Sprechstunde

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Weight Watchers in der Wiener U Bahn

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Jetzt kann es einem schon wirklich den Magen umdrehen, wenn jemand in einer überfüllten U Bahngarnitur seine Knoblauch-verstärkte Pizzaschnitte verzehrt, aber angesichts der nun permanent aufpoppenden Warnungen, wenn das Signalssytem nicht grad wieder ausgefallen ist, beschleicht einen schon der Verdacht, dass die Wiener Verkehrsbetriebe eine Produktpartnerschaft mit den Weight Watchers eingegangen sind.

Das irritiert umso mehr, als die Stadt Wien ja seit Jahren ihre Stationen an die Stroecks, Manns, Ankers, Burger Kings und ähnliche Hütten vermieten, deren Zweck u. A. gerade darin besteht, dem eiligen Fahrgast einen Imbiss zu verkaufen.

Am meisten ärgert mich aber dieses Big Brother Gehabe, das uns an allen Ecken und Enden des öffentlichen Raumes nur mehr mit Kameras überwacht, wo früher noch Personal für unsere Sicherheit angestellt war, und uns erklärt, was wir alles nicht machen dürfen, statt uns mitzuteilen was man für den zahlenden Fahrgast zu tun bereit ist. Zum Beispiel zu Stoßzeiten einen Platz in der U3 zu garantieren.

Mich reizt es langsam mich mit einer fetten Stelle mit Krenn und Handsemmerl auf den Bahnsteig aufzupflanzen und selbige Köstlichkeit mit einem 16er Blech hinunter zu spülen.

Werde ich dann abgeführt, begeht der Schwarzkappler Mundraub und würde mir ein gut gefälschter Diabetiker Ausweis wieder den Freigang verschaffen?

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Written by medicus58

28. Januar 2019 at 22:36

Anonymität im Netz: Cui bono?

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Sicherheit
dagegen läßt sich nichts sagen, 
sicherlich.

Jede Einschränkung, jeder Strip am Flughafen, der x-te Sicherheitscode auf unseren Kreditkarten dient doch nur zu unserer Sicherheit.

Mit dem Verweis unsere scheinbare Unsichheit zu vermindern, vermehren die Mächtigen stets nur unsere Ohnmacht!

Viele Argumenten für das Recht auf eine Anonymität im Netz, wurden in den besseren Feuilletons unserer Presse bereits vorgebracht:

Das Internet ist das unanonymste Medium der Menschheit. Jede kleinste Aktion wird, technisch bedingt, irgendwo mitgespeichert, jeder Nutzer wird gleich von mehreren Stellen im Netzwerk erkannt, jeder Aufenthaltsort ist nachvollziehbar. Dennoch kommen seitens der Politik immer wieder Forderungen auf, den „rechtsfreien Raum Internet“ noch stärker zu überwachen und Anonymität unmöglich zu machen – obwohl man längst nur noch gegenüber dem Durchschnittsnutzer anonym ist, nicht aber gegenüber dem Staat oder dem Internetprovider.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/anonymitaet-im-netz-keine-angst-vor-der-freiheit-11861210.html 

Die 37 Millionen Mails, die der Bundesnachrichtendienst im Jahr 2010 ohne nennenswerten Ermittlungserfolg durchschnüffelte, die wahllose Handy-Ortung bei den Dresdner Anti-NS-Demonstrationen im vergangenen Jahr, sind wenig Anlass, dem staatlichen Vordringen in die vom Fernmeldegeheimnis offenbar schwach geschützte Privatsphäre gelassen zuzusehen.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/anonymitaet-im-netz-die-macht-der-namenlosen-11728841.html

Ein Argument fehlt jedoch:

Wie schon in meinem Beitrag Warum pfeifen die Spatzen nicht oder pfeifen sie schon drauf? (http://wp.me/p1kfuX-jg) ausgeführt, verbieten verschiedene gesetzliche Regelungen, dass die subjektive Wahrheit gesagt werden kann.

Das in dem Beitrag angesprochene Beamtenrecht verbietet eine namentliche Meinungsäußerung zu vielen gesellschaftlichen Themenkreisen, so dass dem parteipolitischen Standpunkt der Machthaber keine Korrektur entgegengestellt werden kann.
Verstehen Sie mich richtig, natürlich muss die subjektiv empfundene Wahrheit nicht näher an der Realität sein, als der Pressedienst öffentlicher Stellen, jedoch funktioniert die öffentliche Meinungsbildung nur dann, wenn möglichst alle Argumente, richtige wie falsche, bekannt sind.

Auch die ansonsten interessante Recherche des Falter über Netzanonymität(http://www.falter.at/falter/2012/11/06/die-tater-hinter-der-tastatur/) negiert diesen Aspekt.

Stöbert man die besseren Online-Foren unserer Medien durch, dann finden sich unter den üblichen Trolligkeiten auch immer wieder Beiträge, die ganz offenkundig von „Insidern“ verfasst werden. Auch in der Privatindustrie können sich viele Mitarbeiter namentlich kaum ohne Verletzung ihrer Arbeitsverträge zu Vorgängen in ihren Betrieben äußern. 

Selbst der Vorstand börsennotierter Firmen läuft in Gefahr von seinen Aktionären geklagt zu werden, wenn seine Stellungnahmen – auch wenn sie faktisch richtig sind, den Aktienkurs gefährden …

Verbieten wir die anonyme Meinungsäußerung im öffentlichen (und virtuellen) Raum, dann führt dies zu einem Informationsverlust zu Gunsten derer, die bereits jetzt die Kontrolle über die Meinungsbildung innehaben.

Die individuelle Prüfung, ob es sich bei einer Behauptung um einen persönlich als wahr empfundenen Inhalt handelt, bleibt uns ohnehin nicht erspart. 
Da ist es gleichgültig ob die Äußerung mit einem Kürzel, dem Namen einer Person oder einer Zeitungsredaktion gekennzeichnet ist. Wie wir gesehen haben, kann sich im letzten Fall auch Copy and Paste Schwachsinn verbergen (http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35333),

Vielfalt kann gefährlich sein, 
Kontrolle durch die Mächtigen ist es immer!

Links:

Sicherheit im Netz:
Das Internet ermöglicht unterschiedlich weitgehende Formen der Anonymität. Eingeschränkt wird diese beispielsweise dadurch, dass bei jeder Kommunikation im Internet eine IP-Adresse mitübertragen wird.
http://de.wikipedia.org/wiki/Anonymit%C3%A4t_im_Internet

Written by medicus58

12. November 2012 at 07:18

Wer A sagt muss auch F wie Freiheit sagen

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Freiheit klingt gut!

Sie wurde spätestens seit der Aufklärung zu einem zentralen Begriff des europäischen Geisteslebens.

Ob Kant die Aufklärung als Werkzeug des Menschen definiert, um sich aus selbstverschuldeter Unmündigkeit zu befreien, 
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“
oder ob sich verschiedensten politische Strömungen berufen fühlten, den Menschen (oft auch gegen ihren Willen von Hab, Gut und Leben) zu befreien, die individuelle Autonomie des Subjekts war, was der aufgeklärte (europäische) Mensch anstrebte. 
Auch für anarchistische Denker war der Freiheitsbegriff von zentraler Bedeutung:

„Wir sind überzeugt, dass Freiheit ohne Sozialismus Privilegienwirtschaft und Ungerechtigkeit, und Sozialismus ohne Freiheit Sklaverei und Brutalität bedeutet.“
Michail Bakunin

„Die Autorität ist also die erste soziale Idee des menschlichen Geschlechtes gewesen. Die zweite hat darin bestanden, unmittelbar an der Abschaffung der Autorität zu arbeiten.“
Pierre Joseph Proudhon

Dass das manche, wie F.-J. Strauß das nicht so ganz mitbekommen haben:

„Die Demokratisierung der Gesellschaft ist der Beginn der Anarchie, das Ende der wahren Demokratie. Wenn die Demokratisierung weit genug fortgeschritten ist, dann endet sie im kommunistischen Zwangsstaat.“ – Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 11. Januar 1978

ändert nichts daran, dass die meisten von uns das Ideal der größtmöglichen individuellen Freiheit, wenn schon nicht in unseren Köpfen, so doch in unseren Schulaufsätzen bewahrt haben.

„Niemand kann mich zwingen, auf seine Art (wie er sich das Wohlsein anderer Menschen denkt) glücklich zu sein, sondern ein jeder darf seine Glückseligkeit auf dem Wege suchen, welcher ihm selbst gut dünkt, wenn er nur der Freiheit Anderer, einem gleichem Zwecke nachzustreben, die mit der Freiheit von jedermann nach einem möglichen allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann, (das ist diesem Rechte des Andern) nicht Abbruch tut.“
I. Kant

Freiheit ist das Recht, alles zu tun, was anderen nicht schadet.
Pierre Joseph Proudhon

Ich kann mich noch gut an manche Philosophiestunde erinnern, in der dieser wunderbare Hymnus auf die Freiheit durch folgende ketzerische Frage unterbrochen wurde:

„Freiheit, ja schön und gut, aber Freiheit wovon?“

Wie viele generell positiv besetzte Begriffe, ist auch der Begriff der Freiheit nur sinnvoll, wenn man ihn auch gleich abgrenzt; konkret welcher der mannigfachen Fußangeln des Lebens man sich konkret entledigen will.

Im intellektuellen Sinn war Kant (http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant
ohne Zweifel einer der freiesten Denker der europäischen Geschichte. Erst im Alter von 46 Jahren in die schon lange angestrebte Position eines Professors für Logik und Metaphysik an der Universität Königsberg aufgestiegen, nur um 11 Jahre später mit einem seiner Hauptwerke (Kritik der reinen Vernunft) die Metaphysik, also eigentlich Zweck und Inhalt seiner Position, endgültig abzuschaffen, das hatte schon was.
Ob der inzwischen sprichwörtliche Eigenbrötler mit all seinen kleinbürgerlichen Gewohnheiten auch unserem heutigen Ideal eines äußerlich Freien entsprochen hätte, mag angezweifelt werden. 
Frei von Konventionen war Kant im Denken, nicht so sehr im täglichen Leben. 

Dazu passt wieder eine Schnurre meines hoch verehrten „Bertl
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=40086  
In seinem Denken freier, als es so manche Eltern in den 70ern für ihre Sprösslinge als gut empfanden. Zu einer Zeit, in der wir unsere Individualität durch lange Haare und möglichst abgewetzte Jeans beweisen wollten, trat er stets in (wenn auch verschnuddeltem) Anzug und konservativer Krawatte auf. Als er einmal in der letzten Stunde des Nachmittagsunterrichts -sehr zu unserer Verwunderung – während eines Referates seinen elektrischen Rasierapparat herausholte, um sich zu rasieren, meinte er nur verständnislos, dass er heute noch in die Oper gehen würde und es sich da doch gehören würde, nur glatt rasiert aufzutauchen …
Mir fällt dieses G’schicht’l hier ein, weil ganz gut zum Thema passt:

Wir sind selten VÖLLIG frei, man kann sich sogar völlig unkonventionell an Konventionen binden.

Einmal, danach kehren wir sofort wieder zum Thema dieses Artikels zurück, haben wir „Bertl“ sogar in dieser Diskrepanz ertappt: Als er uns vorwarf, dass unser einheitliches Outfit in „Jeans und T-Shirts“ kein Zeichen einer „Befreiung“ sondern eine von der Modeindustrie angebotene Uniformierung war, schnappte er kurz nach Luft als der „Resi“ ihn fragte, weshalb er den Krawatte trägt. Soweit ich mich erinnere, murmelte er etwas von seiner Freiwilligkeit anzuerkennen, dass sich „das einfach so gehört“, …. jedenfalls schien er für einen kurzen Augenblick etwas weniger stringent und unsicher.

Ein großes Missverständnis der meisten Aufklärer ist der kaum zu rechtfertigende Optimismus, der sich in der Entwicklung „der Linken“ fortsetzte, dass der einmal „aufgeklärte“ (oder „befreite“) Mensch letztlich alle Aspekte der Freiheit anstreben wird.

Die Geschichte lehrte aber, dass sich in den meisten Gesellschaften viele Menschen mit Teilen der Freiheit begnügen, ohne ein allumfassenden Freiheitsideal anzustreben.

In manchen Gesellschaften nehmen wir gerne an, dass dies nicht ganz freiwillig passiert:

Extrem führt uns das die VR China vor Augen. Als ich Ende der 80er Jahre ein Monat durch das Land trampte, war ich überzeugt, dass das damals begonnene Experiment der weitgehenden wirtschaftlichen Freiheit ohne eine sich parallel entwickelnde „bürgerliche“ Freiheit auf längere Sicht nicht funktionieren kann.

Blicken wir aber auf so genannte „westlichen“ Gesellschaften, scheint das Bedürfnis nach mehrdimensionaler Freiheit, die über die Freiheit des Konsums hinaus geht, auf wenige Außenseiter beschränkt. 

Themen wie die ab 1.April in Österreich wirksam werdende „Vorratsdatenspeicherung“ 
(http://de.wikipedia.org/wiki/Vorratsdatenspeicherung), 
die schon Orwell’sche Dimensionen annehmenden
Datensammlung von REWE bis Facebook
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33358
die Auswirkungen des Anti-Produktpiraterie- Handelsabkommen (ACTA) http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement,
der verpflichtende Austausch von Bankdaten (SWIFT) für Flugreisende in die USA, … die Liste ist endlos,
all das findet in der öffentlichen und veröffentlichten Diskussion wenig Raum.

Vorsicht ist somit geboten vor jenen, die gerne ihren Ideologien den Begriff der Freiheit voran stellen, wenn sie das ursprüngliche Ideal durch rücksichtlose Beschränkung auf nur einen einzelnen Aspekt nahezu pervertieren:

Freiheit ist der Zustand, in dem ein Mensch nicht dem willkürlichen Zwang durch den Willen eines anderen oder anderer unterworfen ist.“

sagte Friedrich von Hayek, der Ahnvater des Neoliberalismus und Säulenheiliger all jener, die an die geheimnisvollen, jedoch benevolenten Kräfte des Marktes glauben wollen, ohne die humanistischen Voraussetzungen individueller Freiheit anerkennen zu wollen. Nach den letzten Finanzkrisen sind es diese Kreise, die in der augenblicklichen Situation kein Versagen ihrer Ideologie sondern ein Versagen aller („auch die Häuselbauer waren gierig“) aber in erster Linie des Staates („die Politiker haben zugeschaut“) sehen wollen.

Vermutlich müssen wir uns damit abfinden, dass ein derartig mannigfaltiger Begriff, wie der der Freiheit, für den täglichen Gebrauch, nahezu unbrauchbar ist, es sei denn, man verwendet ihn wie einst Voltaire:

„Ich bin nicht Eurer Meinung, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr Euch ausdrücken könnt.“

Ob er das wirklich so gesagt hat, darüber herrscht jedoch Unklarheit.

„Die Freiheit nehm’ ich mir!“ -VISA
http://www.youtube.com/watch?v=U8pgscP7Rzw http://www.gwa.de/images/effie_db/1997/72537_244_Visa.pdf

Written by medicus58

28. März 2012 at 08:46

Schwarmintelligenz benötigt Freiheit und Unabhängigkeit

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Der Begriff der Schwarmintelligenz, also dass das Ergebnis einer kollektiven Anstrengung qualitativ zu einer Lösung führt, die höherwertiger ist, als es sich die Intelligenz aller Gruppenmitglieder hätte vorstellen können (http://de.wikipedia.org/wiki/Kollektive_Intelligenz )
ist inzwischen zu einem Modebegriff geworden.

Gerade das Web 2.X, also die Möglichkeit zur Partizipitation (Wikipedia, Like-Dislike,Tweet-Retweet, Blog-Kommentar) wird hier als proof-of-principle genannt. 
In einem interessanten Beitrag im gestrigen Online-Standard berichtet der Digitalexperte des „Guardian“ über eine neue Spielart („Open Journalism„), indem z.B. die Redaktion die User/Leser aufgefordert hat, eine nahezu unübersehbare Menge an Dokumenten zu sichten und die Journalisten dann gezielt auf die Wesentlichen Fakten aufmerksam zu machen. (http://derstandard.at/1331207355363/Public-Lecture-Chris-Moran-Interessante-oder-nuetzliche-Schlagzeilen-sind-tot)

Es entspricht auch meiner Erfahrung, dass in bestimmten Fällen die Forumdiskussionen innerhalb von Minuten kleine aber amüsante Tippfehler (Bundeshymen Diskussion: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=40176) und grobe faktische Fehler (Copy and Paste Journalismus: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=35333) aufzudecken.

Ein netter Fall war auch der Artikel über die Cheopspyramide im Online-Standard, bei der bereits der erste Forumuser (RaphaelHythlodeus) darauf hingewiesen hat, dass auf dem ursprünglichen Bild die Cheopspyramide nur im Hintergrund zu sehen war. (http://derstandard.at/1331206810811/Berechnung-Was-es-kosten-wuerde-die-Cheops-Pyramide-heute-zu-errichten?seite=3#forumstart)
Die Redaktion hat dann 29 Minuten gebraucht um das zu beheben…

Ich bezweifle zwar, dass es bei der zusätzlichen Partizipationsmöglichkeit des Web 2,0 der Wille im Vordergrund stand, die Schwarmintelligenz zu nutzen, vielmehr stand der Wunsch nach mehr „Traffic“ im Vordergrund; a
us dem selben Grund hören wir in vielen Radiosendungen permanent die Aufforderung, doch im Studio anzurufen und müssen dann mithören, das Herr oder Frau Mustermann gerade frühstücken oder das Mittagessen verdauen …
Bezweckt wird da kaum die Schwarmintelligenz sondern die Hörer-Bindung. Außerdem muss sich die Redaktion auch kein Thema (content) ausdenken, wenn sie auf die Einsamkeit, Eitelkeit und das Mitteilungsbedürfnis der User setzt … (wer an Talkshows denkt, denkt bisher richtig mit)

Einerlei, sehr oft verdanken wir bahnbrechenden Erfindungen nicht zielgerichteter Forschung sondern sie sind ein Abfallprodukt des wohlbeobachtetet Zufalls:

Cyclosporin wurde nicht als Immunsuppressivum sondern als Antibiotikum erforscht,
Viagra sollte eigentlich ein Herzmittel werden,
die Linzertorte war angeblich ein mißglücktes Rezept
und der Klebstoff der Post-it war initial auch ein Flop (http://de.wikipedia.org/wiki/Klebezettel).

Der wesentliche Punkt bei unser „digitalen Schwarmintelligenz“ ist, dass all die digitalen Medien, neben der Möglichkeit, dass
 viele Individuen gleichzeitig eine Information gegenlesen können, 
aber auch über das selektive Weiterleiten von Informationen, die man als richtig empfindet (Like, Retweet, …) 
AUCH OHNE MODERATION über Inhalte abgestimmt wird. 
Das entspricht dem Selektionsprinzip der klassischen Evolution. 
„Was passt vermehrt sich“

Dass natürlich auch der Like-Algorithmus nur als Werkzeug für user-spezifische Bewerbung entwickelt wurde, versteht sich von selbst …

Ganz risikolos ist das natürlich nicht.

Erstens (z.B. umstrittene Inhalte wie Politikerbios auf Wikipedia) ist das demokratische Prinzip nicht garantiert, dass jedes Individuum nur eine Stimme hat. 
Die digitale Verfielfältigung einer individuellen Meinung (multiple Useridentitäten) kann zu enormen Verzerrungen führen (http://derstandard.at/1319183453741/Woher-Faymann-seine-falschen-Facebook-Freunde-bekam ).

Entsprechendes Geld und anwaltliche Hilfe vorausgesetzt, können und werden immer häufiger mißliebige Stimmen durch Drohungen aus dem digitalen Diskussionsraum entfernt
http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Scheuch-Anwalt-droht-Internet-Usern-mit-Klage/59699227
http://reimon.net/2012/03/15/zur-vermischung-von-partei-und-staat/

Auf ein anderes Problem, die Beeinflussbarkeit des individuellen Urteils durch das Bekanntwerden anderer Meinungen, wies eine vom Spiegel zitierte Studie an der ETH-Zürich hin.
(http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,762837,00.html , http://www.pnas.org/content/early/2011/05/10/1008636108.abstract?sid=1baaf087-335e-49e9-8bcb-7bde4cbd8bdf )

Das Experiment zeige, dass sozialer Einfluss die Diversität der Antworten verringere, nicht jedoch den kollektiven Fehler. 

Oder anders ausgedrückt: 
Verlassen wir uns auf unsere individuelle Schätzung, dann entspricht der Mittelwert der so abgegebene Schätzungen einer Gruppe meist sehr gut der Wahrheit. Erfahren wir aber, was andere bereits vor uns geschätz haben, dann verzerrt der Herdentrieb unser Urteilsvermögen so sehr, dass unsere Schätzungen auch auf einen Wert konvergieren, dieser ist jedoch falsch.

Um die Weisheit der Vielen trotzdem nutzen zu können, ist es wichtig, dass der Einzelne bei seiner Entscheidung nicht weiß, wie die anderen entscheiden. „Das ist auch Grundlage der repräsentativen Demokratie“, sagt Helbing. Die kollektive Weisheit funktioniere gut, solange Menschen unabhängig voneinander wählen könnten.

Die Evolution hat diese Prinzip seit Jahrmillionen verfolgt:
Viele von einander weitgehend unabhängige Versuche zur Problemlösung ohne göttliche Moderation dem Realitätscheck zu unterwerfen. 

Kurzfristige Fehlentwicklungen sind nicht auszuschliessen, auf lange Sicht garantiert dies eine bessere Anpassung an aktuelle Erfordernisse des Schwarms.

Sperren wir aber einen Schwarm ein (Bild) 
dürfen wir uns nur nach einiger Zeit einen üblen Geruch erwarten …

Das können wir uns Schengen

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Das können wir uns alles Schengen (77 Besucher)

Was der Bürger von der totalen Freizügigkeit von Kapital und Dienstleistung, dem Mantra der Europäischen Union, haben soll,
war mir stets weniger klar, als die Vorteile, die dies für die Besitzer und Anbieter von Kapital und Dienstleistung.

Die Reisefreiheit innerhalb des Schengenraumes der EU (als ob es früher so schwierig war von Ö nach D zu reisen!) war der Köder, um auch dem Borniertesten klar zu machen, was der Einzelne davon hat.

Wenn nun – aus innenpolitischem Kalkül – immer mehr Staaten (F, DK, ..) selbst dieses Recht einschränken wollen …

http://derstandard.at/1304551792427/Schengen-EU-Innenminister-Grenzkontrolle-in-nationaler-Hand

dann fällt es schwer

NICHT von einer fallenden Maske zu sprechen!

Siehe auch: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=32500

Written by medicus58

19. Mai 2011 at 06:54

Veröffentlicht in Allgemein

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