Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Zur Debatte über die Privatmedizin oder deutsche Verhältnisse ziehen ein

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Es ist der Sozialministerin der FPÖVP Regierung halt wieder mal passiert: Nein, nicht der gestrige Auftritt, in dem die für Herbst 2018 angekündigte „große Pflegereform“ mit medialem Getöse auf nächstes Jahr verschoben wurde, sondern das Hoppala davor, das nun weggeredet werden musste:
Keine Bevorzugung von Sonderklassepatienten in Ambulanzen

Konkret steht in den Erläuterungen für die geplante Novelle des
Krankenanstalten und Kuranstaltengesetzes
folgender Passus (wieso das dauert novelliert werden muss um die Gesetzeskonformität der politisch gewünschten Änderungen im Gesundheitssystem notdürftig zu erhalten, steht auf einem anderen Blatt) :

 „Zur Unterstützung der Umsetzung des spitalsambulanten Abrechnungsmodells haben die Länder die Möglichkeit, die Einhebung von Sonderklassegebühren für jene Leistungen vorzusehen, die bisher stationär erbracht und für die die Verrechnung von Sonderklassegebühren möglich war, die nunmehr aufgrund des spitalsambulanten Abrechnungsmodells ambulant zu erbringen sein werden. Der Einhebung solcher Sondergebühren haben adäquate Leistungen gegenüberzustehen.“ 

Pflichtschuldig erhob sich die Warnung der Opposition vor der Zweiklassenmedizin und empört verteidigt sich die Regierung, dass es die ja sicher nicht geben wird. Welche Farbe die beiden gerade tragen ist unerheblich, die verlogene Debatte wird seit Jahrzehnten geführt und keinen stört es, dass ja nicht nur das Gesundheitssystem (Privatkrankenhäuser, -versicherungen, -ordinationen, …)
sondern schon längst auch das Bildungssystem
(Privatkindergärten, -schulen, -universitäten, Fachhochschulen, …),
verschiedene hoheitliche Aufgaben (Flüchtlingsbetreuung -Drasenhofen),
und das Pensionssystem (Zweite und Dritte Säule) –
streng nach neoliberalem Fahrplan – „dem Markt geöffnet wird„. 

Jetzt kann man ja das alles mit gewissen Argumenten auch ganz gut finden und von mehr Privat weniger Staat, Professionalität, Synergie oder Effizienzsteigerung faseln; Diesem Nebeneinander von Staat und Privat verdankt auch Ihr Medicus den Teil seines Einkommens, den seine öffentliche Dienstgeberin nicht bezahlen möchte oder kann. (Sonderklassen- oder Privatordination betreibe ich übrigens keine).
Was aber keinesfalls OK ist, ist die schmierige Vermischung zwischen den Bereichen.
Und damit meine ich nicht die angedachte Sonderklasse im Ambulanzbereich, denn das hat (unter dem wohlwollenden Auge der Ärztekammer und der öffentlichen Betreiber) ganz andere Beweggründe, weshalb das nun in das Gesetz rutschen soll:
Hier geht es um die (vor allem onkologische) Leistungen, die ganz früher stationär, dann tagesklinisch und nun ambulant erbracht werden sollen. Das würde den Sonderklasseversicherungen viel Geld ersparen und die öffentliche Hand hätte den Gehaltsverlust der angestellten Ärzte übernehmen müssen oder hätte noch mehr unbesetzbare Stellen.

Was ich als schmierige Vermischung meine, ist einerseits die fehlende Abdeckung bestimmter Versorgungsleistungen durch die Pflichtversicherung (Zahn, Auge, Schilddrüse, Gyn, Haut, Kinderpsych, …), weil man sich darauf verlassen konnte, dass sich die Versicherten daran gewöhnt haben dafür selbst zu berappen. Andererseits geht es hier um die stillschweigend erhöhten Transferleistungen der öffentlichen Hand an nicht-staatliche Betreiber

Bei meinen digitalen Streifzügen durch die Untiefen der Medizin bin ich unlängst aber auf ein vielsagendes Dokument gestoßen:
Auf der offiziellen Homepage einer Abteilung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses wird ganz prominent (siehe Screenshot) für die Anmeldung zu einer Chefarztbehandlung geworben.
Nein, dabei handelt es sich NICHT um die Chirurgische Universitätsklinik!

Jetzt ist dies in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert
Erstens wird die „Zweiklassen-Medizin“ auf der Homepage eines Gesundheitsdienstleistungsanbieters der öffentlichen Hand (sowohl des Landes (KAV) als auch des Bundes (BMWF) beworben.
Zweitens verrät das wording und die Wikipedia doch sehr deutlich, aus welchem Nachbarstaat der Abteilungsleiter kommt. 

Ein Chefarzt ist in Deutschland ein Arzt in leitender Funktion, in der Regel in einem Krankenhaus.
Die österreichische Bezeichnung dafür ist Primarius, Primararzt oder Primar.
Chefarzt hat in Österreich umgangssprachlich eine andere Bedeutung:
Arzt einer Krankenkasse, der z. B. die Kontrolle des Krankenstandes vornimmt[1] sowie gesundheitsökonomische Belange (vor allem betreffend Heilmittel, Pharmaka, Gesundheitsprodukte) kontrolliert, – vergleichbar dem deutschen Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.

Googeln Sie mal nach „Chefarztbehandlung“ und Sie werden interessante Diskussionsbeiträge dazu finden, aber unter diesem Begriff keinen aus Österreich.
In unserem Nachbarstaat scheint es inzwischen üblich, dass an Universitätskliniken der Chefarzt im Webauftritt um Privatpatienten wirbt. Die von dort an unsere Universitätskliniken berufene Kollegenschaft, scheint das nun auch gleich mit zu importieren: 

Universitätsklinikum Regensburg
Privatambulanz und Chefarztbehandlung

RWTH Uniklinik Aachen

Universitätsklinikum Heidelberg

Universitätsklinikum Essen

Universitätsklinikum Gießen Marburg

Written by medicus58

6. Dezember 2018 at 07:55

Fahren Sie lieber auf Urlaub statt krank zu werden

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Dass es während der Urlaubszeit personelle Engpässe gibt, ist ja an und für sich keine besondere Erwähnung wert.
Dass dies auch außerhalb der Urlaubszeit (z.B. bei den Krankenkassen) keine Seltenheit ist, haben wir hier zuletzt im September des Vorjahres dokumentiert (Gut versorgt: Ambulanzsperren).
Ja, und dass die Gesundheitspolitik plant obwohl die „Soldaten“ schon längst weiter gezogen sind, wurde auch seit Jahren hier immer wieder angesprochen.

So gesehen ist das Schriftstück, das gestern aus dem AKH kam „Akutmaßnahme Annahmestopp für Probeneinsendungen A/72/2018“ eigentlich auch keine Überraschung, wo die Direktion des laut KAV-Masterplans für die Supramaximalversorgung im Wiener Spitalskonzept zuständigen AKH mitteilt, dass
aufgrund eines akuten Personal- und Geräteengpasses am Klinischen Institut für Pathologie des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien – Medizinischer Universitätscampus vorübergehend keine Annahme/Verarbeitung von Nierenbiopsien und molekularpathologischen Untersuchungen möglich ist und die Einsendungen retourniert werden.“

Auf den ersten Blick vielleicht irritierend wird das Vorgehen wie folgt begründet:
„Diese Maßnahme dient der Patientensicherheit, die durch die verzögerte Befunderstellung gefährdet sein könnte.“

Möglicherweise führt das ebenso zu hektischen Diskussionen wie im April dieses Jahres ein Interview mit Prof. Husslein (AKH-Primar will künftig Patienten abweisen), in dem flapsig in die Kamera sagte: „Man hat Volleyball mit uns gespielt, und wir spielen jetzt Volleyball zurück und schicken die Patenten dorthin, wo sie besser aufgehoben wären.“

Blöd ist halt, dass es das „dorthin“ auch nicht mehr gibt. Die Patienten stauen sich ja in der AKH Ambulanz, WEIL der niedergelassene Bereich nicht (mehr) funktioniert.
Es gibt, um auf das aktuelle Thema zurück zu kommen, natürlich auch andere Pathologien als die im AKH, nur wird es vielleicht einen Grund haben, wenn manches ins AKH geschickt wird und nicht vor Ort befundet wird!

Ich habe den besagten Brief hier nur deshalb angesprochen, um wieder einmal darauf hinzuweisen, was in der leidigen Spitalsbetten- und Ambulanzwartezeit-Debatte immer unter den Tisch fällt, dass die Versorgungssituation auch in der Diagnostik bereits höchst prekär ist. Und ohne Diagnose gibt es keine vernünftige Therapie!

Egal, bleiben Sie gesund und machen Sie Urlaub;
nicht dass es in anderen Ländern viel besser um die Versorgung bestellt ist (Mein Patient, Dein Patient, das Budget ist nicht für alle da),
aber solange wir alle in Europa wählen, wie wir wählen und nicht Zwischen den Zeilen des Regierungsprogramms lesen, wird weiter an der Versorgungssicherheit gespart werden, bis dann nichts mehr geht!

Ja und wer glaubt, dass das alles nur urlaubsbedingt ist, möge den Text nochmals lesen, denn im AKH wird nicht nur von personellen Problemen sondern auch von einem Geräteengpass gesprochen, und Geräte fahren nicht auf Urlaub!

Written by medicus58

12. Juli 2018 at 17:44

Drittmittel, der unbekannte Dritte in der Medizin

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Drittmittel, der unbekannte Dritte in der Medizin, oder warum wir uns das Gesundheitssystem nicht durch die Forschung finanzieren lassen sollten!

Als 2014 die Wiener Zeitung berichtete, dass das Pentagon universitäre Forschung in Österreich finanziert, begann man auch hierzulande darüber nachzudenken, ob jedes scheinbar auf der Straße liegende Geld von den die finanziell ausgehungerten Universitäten aufgeklaubt werden soll. Die Debatte verebbte jedoch rasch.

Daran, dass das Phänomen nicht nur Auswirkungen auf die technische und geisteswissenschaftliche Forschung hat, wollte man in Österreichs Medizinuniversitäten gar nicht erinnert werden, oder wie es Markus Müller, der Rektor der Medizinischen Universität Wien, formulierte: 
„Wir können uns diese Frage nicht leisten.“

Angesichts der finanziellen Ausstattung der Hochschulen seien Drittmittel schlicht notwendig: Rund 95 Prozent des Budgets der Med-Uni gingen allein in Personalkosten auf.

Folgerichtig wurde der Grad an eingeworbenen Drittmittel ein Performanzindikator der Wissenschaftlichen Forschung und eine wesentliche Voraussetzung jeder wissenschaftlichen Karriere. So spornte man den wissenschaftlichen Nachwuchs an, die Finanzierung der in die Selbstverwaltung entlassenen Universitäten zu sichern. Gleichzeitig wurde aber auch Druck aufgebaut, dass Patienten mit gerade passenden Erkrankungen die Teilnahme an laufenden wissenschaftlichen Studien angeboten wird. Klar, die Geldgeber brauchen rasch Resultate (z.B. für die behördliche Registrierung ihrer Produkte).
2007 fasste das eine Arbeit in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie so zusammen:
Ressourcen innerhalb und zwischen Universitäten und in der außeruniversitären Forschung werden angesichts der Finanzknappheit im Wissenschaftssystem zunehmend in Abhängigkeit von Forschungsleistungen verteilt. … Drittmitteleinkommen als relativ einfach zu erhebender Performanzindikator spielt in allen neuen leistungsbasierten Verteilungsverfahren eine große Rolle.

Wir wollen aber hier nicht den Verlust der unabhängigen freien Forschung beweinen, wie das Die Zeit getan hat
Werden die Hochschulen zu Sklaven der Wirtschaft?
denn das Interesse der Allgemeinheit an den heeren Zielen der Wissenschaft ist überschaubar.

Es ist den meisten auch einerlei, ob eine technische Universität oder Fachhochschule ihre Dienste an die Auto- oder Waffenindustrie verkauft.
Ein Artikel aus 2015 im Standard, „Gekaufte Wissenschaft“: Drittmittel für Hochschulen immer wichtiger, der die Größenordnung des Problems aufzeigte hatte im Forum 25 Kommentare, was dort als unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelten kann:
An den Universitäten stiegen die Drittmittelerlöse zwischen 2007 und 2013 um 47,1 Prozent auf 597,5 Mio. Euro, wie aus dem „Forschungs- und Technologiebericht 2015“ hervorgeht. Damit beträgt der Anteil der Drittmittel an den gesamten Umsatzerlösen der Unis 16,5 Prozent. Jeder fünfte Uni-Beschäftigte ist über Drittmittel angestellt. Für die Fachhochschulen (FH) gibt es keine damit vergleichbare Zahlen, sie messen den Anteil der Drittmittel an den Gesamtausgaben für F&E: Diese haben sich an den FH zwischen 2002 und 2013 mehr als vervierfacht und betragen nun 89,4 Mio. Euro. Der Anteil der Drittmittel an den F&E-Ausgaben lag bei 25 Prozent, wie die Fachhochschul-Konferenz (FHK) auf Anfrage der APA mitteilte.

Fremdfinanzierung in der Medizin, Stichwort Pharmagelder, löst jedoch auch bei Otto-Normalverbraucher eine heftige Reaktion aus, wobei sich die Kritik immer auf die (angeblich) gekauften Ärzte konzentriertCosì fan tutte: Pharma Fahmy.
Manchmal beschäftigt sich die Debatte auch mit anderen, auf den ersten Blick unbedachten Drittmittelflüssen: Pharma zahlt PatientInneninitiativen € 1.435.059
Letztendlich bleiben das aber boulevardeske Randthemen.

Ein gefährlicher Aspekt der aus Drittmitteln finanzierten Medizin fehlt in der öffentlichen Debatte völlig, obwohl er zu einer schleichenden und inzwischen ziemlich relevanten Änderung der Patientenversorgung führte und einen immer größeren Kreis an Patienten betrifft.
Inzwischen versuchen immer mehr Krankenanstaltenträger sich und die immer teureren Therapien über eine zunehmend lückenlose Rekrutierung von „passenden Patienten“ für laufende Firmen-finanzierte Studien zu finanzieren. Auf den ersten Blick ist das ja auch wirklich verführerisch. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie stellt der Auftraggeber nicht nur das teure Produkt gratis zur Verfügung, er muss auch meist auch eine Reihe anderer Kosten (Bluttest, Bildgebende Diagnostik, ….) abdecken, da er diese Befunde ja z.B. für die behördliche Registrierung seines Produkts benötigt. Ja und in manchen Fächern fallen auch Zusatzeinkommen für die Studienleiter ab.

Ganz extrem ist dies in der Onkologie, wo immer größere Einheiten geschaffen werden, um ….. ja warum wohl?

Natürlich macht es für die Patienten Sinn, dass sie, auch wenn ihre Diagnose in einem kleineren Spital gestellt wird, nach dem letzten Stand der Wissenschaft behandelt werden. Dazu benötigt es aber nicht notwendigerweise Big Brother, bestenfalls einen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur oder einen kurzen Telefonanruf. Ich stelle nun die These auf, dass es neben allen wissenschaftlichen Argumenten, letztendlich um den Versuch geht, Drittmittel für die Abdeckung des auch des nicht-universitären Routinebetriebes zu lukrieren und letztendlich die Patienten immer weniger Chance haben werden, nach dem gesicherten State-of-the-Art behandelt zu werden.
Ich weiß schon, da sich nach der letzten Studienreform inzwischen jedes kleine Kreisspital als universitäres Lehrspital begreift, sich ab der zweiten Abteilung als Klinikum bezeichnet und ohnehin jedes Bundesland seine Medunis erfindet, verwischen sich die Grenzen. Aber prüfen wir meine These einmal an Hand der Onkologie:

2011 wurde das Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien gegründet, das sich zu seinem 5-jährigen Bestehen darüber freute 21 Tumorboards mit über 7.600 PatientInnen pro Jahr zu koordinieren und zu administrieren.
Auf der höchst professionellen Homepage wird dem Besucher versichert, dass das CCC die kompetente, interdisziplinäre medizinische Versorgung von KrebspatientInnen mit klinischer und grundlagenwissenschaftlicher Forschung sowie Lehre auf höchstem akademischem Niveau verbindet. Um gleich nachzusetzen:
Darüber hinaus haben sie zudem die Möglichkeit, an den neuesten nationalen und internationalen Forschungsprogrammen teilzunehmen.
Klar, da braucht man nicht nach Afrika oder Indien ausweichen, um Medikamente zu testen, da sprechen wir von Fallzahlen, die auch bei uns rasche Ergebnisse versprechen.
Klar, der Patient hätte so eine Chance als erster von einer neuen Therapie zu profitieren, aber mitunter auch nicht.
Erwarten sich Patienten im öffentlichen Gesundheitssystem ein Roulettespiel? 

2017 freute sich die Wiener Gesundheitsstadträtin, dass mit dem CCC für die Tumor-Forschung und Behandlung von KrebspatientInnen eine einzigartige neue Kooperation zwischen Wiener KAV, AKH und MedUni entstanden ist, als ob das AKH mit seiner MedUni nicht ohnehin Teil des KAV wäre.
Wien wird damit zu einem der relevanten Krebs-Forschungszentren in Europa.
Ja und dann staunt man über soviel Ehrlichkeit:
Mit dieser Einrichtung werden künftig noch mehr und größere krebsspezifische Studien möglich sein.
Und weil man schon dabei war, kamen auch gleich die Vinzenz-Gruppe mit dem St. Josef-Spital in Wien-Hietzing als Kooperationspartner dazu, denn natürlich sieht man auch dort den ökonomischen, pardon, klinischen Benefit. 

2018, also vor wenigen Tagen freute sich der oben schon zitierte Rektor der Meduni Wien (übrigens Klinischer Pharmakologie, gebürtiger Klagenfurter mit Wohnsitz auch in Kärnten) über eine weitere Erweiterung:
Wir bündeln in der Onkologie, die hoch spezialisiert ist, die Kräfte. Wir verbinden das Klinikum Klagenfurt und das Cancer Comprehensive Center der Uni Wien, damit Kärnten in einem Cluster auf Expertise zugreifen kann.
… und die Studienkoordination auf noch mehr Patienten ….

Eine Diskussion über Risiken und Vorteile durch die Teilnahme an einer wissenschaftlichen Studie würde den Rahmen dieses Beitrag sprengen. Eine relativ objektive Darstellung findet sich hier: Krebsratgeber

Die Fülle an neuen Krebsmedikamenten und ihre exorbitanten Kosten sprengen wirklich die Budgets der Krankenhäuser, aber der Weg über Drittmittel schein mir extrem gefährlich.
Wenn bald jeder Patient in eine wissenschaftliche Studie eingeschleust wird, dann schrumpft die Chance auf eine Behandlung nach den letzten Stand der Wissenschaft auf die Hoffnung in die Kontrollgruppe gelost zu werden.
Ob unter dem ökonomischen Druck noch eine ergebnisoffene Patientenaufklärung möglich ist, mag ebenfalls bezweifelt werden.
Langfristig ist der Weg ohnehin zum Scheitern verurteilt, weil irgendwann die Geldgeber auch wieder welches verdienen wollen!

In den Jahrzehnten in denen sie die Drittmittel in die wenigen Universitäten gepumpt haben und ihre Gewinne in der Peripherie einstreifen konnten, war das System in Balance, die jetzige Entwicklung scheint mir diese jedoch zu gefährden.
Ja, und deshalb denke ich, dass es für uns alle besser wäre, würden wir die Medizin (wie übrigens auch die Schulen, Universitäten, Museen, ….) lieber solidarisch aus Steuermittel finanzieren – und dort wo das offenbar nicht mehr geht die Warum-Frage aufwerfen, als uns noch weiter in die Lebenslüge einer Drittmittelfinanzierung zu verlieren.

Wer ist denn der Wetzlinger?

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Der studierte Elektrotechniker, ehemalige Kaufmännische Direktor des LKH Klagenfurt und AKH Direktor wurde nun auch in die Generaldirektion des KAV berufen. Ob er eventuell im nächsten Jahr wieder ersetzt wird oder nach der Umwandlung des KAV in eine öffentliche Anstalt deren erster Generaldirektor wird, ist es Zeit sich mit seinem bisherigen Lebensweg zu beschäftigen. Eine kurze Suche zeigt, dass trotz eines nicht unbewegten Leben, online relativ wenig Fakten zu finden sind:

Herwig Wetzlinger wurde am 17. Jänner 1961 geboren,
studierte zwischen 1979 und 1985 an der Technischen Universität Graz Elektrotechnik und schloss mit dem Titel Diplomingenieur ab.

Zwischen 1986 und 1995 war er Projektleiter Prozess- und Automatisierungstechnik bei den Draukraftwerken AG.

Zwischen 1995 und 2000 war er bei der Verbund AG als Abteilungsleiter für IT-Anwendungsentwicklung tätig.
Berufsbegleitend absolvierte er währenddessen seine Managementausbildung an der Akademie des Wirtschaftsförderungsinstitutes (Managementlehrgang 1991-1992) sowie am Management Institut St. Gallen (1999-2000) General Management, Unternehmensführung) .

2000-2001 war er Hauptabteilungsleiter IT und Kommunikationstechnik in der Kärntner Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft KABEG und zwischen 2001 und 2011 Kaufmännischer (!) Direktor des Klinikums Klagenfurt am Wörthersee, verantwortlich für den kaufmännischen und technischen Bereich der Anstalt.

In dieser Postion wurde er immer wieder aus den Reihen des BZÖ massiv angegriffen und kurzfristig auch suspendiert war:
Juli 2008: All jene, sie sich über die Dienstfreistellung Wetzlingers so fürchterlich aufregen erinnert der geschäftsführende BZÖ-Landesparteitobmann Stefan Petzner daran, dass es schon unter Franz Sonnberger Dienstfreistellungen und Entlassungen von LKH-Führungskräften gegeben habe.

Dez 2008: KO Scheuch: Mit Wetzlinger wird das Chaos im LKH Klagenfurt prolongiert

Dez 2008:  Nach Wiedereinsetzung von Wetzlinger Sorge dafür tragen, dass Stabilität wieder hergestellt wird.

Dez 2010: KO Kurt Scheuch: Tendenziöse Berichterstattung der Kleinen Zeitung setzt sich weiter fort

Trotz einer mit viel medialer Aufmerksamkeit erfolgten Eröffnung des Klinikums wurde Wetzlinger und seine Stellvertreterin kurz nach der erfolgreichen Inbetriebnahme des Klinikums als Krankenhausdirektor abgesetzt und von KABEG-Vorstand Ines Manegold bei der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue angezeigt. Grund war, dass für eine Arbeitsgemeinschaft aus Villach beim Klinikum Neubau eine Erfolgsprämie über 800.000 Euro fällig wurde, weil sie ein Teilprojekt billiger als geplant durchgeführt hatte.
Der Standard spricht im August 2011 von einem Mann mit Eigenschaften, der der sich in Kärnten politischer Willkür nicht beugen wollte – und in Wien unsaubere Praktiken (Leiharbeitsfirmen im AKH) bekämpfen soll, nachdem er sich gegen 36 Mitbewerber durchsetzte und zum Stellvertretenden Direktor der Teilunternehmung AKH in Wien berufen wurde.

2013 stellte  die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ein: KABEG Chefin Manegold hatte Wetzlinger und drei weitere Mitarbeiter verdächtigt, bei Auftragsvergabe für das LKH-neu die KABEG finanziell geschädigt zu haben. KABEG-Chefin Ines Manegold beauftragte sogar ein Anwaltsbüro in München, das über eine Whistleblower-Adresse anonyme Hinweise auf Missstände und Skandale liefern sollte, allerdings ohne Resonanz und Erfolg.
Mit der Einstellung des Verfahrens ist Wetzlinger vollständig rehabilitiert. Die Kosten seiner arbeitsrechtlichen Verfahren musste er übriges selbst tragen.

2014 übernahm Wetzlinger die Direktion des Allgemeinen Krankenhauses.

Im Jänner 2016 unterzeichnete er einen Kooperationsvertrag zwischen AKH und KAV und versprach trotz  Deckelung der Vollarztäquivalente  rund 25 Prozent der Versorgungsleistung der KAV-Spitäler zu übernehmen! 

Im September 2017 unterzeichnete er mit seinem früheren Diensteber KABEG eine Absichtserklärung zur intensiven Kooperation in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Patientenversorgung zwischen AKH und dem Klinikum Klagenfurt. Zumindest damals berichtete er auch den Medien, dass er seine Wochenenden immer noch gerne in Kärnten verbringt. Übrigens ist DI Wetzlinger auch stellvertretender Direktor der Kärntner Caritas und ist Mentor der Initiative für Kärnten.

Mitte November 2017 wurde er KAV-Direktor für die Bereiche Finanz, Recht, Einkauf und nicht-klinischer Bereich. Damit übernimmt er auch die Verantwortung für die Eröffnung des KH Nords, die die Stadt Wien noch kurz vor seinem Hinauswurf EX-GD Udo Janßen umgehängt hat und die dann zum jetzt nicht verlängerten Dir. Balazs wanderten.
Was hat denn die Wiener Personalpolitik mit der Wahl-Schlammschlacht zu tun?
Eine Mille Lehrgeld für die Stadt Wien
Janßen identifizierte sich nicht mit dem Gesamtinteresse der Stadt Wien und musste gehen 

Dass es auch in Wien (politisch und medial) sehr rauh werden kann musste DI Wetzlinger in seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Bestellung in die KAV GD erleben, von der eigentlich nur eine Schlagzeile die Runde machte:
Patientenbetrieb sollte Ende 2018 starten, nun gibt es keinen Termin mehr.

Ein Datum für die Behandlung des ersten Patienten im Krankenhaus „möchte ich heute nicht nennen“, so Wetzlinger am Mittwoch.

Ob er sich da nicht mehr Schonzeit und etwas mehr Rückendeckung verdient hätte, ehe man ihn auf eine Mission impossible schickt?

Links:
http://derstandard.at/2000067809698/Fuehrung-des-Wiener-Krankenanstaltenverbunds-wird-umgebaut
https://www.wien.gv.at/wiki/index.php?title=Herwig_Wetzlinger
http://kaernten.orf.at/news/stories/2582714/
https://www.5min.at/201709109125/neues-krebszentrum-in-klagenfurt/
http://derstandard.at/1314652680168/Neuer-zweiter-Direktor-Ein-Mann-mit-Eigenschaften-fuer-das-AKH-Wien
https://kurier.at/chronik/wien/neue-leitung-fuer-wiens-spitaeler/297.950.875

Written by medicus58

16. November 2017 at 18:59

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KAV Mitarbeiter erfahren es immer zuerst aus der Krone

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Paukenschlag: Wiens KAV-Chef Janßen zurückgetreten
http://www.krone.at/oesterreich/paukenschlag-wiens-kav-chef-janssen-zurueckgetreten-nach-skandalserie-story-560151

auch eine Form der Kommunikation ….

Written by medicus58

20. März 2017 at 10:52

Krankenhaus EDV: erfassten Widerspruch im Anlassfall

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Ohne Worte, weil die ohnehin unverständlich sind …

EDV

also, geschätzte Patienten, freuen Sie sich auf die Transparenz Ihrer Krankenakte,
vielleicht verstehen wenigstens Sie was da drinnen steht, aus unserer Sicht wirkt das alles sehr, sehr WIRR ….

im Verlaufe des Tages kam dann noch das:

die in der Zwischenzeit angefallenen -Widerspruch im Anlassfall SOO- zu erfassen

EFV2

Also für jeden Liebhaber des Dadaismus eh klar, …

Links:

KAV-IT: Ohne Worte https://medicus58.wordpress.com/2015/06/25/kav-it-ohne-worte/ 
KAV-IT: Die Problemverursacher übernehmen die Macht https://medicus58.wordpress.com/2013/03/15/kav-it-die-problemverursacher-ubernehmen-die-macht/
und da war da noch ELGA https://medicus58.wordpress.com/2015/03/06/und-da-war-da-noch-elga/

Written by medicus58

17. Mai 2016 at 17:10

Zur Quadratur des Kreißsaals

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rotstift

Dass Wien planerisch den Stein des Rotstifts, wenn schon nicht den Stein der Weisen, gefunden hat und deshalb vermag wovon andere nicht mal albträumen, ist für den geneigten Leser wohl nix Neues.

Als einziges Bundesland glaubte Wien trotz des von der EU erzwungenen neue Ärztearbeitsgesetzes den Status quo der Versorgungsleistung aufrecht erhalten und gleichzeitig 382 Ärzteposten eingesparen zu können!
Die Teillösung der Volllösung einer Verarschung http://wp.me/p1kfuX-Wv

Im medialen Geschwubel der Neu-Neu-Auflage des Spitalkonzepts 2030, mit all den Abteilungsschließungen und Aushöhlungen ehemaliger Schwerpunktspitäler,
(Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration http://wp.me/p1kfuX-K9;
Wehselys Coup: Wien lässt sich Demontage der öffentlichen Spitäler von der EU finanzieren! http://wp.me/p1kfuX-143 )
blieb eine andere rechnerische Volte des Rathauses unbemerkt.

Nicht dass da irgendeiner glaubt, dass 2030 das nunmehr Hinausposaunte noch irgendjemanden interessieren wird, aber bemerkenswert ist schon, dass sich niemand darüber gewundert hat,
wie das Runterfahren der Spitalslandschaft zum Rauffahren der Bevölkerungszahlen passt.

Kaum ein Tag vergeht, wo nicht irgendein Mitglied der rot-grünen Stadtregierung anerkennend davon stabreimt: Wie Wien wächst

Klar, irgendwie muss ja auch die rasant steigende Schuldenlast der Stadt argumentiert werden und da trifft es sich im Politischen wie im Wirtschaftlichen gut, wenn man auf Wachstum verweisen kann.
Finanzstadträtin Brauner: Bereits im Jahr 2029 könnte die Donaumetropole die Grenze zu zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern überschritten haben und in den darauffolgenden Jahren noch weiter wachsen
https://www.wien.gv.at/statistik/publikationen/wien-waechst.html

Weiters liest man da:

WIEN WÄCHST … UND IN DEN KOMMENDEN JAHREN WIRD WIEN JÜNGER UND ÄLTER ZUGLEICH.

und man könnte wohl annehmen, dass das mit einem vermehrten Bedarf an Kreißsälen und Spitalsbetten einhergehen sollte, jedoch hätte man da das Spitalskonzept mit den Grundrechnungsarten erstellt.
Wie bei der Kreditaufnahme in Schweizer Franken, macht es sich da der Wiener Rathausmann oder die Schwäbische Rathausfrau doch nicht so einfach!

Selbst nach dem ominösen 2030 geht nach Meinung der Stadtstatistiker diese Bevölkerungszunahme ungebremst weiter:
Am Ende des Zeithorizonts (2044) könnten etwa 2,11 Millionen Menschen in der Bundeshauptstadt residieren.
Nur zum Vergleich, 2014 waren in Wien 1.774.829 Personen hauptgemeldet!

Wien ist jetzt schon größer als die 44 größten Österreichischen Gemeinden zusammen! (https://wien1x1.at/site/wien-waechst-am-weg-zur-europaeischen-metropole/)

Während aber kaum jemand daran zweifeln würde, dass zum Beispiel Graz eine eigene Augenabteilung haben sollte, wird die einzige transdanubische Augenabteilung im Donauspital nun abgesiedelt. Die Bevölkerung Transdanubiens entspricht zahlenmäßig der der steirischen Landeshauptstadt, hat aber im Gegensatz zu dieser ein positives Bevölkerungswachstum. Lernen Sie Wienerisch!

Wir können nur bewundernd zur Kenntnis nehmen, mit welcher Gelassenheit das Wiener Rathaus zwar die zunehmenden Einnahmen aus dem erwarteten Bevölkerungswachstum bereits einkalkuliert, aber gleichzeitig davon überzeugt ist, dass ein Zuwachs von einer halben Million Einwohner durch weniger Vorhalteleistung an Spitalsversorgung kompensiert werden kann.

Aber, ach ja, wir haben ja schon ein PHC (PHC: Für wie blöd halten uns die eigentlich? http://wp.me/p1kfuX-11t), dass das alles auffangen wird, oder vielleicht ein zweites, irgendwo in einer leerstehenden Immobilie (Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk http://wp.me/p1kfuX-Vz), dass das alles abfedern wird.

Und natürlich das AKH, das ja angeblich ein Viertel der Versorgungsleistung Wiens bietet, auf das ist Verlass.
Nur blöd, dass man in dem gestern so bejubelten neuen Zusammenarbeitsvertrag dort die Anzahl der Ärzte gleich einmal auf 1500 eingefroren hat (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtpolitik/797866_Neue-Fuehrungsstruktur-fuer-das-AKH.html).

 

Oder vielleicht greift doch einmal die abgestufte Versorgung. Nur was tun, wenn die Patienten begreifen, was damit eigentlich gemeint ist, wenn sie vergeblich nach der zweiten geschweige denn dritten Stufe suchen?

Written by medicus58

28. Januar 2016 at 22:02

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Das plötzliche Ende fundierter Kritik

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Und das war’s? Neuer Rektor und alles wird gut?
Ich weiß nicht…..

IM WÜRGEGRIFF VON MACHT UND GIER (2008-2016)

Quelle: FROHES FEST UND EINEN GUTEN RUTSCH !

Written by medicus58

31. Dezember 2015 at 19:26

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Das rote Osterei für den KAV

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KAV-Ei

Über allen Bettenstationen ist Ruh, könnte man meinen.

Nach all der Aufregung, den Demonstrationen (Fotos der Ärztedemo in Wien vom 23.3.2015 http://wp.me/p1kfuX-VO), den Anschuldigen (Lohn der Genossen: ÄK Chef Szekeres zum Abschuss freigegeben http://wp.me/p1kfuX-UT) und dem Schulterschluss zwischen den roten Gewerkschaftsgranden (Hundstorfer, Oberhauser) (Da ist irgendwo der Hund drinnen, Herr Minister Hundstorfer! http://wp.me/p1kfuX-UX) um Stadträtin Wehsely und Gewerkschaftsfunktionär Meidlinger gegen die aufmüpfigen KAV Ärzte den Rücken zu stärken, hat der Gemeinderat das neue Entlohnungsschema mit den Stimmen von Rot und Grün durchgewunken.
Die ärztefeindliche Rolle der Grünen wurden hier bereits nachgezeichnet (JubelGrüne: Grüne Ärztinnen und Ärzte werden leicht einmal rot dabei… http://wp.me/p1kfuX-W9) und die Roten?

Nach dem in der nämlichen Gemeinderatssitzung gelungenen Coup (Wer glaubte, Ärzte wären nur wehleidig, möge sich Demokratieverständnis der Wiener SPÖ im Gemeinde… http://wp.me/p1kfuX-W0) diskutieren die MedienAb nur mehr, ob die Wiener SPÖ nun den grünen Abgeordneten gekauft haben oder nicht, aber niemand mehr, was denn nun mit all den Forderungen der KAV Ärzte geschehen soll.

Für unsere schrille Gesundheitsstadträtin ist die Sache gelaufen. Nur für die neue Gehaltsstruktur benötigt sie die Zustimmung des Gemeinderats, für den Rest, den ihre Berater ausgedacht haben, reichen einfache Weisungen und der bewährte interne Druck.

Die Abteilungsleiter der paar Abteilungen, die jetzt schon zu Teilschließungen oder Leistungsreduktionen gezwungen sind, weil ihnen das ärztliche Personal abhanden kommt, haben einfach Managementfehler begangen.
In Kontrollanrufen verifiziert die Generaldirektion zwar die immer länger werdenden Wartezeiten in den Spezialambulanzen, bei Beschwerden wird halt dann im Einzelfall interveniert, aber nach außen hin wird abgestritten, gemauert, denunziert und einzelne Sündenböcke geschlachtet.

Das Spitalskonzept 2030 (Spitalskonzept 2030 und die „wehsentliche“ Wandlungen seiner Produktdeklaration http://wp.me/p1kfuX-K9) wird pünktlich realisiert, soweit es um Abteilungs- und Spitalsschließungen geht, dass das KH Nord bald dem Berliner Flughafen sein Etikett als Jahrhunderprojekt ablaufen wird, who cares: Die Ströck-Filiale wird pünktlich eröffnet werden. Und ja, das die Haus-und Hof-Planer von EHC jetzt schon wissen, dass einige der Fächer, die irgendwann dort einsiedeln werden, ein paar Jahre danach schon wieder woanders hinsiedeln werden, … who the fuck cares! Da muss man halt ein bisschen flexibel sein, wen kümmert mein Gutachten von gestern, zahlen sie für mein Gutachten von heute!

Das wirkliche Ei, das die Magistra Wehsely dem KAV gelegt hat, sind weder

die bis heute Ungereimtheiten des neuen Gehaltsschemas, das einen Dienst am Ende des Monats anders entlohnt als zu Beginn.
ihre feste Überzeugung, sich nicht nicht die Politiker während der Gemeinderatssitzungen ausschlafen, sondern die Ärzte während des Nachtdienstes;
die flotierenden Stundenzahlen der im Vorjahr gnädig zugestandenen ZZ-Tage,
ihre Freundschaftsdienste der couleur-identen Chefin der Wiener Gebietskrankenkasse (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un , Zur Quadratur des Primärversorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk http://wp.me/p1kfuX-Vz)

das wirkliche Ei, das uns Wehsely gelegt hat, sind die Berater-Seilschaften, die den KAV sturmfrei schießen, um ihn dann alternativlos privatisieren zu können:

 

Wehsely muss weg, und mit ihr, ihre Berater.

Reich wird, wer das Seine jedem verkauft: Die Gesundheitsberater http://wp.me/p1kfuX-P7

Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw

Warum wir die Medizin nicht Ökonomen überlassen dürfen, auch wenn es schon zu spät ist http://wp.me/p1kfuX-lq

Nach dem Köck auch den Bock zum Gärtner … http://wp.me/p1kfuX-cy

Wer macht da den Köck zum Gärtner? http://wp.me/p1kfuX-cs

Dafür sollten wir nach Ostern wieder auf die Straße gehen!

 

 

Dreimal NEIN bei der Urabstimmung

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Nein

Auch wenn die ÄK von einer Urabstimmung über die mit der Stadt Wien vereinbarten Entlohnungs- und Strukturänderungen für angestellte Ärzte im KAV spricht, ist das was zwischen 5. und 8. März 2015 stattfinden soll eine pseudonymisierte Online-Befragung einer Subgruppe der Kammermitglieder ohne rechtliche Bindung.

Natürlich habe ich – wenn der Datenschutz bei dem Verfahren nur einigermaßen funktioniert – auch nur eine NEIN-Stimme, aber die möchte ich hier begründen.

1.) Während andere Spitalserhalter die bereits 2004 (!) für die gesamte EU beschlossene Beschränkung der maximalen Ärztearbeitszeit mit zusätzlichen Ärzteposten in ihren Spitälern beantworteten (alternativ wäre natürlich auch eine Lestungsreduktion denkbar), besteht die Lösung der Wiener Gesundheitsstadträtin für den KAV in einer Postenreduktion (fast 400 Posten minus, die bereits jetzt durch fehlende Nachbesetzungen exekutiert werden), einer Verlängerung der Ambulanzöffnungszeiten (bis 19:00) und Drohungen, dass Sie die Arbeitszeitänderungen per Weisung ohne Gehaltsanpassung  vornehmen wird, wenn man Ihr die Zustimmung zu dem bis heute nicht in Faksimile veröffentlichten Pakt verweigert.

Die gleichzeitig auf die Spitalsärzte eintreffenden

Ausbildungsverpflichtungen durch die 
Änderungen der universitären Ausbildung
(Stichwort KPJ: Das Chaos der Ärzteausbildung http://wp.me/p1kfuX-GQ ,Wie sich die Medunis auf Kosten der öffentlichen Spitäler abbürsten  http://wp.me/p1kfuX-NQ)

die Änderungen der postpromotionellen Ausbildung
wo der Wegfall der „Turnusärzte alten Stils“ durch die „KollegInnen in Basisausbildung“ (=früher common trunk) in vielen Fächern nicht kompensiert werden wird
Wickel oder Neustart der Ärzteausbildung: Komm auf die Schaukel, KollegIn http://wp.me/p1kfuX-Sc
Ärzteausbildung revisited oder leckt’s mich am 15a http://wp.me/p1kfuX-IC) sowie

die Änderungen der Ärztearbeitszeit mit angestrebter Regelarbeitszeit in den Wiener Spitälern bis 19:00
Ärztearbeitszeitgesetz: Die Chronologie des Wahnsinns im KAV
http://wp.me/p1kfuX-Tb ;
die spinnen, die Ärzte: Mehr Geld für weniger Arbeitszeit http://wp.me/p1kfuX-SY
Ärztemangel: Nimmst Du’s mir, so nehm‘ ich’s Dir – eine Art Viele-Jahre-Rückblick http://wp.me/p1kfuX-Sw

führen zwar absehbar zu einer Verdichtung des Arbeitsaufwandes, aber sollen durch das Streichen von über Hundert Nachtdiensträdern überkompensiert werden, so dass man zukünftig mit weniger Ärzten auskommen kann,
will uns Wehsely weismachen.  

Die Entlastung durch die Übernahme der „GuK-Tätigkeiten“ (Blutabnahme, EKG-schreiben, Infusionen anhängen, …), so sinnvoll sie aus Sicht der auszubildenden Ärzte auch ist, ist derzeit im KAV/AKH weder flächendeckend umgesetzt, noch entlastet es den Mittelbau.
Die Entlastung durch die Primärversorgungszentren ist eine Schimäre (Wehsely finanziert die Wiener Gebietskrankenkasse und keinen stört’s http://wp.me/p1kfuX-Un).
Die zweimal 50 Stunden pro Woche, die diese 2 Zentren offen sein sollen, entsprechen gerade mal 4 verlängerten Ärztedienste und kosten 2,4 Millionen. Die laut Wehsely „sehr große Strukturreform“ des KAV für über 3000 Ärzte war ihr übrigens nur etwas mehr als 19 Millionen wert!

2.) Das Paket wurde bewusst und mit tatkräftiger Mithilfe der Personalvertretung erst 5 nach 12 beschlossen und ist daher lückenhaft, widersprüchlich und ermöglicht der Dienstgeberin flächendeckend den beabsichtigten 12,5h Dienst einzuführen.

In der ursprünglichen Fassung hätte man Ärzte gezwungen Feiertagsdienste noch zusätzlich einzuarbeiten! (was erst nach Wochen des Protests repariert wurde)
Durch die angestrebten 12,5h Dienste in der Regelarbeitszeit entfallen die Ruhezeiten eines verlängerten Dienstes uns verbilligen die Ärztearbeitszeit weiter als bisher.
Auf die Stationsärzte wurden offenbar vergessen.

Der erst wenige Tage vor der Abstimmung online gestellte Gehaltsrechner, um die individuellen Auswirkungen des Paktes berechnen zu können, funktioniert nicht.
Die Gehälter der Abteilungs- und Institutsleiter bleiben gleich, so dass diese oft weniger verdienen werden, als ihre Oberärzte.
Bei der PK wurde von den Unterzeichnern zwar behauptet, dass man ohne Opt-out (die vom SP-geführten Sozialministerium gesetzlich vorgesehene Möglichkeit die Selbstausbeutung der Ärzte bis 2021 fort zuschreiben) auskommen möchte, gleichzeitig versicherten die Unterzeichner der Dienstgeberin, dass man auf die Mitarbeiter einwirken werden, ein Opt-out zu unterschreiben, wenn dies benötigt würde. Im AKH, an der Wirkungsstätte des Ärztekammerpräsidenten, hat angeblich bereits die Mehrheit der Ärzte ein Opt-out unterschrieben, weil sonst der Dienst zusammenbrechen würde.
Seit die ausstehenden Postenreduktionen öffentlich wurden, verteidigen sich PV, Gewerkschaft und Ärztekammer, dass sie dem nur unter bestimmten Rahmenbedingungen zugestimmt hätten, während die Dienstgeberin seit letzter Woche mit der Umsetzung des Paketes begonnen hat, ohne dass irgendeine Rahmenbedingung erfüllt sind bzw. einige auch nie erfüllt werden können, da sie nicht im Einflussbereich von Stadt Wien und KAV stehen (Rettungsanfahrten, Reduktion der unfallchirurgischen Versorgung durch die AUVA, …).
Der scheinbare Geniestreich der Gewerkschaft, dass Dienstpostenstreichungen ohnehin durch ein Veto der Personalvertretung zu verhindern sind, hat sich schon längst in Luft aufgelöst. Posten werden einfach in noch größerem Ausmaß als bisher „einfach nicht nachbesetzt“, was zu den erwünschten Einsparungen führt, ohne dass die Personalvertetung dagegen etwas unternehmen kann. Beispiele für diese schon jetzt gelebte Praxis kennt jedes KAV Haus!

3.) Dieser Pakts war parteipolitisch vorbereitet und seine mediale Veröffentlichung einseitig und manipulativ. Die verschlechterten Arbeitsbedingungen werden zu einem weiteren Abzug erfahrener Mitarbeiter aus dem KAV führen und verhindern, dass hochqualifiziertes Personal von den Universitäten in den KAV wechseln. 

Die von der Wiener Landesregierung bereits am 13. Dezember 2011 bei Deloitte in Auftrag gegebene Stärken-Schwächen Analyse des Wiener Dienst- und Besoldungsrechts ergab, wie inzwischen selbst der Magistrat der Stadt unumwunden zugibt, dass die Stadt Wien ein unattraktiver Arbeitgeber wurde. In der Medizin wissen wir das schon längst, das Geld für die Berater hätte man sich auch hier sparen können.
Die Anzahl der Bewerber um Abteilungsleitungen im KAV nahm seit mind. einem Jahrzehnt stetig ab.
Die Hausberufungen, weil sich auch für große Abteilungen von extern kaum namhafte Kräfte bewarben, nahm zu.
Die Fälle mehren sich, wo designierte Abteilungsleiter nach monatelangen Verhandlungen ihre Berufung wegen der unzumutbaren Rahmenbedingungen zurückweisen.
Wenn die Kollegiensprecher der Primarärzte der großen KAV Häuser auf diese unzumutbaren Rahmenbedingungen hinweisen, wird der Aufstand der Primarärzte: einfach wegadministriert http://wp.me/p1kfuX-U2

Es ist völlig offen, was nach einer Ablehnung des Pakets passiert, jedoch ist es m.E. die einzige Möglichkeit ein Zeichen zu setzen, dass man mit über 3000 qualifizierten Mitarbeitern nicht umspringen kann, wie mit lobotomierten Arbeitssklaven, nur weil man sich seiner medialen und parteipolitischen Macht sicher ist.

Es wird vermutlich nicht mehr Geld geben,
obwohl die Stadt Wien mit allerhand politischer Tricks leicht 26,4 Millionen Euro für einen Fußballverein locker macht, wenn dort „die eigenen Leute das Sagen haben und wieder eine Baufirma einen Auftrag bekommen kann“
(http://derstandard.at/1353206836467/Stadt-macht-keine-zusaetzlichen-Mittel-locker , http://derstandard.at/2000002311151/Wiener-Gemeinderat-beschloss-Subvention-fuer-Rapid-Stadion )
aber in Nachverhandlungen müssen
die Postenstreichungen weg,
die Besetzung von Arztposten (Stand 1.1.2015) garantiert werden, solange keine Begleitmaßnahmen zur Lenkung von Patientenströmen etabliert sind,

Begleitmaßnahmen zur Reduktion des Patientenaufkommen definiert werden, die die Stadt Wien auch beeinflussen kann und will,
sowie der Öffentlichkeit gegenüber klar gestellt werden, wofür die öffentlichen Spitäler da sind und wofür nicht.

Wenn wir Ärzte diesen faulen und verlogenen Pakt nun durchwinken, wozu uns übrigens weder die Gewerkschaft noch die Ärztekammer explizit rät, die den faulen Kompromiss ja unterschrieben haben (!),
dann arbeiten wir all denen in die Hände, die Ärzte ohnehin schon längst aus der Diskussion über eine sinnvolle Gesundheitspolitik unseres Landes draußen haben wollen und EHC
(Dr. Ebner – Die „objektive“ Krake im Gesundheitssystem http://wp.me/p1kfuX-xw) hat sich sein Gehalt zu Recht verdient. 

Written by medicus58

1. März 2015 at 17:22

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