Sprechstunde

über alles was uns krank macht

Posts Tagged ‘Studiengebühren

Das Rundum-Sorglos Paket der Gesundheitsversorgung

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Wer vergeblich nach einem Arzt in freier Praxis sucht, das gut versteckte PVZ nicht findet und deshalb stundenlang in einer Notambulanz vergammelt, übersieht in seinem Ärger oft, dass es sich hier nicht nur um ein hausgemachtes Problem handelt.

Auch werden die meisten unserer Pflichtversicherten noch wenig Gedanken darauf verschwendet haben, was man unter managed care in der Krankenversicherung versteht.

Ein Blick in die New York Times (5 Artikel/Monat sind gratis) hilft jedoch weiter und erlaubt auch einen beängstigenden Blick in die Zukunft des Gesundheitssystems.

Erstens findet sich selbst im US Gesundheitssystems mit traditionell sehr hohen Arzthonoraren niemand mehr, der dem Klischee des Hausärzte (kennt sich mit allem gut genug aus, um eine Ersttriage zu ermöglichen) entsprechen will oder kann.

Zweitens konkurrenzieren immer mehr private Anbieter die traditionellen Med-Unis in der Ärzte-Produktion.

Zugegeben, bei uns sind es neben den privaten SFU und Red Bull Unis eher die Landeshauptleute die sich im Glanz von Med-Unis sonnen wollen, und in den USA spielen auch die horrenden Studiengebühren und Haftpflichtversicherungen eine wesentliche Rolle, die viele Ärzte bis an ihr Berufsende zur Gewinnmaximierung zwingen, um wieder aus den Schulden ihres Studiums raus zu kommen.

Was uns aber zu denken geben sollte sind zwei vergleichbare Punkte:

Während wir über immer mehr und höhere Studiengebühren diskutieren und das Umschiffen der Aufnahmetests der staatlichen Med-Unis nun schon bei uns fast so viel kostet wie das Studium an renommierten US-Unis, beginnt man im Mutterland des egozentrischen Kapitalismus neben dem gut ausgebauten Stipendiensystem über die kommunale Übernahme von Studiengebühren zu diskutierten.

Daneben scheint aber eine andere Entwicklung die Position des Arztes als Mittler zwischen Patient und Gesundheitssystems zu verändern (Stichwort Freier Beruf):

In den USA, aber auch in anderen Ländern wie z.B. der Schweiz und den Niederlanden entwickeln sich sogenannte Managed Care Modelle der Gesundheitsversorgung, bei denen die Behandlung vom Versicherer nur innerhalb seiner eigenen Versorgungsstrukturen garantiert wird. Ein der größten derartigen Versicherer ist die kalifornische Kaiser Permanente, eine non-profit Organisation die noch immer über mehr als eine halbe Milliarde $ Spielgeld für Investitionen am Kapitalmarkt verfügt.

Das erfolgreiche Geschäftsmodell besteht auch darin, dass Patienten einerseits möglichst lange auf einer kostengünstigen ambulanten Versorgung gehalten werden (was prinzipiell eh OK wäre) aber andererseits auch einen Verzicht auf gerichtliche Klärung von Behandlungsfehlern unterschreiben müssen (was in der Vergangenheit auch schon dazu geführt hat, dass Verfahren bis zum Tode des Versicherten verzögert wurden, weil das der Versicherung billiger kam).

Eben diese Kaiser Permanente hat nun laut NYT angekündigt, die Kosten der Ärzte-Ausbildung zu übernehmen, wenn die frisch gebackenen Doc dann innerhalb ihres Versorgungssystems bleiben.

Ja, auch unsere Landeskaiser wollen für das Studium zahlen, wenn die Absolventen dann im (Bundes-) Land bleiben, aber bei dem US-amerikanischen Weg bildet ein Konzern mit ökonomischen Interessen seine Ärzte selbst aus.

Also irgendwieso, wenn Bayer-Monsanto die Bauern unter Vertrag nimmt, wenn sie ihren gentechnologisch veränderten Samen sähen, aber hoppla, das gibt es eh schon längst.

Link: https://www.nytimes.com/2019/02/19/health/kaiser-medical-school-free-.html#click=https://t.co/T2Ve1DBAF2

PS: hatte mal das Vergnügen einen der Verantwortungsträger von Kaiser persönlich kennen zu lernen, und manches dort ist durchaus überlegenswert: die zahlen zB ihren Fachärzten auch Geld, wenn die den Allgemeinmedizinern telefonischen Rat geben, weil das billiger kommt, als den Patienten herum zu schicken.

Written by medicus58

24. Februar 2019 at 15:14

Kennen Sie Medistart der UNIRAG?

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NEOS

 

Ob die EU nun ein Friedensprojekt ist oder man sich ein derartig fehlkonstruiertes Gebilde nur in friedlichen Zeiten leisten kann, sei einmal beiseite gelassen. Gerade den Jüngeren wird immer wieder in Erinnerung gerufen, dass sie es der EU zu verdanken haben, Teile oder ihr ganzes Studium überall in Europa absolvieren zu können.

Selbstverständlich ist das Kennenlernen anderer Mentalitäten  am besten dadurch möglich, dass man eine gewisse Zeit in anderen Ländern lebt, so dass ein einheitlicher europäischer Studienraum im Prinzip eine gute Sache darstellt, jedoch zeigt sich auch hier ein Konstruktionsfehler der gegenwärtigen EU.

Die Möglichkeit zum Studium in anderen Ländern wird zentral verordnet, die Bezahlung und die Durchführungsbestimmungen bleiben Ländersache: 

Auf dem Deutschen Ärztetag in Düsseldorf am 29.05.2014 hat sich der
Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, bei der
Auslandsagentur MediStart über das Medizin-Studium im Ausland informiert.
Der Ärztepräsident zeigte sich beeindruckt von den Möglichkeiten des
Auslandsstudiums ohne Numerus Clausus und Wartezeit
. Mit MediStart ist für deutsche und österreichische Studienbewerber ohne Rücksicht auf die Abiturnote bereits der Studienbeginn zum Oktober 2014 an einer EU-Universität in englischer Sprache möglich, z.B. in Valencia,
Budapest, Bratislava oder Riga.
MediStart berät in Deutschland und Österreich Abiturienten, Studenten
und ihre Eltern zum Studium in Humanmedizin, Zahnmedizin und
Tiermedizin an EU-Universitäten ohne Numerus clausus und Wartezeit.
Zu den MediStart-Beratern zählen renommierte Hochschullehrer und
erfahrene Studienplatzberater mit vielfältigen Kontakten im In- und
Ausland. Als 100%iges Tochter-Unternehmen der UNIRAG
Aktiengesellschaft mit Sitz in Hamburg ist MediStart unabhängig von
den Interessen in- und ausländischer Hochschulen und damit
ausschließlich dem Abiturienten selbst verpflichtet.
UNIRAG ist übrigens die „Akademische Prozessfinanzierungs Aktiengesellschaft“
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140601_OTS0008/medizin-studium-im-ausland-aerztepraesident-montgomery-informiert-sich-bei-medistart-auf-dem-deutschen-aerztetag-zum-auslandsstudium-ohne-nc-wartezeit-bild

Fassen wir also zusammen:

Von oben wird ein einheitlicher Studienraum verordnet ohne für die finanzielle Bedeckung zu sorgen.
Bezahlt werden die Universitäten natürlich weiterhin von den Steuerzahlern der einzelnen Länder.
Privatwirschaftlich agierende Beraterfirmen entstehen und lenken die Studentenströme dorthin, wo die Hürden (Numerus Clausus, Sprachbarriere, Anerkennung, …) am geringsten sind.
Die finanziell ausgehungerten Universitäten helfen sich dadurch, dass sie Teile ihrer Lehrverpflichtung (und die entstehenden Kosten) auf die öffentlichen Spitäler überwälzen (Wie sich die Medunis auf Kosten der öffentlichen Spitäler abbürsten http://wp.me/p1kfuX-NQ).

Irgendwann wird man sich dann kopfschüttelnd beschweren, dass die Steuerzahler die Politik wieder hin zu mehr Nationalität drängen.

Persönliche Erkenntnisse nach dem Wahltag

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Wahlurnen 2013
Zwei reiche, alte Männer kaufen
sich je eine Partei und die kommen beide locker in den Nationalrat.

Politische Gruppierungen können ihre Wahchancen maximieren, indem sie erst möglichst kurz vor einer Wahl die politische Bühne betreten. 

Positionen verschrecken Wähler bringen aber keine Stimmen.

Korruption wird vom österr. Wähler als gegeben hingenommen und deren An- aber auch Abwesenheit ist kein Wahlmotiv. 
Niemand interessiert wirklich wer die Milliarden hat, für die nun alle Steuerzahler geradestehen müssen.

Sowohl die Aufdeckungsarbeit als auch das diktatorische Abdrehen eines U-Ausschusses ist dem Wähler egal.

Das Plenum des Nationalrats sollte dahingehend umgebaut werden, dass Sitzplätze nahezu ausschließlich rechts von der Mitte errichtet werden. 
Linke Positionen (Internationalismus, Solidarität, Antikapitalismus, …) kommen – bis auf deren negative Aspekte (Kaderdenken, Bevormundung, …) in einigen Positionen der SPÖ und der Grünen – 
in der politischen Diskussion Österreichs nicht mehr vor. 

Wir sind rechts-konservativ und unterscheiden uns nur noch durch den Grad an Populismus, Nationalismus und religiösem Fundamentalismus.

Europa ist kein Thema. Wer im Parlament die undemokratische Strukturen eines ESM und die sich daraus ergebenden Haftungen durchgewinkt interessiert niemanden.

Die politische Diskussion ist am Sandspielplatz der PR-Berater und Spin-Doktoren angekommen, einschließlich der dazugehörigen Schlammorgien bei Regenwetter; quotensteigernd als Werberahmenprogramm von ORF und den Privaten, demaskierend für schauspielerisch weniger Begabte.

Bemerkenswert auch, dass die gesellschaftspolitischen Folgen des Internets (Wikileaks, Offshore Leaks, NSA Abhörskandal, Internetbanking, ELGA, ..), 
ein Thema das heute durchaus so brisant wie für die meisten Wähler unbekannt ist wie vor Jahrzenten ökologische Fragen waren, 
kein Thema waren und die Gruppierung, die sich dieses Themas angenommen hat, die Piraten, unter dem Wahrnehmungshorizont blieben. 

Schließlich kann man sich fünf Jahre nach dem Zusammenbruch des neoliberal befeuerten Systems nur wundern, dass die NEOS ins Parlament katapultiert wurden,
die in ihrem Programm den alten Wahn regurgitieren, aber -im Gegensatz zur FDP- diese Positionen durch geschickte Vermarktung dem Wähler nicht bewusst machen:

Rückzug des Staates
Privatisierung von individuellen Risiken und öffentlichem Eigentum
Deregulierung der Wirtschaft 
Studiengebühren, Schulautonomie
Gehaltskürzungen für öffentlich Bedienstete
Abbau staatlicher Investitionsprojekte
Privatisierte Pensionsvorsorge
 Privatisierung von Telekom, Post und ÖBB.

Written by medicus58

30. September 2013 at 07:22

Wer A sagt muss auch G wie Geld sagen

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In der Geschichte der Aufklärung wurde es zwar selten klar ausgesprochen, jedoch ist ein bestimmter Grad an Bildung, die Grundvoraussetzung, um „den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ zu finden.

Damit sind nicht nur, sondern auch die hier schon öfters thematisierten Studiengebühren gemeint (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52765 ), sondern der Gesamtaufwand an Geld und Zeit, die ja bekanntlich auch  wieder Geld ist, um sich in ein Gebiet einzarbeiten.

Durch die linke Literatur geistert hier eine amüsante Zusammenfassung 
Bert Brechts, den ich andererseits als weder amüsant noch in seinen Werken als besonders relevant erlebt habe; wie auch immer hier eine wunderbare Zusammenfassung des Problems, die überdies beweist, dass man gang schon viel Geld ausgeben muss, um in das Marxistische Wunderland zu gelangen:

„Eine halbwegs komplette Kenntnis des Marxismus kostet heut, wie mir ein Kollege versichert hat, zwanzigtausend bis fünfundzwanzigtausend Goldmark und das ist dann ohne die Schikanen. Darunter kriegen Sie nichts Richtiges, höchstens so einen minderwertigen Marxismus ohne Hegel oder einen, wo der Ricardo fehlt usw. Mein Kollege rechnet übrigens nur die Kosten für die Bücher, die Hochschulgebühren und die Arbeitsstunden und nicht was Ihnen
entgeht durch Schwierigkeiten in Ihrer Karriere oder gelegentliche Inhaftierung, und er läßt weg, daß die Leistungen in bürgerlichen Berufen bedenklich sinken nach einer gründlichen Marxlektüre; in bestimmten Fächern wie Geschichte oder Philosophie werdens nie wieder wirklich gut sein, wenns den Marx durchgegangen sind.“

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche 1940/42

Dies beweist überdies, wie sehr der Aufenthalt im Land des realen Kapitalismus, den USA, auch einen linken Sturschädel wie Brecht zu einer ökonomischen Denkweise bringen kann.

Und dann wundere ich mich andernorts, weshalb uns ungefragt in den Nachrichtensendungen irgendwelche Börsenindices vorgebetet werden …
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=57785

Aber keine Angst, Informationen auf diesem Blog bleiben gratis ….,

also bis auf die Providergebühr, 
oder die Stromkosten,
oder unsere entgangene Freizeit, …

Written by medicus58

9. Mai 2012 at 11:39

Wir sind friedlich – was seid ihr?

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Was auf dem Screenshot aussieht, als würden sich Einsatzkräfte um eine gestürzte Frau kümmern, war eigentlich etwas ganz anderes. 

Gestern, am 26.April, fanden in Wien zwei Räumungen auf zwei verschiedenen Universitätsgeländen statt:

Beitreiber des Projekts Grossstadtgemüse – http://grossstadtgemuese.wordpress.com/
http://tuewi.action.at/de/gemuese
eines Forschungsprojekts der Bodenkultur- wurden ohne Vorwarnung von der seit 2 Jahren bewirtschafteten Teilfläche eines Grundstückes in der Gerasdorferstr.105 im 21. Bezirk durch einen privaten Sicherheitsdienst vertrieben und Privateigentum zerstört, http://youtu.be/qmkRCdsLZHw
da parallel dazu eine andere Besetzung Landbesetzung der SoliLa (SOLIdarisch LAndwirtschaften Jedlersdorf)
http://youtu.be/loiPjRS_bws
geräumt werden sollte.
Blog und Erfahrungsberichte:
http://17april.blogsport.eu/
http://platzda.blogsport.eu/2012/04/26/raumung-solila-2/
Zeitungsberichte:
http://derstandard.at/1334796288491/Wien-Floridsdorf-Boku-liess-besetztes-Feld-von-privaten-Sicherheitskraeften-raeumen
http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/752794/Boku-laesst-von-Studenten-besetztes-Feld-raeumen

Gestern wurde auch die WEGA (http://yfrog.com/5zf1vz) eingesetzt, um Studierende, die parallel zu einer Sitzung des Senats der Wiener Universität demonstrieren, aus dem Universitätsgebäude zu vertreiben.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=57093
Zeitungsberichte:
http://studi.kurier.at/news/2559-studis-blockierten-senatsstizung.php
http://www.vienna.at/proteste-gegen-studiengebuehren-auf-der-ringstrasse-am-donnerstagabend/3234803
http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/752921/Uni-Wien_Studiengebuehren-werden-wieder-eingefuehrt
Ich bin in beide Vorfälle nicht persönlich involviert, ich bin nur über die Bilddokumente entsetzt, so dass ich sie hier dokumentieren möglich.
Nachdem zur großen Erleichterung von BuMi Töchterle nun eine Uni nach der anderen Studiengebühren beschliesst, bleibt die Frage offen, ob diese Gebühren nicht direkt an die Hel-Wacht oder den Club der Freunde der Wiener Polizeit überwiesen werden sollten ….

Vergleiche auch:
http://paper.li/15o_vienna/1335350539
http://danielweber.at/2012/04/30/erganzende-stellungnahme-vom-projekt-grossstadtgemuse-zur-landbesetzung-in-wien-floridsdorf/ 

Unis heute: ausgebrannt

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Während
Herr Wissenschaftsminister Töchterle
unverdrossen die Gebetsmühle „Studiengebühren“ dreht:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56671
und vor weniger als einer Woche das Audimax besetzt wurde,
u.a. als Protest gegen die
Einstellung des Bachelorstudiums Internationale Entwicklung
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56548

rückt in diesen Augenblicken schon wieder die WEGA aus, um den bereits 150 Polizistinnen zu Hilfe zu kommen, die eine erneute Unibesetzung während einer Sitzung des Senats verhindern sollen.

Prinzipiell stimme ich dem Kommentar von Dominik Leitner (http://neuwal.com/index.php/2012/04/26/unibrennt-abgebrannt/) der kurz vor der erneuten Besetzung veröffentlicht wurde, schon zu, dass Unibesetzungen vermutlich kein geeignetes Mittel mehr darstellen, um die Probleme anzugehen,

ABER SOLANGE DIE POLITIK EIN WAHRNEHMUNGSPROBLEM HAT,

fiele mir auch nichts Besseres ein.

Bildnachweis: Twitter http://yfrog.com/ob31982672j von #unibrennt

Aktuelles Video: http://yfrog.com/5zf1vz

Written by medicus58

26. April 2012 at 15:59

Studiengebühren ein Töchterle der Zeit

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Im Online Standard wird zum x-mal Wissenschaftsminister Töchterle zitiert, der mantraartig die Universitäten zur Einführung von Studiengebühren drängt.
Wie bekannt ist diese Regierung ja nicht fähig gewesen dieses Problem nach Aufhebung ihrer letzen Gesetzgebung top down zu regeln.

Im Forum dokumentiert Diskussionsteilnehmer „Reich sein muss sich lohnen!“
http://derstandard.at/plink/1334795834987?sap=2&_pid=25770676#pid25770676 Töchterles Meinungsumschwung:

Als Fakultätsvorsitzender der Geisteswissenschaftlichen Fakultät sandte er noch ganz andere Signale:

Fakultätskollegium der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Uni Innsbruck lehnt Studiengebühren ab
Resolution des Fakultätskollegiums der Geisteswissenschaftlichen Fakultät an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck zur Bildungspolitik und zur Einführung von Studiengebühren:

1. Die Fakultät verurteilt aufs schärfste die Vorgangsweise zur Durchführung von bildungspolitischen Maßnahmen:
ohne Diskussion mit den Betroffenen
ohne Konsens mit den Sozialpartnern
undemokratisch
überfallsartig, da kurz zuvor eine Einführung von allgemeinen Studiengebühren noch verneint wurde.

2. Die Fakultät verurteilt die Inhalte der sogenannten Bildungsmaßnahmen:
sie sind bildungsfeindlich
sie bevorzugen finanzielle Eliten
sie führen zur Reduktion der ohnehin schon geringen AkademikerInnenquote in Österreich
sie dienen nur der Budgetkonsolidierung, machen aber junge Leute zu SchuldnerInnen

3. Die Fakultät lehnt daher die Einführung von Studiengebühren ab.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karlheinz Töchterle (Fakultätsvorsitzender der Geisteswissenschaftlichen Fakultät)
Tel.: 0512 – 507-4086, bzw. Dekant: 0512 – 507-4001
http://www.uibk.ac.at/public-relations/presse/texte/2000/nov_00/48-00.html

Da stellt sich doch die Frage, wes Geisteskind dieser Geisteswissenschaftler ist!

Man kann natürlich gescheiter werden innerhalb von 12 Jahren, aber
welche Erkenntnis hat den Töchterle befallen, dass all diese Argumente sich ins Gegenteil verkehrten?

Wie schon öfters hier zitiert, hat mich mein Lehrer gelehrt, dass „Professor“ übersetzt „Bekenner“ heißt.

Möge BuMin Professor Dr. Töchterle bekennen, in welchem Ausmaß sein Argumentationsschwenk durch parteipolitische Rücksichtsnahmen bedingt war und nicht einem eigenen Erkenntnisgewinn.

Welche wissenschaftlichen Publikationen über sozio-ökonomische Zusammenhänge in den letzten 12 Jahren ihn überzeugt haben, dass es BILDUNGSFREUNDLICH ist, Geld für den Zugang zu Vorlesungen zu verlangen?

Ich bekenne,
dass ich BuMin Professor Dr. Töchterle für eine Flasche halte.

Links:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56548
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52689
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52765
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=53526

Written by medicus58

21. April 2012 at 18:18

Die Uni brennt und im Spital raucht’s auch

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Gestern gab’s wieder eine Uni-Besetzung, von der die APA dann auch mit einiger Verspätung berichtete.
Der Grund war diesmal ein bemerkenswerter:
Studenten der Internationalen Entwicklung haben am Donnerstag das Audimax der Universität Wien für mehrere Stunden besetzt. Sie forderten ein Weiterbestehen des Bachelorstudiums Internationale Entwicklung.
Das Rektorat hatte angekündigt, nur das Masterstudium weiterführen zu wollen.
http://derstandard.at/1334530915494/Studenten-protestierten-gegen-Rektorat-Uni-Wien-Polizei-raeumte-besetztes-Audimax

Na wo gibt’s denn so was …. für mehr Studienbeihilfen und weniger –gebühren, für den Weltfrieden zu demonstrieren, war man von den akademischen Azubis schon gewöhnt, aber dass sie für MEHR Bolognia protestieren, das verwundert ebenso, wie das Fakt, dass dieser Beitrag hier in der Gesundheitssystems-Spalte gelangte …

Wir machen uns hier nun auch des „Überraschungsverbotes“ schuldig, das das Grazer OLG der ersten Instanz vorgeworfen hat und deshalb das Urteil gegen UWE Scheuch aufgehoben hat (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=34247) aber das gehört ja wieder ins Satanswinkerl, so dass auch für diesen Bereich wieder Werbung betrieben wird.

Zurück zum Gesundheitswesen und seinen Querverbindungen in die Welt der Bildung a la bolognese.

Es gab Zeiten, da wurde Krankenpflege und medizinisch-technische Berufe (RöntgenassistenIn, medizinisch Technische AssistentIn, …)
an Schulen und letztere später an Akademien unterrichtet,
die meist großen Spitäler angeschlossen waren und – das war vielen ein Dorn im Auge – letztlich aus dem Krankenhausbudget finanziert werden musste. So ganz falsch war das aber nicht, denn im Rahmen der praktischen Ausbildung „halfen“ die Azubis in eben diesen Spitälern mit bzw. die Ärzte, KrankenpflegerInnen, Techniker, Physiker, …etc. unterrichteten gegen sehr geringes Entgelt unmittelbar nach (manchmal auch während) ihres Hauptjobs im Spital. Eine österreichische Lösung halt.

Im Zuge des Bolognia-Prozesses, der für sehr vieles als Begründung herangezogen wurde wofür er vielleicht gar nicht gedacht war, sahen die Verantwortlichen der Gesundheitsbudgets die Möglichkeit, sich der Kosten dieses Schul- und Akademiebetriebes zu entledigen und verkauften das als dann den Betroffenen als Aufwertung, d.h. Akademisierung dieser Berufe.

Als äußerliches Zeichen wurde die „Assistenz“ aus den Berufsbezeichnungen der medizinische-technischen Dienste (MTD) entfernt, ein sachlich m.E. hinterfragbares Recht zur eigenständigen Berufsausübung wurde ins MTD Gesetz geschrieben (die „Physiko“ diagnostiziert die Ursache ihrer Rückenschmerzen, entscheidet welche Therapie hier angewandt wird und bestätigt sich gleich selbst in der Verlaufskontrolle) und aus den Radiologieassistenten (RTA) wurden die RadiologietechnologInnen (RT), aus den medizinisch-technischen AssistentInnen (MTA) im Labor wurden die die BAs (Biochemische AnalytikerInnen), .. .etc.

Die Fachhochschulen (FHs) waren geboren (http://de.wikipedia.org/wiki/Fachhochschule)
UND ein Wildwuchs im Angebot an Lehrgängen jeglicher Art
UND (trotz stattlicher Förderungen des FH Sektors durch die öffentliche Hand) Semestergebühren in stattlicher Höhe, die die Azubis natürlich nun selbst zu bezahlen haben.

Für die MTDs ist dieser Prozess abgeschlossen, für die Pflegeberufe beginnt er langsam wirksam zu werden.

Hat man sich z.B. in Wien entschlossen den Pflegeberuf zu ergreifen und hat mind. 10 Schulstufen der Grundschule erfolgreich absolviert, dann zahlt die Stadt Wien die nachfolgende 3-jährige Ausbildung und diese endete mit einem Diplom, das zur Berufsausübung im gehobenen Dienst der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege berechtigt.
Da aus einer Reihe von Gründen dieser Beruf nicht allzu attraktiv war bzw. viele AbsolventInnen den Beruf nur bis zur Familiengründung ausüben, wurden insbesondere in Wien seit Jahrzehnten ganze Horden von Pflegekräften von den Philippinen und dem ehemaligen Ostblock „importiert“.

Strebt man jedoch nach Höherem findet man nun an den FHs genügend Möglichkeiten sich, unabhängig der wirklichen Familienplanung, Bachelor zu nennen.
Zuerst z.B. 4 Semester berufsbegleitend bis zum Master of Science in Advanced Nursing Counseling (MSc) (
120 ECTS-Credits) für 10.800 € und dann 6 Semester Vollzeit, d.h. Sie scheiden aus dem Berufsleben aus) zum Bachelor of Science in Health Studies (BSc) (180 ECTS-Credits) für € 363,36 + ÖH Beitrag pro Semester.

Es würde den Platz hier sprengen, wenn man alle einschlägigen Kurse hier anführen würde, aber auf http://www.fh-campuswien.ac.at/studium/ können Sie sich gerne ein Bild machen.
Die FH Campus Wien ist mit ca. 3800 Studierenden eine der größten Fachhochschulen in Österreich, jedoch letztendlich nur eine von vielen: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Universit%C3%A4ten_und_Fachhochschulen, von denen die meisten Kurse im weiten Feld der Gesundheitswissenschaften bzw. der Life Science anbieten.

Jetzt mag man einwenden, dass denn das alles eh unheimlich supi wäre, denn ein mehr an Ausbildung kann doch nicht schlecht sein?!

Doch, das ist es:
Unterschiedliche Berufe haben einen unterschiedlichen Bedarf an

Kenntnissen“ = theoretische Wissen
Erfahrungen“ = empirischen Wahrnehmungen  in aktiver oder passiver Rolle
Fertigkeiten“ = Fähigkeit etwas auch (manuell) eigenverantwortlich zu tun

Selbstverständlich, handelt sich ja bei den FHs um „wissenschaftliche“ Einrichtungen, so dass wir von dort mit einer Fülle an „Arbeiten“ überschwemmt werden, die durchaus ambitioniert sein können, jedoch, in Zeiten da die universitäre Forschung im Bereich der Medizin kaum mehr finanzierbar ist, irgendwo oberflächlich bleiben müssen.

Nie wird nach der Evidenz gefragt, ob denn das Erstellen einer wissenschaftlichen Arbeit zu einer besseren Performance in einem Beruf führt, der im täglichen Leben keine „Forschung“ sondern „Handeln“ auf Basis der erforschten Wissensbasis erfordert.

Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich gibt es einen Bedarf an Forschung in den Pflegewissenschaften, jedoch ist für mich sehr hinterfragbar, ob die Mehrheit der Menschen, deren primärer Impuls es war „Menschen zu pflegen“, von tieferen Kenntnissen der Multivarianzanalyse profitieren, weder persönlich noch in ihrer täglichen Arbeit.

Und das führt uns wieder zum aktuellen Ausgangspunkt:

Sowohl in einem IMHO (in my humble opinion) mehr theoretisch als praktisch ausgerichteten Fach, eben den Internationalen Beziehungen, als auch in den überwiegend praktisch orientierten Ausbildungen nicht-ärztlichen Berufe in der Medizin gibt es einen extremen Trend in Richtung einer Akademisierung,.

In der Ärzteausbildung hingegen hält sich das Gespenst des „Medizin Bachelors“ http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/491057/MedizinBachelor_Aerzte-gegen-ein-bisschen-Medizin , wird auch auf europ. Ebene weiter diskutiert (http://www.wissenschaftsmanagement-online.de/converis/artikel/1210).

So weit sind wir in Ö noch nicht, aber der hier schon einmal angeprangerte OÖ Ärztekammerpräsident Niedermoser (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516) hat diese Haltung gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit (Dr. Türk) durch dieModularisierung“ der postpromotionellen Ärzteausbildung weitergeführt, wo (Originalzitat:)

„Halt nicht mehr jeder Facharzt alles in seinem Fach können muss.“

Also stellt sich die Frage, ob sich nicht auch die Medizinstudenten mit den Audimaxbesetzern (#unibrennt) solidarisieren sollen, denn der Trend vom soliden Erlernen des Handwerks hin zu Theoretisierung und oberflächlichen „Akademisierung“ ist hier wie dort unübersehbar.

Das Büro der http://unibrennt.at/  befindet sich übrigens auch in der SPITALgasse, am Fuße des AKH….

Bildnachweis: HP Screenshot von #unibrennt

VideoDokuhttp://youtu.be/DMtgSoTva_I

Nachtrag 21.7.2012
Neues Angebot „Donau-Universität“ Krems
Spirituelle Begleitung in der globalisierten Gesellschaft
Akademische/r Experte/in
Master of Arts
http://www.donau-uni.ac.at/de/studium/spirituelle_begleitung/index.php

Was ist uns ein Universitätsprofessor wert?

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Als jemand, der seit über 28 Jahren (auch) Universitätslehrer ist, fand ich die aktuelle Meldung im Online Spiegel bemerkenswert:

Die Professorenbesoldung in Deutschland ist in Teilen verfassungswidrig. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden.

Konkret ging es um das Einstiegsgehalt des Jahres 2005  von zunächst 3890 Euro und Leistungsbezüge von zuätzlich knapp 24 Euro. 
Danach hat man in Deutschland das Besoldungsschema geändert und das Einstiegsgehalt weiter gesenkt, aber die jährlichen Zuwachsraten (das A&O der Beamtekarriere) abgeflacht. 
In Österreich kann man von solchen Summen nur träumen, da hat 
Frau Volkschullehrer und Bundesministerin Gehrer 
http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Gehrer überhaupt auf ein Vertragsbediensteten-System umgestellt, wo frisch in den Universitätsbetrieb einsteigende Mediziner 1982,20 €/Monat brutto bekommen und damit rechnen müssen, dass der Vertrag ohne Kündigung ausläuft. http://www.i-med.ac.at/betriebsrat1/info/gehalt2007-uni.html
An der TU ist es noch schlimmer: http://info.tuwien.ac.at/E093/main.htm

Das Brutto-Einstiegsgehalt lt. Spiegel von Hochschulprofessoren wa 2007 in
Deutschland 3744 Euro pro Monat, während es in
Großbritannien 5842, in 
Polen aber nur 1127 waren. 

In der Medizin hat man halt 10 Nachtdienste gemacht, um die Kongresse, Lehrbücher, Druckkostenbeiträge zu bezahlen, … etc.

Theoretiker“ hofften halt auf möglichst viele Praktika oder Seminare, um zusätzliches Einkommen zu lukrieren, … ist mir klar, aber unter all dem Eliteuni-Geschrei und frei vereinbaren Gehältern für einige Spitzenpositionen
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=52689) gilt noch immer

IF YOU FEED PEANUTS YOU’LL CATCH MONKEYS.

und die werden unsere Wissenschaft vorantreiben und unseren Kindern die Leidenschaft für die wissenschaftliche Forschung weitergeben.

Mir ist das Lachen vergangen und da ich nun einen anderen Brotberuf habe, halte ich viele Vorlesungen einfach gratis …

Besser als mit einem Bettellohn beleidigt zu werden, aber ich bin auch nimmer 26. Da hatte ich auch mit 14.000 ÖS/Monat eine 70 Stundenwoche (ohne Nachtdienste!) und täglich kündbaren Karenzverträgen.

Ob man sich aber gesellschaftlich immer darauf verlassen soll, solche Trottel zu finden, mag ich hinterfragen …

Link: 
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,817360,00.html 
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,815139,00.html
http://sciencev1.orf.at/science/news/133781 
http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/ls20120214_2bvl000410.html

 

Written by medicus58

7. März 2012 at 16:02

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