Sprechstunde

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Wie oft wird kann man die Sau durchs Dorf jagen, ohne dass es den Medien auffällt?

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Kennen Sie den?

Als der Richter den Zeugen nach der Vereidigung aufklärt, dass er ab sofort zur Wahrheit verpflichtet ist, antwortet dieser: „Sicher, sie Arschloch!

Auch in der Gesundheitspolitik gilt, dass der Zeitpunkt für mediale Wahrheiten gut gewählt werden muss, sonst lässt er tiefer blicken, als vielleicht beabsichtigt wurde.

Kurz nach der am 29.1.2015 mit großem medialen Getöse verkündeten
Einigung mit den Wiener Spitalsärzten über Dienstzeiten und Besoldung
(Wir werden alle reich: Ob an Geld oder Erfahrung ist noch offen http://wp.me/p1kfuX-Tm),
von der sich inzwischen immer mehr der Angesprochenen distanzieren und intern von „Verarschung“ sprechen,
platzte Stadträtin Wehsely am 2.2.2015 auf Ihrer Website mit einer angeblich neuen Meldung heraus:

Primärversorgung: Stadt Wien, WGKK und Ärztekammer verständigen sich auf Eckpunkte für zwei Pilotprojekte
http://www.sonja-wehsely.at/tag/wgkk/#sthash.yUlmySwF.dpuf

und lässt dies über Ihre Mediensprecherin Mag. Christine Stockhammer auch angeblich brühwarm über die APA gehen
Nun (!) haben sich Stadt Wien, Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) – gemeinsam mit den bundesweiten Versicherungsträgern – und die Wiener Ärztekammer auf die Grundsätze für zwei konkrete Pilotprojekte zur Umsetzung des Primärversorgungskonzeptes in Wien verständigt.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20141218_OTS0137/primaerversorgung-stadt-wien-wgkk-und-aerztekammer-verstaendigen-sich-auf-eckpunkte-fuer-zwei-pilotprojekte

Der KURIER jubelt am 2.2. 2015Wien startet zwei Pilotzentren
http://kurier.at/chronik/wien/primaerversorgung-wien-startet-zwei-pilotzentren/111.544.645

und die Wiener Zeitung vereinfacht die APA Aussendung für Ihre Leser als:
Erstanlaufstelle für Wehwehchen
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtpolitik/732346_Erstanlaufstelle-fuer-Wehwehchen.html

Der ORF verkündet die frohe Nachricht online:
Statt in teure Spitalsambulanzen zu gehen, sollen Patienten in Wien Primärversorgungszentren benutzen. http://wien.orf.at/news/stories/2692564/

und ist ob Wiens Innovationskraft fast aus dem Häuschen:
Gesundheitsreform: Wien prescht vor
http://oe1.orf.at/artikel/398573

Ein Bravo für die Wiener Gesundheitspolitik im Wahljahr!
Nachdem so viel von Überlastung der Spitäler die Rede war und man den Spitalsärzten eine (angeblich) durchschnittlich 25%-ige Gehaltserhöhung und weniger Arbeitsstunden nachgeworfen hat, entlastet man die Spitalsambulanzen auch noch mit einem innovativen Vorgriff auf die Gesundheitsreform.

Komisch ist da nur, dass die Jubelmeldung von der Einigung über die den Spitälern vorgelagerten Ambulanzen bereits vor eineinhalb Monaten durch mediale Dorf gehetzt wurde:

Rathauskorrespondenz vom 18.12.2014:
Primärversorgung: Stadt Wien, WGKK und Ärztekammer verständigen sich auf Eckpunkte für zwei Pilotprojekte 
https://www.wien.gv.at/rk/msg/2014/12/18016.html

Das Zentralorgan des Wiener Rathauses hat das auch unters vorweihnachtlich gestimmte Volk gebracht:

„Primary“-Ambulanzen für Wien in HEUTE 18.12.2014
http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,1109282?

So nebenbei hat es für eine dem Donauspital vorgelagerte Versorgungsstruktur seit mindestens einem Jahrzehnt mehrere Anläufe gegeben (u.a. auch gemeinsam mit dem Ärztenotdienst), lange bevor die letzte Gesundheitsreform das Thema „Primary Health Care“ für sich entdeckt hat.

Völlig zu Recht wird Ernest Pichlbauer auf seinem Rezeptblog auch nicht müde darauf hinzuweisen, dass das Konzept schon bald seinen 100. Geburtstag feiern wird: UK 1920 Über die Errichtung eines Primary Helath Care Es ist erschütternd zu sehen, auf welchem Niveau sich die Österreichische Gesundheitspolitik bewegt, bzw. sich nicht bewegt. http://www.rezeptblog.at/tag/primary-health-care/

Also hat die Sache einen geringeren Neuigkeitswert, als es die mediale Berichtslawine Anfang Februar 2015 glauben machen will.

Nur stellt sich die Frage, weshalb die Jubelmeldung von den beiden PHCs vor dem Donauspital und in Mariahilf gerade jetzt wieder exhumiert wurde?

Weil es im Vorweihnachtstrubel nicht gelungen war, genug gesundheitspolitisches Kleingeld zu machen?

Möglich aber nicht allzu wahrscheinlich.

Weil man im nahenden Wahlkampf wieder etwas Positives aus dem Gesundheitsbereich vermelden wollte?

Wäre medial schlecht gesetzt, auch wenn wir wirklich schon im Juni wählen, denn bis dahin ist es aus dem politischen Kurzzeitgedächtnis längst verschwunden.

Man mag mich für einen Verschwörungstheoretiker (eigentlich eher schon -praktiker) halten und ich überschätze die PR Abteilung des Rathauses möglicherweise massiv, aber angesichts eines zunehmenden Widerstandes gegen die Husch-Pfusch-Dienstzeit-Besoldungsreform der angestellten Ärzte, kann ich nicht umhin zu glauben, dass die Sau des Vorjahres wieder durch das mediale Dorf getrieben wurde, um die mediale Meinungshoheit zu behalten, wenn der Unmut der Spitalsärzte öffentlich wird.

Befremdlich ist das aber auch für alle, die hoffen, dass die Medien als die „vierte Gewalt“ im demokratischen Staate erkennen, wenn sie instrumentalisiert werden. http://de.wikipedia.org/wiki/Vierte_Gewalt

Bildnachweis:
City Library of Lyon (from the exhibiton „L’Esprit d’un siècle : Lyon 1800-1914“).Bibliothèque municipale de Lyon, dewiki.

Written by medicus58

3. Februar 2015 at 07:16

Warum ich mich über das Fest der Freude weniger freuen kann (Ein Bericht in SW)

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Beethoven statt Burschenschafter am 8. Mai“ titelte die Wiener Zeitung (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/top_news/544974_Beethoven-statt-Burschenschafter-am-8.-Mai.html) am Tag danach. 
Auch wenn z.B.auf http://www.jetztzeichensetzen.at/?page_id=379 bereits im Vorjahr vom 8. 5. als „Tag der Befreiung“ gesprochen wurde und heuer schon im Vorfeld dazu aufgefordert wurde, sich „den Tag frei zu nehmen“, schien mir die Veranstaltung, die nun den Aufmarsch der gedenkwilligen Burschenschaftler verdrängte, doch ziemlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorbereitet worden zu sein.

Warum wohl?

Wem da gedacht wird, also Soldat oder Nazi, Jude oder Rom, ziviles Bombenopfer oder Burschenschafter, ist ja offenbar für die jeweilige andere Gruppe nicht so klar, nur tot muss er halt sein, der dem gedacht wird und sich daher nicht mehr wehren können.

Warum freue ich mich nicht?

Ich kann mich nicht darüber freuen, wenn ein Land 68 Jahre benötigt, um draufzukommen, dass es befreit wurde:

Hätten wir uns 1938 wirklich mehrheitlich als Opfer gefühlt und nicht nur bedauert, dass die hausgemachte faschistische Minidiktatur von außen „unfreundlich übernommen“ wurde, dann wäre unsere Leitung nicht so lange gewesen.

Hätten wir uns in dem Angriffkrieg, den das Deutsche Reich 1939 lostrat als Mittäter gefühlt, hätten wir nach 1945 die 10 Jahre Besatzung durch die Alliierten als gerechtfertigte Strafe auffassen können. 
So haben wir aber erst den Abzug der Alliierten, den wir 1955 in erster Linie den Strategen des Kalten Krieges und weder der Anerkennung unseres Opferstatus noch unser demokratischen Läuterung zu verdanken hatten, als großen Tag der Befreiung hochstilisiert.
Dadurch entstand das Vakuum, in das umstrittene „Totengedenken“ der „Burschenschafter“ stieß, von dem ja auch noch zu klären ist, weshalb das „offizielle Österreich“ nicht früher eingeschritten ist, wenn ohnehin klar war, dass hier das Ende des III.Reiches betrauert wurde, bzw. dessen „Verdrängung durch Beethoven“ nun hinterfragt werden sollte, wenn die Motive der lustig gekleideten Herren so lauter waren, wie sie behaupten.

Ich kann mich nicht freuen, weil mit dem jetzigen „Fest der Freude“ keine der bestehenden Unschärfen im geschichtlichen Selbstbild Österreichs beseitigt und nur noch einige hinzugefügt wurden. 
Wir erleben eher einen Kampf um die Deutungshoheit als eine Deutung.

Dazu passt auch, dass Begriffe wie „Hitler-Deutschland“, die suggerieren, dass alles zwischen 1933 und 1935 die „Fehlleistung“ eines gescheiterten oberösterreichischen Kleinbürgers war, sich offenbar unausrottbar in unseren Sprachgebrauch eingenistet haben: (http://www.google.com/news/story?pz=1&cf=all&ned=de_at&hl=de&q=Hitlerdeutschland&ncl=dLnXtFVsg6SBx4MfetRdgoUnNG62M&cf=all&scoring=d)  

Wenn wir uns nicht einmal noch wirklich geeinigt haben, wie wir das damalige Regime nennen sollen, scheinen wir noch meilenweit von eine mehrheitsfähigen Einschätzung unserer Rolle entfernt. Wir werden auf dem jetzigen Standpunkt wohl auch noch weiterhin verweilen, wenn wir – vor lauter Angst aus der Deckung zu kommen, nicht endlich den Mut aufbringen 
von einem unrealistischen Schwarz-Weiss (SW) Denken in die Grautöne der Wirklichkeit aufzubrechen.

Opfer werden zu Tätern
Täter werden zu Opfern
Die, die nichts tun, gehören dazu …

Ich bin hier aber sehr pessimistisch, was ein kleiner Standortwechsel zeigt:
Kaiserin

Im Freiluftmuseum Niedersulz (http://www.museumsdorf.at/de/default.asp
findet sich im Rahmen einer Ausstellung, in der die Vertreibung der südmährischen „Deutschen“ thematisiert wird ein Gedenkstein, der abfeiert, dass „Am Pfingstmontag 1983 
IHRE MAJESTÄT, KAISERIN ZITA VON ÖSTERREICH“ 
eine Linde gepflanzt hat.
Das Adelsaufhebungsgesetz 1919 (http://de.wikipedia.org/wiki/Adelsaufhebungsgesetz) wurde auch bei der Bestattung Zitas von Bourbon-Parma 6 Jahre später mehrfach, jedoch straflos, missachtet, was beweist, dass unser Land selbst zu politischen Ereignissen, die fast 100 Jahre vergangen sind, keinen Zugang findet. 

Selbstverständlich wäre es im besten Sinn des Wortes „kakanisch“, wenn nun die zuständige Bezirkshauptmannschaft Bundesgesetz 50/1948 die Verwaltungsstrafe von 4000 Schilling verhängen würde, aber die Angelegenheit zeigt uns auch grell die Probleme auf, die entstehen, wenn wir glauben, durch das Dickicht unserer Vergangenheit im Bedarfsfall durch eine Rettungsgasse durchflitzen zu können.

Ein „Haus der Geschichte“ hätten wir wirklich notwendig. Wir werden es kaum schaffen einen akkordierten Text zu den letzten 100 Jahren unserer Geschichte zu verfassen, aber wir können es ja so wie im Dallas Book Depository (http://www.jfk.org/) machen, wo an nebeneinander stehenden Wänden alle Theorien um Kennedys Ermordung affichiert sind. 
Zumindest der Einzelne kann daraus für sich eine Synthese ziehen, jedenfalls aber nicht mehr sagen, dass er davon nichts gewusst hat.

Das wäre ein Fest der Freude.

PS: Persönlich ziehe ich selbstverständlich Beethoven am Heldenplatz vielen anderen Aktivitäten uniformierter Männer vor, nur war das nicht das Thema …

Was lange verhandelt wird: Die Gesundheitsreform und das Ende des Sozialstaates

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Morgen, am 13.6. sollen die Eckpunkte des neuen Gesundheitssystems unterzeichnet werden, die Bund, Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Länder vereinbart haben. Die Wiener Zeitung (Gesunde Grenzen für die Kostenspirale) scheint im Gegensatz zu vielen anderen (z.B. die Ärzteschaft) vorinformiert. Die nachfolgenden Einträge stammen aus diesem Artikel: http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/top_news/?em_cnt=464137
Der „Wiener Zeitung“ liegt das Papier vor, das Finanzministerin Maria Fekter, Gesundheitsminister Alois Stöger, Landeshauptmann Josef Pühringer, Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, Hauptverbands-Präsident Hans-Jörg Schelling und die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkassen Ingrid Reischl am Mittwoch unterzeichnen werden. Ab 2013 soll aber eine gemeinsame Zielsteuerung der überbordenden Kostensteigerung – vor allem im Spitalsbereich Einhalt gebieten. Ein bundeseinheitliches Krankenanstaltengesetz wird es aber nicht geben, die Länder beharren auf ihren Landesgesetzen.
Das heißt, der Bund geht erneut vor den Landeshauptleuten in die Knie. Die letzten Jahre hat gzeigt, dass es für den Bund, der letztlich für die anfallenden Defizite aufkommen muss, die bauwütige (http://wp.me/p1kfuX-k5http://wp.me/p1kfuX-kg) Landesfürsten anrichten.  Morgen, Mittwoch, soll eine „Politische Vereinbarung über ein partnerschaftliches Zielsteuerungssystem für das österreichische Gesundheitswesen und einen Ausgabendämpfungspfad für die öffentlichen Gesundheitsausgaben“ unterzeichnet werden. Damit wird die Basis geschaffen, auf der eine Vereinbarung gemäß Artikel 15a der Bundesverfassung unter Beteiligung der Sozialversicherung erarbeitet werden kann.
Ich weiß ja nicht, ob diese Formulierung akkordiert ist, aber dass, nachdem die Kammern in den Verfassungsrang gehoben wurden, auch die Sozialversicherung in einen Prozess eingebunden wird, der in der Bundesverfassung nur zwischen Ländern und Bund abzulaufen hat, ist m.E. bizarr. Diese soll im Oktober fertig sein. Mit 1. Jänner 2013 sollen das gemeinsame Zielsteuerungssystem und die Ausgabenobergrenzen in Kraft treten. Mit 1. Jänner 2013 sollen das gemeinsame Zielsteuerungssystem und die Ausgabenobergrenzen in Kraft treten.
Das Bild (Copyright liegt bei Hauptverband und Wiener Zeitung) zeigt die beabsichtigten „Kostendämpfungen“ Bund, Sozialversicherung und Länder legen gemeinsam ein sektorenübergreifendes (intra- und extramuraler Bereich) Zielsteuerungssystem vor, das Versorgungs- und Finanzziele beinhaltet. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben dürfen künftig nicht stärker als das BIP wachsen.
Wie kürzlich schon hier (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=67163) angesprochen, besteht notgedrungen ein Zusammenhang zwischen Wirtschaftsleistung einer Gesellschaft und den Steuereinnahmen und Geld, dass die öffentliche Hand nicht hat, kann sie nicht ausgeben. Es widerspricht aber sowohl dem Versicherungs- als auch dem Solidaritätsgedanken, dass ich im aktuellen Schadensfall nur das bekommen kann, was ich gerade einzahle. Gerade die antizyklischen Aktivitäten der öffentlichen Hand stabilisieren das Leben der Bürger, wenn die Wirtschaft ihre Schweinezyklen abfeiert.
Es ist auch bemerkenswert, dass NOCH NIEMAND eine BINDUNG DER WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG ODER BANKENRETTUNG an das BIP gefordert hat, sondern man sich stets an den Gesundheits- und Sozialsystemen bedient.
Die Länder erhalten ein virtuelles Budget, das sich Sozialversicherung und Land aufteilen müssen. Es bleibt also eine Entscheidung der beiden Partner auf Länderebene, ob sie Ambulanzen abbauen und dafür den niedergelassenen Bereich stärken oder eben umgekehrt. Wichtig ist dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger, dass hier gut abgestimmt wird. Einen Ausbau der Ambulanzen bei gleichzeitiger Erhöhung der Gruppenpraxen oder der Verlängerung der Ärztepraxen-Öffnungszeiten wird es nicht geben. Hier ist bemerkenswert, dass zwar der Hauptverband in den Spitalsbereich hineinregieren kann, für den er im Schnitt weniger als die im Artikel angegebenen 50% beiträgt, umgekehrt aber nicht darauf reagiert wird, dass die SPITALSAMBULANZEN DESHALB ÜBERLASTET SIND, WEIL DER NIEDERGELASSENE BEREICH nicht funktioniert.
„Es ist ein Kompromiss und nicht die beste Lösung“, analysiert Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom Institut für höhere Studien das vorliegende Papier für die „Wiener Zeitung“. Aber immerhin gebe es eine vertragliche Verpflichtung zu Ausgabenobergrenzen. Hier stiert einem die Unvernunft mit glasigen Augen an. Hauptsache „Deckel“! Wir wissen eh, dass das System schlecht ist, aber dafür beschränken wir die Kosten.
Verantwortlichkeiten nicht geklärt
So kritisiert Czypionka etwa, dass die Verantwortlichkeiten nicht geklärt sind: „Wenn die Versorgungsziele nicht erreicht werden, wer ist dann wem gegenüber Rechenschaft schuldig?“ Das sind wir gewöhnt: Im ÖSG (Österr. Strukturplan Gesundheit) kann stehen was will, wenn der Gesundheitsstadtrat nicht will, werden defekte Großgeräte drei Jahre lang nicht ausgetauscht, hat man einen guten Draht zu ihm, dann sprudeln die Mitteln nur so.
Wenn das alles so kommt, wie es die Wiener Zeitung schreibt (und auch andere Informationen sprechen seit vielen Wochen dafür), dann haben wir es mit folgenden Fakten zu tun.

DER SOZIALSTAAT, DER IN WIRTSCHAFTLICHEN KRISEN GEGENSTEUERN KANN (wenn er es noch kann) WIRD DURCH EINE KOSTENBINDUNG AN DAS BIP ENDGÜLTIG BEGRABEN.

DIE POLITIK NIMMT SICH WIE SCHON IM FISKALPAKT JEDE INTERVENTIONSMÖGLICHKEIT UND HAT ABGEDANKT.

DIE BÜRGER (ARBEITNEHMER UND ARBEITGEBER) MÜSSEN ZWAR UNTER DEM TITEL „KRANKENVERSICHERUNG“ ZAHLEN, DABEI HANDELT ES SICH JEDOCH UM KEINE VERSICHERUNG MEHR.

SOLANGE ES LANDESHÄUPTLINGE GIBT, WIRD ES IN DIESEM LAND KEINE FINANZIERUNG DES GESUNDHEITSWESEN AUS EINER HAND GEBEN.

Written by medicus58

12. Juni 2012 at 17:02

Der diskursive Reflexbogen oder PC = das Ende der Aufklärung

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Als Reflexbogen (http://de.wikipedia.org/wiki/Reflexbogen_%28Physiologie%29)  wird die kürzeste Verbindung zwischen Reiz aufnehmender und die Antwort steuernder  Nervenzelle bezeichnet. Typischerweise werden hier – um Zeit zu sparen – die Nervenzellen der Großhirnrinde gar nicht einbezogen.

Als politische Korrektheit (PC; http://de.wikipedia.org/wiki/Political_correctness) hat sich – ausgehend von den USA – eine Haltung auch zu uns verbreitet, die bestimmte Begriffe tabuisiert und durch scheinbar „neutrale“ zu ersetzen sucht.

Dagegen ließe sich erstens einwenden, dass dadurch die Ungerechtigkeiten nicht aus unserer Welt geschafft wurden, sondern nur deren Benennung, zweitens, dass uns schon Freud vor der Ausbreitungstendenz von Tabus gewarnt hat (früher: „Krüppel“ , dann: „Behinderter“, heute: „Personen mit besonderen Bedürfnissen“; morgen: ??) und drittens, dass dieser „Neusprech“ durchaus nicht neutral sein muss, sondern ebenso missbräuchlich verwendet werden kann (G. Orwell 1984).

Der Zusammenhang mit der „physiologischen Einleitung“ ist einfach: Hat man sein „korrektes Vokabular“ drauf, dann kann man pfeilschnell Zensuren verteilen, ohne sich durch den Gebrauch seiner Großhirnrinde verunsichern zu lassen. Eine „philosophische Kritik“ dieses Phänomens stammt von Rudolf Burger( „Wiener Zeitung“ vom 2. Juni 2007): „Es ist erstaunlich, in welchem Maße politische Korrektheit als gesellschaftliche Selbstzensur um sich greift. Man kann vieles an der heutigen kulturellen und diskursiven Entwicklung nur verstehen, wenn man nach Amerika schaut. Um Europa zu verstehen, muss man Amerikanist werden, hat Sloterdijk einmal sehr richtig gesagt. Die Political Correctness ist ein Produkt des amerikanischen Diskurses, im Zusammenhang mit der Bürgerrechtsbewegung, mit der Affirmative-Action-Bewegung und dem amerikanischen Feminismus entstanden, der über sprachlichen Puritanismus versucht hat, gravierende Klüfte in der amerikanischen Gesellschaft abzubauen.  …. Wir erleben heute eine zunehmende Mikronormierung und Pädagogisierung des Alltags bis in die Sprache hinein. Das kann beängstigend sein. …. Das Beunruhigende ist, dass etwas Entscheidendes der europäischen Aufklärung damit zurückgenommen wird. Das wissenschaftliche, moderne Denken zeichnet sich vor dem vormodernen, theologisch imprägnierten u.a. dadurch aus, dass es in sich selber nicht häresiefähig ist. Einer, der eine abweichende Position hat, wird nicht als moralisch verwerflich gesehen. In der Physik gibt es immer noch Spinner, die glauben, die Relativitätstheorie ist falsch. Aber entweder argumentiert man gegen sie, oder man lässt sie links liegen. Nie werden sie als Häretiker, als Ketzer, als moralisch verwerfliche Individuen angesehen. Diese Errungenschaft wird jetzt zurückgenommen. Abweichende sind jetzt moralisch schlechte Menschen. Das gilt in der Geschichtspolitik, aber auch selbst in den Naturwissenschaften, in der Klimaforschung, der Meteorologie.“
Im Schutz eines Tabus lebt es sich bequem, die Kritiker müssen schweigen (http://www.zeit.de/2010/16/Sprache-Tabu/seite-1).
Wer glaubt, dass er mit dem

„Binnen-I“ für die geschlechtsübergreifenden Zungenbrecher, dem „N-Wort“ für die dunkle Schokolade mit Nüssen, dem „M-Wort“ mit dem dunklen Gugelhupf mit Schlagobersgupf, und dem „Z-Wort“ für den aus dem heutigen Indien stammenden Volksgruppen
schon alle Fallgruben erkannt hat, dem kann frau/man noch folgende Lektüre empfehlen: http://de.uncyclopedia.org/wiki/Political_correctness  http://relevant.at/meinung/64625/kleines-woerterbuch-political-correctness.story http://derstandard.at/3070872/Von-Negerkuessen-und-Mohrenkoepfen http://www.textfeld.ac.at/text/1251
Derartig auf munitioniert, korrekt gegendert und korrekt bis zum geht nicht mehr, lade ich Sie dann auf eine Reise nach Kapstadt ein und beobachte Sie dann prustend, wie sie die dortigen Personengruppen korrekt ansprechen …

Link: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54758

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