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1.Mai 2020: was Jazz und die Sozialdemokratie verbindet und das Coronavirus damit zu tun hat

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Gestern, den 30.April,feierte Ö1 den International Jazz Day der UNESCO, heute, am 1.Mai, kann kein Genosse mehr den Bundeskanzler auspfeifen. Letzteres, weil das Coronavirus den Mai-Aufmarsch verhinderte, aber irgendwie auch, weil die SPÖ nicht mehr den Bundeskanzler stellt, und kein Genosse willens ist einen anderen in diesen Job hochjazzt.

Die Koinzidenz, die Jazz und Sozen Rücken an Rücken stellt, bringt uns zu mehreren Parallelen:

Weder Jazz noch Sozialismus reißen die Jungen zu Begeisterungsstürmen hin, und was mal radikal war, mutierte zum gepflegten Gesprächsthema innerhalb von Risikogruppen.

Die Geburtsstunden beider Patienten (Jazz und SPÖ) lagen zeitlich eng beisammen. Viel wurde in sie bis zur Unkenntlichkeit hinein verfrachtet, von Satchmo zu Sade, von Viktor Adler zu Viktor Klima. Tribute an vergangene Heroen und Leistungen vermeiden die unbequeme Konfrontation mit der Gegenwart.

Gestern in der Ö1 Kinderuni wird den staunenden Kleinen die Verjazzung von Kinderlieder vorgeführt, die SP Kritik an der Türkis-grünen Basti-Regierung erschöpft sich in einem noch more of the same als in der Beweisführung, dass andere Maßnahmen die Kollateralschäden minimiert hätten.

Im virtuellen Mai-Aufmarsch feiern alte Apparatschniks und karrieregetriebene auch nicht mer so Jungpolitiker die früheren Leistungen und wollen deshalb kampflos wieder an die Macht. Den Kampf gegen die Indoktrinierung neokonservativer/neoliberaler Gehirnwäsche vermeiden Sie tunlichst und die Mitschuld vieler vergangener Entwicklungen an der gegenwärtigen Krise erklären Sie lieber nicht, um Sponsoren und Wähler nicht zu verschrecken:

Überbesteuerung der Arbeitskraft, Begünstigung der Auslagerung wesentlicher Produktionen in Billiglohnländer, Explosion einer unproduktiven Beraterindustrie mit geringer Bedeutung für die Kernprozesse, Ökologische Maximalforderungen lokal, Negieren der Produktionsbedingungen vor Ort, Subventionsbedingte Verzerrungen, staatlich tolerierte Steuervermeidung, Demontage der Kleinproduzenten und – Dienstleister,…

Jazz und Sozialdemokratie verbindet, dass sie eh von vielen irgendwie geschätzt werden, aber sie in der Traditionspflege erstarrt sind, weil es ihren heutigen Missionare an intellektueller Radikalität fehlt.

Das Coronavirus sollte den letzten im Publikum klar gemacht haben, dass beide, Jazz und Sozialismus Publikum brauchen, um zu funktionieren, weil sie einen solidarischen Ansatz haben, der im Home Office eben nicht funktioniert, weil gegenseitige Ansteckung eine Grundvoraussetzung wäre.

Written by medicus58

1. Mai 2020 at 11:57

Morgen ist Erster Mai

with 11 comments



An historischen Abhandlungen zu diesem Thema ist kein Mangel, 
was hier auf diesem Blog zwar noch nie als zwingender Grund aufgefasst wurde, nicht trotzdem den eigenen Senf dazu zu geben.

Schließlich hat schon Karl Valentin bemerkt, dass 
schon alles gesagt wurde, aber halt noch nicht von allen … 
http://www.karl-valentin.de/zitate/zitate.htm

und Andre Gide meinte treffend: 
Alles ist schon einmal gesagt worden, aber da niemand zuhört, muss man es immer von neuem sagen. http://www.janko.at/Zitate/DE/014.htm

Trotzdem soll hier nichts Schwerwiegendes über den 
Tag der Arbeit, oder den
Kampftag der Arbeiterbewegung 
gesagt werden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Mai

Für die wenigen, die noch in Wiener Gemeindebauten wohnen, die bis heute allen Renovierungswellen getrotzt haben, könnte sich die Frage auftun, weshalb bds. an den Fensterstock, diese kleinen Metallröhrchen angenagelt wuren, in denen Sommers so manche Wespe ihr Netz installiert hat.

Für meinereins, der vor scheinbar endloslanger Zeit in einem dieser „Wohntempel der Arbeiterbewegung“ aufgewachsen ist, erschloss sich der Zweck dieser Installation nur einmal pro Jahr und im Laufe der Jahre immer seltener.

Es handelte sich dabei um kleine Fahnenständer, die die charakteristischen Wimpel mit dem „3-Pfeil-Abzeichen“ zu halten hatten,
 die jeder stolze Mieter einer Gemeindebauwohnung bei seinem Einzug ausgehändigt bekommen hat, zumindest in den späten 50er Jahren.

Da sich die SPÖ schon längst nicht mehr dieses Symbols bedient, müssen wir uns heute von der SPÖ Donaufeld über ihre Bedeutung aufklären lassen:
http://www.donaufeld.net/index.php?site=inhalt/dreipfeile.dat  

Nachdem die Barbarei des Faschismus beendet worden war, wurden die die drei Pfeile das offizielle Kampfabzeichen unserer Sozialdemokratischen Partei. Als Zeichen der Einheit der Partei kam noch ein roter Ring, der die Pfeile umschloss, dazu.

Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
Wir wollen es schaffen: Die Menschheit sei frei!
So treffe des ersten gesammelte Kraft
Den Kapitalismus, der aussaugt und rafft;
Denn wird nicht der uralte Erzfeind gefällt,
bleibt uraltes Unrecht die Geißel der Welt.

Kapitalismus, Faschismus, Reaktion;

schlaget die drei und die Menschheit ist frei!Arbeiterzeitung, September 1945) 
Seit einigen Tagen prangt auf den Anschlagwänden das neue Abzeichen der Sozialistischen Partei Österreichs, die drei silbernen Pfeile im roten Ring. Das Abzeichen zum Anstecken besteht aus den drei silbernen Pfeilen mit dem roten Ring in ausgestanzter Form. Auf rotem Grund – Fahnen, Draperien, usw. – ist das Bild ganz in weiß anzubringen. Eine Ausführung ganz in schwarz kommt hauptsächlich für Schriftplakate, Flugblätter, usw. in Frage. Auf weißem Grund muss das ganze Abzeichen entweder vollrot erscheinen oder mit rotem Ring und den Pfeilen in schwarzer oder grauer Strichzeichnung, als Emblem an Fahnenspitzen lediglich in Silber oder Gold.
Keine Ahnung, wie das 1945 war, sooo alt bin ich nun auch wieder nicht, ich kann mich nur erinnern, dass während meiner Volkschulzeit doch die meisten Fenster beflaggt waren und das dann rasch abnahm.

Heute – ich wohne schon längst nicht mehr dort – ist kein Fenster beflaggt,
ich nehme an,
weil dort die ehemaligen Holzfenster schon längst durch moderne Kunststofffenster ersetzt wurden (LOL) und man einfach den Wärmedämmwert nicht durch das Anbohren der Fensterstöcke gefährden wollte, … oder  LOL

Deshalb eben kein Foto sondern nur eine Zeichnung, … 
Freundschaft Genossen 😉

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