bereichen Psychiatrie, Unfallchirurgie, Notaufnahmen und Geriatrie kommt es laut Studie immer wieder zu körperlichen Übergriffen gegen das Personal.

Dabei war die Befragung de facto nicht anonym, da die Identität des Ausfüllenden durch eine Reihe von zusätzlich abgefragten Merkmalen sehr transparent wurde. Dies mag auch der Grund dafür sein, dass die überwiegende Mehrheit der über 30.000 Beschäftigten die Befragung verweigert hat.

Siehe auch:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53958
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53877
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35008
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516

Written by medicus58

19. April 2012 at 11:54

%d Bloggern gefällt das: