Sprechstunde

über alles was uns krank macht

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Hans Jörg, geh voran

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Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die Machtübergabe Jörg Haiders an seine Nachfolgerin (Susanne, geh voran) im damaligen Bienenzüchterverein BZÖ, jetzt könnte man den Sager umdrehen.

Hans Jörg Schelling, der als Haupverbandvorsitzender für eine Aufwandsentschädigung von monatilch 3000 € schon einmal die Lösung aller Probleme unseres Gesundheitssystems im Helpdesk gefunden hat (Drücken Sie die 1 wenn Sie krank sind oder die 0 wenn sie tot sind) krönt sein Karriere in dem er mit PRAEVENIRE, dem Gesundheitsforum Seitenstetten erneut uns allen voraus geht und:

den Patient im Mittelpunkt des Miteinander aller Interessensgruppen
stellt und mit Structure follows strategy zum Schluss kommt
PRAEVENIRE ist, dass es um Menschen und nicht Systeme geht.

Im Schlagschatten des Stifts Seitenstetten klingt der Ansatz auf Latein noch humanistischer und zukunftsforscher:

prae-veniō <venīre, vēnī, ventum>

praevenio(m. Akk.)zuvorkommen, überholen

Angesichts des Vorsitzenden und seiner Vita, vom XXXLutz-Steuerschoner und -Millionär zum Wirtschaftskämmerer und Finanzminister, mögen Zweifel aufkommen, ob es im bei seinen Aktivitäten nur um unser aller Gesundheit geht, aber auch dafür würde sich der Name seines Vereins eignen, gibt doch das Wörterbuch als weitere Übersetzungunsmöglichkeit auch Folgendes an:

praeveniovereiteln, verhindern

Aber schließlich findet man unter den Unterstützern auch die ÖÄK und die Wiener Ärztekammer, neben den üblichen Verdächtigen….

Written by medicus58

19. März 2019 at 17:11

AHA- Erlebnis oder Robin Hood im Wandel der Zeit

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Natürlich hat unser Bericht heute nix mit dem deutschen Psychologen Karl Bühler zu tun, der den Begriff Aha-Erlebnis prägte, aber vielleicht doch mehr als man auf den ersten Blick glaubt.

Denn letztendlich geht es hier schon um das plötzliche Erkennen von bislang nicht erkannten Zusammenhängen, wobei, der die diese plötzliche Einsicht erlebt, von der Richtigkeit seiner Lösung auch immer restlos überzeugt ist.

Weshalb sonst erleben wir gerade im Gesundheitssystem dies Fülle an Denkfabriken, Expertenrunden, ausgelagerten Gesellschaften, abhängigen und unabhängigen Experten und Beratern, die den Stein der Weisen im Gesundheitssystem finden wollen oder meist bereits vorgeben im Vollbesitz der Lösung zu sein, die nur noch heraus geschrien oder zumindest medial verkündet sein muss.

Als wären nicht Gesundheit Österreich Ges. m. b. H. (Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG)Fonds Gesundes Österreich (FÖG), Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG), Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment, Life-Science-Success, Weitmoser Kreis, … und noch Dutzende weiterer Thinktanks nicht genug, hat der umtriebige Herr Raidl (Präsident der Österreichischen Nationalbank) uns nun mit der Austrian Health Academy (AHA) beglückt und den Verein gleich mal als eine Art Robin Hood der Patienten vorgestellt.

„Wie Patientinnen und Patienten in Österreich für dumm verkauft werden

• Wie Lobbys und Partikularinteressen unser Gesundheitssystem schädigen
• Warum Patientinnen und Patienten vom System falsch behandelt und gesteuert werden?
• Wo und wie können die eingesetzten Mittel besser verwendet werden?
aha. , die unabhängige Denkfabrik für das Gesundheitswesen, präsentiert drängende Notwendigkeiten  und konkrete Lösungen.

Dkfm. Dr. Claus Raidl, aha. Präsident
(Anmerkung: Cartellverband (CV), ÖIAGVorstand, VOEST-Alpine, Austrian IndustriesBöhler-Uddeholm AG, jetzt Nationalbank) und 
Dkfm. Dr. Michael Kraus, aha. Vorstand
(Anmerkung: Obmann der Immobilienmakler!!)

wollen mit „objektiver Forschung gegen den Föderalismus im Spitalsbereich vorgehen„, was ja einmal ganz gut wäre und „sagen den Ländern den Kampf“ an, mit angepeilten zwei Millionen Forschungsgeldern, dass ihnen – natürlich auch ganz objektive Sponsoren geben sollen, die dafür ein Mitspracherecht bekommen.

Ab einem Förderbeitrag von 5.000 Euro pro Jahr haben Förderer Recht auf einen Sitz im aha-Förderbeirat, ab einem Förderbeitrag von 20.000 Euro auf einen Sitz im aha.-Aufsichtsrat.

Interessant ist, dass das grad jetzt durch die Medien geistert, denn ein weiteres Mitglied der AHA, Maria Hofmarcher-Holzhacker sprach schon vor fast einem Jahr (21.8.2017) in Alpbach von dem eben gegründeten Verein, der sich im Herbst offiziell zeigen wird. Ziel ist es, unabhängig von Einflüssen durch Politik und Industrie, Patienten Gehör zu verschaffen. Derzeit arbeiten wir am Webauftritt, einen Vorstand und ein Präsidium gibt es bereits.

Der Auftrag für die Webbegleitung dürfte inzwischen an Foggensteiner Public Relations GmbH  gegangen sein.

Als an der Front des Gesundheitssystems Arbeitender kriegt man ja schon eine Gänsehaut, wenn man von Experten wieder einmal „Lösungen vorgesetzt bekommt“, aber neben all dem Geschwurbel, das da verbreitet wird (wir wissen eh woran es krankt, dazu brauchen wir keine Experten und Besserwisser) und offenkundig partikularer Interessen (Die Brustkrebsversorgung in Krankenhaus Hietzing erfolgt aus einer Hand), ist mir eines aufgefallen, was vielleicht Hoffnung macht:

Die AHA will ein aus einer Hand finanziertes Gesundheitswesen, und das finde ich auch sinnvoll.
Wenn die sich mit den Ländern und den Kammern anlegen wollen, dann haben sie auch schon ohne einen Cent Sponsorengeld entdeckt, weshalb gerade das bislang nicht zu verwirklichen war.

Etwas Gänsehaut überkommt einen dann wieder, wenn man im FirmenABC (Stand 4.6.2018) nachschaut, welche Beteiligungen und Funktionen Herr DKFM Dr. Michael Kraus so hat:

Funktionen von Herrn Dkfm. Dr. Kraus Michael:

Am Sitz der Donau-Finanz Treuhand, fand auch oben erwähnte Pressekonferenz statt. Deren Tätigkeitsbeschreibung liest sich dann auch nicht mehr so ganz patientenaffin:
Finanzierung, Projektmanagement und Immobilienentwicklung (Einzelhandel, Gewerbe und Freizeitindustrie) sowie Bauträger, Vermietung und Centermanagement; Weiters unterhält man Tochterunternehmen und Beteiligungen in der Immobilienentwicklung, Beratung und Verwaltung, im Tourismus-Consulting Bereich, in der Hotelentwicklung und Hotelführung, der Umweltberatung und in der Abfallwirtschaft.

Komisch, vom Robin Hood aus Sherwood Forest, dem Beschützer der schutzlosen Patienten, dem Rächer der enterbten Patienten, sind keine Firmenbeteiligungen überliefert.

OK, meine Hoffnungen schwinden wieder ….

Written by medicus58

4. Juni 2018 at 19:07

Who the fuck is ALEC

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Hinter dem Akronym steht das 1973 ins Leben gerufene 
American Legislative Exchange Council (http://www.alec.org/), 
eine nach eigenen Angeben unparteiische (!) Vereinigung konservativer (!!) Gesetzgeber aus den amerikanischen Bundesstaaten, „die ein gemeinsamer Glaube freie Märkte und Föderalismus“ aber auch eine Ablehnung an die „ferne, aufgeblähte Bundesregierung in Washington,DC“ eint.

Für uns hier kann es ein Lehrstück aus der Gruselkammer des Neoliberalismus sein, wie aus der Aufweichung gesamtstaatlicher Autorität, unter dem Deckmantel von mehr Demokratie und Föderalismus, der Weg über Lobbying dazu führt, dass schließlich finanzstarke Großkonzerne unseren Parlamentariern Gesetze diktieren.

Das Konzept von Alec Task Forces stammt aus den frühen Tagen der ersten Reagan-Administration, als der Präsident 1982 eine nationale Task Force für Föderalismus gründete.

Im Jahr 1981 arbeitete Alec die Methoden zur Dezentralisierung der bundesstaatlichen Macht. 1982 begann beschäftigte sich ALEC mit dem Gesundheitswesen, 1983 mit dem Bildungssystem.
Nach dem Ende der Reagan-Administration entwickelten sich die Taskforces zu Think Tanks, die heute nach eigenen Angaben hinter jährlich 1000 Gesetzesvorschlägen stehen, von denen 20% als Gesetze beschlossen werden.

Erst seit 2011 organisierte sich in den USA der öffentliche Widerstand. (http://en.wikipedia.org/wiki/American_Legislative_Exchange_Council). 

Vor einigen Tagen berichtete auch die angesehende NYT (http://www.nytimes.com/2012/03/26/opinion/krugman-lobbyists-guns-and-money.htm ), als ruchbar wurde, dass es eine der Gesetzesvorlagen in Florida wortident zum Vorschlag von ALEC durch die Abstimmung schaffte.

Auf Alex exposed (http://alecexposed.org/wiki/ALEC_Exposed) wird aufgelistet, welche Politiker hinter ALEC stecken und
 wer das Ganze auch finanziert (Liste nur auszugsweise widergegeben):

Altria (formerly Phillip Morris tobacco)
AT&T
Bayer
Coca-Cola
ExxonMobil
GlaxoSmithKline
Johnson & Johnson
Koch Industries
Kraft Food
Peabody Energy (weltweit größter privater Kohleproduzent)
Pfizer
Reed Elsevier
United Parcel Service
Wal-Mart

Allein, die ALEC Konferenzen kosten ca. 2 Mill. US$/Jahr,
ALEC gibt die Kosten für seine Taskforces mit 2,5 Mill. US$ an.

Wenn einige in Österreich dzt. angewidert von all den Inseraten, Murmeltierjagden und Liechtensteinschen Konten nach einem Ende der Untersuchungen von sogennanter „Lobbyisten“ rufen, dann verschliessen sie die Augen, wie groß auch die Gefahr bei uns ist, dass die parlamentarische Demokratie noch mehr zum Spielball finanzstarker Interessen des Großkapitals wird.

Im Gegensatz zu „den alten Zeiten“ stehen aber hinter dem Begriff Großkapital
nicht fette Zigarren rauchende Einzelpersonen oder Familien, 
sondern 
hoch effizient organisierte Armeen von Rechtsanwälten, Wissenschaftern, Gutachtern, Beamten, PR-Profis, … etc.

Das ist ganz was anderes, als die „Sorgen über die drei Ks der Korruption“ (Kugelschreiber, Kaffee, Klumpert) über die sich unser Transparency International Aushängeschild Franz Fiedler gestern auf Ö1 Gedanken machte:
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120326_OTS0056/geschmierte-republik-klartext-am-273-im-orf-radiokulturhaus
http://oe1.orf.at/programm/298997

Hier geht es auch nicht um die Korruption des kleinen Beamten, der bei einer Baugenehmigung ein Auge zugedrückt hat, hier geht es ums Ganze unseres Staates.

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