Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Der Schwarzwähler

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Wahlurnen

Wir treffen uns in der einzigen Konditorei einer niederösterreichischen Kleinstadt. Sein Arbeitsplatz, die Hypo NÖ liegt gleich gegenüber. Er trägt trotz der aktuellen Außentemperaturen Anzug, Krawatte und Ehering.
Verheiratet, 2 fast erwachsene Kinder, „wie es sich gehört zuerst a Bub und dann des Mensch“, die Frau macht den Haushalt und pflegt seine Mutter.
Bei der nächsten Gelegenheit hofft er, dass er zum Sprecher des Pfarrgemeinderats gewählt wird.
Seine Eltern hatten noch eine kleine Landwirtschaft betrieben, waren aber froh, dass „er es zu etwas gebracht hat“. Fürs Gymnasium war er in der Kreishauptstadt. Nach seiner Ausbildung kehrte er aber gern aus dem Trubel wieder in seine Heimatstadt zurück und begann auf Intervention eines Landespolitikers, den er noch aus der Schulzeit kannte, bei der Hypo..
Die Landwirtschaft der Eltern hat er verpachtet, das Wohnhaus mit Förderungen vom Land umgebaut.
Von  Andreas Maurer hat er gehört, den plötzlichen Abgang von Siegfried Ludwig will er nicht kommentieren und „was kann man denn über den Erwin Pröll in Niederösterreich Schlechtes sagen?“

Inzwischen werden die bestellten Getränke gebracht, er trinkt einen „Cappuchino“ und ich wundere mich über seinen plötzlichen Hang zur Exotik. Ich habe eine „Melange“ bestellt und mir wurde ein „Verlängerter“ gereicht.
Also Hobby gibt er „Wandern und seine Familie“ an und fühlt sich den christlichen Werten der ÖVP verbunden. Er hat nie etwas anderes gewählt, ist aber kein Parteimitglied. „Da heraußen weiß eh jeder wofür man steht.“

Inzwischen hat er noch einen Apfelstrudel nachbestellt, den er mit dem heute noch geplanten Abendspaziergang entschuldigt.
Er fühlt sich fit und muss das auch sein. Seit seinem Präsenzdienst als Einjährig-Freiwilliger nimmt er regelmäßig an Bundesheerübungen teil, für die er natürlich beruflich freigestellt wird. Seit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ ist es seiner Meinung noch wichtiger, dass Österreich seine Grenzen schützt. Im Norden Niederösterreichs ebenso wie in Zypern.

 

Den Staatssekretär Kurz findet er nicht so auf seiner Linie, räumt aber ein, dass er „ein Signal für die Jungen“ wäre. Er spricht zwar nicht gerne darüber, aber seiner Meinung nach müssten wir uns mehr gegen das langsame Eindringen des Islams zur Wehr setzen. Das äußere Zeichen unserer Dörfer und Städte ist der Kirchturm und nicht das Minarett, der Treffpunkt das Dorfwirtshaus und nicht die Kebab-Bude.

Aus diesem Grunde ist es richtig, dass die ÖVP das Innenministerium leitet, vielleicht sollte es aber in der nächsten Legislaturperiode doch wieder ein Minister sein, auch wenn das die Mikl-Leitner ganz gut macht. Auch das Verteidigungsministerium gehört wieder in ÖVP Hand, „sonst sperren’s uns da heroben noch die letzte Kaserne vor der Nase zu; auch der Truppenübungsplatz Allensteig ist enorm wichtig, … für die Region.“

 

Bei der Frage, was er vom ÖVP Wahlslogan „Wirtschaft entfesseln“ hält, meint er wenig enthusiastisch, dass „es uns nur gut geht, wenn’s der Wirtschaft besser geht“, fügt aber hinzu, dass die Förderungen, die das Landwirtschaftsministerium für den ländlichen Raum ausschüttet, mindestens ebenso wichtig wären. Bei den geplanten „Windparks“ ist es ihm nur wichtig, dass die nicht in unmittelbarer Nähe zu seiner Heimatstadt aufgestellt werden, weil „Windräder verschandeln die Landschaft“.

Zum Thema „Strasser kam aus der ÖVP NÖ“ meint er nur trocken, dass der – so glaube er – ohnehin die Partei verlassen hätte.

Den „Michi Spindelegger“ kennt er „vom Heer her“ und bewundert ihn, dass er es nach der Matura.noch zu einem Studium gebracht hat. Für ihn wäre Wien nix gewesen: „Zu viele fremde Menschen“. Ob der „Michi“ es bei der Nationalratswahl zum Bundeskanzler schaffen wird, da ist mein Gesprächspartner weniger optimistisch („Das sagt man so im Wahlkampf“), aber: „schließlich hat es der Schüssel auch geschafft!“. Nachsatz: „Der stammt aber aus Wien, da tut man sich leichter, da unten.“
Aber letztlich ist ihm die Landespolitik wichtiger, denn der Bürgermeister kann ihm seinen Acker umwidmen, der Landesrat „seinen Buam wo reinbringen“ und wenn der Landeshauptmann im Ort vorbei kommt, dann hat er auch immer wieder ein offenes Ohr für seine Anliegen. Ganz nach dem Motto der Hypo NÖ: „Freunde bringen Freunde; Empfehlen Sie uns weiter“.

 

Written by medicus58

12. August 2013 at 07:42

Apfeltasche mit Melange

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Ist Ihnen sicher auch schon aufgefallen:

Äußert man bei irgendwelchen internationalen Fast Food Ketten (McDonalds, BurgerKing, KFC, …. und so) seinen Kaufwunsch („einen Tripple Cheese Burger mit Grukerl und Mayo“), dann sind die Mitarbeiter offenkundig strengstens dazu angehalten, Ihren Einkauf zu maximieren.

Dabei geht es nicht, wie bei dem sprichwörtlichen „Darf’s a bisserl mehr sein“ des kleinen Fleischhauers, der ihnen so 14 statt der verlangten 10 dag „Extra“ anhängen will, um ein „Mehr des Verlangten“, sondern um das Wecken eines zusätzlichen Kaufwunsches:

Vielleicht eine Apfeltasche dazu?

 OK, US-amerikanischer Konsumzwang, wisssen wir eh.

Szenenwechsel: Seit Jahren wieder im Cafe Landtmann (http://de.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A9_Landtmann), einem der elegantesten und größten Café-Localitäten Wiens

Zugereisten oder Noch-nie-da-gewesenen sei erklärt, dass es zum artabhebenden Merkmal des Wiener Kaffehauses gehörte, dass man sich dort bei einem kleinen Braunen, der selbstverständlich mit einem Achterl Leitungswasser serviert wurde, stundenlang durch die ganze Weltpresse lesen konnte. Also war das Wiener Kaffehaus praktisch die Antithese zum US-amerikanischen Ketten-Konsumismus.

Gestern also, vernahm ich in genannter Weihestätte der Wiener Kaffeehauskultur folgendes Gespräch:

Gast: Eine Melange, bitte.

Ober: Darfs ein Mineral(Wasser) dazu sein?

Gast: Nein, danke, nur Leitungswasser!

Ober: Das is sowieso dabei.

Gemischte Gefühle bei mir.

Einerseits erfüllt mich die freude, dass hier noch die Tradition beibehalten wurde, dem Gast zu seinem Bohnengetränk ein Gläschen unseres hochgelobten Wiener Hochquellwassers zu zapfen,
andererseits scheint der Zwang zur Umsatzmaximierung auch hier der Kellneria bereits eingetrichtert worden zu sein. Jetzt haben das frühere Kellnergenerationen etwas eleganter durch das zusätzliche Angebots eines Butterkipferls vielleicht auch betrieben, aber ein Mineralwasser, vielleicht noch dazu ein stilles, on top des Wiener Hochquellwassers anzubieten, hat eine deratrige Überflüssigkeit, dass es auf gut Wienerisch schon einer Chuzpe (http://de.wikipedia.org/wiki/Chuzpe) gleichkommt.

Is ja eh klar und die müssen halt auch auf ihr Einkommen schauen, aber wo wäre denn der Platz, sich über sowas aufzuregen, wenn nicht in dieser Spalte des Blogs.

Written by medicus58

24. April 2012 at 07:31

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