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Dr. Google is a Liar: Falschmeldung über Gesundheitsthemen und typische Folgefehler

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Was einem nicht in den Kram passt, wird heute schnell als Fake-News bezeichnet, aber dabei handelt es sich in der Regel um Themen im gesellschaftspolitischen Bereich.

In einem rezenten Artikel
Dr. Google Is a Liar
Fake news threatens our democracy. 
Fake medical news threatens our lives.

warf nun die New York Times einen lesenswerten Blick auf die Fake-News im Gesundheitswesen, die sich dank Internet schneller verbreiten als jede New England Journal of Medicine Studie.

Der Autor, ein Kardiologe, dokumentiert mehrere Beispiele, wo falsche Behauptungen im Netzt zu Therapieabbrüchen führt und Politiker völlig unsinnige Behauptungen (Impfungen verursachen Autismus) verbreiten.

Wie bestellt zeigt uns ein im August 2018 erschienener Artikel im Guardian, ein typisches Muster auf, weshalb wir immer häufiger glauben, der Medizin rein gar nix mehr glauben zu können.

Die Zeitung berichtete, dass der oft behauptete enge Zusammenhang zwischen Salzaufnahme und Bluthochdruck gar nicht so sicher ist und eher in Ländern (und Patienten) beobachtet werden kann, die sehr viel Salz konsumieren. Wenn in diesen Fällen der Salzkonsum in Hypertonikern reduziert wird, scheint das wirklich eine blutdrucksenkende Wirkung zu haben:

Salt not as damaging to health as previously thought, says study

Basis war eine immerhin im Lancet publizierte Studie, die nun das durch den Vergleich verschiedener Populationen das verifizieren wollte, was diese Gruppe – unter harscher Ablehnung vieler Experten – bereits vorher an Einzelpersonen gezeigt hat. Besonders interessant scheint da aber die gemeinsame Betrachtung des Kalium-Spiegels sein, der z.B. durch eine Gemüse-reiche Ernährung angehoben werden kann und offenbar einen größeren Einfluss auf die Blutdruckregulation hat als eine reine NaCl-Reduktion.

“Perhaps salt-reduction evangelists and salt-addition libertarians could temporarily put aside their vitriol and support the hypothesis that diets rich in potassium confer substantially greater health benefits than aggressive sodium reduction,”

Am 25. November gab dann ein gewisser Duncan Selbie (Chief executive of Public Health England) dem Observer ein Interview, in dem das Salz in der Nahrung der Briten als ihre größte Todesursache anschuldigt, das erneut der Guardian zitiert:

Large amounts of salt can cause high blood pressure, the single biggest cause of heart attacks and strokes, which between them kill more Britons than anything else.

Jede Gramm an Salzreduktion erspart 7,000 Tote/Jahr.

Dieses Drama können wir als „Derivative Fake News“ bezeichnen, in der Hoffnung damit berühmt zu werden, denn Folgefehler klingt halt so old school.

Das Problem habe ich hier schon einmal unter dem Titel Die toten Seelen in der Computertomografie angesprochen und wir finden es allenthalben, wenn wir nur danach suchen:
Zu Beginn steht ein (in Kausalität und Beweiskraft) hinterfragbarer Zusammenhang.
Hier eben den immer wieder gefundenen aber auch nicht gefundenen Zusammenhang zwischen Nahrungssalz und Blutdruck. 
Besonders geeignet sind multifaktorielle Prozesse, also Abläufe, von denen man weiß, dass sie durch viele Faktoren beeinflusst werden können. In Wirklichkeit behauptet auch niemand ernsthaft, dass NUR das Kochsalz den Blutdruck beeinflusst,
Dann negiert man alle Ko-Faktoren und extrapoliert eine Verhältniszahl aus besonders extrem ausgefallenen Studien und extrapoliert sie auf eine riesige Population und schockiert mit dem Ergebnis. 
UK hat über 66 Millionen Einwohner!
Schließlich versichert man (natürlich ohne der Möglichkeit einer Interventionsstudie) , dass die Reduktion des eines „bösen“ Faktors all diese Todesfälle aus der Welt schaffen würde.
Meist wird das übrigens junktimiert mit der Forderung nach entsprechender Finanzierung präventiver Maßnahmen.

Verstehen Sie mich richtig, auch ich empfehle Hypertonikern nicht, jedes Gericht, kaum wird es aufgetragen, nach zu salzen und mache auf das „versteckte Natrium“ in vielen „Dosen-Gerichten“ aufmerksam. Nur sollte man die Erwartungen daran nicht übertreiben.

Noch wichtiger scheint jedoch, sich gerade in sehr komplexen Gesundheitsfragen nicht von Einzelstudien, egal ob via Dr. Google oder via Peer-Reviewed Journals zu allgemeinen Heilsbotschaften verleiten lassen und diese Kritik befreit zu beeindruckenden Zahlen auf zu blasen. 

Written by medicus58

19. Dezember 2018 at 18:49

Stop working Start counselling

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Sollten Sie wie noch in einem klassischen Job arbeiten, dann sind Sie am falschen Dampfer. Heute stellt man keine Produkte mehr her oder schneidet anderen die Haare, bestenfalls nennt man irgendwelche Pyramidenspiele „Produkte“ und verscherbelt sie an Unwissenden.

Heute berät man!

Wie sehr bereits die ohnehin knappen Mittel im Gesundheitssystem durch eine anschwellende Gruppe an Beratern und Zertifizierern abgeknabbert werden, wurde hier schon ausgeführt (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39411), jedoch ist das nur die Spitze des Eisbergs.

Ohne Lobbying geht ja anscheinend gar nichts, wobei wir hier nicht die Geldwaschmaschinen der Österreichischen Innenpolitik in unserem Satanswinkerl (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33473) meinen. Auch die hoch offiziellen Lobbyingkosten großer Firmen lassen sich sehen:
Die NYT (http://bits.blogs.nytimes.com/2012/04/23/under-scrutiny-google-spends-record-amount-on-lobbying/) berichtet aktuell, das z.B.
Google innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres 5,03 Mill. US$ an Lobbyisten überwiesen hat.
2011 beschäftigte die Firma neben den 11 eigenen Lobbyisten nicht weniger als 12 externe Firmen. Die Ausgaben steigen hier offenbar dramatisch, denn mit dem Geld, das heuer nur für die ersten drei Monate gereicht hat, ist man letztes Jahr fast 12 Monate ausgekommen.

Einer auf http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/04/42052/
kommentierte und aus der englischsprachigen Publikation (http://www.openeurope.org.uk/Content/Documents/Pdfs/RiseoftheEUquangos2012.pdf)
stammende Grafik zeigt den dramatischen Anstieg von “Quangos” – “quasi non governmental organisations” in der EU, die ab der frühen 90er Jahre mit der Absicht gegründet wurden, um EU-Institutionen mit wichtigen Informationen zu versorgen. Auf Österreich entfallen allein für diese Strukturen 52,12 Mill. € pro Jahr.

Aber halt, DAS sind natürlich keine Lobbyisten, das sind NUR Thinktanks, die sich die EU Strukturen selbst leisten.
Wie viele „echte Lobbyisten“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Lobbyismus) in der EU „wirken, ist nicht ganz klar, Schätzungen gehen von über 15.000 Personen aus.

Wenn man Homepage der Österreichische Public Affairs-Vereinigung (sic) Glauben schenkt, kommt man auch bei uns in Österreich ohne einen professionellen „Vermittlers“ nicht an die Entscheidungsträger heran (http://www.oepav.at/ ).
Von dort können Sie sich von Firma zu Firma klicken, die es auf wunderbare Weise schaffen wollen, ohne von der Materie an sich etwas zu verstehen, die Entscheidungsträgern, die natürlich auch nichts von der Materie verstehen, von den Anliegen derer zu überzeugen, die was davon verstehen …. aber vielleicht ist das das Geheimnis:

Also tragen Sie Ihr Geld zur Leading Advisors Group oder direkt zu ihren konstituierenden Einzelfirmen (http://www.lead-group.at/
Monika Langthaler, Dietmar Ecker und Wolfgang Rosam)

Ecker&Partner Öffentlichkeitsarbeit und Public Affairs GmbH
Change Communications GmbH
brainbows Informationsmanagement GmbH
Public Interest Lobbying Consultants GmbH
Brandstätter Business Communications (BBC)
Peter Filzmaier „Institut für Strategieanalysen und Kommunikationsforschung
GmbH (ISA)“
Sophie Karmasin mit SK Market Intelligence GmbH
Be.public
Chapter 4
Digital Affairs
Lockl Strategie

Oder wenn’s etwas kleiner sein darf zu Mastermind (http://www.mastermind.cc/) oder deren Subs.
http://www.publishfactory.at/
http://www.aventus-services.com/
http://www.spracheammarkt.at/
http://www.gaisberg.eu/
http://www.agnesstreissler.at/
www.advocacy-advisors.eu

Aber vielleicht wollen Sie selbst hier ins SATANSWINKERL, denn bedienen Sie sich am bestern der Exberaterin von Wolfgang Schüssel,
… und mit ein bißchen Glück, bringt Sie die Heidi Glück dorthin
http://www.heidiglueck.at/html/home.htm

Und glauben Sie nicht, dass die paar Links hier erschöpfend waren.

Natürlich haben wir hier die Grenzen zwischen Coaching/Counselling/Supervison, Medienberatung, Campaigning, Lobbying, Thinktanks und Supervison verschwimmen lassen, aber es sollte nur einmal angerissen werden, welche Ausmaße diese „Schmiere“ unserer gesellschaftlichen Prozesse bereits angenommen hat; und um die Überlegung anzustoßen, ob all diese Geldmittel nicht besser für primäre Prozesse der Produktion und Dienstleistung verwendet werden sollten.

Auch in Österreich arbeiten hunderte Menschen daran, dass das passiert, was eigentlich natürlich sein sollte, dass die besten Argumente sich im politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozess durchsetzen, …

oder auch nicht.

Überdies sollte auch einmal bedacht werden, wieviel gute Ideen verloren gehen, weil niemand das Geld hat, sich der oben Angeführten für Stundentarife von 300 – 600 € zu bedienen.

Links:
http://www.euractiv.de/wahlen-und-macht/artikel/strengere-regeln-fr-europas-lobbyisten-004794
Magisterarbeit „Politische Beratung in Österreich – Aufbruch am Markt politischer Inszenierung“
http://othes.univie.ac.at/10534/1/2010-06-14_0303253.pdf
Zu den großen Medienberatern (Intomedia, Media Consult und Bettertogether) erschien zwischenzeitlich im Standard eine nähere Beschreibung: http://derstandard.at/1334530956420/Politikersprech-Training-fuer-das-Nichts-am-Ende-des-Tages

Who the fuck is ALEC

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Hinter dem Akronym steht das 1973 ins Leben gerufene 
American Legislative Exchange Council (http://www.alec.org/), 
eine nach eigenen Angeben unparteiische (!) Vereinigung konservativer (!!) Gesetzgeber aus den amerikanischen Bundesstaaten, „die ein gemeinsamer Glaube freie Märkte und Föderalismus“ aber auch eine Ablehnung an die „ferne, aufgeblähte Bundesregierung in Washington,DC“ eint.

Für uns hier kann es ein Lehrstück aus der Gruselkammer des Neoliberalismus sein, wie aus der Aufweichung gesamtstaatlicher Autorität, unter dem Deckmantel von mehr Demokratie und Föderalismus, der Weg über Lobbying dazu führt, dass schließlich finanzstarke Großkonzerne unseren Parlamentariern Gesetze diktieren.

Das Konzept von Alec Task Forces stammt aus den frühen Tagen der ersten Reagan-Administration, als der Präsident 1982 eine nationale Task Force für Föderalismus gründete.

Im Jahr 1981 arbeitete Alec die Methoden zur Dezentralisierung der bundesstaatlichen Macht. 1982 begann beschäftigte sich ALEC mit dem Gesundheitswesen, 1983 mit dem Bildungssystem.
Nach dem Ende der Reagan-Administration entwickelten sich die Taskforces zu Think Tanks, die heute nach eigenen Angaben hinter jährlich 1000 Gesetzesvorschlägen stehen, von denen 20% als Gesetze beschlossen werden.

Erst seit 2011 organisierte sich in den USA der öffentliche Widerstand. (http://en.wikipedia.org/wiki/American_Legislative_Exchange_Council). 

Vor einigen Tagen berichtete auch die angesehende NYT (http://www.nytimes.com/2012/03/26/opinion/krugman-lobbyists-guns-and-money.htm ), als ruchbar wurde, dass es eine der Gesetzesvorlagen in Florida wortident zum Vorschlag von ALEC durch die Abstimmung schaffte.

Auf Alex exposed (http://alecexposed.org/wiki/ALEC_Exposed) wird aufgelistet, welche Politiker hinter ALEC stecken und
 wer das Ganze auch finanziert (Liste nur auszugsweise widergegeben):

Altria (formerly Phillip Morris tobacco)
AT&T
Bayer
Coca-Cola
ExxonMobil
GlaxoSmithKline
Johnson & Johnson
Koch Industries
Kraft Food
Peabody Energy (weltweit größter privater Kohleproduzent)
Pfizer
Reed Elsevier
United Parcel Service
Wal-Mart

Allein, die ALEC Konferenzen kosten ca. 2 Mill. US$/Jahr,
ALEC gibt die Kosten für seine Taskforces mit 2,5 Mill. US$ an.

Wenn einige in Österreich dzt. angewidert von all den Inseraten, Murmeltierjagden und Liechtensteinschen Konten nach einem Ende der Untersuchungen von sogennanter „Lobbyisten“ rufen, dann verschliessen sie die Augen, wie groß auch die Gefahr bei uns ist, dass die parlamentarische Demokratie noch mehr zum Spielball finanzstarker Interessen des Großkapitals wird.

Im Gegensatz zu „den alten Zeiten“ stehen aber hinter dem Begriff Großkapital
nicht fette Zigarren rauchende Einzelpersonen oder Familien, 
sondern 
hoch effizient organisierte Armeen von Rechtsanwälten, Wissenschaftern, Gutachtern, Beamten, PR-Profis, … etc.

Das ist ganz was anderes, als die „Sorgen über die drei Ks der Korruption“ (Kugelschreiber, Kaffee, Klumpert) über die sich unser Transparency International Aushängeschild Franz Fiedler gestern auf Ö1 Gedanken machte:
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120326_OTS0056/geschmierte-republik-klartext-am-273-im-orf-radiokulturhaus
http://oe1.orf.at/programm/298997

Hier geht es auch nicht um die Korruption des kleinen Beamten, der bei einer Baugenehmigung ein Auge zugedrückt hat, hier geht es ums Ganze unseres Staates.

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