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Vom PHC zum PVG, von der ÄK in die AK

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Mit relativ geringer medialer Aufmerksamkeit versammelt die Ärztekammer heute in Wien wieder niedergelassene Kollegen zu einer Protestversammlung gegen das drohende PVG, das Bundesgesetz über die Primärversorgung in Primärversorgungseinheiten.

Die Gesundheitspolitik, die in der letzten Zeit für die angestrebten multiprofessionellen Erstanlaufzentren immer das Kürzel PHC (= Primary Health Care) verwendete, spricht nun von PVEs (Primärversorgungseinheiten).
Als Organisationsformen schweben dem Gesetzgeber entweder Gruppenpraxen oder selbstständige Ambulatorien, ggf. Netzwerke in Form von Vereinen aus freiberuflichen Ärzten, anderen Gesundheits- und Sozialberufen oder deren Trägerorganisationen vor.
Wichtig scheint der Politik jedenfalls, dass die Primärversorgungseinheiten eigene Rechtspersönlichkeiten darstellen, offenbar damit die Krankenversicherungen mit ihnen, wie schon längst mit Röntgen-, Labor- oder Physikalischen-Instituten, Direktverträge abschließen können;
dass sie sich davon ein gegenseitiges Ausspielen der Gesundheitsdienstleistungsanbieter erwarten, entspricht der Logik des Marktes.

Befürworter lesen aus der Vorlage heraus, dass dies ohnehin noch innerhalb eines lt. ASVG mit der Ärztekammer (ÄK)  zu vereinbarenden Gesamtvertrages zu geschehen hat, Kritiker verweisen auf die Gummibestimmungen in solchen Rahmenverträgen und sehen den einzelnen Arzt schutzlos den Monopolisten in diesem Spiel ausgeliefert und finden es schon ziemlich einerlei ob es sich nun um Gebietskrankenkassen oder Gesundheitskonzerne handeln wird.

Für Eric Frey im Standard ist die Sache überhaupt einfach: Der einzige Verlierer einer solchen Entwicklung wäre die Ärztekammer, die Mitglieder und Macht einbüßen würde. Kein Wunder, dass ihre Funktionäre mit solcher Verbissenheit die Gesundheitsreform bekämpfen

Der Korrespondent der Financial Times und des Economist hat sich wohl schon habituell als (neo)liberal zu gebärden, aber er verzichtete leider auch auf die notwendige Recherche. Solange wir die Gesetze in unserem „Kammerstaat“ nicht ändern, würde die Ärztekammer kein einziges Mitglied einbüßen, auch wenn sie jeden Einfluss auf die Entwicklung des Gesundheitssystems verlöre.
Der § 4 AerzteG Erfordernisse zur Berufsausübung regelt eindeutig, dass eine eigenverantwortliche ärztliche Tätigkeit u.a. an die Mitgliedschaft in einer der neun Landesärztekammern bzw. in die Eintragung in deren Ärzteliste gebunden ist!

Während also jetzt die Gesundheitspolitik nicht zuletzt mit dem PVE-Gesetz versucht, das Mitspracherecht der Ärztekammer weiter zu beschneiden,
wie viel darüber streiten wir uns alle noch,
bürdet sie gleichzeitig den Ärztekammern eine Reihe von Aufgaben im sogenannten übertragenen Wirkungsbereich auf,
die wir Ärzte uns alle auch noch selbst bezahlen müssen (Arztakademie (DFP-Programm), Wohlfahrtsfond mit all seinen Altlasten, ÖQMed, …).

Ich habe mich schon einmal in diesem Zusammenhang (PHC – für wie blöd hält man uns eigentlich) gefragt, wie lange es wohl dauern wird, bis der Letzte begreift, dass man bald nur mehr auf den Nachteilen des Freien Berufes sitzen wird, aber schon längst nicht mehr „Mittler zwischen Bürger und Staat“ sein kann, weil man seiner gesellschaftspolitischen Rolle  in der Zivilgesellschaft durch allerlei Winkelzüge der Politik beraubt wurde.
Gerade diese unabhängige gesellschaftspolitische Rolle ist aber das Kennzeichen Freier Berufe!

Journalisten wie Herr Frey verweisen zwar immer auf die Wichtigkeit bestimmter Rahmenbedingungen, um ihre Rolle in der Demokratie ausüben zu können (4. Kraft), bei anderen Berufen scheint ihnen das aber plötzlich weniger wichtig ….

Grenzt man Ärzte aus der gesundheitspolitischen Diskussion weiter aus, werden logischerweise die Ärzte von der Ärztekammer zur Arbeiterkammer wandern und gleich auch viel weniger Abgaben zahlen müssen, denn schließlich müssen sie nicht mehr die Strukturen einer eigenen Kammer finanzieren.
Die Politik wird sich eben dann auch um die finanziellen Altlasten der alten Kammerstrukturen kümmern müssen.
Weshalb soll ein junger Arzt denn in einen Wohlfahrtsfond zahlen, damit die pensionierten Kollegen noch ihre Pension bekommen, wenn er als Angestellter ohnehin ASVG-versichert ist.
Warum soll er sich privat haftpflichtversichern? Das wäre doch auch die Aufgabe seines Arbeitgebers.
Wieso soll er die Gesamtverantwortung für andere Gesundheitsberufe übernehmen, wenn ihm jede Anordnungsbefugnis genommen wurde?
Wie vermitteln wir nachfolgenden Ärztegeneration ein anderes ethisches Bewusstsein, als es die Mitarbeiter eines Helpdesks in Bangalore haben?

Vielleicht hat Herr Frey recht, dass es den Standesvertretern nur um die Macht geht, aber dabei würde es sich letztlich um die Rechte unseres Standes handeln und ich kann mir kaum vorstellen, dass wir alle so blöd sind, uns ausschließlich unserer Rechte berauben zu lassen ohne als Folge auch unsere Pflichten abstreifen zu wollen.

Vielleicht sollten das auch einmal unsere Standesvertreter so der Politik vermitteln!

Written by medicus58

15. März 2017 at 07:36

Zur Ökonomisierung des Gesundheitswesens

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Hörenswertes Ö1 Kolleg von Margarethe Engelhardt-Kranjek über die Hintergründe der aktuellen Ärzte- und Pflegeproteste, die weit über die reine Gehaltsdebatte hinausgeht, auch wenn der Titel Fit trotz Profit vielleicht anderes erwarten ließ:
http://oe1.orf.at/programm/404659

Für alle Interessierten wärmstens zu empfehlen und ein Beweis, dass es doch gar nicht so schwierig ist das Problem zu überblicken!
Wenn das eine promovierte Kulturwissenschaftlerin (http://oe1.orf.at/team/margaretheengelhardtkrajanek) schafft, weshalb kriegen das unsere Gewerkschafts- und Kammervertreter nicht hin?

Direktlink http://goo.gl/2bzNwR

Written by medicus58

18. Mai 2015 at 07:24

Unis heute: ausgebrannt

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Während
Herr Wissenschaftsminister Töchterle
unverdrossen die Gebetsmühle „Studiengebühren“ dreht:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56671
und vor weniger als einer Woche das Audimax besetzt wurde,
u.a. als Protest gegen die
Einstellung des Bachelorstudiums Internationale Entwicklung
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=56548

rückt in diesen Augenblicken schon wieder die WEGA aus, um den bereits 150 Polizistinnen zu Hilfe zu kommen, die eine erneute Unibesetzung während einer Sitzung des Senats verhindern sollen.

Prinzipiell stimme ich dem Kommentar von Dominik Leitner (http://neuwal.com/index.php/2012/04/26/unibrennt-abgebrannt/) der kurz vor der erneuten Besetzung veröffentlicht wurde, schon zu, dass Unibesetzungen vermutlich kein geeignetes Mittel mehr darstellen, um die Probleme anzugehen,

ABER SOLANGE DIE POLITIK EIN WAHRNEHMUNGSPROBLEM HAT,

fiele mir auch nichts Besseres ein.

Bildnachweis: Twitter http://yfrog.com/ob31982672j von #unibrennt

Aktuelles Video: http://yfrog.com/5zf1vz

Written by medicus58

26. April 2012 at 15:59

Auch so kann man schweigen

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Dass sich die Medien offenbar nicht für die Krise im Wiener Krankenanstaltenverbund interessieren, wurde hier mehrfach verwundert zur Kenntnis genommen. http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35009

Dass das u.a. auch mit den Einnahmen der zuletzt abgelaufenen Inseratenkampagne zu tun hat, ist reine Paranoia.

Während aber über die Demonstration vor dem Rathaus einge Medien zögerlich, aber doch berichtet haben, http://wien.orf.at/stories/537559/ http://derstandard.at/1315006399419/Spitaeler-Gewerkschafter-zuendeln-beim-Rathaus http://kurier.at/nachrichten/wien/4151022.php

hat die Kronenzeitung sich zwar auch mit dem Wiener Krankenanstaltenverbund beschäftigt, fand aber nur

die Aufregung über die Nudisten-Kleider“ berichtenswert:
http://www.krone.at/Wien/Schwestern_empoert_ueber_transparente_Nudisten-Kleider-Wut_in_Wiener_Spital-Story-296062

Es geht doch nix über eine gute Medienkooperation:
Der Kroneableger, die Gratiszeitung „heute“ darf ungeniert die U-Bahn zumüllen, dafür bedankt sich die Redaktion, dass man Unangenehmes totschweigt.

Written by medicus58

16. Februar 2012 at 18:50

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