Sprechstunde

über alles was uns krank macht

I FICK DEI MOTTER

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Diese Aufschrift findet sich in der Umgebung des Weststadiums in Wien Hütteldorf. 
Angebracht wurde sie offenbar von einem Mitglied der Ultras 1988 (http://www.ultrasrapid.at/), da ein diesbezügliches Impressum, gleichsam ein „Bekennerschreiben„, knapp daneben aus offenkundig derselben Hand bzw. Sprühdose stammte.

Das Graffiti entspricht auch inhaltlich dem Credo dieser Gruppe:
In Österreich selbst werden keine Freundschaften gepflegt, auch wenn es in der Vergangenheit gute Kontakte zu den Verrückten Köpfen aus Innsbruck und Gruppen des GAK gab.“

Wir wollen hier gar nicht auf den erst jetzt 
in erster Instanz beendeten Prozess gegen 85 Rapid-Fans verweisen (http://derstandard.at/1331206901448/Causa-Westbahnhof-Weitere-fuenf-Rapid-Fans-muessen-ins-Gefaengnis
 oder uns an den Spekulationen beteiligen, 
ob denn Ultras bei den Ausschreitungen in Athen beteiligt waren (http://www.sportnet.at/de/rapidwien/102463253860/mischten_rapidultras_in_athen_mit).

Mir geht es auch nicht um ein Aufwärmen
meiner früheren Aussagen zu diesen Erscheinungen:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=38253
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=38325

oder mein Unverständnis, weshalb die Stadt Wien hier die 
Spendierhosen an hat, während sonst sparen angesagt ist:
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=48679

Was mich seit Monaten beschäftigt, solange prangen die Schriften nämlich dort schon, sind primär zwei Probleme:

Was will uns der Künstler sagen?
Warum sagt er es dergestalt?

Meinen ersten Kontakt mit diesem Topos hatte ich während eines Online Backgammon Spieles gegen einen mir unbekannten Mitspieler. Zur Erklärung sei hinzugefügt, dass es dabei, wie bei vielen Online-Spielen auch die Möglichkeit zum Chat gab. In der Vergangenheit entwickelten sich so oft kurzweilige Unterhaltungen, z.B. mit einem Griechen, der in die USA ausgewandert ist, sich dort mit Griechisch-Unterricht finanziell über Wasser hält, aber nur daran denkt, wie er wieder nach Hause kommen könnte, weil „die Amerikaner doch so kulturlos seien …“, oder mit einem Argentinier, der mir sagen konnte, wie es nun auf einem meiner Lieblingsplätze in Buenos Aires aussieht.

Als ich, was selten genug passiert, in einem Spiel einen guten Lauf hatte, schickte mir mein (in diesem Fall türkisches) Gegenüber folgende Meldung auf meinen Desktop:

ananı sikeyim

Als ich meinem Gegenüber freundlich mitteilte, dass ich ihn nicht verstehe und er mir, bitte, sein Anliegen auf Deutsch oder Englisch mitteilen möge, kam mit einiger Verzögerung, die Übersetzung, die man auch auf der Hütteldorfer Hausmauer lesen kann, nur sprachlich etwas besser, was für unseren Fall hier vielleicht auch bezeichnend ist.

Ich wünschte meinem „Gegner“ viel Spaß, nannte ihm das fortgeschrittene Lebensalter meiner Mutter und beendete den Chat.

In meinem ersten Erklärungszwang dachte ich, dass uns dieser Ausspruch in erster Linie vermittelt, dass es jüngere Gesellschaften als unsere gibt, in der der Verweis auf die mütterlichen Sexualität, noch eine realistische Bedrohung für das Opfer und keine Mutprobe für den Täter darstellt. (Wobei es natürlich offen bliebt, ob hier einverständlicher oder gewaltsamer Sex stattfinden soll…).
Da sich der unsägliche Sager aber offenbar auch im russischen Slang „Mat“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Russischer_Mat) findet und die Alterspyramide Russlands etwas steiler als die Anatoliens (sorry, für das pars pro toto) ist, bin ich mir hier nicht ganz sicher …

Vermutlich zeigt der Spruch, dass Sigi Freud mit seinem Ödipuskonflikt (http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96dipuskonflikt) noch immer nicht ganz anachronistisch wurde, will heißen, dass Mitscherlich mit seinem Kaspar-Hauser-Komplex falsch liegt und man manchen Mann mit der Eröffnung, man hätte sein Sehnsuchtsobjekt bereits konsumiert, noch immer tief zu treffen vermag.

Wenn wir uns nun aber der Form der Mitteilung annähern, dann fällt in erster Linie die 
esperantoartige, jede Grammatik verabscheuende, geradezu lautmalerische Umsetzung ins Ohr.

Mit Germish ist der Satz nur unzulänglich beschrieben. Er durchschreitet scheinbar mühelos mehrere Sprachebenen (von Niveaus zu sprechen verbiete ich mir einmal, um nicht zu scharf am absoluten Nullpunkt vorbei zu schrammen), gemahnt kurzzeitig an längst vergessene Lateinstunden, um sich dann in der phonetischen Umschreibung des Wortes „Mutter“, als das zu entlarven, was schon anfänglich zu befürchten stand: 

Ein Trottel, der seine inhaltliche und sprachliche Impotenz auf anderer Leute Wände abspritzt und sich nicht einmal der exakten Aussprache (egal ob hochsprachlich oder im Dialekt) eines der Worte sicher ist, das Kleinkinder als eines der ersten gelernt haben.

Während wir uns hier seit Tagen an den höheren Ausformungen 
sprachlicher Korrektheit (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54875
und visuellem Gendering 
(http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=54758) abarbeiten, 
zeigt uns dieses Beispiel, wo die wahren Hunde begraben sind:

In der abgrundtiefen Dummheit, die –im Gegensatz zu ihrem grammatischen Geschlecht- hier definitiv männlich ist.

Links für die, die es nicht glauben wollen:
http://www.deine-mutter.de/2009/03/20/deine-mutterde-is-back/  
http://de-de.facebook.com/pages/Ich-ficke-deine-Mutter-wenn-ich-klatsch/280319252016058
http://reime.woxikon.de/ger/ich%20ficke%20deine%20mutter.php

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